Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2495 (2.2.1926)
- Date
- 1926-02-02
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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____ _ Wiener Mor-en-ettttttg Zer Mrifter-ieb Morausziy. Fvwelen um 1V Milliarven auf der Polizei. Vtt Fall MvranSzk'h nimmt immer größere Di meusionen an und zeigt die '.vcitverziveigten Zuscunmeiil-änge seiner Milliardeneinbrüche. G.'stcr!, wurde», z Iv'ti weitere Verhaftungen vorgenmmnen. Im Zug^ der Trhcb-'nxen wurden verschiedene Schmuckstücke, die aus dem Lager MoranskyZ lierrühren, in der Wohnung der Eltern »er Brnnt Moranszkys, r>er Valerie Holildampf, zustandegebracht. Der Steinmetz >mchldanrpf und seine Frau w-irden nach Beendigung ihrer Einvernahme in Haft behalten, weil der Verdacht besteht, daß sie van der Elttbrecherrätigkeit Moranszkys schon seit längerer Zeit Kenntnis hatten und ihm Hehlerd-ensic leisteten, sowie von ihm große Zuwendungen erhielten. Es wurde auch bekannt, daß Hohldampf einem Bekannten gegenüber die Aeußerung getan hat, baß sein '/.'künftiger Schwiegersohn ein geschickterer Mensch sei, als der b.-rüchtigte Einbrecher D r e i: w i e s e r, daß er im Gegensätze zu diesem seine Arbeit nich: mit Gewalt, sondern mit a e ul K 0 p s e und mit L i st nrache. Die Bewachung Moranszkys ist besonders sck)a.f, >a er wiederholt aus Gefängnissen ausgebrochen ist. Seine Zelle wird täglich genau durchsncht!>ld man ha! auch die Vorsichtsmaßregel getroffen, ihn öfters in eine andere Zelle zu bringen, um seine Flucht zu verhi»»dern. Der Juwelier Meister aus Zürich, bei dem in, Geschäfte auf dem Paradeplatz der Einbruch mit einem Schaden von 850.000 Franken ausgcführt worben ist, ist gestern früh in Wien eingetrossen und hat sich gleich im Sicherheitsburcau vorgestellt, um das beschlagnahmte Warenlager Moranszkys zu besichtigen und festzustellen, was ihm gehört. Er hat nicht uvt-c Via schon als ihm gestohlen sestgestelllen markanten Stücke als fein Eigentum erkannt, sondern >ioch weitere Juwelen, Brillantbroschei^ Ringe und Armbänder usw., etwa 100 Stück, als bei ihm gestohlen mit vollster Bestimmtheit bezeichnet. Da§ Ergebnis de.r fortgesetzten Prüfung der Iutvelcu des gestrigen Vormittags war die Feststellung, daß Moranszky auch bcu ersucht, den Eltern auszurichten, daß er nicht zum Essen nach Hause komme, da er wo anders eingeladen sei. Die Cltem gingen der Sache nach und stellten fest, daß rr auch nicht bei dem Juwelier vorgesprachen habe. Seither fehlt von ihm jedes Lebenszeichen. Der Vermißte wird als mittckgroß, schmächtig, mit schmalem Gesicht, dunkelbraunem, langen, zurückgrkämmten .Haar, braunen Augen, ohne Bart, mit schwarz eingefaßter Hornbrille, beschrieben. Bekleidet ist er mit dunklem Anzug, schwarzem Winterrock, lichtgmnem Hut, schwarzen Halbschuhen und Wäsche mit der Märke „O. K.", „B. St.