Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2486 (24.1.1926)
- Date
- 1926-01-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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rwmmm&m Sette 2 Dien. Sonnkag Msener MorMzesi««- Zf. Jänner 1926 M. 248» IVf Gesamtverband Jüdischer Hochschüler “ Oesterreichs „JUDEAa, der Seniorenkonvent wehrhafter zionistisch-akademischer Verbindungen zu Wien a. der Akademische Landesverband veranstalten morgen Montag den 25. d. am 7 Wir abends in den Olympiasälen, /., Rotgasse ein zu dem alle jüdischen Bürger sowie alle jidB* sehen Hochschüier Wiens eingt laden werden* Gemeinderat Dr. Plaschkes wird über die ' ft Jüdische Presse“ Rechtsanwalt Dr* Israel Waidmann über die „Minoritätenrcchte im Friedensvertrag“ referieren* «n die Stsniften! In allen Teilen der zionistischen Welt hat, nachdem die erwählten Vertreter der Organisation auf dem Kongreß Grundsätze und Plan sür das Werk des Jahres festgelegt haben, die Arbeit für den Aufbau Erez Israels von neuern begonnen. In Erez Israel selbst regen sich die Kräfte der Alten und der Jungen in schwerem und zähem Ringen. Ueberall im Galuth erwachsen ihnen Helfer. Die Besten und Treuesten wirken im Dienste der Fonds für Siedlung und Landkauf. In Tausende von Herzen hat sich die Sorge und Verantwortung für den Keren Hajessod tief eingegraben. Tausende von fleißigen Händen sammeln die Spenden für den Keren K a j e m e t h. Täglich wird in der ganzen Welt die Botschaft von der Erneuerung unseres Landes und unserer Kultur verkündet. All dieses ist dach Werk der Zionistischen ' Organisation. Die Zionistische Organisation hat das jüdische Volk zu politischem Denken, zur nationalen Würde und Disziplin, zu opfersähiger Bereitschaft erweckt. Die Zionistische Organisation gab dem jüdischen Volke politische Geltung und gab ihm Führer, sie hat dem jüdischen Lande Pioniere, dem Opfergedanken des Land- und des Ausbaufonds Wegbahner gegeben. Erhöhung und Erweiterung der Zionistischen Organisation ist Vorbedingung für die Intensivierung der treibenden Kräfte, die im Dienst des Palästiuaaufbaues wirken. Keren Hajessod und Keren Kajemeth, Tarbuthbewegung und Chaluziuth können nur dort Wurzel fassen, w o die Zionist ischeOrganis ationdurchihrErziehungswerk den Boden vorbereitet. Ter Ruf nach Ausbau, nach Festigung und Erweiterung der Zionistischen Organisation ist allgemein geworden und er steht im Einklang mit den eigenen Wünschen und Forderungen der Exekutive. Aber nur dann kann Besserung und Stärkung erwartet werden, wenn der Exekutive ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden. Zionisten! Dir finanzielle Stütze der Zionistischen WeLtorgantsation ist der Ter Schekel bedeutet Einigung der zerstreuten Teile des jüdischen Volkes in dem zentralen Gedanken des Palästina-Ausbaues. Zugleich ist der Schekel die Quelle, aus der die politische und organisatorische Arbeit der Exekutive gespeist wird. Ergiebigkeit des Schekels ist Voraussetzung sür jede erweiterte Tätigkeit aus dem Gebiete der Politik, der Propaganda, des organisatorischen Ausbaues junger oder schwacher Verbände, der Förderung der zionistischen Literatur und Presse, der Stärkung unserer Jugendbewegung, der Entwicklung eines alle Teile der Organisation erreichenden Jnformationswesens. Das Schekeljahr ist das erste Jahr des vom 14. Kongreß proklamierten einheitlichen Schekels. Nicht mehr im Wettkampf gegeneinander werden die