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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-29 · Heft 2491 (29.1.1926) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2491 (29.1.1926)
Date
1926-01-29
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2401 Wien, Freitag I f,.r..r~ -.—-.. ■ - * - -- Aus de« Theater». Vnrqtheater. Morgen, V-8 Uhr abend-, „Lady Linder mere» Fächer". Atabem'etveaier Heute 3 Uhr abends letzte Wirterbolu g non „Indigo' von Johann Strauß. Morgen, '/,8 uhr abends, ,A l t w e i b e r i o m m e t". Operntheater. Morgen, 7 Uyr abend-, „Andre Che nt er'. Deutsche - V o l l 4 t b e a t e r In Abänderung de- Sv'elplaneS mora-n, '/,8 Ui r abend-, „Reiner L t ch" Alde,r Ba'iermann verabschtecei sich Sonntag nachmittagin deniseiben Stück. L u st» v « e l t h e a t e r. Heute, V»8 Uhr, Premiere der Schwanlnvbi ät „A s ch e r m i t t w o ch' von Hans Fischer. Moderne - Tdeater. Sascha L e o n t i e w, der am Sonntag. 18 Uir mt lag-, im Moderncn Thea er in einer Tanjimai'nee wieder in Wien auftritt, bringt in Rahmen dieser Mainee außer einen alten, erfolgreichen Tän-en einige neue, Tanze, darunter „Tie Beichte'. „Ter.Tatarendet'in' .und „Seine Erinnerungen an Wien' awr Borsührung. «. Tbea v. U y j und Ernst Walt wurden bon der Tirek.'vn zu euer Tanzveranstallang vervflicht.t, die Sor.niag den 7. Februar sia 1 findet Avollotheater. Heute 50. Aufführung der Revue „Apollo? Nur Apollo!' In dieser Vorstellung irttt Herr Jo es König sein Enga emrnt an. „Das Rheingvld" in der Urania. In Verbindung mit den: Neuen Wiener Konservaurium vercnsialtet die Urania heute in ihrem gioßen Taa! eine vollständige kon^ertmäßige Aufführung der Oper „Tas Rhetngold" von Richard Wagner mit Tr. Josef Rittermann als Wo:an. Tie musikalische Einstud'.crung und Leitung der Aufführung hat Kapellmeister Fritz Bland überrwmmen-, einleitend: Worte: Dr. Heinrich Kralik. Beginn halb 8 1 hr abends. Ein neucr Restrvh bei Reinhardt. Im Theater in der Jvstfstadt beginnen unmittelbar nach der heutigen Erstausführung von Jean Turgenjews Schauspiel „Natalie" die Preten für d:e im Februar zur Uraufführung gelangendr Zauberposse mit Grsang „Alles und nichts" oder „Ter Traum von Schale und Kern", die nach Nestwyschen Motiven von Egon Friedell und HanS Saßmann lear.euet wurde. Die Regie führt Paul Kaibeck. In diesem Stück wirk! dis gesamte Ensemble d-s Theaters in der Josefstavt m't. Tic Musi! zu d'e'em Wer! hat Karl Hieß aus den Originalpartiiuren von Müller znsammengcstellt. Eine jüdische historische Gesellschaft in Aegypten. Auf Initiative des Oberrabibners von Aegypten, Nahum Essend i, des früheren FinanMinisters und jetzigen Präsidenten der jüdischen Gemeinde Aoussef Cartau: Pascha, der Herren Georges C a t t a u i, K a h a n o f f und Frau Höfler, wurde in Kairo eine Gesellschaft für jüdijche Geschichte begründet. Radkoproaramin. Heute Freitag den 29. JLnnrr. 