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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-28 · Heft 2490 (28.1.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2490 (28.1.1926)
Date
1926-01-28
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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«fc tm am ■ lu7ivilf ^T^WTTTttu^ WseWNk MsVMWM^vO Ae Hakeatteuzftudenten. KommMremn an der SeNhaadelrhochschnle. — Für heute Fortsetzung aageMadkgl. Dl« Hochschulfür Welthandel war am Dienstag /itvieder der Schauplatz von hakenkreuzlerischen Krawallszenen, die sich Hegen den j!rtt langer Zeit bei den Nationalisten in Verruf geratenen Rektor Gruntzel richteten. Er hat die Anbringung eines Anschdgkastens der Deutschen Gesellschaft für Rassenpflege untersagt. Dies war von den HaLenkreuzblättern zum Anlaß einer widerlichen Hetze gegen den Rektor genommen worden. Die Szenen, die sich vorgestern an der Anstalt abpielten, schildert der Rektor selbst in folgen- 'der Weise: „Der Führer einer kleinen radikalen Gruppe. Robert Äärber, hat den Versuch unternommen, mein« Vorlesung durch unanständiges Benehmen zu stören, indem er, in 6ct Bank rlehetld. Zeitung las. Ich erteilte ihm einen B e r w c S 6, konnte aber meine Vorlesung ruhig zu Ende halten und ebenso die folgende Vorlesung. Auf den: Gang kam es dann später z» einer Auseinauderseyung zwischen der kleinen!'l:ra-radikaleu Körber-Gruppe und den übrrgeu deutschen Ltudenten. welche selbst daß Vorgehen KörberS verurteilten und -ihnz Dorwiirse machten. Ich mutzte sogar mäßigend elnmirkeu. wüst wäre es Körber wahrscheinlich schlecht ergangen. Korber zog dann mit seinen Anhängern in die Aula, wo ne ein Lieb sangen. Nachdem ich die Hochschule bereits verlassen hatte, machten sie den Versuch, in aas gesperrte Institut zur Pflege deutschen Wissens gewaltsam e i n z uv r ingen. Der Kanzteidirektor setzte durch sein energisches Auftreten diesem Beginnen m- Ende, indem er den Studenten vor Augen führte, daß sie im Begriff« seien, eine strafbare Handlung zu begehen. Die Gruppe zog unter der Drohung, am Freitag wird er zu kommen, ab. Di« Studenten hatten außerdem nach den Äuseinan'aersetzungen aus vem Gang in dem Hörsaal 7 nne Versammlung einberufen. Ich bin dort erschienen und habe oie Studenten aufmerksam gemacht, daß dir Abhaltung einer Versammlung nicht gestattet ist und habe dem Redner ebenfalls einen Verweis erteilt." Dos Tagblatt der Hakenkreuzler ÄnterMht bk Drohung Sffe Körber-Grupp«, indem es schreibt: „Angesichts solcher Vorgänge an einer Hochschule, wo der Rektor sewst immer der Provokateur unliebsamer Vorfälle ist, muß man wohl fragen, wieso es möglich ist, daß ein solcher Störenfried der akademischen Würde noch weiter aus seinem verantwortungsvollen Posten verbleiben darf. Mit seiner Entfernung wäre der Ruhe auf der Hochschule für Welthandel jedenfalls sehr gedient und besonder- Tagesbericht. eittRdit verteidigt feine Neorle. Sie nnb«ibibetI>4feU tut AchiMchwIMl«». Ans Berlin wirb uns gemeldet: Professor Akbert Ein« ft c i it setzte sich im mathemaiisch-physikakischen Seminar der Berliner Universität mit den Versuchen deS Amerikaners Mir!