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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-31 · Heft 2493 (31.1.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2493 (31.1.1926)
Date
1926-01-31
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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mjBL a CcTR X Men. §onn?ag Dauersirümpfe haben Weltruf 67« Elefant, unvcrwtitilich / Utbcrall erhältlich Zentrale: LEO SUSSMANN Wien, 1. Besirk) Schwert|«lie Nr. 2 BarlaIiuas Heilbotschaft. —y. Wien. 81. Jänner. Wyndham Deedes hat in seinen in Prag uitb Berlin gehaltenen Reden den sozialen Hintergrund der arabisch-zionistischen Differenzen sehr scharf beleuchtet. Der kleinbäuerliche Pachtsklave steht unter der von den Großgrundbesitzern geübten Suggestion, daß die Juden den Boden an sich bringen wollen. Dieses Argument findet' dann auch seinen Niederschlag in den Verhandlungen» der Mandatskommission, die sich wohl oder übel mit dieser Beschwerde beschäftigen muß. Die Häufigkeit solcher Proteste übt dann trotz aller Widerlegungen die gewünschte Wirkung. Das mit der Materie unvertraute Publikum denkt sich, es sei doch etwas daran, und die europäische Pseudodemokratie, die immer auf antisemitisches Futter lauert, bemächtigt sich gerne der Gelegenheit, sich als Retter und Warner der jüdischen Gefahr aufzuspielen. Aber es ist ein merkwürdiges Zusammentreffen, . daß auch der syrische Oberkommissär Jouvenel m seinen jüngst veröffentlichten Interviews genäu das Gleiche konstatiert wie Sir Deedes. Jouvenel führt aus, daß alle Friedensanerbietungen an dem Starrsinn der Effendis scheitern, die die Sanierung der politischen Berhältniffe wie die Pest fürchten. Sie halten den Fellachen und den Drusen in wirtschaftlicher Abhängigkeit und der Einfluß des modernen Geistes würde zunächst Aufklärung bringen und den Sklaven die Augen öffnen. Sie sähen den Unterschied zwischen sich und den Grundherren. Sie merken heute schon den Unterschied zwischen sich und ihren arabischen Volksgenossen in Palästina, deren Lebensstandard sich schon jetzt unter dem Einfluß der jüdischen Arbeit zu heben beginnt. Die Elemente, die an der Verhetzung der arabischen Massen so eifrig arbeiten, sind bei der europäischen Reaktion in die Schule gegangen. Sie sehen darüber hinweg, daß sie in der Zeit vor dem Kriege Opfer der Kreise waren, die ihnen heute so viel zärtliche Sorge widmen. Wer in Europa hatte sich jemals für. das' Schicksal der Araber in Palästina intereffiert? Die Politiker hatten sich mit dem absolutistischen Hamihismus abgefunden, sowie sie sich mit dem parlamentarisch verkleideten jungtürkischen Nationalismus ganz gut vertrugen. Die Araber irr Aegypten, in Tunis und in Marokko waren höchstens strategische- Objekte. , Die europäische Demokratie hatte alle Hände voll zu tun, für ihr Verhältnis zum Imperialismus und Militarismus die passende Formel zu finden. Sie sah die Völkerschaften Asiens und Afrikas nur als billige Arbeitskräfte, die man mit Garnisonen mederhielt und denen jede Lust zum Aufmucken mit der Peitsche verleidet wurde. Der Krieg änderte zuerst nichts an dieser Einstellung. Erst als der Mängel an weißem Kanonenfutter eintrat und Hilfskontingente herangezogen werden mußten, begann die große Wandlung; nicht bei den Herren freilich, sondern bei den Rajahs. .Sie lernten den weißen Gebieter in seiner Schwäche kennen. Sie verstanden es sehr wohl, daß sie zur Hilfe gerufen und bewaffnet wurden. Versprechungen wurden ihnen in Menge gemacht. Die naiven Burschen glaubten alles. Erst nach dem Kriege merkten sie den Betrug. Sie waren der Hoffnung gewesen, daß sie frei werden und daß der Boden, den sie bebauen, ihr Eigentum werden würde. Aber sie fielen wieder den Effendis zu. Und um die Macht wieder zu befestigen, gaben ihnen diese andere Zielpunkte des Temperaments. In Palästina sind dies die Juden. Den