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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-29 · Heft 2491 (29.1.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2491 (29.1.1926)
Date
1926-01-29
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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9s, m Wien, fjfcffAg 190 m t.. m Wachsen mutz das Kind! Wachsen kann es aber nur, wenn sein zarteS Knochengerüst kräftig in die tzüsie und in die Brette geht Dazu braucht der kindliche Körper eine als Baustoff geeignete Kalknahrung. basEchsbniS der Forschungen bertzerrenUniversitäts« PryWoren Dr. L o e w und Dr. E m m e c i ch in ÄlÜnchen» ist eine Kalknahrung besonderer w ssen. schaftlich erprobter Zusammensetzung, deren Kalk vor allem auch in öaS Knochengerüst übergeht. .Mehr als 2000 schriftliche Gutachten namhafter AerM bezeugen den hohen Wert beö Kalzan olö Kalknährmittel. Go sagt z. B. Herr Dr. meb. Schreiber vom Sanatorium Frteörlchsbrunn (Harz), bah das K a lza n nach seinen Erfahnm.en für die, infolge Kalkmangeis knochenschwachen.!m Wachstum zurückgebliebenen, Kinder besonders nützlich sei. Für hie Eltern ist es ein Gebot der Klugheit, allftz ZU tun, um ihren Kindern ein kräftiges Knochen« gerüst zu geben. Wo sich ein. solches bklbet. da entwickeln sich erfahrungsgemäß auch gesunde und kräftige 'gähne. Kg l z a n ist in Tabletten und neuerdings auch in Pulverform (für ganz kleine Kinder) Ln allen Apotheken Die austlärenve Broschüre: ..Kalkmangel eine Quelle.vieler Leidere erhalten Sie auf Wunsch kostenlos durch: Johcuw A. Witlsiag, Derli« SW. 48. Aoe Kanalvorlage ln Polen. ' . .'(Eigeltdrenft der „Wirirer MorgenALmrug") Warschau,- 28. Jäutter. Nrinistcrpräsident Skrzynsk i hat femcv3c.it-Ausnahme von großen I n vcstition suröeir Ln,in.'Pölert angekütldigt, um die Arbeitslosigkeit ein-- zuschränken. Wie nun die B.ättw mr.den, ist in erster Reihe der Bau :chn'^. großen Kanalnehes, vor allem eines Kohleuianals von , K a r i o tu i tz über Lodz nach dein urneren Weichsellauf Äs Thor n o be r B r om barg, geplant. Diese KanalvcrSindnng soll zur Erleichterung des Kohlenexportes dienen. Die' Baukosten sind mit 230 Millionen Zloty präliminiert. Ferner.ist. die Berlängernng dieses Kanals bis nach dem Po sie n er Gebiet geplant.. Im Frühjahr soll ferner der Bau eines Kanals in Angriff gencmmen werden, der die Stadt Wa/r schau mit dem Bug verbinden würde. Wahrscheinlich wird die polnische Regierung sich bemühen, vom Völkerbund entsprechende Kredite zu erlangen. ' seinem 60. Gebuetötng. Der Geburtstag Romain Rotlands ist zugleich ein Juheltag des unabhängigen beeistes, dessen Diener Rolland iü. Frei dient er der Wahrheit, die irr sich grettzenlos ist tmt> keine äußeren Grenzen -kennt. Voll edler Aufopferung, in vollster Harmonie imit seinen Anschaunttget: ist das Leben dieses edlen Franzosen ein'.ewiges Denkmal der Menschlichkeit. Er ist -das Herz „der freien Seelen aller Völker, die kätupfen, leiden und siegen' werde«".. Sein „Johann Christoph" ist die Symphonie des Lebens Md Kampfes der ganzen Generation. Mit einer goldenen Wtztze der Gerechtigkeit wiegt er. die menschlichen Schicksale. Wrr erlebet! hier das E-tvigkeitsprobletn des Kampfes zwischen dem Alten uni) km Neuen. In die sein Werke wie in seinen heroischen Biographien, in den Trauten und Effays ist Rolland immer der feinsinnigste Durchleuchtet: der tnettschlichrn- Seele. Stets die Symphonien des kämpfenden Menschen schreibend, verkündet er die Menschlichkeit. Er Üetmt nur „ein.Heldentum auf der Welt, die Welt zu schon rvie sie ist und fie zch lieben". Rolland sa.h den Krieg hewnnahen. Er warnte. Die Menschen aber überhörten geflissentlich seinen Wn'tmngsruf. Eine kleine'Gruppe Gleichgesinnter wußte, wer Rolland ist. .1912 