Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2482 (20.1.1926)
- Date
- 1926-01-20
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2979076-2981549-2981569--25292-3012922- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
M. 2NS Men, MWoch Wiener Morqenzeiknnn Wien, 20. Jänner. * DaS Wetter. Der Winke hälr an. Die Temperatur steht. Enter Null. Mitunter fällt leichter Schnee. Dl!e Voraussage lautet: Keine wesentliche Aenderung, stellenweise Schnee. * 88. Geburtstag Dr. Michael Holzmanns. De. Michael Holzmann, der verdienstvolle, langjährige Leiter der Knabenschule der jüdischen Gemeinde und des jüdischen Lehrerseminars in Berlin begeht heute seinen 85. Geburtstag in staunenswerter köcheAicher und geistiger Frische. Geboren 1841 in Ostrowo, besuchte er von 1884 vis 1862 das jüdisch-theoloaifche Seminar zu BveSlau, studierte in Breslau und Berlin Phiitoloaie, promovierte mit einer altphilologischen Arbeit in Halle und übernahm, nachdem er ordentlicher Lehrer im Sophieu-Realgymnasium in Berlin gewesen war, am 9. Oktober 1882 .dile Leitung der oben erwähnten Berliner Anstalt. Dr. Holzniann, der in seiner langjährigen Wirksamkeit Generationen von Schülern aus-gebildet hat, ist auch als Gelehrter namentlich durch Aufsätze in der Zeitschrift für Volksvsychiologie und Sprachwissenschaft mehrfach hervorgetreten. Besonders bekannt geworden sind seine Arbeiten über „Sünde und Sühne in Rigveda" „Hymnen" und „Psalmen" sowie sein Werk über Dteindahl in der Allgemeinen deutschen Biographie. * Wohnungsnachweis der Stadt Wien. Gestern langten beim stadtilschen Wohnungsnachweis 69 Anmeldungen von frei gewordenen Wohnungen em. Als noch nicht vermietet wurden bloß vier Wohnungen gemeldet. * verbrennunastod einer Mutter bei der Rettung des Kindes. In Tschurndorf im Burgenland warf das Kind des Landwirtes Johann Reiter die brennende Petroleumlampe um, so daß bfe Kleider des Kindes Feuer fingen. Die Mutter rettete zwar Vas Kind dadurch, daß sie die Flammen an den Kleidern desselben zum Erloschen brachte, doch singen ihre eigenen Kleider hierbei Feuer. Sie erlitt derart furchtbare Branidwünden, daß sie -im Spital starb. * Selbstmord. Die 22jährige Hausgehilfin Marie Zeidel hat sich gestern an ihrem Dienstort in der Küche mi!t Leuchtgas vergiftet und wurde t o t aufgefunden. '* Erfrierungstod eines Greises. Aus Wiener-Neustadt wird uns gemeldet: Der 76jährige Pfründner Josvf Friedrich Siegl wurde im Fischabach rm Eise eingefroren tot ausgefunden. Siegl dürfte in den Bach, gestürzt sein. * Der tödliche Gasofen. Infolge AusstrymenZ von unver- Lranntem Leuchtgas und von Koylenoxydgas aus einem Gasbadeofen hat gestern die'beim Bezirksrat Dr. Felix Köhler im 9. Bemck als Kindermädchen bedienstete Sljährigc Paula Kuppitsch >sen Tod gefunden. Als Dr. Kößler und seine Frau nachts nach Hause kamen, verspürten sie in der Wohnung starken Gasgeruch. Sie fanden das Km-dermädchen im Badezimmer bereits loblos aus. Der Gasofen brannte und das Wasser in der Badewanne war bereits übergelaufen. Der Arzt der Rettungsgeiseltfchaft konnte nur den Tod des Kindermädchens feststellen, der offenbar durch Ersticken eingelreten war. Nach dem Ergebnis der behördlichen Untersuchung durste mangelhafte Reinigung des Abzugsrohres des Gasofens den tödlichen Unfall verursacht haben. * Freunde einer gute» Küche besuchen das seit Jahrzehnten oestbekannte jüdische Restaurant Guch, 2. Be,;., Hollandstraße 14, wo sie bei soliden Preisen wirklich vorzüglich speisen. * Kolosseumkino. Der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellfchaft wurde von der Polizcidirektion bile