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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-02 · Heft 2495 (2.2.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2495 (2.2.1926)
Date
1926-02-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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«WWM^WWMWWWWWMW» mrnmm m «W I Wert. DkenSkosi Tagesbericht. %t, «lind NW begeht heule rer, öO. Geburtstag. Die Liebe und Verehrung weiter Kreise für Sieftn Men schen und Zionisten kam in vielen Zuschriften an uns $um Ausdruck, die uns lxiran erinnerten. mit mögen diesen Tag »a nicht ovrübörgeheii lassen, ohne seiner zu gedenken. Es hatte solcher Mahnung nicht bedurft. Wenn es dem vornehmen, schlieren Manne auch peinlich sein wird, „in der Zeitung zu stcheu", die große Zahl seiner Freunde hat Anfpruch darauf, daß diessr Tag festgchalten wird und wir würden unsere Pflichten schlecht erfüllen, wenn mir nicht um feine gang hervorragende, überaus fruchtbare Tätigkeit als Zionist und als einer der tüchtigsten, wertvollsten Aerzte dieser Ztadt wüßten. Er darf es uns nicht übeluehmen, wenn wir chm heute öffentlich danken. Dr. Alfred Löwy, der böhmische Jude, gehörte jener Avantgarde des politischen Zionismus an, rvelche sich fofon mich Erscheinen des Judenstaates um Theodor Hcrzl scharte und die ganze Entwicklung der zionistischen Bewegung im jüdischen Westen, die guten und die bösen Tage, die unsäglich schwierige Arbeit der Aufklärung und Propaganda, die Erweckung und Erziehung der Jugend, der Bekämpfung äußerer und innerer Feinde, der Arbeit für düs wftderertvachende Erez Jjr«l mit uuernckdlicher Begeisterung und Arbeitsfreude mittat. Aus dem.Kreist der Prager Bar-Kochba hervorgegangen, hat Dr. Alfred Löwy schon an der ersten. Tagung der österreichischen Zionisten in Olmütz teilgenommen und stand seither in den vordersten Reihen bet Propagatoren für den Zionisnms. Seine überaus starke berufliche Inanspruchnahme hat ihn niemals gehindert, mit ganz ungewöhnlicher Tatkraft und Äusopstrnngssähigkeit dem Zionismus zu dienen. Ihm ist die Einrichtung jüdischer Tischgesellschaften in verschiedenen Bezirken Wiens zu danken, welche sich als die wirksamste Form für die Gewinnung neuer Zionisten bewährt haben, vor allem aber die Gründung des so erfolgreich wirkenden Vereins T i kW a t h J e h u da. Mit Palästina verbinden ihn die engsten Beziehungen. Drei Schwestern Dr. Löwhs arbeiten im Emek. Die große Wertschätzung, ivelche dieser Mann genießt, geht über die zionistische Organisation hinaus.' Die breite jüdische Oesftntlichftit beglückwünscht ihn mit uns zu seinem fünfzigsten Geburtstag. _' vortragijhkl» de» gionWchrn Lande»« komitees. Donnerstag den 1. d. um halb 8 Uhr abends spricht im öiahnren des Vortragszyklus des Zionistischen Landeslomitees Herr Dr. Z. Diesen druck ün Klubheim der .Hakoah, 1. Bez., Wippiingerstratze 24/20. Die Korten sind bis längstens Donnerstag im Zionistischen'Bureatt zu beheben. Es wird tröchmals darauf aufmerksam gemacht, daß bei allen Vorträgen am Vortragsabend jekHt keine Karten ausgegeben werden. »Faden «erden nicht aagestellt". Die Optikerfirma Kleemmm. Leser schreibt uns: ,Me Firma Anton Kleemann chwnut grundsätzlich und aus Tradition keine jüdischen Angestellten. Diese Firma hat mchrere Filialen in Wien, und besonders der Betrieb Ta borst? a-ß e ist auf jü di sche s Gebd n nd jüdischen Kundenzustrom zu ge schnitten. Ich, Fachoptiker mit ersten Referenzen