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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-29 · Heft 2491 (29.1.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2491 (29.1.1926)
Date
1926-01-29
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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-k. -M Mm, Frettckg Wlttrer MmMvzelk««- 28. Jllnnek 1SK HL2 Ter geheimnisvolle SnwelenhSndler. Per Fall Moranszky. W« machen Sie Jeden Abend? „Ich lasse mich mH Diana-Pianzbianntwein massieren!" „Warum gerade mit Diana-Franzbranntwein?" „Weil ich mich Überzeugt habe, dass nur Massage mit DIANA* FRANZBRANNTWEIN eelehe Sehmerzen lindert, wei lte von Ueberanstrengung und schwerer Arbeit herrQhren. Ebendarum kaute ich nur Diana - Franzbranntwein mit Menthol und nichts anderes" Ueberall erhältlich. «2 Tagesbericht. Der Sortroß Leon Reichs in Wien. Das Zionistische Landeskomitee teilt mit, daß fii dem am Montag den 8. Februar um halb 8 Uhr abends im großen Saa'e des Konzerthauses, 3. Bez., Lothringerstraße 20, stattfindenden Bortrag des Herrn Dr. Leon Reich, Präsidenten des jüdischen Sejmklubs in Polen, über „Amerika- Polen-Palästina" (Das jüdi'che Problem) Karten im Sekretariat des Landeskomiiees, 1. Bez., Kärntnerstraße 28, zum Preise von 1 S. bis 8 S. erhältlich sind. Es Morden auch telephonische Bestellungen (Telephon Nr. 77-1-85 und 77-1-86) entgegeuqenommen. Aphorismen. Bon Anselma Heim. Bertram« ist Bequemlichkeit. Das Laster edler Menschen ist die Helfsucht. * Selten nur gibt eine Sünderin die Sünde auf. Zuletzt aber gibt die Sünde sie auf. * „Wohltaten verpflichten." Nämlich den Wohltäter. * „33a5 ©e?b liegt auf der Straße." Ja; aber man mutz sich tief in den Schmutz hinunterbeugen, um es aufzuheben. („Die Literarische Weit.") Dir gaben in Spanien. Die Gemeinde in Barcelona warnt vor Einwanderung. Das Berliner Cmigrationsdircktorium hatte an die jüdische Gemeinde in Barcelona eine Anfrage, betreffend Einwandernngsmöglichkeiten in Spanien, gerichtet. Vom Präsidenten dieser einzigen jüdischen Gemeinde Spaniens ist nun das folgende, in deutscher Sprache abgefaßte Antwortschreiben eingelaufen: „Daß bei Ihnen Interesse für die Einwanderung in Spanien besteht, begreifen wir wohl. Es ist anzunehmen, daß ein gewisses romantisches Motiv dabei mitspielt, denn irgendein materiell zureichender Grund ist kaum vorhanden. In Spanien gibt es außer unserer eigenen keine Gemeinde von irgendwelcher Bedeutung. Die unsrige wurde von wenigen zionistisch gesinnten Herren gegründet und besteht mit ihren ettva 95 Mitgliedern zu 80 Prozent aus sephardischen Elementen, die der Krieg hierher verschlagen hat und die in bescheidenen Verhältnissen leben. Auch die etwa 20 bis 30 hier ansässigen Ost- und anderen Juden haben alle, noch schwer zu kämpfen. Die wenigen Leute, die neuankommenden Glaubensgenossen behilflich sein könnten, tun in dieser Beziehung das möglichste Während des Krieges mußte zeitweilig die Hilfe des Joint angcrusen werden. Damals war die Zahl der Juden aus, den verschiedensten Ländern beträchtlich. Der allergrößte Teil hat hier keinen Boden fasten können, und Spanien hat sich demnach als ein für jüdische Einwanderer gänzlich ungünstiger Boden erwiesen. Die Zurückgebliebenen sind, wie gesagt, gering an Zahl und hauptsächlich spaniolischen Ursprungs. Diese sprechen einen spanischen Dialekt und Pasten sich dem Lande und den Verhältnissen sehr schnell an. Anders ist e8 um die Juden aus Polen und Rußland bestellt, von denen nur solche Fuß gefaßt haben, die schon tut Frankreich oder anderen westlichen Ländern gelebt haben. Eine Eimvanderungsmöglichkeit beftcht tatsächlich rmr für sephardische Juden." SK BWe Filippi. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Krakau, 28. Jänner. Die zwei Bizedirektoren der Lemberger Jndyslriebank in Krakau, W i l i n s k i und W i n i a r z, die seinerzeit im Zusammenhang mit der Affäre des Direktors Filippi verhaftet wurden, wurden gegen eine Kaution auf freien Fuß gesetzt, doch wich die Untersuchung gegen beide wegen Betruges und Unterschlagung fortgesetzt. Kommunisten gegen Polizei. Sin blutiger Zusammenstoß in Hamburg. Berlin, 26. Jänner. Wie die Blätter auS Hamburg melöen, ist eS im Anschluß an eine ruhig verlaufene Kommunistenversammlung zu einem nächtlichen Zusammenstoß m i t d e r P o N z ei gekomnien. wobei ein P o l: z i st verwundet wuckw. Acht Person«» wurden festgenommen. Wie berichtet, wurde der Juwelenhändler Julius M o r a n s; k y unter dem B c i :> a ch i c verhaftet, eine Reihe von Einbrüchen in Juwelenläoen des Auslandes verübt und Schmuck im Werre von Milliarden gcskh m zu haben. Moranszky harte im Vorjahre ein G e f ch ä f t 8 l o k a l in der Prater st raße 12 erstanden und es als Juwelierladen eingerichiet. Das gesamte dort befindliche Warenlager wurde beschlagnahmt. Vorgestern wurde seine in Eichgraben befindliche Billa durchsucht, doch wurden dort keine Juwelen gefunden. Interessant ist, daß aus dem Tische eine Wiener Zeitung vom 24. August 1924 gefunden wurde, in der sich cijtc Notiz mit der Ueberjchrist „Der Gentleman-Einbrecher" befindet. Darin wird gesagt, daß in Paris einer Dame von Zwei eleganten Einbrechern Schmuck im Werte von mehreren hunderttausend Franken gestohlen wurde. Auch gegen Moranszkys Braut, die 21sthrige Valerie H o h l d a m p f, die in seinem Geschäft tätig war, haben sich derart schwerwiegende Verdachtsmomente ergeben, daß sie gestern in Haft genommen wurde. Moranszky hat, wie festgestellt wurde, die Juwelen nicht nur bei sich gehabt, sondern auch wertvolle Stücke anderen Juwelieren zum kommissionsweisen Verkauf übergeben. Bei einem Juwelier in der Inneren Stadt hatte er Pretiosen im Werte von etwa einer halben Milliarde in Kommission. Die Juweliere Riemer aus Prag und Bachne^ aus Brünn treffen heute hier ein, um festzustellen, was an den bei Moranszky beschlagnahmten Juwelen aus ihrem Lager stammt. Obwohl sich die Verdachtsmomente gegen Moranszky immer mchr häufen, gibt er sein L e u g n e n bezüglich der Herkunft der Juwelen nicht auf. Er blich auch gestern dabei, alle Stücke seines Warenlagers ehrlich und zum großen Teile von ihm unbekannten Personen erworben zu haben. Schon ein kleines Detail, das erst gestern entdeckt wurde, läßt chn als nicht einwandfreien Menschen erkennen. Die genau durchgefiihrte Untersuchung erstreckte sich auch auf die Kleider und da fand man, in einem Rock eingenaht, drei Brkllcmtrlnge. Auch das Verhalten des Moranszky nach den beiden großen Juweleneinbrüchen in Prag und Brünn gab interessante Aufschlüsse. Beim Juwelier Riemer m Prag wurden am 3. November vorigen Jahres, beim Juwelier Bachnrr in Brünn am 31. LAtober vorigen Jahres Einbrüche verübt. Und nun hat sich die bezeichnende Tatsache ergeben, daß Moranszky nur kurze Zeit nach den beiden Einbrüchen große Mengen Goldes einschmelzeri ließ. Aus den Aufzeichnungen einer hiesigen Affinieranstalt ist zu entnehmen, daß MoranSzky am 9. November vorigen Jahres mchr als eineinhalb Kilogramm Gold im Werte von 4600 Schilling, am 11. November mchr als ein Kilogramm Gold und am 19, November mchr als ein halbes- Kilogramm Gold einschmelzcn ließ. Er hat noch am 