Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2486 (24.1.1926)
- Date
- 1926-01-24
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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RL im 3ßT(?it, Äöniikäg Wiener MvrgenHeituns 24. Jänner 1926 SeÄ7 DaSgro BEGINN FEBRUAR imPcbmar BEGINN 1& FEBRUAR JeltH in Berlin. ' Sr «rkkirt den «ngarischen AntisemMm«. Berlin, 22. Jänner. (I. T. A.) Nachdem erst vor stvei Monaten der ungarische Kultusminister Graf Klobelsberg, der Held des Numerus clausus, in Berlin über ungarische Kulturpolitik sprach, dielt vorgestern Graf Paul Teleky, der frühere ungarische Ministerpräsident und Ungarns Vertreter im Völkerbund, einen Bortrag über Ungarns weltpolitische und weltwirtschaftliche Stellung. AMvesend tvaren der Kultusminister Tr. Becker und mehrere maßgebende Vertreter von Wissenschaft und Politik in Deutschland. Im Verlaufe seines Vortrages kam er auch auf die Iudenfrage zu sprechen und erklärte, die aus dem O st e n z u g e w a n d c r t e n Juden Ijätk'u in Ungarn über die dort ansässigen national denkenden Inden die Oberhand gewonnen. Wir hatte!: wieverhol: Gelegenheit, v.n Grasen Baut Tcleky als den gräflichen Prorektor der rassenschützlerischen Pogwmpolitik za kennzeichnen. Im Anslande oersteht er es, dem nrtgarischen , Antisenütismrio ein soziologisch - wissenschaftlimes Mämelchen nmznhängen, aber ,-u Haus: in Ungarn ha: Gras Paul Teleky stets den aktivster: Antifeinitisnlus gepredigt und in jeder Hinsicht gefördert ur:d gedeckt. Er roar von Anfang an nicht nur der Verteidiger des Numerus clausus, sondern auch derjenige, dem. die-Handhabung dieses schmachvollen Gesetzes nie streng genug war. Er ist ml: allen Rassenschützlern und I rre - dentisten so sehr verbairdeli, daß bei der ülufdecknng der Frankenfälschungen und dein: Ausstattern der ersten Nan:cn hochgestellter Magnaten und Politiker als Mitschuldiger und Kompro:ui:ti:rtrr auch Graf Paul Teleky genannt wurde, dessen Verhaftung sogar schon gemeldet worden war. Man fand es in Ungarn selbstverständlich, daß, wenn vor: Rassenschützlern etwas awaezettelt wird, auch Graf Pani Teleky dahinter sein müsse. Die Behauptung des antisemitischen Grasen, daß die eingewanderten Ostjnden angeblich über die „bodenständigen" Juden die Oberhand gewonnen hätten und daß dieser Umstand Len Antisemitismus in Ungarn rechtfertige, gehört genau so in das Reich der Fabeln wie die dumme Ausrede, daß der Numerus clausus keine jndenfein,blich; Tendenz halv, sondern den sozialen Ausgleich bezwecke. Leider ist diese jesuitische Fürsorge für die „bodenständigen" Inden jüdisch-assimilatorischer Provenienz. In Ungarn sowohl wie in Deutschland, wo dir deutschnationalen Inden dem gräflichen Gesinnungsgenossen znstimmen dürsten, und auch hier in Oesterreich' ist der „bodenständig:" Jude als Gegensatz zum Ostjuden dem politischen Wortschatz der mit den magyarischen Assimilanten verbrüderten „Union" entnommen. Lee Budavester KnltnsvrZffdent. Jüdischer Antisemitismus. (Bon unserem Budapester Berichterstatter.) Budapest, 21. Jänner. Sprechen wir wieder einmal von Budapest, aber nicht von den Frankenfälschern. Diese machen uns keine Sorge mehr. Ihr Schicksal ist ein für sie beruhigendes. Sie können, Horthy ergeben, ihrer Zukunft entgegensehen. Sprechen wir lieber von anderen Antisemiten und Fälschern, vom Präsidenten der Budapester Kultusgemeinde, Dr. Alexander Lederer, der sich in seinem unnatürlichen, krankhaften Haß gegen den Zionismus. immer mehr zu einem blindwütigell Antisemiten und Fälscher Von Tatsache:: entwickelt, wenn es sich um eine Sache handelt, die irgendwie mit Erez Israel znsammenhängt. Schrieb da vor einiger Zeit der französische Romancier Pierre Ben o r t einen Roman, der auch in deutscher