Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2491 (29.1.1926)
- Date
- 1926-01-29
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 D'en, ftvdfcni Volkswirt. Der Wechsel Oer Ratwvalbaulberaler. Die Behandlung des Beraters van Ghn nnd des Nachfolgers Rr. Kay durch den Nationalbankpräsidenten. Aus Finanzkreisen wird uns geschrieben: Die fcvschiedcntliche Behandlung, welche der Nationalvankpräsidclit Dr. Reisch in der gestrigen Gcncralratssitznng dem scheidenden Ratwnalbankberater van Gyn nnd dem nunmehr eingesetzten Engländer Kay hat angedeihen lassen, hat in vielen Kreisen peinliches Aufsehen hervorgerufen. Die Anerkennung, welche dem Wirken des Holländers van tfh,u gezollt wurde, wird allgemein als verdient empfunden. Ban Gyn hat sich rvährend seiner Wirksamkeit die Sympathien der österreichischen Wirtschaftskreise zu erwerben verstanden. Allerdings hat es merkwürdig angemutet, daß der Nationalbankpräsidcnt in seiner Abschicdsrcde besonders hcrvorgehoben hat, daß die gemeinsame Schule Böhm-Bawcrk diese hervorragenden Resultate ermöglicht habe. Vielleicht wäre dieser Beisatz besser unterlassen worden, wenn bedacht wird, daß auch ein anderer früher sehr einflußreicher Finanzpolitiker Oesterreichs, der ebenfalls ans der Schule Böbm-Bawerk hervorgegangcn ist, der österreichischen Währung Schäden zugesügt hat, die die österreichische Wirtschaft bis heute nicht überwunden hat. Schließlich macht es nicht die gemeinsame Theorie, sondern die richtige praktische Erfahrung. Um so mehr muß es auffallen, wie sich der Natwnalbankpräsidcnt über den Nachfolger van Gyns, den Engländer- Kay, geäußert hat. Er wird nur mit wenigen Worten abgetan, mit der Konstatierung, daß „wir einen Berater bekommen, mit dem wir uns erst wieder c i n z u a r b c i t c n haben, der sich in unsere schwierigen Verhältnisse erst neu hineinlcben muß." Man merkt aus solchen Begrüßnngsworten die Absicht und muß unwillkürlich verstimmt werden. So begrüßt vielleicht ein Cityman das verwöhnte Söhnchen einer befreundeten Firma vom Kontinent, das als Eleve die Clakepraxis in seinem Bureau machen will. Allerdings hat der neue Berater nicht den Umstand für sich, daß er aus der Schule Böhm-Bawerks den Kelch der volkswirtschaftlichen Erkenntnis getrunken. Dafür aber hat er eine Schule, die doch nicht ganz ohne sein dürste. Er hat mir dem Gonverneur der englischen Bank, Montaguc Norman, einem Finanzmanne, der vielleicht auch trotz seiner wahrscheinlichen Unkenntnis der Theorien der Wiener Schule einige Fähigkeiten besitzen soll, gemeinsam gearbeitet. Es ist infolgedessen möglich, daß auch Kay etwas vom Währungsgeschäfte versteht. Oder vielleicht bietet der englische Finanzplatz keine genügende Schule? In diesem Schulmeistern des Präsidenten Dr. Reisch, dem der Ruf als tüchtigster Währungssachmann Oesterreichs belassen werden soll, der van Gyn die Note 1 und den: Mr. Kay die Not 5 erteilt, scheint ein gewisses System zu liegen. Es scheint das Wesen des Präsidenten auszumachen, kraft der Kenntnis seiner eigenen Tüchtigkeit, ein wenig höher über den anderen schweben und auf die anderen Herabsehen zu wollen. Tie Angehörigen der Nationalbank scheinen sich dieser Unterordnung bewußt zu sein und auch demgemäß behandelt zu werden. Es könnte sonst nicht Vorkommen, daß einen Tag Copyri^hi 1926 by J. Ladyschnikow Verlag, Berlin. Ein Glaubensnmrlyrium. J Roman von Schalom Asch. Er führt seine Zuhörer durch alle sieten Reiche der Hölle. Jetzt zeigt er, wie die Folterengel den Menschen packen, sobald er