Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2485 (23.1.1926)
- Date
- 1926-01-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ntsm Bf«*, 8wn>n BOHEME-BAR •m Zoo, Berlin, Hardenbergstf Nr.27» Direktion) N. v Benedito Treitpunkt der Fremdenwelt Berlins s-Uhr »Tee » S©np*r prix fix * CxqaUHe KflA« Kapelle t lc«U.So«j:-B»nd, Milano, ferner det Wiener Humo- Hai Charite WoeBei "" Hebräische Legenden. Tie schweren Steine. ÄlS Rabbi Ham'na der Große aus Babel nach Palästina zog, wollte er wissen, ob er das Heilige Land schon erreicht hätte. Er wog die Steine unterwegs in der Hand, und solange sie sich leicht anfühlten, sprach er: Ich hin noch nicht im Lande Israel. Als er ater danach Steine fand, die schwer waren, rief er aus: Des Heiligen Landes Steine sind diese. Und er küßte sie und laüber sie den Spruch: Deine Knechte haben ihr Wohlgefallen an den Steinen des Landes. Akibas Freude. Rabbi Akiba saß da und weinte am Sabbattage. Da sprachen seine Schüler: Herr, du hast uns gelehrt: Du sollst den Sabbat einen Freudentag heißen. Akiba erwiderte: Das ist meine Freude, wenn ich weinen kann. Die Kleider. ■ Der Sohn Sirachs sprach: Die Pracht Gottes sind die Menschenkinder, das Ansehen des Menschen aber bewirken seine Kleider. Es war einmal ein Frommer, der pflegte, ivenn ec vom Markte nach Hause zurückkam, seine Kleider stets sorgfältig zusammenzulegen. Man sprach'zu ihm: Hast du doch genug Schüler, Hausgesinde und Sklaven die Menge, die statt deiner diese Arbeit verrichten könnten. Er antwortete: Diese Kleider heben mein Ansehen, wenn ich draußen bin; so will ich sie auch in Ehren halten, ivenn ich daheim bin. lAris dem Hebräischen übertragen von R achel 9i a ni° ' bcrg. Entnommen der Sammlung „Der Born Judas", Insel-Verlag, Leipzig.) Arre, Mensche« und Götter. Cme Zeit, die aus den Fugen geraten ist, ivird reich an Wahrsagern, Göttern und Propheten. Madame de Thcdrs und andere alte Kalendarien, Theosophen und Parteien verkünden ihr Schiboleth! * Im Herzen New-Aorks störte die Polizei ein gräßliches Menschenschlachten des Woodroo-Kultes. Weiße erlernten von Negern ein Zeremoniell des Menschenopfers. Diesmal gelang es der Polizei das Opfer zu retten, wie oft mag „das Opfer" schon gelungen sein'? Dieser Kult ist eine Anerkennung seitens der Weißen und eine Vergeltung seitens der Schwarzen. Haben doch dis Meißen die farbigen Brüder mit ihrer (Kriegs)- Kultur beglückt, warum sollten nun die Neger nicht die weißen Brüder mit ihrem (Schlacht-)K u l t beglücken? Menschenopfer waren übrigens seit jeher billiger als Tieropfer! Diese weißen und schwarzen Gottvcrmittler handelten wie Tiere! Im Perlacher Prozeß sind die beiden des Erschießens von 12 Menschen Angeklagten — freigüspwchen worden. Sie handelten ans Befehl ebenso wie jene zur selben Zeit, die Gustav Landauer erschossen haben. Landauer war nur ein Mensch, und er verzieh den menschlichen Häschern mit den Worten: „Ihr wißt , nicht, wie verhaßt ihr seid." * Die Theosophen beglückten die Menschheit mit einem Exckutivorgan Gottes. Krischna-Murti wurde zum Erlöser gewählt. (Biele sind da gewählt, wenige aber berufen.) Krischna von' Annie Besant zum Erlöser erkoren, ist kein Unbekannter. Ein häufiger Gast des Montmatre in Paris, war er ' auch schon Gegenstand eines pikanitten Prozesses. Die Bohemiens des Montmartre wurden schon berühmte Politiker, Dichter, Maler —, warum soll nicht auch ein Erlöser zwischen zwei Schnäpsen gewählt werden können? In einer diktatlosen Zeit ist cs nicht genug einzuschätzen, daß dieser „Erlöser" gewählt und nicht oktroyiert wurde ... TuloNnssenblatt. Sie Faden ans den Philippinen. Gegenwärtig leben in Manila, der Hauptstadt der Philippinen-Jnseln, 80 neu cingelvanderte jüdische Familien sowie 100 