Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2493 (31.1.1926)
- Date
- 1926-01-31
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Ar. 2498 Wien, Sannfag ggjcwer Mov-en-tettmtq 31. (\mmev 1020 7 Direkte Umsetzung von Wärme in elektrische Energie? An der Münchener Technischen .Hochschule sprach der Physiker M. Paul über seine Versuche zur unmittelbaren Umwandlung von Warme in Elektrizität. Er geht davon aus, daß die Durchlässigkeit der magnetisierten Stoffe für magnetische Kraftlinien von der Temperatur anhängig ist. Wird ein Magnetischer Körper Tcmperaturanterungen unterworfen, so treten aus ihm Kraftlinien aus oder ein; durch diese Aendrrung des Krastlinienseldes wird in einem in der Nähe dieses Körpers ausgestellten elektrischen Leiter ein Wechselstrom erzeugt, dessen Energiebedarf aus der dem magnetischen Körper zugeführten Wärme gedeckt wird. Auf dieser Theorie baut Paul seinen Stromerzeuger auf, der — throrel'sch — durch Kaskadenschaltung einen Wirkungsgrad von 75 Prozent erreichen kann. In Wirklichkeit wird er durch Verluste ■ viel kleiner sein; diese Werte festzulegen, hat noch lange Zeit, da zur Verwirklichung des Problems für di.c Praxis noch eingehende Versuche und Vorarbeiten nötig sind. Eine sensationelle Erfindung zur Abwehr eines Angreifers. Der Elektroingenieur Franz 8 o l l e r t in Gelsenkirchen hat einen Apparat crlsünden, mit dem man in der Lage ist, jeden Angreifer durch bloßes Berühren mit der Hand unschädlich zu machen. Der Apparat besteht aus einer Batterie, die durch Verbindung mit einer Jrckiuktionsspnle einen Hochspann ungsstrom erzeugt. Sc? Strom wird von der Batterie durch einen Draht durch den Aermel ölt einem kleinen in der Hand liegenden .Kontakt geleitet, der durch je einen Ring unt das Handgelenk und den Mittelfinger gchalt-en wird. Durch Oeffnen der Hand schaltet sich der Strom von selbst ein. Der Strom ist so regulierbar, daß der Berührte sofort zusammensinkr, ohne daß sein Leben daber gefährdet wird. Der Ingenieur hat bereits Verhandlungen mit der Reichsregierung wegen Uckerlassung der Erfindung eingeleitet. Kraftmaschinenrlesen. Zn den Jahren 1919-1920 hatte aie Kraftstation am Riagara- «fall drei elektrische Maschineneinheilen in Betrieb getrommen zu je 37.500 P'-.'rdckräftc. Diese Maschinen erregten seinerzeit in Fachkreisen beträchtliches Aufsehen und man glaubte, nahe der Leistungsgrenze. angekommcn zu sein. Doch schon fünf Jahre später winden drei weitere Kraftmaschinen in Betrieb gc'eht, die. regulär je 70.000 Pftrdckräste leisten und bis zu 84.000 Pserdekräfte überlastet weiden können. Ter Wirkungsgras der elektrischen Generatoren beträgt garantiert 89.1 Prozent, rund 89 Prozent der theoretisch errechneten Wasstekrä'te werden nutzbar gemacht. E N'ge Zahlen noch, die d:- .'escnh'/ eit Ausmaße dieser Kraftmasch neu vergegenwärtigen: Die Turbine, d-e ern.n OüOOO-Kilowatt-Drchstromregenerater für 12.000 Ba.t antretlu, wieg! nschl'chl'ch des Regu.e ors 630 Tonnen. Ter Durchmesser des Laufraocs ist 1,6 Meter, das Laufrad selbst hat ein Gewicht von über 67 Tonnen. Die Dir. binenwellc mißt 87 Zentimeter im Durchschnitt. Es wird versichert, daß m'r diesen riesenhaften Maschmenkonstruktionen das konstruktive Endziel