die Augen schließt, ihn in die Wüste schieppen, ihn dort in die Sümpfe zwischen die Schlangen werfen, ihn tarn; in die Hölle bringen und mit anderen Opfern in einem Flammenmeer schwimmen lassen. Bald schildert er den erschrockenen Zuhörern, wie die Foltereugel ihre Opfer :n kochende Töpfe werfen, die über den Flammen der Hölle stehen. Stücke menschlicher Leiber schwimmen in den siedenden Töpfen herum. Dann aber werden die Opfer wieder lebend gemacht, um aufs neue gepeinigt zu werden: mit eisernen Zangen wird ihnen die Haut vom Kopfe gerissen, mit eisernen Kämmen fährt man über ihre Haut, mit glühenden Zangen werden ihnen die Nägel ausgerissen. Darauf wird das Opfer auf die Welt zurückgebracht und in ein Pferd verwandelt, das jahrelang bei einem Menschen arbeiten muß, dem der Verwandelte in seinem früheren Leben Sch'echtes angetan hat; oder aber der Sünder wird in einen heulenden Hund verrvandelt, der sich ln der Wüste herumtreibt und sich keinem menschlichen Wesen zu nähern wagt. (Aanz verängstigt lauschen die Zuhörer. Ter Angstschweiß klebt an ihren Gesichtern. In der Frauenableilung aber läßt sich ersticktes Minen hören . . . Ter Mann im weißen Tatar mit den dürren knoch'gen Händen aber stehr über den schwarzen Köpfen der Menge, er schreckt sie wei:er und schüttet das Feuer der Hölle über ihre Kopse. Niemand ist ihm gut genug, um von den Qualen der Hölle verschont zu bleiben. Alle bringt er aus der Hölle wieder auf di: Welt in Gestalt von Tieren, die das Heil ihrer Seele suchen. Hieraus beginnt der Prediger über das Jüngste (Bericht zu sprechen, das den Juden bevorsteht. Er wirft mit Zitaten aus der Heiligen Schrift um sich, die er auf die Gegenwart anwendet. Er spricht von dem bald bevorstehenden Krieg, von Gog und Magog. Er schildert in grellen Farben einen großen Krieg, da ein unbarmherziger Feind wie ein Schwarm von Heuschrecken über das Land herfällt und mit Schwert und mit Feuer alles auf seinem Wege vernichten wird. Nichts vermag dem Fluß seiner Rede Ha't zu gebieten, weder Weinen, noch Beten oder Tränen. Er wirst sich gleich dem Feuer von einer vor ucv einstimmigen Annahme einer Diskontcrmäßigung von einzelnen maßgebenden Funktionären strikte erklärt wird, aaß an eine Diskontherabsetzung auf keinen Fall gedacht sei. Hier wäre vielleicht ein gewisses harmonisches Zusammenarbeiten im Interesse der Sache erlvünschter. Das System des aufgeklärlen Wirtschaftsabsvlntisinns paßte vielleicht für die Zeiten Josefs des Ziveitcn, nicht aber für die heutige Zeit. Ne rwlden'e der Sl-aisevenkahngesell^chaft. Vermutlich 25.000 Kronen. Die lebhafte Bewegung, welche in den letzten Wochen in den Aktien der S t a a t s e i s e n b a h n g c s e l l s ch a f t herrschte, hat auch zu mannigfachen Vermutungen über das Ausmaß der Dividende Anlaß gegeben. In Finanzkreisen verlautet, daß diese Dividende, welche im Vorjahre 30.000 K. betragen hat, sich in diesem Jahre aus 25.000 Kronen belaufen werde. Di« Provisicnöauszahlungcn an die Handelsvertreter müssen beschleunigt Nerdrn. Viele Handelsvcr.reier kommen dadurch zu Schaden, baß vielfach im Sinne der Usancen aus der Vorkriegszeit die Provision se.bst für einmalige Geschäftsabschlüsse erst nach E'ngang Cer Zahlung flüssig gemach: werden. Ter Bertt.tter, der seine Leistung, d. i. den Geschäftsabschluß, bewirkt hat, muß zufc:ge oicscs Umstandes oft Monateauf die Vergütung seiner Leistung warten, wobei er einerseits durch dir Hinausschiebung der Gegenleistung, d. i. seiner Provision, andereifeiis auch durch die