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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-05 · Heft 2498 (5.2.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2498 (5.2.1926)
Date
1926-02-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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©tfte I _ Men. Freitag Sit dem Genfer Gericht. —y. Wien. 5. Februar. Die Frühjahrssession bcö Völkerbundes, die am 8. März beginnt, wird diesmal bedeutsame Beschlüsse zu fassen haben. Deutschland wird seine Aufnahme beantragen und Ungarn hat gemäß dem Sanierungs- Programm seinen Staatsvoranschlag zur Genehmigung vorzulegen. Die Aufnahme der ' deutschen Republik liegt auf der Linie der Locarno-Verträge und entspricht dem Geist der durch Briand inaugurierten Versöhnungs- Politik. Sie hat erst in der vorigen Woche ihren Ausdruck in der Räumung der ersten Zone durch die alliierten Truppen gefunden. Ein Prinzipieller Widerspruch kann gegen den Eintritt Deutschlands nicht erhoben werden, doch scheinen sich im Zusammenhang damit Verschiebungen innerhalb des Bölkerbundrates vorzubereiten. Da Deutschland Anspruch auf einen Sitz in dieser leitenden Körperschaft erhebt, wünscht auch Frankreich seine Position zu stärken und für Polen und die Tschechoslowakei sowie auch für Spanien je einen Sitz zu reservieren. Deutschlands zukünftige Haltung ist ungewiß, Amerika fehlt und so wäre, falls Frankreich seinen Willen durchsetzt, eine Majoritätsbildung ohne oder sogar gegen England möglich. Diese Eventualität würde selbstverständlich aus die englische Politik in Europa und im nahen Osten retardierend wirken und alle in irgend einer Richtung des Orients interessierten politischen Kreise müssen ihr Augenmerk auf diese Situation richten. Die Situation Deutschlands ist freilich nicht sehr günstig. Der Fememordprozeß und die hinter ihm stehenden Kräfte haben berechtigtes Mißtrauen hervorgerufen. Die Stellung der Regierung ist im Parlament sehr schwach und selbst das Berliner Gericht, das die Mörder abzuurteilen hatte, nahm sich heraus, entgegen dem Wunsche der Regierung die Verhandlung geheim zu führen,^ da angeblich Interessen des Staates gefährdet wären. Einem der Mörder wurden im Urteil sogar ausdrücklich die patriotischen Motive zugebilligt. Es ist unbekannt, ob die Beziehungen der schwarzen Reichswehr zu der offiziellen Armee und zu ihren leitenden Organen vollständig aufgeklärt wurden. Die Methode der Vertuschung, die hier betrieben wurde, erreicht selbstverständlich den gegenteiligen Eindruck und befestigt die Anschauung, daß es zwei Deutschland gibt: em offizielles, das zur Fassade für den Völkerbund dient, und das andere, das im vollen Besitze der Macht MV sich aber von jeder Sorge um die Verantwortung frei weiß. Dieses andere Deutschland betreibt sozusagen gewerbsmäßig die Hetze gegen den Frieden und gegen das Werk von Locarno, dem wieder einmal in der Presse der Rechten die Ehre erwiesen wird, als jüdisch denunziert zu werden. Dieses andere Deutschland hält die Regierung unter Druck und man kann sich leicht vorstellen, wie unter diesem, parlamentarisch wohl fundierten Einfluß die Tätigkeit der deutschen Vertreter im Völkerbund beschaffen sein wird. Dieses andere Deutschland sollte nicht vergessen werden, wenn die ungarische Sache vor den Völkerbund gelang!. Die geistigen Antriebe zu der. infamen Affäre des chrittlickmatioualen Kurses wurden von . diesem schwarzen Deutschland in Aktion gesetzt. Aus der mit Hochverrat, Spitzeltum und mörderischer Brutalität erfüllten Atmosphäre des hakenkreuzlerischen Verschwörertums ist