Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2482 (20.1.1926)
- Date
- 1926-01-20
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Eeite 8 877est, Mittwoch l0oirc»LS «0!>lsrl.enlcav^eeir 8 1«., PraterttreMe 60 / Leiiet: Max Sfrea* £ ^rr-v«r»r*-r •nrwv*■'■*■ *--rrrttr^r1^♦ Vww» H Heute Ehrenabend des Komikers Dolly Nachbar 21 Tage Arrest Ausserdem das reichhaltige Programm Beginn l/i9 Uhr abends Eintritt frei '09 Tanzabend Susi Mirjam. Ter Tanzabend d->r jugendlichen Künstlerin findet beute präzise bald 8 Uhr aberds im Icremonicnsaal der Hofburg statt. 9iestl:che Karten an d.r AocnKaise. Insolvenz des Renaissameverlages. Tas Landesgericht für Zivilrechtssachen hat das Ausgleichsverfahren erö'fnet über den Bühnenver'ag Tavid Erdtracht, 9. Bez., Schu'Z' Straßnihki-Gasse 13, bekannt unter dem Namen „R e n a i s s a n c everiaa". Tie Jassiren teiraeen 134.815 Schillina, hievon bevorrechtete Forderungen 1000 Schilling, Aktiven 112.100 Schilling. Der Schuldner die et 50 Prozent in 22 Monatsraten. Der Renaissanceverlag wurde vor einigen Monaten viel genannt, weil er den Roman Viktor Marguerits „La Gareon ne" ohne Bewilligung des Ver'assers in deutscher Uct-ersebunc, herausoab, und sodann von dem Auwr aus Zahlung eines bedeutenden Lchadenersatzes geklagt wowen war. Bildung einer Gesellschaft der Freunde jüdischer Musik in Berlin. Man schreibt uns aus Berlin: Am Sonntag den 17. Jänner versammelten sich im Logenhaus „B'nai B'rith" jüdische Musiker. Schriftsteller und Künstler und beschlossen, eine Gesellschaft der Freunde jüdischer Musik in Berlin zu bi den. Ten Vorsitz führte Pros. Karl L e w i n. Dr. salomon Hildesheimer hielt ein Referat über die künstlerischen und praktischen Ausgaben emer solchen Gesellscha't. An der Debatte bereil'.g'en sich u. a. Musikdirektor Aaron Friedmann. Komponist Dr. Iternberq, Oöerkantor Gollanin. der Dichterkomponist Arno Nadel. Ter' Besprechung wohnte der Dichter Saul Tschernichowsky bei. Nack Beratung der Statuten wurden der Vorstand und die Jury gewählt. Grrichtssaal. Fra» Kadivec als KlSmin. Vor dem Bezirksgericht Leopoldsladt trat gestern die jüngst begnadigte Frau Cdich Kadivec als Klägerin gegen den Rech.sanwalt Tr. Siegfried Fleischmann auf, weil Tr. Fleischmaun in seiner Eigenschaft als Anwalt an einen Kollegen Briefe geschrieben hatte, die u. a. mit Bezug aus Frau Kadivec den Passus enthielten: „Ich kann diesen'Anwurf dieser bereits vom Zellentoller Befallenen nur mit Verachtung zurückweisen." Ter Chrenbeleidiguugsprozeß endete mit einem Vergleich, nachdem Tr. Fleischmann schließlich erklärte, er halte ni cht die A bs i ch t, Frau Kadivec persönlich zu beleidigen oder ihrer Ehre nahezutreten. Der Architekt als Bettler. Vor dem Bezirksgericht Fün'baus Hane sich der lOjcihrige Wilhelm K a n d l, ein gesunder, kräftiger Mann, wegen Vettelns zu verantworten. Kandl gab an. daß er Hochbauarchitekt fei, aber in 'einem Beru'e'keine Stellung finden könne. Seit 1910 beziehe er keine Arbeitslosenunterstützung und müsse von Bettelei und Celeoerhei sverd.enst leben. Im Akte befinden sich, wie der Richter kcnstat'erte, eine Menge Zettel, auf denen Adressen angesehener Persönlichkeiten