zionistischen Parteien an die Verbreitung des Schekels gehen. Geschlossen und einheitlich werden Zionisten aller Richtungen die jüdischen Massen zum Anschluß an unsere Bewegung ausrufen! Dje Geschlossenheit der Aktion muß i n d e r E rhöhung des Erfolges ihre Rechtfertigung finden. Zionisten! Die zionistische Bewegung hat in den letzten Jahren ungeahnte 'Fortschritte gemacht. Die schöpferische Kraft unseres Volkes hat sich in einer harten Probe bewährt und hat uns die Achtung der Welt verschafft. Aber noch immer ist die Zahl derer groß, die unserem Werke fremd' und gleichgültig gegenüberstehen, ja, an vielen Orten zeigen sich Anzeichen einer neuen Gegner s ch a f t. Erweiset in dieser Zeit d i e E i n h e i t, die Größe und Kraft, unserer Bewegung! Erneuert die Propaganda für die zionistische Idee, werbet neue Kämpfer für die Sache Zions, sichert die Arbeit der Exekutive! Beginnet unverzüglich «Hl der Aktion für den Schekel! Die Exekutive der Zionistischen Organisation: Chaim Weizmann. Nahum Sokolow. London, im Jänner 1926. Rom und ßrez Fsraek. Von Dr. Michael Ningel, Mitglied des polnischen Senats. Unter feierlichem Zeremoniell, in Anwesenheit der Geistlichkeit und der offiziellen Vertreter der italienischen Regierung sotvie der internationalen Diplomatie hat der Papst vor einigen Tagen die „Porta santa" (Das heilige ^or), durch das der Weg zur St. Peterskirche führt, wieder vermauern lassen. Mit Wefctit symbolischen Akt wurde das Anno santo, das Heilige Jahr, geschlossen, das die katholische Weltalle 25 Jahre zu feiern pflegt, sich herbei auf das biblische Jubeljahr stützend, welches die heilige Schrift am Ende der sieben Schruitta-Periode vorschreibt. Gleichzeitig mit dein Anno santo wurde auch di M i s s i o n s a u s st e l l u n g geschlossen, die eine Art „katholisches Wembley" war. Genau so wie das britische Reich in der 'Wembley-Ausstellung seine Arbeit und Größe auf dem Gebiete der Politik und der zivilisatorischen Tätigkeit übersichtlich darstellen wollte, so sollte auch die Missionsausstellung in Rom selbst einen Ueberblick über die Erdkugel vom Gesichtswinkel hes Vatikans aus, /einen Ueberblick über die zivilisatorische Tätigkeit der Mission, ihres. Einflusses und ihrer Expansion geben, be .ginnend im ersten Saal mit Palästina.und abschließend mit den Objekten ans den wildesten Ländern von Afrika und Südamerika. So hatte das Anno santo mit den Hunderttanstnden katholischen Pilgern, die ans allen, Weltrichtungen nach Rout gewandert waren, sowie die Missionsausstellung auch die abseits Stehenden daran erinnert,., welch große und. einflußreiche Macht der Vatikan, nicht nur in religi öser, sondern auch in politischer Beziehung darstellt. Schon die Tatsache allein, .daß beim Vatikan diplomatische Vertreter nicht nur katholischer, sondern auch nichtkatholischer Lande akkreditiert sind, - tft ein Beweis, daß die internationale Diplomatie den Vatikan als politische Macht anerkennt. In Italien selbst ist der Einfluß des Vatikans in den letzten Jahren, seitdem. Mussolini die Politik des Landes leitet, in bedeutendem Mäße gewachsen. / . Der. ZivnisluM Hai ^chou M.,Her;ls Zeiten in seiner schweren .Arbei^- Ere^ Israel, für das jüdische Volk zu erlangen, alle. Bemühungenangewendet, um den von Rom aüsgehendeü Widerstand zu schwächen. Die Unterredung, die H^rz l soirwrzeit mit Papst Pius dem Zehnten, und seinem Staatssekretär M e r r y Del Val hatte, ist in jedem Wort Und