16 Uhr 15 Min.: Nachmittag«- tanzen. — :rt Uhr 1u u>un. Wockenvettckt für «po t und Fremdenverkehr. — 18 Udr 25 Min.: Die Galerie de8 XIX. Iah: Kundert S. — :9 Uhr 10 M n.: Frau öfilcher Spiachku:8. - 19 Ukr 40 Min.: Enütscher Sprachkurs. V. — 20 Uhr 1b Min-: „Aida' von G. Verdi. Berelne. VortkSge und Bersammlunsen. Zionistische Sektion Prater. Heute, halb 8 Uhr abends, im Leim, Jungstraße 8, Borttag Dr. N. Goldftein über Midrasch. — Vereinigung zioirrst i s ch c r Studenten Hechawer. Heute, 8 Uhr abends, rm Lokale Wien, 9. Bez , Türkeustroße 9, Vortrag des Herrn S. Örechow über Der Vorochoto, den Begründer der pvalezionistischen Bewegung. — Vienna Adult School, I. Bez., Singerstraße 16, 2. Stock. Ab 6 Uhr frei zugänglicher englischer Vortrag, Diskussion. — Z i o n i st i s ch e B e z r r k sfcktion Leopoldstaot. Heute, halb 8 uyr abends, im Seltionsheim, Zirkusgasse 33, Vortrag des Rabbiner Doktor Wundermann über „More nebuch:m." Am Concordia-Ball sah man unter anderem: Frau Franzi Frischmann in einer orange Perltoilettc, Frau Doktor Nosenfeld blaues Pailettekleid, Frau Großindustrielle Prym in einer entzückenden lila Lameetoilette mrt Goldspitze, Frau Dr. Lorbeer in einem roten Toilettekleid mit Stratzverarbeitnng, Frau Sagner in einer herrlichen fraisefarbigen Perltoilette. Frau Generaldirektor F. in einem herrlichem roten Georgcttetoilettenkkeid, Frau Rakoczt in einen: entzückenden lilafarbigen Trepe-Georgettekleid mit reicher Tüll- und Ap« plitatkonsverarbettnng. Sämtliche lLolletten slaiurnen aut! den: ModePalM tt v u P n i!, 7. Bez., Kaiserstrahe i15. Predigt. Im Pazmanitentempel hält Herr Rabbiner Dr. S. Funk h^rte während des Abendgottesdienstes eine Predigt. Ab morgen..finden die Talmuddorträge um i Uhr Aachj» it 1 ags nach dem Minchagebet statt. Zionistische BezirkSsektion 1. Morgen, 8 Uhr abends, im Klubheim des Houng Icwish Spotting Club (Hotel Müller, 1. Bez, Graben 19) wichtige Borsta ndss: tznng. Di« Presse in Geschichte und Gegenwart. Trotz der Selbst-- Verständlichkeit und Unentbehrlichkeit täglicher Zeitungslektüre hat rin Großteil des Publikums keine klav' Vorstellung davon, wie. eine Zeitung gemacht wird. Um hier äusklärend uird belehrend zu wirken, veranstaltet sie Urania eine am Freitag den 29. d., halb 8 Uhr abends, beginnende Vortragsreihe »Di e P r e s s e i n G eschichte und G c g « n w a r V mit Lichtbildern unb einer Führung. Die Reihe eröfsnek Univeriilätsprsfessor Dr. Wilhelm Bane r, der über den geschichtlichen Werdegang der Presse sprechen rviro. Es folgen dann am S., 12. uns 19. Februar Vorträge des Präsidenten des Journalisten- und Schristftellervereins Coneordia, Dr. Edmuno W e n g r a f, über den Nachrichtendienst, Sen inneren Redaktionsbetriab, di-e technische Herstellung und den Derrriob der Zeitung. Am 26. Februar wird -der Präsident der Deutschösterreichischen Lchriststellergcnosscnschaft, Dr. Karl.Hans Strobl, über die Zusammenhänge^ -vischen Presse^ und Literatur .sprecht». AbaeMossen wird die Reihe durch einen Vortrag „Ans der Wcrh'tätte der Zeitung", den der Redakteur des „Neuen Wiener Tagblattes", Dr. E. M. Krön selb, halten wird, worauf eine Führung durch den technischen Betrieb einer Tageszeitung stattsinden wird. Gerichtssaal. Mer Aussaug eines Prozesses für Den Mger. Einen unangenehmen Ausgang für den Privatkläger.nahm gestern beim Strnfbezirksgericht 1 eine Ehrende!eidigungsklage, die der Verwaliungsrar und Direktor der „F e w a g" (Feldbahnen- und Eiscmverke-A.