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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-30 · Heft 2492 (30.1.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2492 (30.1.1926)
Date
1926-01-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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1 Föten: aS tiioszyl W» en. &um Abhoien in der Expedition, ll„ labotstr. 1*3, ode» ln einet Vmaclileisstelle 'Trallki monatl. s Schilling Strassenverkau» in Wien durch die Kolporteure de» Firma Goldschmied i„ Wollzeite 11 Mit Postveraand ffit Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling f schecho-Slowakei Mon. K22. Jugoslawien Mon. Din.60. Polen:Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Wiener IJTlffiri Engiand Mon. tSchilling. Italien: Monat! 18 Lire Ru nänien Mon. 170 Lei. Bulgarien Mon.IOOLewe. Schweiz und das übrige Ausland monatlicn Frcs. b Redaktion. Administration; Wien, II. Taborstr. 1 Telephone 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uh» 21-102, 25-2-82 IX. . Universftätsstrasse 6-8 (D uckerei ig.; Steinmann) Oesterteichlsches Postsparkassen-Konto Nr 150.698 Rr. 2492_Wim. Samstag, ao. gSanrr 1828 8. Siabraonn Mandat und Nationalhelm. Sine Rede Windham Heede» in Salto. Briand und khamberlain. DaS offizielle Communique. — Die ungarische Affäre. Paris, 29. Jänner. Wie die Agenee Havas erfährt, haben sich der französische Ministerpräsident Briand und der ori.ische Außenminister Chamberlain instesondere über die Frage der Entwaffnung Deutschlands unterhalten. Beide Minister seien der Ansicht, daß die deutsche Regierung voll und ganz sämtliche Verpflichtungen betreffend die Abrüstung durchführen müsse. Die Alliierten würden sodann den guten Willen Deutschlands anerkennen und f r e iwillig die Bestände der Rheinlandbesatzung herabsetzen, bie gegenwärtig 75.000 Mann betragen und auf 60.000 Mann verminder: werden könnten, ohne die Sicherheit der Truppen zu gefährden. Beide Minister seren der Meinung, daß der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und seine Vertretung im Völkerbundrate Polen ganz gewiß veranlassen würden, einen dauernden Sitz im Völkerbuickrate zu beanspruchen. F r a n k r e: ch unterstütze h i e b e i P o l en wegen seiner geographischen Lage im Osten Europas und seiner Mitarbeit bei den Verträgen von Locarno. Es scheine nicht, daß Großbri: annien e:ne unnachgiebige Opposition machen werde. Die beide» Minister kamen auch auf die Fälschung der Note» der Bank von Frankreich in Ungarn zu sprechen und waren einmütig der Anficht, daß es zwcckmatz'g sei, dem Völkerbund die Schaffung internationaler Abkommen vorzuschlagen, durch die mtt stttnxsten Bestimmung die Ausgabe falschen Geldes bekämpft werden soll. London, 29. Jänner. (Reuter.) Chamherlain ist aus^ Paris hier e i n g e t> i o \ f c rt Amerika» Trltoahme an der 9tafffto»gs» toalereaz. Washington, 29. Jänner. (Reuter.) Die Teilnahme Amerikas an der vorbereitenden Abrüstungskonferenz ist heute bestätig: worden, da der Senat die vom Repräsentantenhaus angenommene Resolution, durch die zur Bestreitung der Auslagen der Delegierten ein Kredit von 60.000 Dollar eingeräumt wird, genehmigt hat. tSooIftge 18t da» Saoleagrsrtz. Washington, 29. Jänner. (I. T. A.) In poetischen Kreisen wird vermerkt, daß sich Präsident Coolidge in der letzten Zeit viel für die Einwanderungsge'etzgsbung interessiert. Er begünstigt eine Milderung -er Jmmigrationsbill in dem Sinne, daß die grausamen Härten, die zur Trennung von Familienmitgliiedrrn führen, durch eine mildere Fassung aus der Welt geschasst werden. Im übrigen wünscht er. daß das gegenwärtig geltende Quotengesetz nicht abgeschwächt werde. WaMe' diyko't in Ar-atoea. Eine Protestaktion Zaghluls. Kairo, 29. Jänner. (R.uter.) Die Anhänger Zaghluls. die Liberalen und die Watanisten veröffentlichen einen gemeinsamen P r o t e st, worin sie erklären, daß sie angesichts der Hartnäckigkeit der Regierung, öen Willen der Nation zu ignorieren und die Verfassung zu verletzet!, die Wahlen boykottieren werden und eine Ko n fAz ti3 der Senatoren, der Deputierten und anderer.Persönlichkeiten einberusen werden, die die Lage prüfen und die Mittel zur Abhilfe beraten sollen. Ter Protest ist von 63 Personen unterzeichnet, darunter Zaghlul Pascha selbst. Unterbrechung der Hodscha Sbahn. Kairo, 29. Jänner. (Reuter.) Ein Telegramm aus Damaskus vom 27. d. meldct, d..