Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1926-02-04 · Heft 2497 (4.2.1926) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2497 (4.2.1926)
Date
1926-02-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2981549-2981584--25444-3013089
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

VeAe t Men, Donnerrkatz DelekiS ^patriotisclie Pflicht" Der bisher außerhalb der Parteien stehende?tlxzeordn?te Graf Paul T e l c k i ist heute in die Einheitspartei eingetretcn. Er erklärt, daß es im gegenwärtigen Moment patriotische Pflicht jedes Ungarn sei, mit ganzer Kraft hinter Bethlen zu stehen. Zwvraveez. Im Ausland hat es bekanntlich Aufsehen erregt, daß FeLbischof Zadraveez trotz der schweren, auch in der Anklageschrift gegen ihn erhobenen Beschuldigungen auf freiem Fuß belassen worden ist. Die ungarischen Blätter verweisen mm darauf, daß die Staatsanwaltschaft die Verhaftung Zadraveez' beantragt hatte, daß der Anklagesenat jedoch diesem Anträge aus Gründen, die vorläufig der Oeffentlichkeit verheimlicht werden, nicht ftattgegeben habe. Falsche FVankemroterr in Brüssel. Budapest, 3. Februar. Wie die Blätter melden, begab sich 8er Vertreter der Banque de France, Graviere, von Budapest nach Brüssel, da er die Verständigung erhielt, man fei dorr falschen Frankennoten auf die Spur gekommen. Las unterirdische Lentfchland. Die Fememörder. Bervu, 3. Februar. Zu der Angelegenheit des Fememordes an dem Schützen P a n i e r will das „Berliner Tageblatt" weitere Einzelheiten wissen. Zwei Tage vor der Tat habe Oberleutnant v. Senden dem Leutnant Benn den Auftrag erteilt, handfeste Leute zu stellen, die Panier unschädlich machen sollen. Einige Tage später habe v. Senden auf eine Frage geantwortet, Panier sei „nach Spandau versetzt" worden. Eine Aktion zur Befreiung der Fememörder? Berlin, 3. Februar. (Tel.-Komp.) Wie das „8-Uhr- Abendblatt" erfahren will, wird eine Aktion zur Befreiung der zum Tode verurteilten Fememörder vorbereitet. An amtlicher Stelle wird hiezu erklärt, daß von derartigen Besreiungsplanen nichts bekannt sei und daß bei der scharfen Bewachung der Fememörder jeder Befreiungsversuch auch von vornherein zum Scheitern verurteilt lvare. Der FemeinvvV-'UnterfnchnngsauKscharß. Berlln, 3. Februar. Der Fememord-Unterfuchungs- Ausschuß des Reichstages hielt heute seine erste Sitzung ab. Der Vorsitzende verwies zunächst auf die dreifache ^Aufgabe des Ausschusses: Untersuchung der Femeorganisationen, der Fememorde und der sonstigen strafbaren Handlungen, und' entwarf sodann einen Arbeitsplan. Ter Borsitzen-de wird sich mit den Ministerien des Reiches und der Länder in Verbindung setzen, um die nötigen Unterlagen, insbesondere dir Akten über rechtskräftige Urteile und über eingestellte Betfahren, zu erhallen. Noch der Vernehmung Mieder frrigelnffen. Berlin, 3. Februar. Nach einer deutschvölkischen Anfrage im preußischen Landtag sollen im November vorigen Jahres auf den Gütern A l t - A l l e n t st e i g und K l a u k e n d o r f 19 Personen unter den: Verdachtder Gehe: nt» bündele: verhaftet und nach Königsberg gebracht worden sein. Demgegenüber stellt der preußische Minister des Innern richtig, daß es sich nicht um eine Verhaftung, sondern um eine polizeiliche Festnahme wegen dringenden Verdachtes der Zugehörigkeit zu einer verbotenen militärischen Organisation sowie von Vergehen gegen das Gesttz zum Schutz der Republik handle. Die Festgenommenen seien nach der -Vernehmung wieder freigelassen worden. Verurteilung eines Hochverräters. Leipzig, 3. Februar. Vor dem Staatsgerichtshof