« l e r ausvinander. Diese Versuche betreffen, wie bekannt, die Schnelligkeit des Lichtes. Di« Grundlage der Gin» steittschsn Relativitätstheorie bildet der Versuch Michelsonr, der sestgestettt hat, daß die Lichtgeschwindigkeit unvarändert ich ist. Der Amerikaner behauptet nun, durch seine Versuche diese Feststellungen MichelsonS widerlegt zu haben. Wie Einstein in seinem Bortrage ausführt«, waren die Ver- Achsanordnungen Michelsons prinzipiell dieselben wie die von Miller. Im Gegensatz zu dessen Versuchsergebnissen hat aber der Heidelberger Physiker Tomaschek mit einem elektrodynamischen Experiment die Unveränderlichkeit der Lichtgeschwindigkeit und damit die Grundlage der speziellen Relativitätstheorie b e st ä t i g t. Auch wiesen die an sich bemerkenswerten Ergebnisse Millers Unregelmäßigkeiten in den zu berechnenden notwendigen Veränderungen auf. Vermutlich ist dabei «me Fehlerquelle übersehen worden. Schließlich ist die allgemeine Relativitätstheorie durch optische Versuche bestätigt worden. SrSvdunasfeler der Milchen Geweint» to Siohenbnrg. Dke Stadt des Rabbi Mel«. Die jüdische Gemeinde in Rothenburg v. v. Tauber beging dieser Tage die Jubelfeier ihrer 50jährigen Wiedergvündung, verbunden mit dem 60jährigen OrtSjubiläum ihres Lehrers, Herrn Moses H o f m a n n. Herr DistriktSrabbiner Dr. H a n o v -e r (Würzburg) hielt die Festpredigt in der Synagoge. Am Abend des Iulbeltages versammelte sich die gesamte Kultu-gemeinde zu einer iveltlichen Feier. Der erste Vorstand, Herr Theodor Mann, be- - grüßte. die greise Witwe H e y m a n n, deren verstotbener Gatte der erste Jude war, der sich im Jahre 1870 wieder in Rothenburg niederließ. Hieraus feierte er die Verdienste des Lehrers Hofmann. Die „Bayerische Israelitische Gemeindezeltung" bringt aus Anlaß des Jubiläums einen interessanten illustrierten Festartikel, m welchem es unter anderem heißt: .W'.edergründung! Denn die leider mit Blut und Tranen geschrieben« Geschichte der jüdischen Gemeinde in Rothenburg gcht viel weiter zurück und reicht mindestens bis ms frühe Mittelalter. Bereits im Jahre 1180 wurde eines Juden von Rothenburg, Samuel Bischof, Lrwähnm»g getan, der in Würchuvg Zeugnis abzulegen hatte ... Um die Mi'tt« des 18. Jahrhunderts war die Mische Gemeinde schon so erstarrt, daß sie den Meutendsten Rabbiner Deutschlands, Rabbi Meier den Baruch, genannt M a h a r a m, zu ihrem geistigen Führer berufen konnte ... Im Frühling deS unglückseligen Jahres 1208 war gegen die Juden des fränkischen, nahe bei, Rothenburg gelegenen Städtchens Nöttingen die Beschuldigung laut geworden, sie hätten eine Hc st ie geschändet; bald darauf erhob sich der Edelmann Rind« fleisch und erklärte, er sei vom Himmel aufgefordert, an den Huden Kgche zu ztehUW,,A M« Wj M tzM KB allen Deutschen, die in der Betrauung dieses Mannes mit der Führung einer deutschen Hochschule eine schwere Schädigung des Ansehens'unserer Hochschulen sehen." Man da-rf also wohl annehmen, daß diese Szenen sich in verstärkknr Maße wiederholen 'w.-rden und daß der Rektor einen schweren Stand haben wird. Was wirb di« Regierung unternehmen? Alkolio'sreler gndeaha». Ein wackerer Mann bringt in der Münchener „Neuen Zeit" den völkischen Brüdern ein neues probates Mittel in Vorschlag, welches sie im Kampfe gegen di« „von maßgebender Leite als die minderwertigste anerkannte Raste", nämlich gegen die Juden, stärken soll. Der Mutige fordert nicht mehr und nicht weniger, als daß sich die Anti» s e m i t e n i> e s Trinkens enthalten. Wie gewagt solch ein Ansinnen ist — besonders in München — fühlt der Artikelschreiber und tut rasch die zu gewärtigenden Einwände ab: Man sage nicht. Rauch» und Rauschgift« wären beut« za nebensächlich, um neben bas Judentum gestellt zu werden. Eine wirksame Bekämpfung des Judeninms kann nicht durch SclyvSchlinge geschehen, sondern muß als Grundlage unbedingt eine sittliche Erstarkung des arischen Menichen zur Voraussetzung haben." Air stimmen mit den: Autor darin überein, daß die Antisemiten die Rauschgifte nicht als zu neben ächlich behandeln mögen, um „neben das Judentum gestellt zu werden", wie er sich im besten Schriftdeutsch ausdrückt, und versprechen uns von solcher Enthaltsamkeit ein« sittliche