noch aus der spanischen Zeit dort wohnende spanischjüdische Familien. Die Hauptbeschäftigung der Juden ist der Handel. Das gesellschaftliche und kulturelle Leben ist jedoch wenig entwickelt, da diese kleine jüdische Gemeinschaft infolge der Entfernung vom Kontinent jedes Einflnsses von außen entbehren muß. Jll den übrigen Siädte» der Philippinen leben, nur wenig jüdische Familien. Rabbiner in Manila ist ein junger galizischer Jude, Israel Königsberg, der als .Kriegs-, gefangener nach Rußland gebracht wurde, von dort nach Schanghai auLlvanderte und sich hier das Rabbinerdiplom erwarb. __ Roikesellll will Die rassischen Kroninwelen laufen. Ans Berlin wird gemeldet: Nach einer Meldung des „Acht-Uhr-AbendblatteS" iuleressiert sich der auierikanischo Milliardär Rockefeller für die rrlssischen Kronjuwelen, die vor einiger Zeit in . Berlin durch deu russischen Botschafter Kreftinski zum Verkauf gestellt wurden und die jetzt in Nachbildungen Paris liegen. Ein russischer Agent wird in föniüchsten Tagen in New-ork cintrcffeh, um über die größten Stücke mit Rockefeller und anderen kaufkräftigen Amerikanern zu verhandeln. Wokft-nEdnq * & Jönner i&6 tfetk H Rätselhaftes , v •■*■■**-,r" Anden von Milliarde«, chmuü. See Man« mit de« /.Seinen. Gestern sind btt Polizei zwei Fälle von rätselhaftem Verschwinden von Kostbarkeiten von hohem Wert angezeigt worden. Die Anzeige wurde von de: Privaten Frau Helene Karpelcs- Tchenker, 19. B.'Z., Kreindlgclsse 6, erstattet. Frau Karpelcs- Schenker hatte gestern um die Mittagszeit ihre Wohnung verlassen und imu in ihrem Privatanio erst zur Schuhfirma Nagv tu der Habsburgergasse, dann auf den Hoheit Markt gefabren; hieraus hatte sie sich mit ihr.m Galten mt Auto in das Antr» quitätcngeschäsr Hilfreich, von dort in das Wirkwareugeschäft Feßler auf der Favoritenstraße, schließlich zu ihrem Bruder Rudolf S t i a ß n y auf, dem Brahmsplatz begeben. Tort angelangt, stellte sie s.st, daß ihr die kostbare Perlenschnur verschwunden loar; daß sic sie vor der Fahrt angelegt hatte, wußte sie. Die kostbare Schnur besteht aus 61 orientalischen Perlen, deren mittelste am größten ist; sie Perlen verlaufen nach den Enden immer kleiner und die Schnur hat immer zwischen Zwei Perlen einen Knoten. Die Schließe ist auS Platin und trügt zwei ungleiche Brillanten. Die Schnur hat einen Wert von 72.000 Schilling. Sowohl eine Nachschau in der Wohnung als eine Nachfrage in den Geschäften als eine Durchsuchung des Autos blieb erfolglos. Wahrscheinlich ist die Perlenschnur beim Geschäft Nagy in der Habsburgergasse himmlergefallen. Ter Chauffeur der Frau Kar- . pel.'s-Tchenker hat, als das Auto dort 'hielt und Frau Karpeles ausgestiegen tvar, gesehen, wie sich ein Rmm beim Anis VAkkch Ki<r etwas aufhob und wiegend in der Hand hielt. Man mutmaßt, daß der Mann die Schnur gefunden hat. Beschrieben wird der Mann als etwa 50 bis 56 Jahre alt, groß, schlank, mit graumeliertem Haar, auffallenden L - F ü ß e n. Er trug dunklen lieberrock, weichen Hut und an der einen Hand einen schwarzen Handschuh. Der Mann war vom Graben gekommen und durch die Habsburgergasse gegen die Burg gegangen. Die zweite Anzeige wurde von der Apothekersgattin Franziska Splichal, 18. Bez., Martinstraße 2, erstattet. Sie hat ln der Zeit vom 19. d. abends bis zum 20 d. früh Schmuckstücke im Werte von 100.000 Schilling vermißt. Frau Splichal hat am 19. d. mit ihrem Gatten das Kinot h e a t e r in der Jörgerstraße 19 besucht. Bei diesem Besuche ha: sie ihren Schmuck angelegt. Ob sie ihn nach dem Kinobesuch nach Hause gebracht und wo sie ihn abgelegt hat, ist Frau Splichal nicht erinnerlich. Kurz: am Morgen des 20 V. vermißte sie ihn. Der Schmuß besteht aus einem Paar Brillantboutons in Srlber- und Plat-infassung, einem großen und einem kleinen Solitär, einem goldenen Ring mit drei großen Brillanten, die a jour gefaßt sind, einem goldenen Ring mit Türkis und rechts und links je drei Brillanten, einer goldenen Armbanduhr, Marke „Omega", die schon einige Male repariert ist, einem goldenen flachen Eh.'