standen, die man mit mehr oder minderen Crwlasmöglichke'.ten anbetteln könne. Ter Richter verur ei'te den Angeklagten zu 24 Stunden A r r e st mit der Begründung, daß sein Beruf und seine Stellung :fm nicht hindern dürfen, sich auf iraer seine ander? ehrlich? Weif? fein Brot zu verdienen. Er solle eher Straferarbeitsr werden, afs betteln gchen, wenn e? in seinem Beruf keine Ver'oienstmöcflichkeit habe. 27lener MornkmeNnnft__ Brandlegung, um zur Versicherungssumme zu komme»«. A.is Salzburg wird uns berichtet: Tie iit sonnbcrg, Bezirk St. Johann, wchnhasicn Cbe.eulc. Stezhan und Katharina Breitjuß besaßen in St. Marti« ein aus Holz getautes Wohnhaus im Werte von 2319 Schilling, das seit Juli 1921 auf 1000 Schilling vcrsicheri war. Sie hatten dieses Hans an den Säuhmacker Christian See:ha'?r vermietet, der seit Jänner 1924 seine Habe gleichfalls mit 5000 Schilling versichert hatte. In der Nacht vom 22. aus 23. August v. I. brannte tas Haus mit der gesamten Einrichtung ab. Durch diesen Brand wurde auch ein in der RÄhe befindlicher Wald auf das äußerste ge ahrdet. Die auffällige Ueber Versicherung sowie der Umstand, daß sich die Gattin Seethalcrs eitrige Tage vor dem Brande mit ihren 3 Kindern zum Besuche einer Freundin nach Blumbach begeben hatte und dort, gerade während der Brand wirkte, verblieben war, rief derr Verdacht einer Brandlegung wach. Nach anfänglichem Leugnen legre Christian Seethaler das Geständnis ab. daß er das Feuer gelegt habe. Er sei zu diestr Tat durch die Hausbesitzerin Katharina B r e i t s u ß veranlaßt worden, die ihm als B e l o h n u n g e i n e Million Kronen aus der Feuerversicherung zugcsichert habe. Einige .Zeit darnach habe Frau Breitfuß ihn allerdings aumefordert, d:? Brandlegung zu unterlassen, habe ihm aber dann später wieder erklärt, es wäre' ihr lieber, wenn das Haus doch angezündet tverde. Frau Breitfuß mußte diese Tatsache zügeben. Beide hatten sich gestern vor dem Schwurgerichte wegen Brandlegung, bezw. wegen Mitschuld zu verantworten. Seethaler. Hessen Geisteszustand untersucht worden war, wurde von den Pwchiattrn als ein' sehr beschränkter Mensch bezeichnet. Tie G>'- schworenen erkannten Scelhaler schu'dig, billigten ihm aber Sinnesverwirrung zur?eit der Tat zu, so daß er frei-' gesprochen wurde. Tie Breitfuß wurde wegen Anstiftung zur Brandlegung zu einem Jahr schwere n Kerkers verurteilt. Volkswirt. vor dem Abschluß der vo'aischrn Anleihe- Verhandlungen. Commendatore Teplitz im Hintergrund. — Betriebsaufnahme der Lodzer Text lfabrikn. — Flaue Börsen. (Bon unserem polnischen M.-S.-Korrespondenten.) Das Interesse der polnischen Oeffentlichkeit konzelltvierte sich in der Berichtswoche ans die Anleiheverhandlungcn, d'.e sich im Sladium der Frnalisierung befinden. Da die Bankers Trust die Option bis zum 1. März d. I. erhallen hat und Polen die Anleihe sobald als möglich haben muß, dürste dieselbe mit diesem Konsortium abgeschlossen werden, zumal da die Delegierten bei der Kontrolle der Wirtschaft Polens die endgültige Bereitwilligkeit zur Ertei ung der Anleihe ausgesprochen haben. Nun versucht jedoch em Teil der polnischen Presse, hinter der eine große politische Partei steht, zu beweisen, daß die Bedingungen der Anleihe für Polen schädlich sind und propagiert die Aufnahme der Anleihe bei einem ita.ienischen Konsortium. Dieses Konsortium führt der Direktor der Banca Commereiale Jtaliana, Teplitz, der ein gebürtiger Pole ist und der in der erwähnten Partei mächtige Freunde besitzt. Die Italiener proponieren einen Emissionskurs von 90 für IM bei einer 7pr.