Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1926-01-21 · Heft 2483 (21.1.1926) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2483 (21.1.1926)
Date
1926-01-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2981549-2981570--25300-3012931
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Herr« I Men, Donner-sa- Bene« Bombardement von Jamaika«. (Eiffondicnst der „Wiener Morsterrzeitunn".) Jerusalem, 19. Jänner. Nach hier eingetroffenen Berichten ha bell die Franzosen das Schagurviertel von D a m a s k u § mit Artillerie besessen und große Verluste an Mens ch e n l c b e n verursacht. Tie Bewohner dieses Viertels sollen nach der Behauptung der Franzosen die Rebellen unterstützt haben. Einem Teil der Bewohner gelang es, sich durch die französischen Linien durchzuschlagen. Ein anderer Teil liegt unter den eingestürzten Häusern begraben. Allch in A l e P p o sei die Lage ernst. Die Behörden haben die Anführer der Wahrboykottbewegung in den Bezirken H a m a und Homs verhaften lasten. Nach einer anderen Meldung Ous Beirut ist das Torf H a m a r e nördlich von Rasbaya von 3M Aufständischen angegriffen worden. Fonveael wird abberufen t Kairo, 20. Jänner. (Reuter.) Aus Damaskus wird gemeldet, daß der französische Oberkommistär de I o u v e n e l in einigen Tagen nachParis abreisen werde, um seiner Regierung Bericht zu erstatten, bevor er den Stand der Dinge vom französischen Gesichtspunkte aus in der nächsten Tagung der Genfer Mandatskommission darlegen wird. Aus diese Tatsache ist wahrscheinlich das -b e h a r r l i ch e Gerücht zurückznführen, daß de Jouvenel durch einen französischen M a r f ch a l I ersetzt werden soll. Frnnchet d'EsPerey leitet die nächste Offensive. Damaskus, 20. Jänner. (Reuter.) Gerüchtweise verlautet, Laß Marschall Fr^nchet d'E s perey die näch ste Offens i v e gegen die Drusen führen wird, die unter großer Äebensmittelnot leiden. In Damaskus wurden weitere Barrikaden gebaut und mit französischen Truppen bemannt, toch ereignete sich in den letzten Nächten kein Angriff von Räubern. Keine französischen Truppenverstärkuntzen. Paris, 20. Jänner. Wie die Blätter Mitteilen, wird im französischen Ministerium des Aeußern erklärt, daß von einer Verstärkung der französischen Truppen in Syrien nicht die Rede sei. Es würden zurzeit nur Mannschaften abaelvst. Oberkommistär de Jouvenel hält die chm zur Verfügung stehenden Truppen für genügend, nnr die Ordnung aufrechtzuerhalten und den Aufstand zu unterdrücken. Jbn Saud besetzt zwei syrische Orte. London, 20. Jänner. (Tel.-Komp.) Nach einer Meldung «tu» Damaskus hat Jbn Saud 6000 Mann zur Besetzung der ihm zugesprochenen, im Gebote von Dfaul gelegenen Orte K a s r e l A f r a k und KariatelMelleh entsendet. Diese durchaus friedliche Besetzung sei, wie Vertreter Jbn Sauds erklärten, nicht gegen Syrien gerichtet. Die Drusen Zollen den Truppen Jbn Sauds eine Abordnung entgegenge schickt haben. Re Führer der Brusen. London, 20. Jänner. (Wolfs.) Die „Times" berichten aus Haifa die Tatsache, datz sich die nationalistische B ew e g u n g immer noch verbreitet und tief eingewurzelt ist, ist ein so ungeheurer Ansporn, daß sie sicherlich eine der wichtigsten Ursachen des amerikanischen Reichtums bildet. Uns Europäer interessiert neben den nationalen, wirtschaftlichen und sozialen Fragen Amerikas vor allem auch das Einwanderungsproblem. Tie Absperrungsmatznahmen, welche Amerika trifft, entstammen nicht nur dem Nationalismus der Amerikaner, die jetzt gerne nur hundertprozentige Amerikaner hätten. Die Einwanderungsbeschränkungen wurden zum größten Teile auch über besonderen Wunsch der amerikanischen Arbeiter erlassen, welche sich dagegen wehren, daß durch die Einwanderung von verzweifelten und gestrandeten Existenzen der ganzen Welt eine Flut billiger Arbeitskräfte ins