- ring mit Gravierung „Heinrich, 15./9. G. g. G. 20.,'4. 1920 g. g." 9er Mann mit den Sonnenstrahlen. Der Richter Sir P.'ter Riß-Borrowin London erlebte eine nicht wenig unangenehme Geschichte, die er seiner Vorliebe für — Sonnenbäder zu verdanken hatte. Er hielt vor einen: Jahre einen wissenschaftlichen Vortrag über die heilende Wirkung der Sonnenstrahlen und bekam am nächsten Tage ein Begrüßungstelegramm vom „S o n n e n st r a h l k l u b", in beni die Klnbleitung ihren Dank für die selbstlose Propaganda aussprach und um die Ehre bat, Sir Riß-Borrow in die Mitgliederliste aufnehmen zu dürfen. Der Richter war gerühr. und gab, nichts Böses ahnend, seine Einwilligung. Er hatte diesen Vorfall längst vergessen, als ihm im Laufe des vergangenen Sommers ein Zeitungsbericht auffiel, der über die Monstredemonstration des - Sonnenstrahlklubs im Hydepark erzählte, die sich zu einem gewaltigen, aufsehenerregenden Skandal gestaltete. Der Klub wählte nämlich zur Propagierung seiner Ideen das — Adamskostüm und marschierte am hellichten Tage in Reih' und Glied, aber splitternackt, durch die Straßen der englischen .Hauptstadt. Am Schlüsse dcs Berichtes stand dann auch bicgenaue Liste der Teilnehmer, gegen die das Polizeipräsidium ein Verfahren wegen Verstoßes gegen die Sittlichkeit eingeleilet hat. Dem sich über den Bericht köstlich amüsierenden Richter Riß-Borrow verging schnell die gute Laune und die Buchstaben begännen vor seinen Augen zu tanzen, als er auf einmal — seinen eigenen Namen in der Zeitung lesen konnte. Natürlich st.llte er Strafantrag gegen den Klub wegen Mißbrauches seines Namens. Jetzt stellte sich im Verlauf der Gerichtsverhandlung, heraus, daß die Polizei nach der denkwürdigen Demonstration eine Hausdurchsuchung im Klub abgehalten und sämtliche Schriftstücke beschlagnahmt hatte. Da man annahm, daß sämtliche Mitglieder am Umzug beteiligt waren, hat man die Mitgliederliste -- was übrigens an sich schon ein Gerichtsverfahren ist — in sämtlichen Zeitungen veröffentlicht. Ter Präsident des „Sonnenstrahlklubs" Erklärte sich dem Richter zu jeder Genugtuung bereit, doch das nützte dem Unglücklichen nichts. Seine Vorgesetzten und Be-, kannten wollten es einfach nicht glauben, daß der Sonnenbadfanatiker in diesen: Falle so ganz unschuldig wäre. 2llles verlachte ihn, und verlacht zu werden ist bekanntlich das schlimmste aus Erden. Borrows Nichterwürtze ging verloren. Jetzt ist Sir Peter in die Provinz gegangen und hat Zeit, über die heilende Wirkung der Sonnenstrahlen nachzudenken. —eich. Dar Skelett im Geldschranl. Aus Amsterdam wird uns gemeldet: Der hiesige Professor Dubais unternahm vor Jahren auf Staatskosten eine Expedition nach N >i ederländ' isch - Indien, mn Gerippe des Bindegliedes zwischen dem Affen und dem Menschen zu finden. Er kam mit einem fossilen Affenmenschen zurück und stellte die Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Abhandlung in Aussicht. Diese ist bisher nicht erschienen. Daß Dubois die Ergebnisse seiner fünfjährigen Reise so lange gchrimhält, macht in der wissenschaftlichen Welt viel böses Blut. Wie cz heißt, hält er das Gerippe in seinen! Geldschra n k v e rs chloss e n, den er im Schlafzimmer stehen hat. Einem Gelehrten aus der Tschechosloivakei. der nach Amsterdam kam, um das Gerippe zu sehen, wuche.die Besichtigung verweigert. Sine ganze -Snsergrnppe in SinSnrzgesahr. Im Berliner Borort Weißeusee. Aus Berlin wird gemeldet: In dem Vorort Weißensee ist eine ganze Hänsergruppe in Gefahr einzustürzen. Rach der „B. Z. am Mittag" hat die Baupolizei bereits die Räumung von 18 Wohnungen angeordnet. In den Häusern sind st a r k e Risse ausgetreten, die auf heftige Etderschütterungen zurückge'iihrt werden, hie von einer in der Nähe befrudlichen Maschinen'''r'k rerursacht würben. In dieser Fabrik werden von einer i'iesiM.