-zentigen Verzinsung, lvobei der Polnische Staat auch an dem Gewinn mit einer höherer! Quote partizipieren könnte. Diese Proposition dürfte jedoch einen anderen Haken haben, da es nicht sehr wahrscheinlich ist, daß bei der jetzigen Wirtschaftslage Polens jemand so günstige Bedingungen geben würde. Die nächsten Tage werden schon eine Klärung dieser aller Fragen bringen, erfreulich ist nur' der Umstand, daß nun Polen eine Anleihe sicher hat und sich somit eine neue Etappe der Gesundung der Wirtschaft eröffnen wird. Inzwischen hat auch d'e Gemeinde Lodz die Verhandlungen wegen einer amerikanischen Anleihe für Kanalisierungszwecke in der Höbe von 12 Millionen Tcllar fortgesetzt und hat berechtigte Amsichten, dieselbe zu ertasten. Die Arbeiten werden schon am 1. Februar mit staatlichen Geldern ausgenommen 90 Jänner IM Nr. 9482 werde!'. T V L'rr.z.c ü. c ); i t l i n b u ft r t c wandte sich letzten) an die Regierung mit der Forderung um staatliche Bestellungen, diese wurden ihr auch unter der Bedingung zugesagt, daß die andauernden Arbeiterreduktionen eingestellt werden. Jrn Verlause der Woche trat eine weitere Befestigung des Zlotykurses ein. Diese Kurssteigerungen lve.den nur auf die Machinationen der Spekulation zurückgeführt. Die Regierung verkündet die erdgültige Stab'lisieri'ttg des Zloty beim Kurs 6.50 für einer. Dollar in der Zeit zwischen dem 25. und 31. Jänner. Tie polnischen Effektenplatze verkehrten in der Berichtswoche bedeutend schwächer. Verhältnismäßig am gesuchtesten tvaren Arbitragewerte, wtr für Zuckerwerte war ein besonderes Interesse zu verzeichnen. Tie einzelnen Werte notierten zum Wochenschluß: Zieleniewski 9.45, Chodorow 5.65. Warschauer Diskontobank 6, Gorka 7.20, Chybie 4.10, Tepege 0.18, Hypothekenbank 0.40, Malopolskibank 0.23. Lembcrger Brau 8.30. Rakszawa 0.90, Galizische Montan 1.85 Zloty. -le günstige KntwIkNnnq der österreichische« Einlagenbrwegung. Der Stand der Einlagen gegen Kasse' scheine und Einlagebücher bet den Wiener Banken und Sparkassen betrug. pro November 1925 in Sch pro Dezember 1925 i l l i n g Oesterr. Credit-^wstalt für .Handel und Geiverbe. 42,336.100'—» 45,715.700'- Zentral-Europäische Länderbank . 35,055.886' — 37,502 69*65 Äng o»Austrian Bank. 20.989.490'— 2-* 362.755'- Wiener Bankverein. 20,883 9 iO'- 22,398.925 98 Zentralbank der Deutschen Sparkassen .. 16 364.826'- 16,291119 — Niederöst rr. Escompte-Gesell chast 15,269.963'— 15.670.610*- Merkur-Bank. 12,149.295'— 12,480.471-24 Union-Bank.. . 5,773 532 — 5,984.213 41 Allgemeine Verkehr^bank.... 5,578.92 5,' 33.03616 Neue Wiener Sparkasse .... 