Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2482 (20.1.1926)
- Date
- 1926-01-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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mm WWW mmam wm 'T>'<ß!?i« MWWM fette 1 Men, Mittwoch Msener MorAenzektnnft 20. Jauner 1986 Nr. am ine Milche Siichrttrvartri in der Bniowlna. Ein neaer Kurs in -er jüdischen Landespolitik. (Bon unserem Bukarester Korcspondenien.) Tte zehnte. Bukowinaer zionistische Landeskonferenz, die am 26. und 27. Dezember v. I. tagte, hat neben entscheidenden zionistischen. Fragen einen Beschluß gefaßt, der nichts weniger besagte, als die Trennung der Landespolitik vom Zionismus im geeigneten Momente durchzuführen. Sdjott vor der Konferenz machte sich in der zionistischen Leitung eine Krise bemerkbar, die teils tu der schwachen Betätigung der zionistischen Organisation auf dem Gebiete der Kultur- und Erziehungsarbeit teils in der mangelhaften Mitarbeit an den zionistischen Fonds ihren Grund hatte. Abgesehen von diesen Momenten traten zwei neue Gruppen auf den Plan: die R c v i s i o n i st e n und die Radikale n. ‘Dtorb langen Verhandlungen konzedierte die offizielle Leitung den beiden Gruppen von vornherein 60 Prozent aller Mandate in der neuen Exekutive und im neuen Parteirat. Das war ein Kardinalfehler der Leitung, indem sie den genannten Gruppen die Hälfte ihrer Macht gewährte, ohne daß dies der tatsächlichen Stärke der Revisionisten entsprechen würde. Dieser Fehler wurde erst spät eingesehen, so daß ein Rückzug nicht mehr möglich war. Auf der Konferenz selbst wurden alle Resolutionen der Radikalem und der Revisionisten mit überwiegender Mehrheit abgelehttt. Dagegen sprach sich die Konferenz einstimmig für die Politik der Zionistischen Geltexekntive ans und faßte mit Zustimmung der Revisionisten und Radikalen eine Resolution, in welcher Weidmann und Sokolow der Dank' für ihre politische Tätigkeit ausgesprochen wurde. In bezug auf die Landespolitik wurden einschneidende Reformen angenommen Mit großer Mehrheit wurde der Beschluß gefaßt, gemeinsam mit anderen jüdischen Parteien eine Politik *.h führen, die ihr Endziel in der Gründung eines Nationalv e r b a n d c 5 der r u m ä n i s ch e n Inden sieh t. Inzwischen gingen große Veränderungen im Lager des Deputierten Dr. S t r a u ch e r vor. Seine nächsten Anhänger sagten sich unter Führung des Direktors Fleming er und Dr W affe r m a n n von ihm los und gründeten eine eigene jüdische Parier, welche mit der Zionistischen Organisation eine Fusionierung anstrebre. Es lvur'oen tatsächlich Verhandlungen mit dieser Gruppe geführt. Unter diesen Umständen sah sich die zionistische Leitung der Bukowina veranlaßt, ven zionistischen Parteirat für den 11. d. cinzuöerusen, der über alle diese Fragen entscheiden sollte. Nach langen Debatten wurde die Resolution des Präsidenten Tr. Meyer E b n c r mit großer Mehrheit angenommen, welche die Fusionierung mit den Dissidenten der Straucher-Partei gnthieß. Es wurde eine gattzc ''leihe von programmatischen und taktischen Fragen besprochen, ioelche bei der Schließung des endgültigen Paktes berücksichtigt werden müssen. Die neue jüdische Partei der Bukowina wird den Namen Jüdische Einheitspartei führen. So loch die Tatsachen. (Sintge kritische Bemerkungen sollen doch gemacht werden. Vor allem ist nirgends vorgesehen, welcher Instanz die zionistischen Mandatare nach Durchführung der Fusionierung verantwortlich sein sollen. Tann ist das Programnt der neuen Partei noch nicht bekannt, so daß es die Zustimmung der Zionisten von vornherein noch nicht hätte finden können. Schließlich ist noch daran zu zweifeln, ob diese Partei die Kraft haben wird, einen Neichsverband der runtänischen Juden zu gründen. Nur eine solche Gründung wäre