und Zeugnissen, habe nüch bei der Finna perstinlich un: eine Stellung beworben. Meine Zwresft wurde; notiert und mein nckndliches Offert mit Interesse zur Kenntnis genommen. Als ich zuletzt sagte, daß ich Jude sei, schlug Herr Kleemann jun. die Hände zusammen und sagte: „Gott, Pech, ich kann Sie als Jude nicht nehmen, weil Sie Jude sind." Er verschanzte sich hinter die Ausrede, daß jüdische Angestellte in seinem Hanse unter der arischen Kollegenschaft zu leiden hätten. Der Borstand der Optikergehilsen, Herr Hof ha ns, jagte mir mit lächelndem und überlegenem Ausdrucke, das sei unwahr und hänge nur von der Firma ab. Auch w wisse ein Beispiel von einer solche» „Judenbchandlung" bei einem Stelletwerverber." Name Md Adresse des Einsenders sind nnv bekam«. La» Bürgerkorv« in fattftnfc Aengstru. Aus Wr.-Neustadt wird uns vom 9). Jänner gemeldet: Gütern nachmittags wurde der im 69. Lebensjahre verstorbene Selchermeistar Johann Zimmer mann unter überaus starker Beteiligung der hiesiger: Vereine und Bevölkerung zu Grabe ge- ,ragen. Nachdem der Verblichene durch viele Jahre Hauptmann des bewaffneten Bürgerkorps war, so bildeten Pools Unteroffiziere dieses Korps in voller Uniform und betvafsnet zu beiden Seiten des Sarges Spalier. Nachdem der Zug in der Erche angelanxn war, erschienet: äkriminalbemnie und soroerteit oie nnisormierten Offiziere und Unteroffiziere Mlf, noch in der Kirche di« Uniform und die Waffen abzulegen, da der Polzei eine vertrauliche Mitteilung zugekommen sei, laut ivelcher beabsichtigt wäre, die bewaffneten Bürgerkorpsoffiziere und -Unterofftstere zu verprügeln. Die auf diese Art eingeschüchterten Offiziere n»:d Un^ ttroffiziere mußten sich daher von zu Haufe Zivilkle«der .) o l e n lassen und sich in der Sakristei der .Hauptpfarrkirche m Zivi! n u: k l? ,de n, um erstens beim Leichenbegängnis keine Störung .xr verursachen und »:» »igrstöri ans Kirch? zu gelang«:, WleE Mor«eAsettnAO . Otr Ausschuss de« Vereines «Tlkwnth Jehuda» entbietet seinem Orfinder und Präsidenten Herrn Dr. Alfred Löwy anläßlich seines SO. Q«buriiia|«i die tieizHehten Olückwfinsche! gajjjja'Biwaga Oer grosse Erfolg! MAX BROB Geheftet S 9, gebunden S 11.70 ^^temDerj925; „Eine Ustlkhe Sprache, ein dUhUHsdur StJmmeg voll klingender Musik, ein »lei« miiechteinftndes Orqefühl von Liebe und Erbarmen, da* Werk mit Jlersblut geschrieben, (Ute ist Max Brod* Biubmi, j&Wet der JW rt.“ Plc >,JOdlsche un0schuu" schreibr am „Aus dem Dunkel der jüdischen Gtaofnehte hol er den mysteriösen, abenteuerlichen David Beubcni, den Messias des XVL Jahrhunderts, hetmrgehoben und ihn mit grosser Utberseugungskraft gedeutet und gestaltet. Denjenigen, die aus den paar Seiten bei Graste, die dieser Episode gewidmet sind, etwas über Möubeni wissen wollten und nw wenig erfahren konnten, ist jetst geholfen . . . Ein solcher. historischer Boman ist originell« Scköpfung und hat das Hecht, eine ernster« Aufinerlcsamleeit cu beanspruchen ... Et ist Brod gelangen, in eins röiaelhäfte Seele eintudringm und uns einen Beiden su geigen dort, ico wir einen grotesken Phantasien su ueften gewohnt waren. Dafür tbisem wir dein Ptager Dichter Dank,“ R. LÖWIT Verla*, Wien, i. Fleiidtmorkt i Den Sremr überflogen. Von Spanien nach Südamerika. Ter spanische Major Franco, der am. 28. Jänner von P a l o s, demselben Hasen, von dem 1493 Kolumbus nach Amerika abftgelte, auf einen» deutschen Dornierflngzeug ausstieg, ist am 31. Jänner nach zwei Zwischenlandungen