in jeder Geste symbolisch. Diese Szene harrt noch des Schriftstellers oder Malers, der sie in einer Erzählung , oder einem Bilde zeichnen würde. Das reale Ergebnis dieser Unterredung war jedoch ein minimales. Im Gegenteil. Der Widerstand des Vatikan wuchs immer mehr, , besonders von dem Augenblick, wo der Völkerbund England das Man dar über Erez Israel übertrug und der Zionismus sich der Realisierung der ersten politischen Etappe seines Programme» näherte. Mit Hilfe des fernen Brasilien begann der Vatikan im Juli 1922 unter dem Vorwände der Verteidigung der angeblich bedrohten christlichen heiligen Stätten einen energischen Kanrpf gegen das Mandat und den Zionismus. Es kain dann jene Klausel zuin Mandat zustande, die . geeignet gewesen wäre, alle Parteien, also auch den Vatikan, zu befriedigen. Es kann jedoch nicht behauptet werden, daß Nom gegenüberdem Gedanken des Ausbaues der nationaler.- Heinistätte für das in der ganzer! Welt verfolgte jüdische Volk Erez Israel, eine freundlichie Neutralität oder eine Neutralität überhaupt an den Tag gelegt hätte. Die aggressive Taktik des, Patriarchen Barlassina und der ungünstige Berichr der Mandatskomnässion im Jahve 1924 wurden voii Nomaus inspiriert. Es verdient hiebei hervorgehoben zu werden, daß damals in der Kommission es der Italiener Theoldi war, der, unterstützt von den Vertretern Spaniens und Portugals, am schärfsten gegen den Zionisrnus ausgetreten ist. Ter Völterburldrat hat dann in seiner in Rom abgehaltenen Sitzung trotz des Einspruchs C h a m berlains, vielleicht unter dem.Einfluß der Tatsache, daß die Sitzung in Rom'stattfand, diesen denk Zionismus ungünstigen Bericht ratifiziert. , . * Während zur Zeit '.herzls bloß das päpstliche Rom sich dein Zionismus gegenüber unfreundlich zeigte, die italienische Negierung und auch König Emanuel selbst, ZIONISTISCHES LANDESKOMITEE FÜR ÖSTERREICH Heute Sonntag, halb 11 Uhr vormittags' Heimat. Kino, Wien, IX. Porzellangasse 19 ' Vortrag Oberrabbiner Dr. Chajes ff Prof. tt ihre wenn auch nur platonische Sympathie für den Zionismus bekundeten, hat sich die gegenwärtige italienische Negierung, seitdem der Faszismus zur Herrschaft gelangte, dem Lager der Zionistenfeinde angeschlossen und hält mit ihrer Unfreundlichkeit gegen den Zionismus nicht zurück. Der Ton der italienischcn Presse und zwar nicht nur der valikanischen, sondern auch der liberalen Organe, die Rede/ die F e d e r z o n i im vorigen Jahr in der italienischen Kammer hielt und die gesamte Politik Mussolinis, bieten den Beweis, daß, wenn auch vielleicht nicht auf allen übrigen Gebieten, in bezug auf den Antizionismus. die Brücke zwischen Vatikan und dem Quivinal bereits geschlagen ist. Andere Gründe leiten natürlich bei dieser .Haltung den Vatikan und andere die italienische Negierung mit ihren imperialistischen Plänen hinsichtlich des Mittelländischen Meeres. Aber bezüglich der unfreundlichen Behandlung des Aufbauwerkes iu Erez Israel, das die Sympathien der ganzen Welt genießt, bewegen sich Papst und Negierung in parallelen Richtlinien. Das Beratungszinnner des italienischen Ministerrats und das Arbeitszinmrer des päpstlichen ' Staatssekretärs G as p a r r i sind heute jene zwei politischen .Zentren in Europa, von denen die aktive Politik gegen das jüdische Nationalheim in Erez Israel ausgeht. Solange der Zionismus nur eiue Idee war und die .Zionistische Organisation. sich hauptsächlich bloß mit der Propaganda