war sein „Johatiu Christoph" schon fertig, in Paris konnte, mast nur schwer erfahren, wer Romain Rolland ist. Seit jeher hat sich menschliche Erkenntttis langsam durchgerungen. Niemand weiß das besser als Rvllattd selbst, wenn er schreibt, „idaß der Mensch unvollkonnnen ist". In der Zeit des organisiertetr Massenmordes blieb Rolland immun gegen die Kriegspsychose. Er blieb das Gewissen der Welt, der Retter der Ehre der Welt, der einzige Gerechte, um dessen willen Gott Sodom und Gomorra verschonen sollte! „Glück kann nur in der Bekämpfung des Bösert tttib im Lindern des Leides bestehen." Er will vott Genf aus mitten im Kriege den Frieden organisieren. An die geistigen Führer der-Völker wendet er sich, sie au ihre menschliche Aufgabe zu erinnern. Vergeblich erhebt er seine Stimme, ähnlich dem Held in der Nettnten Symphonie Beethovens, der durch _Wiener Morgerizeiinnq_29. Ianucr En_fcfti » Der WWe «ationalrat bei Kolonel Symes. Bor der Sautt.on'erun» des Wische« Semeladegese-er. — Pie Subventionierung der jüdischen SchMwelenr. — Sine wirtschaftliche Sag«e.e. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Jerusalem, 26. Jauner. Dieser Tage wurden die Mitglieder des jüdischen Nat'.onalrawS Tr. David Dell in, Tr. I. Thon und I. Hast rom Generalsekretär ixe stinarcgierung, Kolonel Symes, empfangen, mit dem sie die aktuellen politischett Fragen besprachen. Bezüglich des Gcmeittdegesetzes gab Kolonel Symes bekanttt, daß der Erlaß des Staatssekretärs für die Kolonien in Lottdon, mit welchem der Oberkommissär bevollmächtigt wird, die die einzelnen Gemeinschaften betreffenden Gesetze zu sanktionieren, soeben herabgelangt sei und irr den nächsten Tagen amtlich verlantbart werden tvird. Es sei daher zu hoffen, daß vintten kurzem aus Grund dieses Erlasses das Gesetz über die jüdischen Gemeinden itl Erez Israel int Sinne der wegen verschiedener Acnderungeu mit der Regierung gepflogenen Verhandlungen veröffentlicht werden wird. Kolonel Symes katn auch wieder auf die Schulstage und den Anteil der Regierung an der Deckung des Budgets der jüdischen. Schu'en zu sprechen. Die Mitglieder des Nationalrates empfingen dabei den Eindruck, daß auch diese Angelegenheit, wettn auch nicht in den nächsten Tagen, so doch bald einer Regeluttg zugeführt werden wird, da die Regierung tatsächlich den Willen hat, zu den Ausgaben der jüdischen Schttlen in größerem Maße beizutragett. Bedeutsam lvar die Aussprache über die allgemeine wirtschaftliche Situation int Laude und besonders in Tel-Aiv'w. Tie Mitglieder der Abordnung unterrichteten den Generalsekretär über den Plan, in der nächsten Zeit eine Etiquete über diese Frage einzuberufen. Dieser Wirtschaftsrat hätte schvtt früher zusammentreren sollen, doch mußte die Durchführung der Aktion wegen der vorgenommenert Wahlen in den jüdischen Natiottalrat verschoben werden. Es wurde im Laufe der Aussprache von allen Seiten hervorgehoben. daß das Wichtigste in solchen Fällen sei, sich vor Nebertreiöungen zu hüten, und daß die kompetenten Faktoren nicht aus dem Gleichgewicht fallen. Kolonel SymeS. führte das Beispiel der tv'rtschaftlichen Krise in Aegypten im Jahre 1907 an. Auch damals habe die Angstpsychose viel mehr zur Steigerung der Krise beigetragen als die wirklichen wirtschaftlichen Ursachen. Tie Mitglieder der Abordnung erk arten, daß der neue Maad Leumi sich mit dieser Frage eingehend und gründlich befassen und dann mit der Regierung die erforderlichen Verhandlungen Pflegen werde. Eine Zv-Mittionen-Dollar-Arrleihe für Evez Israels London, 28. Jänner. In hiesigen zionistisck)en Kreisen verlautet, daß aus Grund der günstigen Berichte von Henry Morgentyau über Palästina sich die Bankiers Felix W a r b tt rg, L e h m a n tt und der Philanthrop Julius Rosenthal bereit erklärt