Lizenz zum Betrieb eines Lichtspieltheaters im jetzigen Komödienhaus, dein früheren Kolosseum, verliehen. Das Haus wurde renoviert. Die Eröffnung, findet demnächst statt. * Altbürgermeister Dangl gestorben. Im Alter von 68 Jahren ist gestern im Rainerspital der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Breiitenstein am Semmering, Josef Dang l, gestorben. Dangl, der sich um die Erschließung des Sennneringgebietes sehr verdient gemacht hat, war vor dem Krieg eine vielgenannte Persönlichkeit. Nach dem Zusammenbruch war er längere' Zeit Hotelier Ä Reichenau und gründete schließlich in Eistttstadt das Hotel „Weiße Rose", 9ereine, Bortköge und Bersnmmlnngen. JüdischeTischaesellschaftLandstraße, kt. Bez., Löwengasse 36, Cafe Lovrana. Heute. Uhr abends, Vortrag Dr. H. S ch i f f m a n n über zionistische Fragen. Anschließend musikalische und deklamatorische Vorträge. Mtiwirkend Frl. Margarete Schwartz. Pianistin, und Herr Heinrich Mieser, Rezitationen. —Frauengruppeder zionistischen Bezirkssektion Prater. Heute. 8 Uhr abends, im Sektionsheim, 2 Bez, Jungstraße 8. Vortrag der Frau Doktor Martha H o f f m a n n über die Beteiligung der jüdischen Frau an der Entwicklung der Geschichte und Kultur ihre» Volkes. — Zionistische Bezirkssektion Alsergruttd Montag, 8 Uhr abends, im Cafö Metropol, 9. Bez., Berggasse 33, Vortrag des Herrn Dr. Otto A b e l e s über das Thema r „Besuch in Tel-Awiw und bet den Pionieren Im Emek". — Jugendgruppe der zionistischen Sektion Z w i s ch e n b r ü ck e n. 20. Bez., Leystraße 81. Heute. 8 Uhr abends, Vortrag Prof. Menkes über: „Neubebräische Literatur". — Jugendverein Erez Israel. Heute. Uhr abends, Vortrag Dr. K l a b e r über: „Die Hygiene des Alltags" (Fortsetzung). — Wiener Beth-Hamidrasch. 2. Bez, Ferdinandstraße 23. Heute, 6 Uhr, Lektor Dr. S. GelbhauS: „L'ttrrg'e". 7 Uhr: Lektör Dr. S. R ub t n r „Philosophie des MaimonideS". — Iüdtsch - atndemtscher Jurtstenverein, Wien, 2. Bez., Taborftraße 1-3. Heute, */»8 Uhr abends, im Vereinsheim, Bortrag von Dr. S. Seiger über: „Verschulden und Erfolgshaftung Im geltenden Zivilrecht". — Verein Ttkwath Jehuda, 8. Bez., Bennoplatz 1. Heute, präzise ‘/*9 Uhr abends, Vortrag Frau Maria Berger-Lev y, Rez tattonen von Heine, Goethe, Wedekind. Brod Anchließend Tanz. - Maimoil 1 d e S - I n st 1 t u t, Hetzgasso 40. Heute. 6 bis 7 Uhr: Rab» ttner Dr. A. Kaminka; ..Erklärung d,s Buches Hiob".7 bis 'i Uhr: Rechtsanwalt Dr. N. G o l d st e t n r „Baba Kama" Arbetisrecht). — Soziologische Gesellschaft. Rorge», 7 Uhr abend», Im Hvrlaal 33 der juridischen Fakultät Uortraa der Frau Rosa May re der über, »Askese und Erotik. Letzte Aachrichten. Ae Sprachenfrage in der Tschechoslowakei. Eine wichtige Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes. Prag, 19. Jänner. (Tel.-Komp.) Der ObersteBerwaltungsgerichtshofhat heute eine wichtige Entscheidung in der Sprachenfrage gefällt. Die Hoteliers und Gastwirte in den deutschen Gebieten Böhmens waren von den politischen Behörden verhalten worden, alle Aufschriften, Aushängeschilder und sonstige Angaben, gleichgültig, ob sie sich außen oder im Innern des Gebäudes befinden, nur tschechisch oder doppelsprachig, aber mit dem tschechischen Text an erster Stelle, anzubringen, und auch alle Speisekarten, ja sogar Konzertprogramme in derselben Weise zu verfassen, endlich auch für eine entsprechende Anzahl tschechisch sprechenden Personals zu sorgen. Diese Maßnahme rief in ganz Deutschböhmen, vor allem in den deutschen Kurorten und Ausflugsorte n, die größte Erregung hewor, doch wurden alle dagegen eingebrachtcn Rekurse vom Ministerium