Land käme, wodurch der hohe Standard of Life der ansässigen Arbeiterschaft notgedrungen herabgedrückt würde. Auch muß die Regierung darauf bedacht sein, einer Elendsmvasion (und was anderes kann heute aus Europa kommen?) zu steuern. Tenn sicherlich gibt es in Amerika neben dem ungeheuerlichsten Reichtum, neben den gesicherten, behaglichen Arbeiterexistenzen auch ungeheuer viel Not und Elend. Aber mit demsäben Pflichtgefühl, mit derselben Ausdauer und Gründlichkeit, welche der Amerikaner seinen Geschäften gegenüber zeigt, geht er auch an die Erledigung seiner sozialen Aufgaben. In Amerika gibt es fast keine kommunale oder staatliche Fürsorge in unserem Sinne. Der Bedürftige ist der Fürsorge der besitzenden Klaffe überlasten. Und mit welcher Generosität erledigt der Reiche diese Pflicht! Für den Amerikaner ist das Geben für soziale Einrichtungen Ehrensache. Er tut dies manchmal mit einer Großzügigkeit, die in Europa, auch an Borkriegsverhältnisten gemesten, keinerlei Beispiel hat. Die soziale Arbeit tvird auch durch die zielbewußte, systematische Aufbringung der Geldmittel sehr gefördert. Alles ist in Amerika organisiert und zentralisiert, so auch die soziale Fürsorge. Dadurch wird dem praktischen Arbeiter eine unsägliche Menge von niederdrückender, erbärmlicher, zeit- und mutraubender Kleinarbeit erspart. Gleichwohl: Nicht die Gegenwart, so groß und überwältigend sie uns auch erscheint — das wahrhaft Große an Amerika ist seine Zukunft. Während für uns alle in Ost- und Mitteleuropa das Wort Zukunft nur eine Qual, ein dunkler Schrecken ist, klingt es für den Amerikaner reich und schön, voller Hoffnungen, voller Entwich lungsmöglichkeilen, voll Macht und Stolz. Er ist der Herr der Welt nicht darum, weil ihm die Gegenwart, sondern deshalb, weil ihm die Zukunft gehört. _Miene* Moröenzeifrrirft_ werde durch die aufeinauderfolgenden Mißerfolge der fra w zösischen D e m ühunge n bewiesen, die Drirsen vor den Mohammedanern und die Aufständischen von ihren Füh rern zu trennen. Die hüupt'Schlichen politischen Führer, die sich gegen die Franzosen im Aufstand befinden, feien jetzt Dr. S cha)- b a n d o r und A b d e l A r s l a n, wHreckd die militärischm Führer DeyhaHayati und Mohammed Ismail feien. Letzterer fei früher in Deutschland auf der Kriegsschule, dann türkischer Verbindungsoffizier nit den deutschen Heeresstellen, später Mitglied des Stalles En der Paschas und schließlich Stabschef Ali R'rza Paschas geivesen. der während deL Krieges den L i b a t o n besetzte. verurteil««« der Aolonfel. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Lemberg, 20. Jänner. In der kürzlich stattgefutldenen Gerichtsvcrhandlung gegen das Dienstmädchen Macke Kala u f e k, die wegen falscher Eidesaussage im Steiger-Prozeß angeklagt wurde, wurde die Angeklagte zu drei Movaten Kerler verurteilt. Die Verhandlung über die Klage, die Ebenfalls ejh Zeuge aus dem Steiger-Prozeß. Thaddäus Flach, gegen Kn Verteidiger Tr. Landau angestrengt hatte, wurde vertag. fleht polnisches Einreisevisum für Sri floh». sEigendienst der „Wiener Morgenzeitung")- Berlin, 20. Jänner. Wie bereits gemeldet, sollte der europäische Direktor des Joint, Dr. Bernhack> Kahn, nach Polen reisen, um die dortigen wirtschaftnchen Verhältnisse der Juden zu studieren. Tiefe Reife/stand auch im Zusammenhang mit den zu erteilenden Subventionen des Joint an die polnische Judenschaft. Der/Hü'sige polnische Konsul verweigerte jedoch Dr. Kahn die Erteilung eines Einreisevisums. Der jüdische Klub wurde bereits über-dieses unerklärliche Verhalten verständigt und um feige Intervention im Außenministerium ersucht. Mische Biademikertagung 1« Pole«.