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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-30 · Heft 2492 (30.1.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2492 (30.1.1926)
Date
1926-01-30
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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iMmw 30. fltittMt .stM SMI Set Brand in der Universität. iet NnlverfltSlrsebSnde in Vefahr. — «nbravchbnre -vbnmten. — «ernlchtm« der -HM-en Samminng. 9t. MR »fett. K,M>« Tagesbericht. r Stttl Parabeln nom Frosch. stlüS ei«« allen hebräischen Tkerbnche.) 1. Unser« Mtvordern, ihr Andenken sei gesegnet, erzählest sol- . tzendeS vom König David: Als er das Buch der Psalmen beendet hatte, ward sein Sinn übermütig, und er sprach vor Gott: „Herr der Welt.' Gibt eS unter den Geschöpfen, die du gebildet hast, , noch eines, das dich so verherrlicht und gepriesen hatte?" In diesem Augenblick «schien vor ihm ein Frosch und sagte: „David, dünke dich nicht groß, denn auch ich singe dem Herrn Kicher und Lobeshymnen, und die Libertreffen die deinigeu. Und auf jedes meiner Li.der kann man dreitausend Gleichnisse machen. Aber noch außerdem erfülle ich ein hochwichtiges Gebot. Cs lebt nämlich am MeereSstrande ein Geschöpf, das sich nur vou Masf.rtreren nährt. Wen« es nun Hunger verspürt, diene ich chm a.'S Speift." L. MS einst zwischen den Menschen und den Tieren ein RechtSstreit auSg.iragen werden sollte und es sich darum handelte, einen Fürsprecher zu senden, sprach der Walfisch: „Der Frosch ist von allen der Geeignetste, denn er ist sonst und geduldig. Bei Tag und Lei Nacht, morgens, mittags und abends läßt er am Wasser seinem Gott Lieder erschallen. Er sucht die Wohnsitze der Mensche,» aus, und daS Volk Israel hat chn zweier Taten wegen, die er einst vollbrachr hat, hoch zu ehren. Die eine war, daß er, als Abraham, der Freund GotieS, von Nimrod, dom Gewaltigen, in den Kalkofen geworfen ward, den Mund voll nahm und es auf die Flammen spie, daß fic erloschen. Sein Mei-tes Werk war. daß er in den Tagen Mof.8. der wahrhaften Propheten, zum Verderben Pharaos beigetragen hat. DcS Frosches Zunge ist rein; er gebraucht sie nur zum Lobe des Herrn. Er ist eines von den Tieren, das im Wasser sowohl ÄS auch im Grase leben kann. Dein Gesang ist gefällig und seine Stimme süß. Er hat einen runden Kopf und strahlende Augen, zwei Arme und zwei Füße, und sein Gehen ist ein Hüpfen. Er ist bei den Menschenkindern gern gesehen, er fürchtet fit -«sicht und sie fürchten ihn nicht.* Sie Ausgrabungen in Sattam. Nach einem Bericht der „Times" über d!e britischen Ausgrabungen in Sakkara (südlich von Kairo), die dort vom Archäologischen Institut unternommen wurden, haben die Forschungen im Umkreis der großen Pyramiden interessante Ergebnisse. Besonders bemerkenswert ist die Auffindung eirrer Kolonnade, die den Haupteingang zum Phramidenbezirk bildete. Diese Kolonnade weist eine Reihe von 83 Säulen auf, die fünf Meter hoch und an der Basis ein Meter breit sind. In einem der Zwischenräume der Kolonnade wurden zwei Statuenköpfe gefunden, die im Stile der sogenanntest Hik'osstatuen gehalten sind. Die gefundenen Baulichkeiten stammen aus der dritten Dynastie. Sie sind das Werk des Architekten Jmhotep, des ersten Architekten. von dem die Geschichte Kunde gibt und der später als das Vorbild der Weisheit gefeiert wurde. . Im Vorhof des im vorigen Jahre entdeckten alten Tempels, d:r sich im Norden der Kolonnade befindet, wurde ein Brief auf Papyrus gesunden, der ungefähr 45 Jahr- Ihunderte alt ist. Es ist eine Klageschrift des Kommandanten der Truppe in Tura, in der Nähe des heutigen Kairo, daß seine Soldaten, die ihre Equipierung hoben sollten, sechs Tage daraus warten mußten. Die „Times" findet diese Klage über die Schlamperei der alten Aeghpterzeiten sehr modern klingend. Auch fand man eine Inschrift eines Touristen, der die Wunder des Pyramidenbezirks besucht hatte und bei dieser Gelegenheit bemerkte, doß er der einzige Ueberfefenbe einer Truppenabteilung, die ein Gefecht mitmachte, gewesen sei. In einer Begräbnisstätte aus der Zeit der fünften Dynastie wurden fünfzehn sehr gut erhaltene Holzstatuetten gefunden. Die merkwürdigste dieser Statuetten ist die eines Zwerges, wohl eines Lieblingssklaven eines der Verstorbenen. Snnitl SnMnhelms Mesenivende. »Für da- WeiterkoMmeu der Menschheit* — Eine halbe Mlllton Pfund für Lustfchrtstudicn in Amerika. Unser Londoner Korrespondent erfährt aus New-Aork, daß die ungeheure Spende des Kupferkönigs Daniel Gug» gen he im für ,^ie Unterstützung, Aneisemng und Propaganda für alle Studien, die in Amerika zur Fördervng der Luftschisfahrt und der allgemeinen Arronautik gemacht toerden und gemacht werden sollen", am vorigen Dienstag zur Auszahlung an die Trustees gelangte. In einem Schreiben an das Kuratorium feiner Stiftung meint er, mit Anspielung aus seine Kupferbergwerke, daß der Name Guggenheini, der so lange mit dem Arbeiten unter der Erde verbunden gewesen sei, nunmehr auch im Zusammenhang mit dem Arbeiten über der Erde genannt werden würde. Ewäre ein schöner Gedanke für ihn, wenn di« Menschen mit dem, war er umer der Erde erworben habe, vielleicht etwas zu ihrem künftige« Mück über U% Grd« «seichen könnt«. Einen nahezu unersetzliche« Schaden hm die Wisienschaft durch den Dranv erlitten, der Dointtrstag abends im Unioersitätsgebätlde gewütet hat. Der Brand hat daS ganze N n i v e r s itätsgebäude in höchste Gefahr gebracht. Ohnehin spat entdeckt, hätte der Brand, wenn er nur noch kurze Zeit länger im geheimen gewütet hatte, sicherlich di? weltberühmte Universitätsbibliothek vernichtet. ES ist ein bloßer Zufall, daß die Flammen überhaupt verhältnismäßig früh wohrgenommen wurden. Der Sohn des UniversitiitKprofesfors Dr. Ocheniv Abel, ein Student, Hütte bis gestern spät abends in brr Universität gearbeitet und, als er spät abends heimgchen wollte» unrer den Arkaden der Universität Rauch wahrgenornmen. Er machte seinem Baker davon Mitteilung. Dieser telephonierte von seiner Wohnung an die Feuerwehr. Sie rückte sofort aus, doch war der Brandherd im riesigen Gebäude nur schwer aufzufinoen. Die Hydranten der Universität, die v o l l k o m m e n veraltet sind, konnten nicht benützt werden; die Schläuche mutzten daher von den Straßenhydranien gespeist werden. Erst nach langen! Suchen wurde der Brandherd entdeckt. Es war der Saa! mit der berühmten vergleichenden anatomischen Sammlung H y r t l s im zweiten zoologischen Universitätsinstilut, ein Saal von S bis 10 Meter Länge und etwa 6 bis 8 Meter Höhe. Die Situation war »n ge me in ge- Ans Paris wird gemewet: In M e l u n hat man gestern die Vernehmung der Flagellanten von Bordeaux begonnen, die den Pfarrer von Bombon in seiner Sakristei überfielen und ihm mit Geißelhieben den Teufel au8trieben. Die Mi Männer und acht Frauen, welche die Geißelfohrt zu Ehren oer „weinenden Madonna" unternomrnen hatten, waren von Bordeaux nach Melun gekommen. Sie stärkten sich erst ausgiebig im Gasthaus und begaben sich dann betend und fromme Lieber singend zum Gericht. Zuerst wurde der städtische Beamte Lourdin vernommen. Als er daS Zimmer des Untersuchungsrichters betrat, zeigt« er auf den Pfarrer de Noyer, der noch immer von den erlittenen Schlägen geschwächt ist, und erklärte mit Ekstase: Dieser Mann da ist Satan, er schickt die Krankheiten mit den BSgeln aus, die über Bombon fliegen. Diese Vögel kamen an den Garten unserer heiligen Mama Mesmin und machten Mama