Erstarkung, welche hakenkreuzlerische Friedhofs- und Tempelschändung sowie niederträchtigen Meuchelmord ausschließt, wie er an Rathenau begangen wurde. Aber der Antragsteller war wohl selbst dom grauen Elend befallen, wie es sich nach reichlichem Genuß süffigen Stoffes einstellt, als er die Behauptung niederschrieb, daß der Bölkermördet Aloköhol — ein Kind des jüdischen Geistes sei. Hat er niemals in fröhlicher Runde die Lieder gesungen: „Die alten Germanen saßen an beiden Usern des Rheins ... und tranken noch immer ,Ms", ferner Krambambuli, das ist der Titel"? in ganz Franken über sie her, 110 jüdische Gemeinden sielen ihm zmn Opfer. Die Juden in Nochenburg suchten sich in einem Turm und ihren Häusern zu verbarrikadieren, doch diese Zufluchtsstätten wurden gestürmt und angezündet; zirka 500 der Unglücklichen starben eines grausamen Todes." In den Jahren 1299, 1868, 1897, 1619 war die ckadt Nochenburg wiederum der Schquplatz graurnvoller Judenabschlach tung « n und Judenaustrekbungen. Erst im Jahre 1870 — genau 350 Jahre nach der letzten Vertreibung — machten sich wieder die ersten Inden, Heymann und Strauß aus Niederstetten» in der einst so unduldsamen Stabt ansässig; 1875 ttfttt* # acht Familien, die ein« KultuSgemeinde gründeten, Kn vombrn-Svndtkat. Di« Verhaftung einer 23jährigen Frau und ihres Freundes ln Chikago führte zu der Entdeckung eines regelrechten „Bo mLenfy nd i ka t S", daS feit Monaten erfolgreich operiert« und gegen die verhältnismäßig geringe Summe vpn 100 bis 800 Dollar irgend sin Wohn- oder Geschäftshaus in die Lust sprengte. In der jüngsten Vergangenheit hatte sich das Syndikat besonders das Zerstören der Wohnungen von Schutzleuten, von Friseurgeschäften und Gemischtwarenhandlungen angelegen - sein lasten. Dem Syndikat, daß sich aus zahlreichen Personen zusommensetzt, sind bis jetzt vierzig „Transaktionen" nachgowiest» wocken. Die erwähnte junge Dame, Lena Schrock-Riee, und ihr Freund, Frck» Wamq uist, präsidierten der Gesellschaft. Die Dame war deS Lebens am häuslicher» Herd überdrüssig geworden, war ihrem Manne davongelaufen, hatte ihm die drei Kinder, die der Ehe entsprossen waren, in Michigan zurückgelasten und war mit Wanquist nach Chicago geflohen. DaS Paar wurde von der Poli^i, auf di« Angaben eines früheren Mitgliedes des Syndikathin, in der Nähe oines Eisengeschäftes verhaftet, das um Mitternacht mittels einer Bombe aufgelöst werden sollte, in Anbetracht besten, daß seine Besitzer es am Sonntag ofsengchalten hatten. Wamqnist und seine Freundin erschienen kurz nach Mitternacht. Die Dame ließ ein hübsches, rundes Paket fallen »nch sprang m ein Automobil. Der Chauffeur versuchte zu entfliehen, di« Polizei enttvickelte aber ei»» lebhaftes Feuer und fing bi« Bombenindustriellen. Unterdessen explodierte die Bombe, zertrümmerte di« FroM des LchenS ui» die Fenster der näheren uird werteren Uwgebung. Radio Wien aas »Ul« 89«. Der mue Großsender der Ravag. A» einer gestern stattgesundenen Prestekonserenz erstattete der technische Leiter der Ravag, Pwf. Dr. Schwaiger, einen Bericht über den neuen Großsender am Rosenhügel, der a»n 30. d. in Betrieb gesetzt wird. Der neue Sender ist gegenwärtig der größte -in Europa. Mit Röhrenapparaten werden die Wiener Scndungrn sogar bis Konstüntinopel, Girgeiiti und Tromsv gehört. Mit Detektorapparaten werden die Wiener Sendungen bis »n Brünn und Olmütz gehört. Die Energie des Senders lst zehnmal so groß air die dtS alten Senders im Kriegsministerium. weshalb natürlich die Enlpfangsvechältniste in Wien »resrntlich bester werden. Nur d'e Abonnenten in der Nähe!vs Heeresminiskeriums klagen über m«'Wr M GMvMMiMe. )&i M gus die EMMA .: 28. Mnmr m <2tm