Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2493 (31.1.1926)
- Date
- 1926-01-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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fpäienl aS gioazyj Wien «.umAohoien indei Expedition, IL, iaboisti. 1-3, oder in einet Vetschleisateile Trallk) monatl. s Schilling Strassenverkaui in Wien durch die Kolporteure der Firma Gold schm ied, U Wotlzeile II Mit Posiversand tfir Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling 1 schecho-Slowakcl: Mon. K22. Jugoslawien: Moh. Din. 60. Polen: Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4. Frankreich, Belgien: Mon. Fr«. 18 •'•cbsetiittascn mi r teil* erb6hoa»en Vorbehalte» Wiener Morsmretttmg unttin England; Mon. 4 Schilling. Italien Monatl. 18 Lire: Runänten Mon. 170 Lei Bulgarien Mon. 100Lewa. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Fr«. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-038. 403-19 Ab 6 Uhr 21-102, 25-2-82 IX. Universitatsstrasse 6-8 (D uckerei lg. Steinmann) Oesterieichisches Postspar* kassen«Konto Nt. 150.693 «r. 2401 Wir«, eonntoo. 21. Siinnrr 1926 8. ftatirgana Iss amerikanische Sinwavdenmgsgesetz. New-Aork, 30. Jänner. (I. T. A.) Mr. Louis Mars Hall, Präsident des amerikanisch-jüdischen Komitees, mb das jüdische Kongreßmitglied Perl man wurden d'eser Tage von der EinwanderungSkommiffion des Repräsentanten- Hauses verhört. Beide richteten einen warmen Appell an die Komm.ssion, die Aenderung der Jmmigrantenbill in der Mise zu befürworten, daß Verwandte von Bürgern .und Deklaranten (solche, die ein Recht haben, Gesuche um Bürgerschaftsverleihung einzureichen) ungeachte: der Quote einwandern dürfen. Kurz darauf erschien auch Tr. Stephen S. Wise, der Präsident des amerikanisch-jüd'schen Kongresses, vor der Kommission und appellierte in dem gleichen Sinne. Wie schon mitgeteilt, unterstützt Präsident Coolidge die Forderungen nach einer Milderung der Einwanderungs- Vorschriften mit Bezug auf Verwandte amerikanischer Bürger und Teklaran:en, damit d'e Grausamkeiten der Familientrennung aus der Mlt geschafft werden. Ein in der Carnegie Hall stattgefundenes Masse nmeeti n g forderte in einer Resolution den Kongreß der Bereinigten Staaten auf, das Einwanderungsgesetz zu fermen sch sichen", indem Männern, Frauen, Eltern uiid Kindern amerikanischer Bürger und Deklaranten die Einreise, über die Quote hinaus gestartet werde. Die sehr eindrucksvoll i verlaufene Kundgebung wurde von dem New-Horker Jewish Courtcil os Greateri Nerv Jork arrangiert. Die Redner waren: Dr. Stephen S. PU s e, Kongreßmitglied Nathan D. P.e r lman. Alfred L. Mills,.F. H. La Gllardich W. Anthony von der Föderation der Kirchen, Bi Ei BIadek, Redakteur des „Vorwärts" u. a. m. Vor dem Massenmeeting hielt der Jüdische Große Rat eine Beratung im Zentralen jüdischen Institut ab, der etwa 500 Delegierte aus 200 jüdischen Organisationen beiwohnten. In einer Resolution wurden sämtliche jüdisch e n Bereinigungen New-Icrks ausgerufen, sich mit dem Rat in der Bekämpfung der Grausamkeiten des Eintvanderungsgesetzes zu vereinigen. Llvsktz über die Me-Affare und das Krimrojelt. Das Prestige Dr. Wises hat nicht gelitten. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") London, 30. Jänner. Ihr Korrespondent nahm Gelegenheit, Louis Lipsky, den Präsidenten der Zionistischen Organisation Amerikas und Mitglied der Zionistischen Exekutive, der zurzeit m der englischen Haup:stadt weilt, um seine Ansicht über die Kampagne gegen Dr. Stephen Wise und ihre allfälligenMachwirkungen sowie über die a m e r i lo Nischen Bestre bnngen für das Krimprojekt zu befragen. Was die Ange'egenhei't Dr. Wises betrifft, ist Lipsky der Ansicht, daß die ganze Sache unnötigerweise ausgebauscht wurde. Sowohl die a »greifende Seite, die glaubte, aus einer lächerlichen Kleinigkeit einen Kampf um die bedrohten heiligsten Güter machen'zu müssen, als auch diejenigen, die mit der glichen Emphase ans der anderen Seite die Sache übertrieben. Er ist der Ansicht, daß die