zum Schutze der ( Republik hatte sich der 33jährige Student Wentz aus Gütersloh wegen Vorbereitung zun: Hochverrat und Vergehens gegen die Wasfenverordnung zu verantworten. Wentz wurde zu drei Jahren sechs Monaten Gefängnis und 300 Mark Geldstrafe verurteilt. Wie in Wien... Berlin, 3. Februar. Wie das „Berliner Tageblatt" Meidet, hat die Kriminalpolizei gegen einen Offizier einer Reichswöhrabteilung das Ermittlungsversahren ivegen Freiheitsberaubuttg und Anmaßung eines Amtscharakters eingeleitet. Der- Offizier hatte einen Straßenpassanten, der sich gegen das Spielen des Liedes „Stolz iveht die Flagge schwarz-weißrot" durch eine Reichswehrabteilung wandte, sestnehmen und nach der Kaserne abführen lassen. Auch das Reichswehr- Ministerium hat eine Untersuchung eingeleitet. Me »schwarze Schwach". London, 2. Februar. Die „Times" melden aus Dar es Halaam. daß mit Erlaubnis der britischen Regierung zwei deutsche Vertreter in diesem Monat in Taganjika eintrefsen werden, um die rückständigen Löhne, die Deutschland den Eingeborenen schulde, die wahrend des Krieges in der deutschen Truppe gekämpft haben, auSzuzahleu. Wiener M^rgeuzeitnug k. Februar 1936 M. Die Berliner Konferenz der Bereinigung radikaler Zionisten. Forderung nach schlennioer Einberufung de» Kongresses. Bettin, 2. Februar. (I. T. A.) AN! 30. und 31. Jänner 1920 fand (wie von der „Wiener Morgenzeitung" gestern kurz berichtet) in Berlin eine Konferenz der Vereinig u n g radikaler Z i o n i st e n statt, an der neben den Mitgliedern des Zeutralburcaus der Vereinigung radikaler Zionisten Dr. Nachum Goldman n, Dr. Jakob Kla tzki n und Dr. Max Soloweitschik und Vertretern der Vereinigung aus verschiedenen deutschen Städten eine Anzahl auswärtiger Vertreter, darunter die Herren Abg. Jzchak Grünb a n nt (Marschau), Oberbaurat Stricker und Doktor I. W a l d m a n n (Wien), Dr. Emil M a r g u l i e s (Leitmeritz), Tr. Krämer (Czernowitz) teilnahmen. Die Konferenz beschäftigte sich zunächst. mit der Ausarbeitung p r o g r a mma t i s che r Richtlinien der Bereinigung radikaler Zionisten. in denen die Stellungnahnie der Vereinigung radikaler Zionisten zu allen wichtigen aktuellen zionistischen Fragen sestgelegt wird. Tie Konferenz nahm daun Stellung zur gegentvärrigen innerzionistischen Lage und faßte auch darüber wichtige Beschlüsse. Insbesondere stellte sie die Forderung nach schleunigster Einberufung des K o n g r e s s e s, um eine a k t i on s fäh i ge Exekutive zu schaffen. Endlich beschäftigte sich die Konferenz mit dem Ausbau der Organisation der Vereinigung radikaler Zionisten, sowohl was das zentrale Bureau als auch die Teilorgaui'sqtionen in den verschiedenen Ländern betrifft. Die Konferenz beschloß die folgenden programmatischen Richtlinien: Die Bereinigung radikaler Zionisten fordert die Wiederherstellung der Zionistischem Organisation als der Trägerin der nationalen Rcnaissancebewcgung des jüdischen Volkes durch die Nationalisierung des Volkes im Galuth und die Schaffung seiner. nationalen Heimstätte in Palästina. Die Vereinigung bekämpft die in den letzten Jahren , zur Herrschaft gelangte Tendenz der Einstellung des Zionismus auf rein w r r t s ch a f t l i ch e T ä t i g k e i t t n P a l bist i n a unter, Hintansetzung der p o l i t: s ch.e n .un d kulturellen Aufgab en, ohne deren Erfüllung das Gemeinwesen des jüdischen Volkes nicht geschaffen werden kann. Sie verlangt die Wiedereinbcziehung aller zentralen Ausgaben der jüdischen Renai'ssancebeivegung in das Programm der zionistischen Arbeit. Der Kamps um die