der Opfer wert, die die Zionisten bei Ausgabe der Landeöpolitir gebracht haben. Ser chinesische Man,minister verläßt sein Land, weil ihm die erforderlichen Mittel fehlen. Peking» 19. Jauner. (Reuter.) Nachdem der F inan z- 4i. a; ft c r Peking verlassen hat, weil ihm die für das neue Fahr erforderlichen Mitte l fehlen, ist Premierniinister Hsu sch ihy i n g zutn ste llvert r ei enden Finanz m i tt i ft 2 r ernannt worden. Inland. Sar Rechtsabkommen mit Frankreich. Paris, 19. Jänner. Der Kam me raus schuß für A eng eres hat den Bericht Berthelemy betreffend das Abkommen zwischen Frankreich und Oesterreich über den gegenseitigen Rechtsschutz und' -Beistand angenommen. «eine «nflnffnng de« »lindensondr. 'Gestem vormittags hat eine Abordnung der Blinden- S er ei ne Oesterreichs beim Minister für soziale Verwaltung Dr. Re sch vorgesprochen und das Verlangen nach Auslassung des Blindenfonds gestellt. Doktor Re sch erklärte, daß der Bund nicht mehr kompetent sei für die Angelegenheiten der Zivilblinden. Die Zivilblindenfürsorge sei heute Sache der Länder. Auf den Wunsch nach Auslassung des Blindenfonds könne er nicht eingehen, da der Blindenfonds auf Grund des Verwaltnngsentlastungsgesetzes geschaffen wurde und ein Echtz für jene fehlenden staatlichen Kredite sei, die nach der gegenwärtigen Verfassung im Bundesbudget keinen Raum mehr Hetzen. Der Zweck des Fonds ist es, einerseits als Sammelstelle für letztwillige Zuwendungen zu dienen, andererseits biete aber auch der Fonds für den Bund verfassungsrechtlich die einzige Mög- -ichkeik, weiter auf dem Gebiete der sozialen Blindenfürsorge ui wirken. Eine Vertreterin der Blinden verlangte Verhandlungen zwecks Aufhebung des Blindenfonds. Demgegenüber erklärte der Minister, daß er sich i n s o l ch e B e r« Handlungen nicht ei»lasjen köuue. Sin Meeting der jüdischen Stndentenschast. Am 25. Jänner. Der Gesamtverband jüdischer Hochfchüler Oesterreichs u b o e a", der Seniorenkonvent wehrhafter zionistischakademischer Verbindungen zu Wien und der Akademische Landesverband als offizielle Repräsentanten der jüdischen Studentenschaft Oesterreichs veranstalten am Montag den 25. Jänner, 7 Nhr abends, in den Olympiasälen, 1. Bezirk, Rotgasfe, ein Massenmeeting, zu de«: alle jüdischen Hochschüler sowie die akademische Bürgerschaft Wiens eingeladen werden. Gemeinderat Dr. Plaschkes wird über die „Jüdische Presse", Rechtsanwalt Dr. Israel Waldmann über die „Minoritätenrechte im Friedensvertrag" referieren. Sk»,ion Heksch in Wien. Der Vizepräsident der Zionistischen Föderation in Südafrika. In Wien weilt seit gestern der Vizepräsident der Zionistischen Föderation für Südafrika, Herr Benzion S. Her sch. Herr Hersch besuchte vor kurzem Palästina und weilte dann längere Zeit in Polen, ivo er sich über die Lage der Juden informierte. Herr Hersch wird sich von Wien nach Mährisch-Ostrau begeben, wo er als Vertreter der englischsprechenven Zionisten an der Zweiten Konferenz der tschechojlcnoakischen Keren-Hajessod-Zoichii>'? teilnehmen wird. Die Juden im Schützengraben. Bemerkungen des Generals v. Deimling. In der Berliner „Jüdisch-liberalen Zeitung" veröffentlicht Doris W i t t n e r einen Bericht über eine Unterredung mit dem vorinaligen kommandierenden General der Infanterie Bertold v. D c i m l i n g, Chef der Operationsabteilung im Großen Generalstab und ehemaliger Vorgesetzter des Generals L n d e n d o r f s. Gegenüber Toris Wittner äußerte er nun folgendes: „Wer ist denn am verlorenen Kriege schuld? Doch nicht' die Juden! Sondern schuld ist die erdrückende Uebermach't der Feinde an Soüba en und Kampfmitteln und die furchtbare Wirding der Hungerblockade. Uttd schuld ist, daß nicht rechtzeitig ein Frieden der Verständigung zuwege gebracht worden ist. Ebensowenig