Sprache unter dern Titel „Jakobs Brunnen" Verbreitung gefunden hat. Die Handlungdes Romans spielt sich zum Teil in Erez Israel ab' mib schildert, nicht einmal immer zutreffend, das Leben m einer jüdischen Kolonie. Die Heldin des Romans ist ein jüdisches Orpheu.nunädchen, das sich irgendwie von seiner Umgebung'losmacht und dank den: Schwung der dichterischen Phantasie des Verfasser« - Ehaluzah in Erez Israel wird. Aber die Kühnheit Beuoitscher Gestaltung kennt keine Grenzen. Tie ans dem Sumpf des Orphemnlebens enlporgetanchte Chatnzah lb|H sich irgend eine Diebstahlsgeschichte zuschulden kommen. desertiert aus der jüdischen Kolonie, stürzt sich wieder in das abgrundtiefe Pariser Nachtleben, um — so will cs der Dichter Benoit — die jüdische Kolonie in Erez Israel vor dein ltntergairg zu retten. Wird ein anständiger Mensch mit gesundem Verstand dielen Roman als eitlen zionistischen Propagandaroman bezeichnen dürfen'? Gewiß nicht. „Iakobö Brunnen" wurde von: großen französischen Filmunternehmen Gkm'iuont verfilmt. Ter Film ist durch viele Länder und Städte gewandert, denn jüdische Filme sind jetzt hoch in Mode. Sp kam er auch nach Budapest, wo er von einen Kinotheater zur Aufführung erworben wurde. Jn Budapest gibt es aber eine Filmzensnrt'ommissiou, von deren Urteil die Bewilligung zu deren Aufführung abhängt. Dieser Kommission gehören außer Vertretern der Polizei, der politischen m:d Militärbehörden auch Vertreter der einzelnen Konscssionen an, die darüber zu wachen haben, daß der zu begutachtende Film keinerlei religiöse Gefühle verletze. Der Korm Mission, die über.„Iakobö Brunnen" zu urteilen haue, gehörten an: Polkswohlsahrtsminister Prälat Joses P a ß. Tinstar- 1 Set Riillberhauptmam im Nett. Sanbennntoefen in Riederöfterreich. Eine äußerst gefährliche Räuberbande hat im Traisen!ak in Niedrrösierreich schon fei: laug:. Z?i: ihr Unwesen getrieben. Mi; Hol;yacken, BeNpiken, Messern und geladenen Revolvern unternahm sie ihre Ranbziige. Gewöhnlich waren die rnrlegeustrn Banerngehvfts das Ziel der Bande. Gewaltsam drangen die Räuber in dir Stallungen ein und führten das Vieh itt die unckiegenden Wälder, wo es geschlachtet wurde. Gegen 30 Rinder und eine große Anzahl von Schafen waren ihnen schon aus diese Weise in die Hände gefallen. Der Gerckarmerie ist es gelungen, der dingfest gemachten Bande eine große Anzahl der von ihr verüb.en Verbrechen, darunter auch einen Naubanfall, nach;»- weisen.. Bisher wurden n c u n P c r s o n c n dem Kreisgerichte S:. .Pölren eingcliefer:. Schon zur II in ft a r z.; e i t!-at sich in der Gegend eine ähnliche Bande, mit M i l i: ä r gwehr e n ausgerüstet, hrrumgetrieben, die förmliche Rwibzüge ''ntern-.rhm. Damals wird: als Rädelsführer der Baude der berüchtigte Einbrecher Johann Eder ftstgenouiuren, der unter anderem den WirtschaftSb.sttzer Michael B a uer i: j c i nd, der ihn bei einem Diebstahl in seinem Gehöft überrascht halte, c r sch o s i e n hat. Johann Eder und einige seiner Komplicen in,irden dünn zu mehrjühr'ger Krrtcrsirase verurteilt, während der Reit der Bande jick austöstc. Auch bei der Bande, die nunmehr erwisch: wurde, war ein gewisser Eder, und zwar der Binder des damaligen BandensichrerS, der 33jährige, vielfach vor-- bcstrafre Schlossergchiist' Dominik Eder, der. Anführer. Auch Dominik Eder Ijar bereite: einen Mord auf dem Gewissen. Er!v.ar es, der im Jahre 1922 den Wirrfchaftsdejitzerssoyn Franz Wewerkt, aus Lilienfeld meuchlings ermordet hat und nachher mit drei Jahren schweren Kerkers bestraft winde. Nach Verbüßung seiner Strafe hatte Eder den Rest seiner Bande wieder gesammelt und neue Ttreifzüge vm.