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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-04 · Heft 2497 (4.2.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2497 (4.2.1926)
Date
1926-02-04
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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' Nr. 2497 M-«. ScmwtSfas 1 ■!■■■■■ I ■ ... ■ ■ .. ■ > ..- - « >>>».»> * m*mmr ■ Set Melketdkb Moranrily. Das vrrrSterifche Tagebuch. Der verhaftete Juwelier Moranszky leugnet ttod) immer, die großen Einbrüche in Zürich, Prag uns Brünn der. ■ übt zu haben. Die Untersuchung erbringt aber immer inehr Beweise dafür, daß Moranszky nich, der Hehler, sondern selbst der : Dieb ist. Bei seiner Braut Valerie Hohlöamps wurde ein Tagebuch mlt stenographischen Aufzeichnungen gefunden. Diese enthalten den kurzen Vermerk vom 26. Juli 1925, daß „die Zeitungen Mitteilungen bringen. Moranszky fei ein gefährlicher Einbrecher". Eine zweite Notiz vom 1. August 1926 besagt, daß Moranszky zurückgekehrt sei. Nun wurde der Einbruch bei dem Juwelier Meister in Zürich am 29. Juli v. I. verübt und Moranszky hat» um die Unmöglichkeit seiner Täterschaft darzutun, behauptet, er , sei um diese Zeit gar nicht von Wien abwesend gewesen. Bei der Durchsuchung des Ladens MoranSzkys hat man auch größere MengenBruchgold gcfunden, die noch die frühere Form der deponierten Juwelen erkennen lassen. MoranSzky bleibt starr und fest dabei, daß nicht er wr Einbrecher ist. sondern daß er alles Berdachrtge bei dem an» geblichen Mayer gekauft hat. ES wurde bekannt, daß Moranszky von seinem siebenten Jahre an bei dem Schneidermeister Berlinger in Szeged in aufgezogen worden ist. Im Juli 1920 ist er aus dem Gefängnis in Oe den bürg, wo er wegen eines Einbruchsdiebstahls eingesperrt war, entsprungen. Seiner Braut hat «r Geschenk um Hunderte Millionen gemacht. Die meisten Geschenke hat er später wieder verkauft. Seit Mitte November v. I. hatte Moranszky sein ständiges Automobil, das er täglich zu seinen Fahrten benutze. Sehr belastet erscheint die H o h l d a m P f durch ihr Tagebuch. Sie behauptet, Moranszky habe ihr nach seiner Rückkehr aus Zürich gesagt, er sei nur wegen Schmuggels angehalten worden. Als er von Zürich zurückkam, ging er einige Tage mit verbundener Hand. Er hatte eine Abreißring eines Nagels erlitten und erklärte dem Arzt und jedem, der ihn fragte, daß er die Hand in der Kupeetüre eingeklemmt habe. Wahrscheinlich hat er sich du: Verletzung bei dem Einbruch zugezogen. Mn maskierter Bankräuber. Aus Berlin wird gemeldet: Gestern, kurz vor 11 Uhr vormittags, betrat der stellenlose Kaufmann K u r s ch e i d den Schalterraum der Filiale der Diskontogesellschaft in Schmargendorf, wo eben der Kassier Geldscheine zählte; er zog hinter einem Pfeiler eine schwarze Maske vor sein Gesicht und trat dann mit gezogenem Revolver vor den Beamten. Er riß einen Haufen Papiergeld an sich und versuchte damit in einem A u t o zu entfliehen. Der Chauffeur, der Verdacht geschöpft hatte, weigerte sich jedoch, zu fahren. Kuvscheid wurde verhaftet. Ser Ankauf der Frauzos-S'Umschriften. Wir haben am 20. Jänner gemeldet, daß die Stadt Wien den handschriftlichen Nachlaß des Dichters Karl Emil Franzos von der Witwe,' Frau Ottilie Franzos, erworben hat. Ergänzend wird uns mitgeteitt, daß die Gemeinde sich verpflichtet Ijat, an die Witwe eine monatliche Rente von 140 Goldschilling ab 1. April 1920 auszuzehlen. Die Genehmigung zu diesem Ankauf ist in der Sitzung vom 29. Jänner auf 'Antrag des Gemsmderatcs Richter erteilt worden. Mau-weiße zllnvhglzchen. Die