- (Eigendienst der „Wiener Morgenzevung".) Warschau, 20. Jänner. Die Konfererz der jüdischen Akademiker Polens hat unter starker Beteiligung aller akademischen Verbände des Landes beginnen. Zur Beratung stehen verschiedene jüdisch-studentische Fragen. Kanserenr der Wische« Landwirte i» Pole«. Warschau, 20. Jänner. (I. T. A.) Vorgestern wurde in Warschau die erste Konferenz der Veuttter jüdischer L a n d w i r t e und Gärtner ganz Polens «öffnet. Herr Docktor S i l b e r f a r b (Ort) hielt ein Referat über die Gründung eines Verbandes jüdischer Landarbeiter urh Gärtner in Polen, Deputierter Dr. S o m m e r st e i n referierte über die Agrarreform. Auf der Tagesordnung stehen die Fragen der Gründung einer Kooperativbank und eines Vermittlungsbureaus für arbeitslose jüdische Landarbeiter sowie der Gründung von Schulen für Gärtnerei und Landwirtschaft. Her neue sranMche Botschafter in Warschau. Paris, 20. Jänner. (Tel.-Komv) Der Direktor für politische Angelegenheiten am Quai d'Orsay, Laroche, ist zum französischen Botschafter in Warschau an Stelle des bisherigen Botschafters Panafieu ernannt worden. Italien« «aftsreundschaft für die Wischen Studenten. Eine Rede des Rektors von Padua. Aus Padua meldet I. T. A.: Die auf der großen studentischen Feier der z i o n i st i s ch e n Akademiker- Organisatiorr Paduas gehaltenen Reden werden jetzt durch die Presse im Wortlaut bekannt. Außerordentlich interessant sind die Ausführungen des Rektors der Universität Paduf, Prof. Luigi L u c a t e l l o. Der Rektor wies darauf hin, daß schon einmal, jm 17. Jahrhundert, die Universität Padua weit ihre Pforten für Flüchtlinge geöffnet hat. Damals handelte es sich um die /t rite l l e k t u e l l e europäische Aristokratie, die nicht katholisch war. Heute handelt es sich um jüdische Studierende aus Ländern, in denen ihnen die Möglichkeit des Studiums fehlt. Er müsse seine Genugtuung aussprechen über den Ernst, die Diszip11n, die Zuverlässigkeit der Studien der nach Padua gekommenen,/dem jüdischen Volke angehörenden Studenten. ' Der Rektor schloß mit den Worten: „Sie sinsd in Wirklichkeit das auserlesene Volk. In Ihrem Volke haben immer Hirn und Intelligenz geharscht. Bewahren Sie sich diese Eigenschaften und tuen Sie alltzs Erdenkliche für die Zukunft Ihrer Nation und der ganzen Mensch, heit!" j Die Worte des Rektors wurden mit unbeschreiblichem Enthusiasmus aiifgenommen. In besonders Herzliche^ Worten dankte außer den studentischen Rednern auch der Rabbiner von Padua, Dr. Ä. C a st e l - B o l o g n e s i, dem Rektor/ der Universität für seine Ausführungen. } Re Rttatnr in Spanien. )• Madrid, 20. Jänner. Der Ministerpr/äsident erklärte Journalisten gegenüber, daß es vor/Ablauf von w a n z i g I a h r e n keine neuen Corte» (Wahlen) geben »oerbc. Während dieser Zeit werde sich Spanien von den» Werte der oegeruvärtigen Regierring überzeugen. A. Jackner!SS8_Ur. U& «itte politische Betze Liotztz Seorse«. Sr prophezeit einen «enen Aufschwung der Weraken. London, 20. Jänner. (Tel.-Komp.) Lloyd George hielt heute in Carnarvon seine langerwartete große politische Rede. Lloyd George erklärte, die konservative Regierung habe das britische Volk enttäuscht. Nur der Pakt von Locarna könne als einziges Aktivum zugunsten der gegenwärtigen Regierung gebucht werden, und auch er nur unter dem Vorbehalt, daß er tatsächlich zu einer Verminderung der Rüstungen ftihre. Was die innerpolitischen Probleme betreffe, so könne heute kein politischer Prophet Voraussagen, daß die A r b «i t e r p a r t e i in einigen Jahren eine absolute Majorität erlichen könne, im Gegenteil, die Erfahrung habe gezeigt, daß diese Partei in England über eine gewiste starre Grenze nicht hinausgelangen kann. Nach einer gründlichen Uebulegung ist Lloyd George zu der Ueberzeugung gelangt, daß die liberale Parte i in diesem Augenblick sehr unklug handeln würde, wenn sie sich mit irgend einer anderen Partei verschmelzen wollte. Der Liberalismus