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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-30 · Heft 2492 (30.1.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2492 (30.1.1926)
Date
1926-01-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Eekk f Men. G>tMa§ iinö Wer; rn a n n) und den Plänen,. )ic dein: Wiederaufbau verwirklicht iverden müssen, wobei er darauf himvies, das; es den eingervanderten Juden bereits gelungen sei. Stein, Zand und Sumpf;u üverwiirderr und der M'nschhei: dienülxr-e zu machen. Er unterließ es nicht, zu betonen, daß Palästina ei» $ 11 ft t g c § 3 c n t r u in der Inden rverden müsse. Schließlich beschäftigte er sich sehr ausführlich mit der Frage der Bc'chassung der materiellen M i t t e l für das Wiederaufbaurverk, wobei er, der Christ, der mit Enthusiasmus au dem Wiederaufbauwerk mitarbeitet, in schwungvollen Wortcrr an die Juden aller Länder appelliert, ihrer h i st ori schon Pflicht eingedenk zu sein und die Mittel bereitznstellen, die für dieses größte Kolonisationswerk aller Zeiten erforderlich feien. Bericht der »ach Rußland entsendeten Seim« de'egation. (Eigcndicnst der „Wiener Morgenzeitung.") Warschau, 29. Jänner. Die polnische S e j mdelegation, die Rußland besuchte, ist bereits zurückgekehrt. In einem Interview erklärte der Führer dieser Delegation. Abgeordneter Brhl, daß das heutige Europa das gegenwärtige Wirtschaftsleben in Rußland gar nicht kenne. Es herrsche jetzt, in. Rußland das Bestreben, die Jndnstric-auszubauen. In Rußland wird jetzt das private Kapital zugelassen, sowie der freie Handel gestattet. Auf die Frage, wie die Lage der jüdischen Bevölkerung sei, erklärte Abgeordneter Bryl, daß wirtschaftlich die Juden sicherlich geschädigt wurden. Als Han-delselement haben sie infolge des Umbmcs der sozialen und wirtschaftlichen Struktur am meisten gelitten. Viele Juden find zurzeit in Fabriken beschäftigt, einige tausend Familien wurden als Landwirte angesiedelt. Sie erhalten Zwar von .der Regierung den Boden, können jedoch mangels an Kapitalien ihre Wirtschaften nicht ausbauen. Die Gerüchte, daß Rußland durch. .Kolonisiernng der Juden auf bestimmten Gebieten die Absicht habe, eine jüdische Republik zu schaffen, sind unrichtig. Kürzung einer jüdischen Bndgetvost in Polen. Warschau, 29. Jänner. Anläßlich der jetzigen Beratungen über das Staatsbudget wurde im Budget des Unterrichtsministeriums folgende cha r a k t e r i st i s che Kürzung vorgenommen: Im Vorjahre hat der Staat für die Zwecke des jüdi'chen Schulwesens 10 0.000 Zloty ausgegeben; aus Ersparungsgründen wurde min diese Subvention um zwei Drittel reduziert. Wiener MornenzeltuNft_ llntersuchnagskommWoven. — y. W i e n. ^.iv. ärmer. Auch Deiitschlarid untersucht. Der Reichstag hat eine Kommission zur Prüfung der Angelegenheit der Fememorde gewählt. Ungarn läßt die Geldfälscbcr-.- affäre untersuchen. Nilgarn ist im Völkerbund mtö will so tun, als sollte die Wahrbeit festgestellt werden. Deutschs«,td soll erst Mitglied des Völkerbundes werden nild die Reichstagsparteien haben das Bestrebeit, eine klare Situation zu schaffen. In zwei Staaten hat also die Volksvertretung zu erkennen gegeben, daß die Politisierung der Rechtsübung und die Verwilderung des öffentlichen Lebens bis zu einem Grade gediehen ist, der die unerwünschte Aufmerksamkeit der Nachbarn erregt. Für Ungarn haben sich bereits sehr schwerwiegende Konsequenzen ergebeil. Der angesehene Londoner „Economist" spricht von der Untergrabung des finanziellen Kredits, die Budapester Untersuchung wird von Pariser Organen kontrolliert und Briand und Chamberlain haben einvernehmlich beschlossen, die Maschinerie des Völkerbundes gegen Geldfälschungen, aftucll gesprochen, also gegen das weiße Ungarn, in Bewegung zu setzen. Das ist bereits ein Urteil über die Regierung der Scharfrichter und Badenieister, deren System nichts ist, als der permanente Pogrom. 