Marie krank..Wo die Vögel über die Felder geflogen sind, wachsen auS ihren Exkrementen Champignons, die vergiftet sind. Wer die Pilze verspeist, oder auch nur ihren Geruch einatmet, ist dem Teufel verfallen. Auch, oer zweite Geißler, der Kommis Froger, redete ähnliche Tollheiten. Froger behauptete, daß der Priester de Noyer ein Te u fe lS p r i est cr fei, der ihm die Säfte aus dem Leibe gesogen habe. Es habe nur eine Möglichkeit gegeben, den dämonischen Zauber z» brechen. Der Abbe mußte bis aufs Blut gegeißelt werden, damit der Teufel aus seinem Körper auSfährt. Die Frauen waren etwas weniger wirr, obwchl auch sie fest arr den Dämon glauben, der den« Abbe Noyer im Leibe sitzt. Die Witwe Robert, die eine gute Schulbildung erhalten hat, gab zu, daß es vielleicht besser gewesen iväre, die Geißelung zu unterlassen, es sei aber die Pflicht frommer Seelen, für dir Madonna und Marie MeSmin zu leiden. Tragikomisch wurde die Vernehmung, alS die heikle Frage verhandelt wurde, ob der Abbe bei der Geißelung Unterhosen getragen habe. „Es komntt alles vom Teufel", riefen die frommen Geißlerinnen. Ter Abbe behauptet, die.Weiber hätten ihm die Ohren abschneiden und ihn töten wollen. Diese Absicht wird von den Flagellanten bestritten. Sie wollten nicht töten, sie wollten nur „reinigen". Der Untersuchungsrichter Milon behandelte die armen Leute mit Milde, konnte aber doch zuweilen das Lachen nicht unterdrücket!. Als der Schwärmer Lourdin gefragt wurde: „Woher wissen Sie, daß der Teufel aus dem Lerb des Abbe de Noyer ausfuhr?" antwortete Lourdin mit Inbrunst: „Ich habe ihn gerochen!^ Diese Erwioeruug störte den Ernst her Verhandlung echSW. _ .PolMche" 9la*torteit Blutige Schlägereien politischer Gegner Aus Berlin wird gemeldet: Im Laufe der gestrigen Nach: kam es an zwei Stellen Berlins zu Schlägereien zwischen Mitglieder» verschiedener politischer Parteien. An den Schlägereien :m Westen tvaren etwa fünfzehn Angehörige der nationalsozialistischen P a r 1 e i und eine Anzahl Mitglieder gegnerischer Parteien beteiligt. Sechs Personen wurden v e rhaftet. Im Nordosten Berlins wurden zwei von einer Reichsgründungsfeier der deutschnationalen Volkspartei heimkchrende Teilnehmer von mehreren Kommunisten überfalle n und durch Stockhiebe und einen Messerstich verletzt. Sine Person wurde verhaftet. Stresk«imn ist auch ei« Fnd'. Aus München wird uns geschahen: Während der St re se mann -Rede bei der Dlünchenor ReichsgrünbungS-- feier der deutschen BolkSpartei gab es einen Zwischenfall. AlS d.r Minister davon sprach, wenn ein Hausbesitzer Schulden hat. nimmt er eben eine Hypothek auf sein Haus» um sie langsam wied-r cbzuzahlen, und das ist dann noch lange keine Versklavung, erfolgte der Zwischenruf: „Halt's Maul, du Iud!" Der Zwilchen» rufer, der festg uommen und nach ein paar Stunden von der Po» lizek wieder entlassen wurde, ist ein gewisser Ott« May, der , jMere Propaga»d»zhes Hitlers. saht l i ch. Offenbar war das Feuer von dem großen, gemmmten Ofen ausgegangen. Ter Ofen, der ältester Konstruktion ist, w« jahrelang nicht geheizt worden. Im Saaie war die Täfelung bereit» in schr großem Maße verbrannt, di« Glasplatte» der Mriuo» waren gesprungen, die SKlett« der unschätzbaren Sammlung zum großen Teile in dieser Ableitung vernichtet. Ter Saal har, was sich auch als schr hndorlich für die Löjchaktion erwieS, überhaupt keine Beleuchtung, so daß die Feuerwehr beim Lichte von Petroleumgassackeln arbeiten mußte. Gegen halb 2 Uhr früh war der .Brand voll komme" gelöscht. Total vernichtet wurden durch das Feuer die Kästen oberhalb und in unmittelbarer Nahe des Ofens. Sie enchiclten Skelette von Schlangen, Eidechsen und ankeren Reptilien sowie Bären und verwandter Tiergattungen. Die Zahl der ver n.chteten Skelette wird ans zirka 150 geschätzt. Der Schaden ist sehr bedeutend, zumal es sich um historische Stücke handelt. Es wird große Geldmittel erfordern, um die Sammlung wieder vervollständigen zu können. Die Flagellanten van Borden«. Ein Salansprozeß in Frankreich. BOHEME-BAR Treffpunkt der Fremdenwelt Berlin» 5-Uhr-Te« Soap r pri* fix * exquisit? Kädic Kapelle i Sc*l**fo»j|.Band, Milnno, ferner dei Wiener Humorist Cbarlte Woebei 1117 Katholische llonriken boykottieren Wische Führer. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Jerusalem, 28. Jänner. Seit einiger Zeit fällt es imurer mehr auf, daß k ar h o l i s ch e T o u r i st e n g e s e l l s ch a s t e n, die nach Erez Israel kommen, die jüdischen Fremdenführer ostentativ boykottieren. In den Fremdenbureaus wird den jüdischen Führern in letzter Zeit ganz offen erklärt, daß sie bei katholischen Fremden keine Aussicht aus Verwendung hätten, da die Katholiken erklären, grundsätzlich die Dienste von Juden abzulehnen. Diese katholischen Reisegesellschaften stehen offenbar unter dem Einfluß einer von den katholischen Politikern in allen Weltteilen gegen daS jüdische Erez Israel betriebenen Propaganda. Leider ist demgegenüber festzustellen, daß nicht alle jüdischen Touristen es als ihre Pflicht anschen, nur jüdische Fremdenführer in Anspruch zu nehmen. Ae Warschauer Streik». Aus Warschau meldet die P. T. A.: Die Streiks dauern an. Die Fernsprechämter und die Straßenb a h n e n sind auch weiterhin nicht i m B e t r i e b. In den Nachmit.agLstunden veranstalteten gegen 1500 Erwerbslose vor dem staatlichen Arbeitsvermittlungsamt eine große Kundgebung. Eine Gruppe von hundert Mann zog vor das Gebäude des Ministerpräsidiums, um auch dort zu demonstrieren. Zu Ruhestörungen ist es n.cht gekommen Proseffor Soldftrin bleibt in Sarmstadt. Darmstadt, 39. Jänner. Im hessischen Landtage wurde endlich der „Fall Goldstein" behandelt und abgeschlossen. Die Regierungsparteien, namentlich das Zentrum, billigten die Maßnahmen.der Regierung, die Professor Goldstein entgegen den Vorschlägen der Hochschule auf den Lehrstuhl für Philosophie in Darmstadl berufen hat. Die Debatte führte zu einer schweren moralischen Nieder läge der Rechtsparteien, die ihren politischen Standpunkt ausgeben mußten und schließlich — trotz der Gutachten von Tröltsch und Gucken — die wissenschaslliche Quattsitaston anzuzweifeln verfncht hatten. Smordvng de» RachlwSchten der Rarseilbahn. In der Nacht zmn Freitag wurde der bei der Raxseilbqhn in H i r s ch w a n g als Nachtwächter ang'stellte chemaligc Gen darin Jakob Ryba von unbekannten Tätern ermordet, die offenbar einen Einbruch verüben wollten. Dü Leiche Rvbas wurde gestern früh mit ei «geschlagenem Schädel auf gesunden. Unter dem Verdacht der Täterschaft wurden zwei Monteure namens Anton Krieg und Josef Oberer verhaftet. die bei der Raxseilbahn beschäftigt waren und gestern morgens ihren Arbeitsplatz in ausfälliger Meise verlaffen hatte«. Ihre Kleider waren mit Blnt bespritzt, sie leugnen jedoch, nrü der Tat in Zusammenhang zu stehen. Ryba hmterläßt fünf unversorgte Kinder. . Srhöhvn, der Reinianngr- und Sverrselvrs. Gestern fand unter dem Vorsitz des Stadtrates Weber im Rathanse eine Jnteressentenversammlung wegen Erhöhung de» Reinigungsgeldes und teä SperrgeldeS statt. Die Vertreter der Hausbesorger forderten eine Alprozentige Gr- Wung ihrer Gebühren, die die Betreter der Mieterschaft auch zugestand. Nur die Vertreter der Hausbesitzer lehnleit die'e Forderungen strikte ab. Tie standen auf dem Stand« punkte, daß die Hausbesorger nur sovkl arbeiten sollten, als % betaütt betonmreu. Der Antraa auf Erböbuua d« Haus« i

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