die magyarische Bewegung geistig alimentiert worden. Sie hat sich erkenntlich gezeigt, indem sie den Judenmord zur Grundlage und zum Inhalt ihrer Staatskunst machte. In Ungarn ist das Ideal erreicht, denl das unterirdische Deutschland zustrebt, und in Ungarn ist der letzte Schritt von der Fälschung des Rechtes bis zur Fälschung der Wirtschaft gewagt worden. Er ist gescheitert und Ungarn wird dies vor dem Völkerbund zu vertreten haben, der dem Csongrader System nicht untertan ist. Dem schuldigen Mann geht das Grausen an und Graf Bethlen trifft schon heute seine Vorbereitungen. Er will nicht selbst nach Genf gehen, sondern trägt diese Mission Personen an, deren Renommee noch nicht so arg belastet erscheint.. Man nennt als Vertreter den Grafen Apponyi, den Polyglotten Ueberiüncher der blutigen Wand, und den Grafen Teleki, den gewesenen Vorstand des kartographischen Institutes. Aber in Genf wird es neben den falschen Noten auch noch die Angelegenheit des Numerus clausus geben. Denr Grafen Klebelsberg war es im Dezember noch gelungen, sich aus denl peinlichen Verhör durch den Brasilianer Mello Franco herauszuwinden. Er gab das Versprechen ab, daß er gemäß der fortschreitenden Konsolidierung auch die Universitätsschande abbauen werde. Die Konsolidierung ist inzwischen zum Weltskandal geworden und diesmal wird es wohl unmöglich sein, dem Urteil zu entkommen. . Wiener Myr§enzeltirn- Nur untenkdijche Leutichland. Von den Fememördern. Berlin, 1. Februar. Das Urteil, welches das Berliner Schivurgcrichr gestern i„ xm geheim geführten Fememord Prözeß Mte, hat den Prozeß.zwar juristisch beendet, in Wirklichkeit scheint dieser aber vor der öffentlichen Meinung erst zu beginnen. Schärfster Widerspruch wird in der republikanischen Presse weiter namentlich dagegen erhoben, daß das Gericht den Oberleutnant v. senden freigesprachen hat, der seht, wie gemeldet, von der-Frau des zum Tode verurteilten Feldwebels stein öffentlich als der Hauptschuldige bezeichnet rvnrde. Drei der Verurteilten haben, wie bekannt wird, in der Verhandlung erklärt, das; sie nicht durch Leutnant V e n n» sondern durch Oberleutnant v. senden und durch Hauptmann G u t k n e ch 1 angestiftet wurden. Das „Berliner Tageblatt" ineldet dazu folgende Einzelheiten: Zwei Tage vor der Tat hat Oberleutnant v. Senden dem Leutnant Venn den Auftrag erteilt, h a n d f e st e Leute zu stellen, die Panier unschädlich machen sollen. Einige Tage spater hat v. senden auf eine Frage geantwortet, Panier fei n a ch s p a u: e n v c r fe i? t weiten. Weiters soll v. Senden auch a n d e m M o rd an eine m C b c v f c 1 d w e b e { rvefentl'kch beteiligt sein. Berlin, 4. Februar. Der durch die Fementordangelegenhci t besann ^gewordene, früher der schwarzen N eichswc h r angehörende Göbel, der im Besitze schwer belastenden Materials gegen den fr eigesprochenen Oberleut nan^t^v. Sende« sein soll, ist, wie die Wachtansgabe des „Tag" ineldet, wegen E r p r e s s u n g s v e r s u ch e s festgenornrneu worden. Er hatte dem Verteidiger Scndens belaste nd e s Material für 200 Mark verkaufen wollen. Der „Herr der Loge". Berlin, 4. Februar. Wie bereits gemeldet, eilt Passant vorgestern den anführenden Offizier einer Kompagnie Reichswehr, deren Musikabteilung das Marschlied „Stolz weht die Flagge schwarz-weiß-rot" spielte, darauf aufmerksam gemacht, daß das betreffende Lied unangebracht, da die Flagge der Republik schwarz-rvt-gold sei. Ein Mann der Kompagnie stürzte sich auf den Passanten, hielt ihn fest, ein zweiter verlangte die Per« sonalien und ein dritter erklärte ihn mit einem Schlag aus