1 Sie sind Schüler, allerdings sehr begabte, des von Deutschland aus gelehrten Kurses des großen Mordens. Der Beschluß des deutschen Reichstages führt tief m das unwegsame Gestrüpp der internationalen völkisch-antisemitischen Propaganda, die ihre Giftsant auf der ganzen Welt ausgestreut hat. Schon jetzt treten die Verbindungen der Geldfälscher mit den Hakenkreuzlern deutlich hervor und es wird sehr interessant Iverden, wie die Organisation der Weltvergiftung von zwei Seiten her, von Budapest und von Berlin aus, ausgeschnitten werden wird. Die deutschen Gerichte haben in diesen Fragen ein ganz sonderbares Spiel der Vertuschung und Verschleierung betrieben und eine Milde gezeigt, die sich aus ihrer durchaus reaktionäre»,, judenfresserischen Einstellung erklären läßt. Den Hintergrund dieser Treibereien bildet immer der Pogrom. In Ungarn wurde er offen durchgeführt, in Deutschland ist er das Lebensziel der Geheimverbände, die so geheim sind, daß sie jedes Kind aufzuzählen weiß. Die Tendenz richtet sich in erster Reihe gegen das Judentum, das als ein politisch homogen fühlendes Ganzes betrachtet und als Fremdvolk angesehen wird, Tie 14 Punkte der Sozialdemokraten. Die Antwort des Kanzler». — Kein Fallenlaffe« der Mletennovelle. — Sine neue Losanleihe. — Sas Wiener Freihafrnprolekt. Gestern erschienen beim Bundeskanzler Dr. R a m e f die Abordnung der sozialdemokratischen Spitzenverbände unter Führung des Bürgermeisters S e i tz, um die Antwort auf die dem Bundeskanzler in der Vorwoche vorgelegten 14 Fragen, von deren positiver Beantwortung sich diese Verbände eine Milderung der Wirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit versprechen, entgegenzunehmen. Der Bundeskanzler beantwortete zuerst die Frage bezüglich der Einberufung einer Konferenz die Maßnahmen 3ür . Förderung des österreichischen Exports in die Sowjetunion Vorschlägen soll. In dieser Angelegenheit haben, wie Dr. Ramsk mitteilte, in den letzten Wochen zahlreiche Besprechungen stattgesunden; für die nächsten Tage wird unter Vorsitz des Bundeskanzlers eine Konferenz einberufen,, um zu den verschiedenen, diese Angelegenheit betreffenden Fragen Stellung zu nehmen. Die Regierung werde sich, was die Forderung der Eruiäßigung der Bankenkonditioven tzetrifft, bemühen, im Zusammenhänge mit der Entlastung der Betriebe auf dem Gebiete des Steuerwesens eine Herabsetzung der Konditionen erwirken. Ter Bundeskanzler verwies weiters auf die von der Regierung bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Bekämpfung der Arb eit slos-igk eit. Alle öffentlichen Arbeiten und Lieferungen für den Bund werden schon in der allernächsten Zeit durchgeführt werden. Für die Eisenbahn- Lauten ist ein Teil der Lieferungen in den letzten Wochen vergeben worden. T-ie Vergebung der übrigen Arbeiten werde in Kürze erfolgen. Hinsichtlich der produktiven Verwendung von Arbeitslosen verwies der Kanzler auf die vom Ausschuß für -Handel einberufene branchenweise Enquete, lehnte aber die von den Spitzenorganisationen vergeschlagene Rückkehr zunr früheren System der Beitragsleistung, wonach Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Bund je ein Drittel der Kosten der Arbeitslosenversicherung tragen, als undurchführbar ab. Die Vorschläge zur. Jndustrieförderung werde die Regierung prüfen. Die Konzession zur Errichtung einer Aktiengesellschaft für onrrr Freihafen in Wien sei schon vor