-G) Otto Mayr gegen den Prokuristen Rudolf Beer erhoben hatte. Ter Angeklagte ist Prokurist der Werksge- Meinschaft Kvrnuburg, einer Genossenschaft, deren Mitglieder seinerzeit Eigentümer der Fewag waren. In der Inflationszeit wurde dieses Untern hmen von der Zentralbodenkreditbank erworben un-d in eine Aktiergefellschaft umgrwandelt Die Arbeiter und Beanltcn der genairnten Werksgemeinschast bli.ben an der Fewag auch nach , der Ueberna-hm-e durch die Bank insoserne beteiligt, als sic Aktien dies s Unternehmens im Betrage von 200 Millionen Kronen Nominale erworben hatren. Als im Borjcchre die Fewag in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, suchte die Werksgemeinschafr ihr Aktienpaket ab.ustoßen. Es fanden B.chandlungen zivischen den: Prokuristen Beer und dem Direktor Mahr statt, welch letzterer schließlich das Aktienpaket für die Zentralbodenkreditbank gegen einen fyxen.Betrag erworben hatte. Nach der Behauptung des Direktors Mayr t>altc er dem Prokuristen Beer für das' Aktie: Paket einen Barhet.'ag von 5000 Schilling übergeben, während Becr bloß einen Betrag von 3500-Schilling von Direktor Mayr für Aktien kiekvmWÄ"WEü"wiÜ. Als Direktor Mayr-, der dabei blieb, 6000 Schilling den: Beer übergeben zu haben, von einer weiteren Zahlung nichts, wissen wollte, "icheie Beer an: 27. Oktober an den Präsidenten der Fewag einen Brie:', in welchem er erklärte, daß Verwaltnnasrat Mayr ein ga-n; gemeiner Lügner und B -e t r u g e r sei, wenn er behauptet, daß er ihm, Beer, für dos Aktienpaket E00Q Schilling übergeben habe. Direktor Mayr erhob wegen dieser Beschimpfungen die Ehro:'.!belei.digungsklagc gcgen Beer. In der ersten Verhandlung vor den: Landesgerichtsrar Doktor Arie hatte Veer, verteidigt von Dr. Grauer, ohneweiler.s zugegeben, den inkrirnin-ierten Brief an den Präsidenten der Fewag gerichtet zu haben, in der b stimn'ten Absicht, daß Direktor Mayr ihn bei Gericht belangen solle. B.'er hatte sich zur Führung des Wahrheitsbeweises in der Richtung, angeboten, daß der R. Zäntt-.'r 1M> Seite 7 Kläger tat,',schlich itr.i.t vier Augen;’i“ Uß genannte Aktienpaket 'nur H'O'i Schilling und nicht 5900 Schilling in einen: Kaffeehaus«! jibt'rgeben!wi)c und oaft er den RefU'oirag des vereinbarten Kans^ Preises in Form einer Provision bis he'tte nicht gezahlt habe. Unter anderem l^ite Beer unter Beweis gestellt, daß er dem Direktor Mayr ursprünglich ein.- Quittung ans 3500 Sch'lling ausgestellt, -dann über Verlangen des Direktors M>:r eine neue Quittung .unter Weglassung ocs Betrages ausgestellt und schließlich über ausdrücklichen Wunsch des Direktors Mayr den P.irag von 5600 Schilling in Die Quittung eingesetzt habe. In der gestern fortgesetzten Verhandluna wurde unter an- - deren Herr Engen Schmalz, der eine leitende Stellung bei der Fewag inne hatte, als Zeuge vernommen. Er gab an. daß Direktor Mayr für das genannte Aktie: palet der Fewag 50 Millionen Kronen verrechnet und auch, von der Zentralbodenkreditbank diesen Betrag zur B Zahlung des Aktie: Pakets bekommen habe. Nach der Aussage des Zeugen Schmalz hielt der Richter dem Kläger vor, sb er nach den bisherigen Ergebnissen des Bcwcisverfahrens noch erwarten könne, daß der Angklagte verurteilt