die Schulter für verhaftet. Er wurde auch in die Kaserne in der Rathenower Straße gebracht. Dort wurde er dem Adjutanten der Kommandantur vorgeführt, der ohne weiteres zugab, daß die Truppe kein Recht zur Verhaftung gehabt habe. Das Reichswehrnünisterium hat sofort eine Untersuchung eingeleitet, über deren Ergebnis der Oefsentlichkeil Mitteilung gemacht werden soll. Recht interessant ist übrigens die Stellung des Ministeriums, das über das beanstandete Lied befragt wurde: „Die Staarsfonn des Deutschen Reiches lvürde durch das Marschlied nicht berührt, auch könne mau darin keinerlei Provokation republikanisch gesinnter Staatsbürger erkennen. Schließlich sei ja die Flagge der Marine schwarz-weiß-rvt. Das Marinelieder-Potpourri, das unter auderent auch das Lied enthalte, fei ausdrücklich genehmigt. Die Festnahme habe nach Aussage des Offiziers deshalb erfolgen müssen, weil es unntöglich sei, daß ein Passant in die nrarschiereude Truppe hineinginge, und der Offizier „habe sich zu der Festnahme entschließen müssen, um Herr der Lage zu bleiben ..." Spaltung im jungdeutschen Srden. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Berlin, 4. Februar. Tie Frankreichpolitik des Ordenshochmeisters M a h r a u n hat :n Niederhessen, dem Ausgangspunkt der Bewegung, zur Spalt u n g des Iungdeu tschen Ordens geführt. Tie 31 aus dem Orden ausgetretenen Bruderschaften haben sich in Kassel zu einem I u n gdeutschen Treuöund zusammengeschlofsen. Sie deutschnationale Kampagne gegen Italien. Rom, 3. Februar. „Giornale d'Jtalia" bespricht an erster Stelle des Blattes den Boykott gegen Italien durch deutsche Vereine. Tas Blatt meint jedoch, daß -die Mehrheit des deutschen Volles gegen eine solche Maßregel sei, und hofft, daß die d e u t s ch e R e fl i t r u n g, deren Macht allerdings durch die parlamentarischen Verhältnisse ziemlich beschränkt fei, aus ihrer bisherigen Zurückhaltung heraustreten werde, und' zwar im Interesse der wirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands. Strafvekfolgung kommunistischer Abgeordneter wegen SottesMerung. Berlin, 4. Februar. In der heutigen Sitzung des preußischen Landtages wurde in namentlicher Abstimmung mit 186 gegen 137 Stimmen bei drei Stimmenthaltungen beschlossen, die Bewilligung zur Strafverfolgung des Abgeordneten Keller mann (Kommunist) wegen Gotteslästerung zu erteilen. Daraufhin kam es zu lebhaften | Kundgebungen seitens der Linken. Es wurden Stufe laut: | S. F'brnar M6 Nr. 2498 —..... .— F e m e nt ö v d e i! Auch ixv Strafverfolgung des Abgeord» neteu Lade mann (Kommunist) wegen Religion A» beleidignng wurde zngestimlnt. Die Hnndspeitsche gegen Andreska. Budapest, 4. Februar. Ter Leiter der politischen Polizei, Karl A n d r e j k a, wurde gestern in einem Tramwaywagen von einer jungen Dame mit einer Hnndspeitsche geschlagen. Tie Tante wurde verhaftet. Sie nahm unbemerkt Gift, konnte aber gerettet werden. Es handelt sich um die gewesene Universitätshörerin Alice B i d e k y, die wegen kommunistischer Propaganda vor drei Jahren zusammen mit anderen Jugend liehen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Die Erhebungen wurden damals von dem Oberslcidrhauptmannstellvertreter Andrejka geleitet. Wie „Bilag" meldet, hätte sich das Mädchen deshalb gerächt, weil sie seinerzeit bei der Poliz c i mißhandelt worden ist. Strenge BeMüffe gegen die Kura-Stndenle«. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Bukarests 4. Februar. In einer im Ministerium des Innern stattgefundenen Konferenz, an lvelcher die Minister Tasarescu und Anghelescu, ferner der Rektor der Blllarester Universität, P a n g r a t:, und der Dekan der jüdischen Fakultät in Bukarest, M i r o n c s c u, teilnahmen, wurden die jüngsten antisemitischen Skudentenkrawalle eingehend behandelt. Die Konferenz faßte folgende Beschlüsse: An die Studenten lvird ein strenger Erlaß ergehen, durch den die Hochschüler aufgefordert werden, von antisemitischen Ausschreitungen abzulassen. Die Polizei -erhält die Ermächtigung, die Ansschreitendert : n H a s t z u n e h m e n und dem M i l i t ä rg e r! ch t einzuliefern, wo gegen sie wegen Uebertretung gegen die öffentliche Ruhe das Verfahren eingeleitet werden wird. Die an den Unruhestiftungen beteiligten Studenten werden für immer aus allen rumänischen Universitäten a u s g e s ch l o st s e n. Sollten alle diese Maßregeln nichts fruchten, so. werdctt jene Fakultäten, an denen die Ausschreitungen stattfinden, gesperrt und sämtliche Hörer der betreffenden Fakultät verlieren das Semester. Diese Beschlüsse wurden allen Universitäten und Studentenverbänden mitgeteilt. öir Mond rar Mandatsniederlegung ausgesordert. London, 4. Februar. Sir Alfred Mond ist von seinem Wahlkreisverband telegraphisch ersucht - worden, sein Mandat niederzulegen. Mond hatte bei seinem Parteiwechsel erklärt, daß er nur aus Grund direkterAufforderung seiner Wähler bereit fei, das Mandat aufzugeben. Sine FlLchtlingsanleihe in Bulgarien. London, 4. Februar. „Financial News" verzeichnet da5 Gerücht, daß Verhandlungen über eine bulgarische Regierungsanleihe im Zuge feien, die zugunsten der Flüchtlinge verwendet werden soll. Die Verhandlungen seiet' noch nicht über das Vorbereitungsstadium hinausgekommen. Abreise der Zoint-Abordnung ans Warschau. Warschau, 3. Februar. (I. T. A.) Der Direktor des Joint für Europa, Herr Dr. Bernhard Kahn, sowie Herr Dr. David Schweizer, sind aus Warschau nach Berlin abgereist. Vor seiner Abreise bestimmte Herr Dr. Kahn, daß den Kre-ditbanken, die sich als Instrument des jüdischen Aufbaues bewähr: - haben, ein Kredit von weiteren 200.000 Dollar aus den Mitteln der Foundation zugeführt werden. Ferner stellte Herr Dr. Kahn 50.000 Dollar für Speisung der Schulkinder in Marschart, Lodz, Wilna und Bialystok, 22.000 Zloty für die Maismhilfe im Monat Jänner und 15.000 Dollar für den Gesundheitsschutz der Gesellschaft Tos zur Verfügung. Herr Dr. Kahn sandte an den Präsidenten des Joint Distribution Committee in Amerika, Herrn Felix M. Marburg, ein Telegramm, in welchem, er die ungeheure Not unter den Juden Polens schilderte und darlegte, daß schnellste Hilfe not int und daß vor allem den Kreditgenossenschaften, die ein vorzügliches Instrument der Hilfe und des Aufbaues sind, weitere Kredite gewähr: werden müssen. ■ 941.000 Arbeitslose in Warschau. Berlin, 4. Februar. Wie die Blätter aus Warschau melden, hat die Arbeitslosenziffer mit 341.000 den bisher höchsten Stand erreicht. Monatlich müssen gegen z e h n M i >- Nonen Zloty Unterstützungen gezählt werden. Dins jüdische Haust as jüdische Blalia Zionistische Organisation ««MIO» xx Montan Clan 8. Februar 1926 um halb 8 Uhr abends im HOTEL CONTINENTAL II., Taborstrasse Nr. 8 Auf vielseitiges Verlangen l Auf vielseitiges Verlangen / II. KONZERT des Oberkantors Israel ALTER Hannover (früher Wien, XX.) Eintrittspreis S 2 mit vollständig neuem Programm Eintrittspreis S 2 Mitwirken wird ein verstärkter Chor unter Leitung des Chordirigenten Herrn David Relsenitiann MAS Karten sind ztt haben: Caf{ Neptun, XX, Oaussplatz 1. bei P. Messitta, XX., Rauscherstrasse, Bücherstube Rath, li,Taboritr 20a

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