“ oder ^H. St". Der Vetmißte hatte sämtliche Dokumente, aber nur wenig .Bargeld bet sich. __ Mord over Selbstmord? Wn Student von einer Studentin angoschossen. Gestern gegen 5 Uhr nachnrittagS ftutt ein junger Mann am dir PolizoiwaHstuIbe in der Kreuggasse und bat um ärztliche Behandlung, vä er Wunden in der linken Gestchtshälfte aufwies, über deren -Herkunft er jede AuMnft verweigerte. Me Rettungsgeselllschaft stellte eine Schuß Verletzung an der linken Schläfe fest. Der junge Mann wurde als der 2Sjahrige Veterinarmediziner Leo Micha lei! aus MaMrg agnosziert. In seiner Tasche fand man einen mit sechs Patronen geladenen Trommelrevolver mit einer bereits ausgeschossenen Hülse. Der Student wurde auf die Unfallstation gebracht. Ms nmn ihn nochmals UM die HeMvust. der Verletzung befragte, gab er schließlich an, daß die Studentin der Medizin Marianne Mieser ihn mit dem bei ihm beschlagnahmten Revolver angeschossen habe. Weitere Auskunft verweigerte er und erklärte, nur unter der Bedingung Auskunft gchen zu wollen, wenn man über die ganze Sache nichts spreche. Im angegebenen Wohnhaus« der Studentin wurde festgestellt, düß sie schon vier Jahre mit einem Kellner im gemeinsamen .HauShvlt lebe, daß sie aber in der letzten Zeit mit dem Studenten Michak? hinter dem Rücken ihres Lebensgefährten eine Bekanntschaft unterhalten hat. Der Polizei gelang es, die Wleser in dom Augenblick zu verhaften, als sie eben vor der Gastwirtschaft, wo ihr Lebensgefährte bedienstet war, aus einem Auto aussteigen wollte. Sie gibt an, daß ste sich schon seit längerer Zeit mit Selbstmordgedanken trage und daß ste heute ihren Plan habe aussAhren wollen. Nachmittags sei Michalek in ihrer Wvhnung erschienen und ste habe sich in seiner Gegenwart mit besten Revolver töten -vollen. Der Schuß sei jedoch fehlgegangen und habe den Michalek getroffen. Trotz seiner Verletzung habe jedoch der .'(l,geschossene noch die Kraft gehabt, über sie herzufallen und sie jit m ißhandeln. Inwieweit diese Behauptung der Wahrheit entspricht, konnte noch nicht festgestellt werden. Die Wieser wurde, da sie der Amtsarzt als P s y ch o pa t i» mit hysterischem Einschlag bezeichnet«, in das JnquistteNspital eingelicsert. Michalek wurde einer Operation unterzogen. Wien. 2. Februar. . * Das Äetter. Gestern herrschte wieder nebeliges, naßkaltes Werter. Für heute wird milde8 Wetter, in den Südalpen Rege» vorau-gefagt. * Di« Ankunft devberkantorö Alter. Gestern um 6 Uhr 40 Min. kam Herr Oberkantor Israel A l t e r aus Hannover hier an. um sein heutiges Konzert im Saale des Hotel Continental zugunsten des Chaluzfonds der Zionistischen Sektion 20 zu absolvieren. Zu seinen: Empfange hatten sich über 100 Personen eingefunden. Hm Namen der Zionistischen Bezirkssektion 20 begrüßte .Herr. S. Weint raub den Gast. Obcrkantor Alter wird vis morgen m Wien bleiben und ist .tot Hole! Continental abge- Einbruch bei Iuwel^r Bachner in Brünn begangen hat. De» Juwelier Riemer aus P.ag hat auch Mern wieder noch einzelne Schmuckstücke, darunter Brillantringk. als van chm herrührend mit Bestimmtheit bezeichnet. Inr L i ch e r h e i t Z b n r c a n ist ein eigenes Z i m m e r, ein großer Raum, nur dem istmcke reserviert, mn als ArbritSramn für die schivier'ge 2 o r t i e r n n a d e r I u w e l c n zu dienen, die man im Warenlager Moranszkys gefunden hat. Auf großen Tischen sieh! man die herrlichsten Jnw.'len: Armbänder mit Brillanten. Smaragden, Saphiren, Bwschen, von Brillanten blitzend, Ringe mit kostbaren Solitären, funkelnde Anhänger mit Brillanten. Armbanduhren mir Platin und Brillanten, Sch'eifen, prächtig ziselierte Goldtabatieren, .lose Edelsteine und Ha.'bedelsteine, Manche!tenknövft, ürawattennadeln mit prächtigen Steinen usw. usw. Der