noch nicht erreicht wäre. Seide aus dem Meer. Da trotz der gewaltigen Zunahme in der Fabrikation von Kunstseide echte Seide auch heute mehr als je begchrt wird, hat man sich überall nach anderen Insekten umgesthcn, deren Gespinst ebenfalls dafür verwendet werden könnte. Man hat Versuche mit Spinnen und anderen Raupen unternommen. Die merkwürdigste Quelle aber, aus der man Seide gewinnt, ist ein kleines Muscheltier, das im Mittelländischen Meer vorkommt und Pinna genannt wird. Dieses Geschöpf befestigt sich selbst an dem Felsen mit feinen und starken Fäden, die zu einer prächtigen, goldarlenen Seide gewonnen trorden können. Aber leider ist der Faden sehr kurz, und ntan braucht öcrs Gespinst von 3000 dieser Tiere, um eine» Meter Seide zu gc- I Winnen. Daher ist diese „Muschelseide" sehr teuer. Strastenpflaster aus Gummi. Mit der Zu nähme des Verkehres wächst auch sie Sorgsall. die man ans den verschiedensten Gründen auf das Problem der ' Slraßenpslasterung verwendet. Nachdem das Steinpflaster in Zu knnft wohl nicht mehr in Frage komm-en w'rd, und auch Holz Pflaster ltitO Asphalt ihre Nachteile haben, hat man neuerdings wieder auf alte Versuche mit Gunrmipflasternng zurückgegriffen. Schon int Jahre 1870 wurde der St. Pancras-Bahuhof in Londcn aus diese Weise gepflastert, und man crz'elie recht günstige Ergebnisse, sowohl was die Dauerhaftigkeit, als auch die Geräusch, lojigkeit betraf. Nun ist man in Boston daran gegangen, die besonders verkehrsreichen Straßen mit einer Decke aus vulkanisiertem Gummi zu versehen. Der Lärnt hört vollständig ans. Die Gnmntipflasterung ist allerdings sehr teuer und verschlingt die dreifachen Kosten 2er Holzpslastcrung; indessen ist sie doch schließlich wirtschaftlicher, denn man schätzt ihre Lebensdauern außerordentlich hoch ein, während das .Holzp'lastet nicht allzu widerstandsfähig ist. Freilich kommt die Einführung dieser Neuerung vorläufig nur für ganz kapitalskrästige Städte in Frage. Grüne Naturfarbe. *“ lieber eine grüne Naturfarbe macht Dr. Ditmar in bft „Chemikerzeitung" eine interessante Mitteilung. An der dalmatinischen Küste pflegen die Fischer ihre Netze grün zu färben, angeblich, damit'fic die Fische nicht so leicht scheu könnten. Auch die Segel werden oft von ihnen grün gefärbt. Das geschicht in folgender einfacher Weise: Die Fischer pflücken die Blätter und Triebe .der Mastix Pistazie, klopfen und zerquetschen sie mit Hammerschlägeu und tun etwa 1 Kilogramm in ein Faß, in das rund 100 Liter Wasser cingesüllt werden, nach öfterem Um rühren ist nach 48- Stunden die Farbenbrühe fertig. Die Netze werden ein bis zwei Tage hineingelvgt, nnd dann in der Sonne getrocknet. Sie echalten eine wunderbare grüne Farbe. Die bekannte Braunfärbuizg geschicht in gang ähnlicher Weise, nur daß matr nicht die Mastixpistazie verwendet, sondern die Strandschre. Von dieser wird di: Rinde vertvendet, die man fein pulverisiert und dann einige Stunden kocht. Beide Methoden^ Grün- und Braunsärbung, sollen - gleichzeitig ein-' nennenswerte Konservierung im Gefolge haben. - —eich. WARENHAUS .. Tel. 47179, 43408 BRUDER SCHIFFMANN WIEN. U. BEZIRK. TABORSTRASSE 48 WEISSEWOCHE Samstag, den 6. 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