in Pernambuko glatt gelandet. Bon dem Schicksal feiltet beiden Begleiter, die ebenfalls auf Dornicrfingzcuge die Ozeanüberqucrurtg verfuchert, ist bisher nichts bekannt. Srobe Sriknde in Amerika. Aus South Bcnd (Jndiarm, U. §. A.) n>irb gentetdet: Im Handelszentrum der Statü brach ein Brand aus, der neun große Geschäfte zerstörte. Der Schaden wird aus mchr als z »v c i Millionen Dollar geschätzt. Während dieser Brand wütete, brach in einem anderen T e: l der Stadr gleichfalls ein Feuer aus, das die BureauS der Standarv Oil Co. vernichtete. Der Schaden wird hier aus 3 0 0.9 0 0 Dollar geschätzt. 8« Grmattrlchter gestorben. A»ts Berlin wird getttelbei: Nachdem out vergangener» SaknStag mehrere völlig verarmte Beniner Familien, die an der Peripherie der Stadt in Müllhohlen lebten, in. höchster Not aufge^unden worden waren, wurde heute auf dem Tegeler S ch»e ß p l a h in einern alten G r a n a t t r i ch t e r der 40jährige Arbeiter Otto Schäfer verhungert und erfroren aufgefunden. Schäfer. hatte täglich Arbeit gesucht Und sich, nachdem er bereits einige Tage nichts gegessen hatte, erschöpft in dem Grmtattr'.chter zur Ruhe geleg:, wo er vor Kälte und Er schöpft: ng umfom. Neligtöser Merglimbr« in Franttelch. Aus Paris wird uns berichtet: Bordeaux scheint einen guten Boden für religiösen Aberglauben zu besitzen. Nachdem die Geschichte der „!oei»:enden Madonna" bekanntgetvorden ist und die heilige Mama Maria aus Angst vor einer Anklage sich in die Verborgenheit zurückgezogn: hat, ist jetzt eine neue Priesteri»: des Wunderglaubens aufgetaucht, die sich den schömn Natnen Rose Marie de France beigelegt hat. Im bürgerlichen Leben heißt die Dame Ortadir, handelt mit Kräutern und cheniischet: Präparaten und hat daun das „Psychologische Institut Jean d'Arc" gegründet, dasich mit religiöser Wissenschaft abgibt. Rose Marie de France erklärt, daß sie von der Verzauberung der armen Marie durch den Abbe Detwyer überzeugt sei, da sie selbst von einem dämonischen Priester verhext worden wäre. Sie sei im Zimn^r ausgeglitten und Hab« sich das Bein gebrochen, nachde»»« sie in ihre: „astralen Gestalt" Madame Mrsnrin zu HUfe geeilt sei.?. fflfr» *£ Mlß j t Set Maharadscha mb feite fiieBlingsiranett. wmcrru huck jnni vvrtmn wiiuwir LvlnaeA'. Die Frage ist: Sol! ein Münkünsller dwekten -Aontav M dem Publikun» sttchen? * Der Fllm von heute ist grötzientell- Illusion. Der FR«- künstler daher Illusionist. (Selbst bet Einsatz seiner ganzen Perfönlichkeit.l Und sein Srfolg wächst mit seiner Distanz von der Wirklichkeit, von der Wabrsckeinlichkeü und — vom Zuschauer. Daher . . * Daher sollten Filntkünskler nur bei der Leinwand bleiben. Dort ist ihre Lust, dort haben sie reichste CntfaltungSmöBchkeit, den Weg zum Ausstieg und Erfolg. Und ste bleiben bei ,ckler Per - sönlkchkett — der großen Masse gegenüber — unpersönlich, eine Erscheinnttg aus einer anderen Well, echte »nd rechte Jllnstsnisien. Jcboch . . . * Plötzlich wird das Persönliche zu lebendig. Di« Maske, ti* Erfolg brachte, herunter, allein will es hinaus. Mnschlich verständlich, wenn ein Filmstar einmal jsm PMikum scheu will, nm die Wirkung seiner Pcrson ,p: prüft::. Ditlleicht mtch, mn zn darcken. Vielleicht aber auch . . . Neklanre! ltnö «S erschienen: Jackie Coogan, Tom Mix. -.'Ifii, Nielsen. Und min auch Äunnor Tolnaes. * Nichts gegen To! na es. In seiner nordischen Heimat ein großer, ja einer der größten Schanfpieler, errang er durch seine