bisher stets abgewiesen. Die mit ihren Rekursen Abgewiesenen haben nun die Beschwerde beim Verwalt nngsgerichtshof erhöbe»! und dieser hat heute die Verordnung als gesetzwidrigaufgehoben. Kunst. Bühne. Buch. Nene Musil. Das letzte philharmonische Konzert brachte in festlicher Aufführung eine Suite für 17 Blasinstrumente von Franz Moser. Der Tondichter, Kontrabassist des philharmonischen Orchesters und Akadenlieprofrssor und Universitätslektor dazu, vermag trotz aller Experimente seine natürliche Begabung für schlichte Melodik und Wohlklang nicht zu verleugnen. Scheint auch seine Suite an Dissonanzitis zu kränkln, so ist doch die Neubildung durchaus gutartig. Gemüt und Humor wirken einträchtig zusammen und die Tradition siegt über gewagte Modernismen. Die alte Sarabande und das sprühende Scherzo, die liebe Kinderweise und die Spieldosenmusik der knappen Variationen, endlich die gar nicht strenge oder schulmeisterische Fuge sind durchaus amüsant in ihren! Wechsel von Scherz nnd Ernst. Der Beifall war. denn auch außerordentlich lebhaft. - - Einen ungewöhnlichen künstlerischen Erfolg erzielte Doktor Bach mit dem Programm des letzten Arbeit crsymphoniekonzertes. Ganz abgesehen davon, daß es durch die Mitwirkung des in der Flötenkunst heute unerreicht dastchenden Pariser Bläsers Fleury erhöhten Glanz erhielt, bescherte es zwei ganz hervorragende Novitäten: Eine Symphonie von Jchann Christian Bach, bcm sogenannten „Londoner Bach", dem Sohne Johann Sebastians, verrät in dem reichen Gesang und in der reichen Dynamik den Lehrmeister Mozarts. Jchann Christian war der Prüder und Schüler Philipp Emanuels, von dem bekanntlich Mozart voll Verehrung sagte: „Er ist der Vater, wir sind die Buben". Beide Söhne Bachs, Philipp Einanuel und Johann Christian, haben als Musikväier die Klassiker-Buben reich befruchtet, wovon die aufgeführte Symphonie Kunde gab. — Eine womöglich noch interessantere Novität des gleichen Konzertes war ein von Verdi für die Pariser große Oper komponiertes Ballett-zu „Othello", welches bisher den deutschen Bühnen völlig urckekannt blieb. Da es in den dritten Akt, der in Othellos Residenz auf der dem Orient nahen Insel Zypern spielt, eingelegt ist, bekennt es sich durchaus zum Orient nnd die Tänze der - astikanischen „Aida" klingen hier gleichsam noch nach. In bcm arabischen und in dem griechischen Liede, in dem eindringlichen, beschwörenden Anruf Allahs und in dem tarantellaartigen Tanz, der sich zu einem KriegStanz-Furioso steigert, liegt eine Rassigkeit der Melodik, eine sinnliche Urkraft der von reichem Schlaglverk und schmetternden Trompeten ^gestützten Rhychmik, wie sie eben nur Verdi, diesem Riesen der Opernbühne, bis ins späteste Alter eigen war. Jeder Musikfreund müßte dieses wunderbare Stück hören, das von Opernkapellnmster Robert Heger — leider nur konzertmäßig, ohne Tanzbühne — mit Elan zur Aufführung gebracht wurde. Im Musiksalon Döblinger, dem traulichen Ali-Wiener Musikheim, das sich schon wiederholt in den Dienst der Musikmoderne gestellt hat, sang die vornehnie Sängerin Ruzena Herling er Lieder von Paul A. Pisk aus dem Zyklus „Ein Sommer". Es sind keusche Bekenntnisse einer schönen Musikerseele, welche tiefe Empfindung mit moderne»! Ausdruck vermählen. flb. Advokatenrttnde. Morgen um dreiviertel 7 Uhr Vortrag 0r. Josef schell überr „MlSgleichSvvriahren und Exekuttonoecht" im Sitzungssaal der Rechtsanwaltskammer, 1. Bez., Notenunnfttaßs 18. Organisation zionistischer Frauen Oesterreichs. Mitt- >och den 20. d. um halb 6 Uhr nachmittags findet im Klubeim der Hakogh, 1. Bez., Wipplingerstraße 24—26, eine Sitzung der Borstchrinnen der Fraueubazirksorganisationen, er Nayalal-Reserentinnen und der Kassierinnen statt. Pünltlches Erscheinen Pflicht! . Radioprogramm. Mittwoch de« 20. Jänner: 16 Uhr 15 Min.: Nachmittagskonzert. ~t 17 Uhr 50 Min.r „Quer durch Oesterreich". Josef .''