Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2498 (5.2.1926)
- Date
- 1926-02-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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m m WW 8 Dien, Fttitag ■**.-••.-.-—.-...-.- der Explosion in die Luft geschleudert. Das Erdreich um die Umfassung der Kanalschächte wurde mit a u sgerissen. Verletzt wurde durch die Schachideckel zmm Glück niemasitz, doch stifte die gerade passierende Straßenbahncrsgattin Emma Brandtner infolge des Luftdruckes zu Boden und zog sich leichte Verletzungen an der linken Handln. '_ „Arven werden nicht ««gestellt." L'öWit und Co. Ein Leser schreibt uns: „In Ihrer Nummer vom 2. Februar gibt einer Ihrer Leser seinem Erstaunen Ausdruck, datz die Optikerfirma Kleemann, welche unter anderem auch in der Taborstraße eine Filiale unterhält, jüdisches Personal nicht beschäftigt. Ich möchte die Frage aufwersm, ob es in Wien überhaupt eine christliche Firma gibt, welche im selben Verhältnis Juden anstellt, wie die meisten jüdischen Firmen Nichtjuden Beschäftigung geben. Vergeblich wird man bei Herzmansky, Ed. Schopp und Co., Esders usw. nach jüdischem Personal Umschau halten. Aber noch merkwürdiger ist cs, daß es auch jüdische Firmen gibt, welche in gleicher Weise dem a n t i s e m itischcn Prinzip huldigen und Juden nicht akzeptieren. Bei Löwit und Co., 17. Bez., Lascygasse, zum Beispiel sieht man, bis auf den Inhaber und ausnahmsweise einen Prokuristen, auch keine Juden. Es ist daher kein Wunder, daß die Anzahl der jüdischen, vakanten Angestellten und das. Elend unter ihnen größer ist, als unter den Nichtjuden. Wir wollen keinem Christen Unrecht tun. Zlber Abwehr wäre hier am Platze." T. N. Der Mekfterdieb Moranszky. Die verräterischen Fingerabdrücke. — Eine neue Verhaftung. Der Fall Moranszky bringt täglich neue Uebert a s ch u n g e n. Der Milliardendivb wurde auch der Täterschaft eines im Jahre 1922 bei denk Juwelier Krispel in Graz verübten Einbruches überwiesen, bei dem nach Mauerdurchbruch aus denr Laden Juwelen im damaligen Wert von etwa hundert Millionen Kronen gestohlen wurden. Bei dem Einbruch waren damals aus dom Tatorte Fingerabdrücke wcchrgenommen und aufbswahrt worden. Es stellte sich jetzt im Erkennungsamt heraus, daß die Abdrücke von Moranszky stammen. Die Fingerabdrücke sind die ersten Beweise, daß Moranszky nicht Hchler, sondern Einbrecher ist. Trotzdem behärrt Moranszky bei seinem Leugnen. In der Sache Moranszky ist gestern eine neuerliche Verhaftung erfolgt. Die 47jährige JuweleNgeschästsinhaberin Josefine Gans, Kaloarienberggasse 5, wurde gestern in Verwahrung s h a ft genonmren. Sie erscheint der Diebftchlsteilnchmung verdächtig, da Moranszky mit seinem Auto oft zu ihr fuhr. Sie gab zu, daß Moranszky mit ihr in Geschäftsverbindung war mtfo ihr Partien Brillanten zum ’Bcifaitf gebracht hckbe. Bei einer genauen Durchsuchung des Geschäftes wurde auch ein großer Schmelzofen iin einem Nebenranm entdeck, wo Moranszky nach Eingeständnis der Frau, Gold geschmolzen hat. Moranszky, der zuerst seine Verbindung init Frau Gans leugnete, gab, als man ihm die Aussagen der Fmu vochielt, zu, ihr Schnruck zum Verkauf' übergeben und manchmal Gold geschmolzen zu halben. ' Gestern traf auch die Gattin des Juweliers Krispol .'mit ihrem Sohne aus Gra; hier ein, um das Warenlager Moranszkys zu. besichtigen. Sie haben auch tatsächlich unter den bei Moranszky beschlagnahmten Juwelen einige Stücke ails von dem bei ihnen verübten Einbruch herrührend erkannt. Die Erhebungen über das weitere Sündenregister Moranstzsths wevden