21. November eine geringere Menge. Bruchgold Aus Berlin wird uns gemeldet: Gestern abends zeigte Pich in Berlin am Nordhimmel mehrere Stunden lang ein auffallendes Wetlerphänomen. Der Himmel schien in blutrotem Licht zu erglühen. Man glaubte vielfach, eS handle sich um R i e s e n b r ä n o e. Das Nordlicht äußerte sich in Norwegen noch viel intensiver. In Kopenhagen geriet die Bevölkerung in die größte Aufregung. Tausende Menschen sammelten sich in den Straßen. an, , um das seltsame Naturereignis, das auch hier für den Brand ganzer Ortschaften gehalten murin, zu verfolgen. Qm den Mut za beweisen. Äus Paris wird berichtet: Der Tierbändiger einer Zirkus setzte eine Prämie für den mutigen Zuschauer aus, der es wagen knicke, in den L ö w e n k ä f i g zu gehen. Die Frau eines Postbeamten machte sich anheischig, das Wagestück .zu yollführen und begab sich dann auch in den Käfig. Zuhause angekommen, rühmte sie sich ihrem Manne gegenüber dieser Tat, der jedoch ihren Mut in Zweifei zog. Die Frau geriet darüber so in Wut, daß sie ein Messer ergriff und ihrem Mann mehrere Messerstiche beibrachte, von denen einer so miglücklich traf, daß der Mann auf der Stelle tot war. Mrbelstnrmkatastrovye »ns dm Philippinen. 200 Menscheu ertrunken. Aus Berlin, 28. d., wird berichtet: Wie der „Lokalanzeiger" aus London meldet, ist die Balayaninsel (Philippinen) von einem Wirbelsturm heimgesucht worden, der große Zerstörungen angerichtet hat. Eine Anzahl Schiffe sank im Sturm. Man schätzt, daß etwa 200 Menschen ertrunken sind. Insall de« Prinzen von Mai«. Wieder ein Pserdesturz. Aus London, 28. d., wird gemeldet: Bei einer Jagdpartie in Leieerstershire stürzte heute der Prinz von Wales vom Pferde und brach sich das Schlüsselbein. Nach den zurzeit vorliegenden Nachrichten wird er heute abends nach London zurückkehren. Der Unfall wird keine Aenderung in dem für die nächste Zeit vorgesehenen Programul herbeilühreri. einschmelzen lasten. Nun ist e8 bekannt, daß die JYKAE einbrecher nach ihren Raubzügen sich so rasch als möglich markantes Pretiosen auf die Art zu entledigen suchen, daß sie sie zerlege^ das Edelmetall eiuschmelzen lassen und die Steine anderweitig verwerten. Abends wird uns noch mitgeteilt: Ein hiesiger Juwelier hat sich gemeldet und angegeben, daß Moranszky chm vor einige^ Zeit einen kostbaren Ring mit Smaragd und sechs Brillanten uttfc sechs lose Perlen in Kommission gegeben hat. Dieser Sinaragdring stimmt nun in Beschreibung und Zeichnung genau mit einem Ring überein, der sich auf der Liste der in Zürich beim Juwelier Meister am Paraöeplatz gemachten Beute befindet. Auch die Braut Moranszkys, Valerie Hohldampf, wurde im Lause deS gestrigen Tages wiederholt einvernommen. Ihre Aussagen bieten auch wertvolles Material zur Beurteilung Moranszkys. Die Hohldamps sagt aus, daß Moranszky im Herbst 1922 von Wien ver« wist ist und l a n g e nichts von s i ch h ö r e n ließ; er ist dam» erst im Frühjahr 1924 nach Wien zurückgekchrt. Sr ist ln Italien im Gefängnis gesessen. da er zwei Jahre z« verbüßen hatte; er behauptet, die Strafe sei chm wegen Kokainhandels zudiktiert worden. Nach Angabe der .