.ucklr Wintersport in Steiermark. — 18 Uhr 3b Min. »De W'ener Kunstsammlungen. Kusto» Dr. Ernst Buichbeckr Hl. Gemälde- Salerte. — . 19 Uhr: Prof. Dr. Richard Stöhr r Musikalische jormenlehr«. — 20 Uhr: Frei für Uebertragung — Heitere lderidnmstr. Für ein Düsseldorfer -eine-tzenimnl. Ein Aufruf Herbert Eulenbergs. Herbert Eule über g veröffentlicht im eigenen Namen und im Namen von H. H. Ewers, der wie er aus Düsseldorf stammt, den nachstehenden Aufruf: „Die Zeit ist erfüll!! In seiner Vaterstadt soll dem Dichter Heinrich Heine ein Denkmal errichtet lverdeu. Endlich, ein später Dank für des Sängers so oft nnd so tief bekundete Liebe zu seiner rheinischen Heimat, ein Dank auch der ungezählten Tausende, die seit über hundert Jahren nun in allen Weltteilen durch sein Lied beglückt, seinen Witz und Geist bereichert wurden. Noch haben lvir nicht einen Heller des benötigten Geldes, noch haben wir nichts als die Gewißheit, daß die Zeit der Mißverständnisse und Widerstände vorbei ist und die Aussicht, daß der Platz für des Dichters Steinbild in der Stadt seiner Kindheit uns gegchen wird. Aber wir wissen, daß überall in der Welt Menschen leben, die Heinrich Heine lieben, wissen, daß sie nur ' SO. Jänner IM '_Settel! ans dies Zeichen wauen, um durch große und kleine Spendest ihrer Liebe und Dankbarkeit Ausdruck zu geben. So sind tvft sicher, in kürzester Frist die Mittel zusammenzubrinaen die nöttz sind. Wir. zwei Dichtersleute aus der StM Heinrich Heines, fühlen in aller Bescheidenheit die Verpflichtung, zusammen mit einigen Düsseldorfer Freunden den ersten Anstoß zu geben. Wer mit'uns übereinstimmt, wer uns mit Rat und Tat helfen will, möge Mitteilungen richten an den vorbereitenden Ausschuß für ein Düsseldorfer Heine-Denkmal, z. H. von Herrn Dr. Herbert Eulenberg, Kaiserswerth bei Düsseldorf." Londoner Briet. Die diesjährige Spielzeit der Londoner Oper. — Vernarb Shaw im Radio. — Der jüdische Caruso. London, 14. Jänner. In London gibt es bekannr.ich keine regelmäßige Oper. Vielmehr sicht das königliche Opernhaus in Covent Garden alljährlich ein bis zwei Monate laug eine glanzvolle „Season", bei eer mit den reichen Mitteln der britischen Metropole in- und ausländische Sänger, Dirigenten und Orchester vereinigt werden. Daß eS bei diesem zusammenhanglosen Arbeiten einander grundfremder Künstler keine Spielkultur geben kann, liegt auf der Haud. Dafür müssen es eben die Gagen machen. Die heurige Saison wird bereits augekündigt. S ch a l j a p i n, der Russe, konimt nach London und wird im „Barbier von Sevilla" sowie in der Oper „Mephistophele" von Boito tätig sein. Aus Wien kommt Frau Jeritza, welche die Sieglinde in der „Walküre" und die Melliella in „Juwele:: der Madonna" singen wird. Aus Mailand werden Forzano und Stabile gcholt, Brunno Walter wird das englische Orchester dirigieren, von dem böse Zungen allerdings bchaupten, daß es zu»! Großteil aus Deutschen besteht. Dem Publikum sind des ferneren eine Menge Ueberraschungen zugesagt, unter anderem ein neuartiges Harfenklavierinstrument, das in „Don Giovanni" auf der Bühne vorgefiihrt werden wird und ähnliche schöne Dinge mchr . . . Es ist ganz eigenartig, daß eine RiesenstM, wie London, ein Opernniveau nicht erreichen kann, wie es heute fast jede Provinz-. Hauptstadt auf dem Festlande besitzt. * Bernard Shaw hatte gestern einen regelrechten