Nationalisierung und.HchEDrun.q des Judentums im Galuth und in Palästina's^'e um die iS v o b e r u u g d e r wichtigste n' P ms rtz: u neu i m jüdischen L e b e n muß wieder in den Vordergrund der zionistischer» Tätigkeit treten und darf nicht aus Gründen der Geldsammlnng ausgegeben werden. Die Führung der Politik zun: Ausbarr Palästinas und die Wahrnehmung der i nt M a n d a t dem jüdischen Volke gesicherten Rechte muß i n d e n Händen der Z i o n i st i s ch e n Organisation verbleiben. Voraussetzung dafür ist die Rcubelebung und der Ausbail der Zionistischen Organisation durch die Stärkung all ihrer Teile und Organe, vor allen: durch die Schaffung einer starken und zentralen Exekutiv-.' und autoritativer kontrollierender Körperschaften. Nur eine erneuerte Zionistische Organisation wird den Kamps um die Getviullnng der Führung int- Judentum ausnehmen und siegreich durchführen können. In den einzelnen zentralen Fraget!.der gegenwärtigen Lage des Zionismus ergeben sich aus dieser Auffassung folgende Konsequenzen: 1. Ablehnung der Politik der Verständigung um jeden Preis mit den Nichtzionisten; Ausnahme des Kampfes gegen die A s s i m i l a t i o n in allen Ländern; endgültige Liquidation des gegenwärtigen Projektes der Erweiterung der Jemish Agency. 3. Führung einer entschlossenen und aktiven Politik mn.'rhalb und außerhalb Palästinas zur voue.i Verwirklichung der im Mandat gesicherten jüdischen Rechte; großzügige und systematische Aufklärungsarbeit j n n e rhalb der öffentlichen Meinung aller Länder, insbesondere innerhalb der orientalischen Welt; Ausgestaltung der gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Beziehungen der jüdischen Bevölkerung Palästinas zu der ara b i schen als beste Voraussetzung für die Anbahnung eitler politischen Verständigung mit der arabischen Welt; Ausbau der jndizionistisches Meeting -rate. V»$ tlljr abend», im lerraffearrstamaai. S. Lejirr, Marsareteadlatz Redner: Dr. Desider Friedman« . Präsident der Zionistischen Organisation tür Oeuerreich, uno Iran «nttta «-Hm-RW« scher: Selbstverwaltung in Palästina in allen ihren Organen; Schaffung eines un,fassenden politischen Apparats und Sicherung einer systematischen, kontinuierlichen Führung unserer politischen Arbeit unter der G e s a nr t v e r a u t w o r t u n g d e r Exekutiv«. 3. (Gestaltung des kolonisatorischen Aufbaues in Palästina unter den: beherrschenden Gesichtspunkt des Endzieles der Schaffung eines nationalen Gemeiinwesens des jüdischen Volkes; Zugrundelegung der Prinzipien der jüdischen Arbeit, der Umschichtung des jüdischen Volkes, der Schaffung einer bodenständigen jüdischen Bauernschaft und einer in der Produktion verwurzelten jüdischen Arbeiterschaft; Sicherung der Rechte der Arbeiter und Förderung ihrer Selbstvcrtvaltungskörperschaftet: unter Kontrolle durch die Organe der Zionistischen Organisation; Vorbereitung eines für den Aufbau geeigneten Ern- Wanderungselements im Galuch;-Hcbräisieruug des Jischuw und Schaffung der Bedingungen für die gesicherte Entwicklung der f r e i h e i t l: ch e n .u n d w e l t lichen Lebens- und Kulturformen''des palästinmsischen Judentums. 