sochgesetzt. Schreckrnrszeue« kn einer Invaliden- Versammlung. Jntcröentioir der Rettungsgesellschaft und der Polizei. Das Pr-ipimenteukomilee der >in häuslicher Pflege befind-, .ichrn-KriegsbrschÜdigten und der Landesverband der Kriegsinorliden berief für gestern ins Eisenbahnerheim eine Berlannnluug ein, um eine Interessenvertretung ihrer Kriegsbeschäd'glen, unter denen sich viele Kopftchüßler, Nervenkranke, Epileptiker und Lungenleidende befinden, zu schäften. In diese Versammlung drangen Vertreter des Reichsbundes der Krisgsinväliden, einer schwarz-gelben Organisation, ein und machten Dtörungsverfuche, die zu furchtbaren Szenen ffchrten. Der Vorsitzende Metzer betonte zunächst die NotweMgfeit der Gründung einet solchen Interessenvertretung, die beabsichtige, im Einverrrchmen mit dem Landesverband Wien der Kriegsnwaliderr, die besonderen Interessen der in häuslicher Pflege sich befindlichen Kriegsbeschädigten, namentlich wegen Erhöhung des Krankengeldes und bezüglich der Bekleidunigsäktion, zu wahren. Ter Sekretär Wolfmüller des Landesverbandes legte die Absichten des bereits eingesetzten Komitees dar, die in ihrer Hauptsache auf Schaffung einer neunten Novelle;um Jnvalidenenlschäd-igjungsgesetz, .Ausgahlung einer N§tstandsau shii'lfe und Betellurrg sämtlicher in häuslicher Pflege sich befindlichen Kriegsbeschädigten Mt dey notwendigen Kleidungsstücken. Während der Ausführungen dieses Redners machte uugrfähr ein halbes Dutzend Angehörige des Reichsbundes der Krregsinoaliden fortgesetzt Zwischenrufe;, wodurch sie st ü r m i s ch e Proteste der mehrere hundert zählenden Versamnrlungsteilnchmer hervorviefen. Es kam schließlich zu itumuttuösen Szenen, bei welchen mchcere Kriegsbeschädigte epileptische Anfälle erlitten. Wiwe Schreie durchgellten den Saal. Einige Nervenkranke liefen schreiend hinaus, Gläser wurden von den Tischen heruMergeworfen, die Epileptiker schlugen mit Händen und Füßen - umsich, so daß sich -die Leitung gezwungen sch, Polbzei und Rettungsgesellschaft herbeizurufen. In etwa acht Fällen mußte die Rettungsgesellschaft intervenieren. Die Ruhestörer wurden? vonden erbitterten Bersammluntzsteilnehmern aus dem Saale gedrängt. Sie mußten sich fluchtartig entfernen, dem die vor dem Eisechchnorheint angesammchte Menschenmenge hptte nicht Gel LO, jp hie BeMmmluugsstärer vprWchxs, . __Wiene« Morgenzeltuttg : 1 Den fortgesetzten Bemühungen der Versammlungsleitung gelang es dann, die Ruhe wieder herzustellen und Sekretär Wolsmüller konnte sein Referat zu Ende führen. Es wurde schließlich eine Resolution gefaßt, in der die versammelten Kriegsopfer gegen den Plan der Regierung, die Heilfürsorge der Kriegsopfer den Krankenkassen zu übertragen, energisch protestieren und einen ebenso scharfen Protest gegen die Msicht, die Kopfschußstatiou in Döbling anfzulasscii, cchcbcit. Pariser Proteftftreik gegen neue Steuern. Ans Paris wird gemeldet: Wie die Information" berichtet, haben heute nachmittags die Geschäftsleute einer der bedeutendsten Pariser G e s ch ä f 1 s st r a ß e n, der R u e S t.? H onor e, ihre Läden zunt P r o t e st gegen die geplanten neuen Steuermaßnahmen eine Stunde lang gesperrt und in einer Ankündigung an das Publikum gegen die steuerliche Ungleichheit Stellung genommen, worin gesagt wird, das Paris und das Seine-Departement 48 Proz c n t der Stenern von ganz Frankreich zahlen. Im redaktionellen Teile enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. W i e n, 5. Februar. * Dos Wetter. Gestern herrschte wieder müdes und etwas klareres Aeuer, als an den Vorlagen. Die Voraussage für heute