Wert des ganzen Juwrknlagers wird ans acht bis zehn Milliarden geschätzt. Der Preßburger Juwelier W e instab el, dem am 7. August IM durch Einbruch Juwelen im Werte von 400000 tschechische Kronen gestohlen wurden, fand »unter den hunderten Juwelen ztvei Madonnareliefs aus Elfenbein, die zweifellos von diesem Einbruch herrühren: damit ist der Beweis erbracht, daß Moranszky auch diesen Einbruch ausgeführt hat. Das künftige Schicksal Moranszkys, der nach wie vor seine Täter'chaft hartnäckig leugnet, scheint nun ücsieg.lt. Gestern traf seitens der BezirkSanwaltschaft (UntersuchungSrichteramteS) Zürich im Sichecheitsbureau eine Depesche ein, in der mitgcieilt wird, daß gegen Julius Moranszky ein Haftbefehl von Zürich aus besteht und saß das Begehren um seine Auslieferung wegen des an Juwelier Meister begangenen Diebstahles eingeleitet wurde. Wahrscheinlich wirb Moranszky, der, so weit bisher festsieht, im Jnlande war die auswärts erbeuteten Juwelen verkauft hat. zunächst an die Schweiz ausgerliefe rt werden. * Silberne Hochzeit. Der AtntÄeiter der Israelitischen Krütusgemeinde, Herr Osiar Mautner, feiert Mittwoch den 16. d. mit seiner Gattin, geb. Nenron, im engsten Familienkreise die silberne Hochzeit. * Rücktritt lns Judentum. Fräulein Cacilia Sonja Bielöky ist laut Bestätigung der Wiener Israelitischen Kultusgemeindc am 14. Jänner wieder ins Judentum zurückgetreten. * Weiße Woche bei Zwieback, 1. Bez., Kärntnerstraße 11/15. In dorn am Sonntag crfdjimeneu Inserat hat sich durch fremdes Berschuliden oin Druckfehler eingeschlichen. Cs soll richtig, heiße«: Deckenkappenchiffon, 175 Zentimeter bren, der Meter 6,10 Schilling (statt unrichtig 1,65 Schilling). * Die Lebensmüden. Der 45jährige Malermeister ViNserrz Prokop wurde vorgestern .nachmittags in seiner Werkstatt, 14. Bez. Preysinagasfe 4, erhängt aufgesunden. Er hat di« Tat wegen schleckten Geschäftsganges und wegen eines unheilbaren Kopfleidens verübt. — Die 23jährige Hausgeyilfin Stephanie S ti epatt ovskh hat vorgestern früh' Lysol getrunken und ist bald damus gestochen, Ihr Geliebter hatte sie verlassen. * 500 Arbeitslose werde« gewissenlos irregeführt. Am 31. Jänner erschien in einer hiesigen Zeitung ein Inserat, daß bei der Firma Markus W e i ß b l a t t, 20. Bez., Mallensteinstraße Nr. 22, ein Generalkassier, fünf Subkassierc, Mi Packer, ein Kutscher und ein Berkäilser sofort aufgenmnnten werden um» daß den Beworbern die F a h r r s v «s e n e r f e tz t werden. Die Zeit der Vorstellung sollte gestern Mischen 2 und 3 llhr nachmittags sein. Die Folge des Inserates tvar, daß sich schon am Vormittag beim Geschäfte etlva fünfhundert Personm ansmnmelten. Es kostete schwere Mühe, sie durch Sichecheitswache aufzuklärrn, dckß es sich unr ein B ubenstück handeit, an den: die Firma in keiner Weise betrilr gt ist. Die Leute wollten durchtvegs das Jahr-« geld ersetzt. Die Ausforschnrig des unbekannten „Spaßvogels" ist angeordnet. * Unfall eines KaufumnntS. Gestern gegeir halb 7 Uhr abends wurde der 50jährige Kaufurann Moses D a in m, Mbsstraße '40, tvohnhast, in seinem Wäschegeschäfte in der H o I l a n d st r a ße 7 irr benommenem -Z>ljtande voa Nachbarn aufgefundcn. Es wurde sestgestellt, daß der Kaufmann in seinem Geschäfte plötzlich von Unwohlsein befallen wurde, zu Boden gestürzt