ß die H e d s cha s - E i s e n- 'ba h u in der Nacht vom 26. auf den 27. d. bei Kilometer 11 unterbrochen worden sei. Die französischen Truppen haben einen scharfen Angriff von R ä n b e r b a n d e n auf den Posten Baöel- Messala im Zentum von Midan a b g e w.i e s e n. Im Verlause eines Znsamlnenstcßes zwischen einer auf Kunettra ziehenden französischen Kolonne und den Aufständischen hatten letztere 75 T ote. Berlin, 28. Jänner. (I. T. A.) Am Mittwoch den 27. Jänner, abends, fand km Hotel Esplanade der Empfang für Sir Wyndham Deedes, den ersten Staatssekretär der palästinensischen Regierung unter Sir Herbert S a m u e l, statt, zu dem der Vorsitzende der Zionistischen Bereinigung für Deurschic..ld, Herr Kurt Blumenseld, eingeladen hatte. Unter den Anwesenden bemerkte man Prof. Albert Einstein sowie zahlreiche Vertreter der höchsten Reichsämter, vor allem des Auswärtigen Amtes und der preußischen Ministerien, ebenso namhafte^Vertreter von Wissenschaft, Lireratur und Presse. Nach einigen Begrüßungsworten des Vorsitzenden, Herrn Kurt Blumenfeld, und einer kurzen Rede des Vertreters der Zionistischen Exekutive, Herrn Leo Hermann, schilderte Sir Wyndham Deedes in einer ausführlichen Darlegung die überaus günstige Entwick ung Palästinas seit Beginn der Mandatshcrrschaft und den großen Anteil, den die Juden an dieser Entwicklung haben. Er bcwme zunächst, daß er nicht etwa in offizieller Eigenschaft hier spreche, er wolle sich deshalb auch keine Schranken auferleaen. Cr schilderte dann die Entwicklung der Idee des jüdischen Nationalbeimes in Pa'äst'na und des jüdischen Aufbaues in diesem Lande, den er drei Jahre lang als Chef der Zivilverwaltung miterlebt hat. Als der britische Bevollmächtige den Arabern im Kriege das Versprechen gab. daß Großbr'tann.en die Schaffung e^nes selbständigen arabischen Reiches unterstützen würde, hat er < , / ^PALsKta Md TMWMien ausdrücklich davon ausgenommen. Großbritannien hat also durch die B a l f o u r - D e k l a r a t i o n. die ein jüdisches Nationälheim nt Palästina vorsieht, sein Versprechen an die Araber keineswegs verletzt. Es leben jetzt in Palästina 650.000 Mohammedaner, 80.000 Christen und 136.000 Juden. Die mohammedanisch-christliche Allianz gegen die Ba.sour- Deklaration st schwach, weil sie. nur negativ eingestellt ist. Die große Majorität der Araber lebt noch heute auf Pachtboden, dessen Besitzer die reichen Grund Herren sind. So ist es leicht, den Fellachen einzureden, daß die Juden den Boden wegnehwen wollen. W rd dem arabischen Bauern diese Furcht genommen, so wird auch seine Einstellung zu dem jüdischen Aufbauwerk eine ganz andere sein. Palästina ist jetzt ein vollkommen sicheres Land. Dies ist ein Erfolg guter Politik. Die Kriegsmacht kennte in der Meise reduziert werden, daß sich die Kosten von 3P50.000 Pfund im ersten Friedensjahre auf 640.000 Pfund im letzten Jahre verringert haben. Das Polizei- und Gendarmeriekorps setzt sich aus L a n d e s k i nde rn (Juden, Arabern, Cliristen, Drusen) unter Führung von britischen Offizieren zusammen. Das Land trägt die gesamten Sicherheitskosten mit Ausnahme des Unterhaltes der Militärbesatzung, der von England getragen wird. Einen großen Erfolg für die Verwaltung bedeutet es, daß das letzte Jahr einen Ueberschuß von 1,260.000 Pfund erbracht hat. Die Einnahmen betrugen 8.900.000 Pfund, die Ausgaben rtur 7,640.000 Pfund. Die V e r k e h r s w e g e wurden ungeheuer vermehrt und verbessert. 