5,131 337- 5,276 332 23 Me Schwierigkeiten der Mühlenstrma Maiowa«. Passiven zehn M lliarden. Schon gestern wurde an dieser Stelle berichtet, daß eine österreichische angesehene Mühlenfirma in Schwierigkeiten geraten sei. Es handelt sich um die F. M a l o w a n Mühlenwerke, Ges. m. b. H., welche sich in Wiener Getreidekreisen großen Ansehens erfreute und in Kaiser-Ebersdors eine große Mühle besaß. Diese Mühle ist im Frühjahr vollkommen abgebrannt. Sie war wohl versichert. Doch reichte die Versicherungssumme lange nicht hin, um die Mühle wieder aufzubauen. Auch konnte hin großer Teil der älteren Debitoren nicht befriedigt werden. Die Firma Malowan versuchte nun, andere Mühlenindustrlelle für ihr Unternehmen zu interessieren. Unter anderem wurde auch der Inhaber der Laaser Dampfmühle angegangen. Alle diesbezüglichen Bemühungen schlugen aber fehl. Infolgedessen mußte die Gesellschaft ihre Insolvenz deklarieren und bei ihren Gläubigern um ein 'langfristiges Moratorium ansuchen. Die Hauptinhaber der Malowan Ges. in. b. H. sind aber auch an anderen Mühlenindustrien interessiert. Es ergibt sich nun die Frage, wie weit diese Gesellschaften ebenfalls durch deu Zusammenbruch geschädigt'wurden. Die Firma Malowan Ges. m. b. H. hat sich bis zum letzten Moment angestrengt, diesen Schritt zu vermeiden. Es ist ihr aber dies nicht ge ungen. Infolge ihrer weitreichenden Beziehungen und des großen allerworbenen Ansehens stand sie mit sämtlichen großen Mühlenfirmen Oesterreichs in geschäst- Copyri^ht 1926 by J. Ladyschnikow Verlag, B.rlin. Ein Glaubensmartyrium.a3> Roman von Schalom Asch. Im 'Hause Mendels hielt man das Schneiderlein für einen Heiligen und seine Arbeit für eine heilige Arbeit. Am großen Ofen, an dem der Schneider faß und die Sachen für Schloimele nähte, herrschte Stille. Man war dessen sicher, daß diese Kleidungsstücke Schloimele vor allem Schlechien bewahren und ihn während der gan-en langen Zeit beschützen würden, da er unter fremden Menschen weit vom elterlichen Hause weilen würde... * Am ’Babbat vor Schloimells Abreise saß dieser im großen Z'mmer aus der Holzbank und lernte fein Pensum Talmud. Im Zimmer befand sich niemand außer ihm; Vater und Mutter schliefen bereits. Da nahm sich die alte Magd Maruscha Twoirele, feine Frau, vor, und putzte sie mit den schönsten K eidern. Eine weißgewaschene, mit Nadeln gesteckte Rüsche stand hoch und bedeckte Twoireles Ohren, über dem grünseidenen R.'ck trug sie eine weiße Schürze; Maruscha steckte ihr eine Birne und einen Apfel in die Hand und schickte sie zu Schloimele. Die Alte selber stellte sich hinter der Tür auf und beobachtete durch den Spalt, was kommen würde. Als Dwoirele ihren Mann erblickte, blieb sie an der Tür stehen und steckte den Finger in den Mund, während sie mit der zweiten Hand ihre Weiße Schürze festhielt. Sch'oimele aber lernte weiter, blickte sie nur flüchtig an und lernte weiter. Hierauf aber trat die t eine Frau plötzlich aus ihn zu und stellte sich neben ihn. Da klappte Schloimele den Ta mudfolianten zu und sah sie an. Lange blickten sich Mann und Frau schweigend an. Dann nahm die Frau eine Troddel von dem langen Arba-Kanfoth, der den Mann ganz verdeckte. „Reisest du fort?" „Ja", nickte Schloimele mit dem Kopfe. »Ich will aber nicht, daß du wegsährst." ,/Jch muß in die Jeschibah, die Thora lernen. So Hai der Kabbiner besohlen." „Und wann komnist