lautet: Mildes Wetter anhaltend, veränderlich, Bewölkung. * Tödlicher Unfall auf einem Neubau. Gestern mittags ist auf dem Neubau in der Golvschlagstraße 193 in Hietzing der dort beschäftigte 35jährige Hilfsarbeiter Karl Krawany in einen Aufzugsschacht gestürzt. Mit schweren inneren Verletzungen blieb er bewußtlos liegen und verschied bald darauf. * Von der Lebensgefährtin des Giftmordes beschuldigt. Ein Kaufmann in Ottakring wurde vorgestern, wie die Korrespondenz Wilhelm meldet, unter dem Verdachte des Mordversuches an der LcbenÄzefährtin dem Landesgerichte eingeliefert. Sie hat ihn orm Polizeikommissariat Wicken 'angezeigt. Sie ist an schweren Vergiftungsersche'mlmgen erkrankt, doch konnte man nicht feststellen, ob die Vergiftung auf ein organisches Leiden zurückzusuhren ist, cd er durch 'die Beimengung von Giften zu Speisen herbeigeführt tvorden sein kann. * Für die Einführung der Sommerzeit. Das Gremium der Wiener Kaufmannschaft hat an das Ministerium für Handel und Verkehr eine Eingabe gerichtet, in der es beklagt, daß seine wiederholten Ersuchen, die Sommerzeit einzuführen, keinen Erfolg zeigten. Das Gremium richtete daher an das Ministerium neuerlich das dringende Ersuchen, bei der Bundesregierung f ü r die Wiedereinführung der Sommerzeit nachdrück l i ch st e i n z u t r e t e n. In der Eingabe heißt es. daß in einem Zeitpunkte, in dem alle berufenen Faktoren von der 'möglichsten Besserung unserer Handelsbilanz ohne endgültige und dauernde Sanierung unserer so schwer geschädigten wirtschaftlichen Verhältnisse erwarten, dürfen die sehr beträchtlichen Ersparungen an Licht durch die Wickereinführung der Sommcrzeit nicht überschen werden. * Jüdische Veranstaltungen in Graz. Man schreibt uns aus Graz: Unserer rührigen zionistischen Ortsgruppe sind zwei Veranstaltungen der jüngsten Zeit zu danken, welchen fast die gesamte Judenschaft unserer Stadt beiwohnten. Frau Anitta Müller-Cohen sprach an einem Abend über rhre amerikämscheu Eindrücke. Ihr Bericht über den Mischen Kongreß in Baltimore, über das amerikanische Judentum und über die Aufgabe, welche den amerikanischen Juden für das .gesamte Judentum und insbesondere für den Arvfbau Palästinas'zukommt, begegnete größtem Interesse des übervollen Saales. Nach dem Vortrage fand eine engere Zusammenkunft der geschätzten Gästin mit dem Ausschuß der zionistischen Vereinigmm statt, bet welcher Frau Anitta Müller-Cohen eine Reihe von Anfragen beantwortete. Der Vortrag Anitta Müller-Cohens wurde in der Grazer Presse eingehend behandelt. — Als Auftakt für die Grazer Ke re n-H a j e s s o d--A k t i o n, welche iu der __ ersten Hälfte des Monates Februar durchgeftihrt wird, fand späterhin die Aufführung des neuesten Palästinafilm cs statt. Der Saal war ausverkaust. Die Vorführung wurde durch einen Vortrag Dr. Otto Abel es'- enMleitet, der vor einigen Monaten eine Studienreise durch Palästina unternahm. Seine Ausführungen, welche die Filmvorführung wirkungsvoll ergänzten, hinterließen einen starken Eindruck. * Der Fischaufzug. Von einer bemerkenswerten Neuerung .berichtet der „New Aork Hevalld". Eine Folge der Ausnützung der Flüsse und Ströme des amerikanischen Westens zur Gewinnung von Energie war bisher das Massensterben solcher Fische, die auf ihren alljährlichen Wanderungen flußaufwärts - die hcchcn Staudämme der Kraftanlagen nicht zu überwinden vermochten. vvr allem der edlen Fische Salnc und Forelle. Die Ufer der elektrifizierten Ströme waren oft meilenweit mit augetricbenen Fischleichen bedeckt. Nach langen Bemühungen und Versuchen, der' Biölogcn und anderer