4. Neuaufbau der Organisation und ihre Wieder belebung; Bekämpfung der Tendenzen ihrer Burcankräti sierung; Schaffung einer st a r k e n Exekutive aus der Basis ihrer kollektiven Verantwortung für alle Gebiete ihrer Tätigkeit; Stärkung» der Autorität' des Aktionskomitees; Unterordnung der Fonds und der Fina nz i nst i tu ti o n e n unter die Organe der Zionistischen Organisation; innerzionistische und kongreßpolitische Gruppierung der Zionisten nach sachlichen und ideellen Programmen unter Ueberw'.ndung der Landsmannschaften als Gruppiernngen für den Kongreß. Die Konferenz nahiü die folgenden Resolutioiten an: Die fortschreitende. Zersplitterung der Zionistischen Organisation ist durch den 11 Zionistentongreß nicht ausgehalten worden. Weder in London noch in Palästina arbeitet heute, insbesondere durch die Amtsniederlegung durch mehrere ihrer Mitglieder, eine aktionsfähige Leitung, so. daß' die Zionistische Weltorganisation jeder einheitlichen. Leitung entbehrt und hiedurch mich alle Voraussetzungen für die Führung eitler aktiven zionistischen Politik , und Wirtschastsgestaliung fehlen. Dieser Zustand, kann unmöglich länger andaueru. Die Vereinigung radikaler Zionisten beharrt daher aus ihrer bereits durch ihre Vertreter im Aktionskomitee ausgestellten Forderung ■ nach schleunigster Einberufung des 16. Zionistvnkongresses,; welcher allein berufen sein wird, eine mit genügender Autori . tat ausgestattete Leitung zu bilden. In voller Erkenntnis der Schwierigkeit der der zionistischen Bcarnte n schaft anvertranten Ausgaben fordert die Bereinigung radikaler Zionisten geniäß dem Beschluß des 13. Zionistenkongresses die Durchführung der Reglementierung'und Schematisierung eines demokratischen zionistischen BoamtenrechteS, durch welches eine in ihrer materiellen Existenz (entsprechend beit wirtschaftlichen Verhältnissen ihres Tienstortes) gesicherte, nur nach Fähigkeit und Arbeitsleistung qualifizierte, außerhalb jedes Partcigetriebcs stehende und von jeder parteipolitischen Konstellation unabhängige Beamtenschaft herangcbildet tverdcn soll. Die vom Aktionskomitee einzusetzende Ko nt roll-' und ErsparungskomMission soll die Aufgabe erhalten, diese Frage der Schaffung eines Beamtenrcchtes, wie auch die Frage der Vereinheitlichung der Arbeit fik die zionistischen Fonds zu studieren und das entsprechende Miterial sotvie konkrete Vorschläge möglichst schnell dem Mtionskomitee zur Beschlußsässung zu unterbreiten. vie gwangssonntagsruhe in Lrttland. Riga, 2. Februar. Wie bereits Mtteldet, hat eine Sh>m* Mission des lettischen Parlaments beschlossen, einen Gesetz-, entwurf über die Einführung der Zwattgssonntagsruho einzu-- bringen. Nach diesem Gesetzentwurf müßten die Juden' 153 Tage in: Jahre ihre Geschäfte und Bureaus geschlossen halten. Der jüdische Abgeordnete Prof. Lazarsohr: äußerte sich Journalisten gegenüber, daß es vom Standpunkt der leltischen Wirtschaft unmöglich sei, von über 10.000 Juden, die in: Wirtschaftsleben stehen, zu verlangen, um 52 Tage mehr zu feiern als die übrige Bevölkerung. In diesem Falle handle es sich vottviegend un: jüdische Industrielle und Handwerker, die sicherlich in der lettischn Produktion Wertvolles leisten. Es sei daher, notwendig, daß die gesamte jüdische Bevölkerung Lettlands und ihre Vertreter im Parlantent gegen die Einführung der Ztvangssonntagsruhe austreten müßten. Die jüdischen Abgeordneten tverden sich bemühen, eine günstige Lösung dieser Frage vor den: Forum des Parlaments herbeizuführen. Sollte das Parlament trotz-, dem die Zlvailgssonntagsrnhe einführen, dann würde die jüdische Bevölkerung gezwungen sein, an den Völkerbund als Hüter der Mindecheitsverträge zu appellieren, da in den Minderheitsverträgen die Einhaltung der S a b b a t r u h e garantiert wird. Lettland hat diesen Mittderheitsvertrag unterschriebeit und ist daher verpflichtet, seine Bic* stimMngeu voüichLltlich tziuzchglte». WWW

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.