<n:dm:iteti. Einmal hatten sie sich» ans Frauenschürzen schwarz Gesichtsmasken gemacht. An de: Spitze der Bande war damals auch Dominik Wer. Sic hatwn die laue D.'zembernach: in: Freien verbracht und daS Gehöft des Florian Gramm in Schwarzenbach ununlerbwchen beobachtet, bis an: Morgen Gramm und sein Knecht gegen den Ort zu gegangen waren. Dann sind sie ans ihrem Versteck hervorgedrungen. Eder hat ajn Fenster cingeschlagen und die Frau des Besitzers mit dem Revolver bedroht und sie aufgefordert, rh: Geld herauszugeben. Außer der Foau weilte nur noch di: Wirtschafterin Theresia Köberl zu der kritischen Zeit in dem Gehöfte. Während Eder die Gramm mit dem Revolver bedrohte, wurde de- Wirtschafterin Köberl, di: mn Hilfe rufen wollte, mit einer Eisenstange zu Boden geschlagen. Ais Frau Gramm flüchten wollte und, daran verhindert, sich M Wehr setzte, hat ihr ein Mitglied der Tande, der Hilfsarbeiter Friedrich Pa nasch ans Wien, mir ein.m tuchumwickelten Eisrnstück mehrere Schläge auf den Kopf versetzt. Dann war das B e t: durchs sucht worden und dort fanden die Räuber auch, sowie in einem Kasten d 4 e E r s p a r n i s s e des Gramm in hohem Werte. Der Häuptling der Räuber wurde mm in Favoriten ausgekorscht. Er sollte am 20. d. verhaftet werden. Da er an Gelenksentzündung erkrankt ist, sollte er in das Jnquisitewpital gebracht worden. Er lag in einem von . der Eingangstür schwer zugänglichen Batte und setzte seiner Uebersührung in das Spital stärksten Widerstand entgegen. . Er buchte, sich ein großes Küchenmesser, das er in der Hand hielt, in das Herz zu stoßen, wenn sich ihm jemand nähere. Als auch gütliches Zureden nichts nützte, wurde von der Ucbersührung Abstand genommen. Um ein Blutvergießen zu verhindern, wird sie erst durchgeführt, bis sich der Zustand Eders gebessert haben w-rd. bischos Johann C s i s z a r z i k, Universitätsprofessor Elemer Cfaszor und der israelitische Kultuspräsident Dr. Alexander Lederer; den Vorsitz führte Ministerialrat Elek Horvath. Gleich nachdem der Film abgerollt worden war, erhob sich Kultuspräsident Dr. Lederer, um zu erklären, daß er den Film ablehne» „weil er einen so entschiedenen zionistischen Propagandacharakter habe, daß seine allgemeine Aufführung nicht nur kein Nutzen für die Kultur des Volkes bedeuten, sondern ganz sicher eine verhängnisvolle Reaktion Hervorrufen würde ..." Tie katholischen und protestantischen Mitglieder der Kommission tvaren taktvoll genug, dem würdigen Repräsentanten der ungarischen Judenschaft nicht zn widersprechen. So wurde denn „Jakobs Brunnen" für Ungarn verboten. Ein allzu großer Verlust ist es nicht, aber beschämend ist es für die Juden Ungarns, daß sie von solcher: Führern verführt werden. Wenn, hoffentlich in nicht allzu langer Zeit, der mit dem allgemeinen Verfall der Sitten in Ungarn verbundene Niedergang jüdischer Würde in diesen: Lande im Filnr dargestellt werden sollte, dann wird die oben beschriebene Szene in der Budapester Filmkounnissiou ebensowenig fehlen dürfen, wie dir Resolutionskomödie über de:: Numerus clausus und die Berbrudernngsszene zwischen den Budapesicr Lederer-Leuten und den Wiener Univuleuten. ß!ne «»teiWche AniikeMWvnn. Der kürzlich 5:1m Vorsteher der Glyptothek in K 0 P e nh-'gen ernannte Dr. Frederrk Poulsen erzählt in einer 'dänischen Zeitung folgende lehrreich: Geschichte: Die Glyptothek kaufte tvährenb des Weltkrieges von einen: griechischen Kunsthätrdler in Paris namens Janakopulo» eine vorzügliche Ponrätfigur für 50.000 Franken: der Grieche hatte erst 150.000 Franken verlangt, war aber unter den: Druck der Zeitlagc in den Tagen der Beschießung der Srad: Paris von ver deutschen Front aus allmählich mn volle zwei Drittel heruntergegangeu. Sparer, als die Gefahr vorüber war, är.vne er sich gelb und grün über das gute Geschäft der Dänen und schwor ihnen 'Rach:. Unmittelbar nach Kriegsende kam bann des