ist, wobei er sich im Fallen leichte Verletzungen zugezognt hat. * Aus der Gerroffenschaft der Kaffeesieder. Irr der am 25. Jauner d. I. stattgchobreu BorstandGtzung wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, wegen der vielen, speziell im 1. Bezirk erfolgten spekulativen Ncrigrilndnirgen, von Kaffechäusern eine Denkschrift dem Bürgenneister. Stadtrat Breitner und dem Magistratdirektor deputaliv zu überreichen. Die Überreichung düs« Denkschrift ist gestern erfolgt. Kunst, Bühne. Buch. Staatliche Subvention für dar Rigaer Misch« Theater. Der Budgetausschuß des lettischen Landtages hat, wie Ms aus Riga berichtet wird, in seiner vor einigen Tagen abgehaltetten Sitzung den Theatern der Miltderheitsnationen staatliche Jahrcssubventionetl bewilligt. Für die Rigaer russische dramatische Bühne und das Deutsche Theater wurv.' die JahreSsubvetltion ffir das Jahr 1920 mit je 30.000 Lat festgesetzt. Für das jüdische Theater waren im Bndgeteiittvurf bloß 15.000 Lat als Subvention vorgesehen. Auf Antrag des Ätzg. Du bin, der darauf hinwies, daß das BildungSvrpartement stch gegenwärtig mit der Reorganisierung des jüdischen Theaters unter staatlicher Kontrolle befasse, tvurde die Subvention für das indische Theater gleichfalls auf 30.000 Lat erhöht Au» den Lheattru. B u r g t h e a t e r rgen, XIVS Uhx abends, ..Lady W i n d e x ttt e t e 9 F ä ch e V. -- Für die Lheatetgemeinde, Serie v. wurde die Rethrnfülge der Februarvotstelluntz«» ge* stnderi. Montag den 8 d gelangt .E i u i d e a l e r G a t t Md Älittwoch den 17. d. „u n v e r h o f f t" z»r AvffühnlNg F ariwr . SM » Bei großen Zahn* schmerzen find idiMKhfam NundfltnKl Mtft DIANA* FRANZBRANNTWEIN mit Neiftthel alt erstrangiges Hausmittel sofort. Die Zähne jener, die Diana täglich als Mundwasser benütle«, bleiben gesund und schneeweiß, ihr Mund bekommt keine«' unangenehmen Oeruch. Ueberall erhältlich. Operntheater. Morgen, '/,0 Uhr abends, .Ariadne a n f Sk a x v S". Redo utenf aal. Morgen, '/,« Uhr abend«, die Ballett-KomSdien. Der Schauspieler Han« Änhtj Plötzlich gestorben. Gestern gegen 7 Uhr abends ist das Mitglied des Theater m der Jajefitadt, Hans Kainz, im Alter von 38 Jahren ein?r Lungenent-- zünd i ng erlegen. Jubiläumsfeier für Zchitlowsky und Asch. SamStoa abends fand in den .skunWiclen d-'s Apolloneums eine Feier anläßlich des 6V. Gchurtsioges Chaim S ch i t l o w s k y s und des 60. Geburts-- tcrges Schtllom Asch' statt.. Die Bedeutung Chaim SchirlowskyS, des Essayisten in jüdischer Sprache, der es versucht hat, eine Synthese von Sozialismus imd jüdischem Nationalismus zu, schaffen, und der durch sein langjähriges Wirken Wesentlick-es dazu beigetragen hat, daß der Mische Sozialismus den nationaljüdrschen Gedanken in sich ailfnehmc, und das Lebenswerk des bedeutenden jüdischen Dichters A s ch wurden in längeren Reden eingehend gewürdigt. Mit glieder der GildeneN Powe und des Indischen Kiinstlerkabarctts soww ein ehemaliges Mitglied der Wilnacr Truppe brachten Darbiet,mge» Asch' sehr wirkungsvoll zum Bortrag. Nadioprogrinnitt. Heute Dienstag den 2. Februar. 11 Uhr: Vormittagsmusik. 16 Uhr 15 Min.: Nachmittagskonzert. — 17 Uhr 50 Mm.: Stunde der Frau. Dr. Kdrla Znwisch-Osienitz: Grundzüge,der Ernähruttgsdhysiologie des Kindcsalters. — 18 Uhr 25 Min.: Dr. Paul Stein: Arrztliche Berufsberatung. 