zionistische Idee soll in allen jüdischen Herzen Wurzel schlagen. Um dies zu erzielen, müssen den jüdischen Massen tagtäglich die Ziele der zionistischen Bewegung vor Augen geführt rverden. Neber Initiative des Bezirksrates K oh n würde nun die Z ü n d h o l z s ch a ch t e l in der: Dienst der zionistischen Propaganda gestellt und gleichzeitig damit eine nicht geringe Einnahmsquelle für den Nationalsonds erschlossen. Jeder Raucher und jede Frau, die in der Küche zu schaffen hat, nehmen die Züttdhobzschachtcl täglich wiederholt zur Hand und werden unwillkürlich die blau-weiße Vignette mit dem Davidsturm und dem pflügenden Chalnz betrachten müssen. Dabei tverden sie sich immer Wickler fragen, ob sie ihre Pflicht dom Keren Kajemeth gegenüber auch wirklich erfüllen. Hat der Jude seine Herzenspflicht verabsäumt, so wird ihm die blau-weiße Zündholzschachtel omdringUcher als dies oft mit den schönsten Reden und Artikeln geschehen kann, an seine jüdischen Pflichten erinnern. Der.zweite Zweck, den die blau-weiße ZünVhMchachtel zu erfüllen hat, bestcht darin, daß oln g r o ß e r P r o z e n t s a tz d e s Reingewinnes zum Ankmf von Boden in Ere; Israel vettvendet wird. Die traurigen wirtschaftlichen Verhältnisse haben e8 mit sich gebracht, daß nicht jeder, dessen Her; es chm gebietet, sein materielles Scherflein zum Wiederaufbau de8 jüdischen NationalhekmS in ausreichendem Maße boitragen kann. Hier ist auch dem Aermsten hierzu Gelegenheit geboten. Eure Zündholfschachtel braucht jeder Mensch und er wird unr so Weber die blau-weißen Zünder verlangen, wenn er weiß, daß er d i eselbe Qualität von Zündern erhält und daß er sie nicht »meinen Heller t e iu e t bezahlen muß als die anderen Zündholzschachteln. Dennoch erhält von jeder cimjdnett Schachtel der Nationalfonds einen Teil des Reingewinnes. Im Laufe deS Jahres fließen diese kleinen Tropfen ineinander und tverden zum Meer, aus dem dann der Keren Kajemeth aus volleren Eimern als bisher für seine segensreiche TatiMt schöpfen kann. Auf jede einzelne ZünÄholzischachtel kommt eS an! Jeder Jude wird von nun an nur blau-weiße Züftder kaufen. « Die Zionistische Bezirkssektion 6 bis 8 hat nE dem Verkauf der blau-weißen Zünder bereits begonnen und an einem einzigen Abend über 3000 Schachteln abgesttzt. Den Vertrieb der Zunder , hat ein bewährter Gesinnungsgenosse, der Inhaber der Zündhcklzgroßfirma Idlersberg im 8. Bezirk in der MDePajst, SkuuNtnuefi. I ■"■Wjuraswp» Wierker Mozmenzeikrmst $et „®oU8toitr Pöffl. Beim Bezirksgericht Hietzing wurde gestern über eine Ehrenbeleidigung verhandelt, welche der ehemalig« volkswirtschaftliche Redakteur des „Neuen Wiener Journal" Oskar Pöffl gegen den Redakteur dieses Blattes Bruno Wolf erhoben hatte. Gegenstand der durch Dr. S t u k s vertretenen Klage bildeten Beschuldigungen, die Wolf in einer Strafsache betreffend den Diebstahl des die Kadivec betreffenden, psychiatrischen Protokolls aus dem Steinhof als Zeuge gegen Pöffl erhoben hatte. Wolf beschuldigte damals den Pöffl, seine Stellung als volkswirtschaftlicher Redakteur zu verbrecherischen Handlungen mißbraucht zu haben. Er sei schließlich als Erpresser und Rcvolverjournalist entlarvt worden. Redakteur Wolf bot einen umfangreichen Wahrhe itsbeweis an. Zunächst wurde vom Angeklagten unter Beweis gestellt, daß Pöffl über die Versicherungsgesellschaft „Universale" einen Artikel veröffentlicht habe, der u n g ü nstige Mitteilungen über den finanziellen Stand dieser Gesellschaft enthielt. Tags darauf wurde über Veranlassung Pöffls eine entgeltliche Mitteilung im „Neuen Wiener Journal" eingerückt, welche