1914 zum Beispiel war in Palästina ein Automobil, heute gibt es weit mehr a's tausend Automobile. Die M a l a r i a wurde erfolgreich bekämpft. Der Lebensstandard der Araber ist erhöht. Wenn die Zionisten bemängeln, daß die Regierung für die Knliurbedürsnisse der Araber unverhältnismäßig mehr ausgibt als für die der Juden, so ist dem entgegenzuhalten, daß eine Hebung des Standards der Araber und ihre Zivilisterung ganz und gar im Interesse der Juden liegt. Der Redner gab dann ein Blld> des toir tschaftliche n und i n d u st r i e l l e n A u f s chw u n g e s Palästinas und erinnerte an den Ausspruch S'.r Herbert Samuels, daß die Hafenstädte Hais«'und Jaffa dereinst die wichtigsten Handelszentren des gesamten mittleren Ostens sein werden. % betonte. daß die Grund'age der britischen Politik in Palästina nach wie vor' die Vals o u r -- T e kl a r a t i o n bilden wird,, bic von allen Mächten und. von dem Völkerbund anerkannt.ist. Man behauptet, England hätte die jüdischen Bestrebungen unterstützt, um . sich die Symparhie der Juden zu. sichern. . Das stimmt nicht. England, welches die kleinen Nationen unterstützt, konnte das jüdische Volk nicht vergessen. Schon einmal hat England zu Gunsten der Zionisten beim Sultan vermittelt und zu anderer Zeit den Zionisten Uganda anaeboten. Die Ba.'four-Tekiaration tang'ert in keiner Weise die nationale und bürgerliche Stellung der Juden in den anderen Ländern. In diesem Sinne ist die Definition der palästinensischen Nationalität, die in dem White Paper gegeben ist,' zu verstehen. Die Juden , in allen Ländern brauchen keineswegs zu fürchten, daß man sie im Hinblick auf das jüdische Nationalheim . nicht als vollwertige Bürger ihres Heimatlandes ansehen werde. Im Gegenteil: Merscken, die ihren Zielen leben, sind-die besten und loyalsten Bürger. Ich habe mit Freude beobachtet, daß Präsident Masaryk und Minister Benesch, mit denen ich eben zusammengekommen bin, diesen Standpunk: teilen. Nicht ein Nachtasyl für verfolgte Juden soll Palästina 'ein, sondern ein Nationalheim, ein geistiges Zentrum. Ein solches Zentrum kann aber nicht ohne eine materielle Basis sein. Es bedarf v ' des jüdischen Kapitals, um dieses Zentrum auszubauen, das große Möglichkeiten hat. Tatsache ist, daß in Palästina heute nur ein Dritte.! >es Gesamt bo de ns bearbeitet ist. Durch Urbarmachung kann noch sehr viel Boden gewonnen werden. Sir Wyndham Deedes ist überzeugt, daß die Juden durchaus' imstande sind, das Werk zu fördern und so auch ein Menschheitsziel erreichen zu Helsen. England ist gleichermaßen bemüht, auch die Punkte der Balseur-Deklaration, die sich auf die Interessen der Araber beziehen, zu erfüllen. Zweimal hat England dem Lande eine gesetzgebende Körperschaft angeboten. beide Male wurde dies abgelehnt, weil darin eine Anerkennung der Balfour-Dekla.- ration gesehen wurde. Aber England sorgt weiter dafür, Juden und Araber in ein gutes BerMnis zueinander zu bringen. Sir Wyndham Deedes schloß mit einem Appell an alle Juden der Welt, dem jüdischen Werk in Palästina die materielle Grundlage zu geben; England kann die Sache nur fördern, die Verwirklichung liegt in den Händen des jüdischen Bottes. Palästina ist das Zentrum von d r e i W e l t r e l i g i o n e n, die dort miteinander rivalr'icren. Die Juden stnd dazu berufen. in die'em Belange die Harmonie herzustellen. Nach Schluß des Bortrages stellten mehrere Anweseitde Fragen an den Gast. Prof. Einstein fragte, ob Sir Wyndham Deedes glaube, daß das Aufbauwerk auch nach demAufhoren einer Altment i e r u n g von außen von selbst bestehen könne. Sir Wyndham Deedes antwortete, wenn Palästina ausgebaut ist, so,sei durchaus sicher, daß das Land aussichheraus sein« Entwicklung nehmen wird. Das jüdische Recht auf Palästina. Prag, 29. Jänner. Bor 'seiner Abreise nach Berlin sprach hier am 26. Jänner Sir Deedes auf einem ihm zu Ehren veranstalteten Bankett der zionistischen Organisationen. Der Redner erklärte unter stürmischem Beifall, daß die jüdische Einwanderung nach Palästina nun e i n R e ch t u n d feine Gnade mehr sei, und charakterisierte die Aufgaben der englischen Verwaltung, insbe'ondere auch den Arabern gegenüber, die den neuen Verhältnissen mit Mißtrauen gegenüberstehßn und von Agitatoren in eine übertriebene Furcht hineingehetzt worden seien. Im weiteren Verlauf bezeichnete er die Balsour-Deklaration als das Ger ü st für den Wiederaufbau Palästinas, und indem er bei dem Bild vom Bau blieb, sprach er dann von Architekten (Theodor Herzl «W«W» Glänzende Einlcaufsmödl chkelt tftr Private, Hotel», Gastwirte usw. im Warenhaus Brüder Schiffmann II.. Taborstrasse 48 Telephon 47-1-71 Ed grot En detail 9999999999999999999999244

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