haben, einen P.'an über eine IO-Mittionen-Dollar-Anleihe für Palästina ausznarbeiten. Diese Summe soll in Kreisen jüdischer Bankiers gegen entsprechende Sicherstellungen aufgebracht tverden. Eine Bestätigung dieser Nachricht von offizieller zionistischer Seite ist bisher noch nicht erfolgt. Bialik in London. Ter Dichter über die jüdische Renaiffance. London, 2d. Jänner. Äialik ist, wie schon bericMl, aut Mvtttag in einem Massenmeeting vom jüdisckM Publikum mit Begeisterung entpfangetr tvordeu. In eirrcm Gespräch mit dem Vertreter der I. T. A. sagte der Dichter: „Ich bin nicht befähigt, Eindrücke schnell zu verarbeiten. Jckt. e i n B a u er 00 tt N a t u r, stehe in Demut vor sein großen Werk dw b r i t i s ch e n Zivil: s-a t: o tt. Aber auch, angesichts dieser gewalngen Konzentration von Kultur und Zivilisation in der.Hauptstadt des britischen Reiches, denke ich nicht geritlger von unserer b e s ch e i d eiten P o s U tion itt E r e z Israel, denn Palästina ist an sich etwas Einzigartiges; was dort geschieht, gewinnt'E'w igkeitswerl. Vor etwa KM Jahren haben sich einige arm-e Stämme in diesem Lande, das ebenfalls arm und unbedeutend war, niedergelassen. Umgeben vonstolzen und mächtigen Nationen, haben sich diese Stämme dennoch ihre, eigene Zivilisation geschaffen und eine Lehre befestigt, chie der Ausgangspunkt der religiösen u n d e 11) i s ch c tt K ü l t u r aller N ationen geworden ist. Itt einer späteren.Zeitepoche waren es wieder nur -10.000 Juden, dir aus der Verbannung nach Pala.-. stina zurückkehrlen und ein zivilisiertes Reich atlfbauten. ES ist mein ftster Glaube, daß das zweimal geschchene Wunder sich zum dritten MaIc wiederhölen tvird und daß die' Wiedervereiniguttg des Volkes mit dem Lande der Welt eine Freiheitsbotschaft bringen wird. Alles, was in Palästina getan wird, befestigt unfcre Hostst unng auf die Wiedergeburt. Auch jetzt schaffet: tvir uns eine eigene Zivilisation, die keine Modelle hat, sondertr in der jüdischen Persönlichkeit tvnrzelt. Es wäre dem Genius Großbritanniens Vorbehalten, die dritte Rückkehr der Juden nach Palästina^ zu verkünden. Wer «weiß, was dieser Vertrag, der zwischen der stolzen und großherzigen Nation und dein üvigen und alten. Volle geschlossen wurde, der zivilisierten Welt an Werten bringen wird!" Gr«nd Min Chaim Rahrnn besucht Ere,r Israel. Ans Alexandrien wird uns berichtet: Der Groß-- rabbmcr von Aegypten, Dr. Chaim N a h n nt, wird anläßlich des kommenden Pessachftstes an der Spitze einer großen Reisegesellschaft nach Erez Israel; reifen und die Pessachtage itt Jerusalem verbringen. - An der Resse tverden viele der angeschenftert Juden in. Aegypten teilnehnten, die die großen Erfolge der jüdischen A u 's b a u a r b e: t int Lande ans eigener Anschauung kennen lernen tvollen. Dieser Reise wich, schon in Erinnerung an die frühere Haltung des gewesenen Chacharn Baschi der Türkei, Chaim Na hum, gegenüber dem Zionismus, große Bedeutung beigemessen. Andererseits darf nicht tibersehen werdet:, daß die Einschaltung der geistigen nnd^ wirtschaftlichen Führer der Juden Aegyptens in die aktive Aufbauarbeit für die wirtschaftliche Entwicklung Erez Israel« einen außerordentlichen Gewinn bedeuten würde. seinen von Güte getragenen Ruf: Freunde, nicht diese Töne!" das Chaos der entsesselien Leidenschaften zu entwirren strebt. Dioser gequälte Aufschrei eines leidenden Menschen verhallte ohne Echo. Rolland zog sich nicht zurück. Er organisierte den dtampf gegen die Giftgase. Tausettde von Menschen wissen <tuch nicht, daß die Jnsormationert über Kriegsgefangene, Vermißte von der Hand dieses Edlen stammen, der unermüdlich war int Litldern von Leid. Rolland, der Mensch, blieb treu Rollartd, dem Dichter. Seine Tat blieb treu seinem Wort, als ewiges Tenkmckl, „daß