sich sehr lobend über die finanzielle Lage der Universale aussprach. Pöffl habe den Direktor Storffer der Universale veranlaßt, diese Mitteilung einschalten zu lassen. Sie habe drei Millionen Kronen gekostet und Pöffl habe daran verdient, da er an den Jnseratengebühren beteiligt toar. Der Kläger bemerkte hiezu, daß er die Informationen zu dem ersten Artikel von sehr verläßlicher Seite erhalten habe. Weiters wurde unter Beweis gestellt, daß Pöffl sich beim Sekti.onschef Bergmann, dem Personalreferenten des Handelsministeriums, um den Regierungsrattitel beworben und mit Enthüllungen gedroht habe, als er erfuhr, daß er den Titel nicht erhalten könne. Der als Zeuge vernommene Sektionschef a. D. Bergmann bekundete, daß Bedenken gegen die Verleihung dieses Titels Vorlagen. Ueber Drohungen Pöffls sei ihm nichts bekannt. Hinsichtlich des weiteren Vorwurfes, daß Pöffl Artikel voll Lobes über Dr. Braun-Stammfest gebrächt und hiefür 40 Millionen Kronen erhalt cit habe, wurde vom Klagevertretcr zugegeben, daß eine solche Honorierung tatsächlich erfolgt Nfei. Der Verteidiger bemerkte jedoch, daß Pöffl vom Braun- Stammfest über 100 Millionen bezogen habe. Ferner machte Redakteur Wolf Pöffl zum Vvrtvurf, daß er heftige Angriffsartikel Men. Apgust Lederer geschrieben und die Einstellung ' weiterer Artikel versprochen habe,'^ falls Lederer Jnseratenaufträge gebe. Durch.den Prokuristen Danzingcr habe Pöffl auch von Lederer 15 Millionen Kronen erhalten. Danzinger gab in der gestrigen Verhandlung an, er habe Pöffl gefragt, warum er solche unerhörte Angriffsartikel gegen Loddrer schreibe und was ihm dieser eigentlich , getan habe. Pöffl habe erwidert: „Das ist.es eben, haß mir Lederer nichts gemacht hat!" Pöffl habe ihm auch gesagt, Lederer solle inserieren. Es war, soweit ihm erinnerlich, von Inseraten im Betrage von etwa 500 Millionen Kronen die Rede. Uebrigens habe er dem Pöffl auch einmal von Lederer ein geschlossenes Kuvert gebracht. Ob darin Geld war, könne er nicht angeben. Einen weiteren Vorwurf bildete die Behauptung, daß Pöffl dem gewesenen Direktor der verkrachten Nordisch-österreichischen Bank Waldegg mit Enthüllungen gedroht habe, falls er nicht Inserate aufgebe. Der Zeuge, Redakteur Dr. Lore n z, bestätigte, daß Pöffl telephonisch mit Wäldegg gesprochen und die Aufgabe von Inseraten verlangt habe, d a e r i h m s o n st unangenehm w e r d e n k ö n n t e. Der Angeklagte Wölf hatte ferner behauptet, daß Pöffl von Bvsel sich Geld dafür geben ließ, daß unangenehme Artikel nicht veröffentlicht würden. Der Klagen nwalt erwiderte, daß Pöffl niemals an Bosel eine Erpressung begangen habe, daß im Gegenteil eine Erpressung im „Neuen Wiener Journal" an Bosel versucht wurde, aber nicht von Pöffl. Redakteur Wölf erklärte nun, daß Pöffl von Basel nahezu eineinhalb Milliarden Kronen bekommen'habe. Ter als Zeuge geladene Präsident Siegmund Bosel war u i ch t erschienen. Es wurde jedoch der Direktor des Bankhauses Bosel, Dr. Saxl, einvernommen, der angab, daß ihm nichts über unehverrhafte Handlungen Pöffls gegenüber Bosel bekannt sei. Pöffl selbst erklärte, daß Bosel mit Rücksicht auf feine Stellung zunr „Tag" dem „Neuen Wie,rer Journal" sehr unangenehm geworden war. Es wurde nun von Bosel verlangt, er möge von, „Tag" abrücken und 100 Millionen für Zwecke, die vom .Herausgeber des „Neuen Wiener Journal" zu bestimmen seien, hergeben. Demgegenüber erklärte Dr. Saxl, das; der Herausgeber des „Neuen Wiener Journals", Herr L i p p o w i tz, n i emals eineg eldlicheLei sinn gvon Bosel verlangt oder angenommen habe. Es seien