FrlmdarstÄlungen auch Welt-* rühm. Insbesondere mit „Die Livblingssrau des Maharadscha". DaS war vor vielen Jahren. Ein Maharadschafieber folgte. Eine Epidemie. Dem ersten Jrwiensilm folgte — gejchäststü6)lig — ein zweiter. Und «n dritter. Falsche Orientromantik, verlogene Sentimeniaiität zöget:. Cs war die Zell des Zusammenbruches. •* Und (Tränaes jagt selbst): Wo immer sich der Maharadscha zeigte, da waren auch sogleich — die LicblingSjrauen da. : Es roar ja ble Zeit deS ZufantmenbrucheS. * Ader heute? Gunnar Tolnaes wollte — sagte cr — einmal persönlich vor das Publikum hintreten, das ihn als Maharadscha ftierte. Also ging er — der Filmkiünstler! — «ms BortvagSpult. Und seine LieÄingssrmten waren glommen. (Schtllverbot ivar keines, daher auch Massenznzug von Jugendlichen unter 16 Jahren.) B-ckiköpfe aller Farben, ftden Altere waren da. Nur we«»ge Mäkmer. Zutneift Begleiter. (Aetterer Bubi-Damen.) Sie alle wollten sehen. Die schärfsten Operngläser, Lorgnons, Brillett, ja sogar Fernstecher richteten sich aus ihn, der daher gezogen kam, ste kennnen zu lernen. Was er sprach war nebstbei. Wie cr aber sprach — „süß".' Jede Handbelvegung — „bezaubernd", jedes Lächeln -*> „entzückend". Und als cr sich — die Hitze im Saal war erdrückend — den Schweiß von der Stirne wischte, da hatte das. Bemitleiden keine Grengen! Ist der Zusammenbruch noch immer nicht zu Enyc? * Tcänars fragt sich selbst, waS den Erftlg des „Mchavadscha" ausmachte? Die Vorführung indischer Fürstenherrlichkoit, das Gebieten über Loben ürw Tod untertaner Frauen und Kinder? Sind es die Grausamketten, di« di« Zuschauer anzichen und fcffel»? Ist es das betonte Sentimentale? Er weiß es nicht... (sagt er.) Mer wir: Der Maharadscha, der stolze, immer siegreiche, sentimental um sich schlagende Maharadscha mit dem weißen Turban, das nie gescheute Wunderland mit seine« Zutaten! ES war ja der Zusammenbruch . . . Merkwürdig: TolnaeS bat feine LiMngsfrmten, von chretn Recht als Kinopublikum Gebrauch zu machen und sich gegen de« Kllschsilm, gegen die Mädchenverführer, Apachen, CinbrechergeNtlemanS aus der Leinwand zur Wehr zu setzen. Denn man habe ein Recht auf gute Filme. O DettmSchst erscheint der Maharadscha, 4. Teil". , Ernst Welt rasch. Sk Maharadscha tun gudore. AUS Delhi wich berichtet: Die indische Regierung hak eine Untersuchung über den Fall deS Maharadscha von Indole angevüdnet, die, wie man versichert, sich auch auf die Affäre der Entführung der Tänzerin Mumtaz Begu m und die Ermordung deS Kaufmannes B e wla in Bombay beziehen wich. Diese Angelegenheit hat die Frage der zeitweiligen oder dauernden Abdankung des Maharadschas aufgerollt. Dem Maharadscha wurde mit- «teilt, daß er das Recht habe, seine Tellnahme an der Unteiv* suchung abgulehneri. ' Sw gnwrNrnmlleflellter verschwunden. Uichr rStftthastkn Umständen ist SamStag vormittags dbc 30sährige Juwelierangestellte Bruno Kohn aus seinem Elternhaus, Ramperstorsergasie VS, verschwunden. Der junge Mann war seit zirka sicht Wochen ohne Beschäftiguttg und wurde dadurch sehr ^oerschlossin und vergrämt. Er hatte in der letzten Zeit auch Selbstmordabsichten geäußert. Samslog gegen ü Uhr vormittags verließ er dar Elternhaus, um in ei« Bad zu gchen. Seither wurde er nicht mchr geschen. Er hatte auch die Absicht, sich nachher bet einem Juwelier vorzusteüen. Gegen halb 8 Uhr hat er noch telo» Logisch tm HsOvpsrty siinn Edrm.aDWsi» Wtd \

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