sind die Juden schuld ander Revolution. Die Revolution ist nicht gemacht worden, sondern sie kam, tveil sie mit N a.t u r n o t w e n d i g k e i t kommen mußte als Folge der Unterlassung rechtzeitiger Reformen irn Innern und als Folge des unglücklichen Kriegsausganges, auf beu das deutsche Volk nicht vorbereitet war. Ich habe als konimandierender General viele Juden im Schützengraben gesehen und habe die Wahrnehmung gemacht, daß die jüdischen Soldaten und Offiziere ihre Pflichtund Schuldigkeit gerade so getan haben wie ihre christlichen Kameraden. Manchem Inden konnte ich das Eiserne Kreuz verleihen, einigen sogar das Kreuz 1. Klasse. Gewiß wird es auch Juden gegeben haben, die ihr Leben höher schätzten als kriegerischst Lorbeer; solche Hai cs aber auch unter den Christen gegeben. Die gehässige Verallgemeinerung des Vorwurfes der Drückebergerei, die ist cs, dir jeder Gerechtdenkende auf das schärfste verurteilen rnuß. Der Vorwurf der Drückebergerei wird übrigens am schlagendsten widerlegt durch das Ergebnis sorgfältiger Erhebungen, die durch Vermittlung der jüdischen Kultusgemeinden während des Krieges und gleich nach demselben avgestellt worden sind. Nach diesen Erhebungen. haben etwa 100.000 Juden am Feldzug teilgenommen; das heißt: die iüdische Bevölkerung in Deutschland hqt restlos den auf sie entfallenden Anteil an Kriegsteilnehmern gestellt. Etwa 80.000 jüdische Kriegsteilnehmer sind an der Front gewesen, d. h. Ci er Fünftel aller Mischen Fcldzugsteilnehmer. Etwa 12.000 jüdische Kriegsteilnehmer haben die Heimat nicht wiedergesehen. Das heißt: die deutschen Juden haben Blutopfer gebracht, die nach der Lage der Dinge durchaus entsprechend sind. Etwa 35.000 sind kriegsdekoriert, 23.000 befördert worden, darunter mehr als 2000 zu Offizieren. Das heißt: die jüdisch"» Kriegsteilnehmer haben an den Erfolge» kriegerischer Leistungen in einer dem Durchschnitt entsprechenden Weise teilgenommen. Im Flugzeugdienst waren viele hundert jüdische Solbateii. Der mit dem Orden „Pour le merite" dekorierte Fliegerleutnant Wilhelm Franke war ein Jude. Mir selbst ist ein Fall bekannt, daß eine jüdische Witwe vier Söhne im Felde hatte, von denen drei fielen. Sie reklamierte hierauf den vierten Sohn für den Etappendienst. Bevor ihr Antrag zur Ausführung kommen konnte, siel auch dieser vierte n n d letzte Sohn. Macht euch einmal klar, ihr Judenhasser und Juden« hasse rinnen, was in der Seele einer solchen Mutter oder in der Seele von Kriegskrüppeln vorgeht, wenn sie iwmer^ und immer wieder hören, die Juden fiieu Drückeberger gewesen. Wer das nicht fühlen kann, muß schau eine g u t e P o r t i v n Roheit besitzen." La» hoNSndWe «önigspnnr ImSnldenen Buch. DL Zionistische Federation in Holland faßte in ihrer jüngst abgehaltenen Jahresversammlung den Beschluß, aus Anlaß' der silbernen Hochzeit der Königiln und ihres Prinz-Gemahls die Namen der beiden ins Goldene Buch des Nationalf o n d s eintragen zu lassen. Der Beschluß und seine Ausführung wirb der Königin iin einer Sonderavresse überreicht werden, die auch die Unterschriften aller Personen, die die Eintragung durch ihren BeAag ermöglichten, enthalten wird. Der sicher zu ettvartende Ueberschuß wird zur Pflanzung eines den Namen der Königin Wilhelm i n e uuv ihres Gemahls tragenden Orangenhains in Palästina verwendet werden. Ae tschechoslowakische Ke«n--nsessol>< Konteren,. Wie bereits gemeldet, findet Sonntag den 24. b. ht Mährisch - Orau die zweite Konferenz der tschechoslowakischen Keren-Hajessod-Zeichncr statt. Auf Einladung der Zentra-lkommission des Keren Hajessod für die Tschechoslowakei nimntt an dieser Konferenz Brigadiergeneral Sir WynÄham Deedes teil, der von 1920 bis 1923 Chefsekvetär der palästinensischen Regierung