^hldampf hat Moranszky viclfacha Reisen gemacht und Hot chr erzählt, daß er in Jugoslawien, ick Ungarn und in der Schweiz war. Ende 1924 ist er wieder oer-. reist. Wie schon berichte:, ist Moranszky, der in Oldenburg ei« fünfzehnjährige Zuchthausstrafe za verbüßen. gehabt hätte, im Juni 1921 in Gesellschaft eines gewissen Alexander Groß aus der Strafanstaltentsprungen. In der von Moranszky in Eichgraben bewohnten Billa wurde nun eine Bestätigung gefunden, in der der flüchtige Alexander Groß am 16. September 1922 dem Moranszky bestätigt, von chm einen Betrag von 500.000 K. erhalten zu haben.' Offenbar hat Moranszky den Goführten seiner Flucht unterstützt. Die Erhebungen werden fortgesetzt. Moranszkys Mnbrecherausrüstung in Aürich. Bern, 28. Jänner. Die schweizerische Depeschen-, agentur teilt, zur Verhaftung des Juweliers Moranszky mit: Der in Wien verhaftete Juwelier Moranszky wurde am 11. März 1925 wegen des Verdachtes eines Einbruchsdiebstahls in Zürich inhaftiert. Er besaß eine vollständige Einbrecherausrüstung. Er verwickelte sich bei dem Verhör in Widersprüche, konnte jedoch nicht überführt werden. Moranszky wird von den ungarischen Bel- Hörden wegen acht Einbrüche gesucht. Das Auslkfemngsbegehren war bereits im Gange, als er am 5. Juli entwich. Polizeioberleutnam Nievergelt wird Freitag nach Wien abreisen, um die Angelegenheit weiter zu verfolgen. Bei dem Züricher Diebstahl waren dem Täter Schnmcksachen M Betrage von rund 850.000 Franken' in die Hände gefallen. Die Verkehrspolizei von Manila steht vor einem PrM-oue» das sie nicht zu lösen vermag, denn hier ist ein eigenartiger Fall eingetreten, der In keinem Gesetzbuch dvr Welt vorgesehen, ist, solange man auch bereits Gesetzbücher kennt. Sie tvM nämlich einen der beiden siamesischen Zwillinge Simplicig und Lucia Godino weigen zu schnellen Autofahrens in Strafe nehmen, müßte aber dann den anderen. schiMofsn Zwilling, mitbestvafen. Aus zu schnelles Fcvhreu stcht in Manila Haft, and der eine Zwilling hat sich der Uebertretung schuldig . gemacht. Die siamesischen Zwillinge betätigen sich als KrastwagensÄhver, und der eine von ihnen», der am Steuer sitzt, ist mehrfach zu schnell gefahren; aber wenn man ihn verhaftet, muß man den anderen miteinsperrm, und dagegen sträubt sich daS Gerechtigkeitsgefühl der Behörden. Die siamesischen Zwillinge, die jetzt 25 Jahve alt sind^ stehen im Dienst des Gvoßkanfmannes Theodor Jan ko; sie sind von den Aergten der verschiedensten Teile der Welt untersucht worden, haben sich aber geweigert, sich einer Operation zu. untmzi-chen, die sie von einander trennen würde, 90m will aber die Verkehrspolizei von Manila gegen die widerspenstigen siamesischen Zwillinge Vorgehen, denn sonst befürchtet sic. das; der eine der beiden immer wieder aufs neue gegen die Der-, kehrsvorschriften verswßen wird, in der Hoffnung, daß die Verkehrspolizei wie bisher immer wieder Bedenken nehmen wvch,. den Schuldigen zu bestrafen, da darunter auch der Unschr ldigc leiden muß. Damit würden aber die siamesischen Zwillinge oK£: Autochauffeure einen Freibrief erhalten, gegen alle Bor» schrifen der Polizei zu verstoßen. Die Polizei hat darum an dies« eigenartigen Chmiffewrv; noch einmal eine Verwarnung erlassen mit dem Hinweise darauf, daß m Zukunft aus ihre körperliche Verfassung keine! Rücksicht genommen werden wird und daß auch der Unschuldige mit vom Schuldigen leiden muß, wenn der Schuldige zur Strafe für fein Vergehen gegen di« Berkehrsvorschristen mö Gefängnis gesperrt wird. Als erste! hat sich dve Be-rkchrSpoAzoö mit einer Geldstrafe begnügt, di« ja den Schuldigen allem trifft, und hat damit di« «igeMche Stvaf« umgewandelt, trat, hier «in ganz besonderer Fall vorliegt, der von dem Gesetz nicht vorgesehen war und nicht vorgesehen werden konnte. Die Po?; lizei tröstet sich damit» daß der Fall wohl Vevoin-elt bleSbm! wich, und verMtü Mf «me Abätcherrmg d« gesetzlichen jchrWn. Wie soll man siamesische zmwinge bestrafen? 6in Nordlicht über Berlin.

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