ganze Angelegenheit endgültig begraben und vergessen ist und daß auch das Prestige Dr. Wises nicht darunter gelitten haben wird. Das sogenannte Krim Projekt fand in Amerikaunter rer Führung Louis Marshalls begeisterte, aber an Zahl außerordentlich geringe Anhänger- und die Beunruh'gung, die eine Zcitlang in der Oeffentlichkeit herrschte, daß die Palästinaarbeit unter der Propaganda für das neue Projekt leiden könnte, hat sich bald als unbegründet l^rausgestellt. Alle anderen Versionen bezeichnet Mr. Lipsky als -unrichtig. lAe Apposition fordert de« Rücktritt Bethleus. -ie SrankrniötschuaosaffSre im Parlament. — Rene polizeiliche Erhebungen unter Mir» Wirkung der iranzdstscheu Letett ve. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeilnng".) Budapest, 30. Jänner. Auch in der heute fortgesetzten Debatte üb.r sas Budgetprovisorium wurde die Frankensä l sch ungsaf sä re von mehreren Rednern zur Spr.che gebracht. Abgeordneter Dr. Fabian (Nat.-Dem.) führte aus, er könne zur Negierung kein Vertrauen haben. Es sei bezeichnend, d:ß Nadossy noch immer nicht seines Amtes enthoben sei. Nadossy fei der eigentliche Chef der.ungarländischen rechtsradikalen Bereinigungen und G e h e i m b ü n d e gewesen. Graf B e t h l e n könne sich der politischen Verantwortung nicht entziehen, und zwar nicht nur in der Frage der Frankensäl'chungsaffäre, sondern auch bezüglich der seit seinem Amtsantritt verübten Verbrechen, d:ren Täter bis heute noch nicht ausgeforscht werden konnten. Die Tatsache, daß in die Frankenfälschungsangelegenheit hohe staatliche Funktionäre verwickelt sind und die falschen Noten in einer staatlichen Anstalt hergestellt wurden, habe dem Kredit Ungarns im Ausland tiefe» S chaden zugefügt. Es 'ei notpendig, daß eine neue Regierung die Geschäfte übernehme, eine Regierung, die durch keine Fäden an geheime Orga-, u isa t io neu geknapst sei.; Der nächste Redner, WhrNrdmter, S z i l a g h i (Opposition) beantragt'die Feststellung der Beschlutzfähigkeit des Hauses, da . nur sieben Abgeordnete im Saale sind. Die Sitzung muß daher s u S P e n d i e r t werden. Nach Wiederaufnahme der Sitzung führt Abgeordneter Dzilagy, aus daß die Behauptung zurückgewiesen werden müsse, ..als ob die Fraukenfäl chungsaffäre nur eine S:che Ungarns sei. Trotzdem müsse er feststellen, daß die Aufhellung nur in einer hiefür geeigneten Atmosphäre zustande kommen könne. Für diese Atmosphäre sei die Regierung verantwortlich und die politischen Konsequenzen könnten daher nicht ausbleiben. Abgeordneter Szeder (Sozialdemokrat) fordert den Rücktritt der Regierung, da sie nicht mehr in der Lüge sei. die Interessen Ungarns dem Auslande gegenüber erfolgreich zu vertreten. . Der parlamentarische Untersuchungsausschuß hat in seiner heutigen Sitzung den Staatssekretär im Minister- Präsid.um, Baron Pronay, einvernommen. Tann wurde das Haager und.Amsterdamer Untersuchungsmaterial scwie das Tagebuch des Obersten I a n k o v i ch einer Prüfung un:erzogen. Die Staatsanwaltschaft hat die Anklageschrift, die 81 Seiten umfaßt, in 89 Kopien anfertigen lassen. Die Anklageschrift geh: nächster Tage den Beschuld'gten und deren Anwälten zu. Die Anklage wird gegen 26 Personen 'erhoben. Okcrstaatsanwalt Dr. S z t r a ch e hat seine Einwilligung erteilt, daß der französische Polize Inspektor Douleer bei den neuen Verhören zugegen sei. Die Staatsanwaltschaft wird die U »t e r s u ch u n g s a k t e n morgen an die Oberstadthauptmannschaft zurücksenden. Inspektor Doulce t harte eine Unterredung.mit Polizeirat Dr. Bauer» in der die Mrdalitäten der Teilnahme des französischen Polizeibeamten bei den bevorstehenden Verhören festgelegt wurden. Der Informator Kozmas. Die Frage, wer der Informator des Chefs des Ungarischen Telegraphen-Korrespc nLenzbureaus, des Ministerialrates v. K o z m a, gewesen ist, der zum erstenmal die Aufmerksamkeit auf die Frankenfälschungen lenkte, ist heute gelost worden Ministerialrat Kozma war bisher ehrenwör'tlich. zum Stillschweig-en verpachtet, erhielt jedoch