werde. „Uederlei e n Sie es sich gut, wie weit Sie diesen. Prozeß führen wollen." — Kläger: is zum Urteil, Herr Richter." Nachd m noch weitere Ze-ngen die Darstellung des Angeklagten vollinhaltlich bestätigt hatten, beschloß der. Richter, die Verhandlung abzubrechen und den Akt der Staatsanwaltschaft des Landcsgerichlcs abzutreten, da der D rdacht vorliege, daß Direktor Mahr sich gegenüber der Fewag des Verbrechens des Betruges mit einer Schadenfumnre von mehr als 1,25 Millionen Kronen schuldig gemacht habe. Kein rcchtttcher Anspruch aus das Visum der Paßbehörde. Das Bundeskanzleramt (D. anderungsomt) kam öfter in die Lage, den Einrcisesichtvermerk Bewerbern m verweigern. In einem Falle brachte nun die abgewiefene Partei gegen d:e Verweigerung d.s Visums d'? Besck-werdc an den Verwaltuncsgerichtshof ein, rveil die Verweigerung eine grundlose fei und Gründe für die Abweisung überhaupt n'cht angegeben Kien. Der Perwaliungsgerichts- I)of (Vorsitze: der Präsident Dr. Schuster) hat die Beschwerde zur Anordnung einer Verhandlung mit der Begründung ab gewiesen, daß eine g -schliche Bestimmung, wonach die Paßbehörde verpflichtet wäre, der einschre:ten>den Partei das Visum zu erteilen, n'cht bestehe und daß der Vcfchwerd führer auch kein Gesetz oder keine Verordnung angcben konnte, auf welche sich sein Anspruch stütze. Die Erteilung oder B> rweiger-ung des Einrdistsichtvermerkes und -dessen Berlärigernng liege im freien Ermessen der Paßbehörde ein rechtlicher Anspruch darauf bestehe nicht. Der Berwaltunasgerichishof sei daher nicht berufen, über das Meritum der Sache M entscheiden. Wegen Verkreiiung kcmmrmisiischkr Zeitschriften — Kerkerstrafe Aus Lemberg wird uns berichtet: Bor dem hi.siqen Landesals Schwurgericht hatten sich drei junge Leut?, der 15jährige SchneiderlehrUng Max Barasch, der 20 Jahre alte Arbeiter Eisig Lustig und der 27jährige Harrdelsang stellte. Mayer Zicrle wegen Verbrechers des Hochverrates zu verantworten. Ten' Beschuldigten lag zur Last, daß sie verbotene kommun ist''ch? Zeitschriften verbreite: hätten. 'Aus Grund des Wahrspruchcs der G e s ch w o r n e n wurden sämtilche Angeklagte verurteilt. und zwar Barasch zu zehn Monaden, Lustig zu einem Jahr und Zierle zu 18 Monaten schweren Kerkers.. Eine Erpress,mg. Der arbeitslose Bäckergehstfe Erwin Grabsl, der ä.s V chrmann desertierte, hatte sich an den Pianisten Professor Moritz Rosenthal herangcmacht und wollte ihn zun: Anlauf einer Villa veranlassen. Es kam zu keinem Slbschluß, aber trotzdem machte Grahsl eine FoQerung von 400 Schilling an den Professor geltend, die natürlich nicht bezahlt wurde. Grahsk suchte nun den Pro'essvr Rosenthal, wo er sich gerade befand, auf, machte dort eine Szc::e und schimpfw wild herum. Unter ^anderem rief er dem Professor die Worre „Schnorrer" und Schlatt c n s ch a rn c s" zu und stieß dabei auch Drohungen aus. Gestern batte sich Grahsl vor dem Landesg richt zu verantworten. Er erklärte, daß er in Erregung gehandelt habe. Der Richter, QberlandesgerichtsraL Dr. M a l l i n k. verurteilte Grahsl wegen Erpressuna zu drei M o n a t <e n einfachen Kerkers. Der Verteidiger meldete die Berufung wegen Nichtigkeit an und machte geltend, daß der Angeklagte von