19 Uhr 10 Min.: Französisch. —19Uhr 40Min.: Englisch für Vorgeschrittene. — 30 Ube 16 Min.: Vorträge des Dresdener Streichquartetts. — 21 Uyr 16 Mm.: Wiener Walzer und Märsche. Pchmläves Orchesterkonzert I. W. GangLbsrger. Vereine. DorttSge und Bersammlmgrn. Jüdischer Frauenbund. Wien, S. Bez., Lisch«» tensteinstraße 11-13. Heute, um halb 8 Uhr abends Bibel - vortrag („Die Sprüche") Esther Mieses, Zermomensaal des Tempels, 9. Bez., Müllnergasse 21. — Zionistische Sektion 6-8. Durch die Chamischa-Ferer am vergangenen SamStag e n t f ä l l t der heutige Vortragsabend. * Beth Waad l'iwrim. In der weiteren Aussprache über „Das Wesen nationäljüdischer Erziehung" heute um halb 8 Uhr, 2. Bez., Zirkusgasse 33, kommen unter anderen Doktor Israel Hammer- Dr. Koretz, Schaje HoroWitz und M. D. Groß zu Worte. Gerichtssaal. Me SchadenersahNage der Fr«m eiars «vhetUiar Seifterkranke« gegen Banlirr Antel. . Sin Senat des ZivillandeSgerichtes unter Borfitz des Hast rotes Dr. K r e st a beschäftigte sich gestern in mehrstündiger Verhandlung mit der Älage vor Frau Lotte Seid mann^ gegen Herrn Siegmund Basel. In der von Dr. Berthold Glanz vertretenen Klage wich eine Rente von monatlich 500 Schilling, ferner ein Ersatz von 46.104 Schilling begchrt, welche die Klägerin an KronkheitSkosten ihres an unheil-- barer Geisteskrankheit am Steinhof sich befindlichen Gatten bis jetzt ansgelegt hat, ferner der Ersatz von 46.500 Schilling dafür, daß der Ernährer geisteskrank - Nmcke. Drr Klagevertreter führte ans, daß der Gatte der Klägerin, Max Seidmann, im Jahre 1914 in der Bukowina ein bedeutender Getreide- und Fruchthändler war, nach der Rufsenindasion nach Wien kam unb hier vermöge seiner hervorragenden Fachkenntnisse im Jahre 1916 bei der Niederösterreichischen Statthaltevei als Magazins aufseher und Beamter in Bertvenbung stalld. In dieser Eigei^ schast habe Seidmann im Jahre 1917 die BerrechnUnK.^- zwischen Bosel, welcher damals das Flüchtlingslager i» Gmünd und Niedyrösteneich versorgte, zu kontrollieren gehabt. Da sich Unstimmiskeitrn zwischen den von Bofck eingereichtrn Rechmmgm und den Uebemahmsprotokollen sowohl" bezüglich der Quantitäten wie auch der Preise ergäbe», habe Seivman« um die Bücher im Bankhaus Basel ersucht unb Bchel habe chn gegen eitler Vergütung von 30.000 Krone« ausgefordert, die Differenzen in den Büchern gleichzustellen. Als Seidmann sich weigerte, das Geld zu nehMu und diese Arbeit durchzusühren, hübe ihn,, wie der Klagevertreter ausführt^ Basel bckentet, daß er von der Statlhalterei zu dieser Arbeit kommandiert werden würde und tatsächlich sei er nach einige» Tagen beauftragt worden, sein« Bücher im Bureau Bosels zu führen und die Belieferungen zu überprüfen. Die Klage behauptet nun, daß Deidurann unter einem furchtbaren Drnck gestanden fei, weil ihm gcdrcht wurde, daß, »venn er die Nebereinstimmung zwischen den Büchern der StatHalt:-ei und. jene» bei Basel nicht durchfichren wttwe, er einrückend gemacht wew« würde «w a» dw Front gchen Ivähvehd er enthoben würde, wenn er die Arbeit durchführe. Unter den Anordnungen habe er nu« gearbeitet und sei «* folge des seelischen Druckes schwer leidend geworben. Im Novernber 1917 wurde von der Statthalterei eine Kowtn0c Mch den SachverWdige« Ziegler augomdaet. I» htchM