hermisbockm □ 10 0% reines Fett aus Kokosn ti ssen . AUld, KÜMEROLWERKE A.G WIEN apparate, di« aus den a.:en Sende: «^gestellt sind, zurückzusühreu ist. Der neue Sender wird auf Wellr 5^0 arbeiten. Der Bau des neu-n Studio in der Jo Hannes za sie :si mchczv vollendet und w'A :n wenigen W^ch>n dem Bstriw .lbcrgckrn werden. Vorläufig wrröen al'o die Vorsührungei noch in» Krirgsministerium, bezv. im Ltranß-Lfnner-Saal erfo'^n. Rach >i/nr Re'erat wurden noch Äer:chtr über *>>.? AuSgestai^.rag vss SerLeprog«mmrS »rfta t:'. Sen Bater getötet. Aus Leipzig wird gemeldet: In der vergangenes Rächt wurde der Landlvitt Reinhold Schirmer in Delitzsch von seinem Sohn durch zwei Schüsse getötet. Der Tat dürste, wie die „Leipziger Abendpost" mitteilt, ein Streit zwischen den. beteiligten Personen vorangegangen sein. Schirmer kam in angetrunkenem Zustand nach Hause und griff seine Frau 1 ä 1 lich an. Auf ihre Hilferufe eilte der S o h n herbei, der in seiner Bedrängnis den Vater durch zwei Schüsse tötete. Der Sohn, dem eingutes Leumundszeugnis ausgestellt wird, wurde verhafte-» ein eltiftcinlg«« Mentöalg. Au8 Prag, 27. d., wird gemeldet: Ein einbe iniger Jnvalrde namens Fischer veranstaltete vor einem geladenen Publikum von Aerzten, Journalisten und Sportsleuten eine Vorstellung, bei der er Beweise seiner abnormalen Körper kraft gab. Aehn lich wie Breitbart bog erschwere E i s e n st a u g e n. Ferner ließ er sich von zwei Männern eine 160 Kilogramm wiegende, Eisentraverse, die &■ Bauten verwendet wird, über dem Genick bi egen. Italien - 42;115.686 Anwohner. Kam, 27. Jänner. DaS Presseamt des Regierungschefs, teilt den Blättern mit, daß auf Grund einer statistischen, vom Regierirngschef angeordneten Unrersuchung die Bevölkerung de- Königreiches.Italien am 31. Dezember 1925 sich auf 4 2,115.6 0 6 Einwohner belief. Seit der letzten Volkszählung vor vier Jahren hat sich die Bevölkerung Um ettnr drei Millionen vermehrt. -er 99. Geburtstag SKMmsw«. Ei« Schreiben DubnowS an daS Berliner JubilSnmSkömitee. Der repräsentative jüdische Historiker Sch. Duünow hat an das Berliner Jubiläumskomitee für Dr. Chaim SchitlowLkh das folgende Schreiben gerichtet: „Geehrte Freunde! In Anspruch genommen durch beschwerliche Reisen durch ferne Zeiten und Länder, ist mir zu meinem großen Bedauern die Möglichkeit genomnren,, der Feier zu Ehren unseres Volkstribunen Dr. Schitlowsky beizuwohnen. Ich begrüße unseren Jubilar als einen der ersten Känrvfer für die erhaberie Synthese von jüdischem Nationalismus und reinem Hw Monismus. Sehr schwer war es, einen solchen Kampf zu führen in einer Zeit, da unter dem Zeichen eines falschen Humanismus und falschen Nationalismus in allen Län dern die niedrigsten Instinkte erwachten: die knechtische Anlehnung an knechtische Völker von der einen Serie, der ungezügelte Chauvinismus unter den herrschenden Nationen von der anderen Seite. Einzig die Vereinigung der jüdischen nationalen Ideologie mit der Befreiungsbewegung aller nationalen Minderheiten hat es der Welt klar gemacht, daß uns«r Nationalismus mit den höchsten humanistischen und sozialen Idealen, mit Freiheit, Gleich heit und Brüderlichkeit aller Menschen und Völker über^ einstimmt. Gerade in der letzten Zeit hat es sich erwiesen, daß wir nicht das einzige Galuthvolk der Welt sind, {andern daß noch viele Galuthvölker existieren, mit Ivelchen: pit gemeinsam für Selbstbestimmung und nationale' Autonomie kämpfen. Mit Freude «inner« ich mich daran, daß ich auf diesern Wege unserem Jubilar im Verlauf der Jahrzehnte oft begegnet bin, obwohl sich in anderen Dingen unser« Weae lLn».« KL im« mW immex tec dmm taattr

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