müsse sich aus eigener Kraft eine gesicherte Stellung schaffen. Es werde immer klarer, daß die liberale Partei nicht verschwinde, sondern im Gegenteil aus den nächsten Wahlen wieder so stark hervorgehen werde, wie sie im Jchre 1910 war. Luthers fladinett. Berlin, 20. Jänner. Amtlich wird gemeldet: Der Reichspräsident hat den Reichsminlster Dr. Luther in seinem Amte neu bestätigt und aus seinen Vorschlag die Reichsministerien wie folgt besetzt: Reichsminister des Auswärtigen — Dr. Stresemann, Reichsminister des Innern — Doktor Külz, Reichsminister der Finanzen — Dr. Reinhold', Reichswirtschaftsminister — CurtiuS, Reichsarbeitsminister — Dr. Brauns, Reichsminister für Justiz, zugleich mit der Wahrnehmung der Geschäfte des ReichsministerS für das besetzte Gebiet beauftragt — Dr. Marx, Reichswehrminister — Dr. G e ß l e r, Reichspostminister — S t i n g l, ReichSverkehrsminister — Dr. Krohne. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft ist vorläufig Reichskanzler Dr. Luther beauftragt worden. Die Entgegennahme der Programmerklärung der neuen Reichsregierung ist auf die Tagesordnung der Plenarsitzung am Dienstag der nächsten Woche gesetzt worden. Wie verlautet, wird der Kanzler kein Vertrauensvotum verlangen, sondern nur eine Formel der Billigung für sein Programm. Im Reichstag teilte Reichstagspräsident Loebe unter großer Heiterkeit mit, daß von einem Rechtsanwalt auch ein Antrag zur Genehmigung der S t r a f v e r f o l g u n g des zum Innenminister ernannten Ing. Dr. Külz eingegangen sei. Wie der Verein der deutschen Zeitungsverleger aus Dresdener parlamentarischen Kreisen erfährt, kommt für die Besetzung des bisher von dem neuen Reichsfinanzminister Doktor Reinhold innegehabten Postens eines sächsischenFinanz- Ministers außer dem früheren Ministerialdirektor und jetzigen Direktor der sächsischen Bank, Dehne, auch ein hervorragender Vertreter der sächsischen Wirtschaft in Betracht, nämlich der Bankier Alfred Maron vom Hause Bondi und Maron in Dresden. Maron ist Vorsitzender des Vereines der deutschen Privatbankiers. Inland. klektrWenmg der Semmering- und der Tauernftreüe. Wie in parlamtarischen Kreisen verlautet, denkt die Regierung daran, die Elektrifizierungsarbeiten bei den Bundesbachnen energisch fortzusetzen. Es sollen in erster Linie die Tauernbahnstrecke und die Semmeringstrecke elektrifiziert werden. In der Regierungsertlärung wurde zu dieser Angelegenheit deshalb nicht offiziell Stellung genommen, weil die Vorverhandlungen über die Beschaffung der hiezu notwendigen Kredite noch nicht abgeschlossen sind. Bekanntlich war im Vorjahr Präsident Günther in London, um die Kreditveste der Völkerbundanleihe für diese Zwecke freizubekommen, welche Aktion aber nicht den gewünschten Erfolg hatte. Wie die Korr. Herwei erfährt, wird behufs Beschaffung der notwendige« Geldmittel zur Elektrifizieyrng der Bundesbahnen a«ch eine Inlandsanleihe erwogen. Für ei« Memeiner «uswertungigese-. Gestern abends fand im großen Saale des Wiedner Ga« meindehaufes die erste Versammlung des Verbandes der Geld» eniwertungsopfer statt. Als Referent sprach Dr. Raimund Günther über den Stand und die Lösungsmöglichkelten des Aufwertungsproblems. Nachdem noch einige Redner gesprochen halten, wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in der als gemeinsame Gesamtlösung des Aufwertungsproblems die eheste Einbringung eines allgemeinen Aufwertungsgesetzes und als UebergangSmaßnahme die sofortige Erlassung eines Sperrgesetzes gefordert wird. Alunerläßliche Vorbedingung für eine gewissenhafte Lösung der Aufwertungsfrage sei sogleich eine statistische Erhebung emjuleitm und eine Enquete einzuberusett. wiMmmrfttr.iffrTilWlifflir ruinffwrrwiiaraiiOTwr irmau« rmrrriif >> am itrinri«iwfrWBriai

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.