Effendis steht Europa zur Seite, das Europa des Haffes, des Pogroms, der Verhetzung und der Sklaverei. Dieses Europa hat sich die Vernichtung der Juden zu einem seiner lichtscheuen Ziele gesetzt. Es ist ihm klar,^ wie die jüdische Aufbauarbeit, me organisatorische Fähigkeit des jüdischen Stammes auf die Unterdrückten wirken muß, die hier zum erstenmal bewußte soziale Ideen in der nächsten Nahe sehen. Nun hätte auch das nichtjüdische, das weiße, das kultivierte Europa, das so viel von seiner zivilisatorischen Mission im Orient spricht, den Parias und Landsklaven den Weg zur Höherentwicklung zeigen können. Wiederholt haben die antizionistisch verhetzten christlichen Araber das soziale Gefühl ihrer Protektoren angerufen. Sie haben Geld, Schulen, Organisierung des Kreditwesens verlangt. Das ist alles vergebens geblieben. Sie haben nichts erhalten als neue Hetzparolen und Kriegsxufe. Und die letzte Zeit beschert ihnen das Heil: Barlaffina läßt im „Rakib Sion" die „Protokolle der Weisen von Zion" anpreisen. Das ist dre Hilfe für die von den Zionisten so sehr unterdrückten Maubensbrüder, das ist der soziale Geist, den ihnen Rom sendet. Die Juden bauen Schulen, ziehen Straßen, schließen Industrie, Handel und Gewerbe auf, bringen Maschinen, Krankenpflege, Spitäler. Der Monsignore hat nur ein Buch der Lüge zu geben. Er besitzt nicht mehr. _Mene* MokgMzeNrma Der Parteiwechsel Sir Alfred Monds. (von unserem Londoner A. Th.-Korrespondenten.) London, 27. Jänner. Der aufsehenerregende Parteiwechsel Sir Alfred Monds wächst sich immer mehr zu .einer richtigen „Affäre" im hiesigen politischen. Leben auS. Fast ebenso überraschend wie Monds Entscheidung selbst kam die Reaktion Lloyd George-, drS eigentlichen Schuldtragenden an dem Austritt und der dadurch erfolgten Schwächung der liberalen Partei. Lloyd-George, der als ausgesprochener Philosem: t bekannt ist, äußerte sich: ,Jch bin nich: im geringsten überrasch:. Er machte augenscheinlich Bahn für1>ie Konservativen und die Agrarpolitik '.st nur eine Ausrede. Seine Aktion hat durchaus nichts damit zu tun, sonst würde er sich an den liberalen Parteitag gewandt haben, um seine Sache dort zu vertreten. Wenn dann gegen ihn entschieden worden wäre, hätte er Das Recht gehabt, weiter zu handeln. Sein wirllicher Beweggrund zeigt sich in jenem Teile seines Briefes, wo er die Ueberzeugung ausspricht, daß die liberale Partei traurige Aussichten für ehrgeizige Menschen bietet. Wie ein anderer berüchtigter Angehöriger feiner Rassen ging er. aitf seinen eigenen Platz." Der letzte Satz ist eine Anspielung auf Judas 'Jfchariot, von dem es heiß:, daß „er fiel, um auf seinen eigenen Platz zu gehen". Die Aeußerungen Lloyd Georges sind nur auS seiner schweren Verbitterung über den wirklich ruinösen Schritt Sir Alfteds zu erklären. Ist doch die liberale Partei gerade jetzt m einem derart kritischen Stadium, daß Monds Austritt die ganze Existenz der Partei überhaupt zu bedrohen scheint. Sir Alfred Mond hat auf die Ausfälle Lloyd Georges sehr würdig geantwortet. Er erklärte einem Vertreter des „Daily Telegraph", daß er es tief bedauere, seine Verbindung mit Lloyd George, mit dem er sechs Jahre in der kritischen Zeit Englands in einem Ministerium zusammengeseffen sei, lösen zu muffen. ,Ich kenne die Dienste, die er dem Lande geleistet hat, er sollte aber wißen, daß er wie einen loyaleren Freund hatte als mich und er weiß recht gut, daß — wen» Ehrgeiz mich leiten würde — ich viele verlockendere GAegenheiten hatte, ihn zu befriedigen, in Zeiten, wo er in den größten Schwierigkeiten war und ich unter den wenigen aushiel:, die zu ihm standen. Ich lehne es ab, mit Lloyd George irgend eine persönliche Kontroverse zu haben und werde auf seine diesbezüglichen Bemerkungen nie antworten." , Wachsende Opposition gegen Lloyd George. London, 30. Jänner. Die Spaltung in der liberalen Partei scheint immer