befaßte, begnügte sich der Vatikan mit der Nolle des gleichgültigen Zuschauers und ignorierte offiziell den Zionismus. Nach dem Krieg jedoch, als der Zionismus irr das Satdiunr der Realisierung als jüdische Nationalheimstätte eiuirat, hat auch die unfreundliche Neutralität Roms die Formen aktiver (Gegenaktionen angenommen. Znr Zeit Herzls und allgemein genommen bis zum Ausbruch des Weltkrieges, war Paris das Hauptzentrum der antiziomstischen Politik. In Paris wirkte noch die Orientpolitik der beiden Napoleons in bezug auf Syrien nach; der Plan, Syrien zusammen mit Palästina zu erwerben, war vorherrschend. Dank der Aufklärungsarbeit der zionistischen Führer, in erster Reihe von Nahum Sokolow, und dank der geänderten politischen Konstellatiori im nahe-» Orient, hat sich in Frankreich in bezug auf den Zionismus eine vollständige Sinnesänderung vollzogen. Kennzeichnend für diese Aeuderung ist di-' Tatsache, daß der gewesene Außenmniister Pichon das Vorwort zum' zweiten Band von Sokolows „Geschichte des Ziosismus" schrieb und daß vor einem Jahr in Paris die zlonisterlfveundliche Gesellschaft „France Polestine" gegründet wurde, an deren Spitze sich der Präsident der' Republik D o u m ergue stellte und deren! Zentralausschuß H e r r i o t,' P a i n l e b c, Poincare und andere angehören. Es unterliegt keinem Zweifel, daß eine konsequente kluge Aufklärungsarbeit in Rom seitens der Zionisten auch dort die unfreundliche Stimmung gegen den Zionismus allmählich zu ändern verniöchte. Würde der Zionismus als eine religiöse Bewegung auftreten, so wäre . die Gegnerschaft Roms irgendwie erklärlich. Aber als politische Bewegung, die nicht nur eiue bessere Zukunft der Juden anstrebt, sondern auch eine bedeutende Erleichterung der christlichen Völker in Europa zur Folge haben muß, müßte der Zionismus schließlich auch das Vertrauen' der römischen Diplomatie sowohl derjenigen der Negierung, , als auch des Vatikans gewinnen, denn beide, Vatikan und Quivinal, besitze^ die Traditionen der berühmten italienischen politischen Schule, die rächt nur mit den Möglichkeiten, sondern auch mit den poliischen Notwendigkeiten zu rechnen versteh tfnb eine solche Notwendigkeit der internationalen Politik ist heute auch bereits der Gedanke der Schaffung einer jüdischen nationalen Heimstätte iu Erez Israel geworden. Aber, wie gesagt, es ist hieur notwendig, daß in Rom intensive und geduldige Aufklärungsarbeit geleistet werde, besonders, wenn man bedenkt, daß in keiner anderen Residenzstadt Europas die Erinnerungen an die Verfolgungen der Inden so stark rrnd in die Augen ,pringend sind, wie in Rmn. Nicht nur, daß das Ghetto mit allem seinem kleinlichem Beiwerk fast bis zunr Untergang der päpstlichen Herrschaft (im Jahre 1870) bestand, auch heute noch steht der Titusbogen zürn Andenken an die Zerstörung des jüdischen Reichenden Untergang unserer Selbständigkeit und die Vertreibung des jüdischen Volkes in die Galuth. Es ist daher die höchste Zeit, daß die politische Leitung der Zionistischen Organisation Rom mehr Aufmerkanlkeit widme, demselben Rom, das viele Generationen hindurch den Namen „caput mundi", der Kopf der Welt, trug, demselben Rmn, mit dem wir jetzt nach Abchluß des Anno santo einerseits und den Siegen Mus« olinis andererseits •— mit einem sehr wichtigen FaktoG jn der Politik des nahen Orients und hauptsächlich Paästinas zu rechuen haben. fr MMMlwwiffirf'pfw'WtiütimidkmmaFftiwm r ,II1N, «« 1—- --