Janakoptuos Frau nach Kopenhagen und brachte in einer Reisetasche außer anderen Aiuiquitäten auch eine mit der ganzen griechischen Götterschar bemalte Schale mir. Das Stück 'wurde genau untersuch: und aus Antrag Doktor Poulsen» für 23.000 Franken angetanst, nachdem auch noch ein deutscher Spezialist für amito Vasen, dem Photographin übersandr wurden, zu Rai: gezogen worden war. Aldann Poulsen die Neuerwervmtg in aller Ruhe unter die Lupe nahm, entdeckte er an den Getvändern der Figuren und au der Formengebung einen Fehler nach dem anderen, und schließlich halte er vierzehn Beweise dafür, daß die Schale gefälscht war. Es stellte sich heraus, daß die Fälschung von einem Griechen 3 e k a $ herrührte, der. obschon selber ungebildet, doch berei:- verschiedene europäische Spezialisten für Basen Himers Lich: zu führen verstanden haue. JanakopuloS konnte sich allerdingseiner Rache nicht lange sveuen, denn er nurßre '.o./.en W.'cky.'ssä.fchungerr ans Paris fliehen und ging in Brastften eiciw prange. Sin neuer Snrdanaval. Achram Bei und seine 36 Frauen. Man kennt die Geschichte von dem assyrischen KöniK S <r r d a n a p a l, der, als ihn das Leben nicht mehr freute, mit seinen sämtlichen Frauen einen Scheiterhaufen bestieg und verbrannte. Jetzt wird aus Konstantinopel etwas ganz Äehnliches gemeldet. Der vornehme Türke Achram Bei wurde schon seit längerer Zeit von den Behörden gedrängt, seinen aus 8 6 Frauen bestehenden Hare m ans zu lösen. Es ' ginge nicht mehr an, daß ein einzelner Herr so viele Damen um sich habe. Achram war außer sich. Schon vom Sammlerstandpuukt aus schien ihm dies Verlangen Hart und unbillig. Was für Mühe hatte es gekostet, die Kollektion zusammenzubringen. Jede Haarschattierung war vertreten, jede Augenfarbe. T-a waren Schlanke für helle Frühlingsnachmittage, Ueppige für stürmische Dezemberabende, Resolute für graue Vormittagsstunden. Da waren Kindische uird Feierliche,' Gänse und Möt-. linnen. Und nun sollte er fortan mit drei oder vier Fycruen, oder sogar — nein, das wäre ja ein geradezu furchtbarer Gedanke — mit einer einzigen anskommeu?! Achram raste, und baute nicht ab. Aber die Behörden ließen nicht locker und drohten end lich mit Gewaltmaßregeln. Achram fing nun an, zu sichten, zu prüfen, zu nmsiern, schwankte unschlüssig hin und her. Mau hätte allenfalls Fatlue 6 weggebcn köttnen, die an den Fingernägeln/kaute, oder Hadidja, die so enorm viel redete, oder Suleika 8, die immer lachte. Vielleicht auch Zubaida, die beständig von ihren früheren Liebeserlebnisscn erzählte. Nein! Farme 5 hatte unentbehrliche Grübchen aus &:u Schulterblättern, Suleika 8 wußte stets die neuesten Witze und Zubaida kennte in einer Weise locken... Achram kam zu dem Ergebnis, daß er seine sämtlichen 36 Frauen mit annähernd gleicher Zärtlichkeit liebte Er empfand feittni Harem als ein unteilbares Ganzes. Ihm erschien die Eirrhe nur als ein kärglicher Notbehelf iür Leute die sich einschränkca mußten. Dennoch rief er seine Gattinnen >u einer Voltoer s a m m l n n g zusammen und stellte ihnen, der Form halber, trei, ihrer Wege zn gehen. Entrüstung war die Antwort. Die Tanten erklärten einhellig, jeder von ihnen genüge ein fünfunddreißigstel Mann vollkommen, ja dies sei eigentlich, bei der ziemlich unerträglichen Art des rnännlichen Geschlechtes, schon reichlich viel. Das Schicksal der westlichen Frauen, deren jedL sich ihr Leben lang mit einem vollen Mann herumschlagerr müsse, reize sie nicht. Sie würden, wenn man sie dazu zwingen wollte, gegen einen solchen Roheitsakt mit allen Mitteln, sogar mn dem Streik, sich zur Wehr setzen. Wenn bei uns der Fortbestand einer glücklichen Ehe gefährdet ist. so genügen zwei Revolvcrschüsse. Achram Be: hätts ein Maschinengewehr gebraucht. Da er keines besaß,