keiner ernsten Absicht gcleiiu war. Gle'ch-eiiig beantragte er die Enthaftung Grahsls, der auch vorlüttsig' auf freien Fuß gesetzt wurde. Andrö Stzönier. Erstaufführung in der Staatsoper. Der Lebens!:uf des fra-n.zösischen Dichters Andre Ehenrer verlangt förmlich nach der Opernbühne. In seinem kurzen, an Liebe reichen, an dichterischen Erfolgen armen Leben durchwanderte er einen Teil der alten Welt, von Konstantinop.'l. seiner Geburtsstadt, über Frankreich, wo er ^eine Jugend verlebte, nach England, wo er kurze Zeit als DiPlonut wirkte, zurück nach Paris, wo er, kaum 32 Jahre alt. auf der Guillotine endete. Weltfremd lebte der Lyriker in feinen Elegien, Episteln und Oden, gleich Byron schwärmte er von einer schöneren Welt der Antike, von seinem Properz und seinem Theokrit, doch zugleich wandte er sich mit all seiner dichterischen Kraft gegen die Blutherrschaft der I.'ikobiner und noch angesichts des Todes, an. Tage der Hinrichtung, schrieb er die Berse nieder: „Ich rühr' die Leier noch am Fuße des Schas'fots." Die Textdichtung Luigi I l l i c a S rschrt mehr an das Schaffot als an die Leier. Im ersten Akte sehen wir den. Dichter als Schöngeist in der adeligen Gesell chaft auf dem Schlosse der Gräfin von Coigny. deren Tochter,, die schöne Mad.la:ne, eS ihm angetan hat. Die Revolution bricht herein und Gerard. -der es vom Kammerdiener der Gräfin zum Führer des WohlfahrtrauSschuffes bringt, strebt danach, den blaffen Dichter in der Gunst MadelnneS zu verdrängen. Bon Chenier im Zweikampf verrvundet, bemstht sich Gerard gleichwohl — auS Liebe zu Madelaine — um die Rettung des Dichters, der dem Revolutionstribunal verfallen ist. Doch die revolutionären Richter kennen kein Erbarmen, Chen rer muß sterben und Madelaine folgt ihn: freiwillig aufs Ach:>ffot. Schaffot und Folter. Polizei und Sibirien, das sind unentbehrliche Theaterrcquistten des Komponisten Umberto Giordano, rvelche er mit seiner ganzen veristischen Opernseele liebt. In seiner „Fedora" prä entiert sich der VerisM im Zrark, ui Mer «Tiderig" im russischen NatwMlkostüm („Weniger. Gesang . als bn Schrncrzensschroi eines ganzen Volkes", schreibt der Tondichter.hier einem russi'chen Kl?.gechor vor), in „Andre Chen je r" erscheint der „Ber'.smo" gleichsam in der Sansculotte. Alle Revolntions-rnelodien geben sich ein Stelldichein, schrill stellt die Stinline des Revolut-ionstribttualö, der Unheil rundende Karren mit den-zum Tode Verurteilten fährt vor. Alles, in allem ein« Vorstudie zu Puccinis „Tvsca" ans dem Jahre 1896! Merkwürdig übrigens, wie heute alle diese Jungitaliener, all diese MascagniS und Leone'vallos. die Gierdanos und Pucc'niS ufw. einander gleich 'cheinen. Wir hören und sehen sie gleichsan: nur mehr durch das Sprachrohr. und durch die Brillen Putzcinis. Mit Pueeini hat Giordano nicht nur die äußerste Oekonomie der dramatischen Mittel, sondern auch die Kurzatmigkeit der Melodiepartikelchen gememst-m. Freilich vermag Pueeini.