längerer Zeit erteilt worden. Cm konkretes Projett liege aber bisher nicht vor. Die Regierung werde die Vorlage eines solchen Projekts nun mit allem Nachdrtlck betreiben. Was die . Förderung der Auswanderung , an langt, fine* mit Frankreich für die nächste Zeit Verhandlungen in Aussicht genommen worden. Die Regierung bemühe sich, von den Vereinigten Staaten zu er-. reichen, daß den in Oesterreich verbliebenen Angehörigen von Personen, die sich bereits in Amerika befinden die Einwanderung außerhalb der Quote gestattet werde. Aus denl Avbeits'losensottds lverden Mittel bereitgesiellt werden, um den Antritt von Arbeitsposten im europäischen Ausland zu ermöglichen. Eine Verlängerung der Schulpflicht bis zum vollendeten 15. Lebensjahre sei auf dern Lande nicht möglich. Daher müsse er auch diese Forderung für die Städte ablehnen, weil man nicht künstlich einen Bildungsunterschürd zwischen zwei Gruppen der Bevölkerung machen könne. Der Kanzler betonte nochmals, daß die Regierung im Interesse unseres Kredits «ub unserer Volkswirtschaft auf der ernsten parlamentarischen Behandlung der Mietennovelle bestehen nlüsse. Bei dieser Gelegenheit werde man auch über die Frage des Wohnungsanforderungsrechtes sprechen können. Zur Stärkung des Wohn- und Siedlungsfonds werde eine neue Losanleihe ausgegeben werden. Die von den Spitzenorganisationen aufgeworfene Kartellfrage ,verde bei den bevorstehenden Besprechungen mit den wirtschaftlichen Korporationen erörtert werden. Schließlich erklärte der Kanzler, daß die Regierung an der Vorlage über die Jnvaliditäts- und Altersversicherung festhalte. Au die Antwort des Kanzlers schloß sich eine längere Debatte. Bürgermeister S e i tz gab die Erklärung ab, daß die Antwort der Negierung beu Spitzenorganisationen zur Stellungnahme vorgelegt und daß die Bundesregierung hievon verständigt Werder, wird. _ _Ar. -498 j dem die staatsbürgerliche (Gleichberechtigung entzöge» tverden muß. Eines der.wichtigsten Ziele der völkischer P'üitit ist es deshalb, eine antisemitische Jnternatio miie mit einem uniformen Regulativ zu schaffen, dn es aniirciu, das Judentum iit allen Ländern durch Anwendung von Gewalt und durch Reform der ein fchlcigigen gesetzlichen Bestimmungen von der -bestehenden Rechtsbasis zu verdränget, und auf die Position des mittelalterlichen Ghettos zurückzuwerfen. Der Begriff, des Judentums ist aber in den Reihen dicserPqr teien erweitert worden. Er umfaßt nicht bloß das In dentmn als eine konfeffiol,ette oder ethnische Einheit, sondern zu politischen Zwecken wurde ein ganz besonderer jüdischer Geist entdeckt, der das politische und geistige Leben der großen Nationen angeblich beherrscht. Er wird gleichgesetzl mit der bürgerlichen und auch proletarischen Demokratie, mit dem Wirtschaftsliberalis mus, mit dem Streben l,ach dem Weltfrieden und dem Ausbau des Völkerbundes. Jüdisch ist alles, was dem Nationalisten als nicht nationalistisch erscheint/ Demgemäß wird ein außerordentlich intensiver Kampf gegen all dies geführt, ein Kampf, der ganz ungeheuerliche Mittel an Geld erfordert und in den alle eil,bezogen werden, die mit der Entwicklung nach dem Kriege, unzufrieden sind. Die völkische Propaganda tritt, um in allen Schichten fischen zu können, bald mit nationalen, bald mit sozialen Ködern auf. Immer predigt sie den Haß und den Krieg. Diese Wege des schrankenlosen Nihilismus.mußte« zur Verwilderung und zur Korruption führen. Die Elemente, die in den aktiven Dienst dieses Verschwörertums traten, fanden bald, daß die Heimlichkeit Gelegenheit zu gutem Verdienst, zu Erpressungen und Schiebungen brachte. Sie erkannten auch die gute Aussicht, vom cmswärtigen Feind