größeren Umfang anzunehmen. Etwa ein Dutzend liberaler. Abgeordneter wird gegen die Landreformvorschläge Lloyd Geor g e s austreten. Sollte, der liberale Kongreß im Februar diese Vorschläge annehmcn, dann würden diese zwölf Abgeordneten aus der Partei ausscheiden und eine eigene Gruppe bilden. Diestr Abfall wäre für die liberale Partei verhängnisvoll, da sie ohnehin nur mehr über 39 Sitze im Unterhaus verfügt. An* Nachwahl in Monds Wahlbezirk? Sir Alfred Mond hat an den Obmann der - liberalen Partei in feinem Wahlkreis ein Schreiben gerichtet, in dem er ihn von seinem Schritt verständigt und in Konsequenz sein Mandat in die Hände des Parteiausschuffes zurü^ legt. Es ist jedoch trotzdem möglich, daß er sein Mandat weiter behält, da er bei den letzten Wahlen vor allem durch ein Abkommen mit den Konservativen in einer riesigen Mehrheit von antisozialistischen Stimmen gegen den gegnerischen Sozialdemokraten gewählt wurde, somit seine neuerliche Wiederwahl absolut sicher erscheint und nur Kosten verursachen würde. : Sie Hilfsaktion (Br die Sitten Polens. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Warschau, 30. Jänner. Bon der Föderation der polnischen Juden in Amerika langte beim Präsidium des Jüdischen Klubs die telegraphische Mitteilung ein, daß die Föderation bestrebt sei, Geldmittel zur Abwendung einer wirtschaftlichen Katastrophe der polnischen Judenheit aufzubringen. Der Klub wird ersucht, genaue statistische Materialien über die Lage der einzelnen jüdischen Branchen und Berufe vorzulegen. Sr. Nohn beim amerikanischen Gesandten in Warschan. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Warschau, 30. Jänner. Ter europäische Direktor deS Joint, Dr. Kahn, hatte vor seiner Abreise aus Warschau eine Unterredung mit dem amerikanischen Gesandten Stetts o n, in deren Verlauf er ihm einen Bericht über die gegenwärtige traurige Wirtschaftslage der polnischen Judenheit erstattete und darauf hinwies, daß die polnische Judenheit gezwungen sei, die maleriefle Hilfe der amerikanischen Juden in Anspruch zu nehmen. Ter Joint werde daher gezwungen sein, eine großzügige Hilfsaktion durchzuführen. Angesichts dieses Umstandes ersuchte Dr. Kahn den amerikanischen Botschafter um Unterstützung der Tätigkeit des Joims in Polen. Mr. Stettson, der ein besonderes Interesse für die wirtschaftliche Lage der Juden an den Tag legte, stellte seine vollste Unterstützung in Aussicht. Sie Süden von S«MM. Warschan, 30. Jänner. (I. T. A.) Einige tausend Juden aus vier Kreisen des einstigen Gouvernements Suwalki, die jetzt zu Mauen gehören, haben sich um die polnische Staatszugehörigkeit beworben, mit der Motivierung, daß sie, beziehungsweise ihre Ellern seit mehreren Jchrzehnteu in Lougreßpolen wohnen. Särmliche Gestützt sind von per WlttiHe« Regierung zurnckgeioieses wpchW. 31. Jänner Mb Kr. WO Oeskays Bubikopf-Haarschnitt iat Kunzt, uh Minne - Haarfärben 4a* Beete, eetne Dauerwellen einzig IX., Wfihrlnaerstrasse Nr, 13 Sie Wische Gemeinde in Warschaiu (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Warschau, 30. Jänner. Angesichts der bevorstehend« Konstituierung der jüdischen Gemeinde werden ununterbrochen Verhandlungen mit den einzelnen Parteien zur Schaffung eines Mehcheitsblocks geführt. Die Agudah wandte sich an die Zionistische Organisation mit dem Vorschlag der Schaffung eines gemeinsamen Mehrheitsblocks, was jedoch von der Zionistischen Organisation einstimmig a b g e l e h n: wurde. Nach dem gegenwärtigen Stand der Verhandlungen ist anzunchmen, daß die Zionisten, Misrachisten und einige unparteiische Gemeinderäte einen MehrheitSbkock schaffen werden. Als Präsident wurde vo« diesem Mehrheitsblock Dr. Klumel kandidiert, der jedöch die Annahme dieser Stelle ablehnte. Als nächster Kandidat wird Dr. Bjechowski (Zionist) vorgeschlagen, deffen Wahl als sicher angenommen werden kann. Erwähnenswert ist