jetzt so schnell wechselnde Bonität der Geschäflsherren Schaben erleidet. Tic Zachscklion der protokollierten Handelsvertreter im Gremium der Wiener Kausmannschaft fördert demgemäß eine Aktion, wonach insbesondere in den Fällen, Ivo es sich um einmalige Geschäftsabschlüsse und nicht um lausende Geschäftsverbindungen handelt, die Provision sofort nach Zustandekommen des Geschäftes flüssig gemacht werde. Es ist zu erwarten, daß sich Handel und Industrie dieser gerechten Forderung der Vertreter ichast nicht verschließen werden. Der Clearing am 2. Februar. Die Oesterreichi'che Nationalbank teilt mir, daß Dienstag den 2. Februar, präzise 12 Uhr mittags, ein Clearing ftaltsindet; Einreichungen zu diesem Clearing haben'zwischen 11 und halb 12 Uhr;u erfolgen; spätere Einreichuugen könn n mit Rücksich: aus die kurze zu: Verfügung stehende Zeit nicht mehr entgegengenommen werden. Verkehr an der Wiener Produktenbörse am 2. Februar. Am 2. Februar findet an der Wiener Produktenbörse de: regelmäßige Börsenverkehr statt. Gewerbescheine für den Straßenhandel werden nicht mehr erteilt. In der gestern unter Vorsitz des Vizepräsidenten Zellhoser und in Gegenwart des Präsidenten Langer und Doktor Brichla abgchaltenen Ausschußsitzung des Hanoe.'sgenossenschastsverbandcs wurde auf Grund eines Referates von Gremialsekietä: Dr. P a n c t h ein Einschreiten beim Magistrate beschlossen, um zu erwirken, daß in Hinkunft eine Bewilligung zum St ra ßentzünd el (d. i. der Handel in Buden und Kiosk) nicht mehr erteil: wird, so daß die ^^eir. aHZcg?benen. Gewerbescheine durch natrkruchen Abgang crlö'chcn."Ferner soll erwirkt werden, daß auch die vor öcnl Jahre 1802 ausgestellten Gewerbescheine für den Hausierhandel, insbesondere von landwirtschaftlichen Waren, mit dem Lichtbild des Eigentümers rcrsehen sein müssen. Dadurch soll endlich der Mißbrauch mit den vor dem Jahre 1902 ausgegebenen Hausierscheinen, die heute durch die Pacht von Hamb zu Hand gehen, verhindert werden. Stadt zur andern, von einem Land ins andere, unb seine flammende Zunge beleckt alles, wie der Ochse das Gras leckt. Niemand von den Zuhörern weiß eigentlich, was der Prediger sagen will. Aber eine dunll' Augst senkt sich auf die Zuhörer gleich einer dunklen Riesen wolle, die den ganzen Himmel bedeckt, und ein Zittern ersaßt die Körper jeder mal, wenn der Redner den Zorn Gottes schildert. Nur eins kann die bevorstehenden Schrecknisse abwenden: Reue, Gebet und Wohltaten. Allein bald macht der Prediger auch das Tor der himmlischen Gnade zu, verschließt cs mit eisernen Toren und stellt f'ammer.de Schwerter und Tiere davor, um die beterden Juden, die anpechen, zu verjagen. Es ist zu spät, das Urteil des Gerichts ist bereits unterschrieben, und der Prediger läßt keinen einz'gen Hoffnung-strahl übrig, sondern nur Finsternis, Finsternis, Finsternis . . . 10. Der Jahrmarkt in Lublin. Nach einer zweiwöchigen Reise fuhr Hillel, der mit dem „Wächter vcn Israel" zusammen auf dem Bock des Derdeckwagens thronte, endlich durch das Krakauer Tor in die weit und breit berühmte Stadt Lublin ein. Die Stadt winkle schon vcn weitem mit den hohen Türmen ihrer Kirchen und Sch össer. Mendel hatte Sch.oimele schon von weitem die Spitze der Synagoge von Ramo* **)) gezeigt. Der Jahrmarkt war bereits in vollem Gange. Nur mit Mühe und Not konnte der Pserdejunge sich einen Weg zwischen den vielen herrschaftlichen Magen bahnen. Hillel lenkte den Wagen zur Seite, in die jüdischen Straßen hinein, wo sich der Brennpunkt des Jahrmarktes befand. Stapel