zwar wegen der Stellung Bösels zunr „Tag" Differenzen entstanden, die jedoch beigelegt wurden. Von einer Geldjeistüng Bösels an das „Neue Wiener Journal" fei niemals die Rede, gewesen. Gesandter a. D. Oppenheimer, her politische Konsulent Bösels, sagte aus, von Erpressungen Pöffls an Bosel sei nichts bekannt, es wäre möglich, daß Pöffl von Bosel, der überhaupt eine sehr jreigchtze Kaütz hat, Gei-tz, bejoulunn Mi. 4. Febm« 192$ GÄß 9 mmM £?i I? Ä MMz meinerMei Dr. S1 u k s fragte nun den Zeugen: Läßt P rasidentBoselsich überhaupt etwas erpressen? Der Richter ließ die Beantwortung dieser Frage, welche stürmische Heiterkeit im Auditorium hervorrief, nicht zu und beschloß, den ganzen Akt der ' Staatsanwaltschaft zur Einschätzung darüber > vorzulegen, ob nicht ein weiterer strafbarer T a 1 b e st a n d vorliege. Bund der Junggesellen und der ««Mcklich verheirateten Männer. Die Hausfrauen und heiralslustigen Töchter dev ehrsamen Stadt Havre find' empört. Die Verworfenheit, einen solche perfiden Klub zu gründen, Wien sie ihren Eheherren und den! mehr oder weniger bejahrten hoffnungsvollen Jünglingen doch, nicht zugetraut. Aber das A m t s b a t t bestä.igte die Kunde - Schwarz auf weiß konnten sie darin lesen: . „Titel: Klub. der Junggesellen und unglücklich ver^ heirateten Männer. Ziel: Antineurasthenische und philosophische Propaganda. Sitz der Vereins: 46, Cours de la Repuonqüe, Le Havve." Von Hand zu Hand gehen die Amtsblätter. Zoriibe''eud machen die Frauen einander auf die kurze Notiz aufmerksam. Mit giftigem Spott wird sie.'kommentiert: Antineurasthenische und philosophische Propaganda?! Man kennt das! Einen Zechklub haben, sie gegründet, in dem die mchtsuutzigen Ehemänner die heira sfah'gen Junggesellen vom tugendhaften Pfad, der , zur Ehe führt, ablenken wollen. Und dabei behaupten diese l hartgesottenen Sünder noch, mit der Gründung ihres sauberen Vereins einem allgemeinen Bedürfnis abgeholftn zu haben! Die Frauen von Havre sinnen auf Rache. Sie wollen eine Gegenmine legen und einen Verein gründen, dessen Anstrengungen darauf gerichtet sei» sollen, den Junggesellen, wo-' möglich voll Staats wegen das Leben unerträglich zu machen und ihnen die Ehe als ein irdisches Paradies hinzu stelle»!. Was die anderen Mitglieder des-Männerklubs, die „ungÄcklich Verheirateten", betrifft, die in ihren schweren Bereinssitzungen. das „Unglück" vergessen wollen, so hoffen die Ehefrauen von : Havre zuversichtlich, sie durch Einzelbearbeitung lvieder zur Raison zu bringen. Seine Frau hypnotisiert «ntz im Sarg verschickt. „Carrier? della Sera" meldet folgendes eigenartige wisse«' schaftliche Experiment, das dieser Tage in Savone der bekannte Professor A v e s l o mit seiner Frau vornahm. In Anwesellheit mehrerer Gelehrter hatte er seine Frau hypnotisiert, siö in lawleptischem Ltarr^aurps i» einen Sarg gepackt und diesen peinlich versiegelt. Alsdann wollte ec den Sarg bei der Eisenbahn anfgobe»» und nach Genua transportieren lasse«, um der Oeffentlichkeit und seinen Freunden zu beweisen, dab eine hypnotisierte Person ohne Luft uub Nahrung leben könne. Da machte ihm die Erseubahll einen Strich durch die Rechnung. Sie; weigerte sich nämlich, den Transport durchzuführel», weil sie beu Transport von „b e w o h n t e n Särge n" iu ihren Bestim- I mungen nicht vorgesehen habe. Es blieb dein Professor also nichts' an-deres übrig, als den Sarg lvieder nusladen zu lassen und feine | Frau durch ein Auto nach Genna schassen zu lassen, lpo fkJ Kümden später «mch rvsplbehchten mlka».

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