-wenn cs sein muß, auch die Phrase;u dehnen, zu runden, melodisch zu füllen, un-d vor allem zu profilieren. Bei Giordano. hingegen fehlt das sch'irfere Profil und von: Gefühkvoll-'Sentimentalen zum Trivial-Banalen ist hier kaum ein winziger Schritt. D.:s Orchester untermalt knapp die Situativnen, dann und wann leuchten blutrot einige charakieristische Akkorde auf, oft begnügt sich das Orchester mit gewandten unheimlichen Tremolider Streicher und in der Ängstinmw dehnt sich auf lange öde Strecken eine verkrampfte Teklamüion. Dürftig sind die selbständigen Melodien. wie die Polonar'e oder die Gavotte, welche, durch den Einbruch des wütenden Volkshaufens kmn: unterbrochen, gleich wieder''gleichförmig weikerlaufen, undramatisch, unpsycho-- logifch, als ob nichts geschehen wäre. U-nd ebenso karg und verschlossen bleibt Giordano in den Revolutt-onsszenen. Man liest rm Textbuch von Carm.ignole und Sastseulotte, von Jneroyables und selbst von -Rabespierve, doch die Mrisik dringt nicht.in die SchicksalSiiese, sie begnügt sich mit Ersatzstücken, mit den: Notbehelf schriller Klänge und wohlbekannter revolutionärer Wei'en und im Chorsatz^' klingt kein einziges Mal ein vernehmliches Sturmläuten der Rev'Zution. Traumhaft unjchavf-geiftert Ser träumend^ Dichter Andre Chenie.r durch die Oper, gewissermaßen nur als lyrischer Gegenspieler des robusten Gerard der freilich am "Ende seiner großen, mit plastiseher Wucht gebauten, erschütternden Szene selbst der Sentimentalität anheimfällt. Das Beste hat Giordano — abgesehen von den dramatisch wirksamen Duos — für die R.lle der Madelaine aufbewahrt, in der man nicht nur hymnischen Schwung, sondern auch einen Abglanz jener aussierbelwen Kultur der^ altitalienischen Operntantilsne fühlt. Die 30 Jahre alte Oper ist zu spät auf dem Umwege über die Bolksopcr ins Operntheater gekommen. Sie teilt dieses Schiä'al mit Kienzls „Kuhreigen", in dem ebenfalls eine Liebesaffäre der vornehmen Gesellschaft am Schaffot endet. So hat der „Kuhreigen" in der Dtaatsoper die Pointe und die Wirkung des „Andre Chenier" in einer mit Rovolutionsopern übersättigten Zeit gleichsam vorweggenommen. Die StaatSoper überlegt in:mer gar zu lange, ob es sich nun mn Premieren oder un: 'Besetzungs chrvierigkeijen handelt. Wie viel Umwege waren doch nötig, um nach etlichen Affären und Absagen in letzter Stunde Herrn Gros ave scu für die Titelrolle des „Andre Chenier" zu gewinnen, in welche der Künstler erst völlig hineinwrchsen muß. Gleich ihm besitzt Frau L e h m a n n prächtiges Material, ihre großartige Madelaine ist förmlich eine an: heiligen Feuer der Begeisterung genährte Jdealgestalt. Imposant, unheimlich und zugleich rührend in der Zwiespältigkeit 'einer Rolle war Herr Schipper als Gcr.'rd, die übrigen Rollen waren mit den Damen Kittel, Paalen und I o v a n o v i tz, den Herren Z e c M a d i n und G a l l o s entsprechend besetzt, sehr schön spiel!e das Orch^'ster, das Direktor Schalk leitete. Der neue Regisseur» Herr W a l l e r st e i a, führte sich m-i den; hüb'chen, farbenfrohen, szenischen Bilde des ersten Aktes vorteilhaft ein, später versagte er in den ganz unübersichtlichen, ungegliederten Massenszenen der Revolution. Das Publikum hatte für das meisterhafte Handwerk Giordanos stündlichen Beifall und wir haben die Hoffnung, baß die Staalsoper bald ein jüngeres und originelleres Werk zur Erstaufführung. bringt. Erwin F e l b e r.

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