verschiedener Waren verstellten die Gassen. Hier erhoben sich Stöße von Pelzen, dort hingen Stiefel an Stangen, darauf folgten Stapelplatz«: von Wollwaren; farbige Bänder, wie sie die Bäuerinnen tragen, prangten im Sonnenlicht auf den Kopsen der Jüdinnen, die vor ihren Buden standen und ihre Ware verkauften. Auch hellgolden gefärbtes Elfenbein war da. Die Luft hallte von lauten Rufen und vielsprachigem Stimmengewirr; deutsche Me'ster aus Nürnberg verkauften silbernes und kupfernes Geschirr; sogar persische Kaufleute waren da und boten Bernstein, Elsenbein und bunte Orientstoffe feil: Farbe von geschmolzenem Kupfer und von der tiefen Bläue des Himmels; nachtschlvarze und schneeweiße, schaum- *) Abkürzung von Rab^i M^ses Jsseri'is, dem Namen eines berühmten Gelehrten. Anm. d. Uebeis. N. Jänner IM Nr. SM' Insolvenzen. Das Wiener Landesgerichl in ZivilrechtssacheK hat das Ausgleichsverfahren eröffnet über den Autotaxiunternchmer Franz F l e i s ch m a n n, 15. Bez^ - HaibniannSgasse Nr. 8-18; über Hans Grötzer. Drogist. 19. Bez., Sonnbergplatz Nr. 1; über Richard Zeisky, Autotaxiuntermhmung. Wiener- Ncustaöt. Neunkirchnerstraße 52; über die Böslauer Modell¬ und Möbeltischlerei, G. in. b. H., in Böslau; über, Alfred Meist in Baden; über Margit Meist n. Co., Baden, Karls- Platz 3; über Edmund Spahck, Drogist in Wiener-Neustadt. Die Kleinakticnäre und die Gcldbilanzen. Ter Verband der Sparer und Kleinrentner Oesterreichs fordert die Besitzer von österreichischen Aklien auf, ihren Aktienbesitz im Sekretariat des Verlxmdcs der Sparer und Kleinrentner Oesterreichs. Wien, 1. Bez., Hofburg. Schwcizcrtrakt 2-8, anzumelden, damit die Rechte der Minderheit anläßlich der bereits im Zuge befindlichen Errichtung von Goldbilanzen gewahrt trerden können. Diese Aktion erstreckt sich nur auf die Aktien ausirchtstchender Unternchmungen. Wiener Prodninenbürie. Bei g ößter Ge'cbaftsk o s i g k e t t blieben die meisten offiicllen Kursnotierungen unverändert Rur Mais war um 25 Groschen niedriger. ES notierten: Set jem Inländischer 4 t.— bis 41.50. Unoarischer Tdeiß 79/80 Ki'oaramm 46 — b 8 46.—. Ungarischer 1350 bis 45. , Jugoslawischer 76 Kilogramm —.- bis —. Zuaollaviicher 77/76 Kilogramm —. - bis Roggen: Fn'ändllcker Marchfelder 27 50 bis 28. Pester Boden 27.— bis 27 50 Gerste: Brcmware inländische S- bis 89. -. b'chmische mährllchf — — bis —.—. M ars: Augo- 'lawiicher 21 — bis 22— Cinquantin neu 32 — bis 33 — Hafer: Inländi'cker 28.- bi« 29.50 R e i S r Italienischer *1.— bis 82.-. Bv'ma 62.— bis 63.—. M a b l p r o d u k t er Grieß inländischer 82— biS ttS —, Werrenmetrl " »irländisches -'7.— biS 79.— Kachmebl 2 inländisches 68.— bis 70 — Brotmeli> 'nländtlche^ 46.— bi« 50 — Wiener Diehmarirle. Auf dem gestrigen Markte wurden 58 levende Kälber. 22 1 We'deneikälber 1003 Weiaeneischw.'ine nnd 61 Schafe aufqetrieben. Bei r u d i g e m Verkehr waren alle Sorten leicht rückläufig Es notierten: Kälber lebend 160 bis 2.10 S, Weide erkälber 1.80 b S 2.90 S, Fte 'ch chweine 2.