Wissenschaftler ist nun ein korbartiger Aufzug konstruiert worden, der allenthalben an den Dämmen angebracht werden soll, so daß im kommenden Frühjahr die wandernden Fische durch diesen Aufzug über die Hindernisse befördert werden können. Ter Erfinder des neuen Apparates, der Fischereidirektor der Washington-Universität. Jchn N. Cobb, erhielt nach dem Bekanntwerden seiner Erfindung aus allen Teilen der Weilt Anfragen über die mit seinem Apparat gemachten Erfahrungen, was offenbar als Anzeichen dafür zu deuten ist, daß der Fischlift einem langgehegten Bedürfnis entgegenkomint. vereine. Borträgc und Versammlungen. Zionistische B e z i r k s s e k t i o n Leopoldstadt. Heute, halb 8 Uhr abends, im Sektionsheim, Zirkusgasse 33, Bortrag Rabbiner Dr. Wundermaun über: „More nebuchim." * Der Rout zugunsten des Spitales der Barmherzigen Brüder findet morgen um halb 9 Uhr abend in sämtlichen Festräumen der Prmidentschaftskanzlei und des Bundeskanzleramtes unter dem Protektorat des Bundespräsidenten Doktor Hämisch und des Bnndeskanzlrs Dr. Ramek statt. Vormerkungen für die restlichen Eintrittskarten (einschließlich Buffet) werben noch entgegengenommen bei Sektionsrat Dr. Wolfgang L a ck e n b.a ch e r, 1. Bez., Minoritenplah 6, (Unterrichtsministerium); Sektionsrat Dr. Hugo Lederer, 1. Bez., timmelpfortgasse 8 (Finanzmimstermm) und Regierungsrat zech, i. Bez.. Ballhausplatz 2 (Bundeskanzleramt). Radioprogramm. Heute Freitag den S. Februar. 16 Uhr 15 Min.: Nachmittagskonzert. — 18 Ufer 10 Min.: Wochenbericht für Sport und Freurdenverkehr, Oberbaurat Ing. Erwin Detnletn. — 18 Uhr 25 Miu.r Dar Museum fiir Kunst und Industrie. — 10 Uhr 10 Min r Französisch. — 19 Ubr 40 Min : Englisch für Vorgeschrittene. — 20 Uhr 15 Min. r Sonatenabend. __8, Februar IM M> «M Kunst, Bühne, Buch. Ser Mnenkkug. Abel Palms Pogromzyklus. Viele Kunstkritiker klagen, die moderne Malerei wirks süchl in die Tiefe, sie sei von Fachleuten für Fachleute gemacht M pflanze sich durch Lchlagwörter fort. Diese — nennen Wir sie — Tatsache hat Sie Wirkung jeder einseitigen Wahrheit ftir sich «unj sie spricht genau so gegen den Künstler wie gegen dm Betracht,» Und wenn nun jemand mit denr Stift von Dingen erzählt, leicht faßlich sind, weil sie übers Auge direkt zur Seele sprechen dann heißt es, man habe cs mit Banalität zu tun und $)!$ sei mißbraucht worden. Solche Betrachtungen wurden im Vorjahre in der Sezefsio» laut, als Abel Spann unter anderen MAverken den Pogrom> zyklus „Der Tränenkrug" ausgestellt hatte, und wenn sie auck nicht immer laut wurden, so waren sie doch mit der erwähnter Einschränkung gedacht. Nun kann man den Zyklus ohne jed, Voreingenommenheit und ohne jedes subMive AVohlwoller sMdieren: er ist soeben unter dem Titel „Der Tränenkvug", form mit dem Titel der Originale, als Mappenwerk reproduzier: erschienen, und zwar 24 Lichtdrucke, kartoniert und zu eine: Lemcn-, beziehungsweise Maroquinledermappe vereinigt. Als Verleger zeichnet das Nationälmuseuin „Bezalel" in Jerusalem wo sich die Originale befinden, als Hersteller und Vertreter der kürzlich in Wien gegründete Europa-Verlag. Das Format 24 mal 31 Zerrtimeter ist handlich, die Ausführung reproduktionstechnisch ohne Zweis.'l würdig und einwandfrei. Es ist bekannt, daß ein amerikanischer Mäzen die Originalblätter angekaust und dem palästinensischeu Nationalmuseum verehrt hat, wo sie im „Saal des Träneirkrugs" vereinigt sind. Der: Grundakkord, der den Betrachter der Mappe begleitet, hat Oberrabb'mer Dr. H. P. Chajes in einem charakteristischen Vorwort angeschlagen, das lautet: „Die