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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-05 · Heft 2498 (5.2.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2498 (5.2.1926)
Date
1926-02-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Polen: 2Sftroszy| Vien: Zum Abholen in der Spedition, IL Taborstr. 1-8, der in einer Verschleisstelie Trafik) monatl. 5 Schilling itrassenverkaut in Wien lurch die Kolporteure der Irma Goldschmied, 1.. Wollzeile 11 4it Postversand für Wien tnd Oesterreich monatlich 5 Schilling! schecho-Slowakel. Hon.K22. Jugoslawien: ilon.Din. 60. Polen:Mon. >Zloty. Deutschland: Hon. Gm. 4, Frankreich, 3elgien: Mon. Frcs. 18 *acbsabiimgen bei t r e i *• irbfihannen Vorbehalten Wiener orgen;ei1ung iPrelsMol En g l a n d: Mon.4 Schilling/ Italien: Monatl. IS Lire* Rumänien: Mon. 170Lei. Bul gar 1 en: Mon.lOOLewa. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, D. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38.43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102. 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) OesterreiChisches Postsparkassen -Konto Nr. 150.693 Nr. 2498 ■■■■■■■■■■■■■■—a——a— Wien, Freitag, i. Februar 1926 8. Jahrgang FranfenMscher «ud ZememSrder. Sie franröjischen SeteMve in Buvavest wollen auch in Sentschiand Untersuchungen führen. Spaltung des jüdischen Sejmklubs. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Warschau, 4. Februar. Der jüdische Sejmklub hat ich gespalten. Der linke Flügel unter der Führung Doktor Schippers ist aus dem Sejmklub ausgetreten, nach- >em die Unstimmigkeiten, die sich im Zusammenlang mit der jüdisch-polnischen Verständigung ergeben laben, nicht überbrückt werden konnten. Der abgespaltene Zlügel beabsichtigt sich unter der Leitung Dr. G r ü n- «aums als selbständiger Sejmklub zu konstituieren. Präsident Dr. Reich und Vizepräsident Dr. Rosu a r i n haben demissioniert. Berhandlunge» Zouvenels mit de» Stufen. Beirut, 4. Februar. (Havas.) Iouvenel erhielt von Djaffar ein Schreiben, worin im.Namen des drusischen Volkes um Eröffnung von direkten Verhandlungen ersucht wird. Jouvenel antworteie, daß die Drusen zunächst. aufhören müßten, Krieg zu führen. Din organisches Statut werde vorbereitet und ein Medjliß (Parlament) gebildet werden. Die Drusen sollen die Wahl zwischen Unabhängigkeit oder Anschluß an Damaskus haben. Im ersten Fall werden sie das Haupt der Regirung zu wählen haben, int zweiten Fall werden die Vertreter der Drusen mit jenen anderer Gebiete, die dies wünschen, zusammentreten.. Frankreich verlange von den Drusen, den Syriern und den Alauiten nur, daß sie gemeinsam eine gemeinschaftliche Grenze nach auswärts garantieren, . bei der Regelung . ihrer, inneren Zwistigkeiten jede Gewalt verbannen und einen SH i e dsspruch anrufen. , Die Ziele Frankreichs seien Wohlfahrt, Frieden und Gerechtigkeit. Dazu bedürfe es keiner geheimen Verhandlungen. D:e öffentlichen Erklärungen hätten das ganze französische Volk und den Völkerbund als Bürgschaft für die Durchführung. Jeutschlands Eintritt in den Böllerbund. Noch I-in Antrag gestillt. Berlin, 4. Februar. Wie den Blättern von zuständiger Stelle mitgetelt wird, wird sich das Kabinett mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund erst dann beschäftigen, wenn die Ministerpräsidenten der Länder diese Frage auf chrer Konferenz am Samstag erörtert haben werden. Ein genauer Zeitpunkt für die Kabinettsberatüng steht noch nicht fest. Deutschland verlangt eine Vertretung im Generalsekretariat. Paris, 4. Februar. Der diplomatische Redakteur der Agence Havas glaubt zü wissen, daß die zwischen Briand und dem englischen Botschafter Crewe heute vormittags stattgehabte Unterredung sich auf den Eintritt Deutschlands in den Völlerbund bezogen habe, der wahrscheinlich Aenderungen in der Vertretung der Mächte in den ständigen Organen des Völkerbundes veranlassen würde, da das Deutsche Reich den Posten des Hilfsgeneralsekretärs beanspruche, den es dem Grafen Brockdorff- Rantzau anvertrauen würde. Reichsaußenminister Stresemann mit dem Grafen Bernstorff als Ersatzmann soll Delegierter des Deutschen Reiches werden. Baldwln im Sberhause niedergeftimmt. London, 3. Februar. Im Oberhaus gelangte mit 3 5 gegen 33 Stimmen eine Entschließung von minderer Bedeutung zur Annahme, die von der Regierung bekämpft worden war. Dieser Niederlage der Regierung kommt jedoch keinerlei politische Bedeutung zu. Bor der Ankunst Mal», in Rew-Bork. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) New-Aork, 4. Februar. Bon der hiesigen Zionistischen Organisation und der Leitung der Palästina-Kampagne werden Vorbereitungen für einen feierlichen Empfang Bialiks gewosfen. Es wnrde ein spezielles Empfangskomitee gebildet, dem nicht nur führende Zionisten, sondern auch hervorragende jüdische Schriftsteller und Persönlichkeiten des amerikanischen Judentums angehören. Am Tage der'^Ankunft werden sämtliche jüdische Organisationen New-Aovks am. Landungsplatz erscheinen, um den größten jüdischen Dichter 'der Gegenwart feierlich zu begrüßen. In der hiesigen Judenschast besteht die Ueberzeugung, daß Bialiks Anwesenheit der Palästina-Kampagne große Erfolge sichern wird'. Berlin, 4. Februar. Der Pariser Korrespondent der „Bossischen Zeitung" weiß zu berichten, daß die französische Regierung eine Reihe wichtiger Dokumente erhalten habe, die die ungarische Fälschungsangelegenheit als weit ausgedehnter erscheinen lassen, als bisher bekannt wurde. Aus diesen Dokumenten soll vor allem der enge Zusammenhang zwischen den ungarischen und den deutschen völkischen Kreisen hervorgehen. Die Fäden laufen diesen Zeugnissen zufolge von B u d a p e st n a ch Berlin und von Berlin n a ch. M ü n ch e n. Als Verbindungsmann zwischen den deutschen und den ungarischen Völkischen soll G ö m b ö s fungieren. Durch das der französischen Regierung vorliegende Material wird auch eine Reihe von Persönlichkeiten der deutschen äußer st e n Rechten schwer kompromittiert. Das Beweismaterial soll absolut erdrückend sein. Budapest, 4. Februar. (Tel.-Komp.) Die französischen Polizeibeamten Benoit und Doulcet konferierten heute längere Zeit mit dem Leiter der Kriminalabteilung der Oberstadthauptmannschaft. Die Franzosen dringen darauf, gewisse Corpora delicti, wie zum Beispiel das Farbenmat er i a l und die K l i s ch e e s, die zu den Fälschungen verwendet wurden, in die Hände zu bekommen. Im Verlauf der Untersuchung wurde bereits festgestellt, von Welchen deutschen Firmen das Notendruckpapier zur Herstellung der Falsifikate bezogen wurde. Die ungarischen Behörden stellen sich auf den Standpunkt, daß es nicht ihre Aufgabe sein könne, über die Einzelheiten der Papierbeschaffung und der Papierlieferungen an Ort und Stelle Nachforschungen einzuleiten. Die französischen Detektivs beabsichtigen nunmehr, die dies bezüglichenErheb ungen in Deutschland selbst vorzunehmen. Der: bayrische Innenminister weiß von nichts. München, 4. Februar. (Südd. Korr.-Bur.) Vor einiger Zeit hatte die kommunistische Fraküon in einer Parlamentarischen Anstage auf eine Pressenachricht hingewiesen, daß bei der Herstellung falschen Geldes in Ungarn im Aufträge der bayrischen Monarchisten L u d e n d o r f f und Oberst Bauer mitgewirkt haben, und von der Regierung Aufschluß darüber verlangt, ob sie von diesem Treiben etwas wisse. Der Staatsminifter des Innern, Stütze!, hat nunmehr folgende Antwort gegeben: Bisher haben sich keinerlei tatsächliche Anhaltspunkte dafür ergeben, daß irgendwelche bayrische Personenkreise in die ungarische Fälschungsangelegenheit verwickelt wären. Auch für die in einzelnen Blättern aufgetauchte Mitteilung über eine am 10. I ä n n e r d. I. stattgefundene geheime Konferenz sind Unterlagen nicht vorhanden. Damit erübrige sich eine Beantwortung der einzelnen Fragen. Bethlens Mitschuld. Budapest, 4. Februar. (Tel.-Komp.) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung kritisierte der Sozialdemokrat Daniel V a r n a h die Haltung der Einheitspartei in der Frankenfälschungsaffäre. Die Einheitspartei stelle die Opposition als revolutionäre Gruppe hin, obwohl die Unruhe und Nexvosität in den Kreisen der linken Opposition keineswegs einer revolutionären Stimmung entspringt, sondern lediglich der Aufruhr der Ehrlichkeit gegen die Unehrlichkeit in der Politik ist. Varnay warf weiters dem Ministerpräsidenten vor, daß Graf Bethlen es versäumt habe, sich von der gestern im Parlament erhobenen Beschuldigung zu rechtfertigen, wonach er (Graf Bethlen) über die wirkliche Rolle des Landespolizeichefs Nadossh schon völlig im klaren war, als er N a d o s s y mit der Einleitung einer Untersuchung über die geplante Aktion betraute. Dev parlamentarische Untersuchungsaus» schuß