war. Die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation und das Direktorium des Keren Hajessod sind durch den Generalsekretär des Direktoriums, Herrn Leo Herr mann, vertreten. Die Tagesordnung der Konferenz umfaßt Berichte des Direktoriums und der Zeutralkommission sowie Referate und Diskussionen über die Fragen der Keren-Hajessüd-Arbeit in der Tschechoslowakei, insbesondere die Kultusgemeindenaktiou. Prozeß Warbnrg kontra Fritsch. Hamburg, 19. Jänner. In der Nachmittagssitzuttg aut 16. ö. versuchte Fritsch's Rechtsamvalt Dr. Jakobson seine 33 Beweisanträge zu begründen. Daraufhin zag sich der Gerichtshof zur Beratung zurück und verktindete dann, daß sämtliche BeweiSanträge als unerheblöch abgelehnt seien. Herr Fritsch sprach wieder von dem „unheilvollen Einfluß der Juden" in der ganzen Welt; die Juden, sagte er, seien in einer internationalen Geheiinge.se!lls ch a f t organisiert und arbeite» einander in die Hände, um die ganze Welt unter ihr Joch zu bringen. Sein Anwalt, Dr. Jakobson, sprach davon, daß eine jüdische Freimaurerloge in Italien für den Krieg gegen Deutschland öffentlich demonstriert habe. Rechtsanwalt Barte ning erwiderte darauf, wenn biles tvahr sei, so beweise es nur, daß die Juden gute Patrioten ihrer Heimatländer sein können. Die Verhandlung wurde vertagt. * Das „Hamburger Fremdenblatt" schreibt, Theodor' F r i j | ch's Kcmrps gegen das Judentum ist fanatisch tmd beruht auf einer fast pathologischen Grundlage. Denn man kann nicht glauben, daß eibi Mann von 72 Jahren, in dem sich die Leidenschaften zur Rtche des Alters geklärt haben sollten, alles das, was er dem Gericht in endlosen Reden mitteilt, als seine tiefinnerste Neberzeugung vorsetzen kann. Geschichte der Nonirmnr nnd Fdeologie der zloniftl chen Gewegnng. Ein Vortragszyklus des Zlonistlsthen Landeskomitecö. Das Direktorium des Zionistischen Landeskomitees veranjtaltet eine Reihe von Vorträgen zur Geschichte sorvie Theorie der zionistischen Bewegung. Dieser Vortragszyklus bezweckt, die zionistische Dessentlichkeit mit den Problemen und theoretischen Grundlagen der zionistischen Bewegung bekanntzumachen. In einer systematischen Reihenfolge wird der Vortragszyklus Gelegenheit geben, nicht nur die Probleme des Palästinaausbaues, sondern auch das Wesen und die Theorie der zionistischen Weltanschauung zu erörtern. Der Vortragszyklus wird mit einem Vortrag des Herrn Oberralbbiners Prof. Dr. Chaje§ über „Die zionistische Idee und Bewegung" morgen Donnerstag, präzise 7 Nhr abends, im Klubheim der Hakoah, 1. Bez., Wipplingerstraße 24—26, eingeleitet. Die nächsten Vorträge werden an den nachfolgenden Donnerstagen, ebendaselbst um halb 8 Uhr abendsftattfinden: Oberbaurat Ing. Robert Stricker: „Zionismus bt der Seltpolltik*. Dr. Z. F D i e s e n d r u ck: „Wandlungen in der jüdihen 5tulturpolitik". Adolf B S h mr „KolonisatorischeAufgaben de» Z oniSmtzS". Direktor Dr. Viktor Kellner: „Knlturprobleme de» ialästinaanfbaueS". Dr. Leo Goldh amme r: „Die »ionMchen ftoloulitionsmethoden und die sozialen Gliederungen der Altjah . Prof. Dr. Wilhelm Stein: „Weltanschauliche Grundigen d S Zionismus". Dr. N. M. G e l b e r: „Aus der Geschichte der Zionismus: «denstaatSprosekte in den Jahren 1740 bi» 1880". Frau Dr. Martha H o f m a n n r „Theodor Herzl» getsttgo ierfönlichkeit". Dr. Oskar K a r b a ch: „Dis Probleme der Teilnahme de» ewußten Judentums im internationalen Lehen". Dr. Heinrich Glan,: „Das jüdische Erziehung-Wesen der iegrnwart. Das Thema des Vortragenden, Herrn Univ.-Prof. Dr. ternhard Geiger, hat eine Aenderung erfahren und wird loch bekanntgegeben werden. Da die Anzahl der Teilnehmer für diese Vorträge b« chränkt ist, werden die Interessenten gebeten, ihre Teilt ahnte unverzüglich dem Zionistischen Landeskomitee. I Bez^