du zurück?" „Wenn ich ganz grcß bin und die heilige Thora gut verstehen kann." Eine Weile schwieg das Kind wieder. Plötzlich aber sagte es: „Ich will nach Hause gehcn, zu meiner Mutier." „Du kannst nicht zu de'ner Mutter nach Hause gehen. Du mußt hier bleiben, we.l du mir nach dem Gesetz von Moses und Israel angelraut bist." „Ich bin dir nicht angeiraut worden." „Weißt du noch, wie wir beide unter dem Trauhimmel standen, als man d'e Synagoge e'.nweihte, und wie ich dir einen k einen Ring auf den Finger zog?" Hierauf konnte das Mädchen nichts erwidern. „Und d:ch will ich nach Hau'e. Ich will hier nicht mehr bleiben", ließ sich plötzlich das Mädchen vernehmen, indem sie ihr Köpfchen zu Schloimele wandte. „Warum denn?" „wU. . . „Wieso, so...?" „Weil du we^fährst." „Und wenn ich dir etrvas m'nbringe, wirst du dann bleiben?" „Was wirst du mir mitbringen?" „Was wll ich dir mitbringen?" * „Ein Paar goldene Schuhe mit hohen Absätzen, wid die, die deine Dtutter hat." »Ja, ich werde sie dir mitbringen." „Mit goldenen Schnüren?" „Ja. Und dann wirst du nicht nach Hause gehen?" „Nein, und ich werde gar nicht weinen." „So Hab' ich dich lieb", sagte Schlolniele und streichelte siber ihr Häubchen. „Und ich dich auch", antwortete Dwoira und zog an der Troddel seines Arba-Kanfoth. Eine Weile schwieg das Ehepaar wieder. Plötzlich erinnerte sich Dwoira:. »Willst du einen Apsel?" „Ja", nickte der Knabe mit dem Kopfe. Dwoira zog aus denr Täschchen an ihrer Schürze einen Apfel hervor und gab ihn dem Knaben. „Woher hast du ihn?" „Maruscha hat mir für dich einen Apfel und für mich eine Birne gegeben" — und das Mädchen zog aus der zweiten Tasche eine Birne hervor. Das Ehepaar setzte sich aus die Holzbank und begann das Obst zu verzehren. „Nun, koste doch vou meiner Birne", sagte das Frauchen. „Na, koste du auch von meinem Apfel", sagte der junge Ehemann. Am nächsten Morgen in der Frühe, als die Morgenröte, die den ha ten Himmel einnabm. die Welt von dem Geheimnis der Nacht befreite,^ fuhr H'.llel, der Pferdejunge, mit dem Berdcckwaaen vor der' Schenke vor. Man begann aus der Schenke Kissen, Decken, Tücher, Säcklein mit Lebensmitteln und Fäßlein mit Branntwein herauszutragen, die man für die Reise von Slotschcw nach Lublin vorbereitet hatte, die ja zwei bis drei Wochen dauern mußte. Am Verdeck ließ sich Chajim, der Postbote, nieder, den matt in Slotschow den „Wächter Israels" nannte und den Mendel jetzt als Schutz vor Räubern mituahm. Chajim lvar ein hochgewachsener kräftiger Jude, der reiten konnte und als einziger von allen Juden des Städtchens mit einem Gewehr und mit Pulver umzugehen wußte. Er trug seine Amtskleider als jüdischer Wächter, ein- Gewehr vorn und ein Gewehr hinten, ferner einen großen Gürtel, an dem ein Horn mit Pulver hing. Chajim tvar ein Mann der lÄemeinde. Die Gemeinde pflegte ihn als Boten zu benützen. Wenn man eines solchen bedurfte, um von einer jüdischen Ortschaft zur anderen eine Botschaft zu übermitteln, oder wenn die Gemeinde einen „Gewaltigen" vor's Gericht zitieren mußte, der sich weigerte, zu erscheinen — dann schickte man Chajim, den Boten, um den Widerspenstigen mit Gewalt zu bringen. (Fortsetzung folgt.)