heute abends von seinem Informator die Ermächtigung, ihn vor dem par.'amentarischen Untersuchungsausschuß namhaft zu machen. Ter betreffende Jnfcrmawr ist weder Politiker, noch öffentlicher Beamter, sondern Geschäftsmann, der eben mit Rücksicht auf diese Eigenschaft die Geheimhaltung seines Namens gewünscht hatte. Untersuchung gepen den Nationalverband. Ter Minister des Innern hat im Wege des Bürgermeisters die Unters, chung gegen den ungarischen Nationalverkand angeordnet, weil einer der D i r e k t o r e n in der Franken fälsch u ngsa ffäre verhaftet wurde. Bethlen geht auf die Jagd. Ministerpräsiden: Graf B e t h l.e n. hat sich heute nachmittags in Begleitung des Ackerbauministers Mayer nach Lila Füröd zur Jagd begeben. Graf Bethlen kchrt erst Mittwoch nach Budapest zurück. Der Kampf gegen acht Seminaristen. Wir berichteten, daß der Führer der ungarischen Rassenschützler, Julius Gömbös, in einer im Zusammenhang mit den Frankensälschungen seiner Parte.genossen gehaltenen Pogtomrede unter anderen auch den Unterrichtsminifter Grasen Klebelsberg hchig-,angegriffen hat, weil er verordnete, daß die Hörer des Bu dapester Rabb:nerseminars außerhalb der im Gesetz vom Numerus clausus festgesetzten Quote in die Universität ausgenommen werden. Gömtös warf dem Unterrichtsminister vor, daß er auf diese Weise jüdischen Hörern eine Hintertür zur Universität geöffnet habe. Diesen Borwurf hat Graf KleHelsberg, der einzige und hartnäckigste Verteidiger des Numerus clausus gerade nach seiner jüngsten Rede für die Aufrechterhaltung des ■ kulturwidrigen Gesetzes vor dem Völkerbund, sicherlich «ich: verdient. Auch die hier folgende amtliche Erklärung beweist, daß dem ungarischen Unterrichtsminifter nichts ferner'gelegen ist, als den Juden gefäll'g zu sein. Das Communique lautet: „Das Ges tz vonr Jahre 1895 über die israelitische Konfession enthält die Bedingung, daß nur derjenige in Ungarn als Raboiner fungieren könne, der seine'Ausbildung in Ungarn genossen hat. Auf dieser Grundlagewurde die Rabbinerausbrldüng durch ein eigenes Statut geregelt, im Sinne dessen die Erlangung des Doktorgrad s an der philosophischen Fakultät eine Vorbedingung für die Rabbinerqualifikation in Ungarn bildet. Es mußte daher die Möglichkeit ^schaffen werden, daß die Hörer d s Rabbinerseminars dieser ihrer Verpflichtung auch entsprechen können, andererseits aber konnte im Sinne des Gesetzes vom Numerus clausus nicht zugegeben werden, daß die Inskription in die Universität unter dem Titel der Rabbinerausbildung - den Weg in die Bildungsanstalt für Mittelschnllebrer und auf diesem Umwege auch auf die Profesjorenlaufbahrr össne. - Der im Einvernehmen mit den Unwersitätsb Hörden heschloffene Berordnungsemwurs wird also den berechtigten Anforderungen an die Rabbinerausbildung und den s o z i a l p olitischen Zielen des Numerus-e! ausus-Gesehes in gleichem Maße gerecht. WaS jedoch die praktiW Tragweite der Verordnung betrisst, so handelt es sich um jährlich durchschnittlich acht Hörer, die in Betracht kommen." Gömbös mag also ruhig schlafen..Ter Numerus clausus ist beim Unterr'chtsmimster Klebelsberg in sicherer Obhut. Er hat sich in dem zitierten Communique Kvischeu den Zeilen sogar die perfide, hinterhältige Verleumdung nicht versagt, als ob die Seminaristen sich auf unerlaubte Weise auf die Lehreriaufbahn schleichen wollte». Was sollten übrigens jüdische Absolventen mit einem Mit:el^chullehrerd'P'om anfangen, solange Unterrichtsminifter K l e b e l s b e r g der Hüter des „sozialen Gleichgewichts" in Horthy-Ungarn ist? Zionistische Organisation sunaiixx. Dienstag (Feiertag) den 2. Februar 1926 UM halb 8 Uhr abends im HOTEL CONTINENTAL II., Taborstrasse Nr. 8 KONZERT Qberkantors Israel Alter Hannover (früher Wien XX.) m Mitwirken wird der verstärkte Cher des Tempelvereine# XX unter Leitung des Chordirigenten Herrn David Reisenmann Lasse Ksrfen s’nd zu haben: Caf£ Neptun, XX. Oauss lai* l dei H^irn Sodei. i Hrrmincn- 12/10 und in der «Kulturgruppe“. XX., Karl-Meissl S'rosse 5