^»>'!U/-"e Eüsenlah.iplifstc gepreßt. din hundertfacher Raubmörder. Aus Warschau wird gemeldet: Der Kriminalpolizei in Wilna ist es gelungen, einen mehr als hundertfachen Raubmörder zu verhaften. Es handelt sich um den Führer Risch einer Terrorbande, die seit über 20 Jahren im Gebiete von Wilna zahllose Raubükerfälle verübte. Auf den Kopf des Banden führers waren immer wieder von den Behörden hche Prämien ausgesetzt worden. Die Verhaftung gelang dadurch, daß die Geliebte des Risch aus Rache der Polizei den Ort verriet, an dem der Massenmörder gerade seinen 60. Geburtstag feierle. Mn Mnbrecherlon'ortium anfsedeckt. Aus Linz wird gemeldet: Die Ausforschungsabteilung deS hiesigen Polizeikommandos ist einem weiwerzweigten Einbrecherkonsortium auf die Spur gekommen, an dessen Spitze der in Laakirchen in Oberösterreich geborene 25jährige MfonS Sonntag stand, der verhaftet und dem Landrsgerichte Salzburg eingeliefert wurde. Einer seiner Komplicen sitzt in Wels in Haft, die übrigen sind flüchtig. Es handelt sich um eine Einbrechetbande, deren Tätigkeit bis in das Jahr 1922 zurückreicht uud sich auf Salzburg, Oberosterreich, Niedrrösterreich und Steiermark erstreckte. Sie Kassernsette der Baptisten. Aus London wird gemeldet: In Brokenhill in Rhodesia (Südafrika) begann ein Monstermordprozeß gegen 27 Anhänger einer Kaffernsekte der Baptisten. Ihr Häuptling, der sich für einen neuen Sohn Gottes ausgab, hat 22 Koffern, in der Mehrheit Frauen, bei einer sogenannten Dauertaufe durch zu langes Halten unter Wasser ums Leben gebracht. Andere Eingeborene, die über sein Treiben empört waren, haben den neuen Messias nach langer Jagd gefangen und gefesselt der chodesischen Polizei ausgeliesert. Die Fessel war so tief in das Fleisch eingeschnittn, daß dem Propheten wegen Wundbrandes im Hospital sofort beide Arme amputiert werden mußten. Ser Fragebogen der Kammerrose. Die Schwierigkeiten, die sich der Londoner Hausfrau auf der Suche nach einem dienstbaren Gvist in den Weg stellen, werden durch einen Brief illustriert, der heute als Dokument der Zeit die Runde durch die Londoner Presse macht. Er ist an eine Dame der englischen Aristokratie gerichtet, die eine Kammerzofe suchte, uud enchält folgenden Fragebogen: „Aus wieviel Zimmern besteht dir Wohnung? Ist das für die Zofe bestimmte Zimmer groß, lustig und elegant möbliert? Liegt das Haus der Herrschaft in einem ruhigen Viertel und in der Nähe, eines fließenden Wassers? Besitzt es eine schone Aussicht? Wird mit Gas oder auf dem Herd gekocht? Uud wird die Wäsche im Hause oder auswärts gewaschen? Wir ist das Gehalt? Und die Verpflegung? Sind Kinder vorhanden? Und ist der Parkettfußboden abzuzichen? Wie viele Em-- psangstage hat die gnädige Frau? Was macht sie mit ihren abgelegten Kleidern?" Zum Schluß stellt die moderne Zofe unverblümt die heikle Frage, ob sie auch das unbeschränkte Recht ans das Badezimmer habe. Wie zwei iöttiche Lenchtgasverglstnnse«. Gestern vormittags wurde die 17jährige Hausgehilfin Sophit Gr über an ihrem Dienstorte, Blindengasse 88, in ihrem Bette tot aufgefundrn. Der Raum war mit Leuchtgas erfüllt und der vom Gaskocher abgestreifte Schlauch lag beim Kopf der Leiche. — Die 77jährige Trafikinhaberin Albine Sartorius wurde vorgestern mittags in ihrem von innen versperrten Zimmer, das mit Leuchtgas erfüll: war, tot aufgefnnden. In beiden Fällen dürfte Unfall vor'- liegen.