Mißerfolg zu verzeichnen. Nicht auf den Brettern, sondern zeitgemäßer ans den „Wellen, die die Welt bedeuten". Der bekannte Schauspieler I. Roberts las nämlich den lauschenden Radioliebhabern aus Shaws früher Burleske „Leidenschaft, Gift und Versteinerung" und wie sich heute zeigt fand der Humor des großen Iren, allerdings aus der Zeit' etwa um die Jahrhundertwende her stammend, recht wenig Anklang im Publikum. Sehr scharfe Kritiken tverden in allen Blättern veröffentlicht, und Roberts selbst erklärte, er hätte gefühlt, daß der Hun:or des Stückes schon etwas antiquiert sei und daß die ganze Sache durch die Uebertragung in das Mikrophon verliere. Vielleicht wäre die Wirkung bei tatsächlicher Darstellung auf der Bühne eine bessere. Interessant ist es, daß sich Bernard Shaw selbst nicht enit- - schließen konnte, die Rezitation anzuhören. * Seit einigen Tagen weilt in England der Oberkantor der Haager jüdischen Gemeinde Josef Lewinsky, der mit seinem brillanten Tenor alle seine Hörer mitreißt und sich hier den ehrenden Beinamen ,-)er jüdische Caruso" erworben hat. Joses Lewinsky.ist aber nicht nur ein hervorragender Sänger und Musiker, sondern auch einer der nicht allzu vielen Kantoren, die peinlich darauf schen, daß unsere alten, durch die Tradition gcheiligten - Synagogengesänge nicht pwfaniert und sozusagen zur Marktware werden. In Manchester, tvo Lewinsky gleichfalls zu Gast war, wurde er von mehreren gwßen Firmen bestürmt, einige seine? herrlichen Gesänge für das Grammophon zu singen. Oberkantor Lewinsky lchnte trotz der außergewöhnlichen Honoraranbote mit der Begründung ab, daß er em Singen fürs Grammophon als eine Degradierung der jüdischen Tradition ansehen würde. „Im übrigen", meinte Lewinsky, „bin ich auch der Meinung, daß unsere so gern gehörten Synagogengesäne in einer Grammophonwiedevgabe unmöglich so zur Geltung kommen können, wie es diese Melodien der!angen." B. O. A- Uns den Theatern. Burgtheater. Morgen, 7 Uhr abends, „Romeon d I u l i a". (Theatergemetnde, Serie C, rot.) Akademretveaier Morgen, Va? Uhr abends, im ersten Male „Altweibersommer" von Hermann > a h r. Hierauf Hermann Bahrs Einakter „Der Selige". Operntheater. Morgen, 7 Uhr abends, als Vor-- ellung der Theatergemeinde Serie F, „Fideli o". Be-- hränk er Kartenverkauf. Wegen Erkrankung des Herrn Kammer-- ingerS P i e c a v e r muß die für SamStag den 33. d. angesetzte lremiere von „A n d r 6 C h e n i e r" verschoben werden. Redouteniaal. Morgen. */»8 Uhr abends, „D i ntführung aus dem Serail". Votksooer. Morgen eröffnet Anne R o f e l l e ihr iaft viel als ToSea. Raimund-Theater. Morgen abends geht zur Feier rS 50. Geburtstages von Hebert Eulenberg das Lust viel Wie man'S macht, 1 st'S rich t t g" zum ersten Male i Szene. R o l a n d»B ü h n e. Als nächste Novität geht das tolksstück von Armin Friedmann „FrauPeltkan" itt Gisela W e r b e z 1 r k in der Hauvtrolle in Szene. Modernes Theater. Freitag Erstaufführung des -chautpielS „Sensation" von John Galsworth y, ItAM Qamm iS! A tl t 4 fr Altmeister Dr. Rudolf Tyrolt, welcher dieser Tage artt Deutschen Bottscheater hätte auftreten sollen und durch ein Unwchlsein daran verhindert mar, ist bereits wieder vollständig gesund, so daß seine»! Auftreten in den nächsten Tagen keinerle: Hindernis im Wege steht. Tausend Schauspieler sind gegenwärtig nach auchentischen Angaben in Wien arbeitslos und auf die Ar«its!osennnterstühung angewiesen. Ein trauriges und krasses Bild der Wirtschaftskrise. Asta Nielsen eröffnet Mittlvoch den 37. d. in den: Schauspiel jMomantischer Abenteuer" von Eduard Sheldon ri« W Gastspiel. i