Menschheit hat ein kurzes Gedächtnis. Erft zehn Jahre — erst fünf Jahre sind verstrichen? Mr spricht heute zcoch von den Greueln des Zarismus, von den Pogromen iu der Ukraine? Verweht, verschollen — und doch leben noch und leiden noch Tausende ihrer Opfer. Die Zeichnungen Abel Panns wollen nicht Racheschreie sein, nur Mahnungen. In Jerusalem befinden sich die Origi-- ,nnle. Unser Volk soll den Weg erkennen, der von dm Leiden des Exils zum Frieden des eigeueil Heimes führt. Das Gewissen der Welt soll aufgerüttelt werden und dem schwergeprüften Israel ermöglichen, in Ruhe und Sicherheit an seinem und der Menschheit Archban zu arbeiten." Die Worte des Mischen Gelehrten verdanken ihren Ursprung einer echischerr Betrachtung des Werkes, die um so begründeter ist, als dieses seine Entstehung nicht einer artistischen Manier, sondern einer tiefmenschlichen ethischen Erhebung verdankt und dadurch die BewunderrMg der Kunst durch die absolute Aeschetik siegreich abwehrt. Derart erfaßt, stellt der „Tränenkvug" eine fürchterliche Anklage des menschlichen Gewissens gegen Brutalität und, Mißachtung der Menschlichkeit dar und der stumme Schrei der einzelnen Szenen ist brennender als alle Proteste und Manifeste, die ivährcnd des Krieges und nach ihm zu dm Völkern und Machthabern sprecherr sollten, Unverschuldete Pein, die fürchterlichste Schändung des Menschengeschlechtes, bewußtes Hinmorden und Berstümmelu von Menschen, nur weil sie Juden sind — diese Schmach kann Gerechtigkeit von Generationen nicht vergessen machen. Das Erschütternde der Wirkung der Abel- Pann-Blätter rührt von ihrer Objektivität, von ihrer unaufdringlichen, 'tendenAllxsen Darstellung auch dessen, was eine PlMtaltualität verlangen könnte, von ihrer Schlichcheit iu jenen Szenen her, die zu Blutig-Theatralischem, Fanatisch-Ugitatorischenr verführen könnten. Die Kunst des absolute,: Seins im Graphischen hat Übel Pann in Paris erlebt und erlernt. Meister wie Steurleu und Leander und die Reihe der Mitarbeiter an der inzwischen eingegaugenen „L'Assiette au beurre" (dem Pariser „Simplizissimus") hchen ihm gezeigt, wie man aus einer politischen Sentenz den menschlich-naiven Kern heraushebt; wie ein erschrecktes Kinderaugenpaar, eine Kosakeupeitsche, eine zertrümmerte Thorarolle, eine zilsammengedräugte Judengruppe, ein zur -Abwchr echobener Arm den Beschauer zwingen, den Augenblick sortzusetzen und ihn zu einer grausigen Tragödie tiefinnerst zu verarbeiten. Dem Geheimnis solcher Wirkung karm allerdings nur ein großer Künstler gerecht werden: andeuteH nicht zu viel austsprecheu, nicht soreiereu; die Fovni ungehärtet lassen, ohne Fmg-c ment zu bleiben. Abel Pann ist Zeichner im Pogromzyklus, trotz Farbe und Bildwirtung. Der Reiz liegt in der Linie, m der elei mentaren Absonderung des Schwarz vom Weiß. Er ist Realist, indem er es vermeidet, das Erlebnis fiehtcr Sinne ins Mystische zu wandeln. Er ist Illustrator zu einem uugeschriebmen, aber wohlbekannten Text, zu einem Text, den die Zeitgeschichte gerne verschweigen möchte. Ein Stück traurigster Wirklichkeit zeigt sich plötzlich als Stück Kunst «iib gibt jeher erst liefere BedeuhM. ge Ausden Theatern. Burgtheat e r. Morgen, ^SUHr aheühs, ,^M^H^. A k a d e m t e^'ch's « I er. Morgen, Vf& Uyr abMS, Fand IV. Operntheater. Morgen, 7 Uhe aS-M, Z i g e u n e r b a r o , Redoute nla aX Margen, Vfi Uhr lchendS, »Dl'-H Barbier v o n S e v i l t or, Deuts von Hans M ü poldine Konst Isen 11. d. statt. Raimund- D.h raten Ms Bayard V e i l l e r 8 St.ück „D e.r d no imit Haust Niese Mittwoch den iv in Szene. Illll I IT IIIII