sich bezahlen zu. lassen. Spitzel und Spione trieben sich umher und fanden nicht das geringste Bedenken, mit dem RuhrpalriotiSmus und den Putschgeheimnissen die französischen Brieftaschen zu öffnen. Gelichter übelster Sorte, der Bodensatz der politischen Demagogie trug die Lehre von .der arischen Ueberwertigkeit und der semitischen Gefahr in alle Welt, fand Subvention und Unterschlupf. Die Putschisten aller Länder vereinigten sich, Reisläufer und Landsknechte begannen die Politik zu. leiten, schwätzten auf allen Märkten, zeigten mib nahmen Geld und schacherten mit ihren Wehrhaftigkeitsplänen von Berlin bis Bagdad. Der Gedanke der Fälscherkontermitte gegen Frankreich tvar, wie man erfährt, schon im Kriege von dem großen Ludendorff erwogen worden und nur an der Anständigkeit Hindenburgs gescheitert. Jetzt tauchte die schone Idee in Budapest auf: Hier wurde sie landesüblich umgeformt: patriotische Motive mit 40 Prozent^ Provision für die Agenten. Es ist der gleiche Sumpfboden, aus dern diese Blüten kamen, die: Fälscher in Ungarn und die deutschen Mörder,, die vor einander zittern und einander den Dolchstoß geben. Der Ursprung war der Krieg, an dessen Entstehung. Berlin und Budapest so lebhaften Anteil genommen .hatten . Ser Frontwechsel Sir Alfred Monds. (Bon unserem A. T.-Korrespondenten.) London, 26. Jänner. Das Tagesgespräch in den hiesigen politischen, uno uaturgenräß auch zionistischen Kreisen bildet der Austritt Sir Alfred Monds, des oftmaligen Ministers und hervorragenden Führers der Liberalen, aus dieser Partei. Sir Alfred ist znxve den Konservativen offiziell noch nicht nahegetreten, doch kündigt er in seinem Austrittsschreiben an Asquith seine Absicht an, „wenn ich dem Lande noch irgendwelche politische Dienste sollte leisten können, jener Parte: beizutreten, mit der ich, wie sch fühle, am ztveckdienlichsten zusammenarbeiten könnte, den Konservativen". Obwohl die Differenzen, die sich bereits am Beginn dieses Monats zwischen Lloyd George und Sir Alfred Mond schärfstens entwickelt haben,, durch die letzten, großen Programmreden Lloyd Georges und des Earls of Asquith and Oxford eine wesentliche Zuspitzung erfuhren, kam doch der Schritt Sir Alfreds absolut unerwartet. Die Begründung für seine überraschende Handlungsweise gibt er selbst in seinem Schreiben, das er bemerkenswerterweise nicht an den derzeitigen offiziellen Führer der Partei, Lloyd George, sondern an Asquith, seinen früheren oftmaligen Kahinettsckef und' Mitarbeiter, richtete. Der Brief lalltet; ~ 9' Mein lieber Lord Oxford and Asquith! Die Lage der liberalen Partei wird stets schlechter, die Einigkeit, für die wir strebten und für die ich mit meinen besten Kräften gearbeitet habe, wurde, tatsächlich niemals erreicht, und alle Anstrengungen, die liberalen Reihen zu stärken lind zu reorganisieren, wurden durch die Einführung der Agrarpolitikpläne Mr. Lloyd Georges, die eine neue unüberbrückbare Spaltung in der Partei hervorriefen, zunichte gemacht. — Ich hatte gehofft, daß das kürzlich getroffene Kompromiß betreffs der Erhebung der Lloyd Zionistische Organisation Sektion XX Dienstag (Feiertag) den 2, Februar 1926 UM halb 8 Uhr abends im HOTEL CONTINENTAL II., Taborstrasse Nr. 8 KONZERT des Oberkantors Israel Alter Hannover (früher Wien XX.) m Mitwirken wird der verstärkte Chor Oes Tempelverelnes XX unter Leitung des Chordirigenten Herrn David Reisenmann Karten sind au haben: Cafd Neptun, XX , Oaussplata 7, bei Herrn Lobei, U Herminengasse 12/IQ und in der „Kulturgruppe“, * XX., Karl-Meisal'Stresse 5 --'Minr .. —a1<| un ifTnnrri imir i r i i i - r n i - - -

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