in der Frankenfälschungsaffäre hat heute die Abgeordneten Stephan Friedrich und Vinzenz N a g y einvernommen. Abg. Stephan Friedrich wurde, wie verlautet, über den Zusammenhang zwischen den Franken- und den Sokolfälschungen verhört. Ferner steht die Einvernahme des Abgeordneten der Einheitspartei, Josef Wild, bevor, der über die Rolle G ö mbös in der Fälscherasfäre aussagen soll. Bon wem stammen die falschen Pässe? Der französische Detektiv Doulcet hat angegeben, daß die saMen rumänische« Pässe für Oberst Jankotzich «yd die übrigen in Antwerpen verhafteten Emissäre der Frankenfälscher in Wien durch einen Mitschuldigen. besorgt worden seien, der in dem beschlagnahmten T a g e b u ch des Obersten Jankovich als „F. N." bezeichnet wird. Es.besteht nun die Vermutung, daß dies nur der C h e f d er Ga rdedesReichsv e r w e s e r s H o r t h y, der frühere Detachementkommandant Nandor F r e i b e r g, gewesen ist, der seinerzeit sich.vorübergehend in Wien aufgehalten haben soll. F r e i b e r g wurde in der ungarischen Bewegung schon vielfach genannt. Er hat seinerzeit, gleich Hejjas und P r on a y, ein Detachement kommandiert und soll sich dabei v ielrr Gewalttätigkeiten schuldig gemacht haben. Dagegen meldet heute der „Ujfag", daß die Frage der Herkunft der rumänischen Pässe bereits einigermaßen geklärt worden sei. Man habe festgestellt, daß Nadossh die Pässe unter M i ß b r a u ch s e i n e r A m t s g e w a l t in U n g a r n habe Herstellen lassen. Wie „8 Oraj Uffag" berichtet, wurde im Laufe der er. gänzenden Erhebungen festgestellt, daß für zwei Verbreiter von falschen Frankennoten der pensionierte Polizeihaupd mann Josef Valentin! die Reisepässe beschafft habe. Aus Verlangen Valentinis, der in Uniform erschienen war. hat ein Beamter die Reisepässe tatsächlich ausgestellt. Die Polizei wollte nun Valentini stellig machen. Dieser ist jedoch aus seiner alten Wohnung ausgezogen, ohne seine neue Adresse anzugeben. Pensionierungen. Der Ministerialrat im Finanzministerium Elemer Fejer, in dessen Reffort die Oberaufsicht des Kartographischen Institutes fiel, ist vor kurzem in denRuhestand versetzt worden. Heute melden die Blätter, daß auch der frühere Oberstleutnant Karl Kirchlechn e r, der in der Kartographischen Anstalt als Direkto rst e l l v e r t r e t e r angestellt «war, am 1. Jänner pensioniert worden ist. Einwendungen gegen die Anklage. Wie die Blätter melden, haben die Verteidiger der der Frankenfälschung Angeklagten in einer Konferenz beschlossen, gegen die Anklageschrift Einwendungen zu erheben. Demgemäß haben sich die Angeklagten bei dem Anklagesenat bereits gemeldet, wo zu Protokoll genommen wurde, daß sie gegen die Anklageschrift Einwendungen erheben und die Erledigung dieser Einwendungen in mündlicher Verhandlung wünschen, an der sie persönlich teilnehmen wollen. Von ben 21 Beschuldigten, die in Präventivhast genommen worden waren, haben 19Einwendungen erhoben. Zwei Beschuldigte, und zwar der gewesene Landespolizeichef Nadossh und der pensionierte Oberst Kurz, haben trotz der Entschließung der Verteidiger keine Einwendungen erhoben und erklären, daß sie die Anklageschrift zur Kenntnis nehmen. Bethlen scheut den Völkerbund. „Magharorszag" zufolge wird der Eintritt des Grasen Teleky m die Einheitspartei in politischen Kreisen lebhaft kommentiert. Der Schritt des Grafen Teleky verfolge danach offensichtlich den Zweck, die'S tellungBethlensinder Frankenfälschungsafsäre zu stärken. Ferner svll der Eintritt Telekys in die Einheitspartei damit im Zusammenhang stehen, daß Graf Bethlen zur Märztagung des.Bölkerbundsratrs nicht persönlich erschein neu, sondern sich durch Teleky vertreten lassen will. Der Prozeß im Hang. Haag, 3. Febmar. Die wegen der Ausgabe gefälschter französischer Tausenfrankennoten in Haft befindlichen drei Ungarn werden sich Donnerstag den 4. März vor der Strafkammer des Haager Gerichtshofes zu verantworten haben. Die Angeklagten werden von den Haager Rechtsanwälten Dr. Haags dorn und Dr. van Jsendoorn verteidigt. Der „Szozat" in Schwierigkeiten. Das Organ der Raffenschützler, der „Szoza t", ist heute nicht erschienen, weil die staatliche ,,Stadium"-Druckerei» in der das Blatt hergestellt wird, mit Rücksicht auf eine u n beglich e n e Schuld von 400 Millionen Kronen den Druck verweigert hat.;

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