— bis 260S, Fett'chweine 2.15 bis 250 2. und Schake odne Fell 1 bi« 2 2 R i n d e r m a r k t Bei einem Austrieb von 474, davon 418 Mast- und 6 Beinlvieh, varen die Preise gegen Montag ber geschäftslofem Verkehr eher nach gebend. Wiener Börse. d<fi. Aiü die Herabsetzung des Zinsfußes von 9 auf 8 Prozent erössnete der gestrige Verkehr bei gesteigerten Umsätzen m fester Haltung. Das Publikum trat in beträchtlichem Maße als Käufer auf. Durch den festen Verlauf sah sich die Kontermme zu Deckungen veranlaß:, welcher Umstand zu einer weiteren steigenden Tcioenz sichrie, die in der Kuliste fast ollen Werten mit Ausnahme d?s Bankcnniarktes zugute kam. Im Schranken wurden einzelne Werte mit dem Pluszeichen versehen. Besonders f-est lagen einzelne Bau- Montan- und Papierwerte. Lebhaft wurden. die Pelroleumefsekten umgesetzt. Die Börse schloß boi zahlreichen Papieren mit den höchsten Tageskursen. In der K u l i ) f e evböhien sich u. a. Staatsbadn um 13.000 K, Juli-Süd und Salgo um je 5000 K.. Alvine um 4000 K. Ungarische Hokberr um 2500 K, Skoda um 8000 K., Poldibütte um 6500 K., Karvatbeu um 2300 K. und Timb»r um 39.100 K. Br nner Maichine« dagegen büßten 1000 st. und Äoburg 50"0 K. ein. Im Schr a n-- k e n gewannen n a Nationalbank 15.000 K. Kraintkche Elsen 2 000 K. Brürer Kohlen 45 0i,0 K., Portland Zement 20000 K., Austr a Email "22V1.0 K., Neusi dler Papier 3 .000, Fäibereien 45 « 00, DeneS & Friemann 58000 «. und Ungarische Zucker 25 000 K. Dogegen verloren Tarbouches und Gultniann Holz je '0000 K, H.'undu« 130 0 St.. Grazer Brau 14000 K. und WestbShmische Kohle 16000 K. Auf dem Anlagemarkte waren die volnischen Prioritäten höher. Tichech icke und Staatsbabuprioritäten blieben behouvtet. Renten lagen ruhig. ähnliche Farben, keusche Perlen-- und grelle Korallensarben — sie alle flössen hier in einem glühenden Meer von Tüchern, Gewändern und Teppichen zusammen. Die Farben bewegten sich wie auf einem Maskenball. Sie glänzten an den Häuptern der Wo'.woden und Kastellane, an den Federbüschen der Husaren und der Fähnriche. Da und dort schimmerte ein Edelstein am Turban eines Tataren, der von roeither die anderen Köpfe überragte. Der Anblick der vie'köpfigen Menge verschüchterte Mendel und den jungen Ehemann Schloimele, aber auch den „Wächter Israels", Chajim, den Briefbcten. Nur einer blieb unerschrocken — Hillel, der Pserdejunge. Auf dem Bock des Magens zusammengekrümmt, hielt er die Pserde fest im Zaume und lenkte sie zwischen den ausgestapelten Maren, den Menschen uich.de» Fuhren hindurch. Nicht ein einziges Mal blickte er sich um; nichts schien ihm nahe zu gehen. Seine ganze Aufmerksamkeit war mir von dem Lenken der Pferde beanspmcht, denn die Fahrt war in der Tat schwierig. Nur mit Mühe und Not gelang es Mendel, in einen: Gasthaus Unterkunft zu finden. Tenn Lublin war von Juden überfüllt. Aus allen Teilen Polens waren Juden gekommen, um ihre Mare auf dem Jahrmarkt abzusetzen oder um Ware einzukaufen. Aus den entlegensten Gegenden waren Rabbiner und Parnessim mit rituellen und juristischen Fragen an den Waad der vier Länder gekommen, und die Vertreter einer Gemeinde luden die der andern vor das Gericht der Rabbiner, und jede Partei brachte ihre Argumente vor. Alle Gassen, Bethäuser und Herbergen waren von Juden überfüllt. Jeder Raw kanl mit ftinen Schülem. Anhänger der Kabbala*) in weißen Talaren tvaren mit dem Posener Raw, Reb Scheftel Huttvitz, gekcmmen, der ein großer Kabbalist war. Scharssinniie Köpfe und Gelehrte waren mit dem Raw von Lemberg, dem späteren Verfasser von „Turei sahaw"*), der ein Mitglied des Waadö war» gekomn en. Auch ausländi'sche Juden, deutsche mit großen Samthüten. Prager Juden in weiten, schwarzseidenen Mänteln traren da, und italienische Juden, denen man ihr Judentum nur schtrer anselen konnte, weil sie kurze, favbige Kleider und Schwerter an der Huste, gleich echten Italienern, trugen. (Fortsetzung folgt.) *) Indische Mystik. **) Kommentar znm „Schulckan Aruch", dem Haupt- Nitualbuch der Inden. Anm. d. Ueberf ***m -mm.u. a - -t