das Be>ste int Menschen in der wuttdervollen Fähigkeit liegt, die Wahrheit zu suchen, sie zu erkennen, sie zu lieben und sich >hr 51t opfern." Bon Wahrheit und Gerechtigkeit beseelt bleibt Rolland auch dort, wo er die Judenfrage berührt. Wenn er auch über tltls Inden nicht intmer das Richtige findet, bleibe doch fostgehalten, daß ihn weder Liebe noch Haß leitet, einzig und allein der edle Drang zur Gerechtigkeit. Es entspricht nicht der jüdischen Seele, der Rolland die Mission zttschreibt, „in der Fremde zwischen den Völkern das Netz der, MenschlichikeitSgefühle zu spannen". Eirr wahres Weltbürgertum, soll es segensreich sein, muß eben dem Weltbürgertum Rollands verwandt sein, welches organisch in seinem Volksbewnßtfettt ankert. Unser Weltbürgertum kann nur durch ein jüdisches Palästitta segensreich werden. Bon intuitiver Einfuhr lnng in die jüdische Seele ist Rolland, wnm er ihre Güte sieht. „Bon allen Tugetlden lassen die Judett die Güte am ehesten gelten." Rolland war mit einer Jüdin verheiratet, und im Hause seiner Schtviegereltern konnte er auch jene fmnzösischen Assinlilationsjnden beobachten, „die sich französischer als die Franzose« selbst" gebärden. Ter entwurzelte, heimatlose, felbstzerfleischende Heine sprach vom „Unglück, ein Jude zu fein". Ter in der französischen Heimat verwurzelte Rolland a.nttvortet, „daß eö ein weit größeres Unalück sei, ein Mensch zu sein"! Tulo Nussenblatt. Einstein an Rolland. In der von den Freunden des Dichters ztr seinem Geburtstag hergestellten Festschrift,» in der die besten Menschen des geistigen Europa ihnt Glück wünschen, findet sich der folgende Beitrag Albert Einsteins: Berehrter Meister! Ein einziges Mal habe ich Sie mit leNicheu Augen gesehen, als Sie troch unter dem frischet: Eindruck des Ausbrechens der europäischen Katastrophe standen, ein Einsamer, Sehender, mit den Menschen unsäglich Leidender, bedrückt ditrch das Bewußtsein, tticht Licht schaffe» und erlösen zu könnet:. Nie haben Sie vollett Trost darm finden können, durch Ihre hohe Kunst und Ihr Wort'atrf.die fein Organisierten zu wirken; Die wollen der menschlichen Kreatur helfen, die in selbstgeschasfenettt Elend schtttachtet. Die rohett Massen tun ihr Werk aus dumpfen Leidenschasten heraus, bencit sie und die sie verkörperttden Staaten völlig untertan sind. Sie rasen gegeneinander itt ihrent Wahtt und treiben einander ins Uttglück; aber sie vollbringen int großett und ganzett ihre Greuel ohne rnneren Zwiespalt. Die Wenigen jedoch, die an dem rohen Fühlen der Massen nicht teilnehmen, sondern unbeeinflußt vou Leidenschaften am Ideal der Menscherüiebe hänget:, tragen weit schwereres Los. Sie tverden atrs ihrer Gesellschaft ausgosioßen und mie Aussätzige behandelt, wettn sie nicht Taten «begehen, gegen die ihr Gewissen sich ausbäumt, und feige verschweigen, was sie sohett und fühlet:. Sie, verehrter Metster, haben nicht geschwiegen, sondern gelitten, gekämpft und getröstet wie eine große Seele. In dieser für uns Europäer so beschätnenden Zeit Hai cs sich gezeigt, daß Athletik des Geistes nicht schützt gegen Kleinheit der Seele und barbarisches Empfinden. Ich glaube, daß edle, menschliche Gesinnung in den Universitäten ttnd Akadentien tticht 'besser gedeiht als in. den Arbeitsstätten der' ttngekannten stummen Mannes aus dem Bolle. Heute grüßt Sie die Gemeinde derer, die in Ihnen ein leuchtendes Vorbild sehen. Es ist die Gemeinschaft der einsamen Menschen, die immun sind gegen die Epidemietl des Hasses, die itt der Abschaffung des Krieges ein erstes Ziel der moralischen Gesundung der Menschheit erstreben, das chnen unvergleichlich wichtiger erscheint als oas Sonderintereffe der eigenen Nation oder des eigenen Staates. Albert Einst«;«»

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