noch, daß die Bundisten mit dem Poale Zion einen gemeinsamen Klub gebiDe: haben, um auf diese Weise zwei Stellen in der Verwaltungsexekutwe zu erhalten. Anstritt der «gndiften ans dem Seimvnb r (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Warschau, 30. Jänner. Die Zentrale der hiesigen Agudah wird von einigen Provinzgruppen aufgefordert, aus dem Jüdischen Klub auszutreten und einen selbständigen Agudahklub des Sejms zu bilden. Im Zusammenhang mit dieser Aufforderung hat die. Zentrale der Agudah eine dringe nVeSitzung einberusen, um dazu Stellung zu nehmen. Wie in gut unterrichteten Agudahkreisen verlautet, ist die Mehrheit der Zentrale nich: geneigt, der Forderung ihrer Provinzgruppen nachzukommen. Sie polnisch-nkrainisAe BeMMgNngrnktioN gescheitert. ' (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung."): Warschau, 30. Jänner. Wie vor längerer Zeit gemeldet wurde, hatte es der Unterrichtsminister Grabski versucht, eine Verständigung mit den Ukrainern herbeizuführen. Bor einigen Tagen sollte in Krakau eine Besprechung mtt ukrainischen Politikern und Gelehrten stattfinden, um die Frage der Reaktivierung der ukrainischen Univrrsitatin Lemberg zu behandeln..Zu der Konferenz erschien kein einziger Ukrainer, i * . ~ Poknisch'denische klsenbahnverhandlnngen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Warschau, 30. Jänner. Hier finden jetzt polnffch^eutsche Verhandlungen statt, um eine Regelung der Eisenbahnverbindungen zwischen Polen und Deutschland hevbeizuführen. Dabei werden auch Fragen des T r a n s i t v e r ke hrS geg«r Osten und Westen zur Behandlung gelangen. Sie Streik« in Warschan. Warschau, 30. Jänner. Die Streiksage wird Armer bedrohlicher. JmTelephonstreik wurde der Vermittlungsvorschlag der Regierung vo» den Angestellten abgelehnt. Der Streik der Straßenbahner dauert an, ohne daß Verhandlungen wegen einer'Beilegung des Streiks bisher stattgefunden hätten. Demonstrationen, der Straßenbahner werden erwartet. Heute findet eine Abstimmung im ElÄtrizitätswerk statt, die aller Voraussicht nach dort ebenfalls zum Streik führen «ich. Auch bei den Arbeitslosen zeigt sich Demonstra? tionslust. So fand gestern ein Umzug von 1500 Arbeitslose« durch die Straßen statt. Infolge der Gefahr einer Ausdehnung der Streikbewegung ordnete die Polizeidirektion eine er» höhte Bereitschaft der Polizeimannschastey an. Wahlresorm in Sentschland. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) BerN», 30. Jänner. Wie das Nachrichtenburecm Vereins deutscher Zeitungsverleger erfährt, stehen im Reichs- Ministerium des Innern die Vorarbeiten zu einem Wahlreformgesetzentwurf vor dem Abschlüsse. Der Entwurf strebt die A bfch a f fu » g de r L i st e u w a h l, die Einführung der Persönlichkeitswahl und die Erzielung möglichst klarer Mchrl ''överhältmfle an. Die bisherigen großen Wahlkreise s - >rch kleinere ersetzt werden. Voraussichtlich wird au, <uo0 Stimmen ein Reichs tagSabgeordnei^ rammen. Wahrscheinlich wird das Wahlalter pW 20 auf 81 JWe hinaufgoscht! werden. Sie denksche Maeinementeeei. Beschlagnahme chm Berlin« Zeitung. Berlin, 30. Jänner. Heut« nachmittags erschienen 4» 8er Redaktion der „West am Abend" Kriminal- und Polizei beamte und beschlagnahmten die heutige sowie die gestrige Auktzabe des Blattes wögen der Artikelfoltze „Seiner Majestät Marine, Erinnerungen eines „Landesverräters" aus der Marinemeuterei 1917". Gleichzeitig wurde der Befehl <rtchlt, di« heutige Ausgabe im Straßenhandel zu bsschlag« nahmen. Die Beschlagnahme ist deswegen erfolgt, weil dp angegebene Artikelserie der voyl Staatsgerichtshof beWagn tuthmlau iftrnfrfu’iTV imhwiaumhtt. jff. WMWLiiM «ä ftsif » itz/M il' ifTiM V>'> 'Tyt,-mgsiW % .WH» 1TV Haft' fr HrWiwViir "ufflnriirrri «eüi * mfi iraiüriinhi na antntt, - «in»- «-marrrt*--r an r «n■ •anau* .»tr,*».

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