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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-19 · Heft 2481 (19.1.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2481 (19.1.1926)
Date
1926-01-19
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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f Wiener Morftenzeituna .immer itf2b fff. Er Gelte 4 Wien, Dienstag 4- ..—... ..... LEICHEN BERGER OM HOTEL U. RESTAURANT eines der grössten in nächster Nähe der Kurkapell e, mit herrlicher Parkanlage, streng ortliodos ZU VERPACHTEN! Zuschriften unter „Glmstig 85' 2“ an die Administrat on des Bla t> s An Meeting der jüdischen Studentenschaft. Am 25. Jänner. Der Gesamtverband jüdischer Hochschüler Oesterreichs „I u d a e a", der Seniorenlorivent wehrhafter zw« nistisch-akademischer Verbindungen zu Wien und der Akademische Landesverband als offizielle Repräsentanten der jüdischen Studentenschaft Oesterreichs veranstalten am Montag den 25. Jänner. 7 Uhr abends, in den Olympiasalcn, 1. Bez., Rotgasse, ein Massenmeeting, z« dem alle jüdischen Hochschülcr sowie die akademische Bürgerschaft Wiens eingeladen werden. Gemeinderat Dr. P l a f ch k e s wird über die „I üd i s ch e Press e" Rechtsanwalt Tr. Israel Waldmann über die „M inoritätenrecht« im Friedensvertrag" referieren. Borsprache der jüdischen Studentenschaft beim Rektor Lnick. Das Präsidium des jüdischen Hochschuleusschusses, der Exekutive des Gesamwerbandes der jüdischen Studentenschaft Oesterreichs, cand. rer. pol. Chaini Gelber und eand. jur. David Bukspann. wurden von Rektor Luick am Freitag den 15. d. asifiziell empfand?». In einer längeren Unterredung brachten die Vertreter der sndiichen Studentenschaft ihre Wünsche und Beschwerden vor. Rektor Luick versprach, nach Möglichkeit den Forderungen entgegenzukommen und für einen ungestörten H o ch s ch n l betrieb;n wirken. Her Preis de» Menschenlebens. Bon Josef K i r n o l. Irin bekannter Edelmann in Japan lieft'-20 Vasen aus dem feinsten Porzellan Herstellen und bewahrte sie in seinem Glasschranke auf. Eines Trges zerschlug der Diener eine dieser Vasen ohne Absicht, als er sie für eine Festlichkeit mit Blumen schmücken wollte. Da zürnte der Edelmann sehr und verurteilte chn zum Tode. Als ein alter Diener des Edelmannes voü der zerschlagenen Base erfuhr und wie es seinem Koll^en dabei erging, erbat er ein« Audienz bei seinem Herrn und sprach: Mein Fürst! Ich erfuhr von dem großen Schaden, den dein Diener angevichtet hat und erlaube mir untertänigst kund;u tun, daß ich eine Flüssigkeit besitze, mit welcher es mir möglich ist, die Base wieder ganz zumachen, so datz man nicht erkennen wird, daß sie jemals -zerschlagen war. Aber ich kann sie nur dann reparieren, wenn ich alle 20 Basen vor mir habe und ihre Machart genau studiere. Da wurde der Diener in das prunkvolle Zimmer geführt, in' welchem die kostbaren Basen sich besaiten. Der Diener öffnete den Glasschrank,: zog den, seidenen Vorhang zurück und warf alle 19 Basen mit solcher Kraft auf die Erde, daß sie in tausend Stücke zerschelltem Und dem verdutzten uno zornbebenden Herrn, der auf das Geräusch hin ins Zimmer trat, erklärte der alte, unerschrockene Diener: Diese 19 Vasen konnten noch 19 Seelen umbringen. Nimm deshalb meine Seele und laß die restlichen Seelen am Leben. Der Welmann verstand die Lehre, die ihm sein kluger Diener gab, erkannte, daß alle seine Kostbarkeiten nicht so viel werr seien, wie eine einzige- Menschenseele, geschweige denn 19 Seelen und begnadigte die beiden Diener. (AnS dem Hebräischen von Alexander Babad. Leipzig.) Per ShettogM seht um. Ein freches Couplet und ein entartetes Publikum. Ein Augenzeuge berichtet uns ~ über den nachstehenden empörenden Vorfall, welcher sich Samstag den 16. d. M. anläßlich eines Unterhaltungsabends in der Inneren Stadt abspielte. Der Schauspieler Schrecker trug ein Couplet des Librettisten Friedmann vor, in welchem das Schicksal eines jüdischen Lebemannes erzählt wird. Ter Held der Affäre kommt nach Berlin, wird dort von einer Dame cmsgehalten und macht Pleite. Es wird ihm nun geraten, sich nicht im Steinhof internieren zn lassen (nach berühmten Mustern), sondern sich nach einem anderen „meschuggeneu Ort" zu begeben, nämlich nach Jerusalem, wo er Gelegenheit haben werde, sich wieder hinaufzubringen. Ein führender Zionist, welcher der Veranstaltung beiwohnte, konnte bei dieser Stelle des anmutigen Poems nicht mehr an sich halten, gab seiner Entrüstung' entsprechenden Ausdruck und entfernte sich. Beint Verlassen des Saales hörte er noch, wie in dem gereimten Pamphlet auch noch „witzige" Bemerkungen über die K l a g e m a u e r gemacht wurden. Nun fand er es für geboten, sich an das zu mehr als 90 Prozent aus Juden be^ st e h e n d e Auditorium zu wenden, das vergnüglich zuhört« und die Herrschaften als Ghettogesindes zu bezeichnen. Er erwies sich, vaß es noch immer Juden gibt, denen Lelbstbeschmutzung eine erheiternde Angelegenheit ist. Eine bemerkenswert große Anzahl der Teilnehmer a eier Veranstaltung forderte nämlich, datz das S ch m ä h g e d i ch t Ende gesungen werde. Hiebei taten sich nebst anderen Männern Herr Bob Mautner und ein Herr Popper ganz besonders hervor. Letzte Nachrichten. Ja» gkötzte vMsche Lrgon Rorddeulschlandr unter Geschüs.raussicht. Berlin, 18. Jänner. (Tel.-Kon»p.) Die größte Zeitung der Deutschvölkischen in Norddeutschland, die „Mecklenburgische Warte" in Rostock, ist in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Daß Blatt wurde unter G e s ch ä f t s a n f s i ch t gestellt. Keine rühmliche Rolle spielte der Autor. Er betrat das Podium uno verlangte eine Ab st immu n g darüber, ob sem Couplet nicht nochmals vorgetragen werden solle. Das Polizeiorgan sah sich veranlaßt, den erregten Dichter znrechtzuweisen. Sine öfterreWsche Malerin in Rom bestohlen. 100.000 Schweizer Franken entwendet. Aus R v m, 18. d., wird gemeldet: Der österreichischen Malerin Martha B r 0 d wurden Samstag nachmittags, während sie ans dem L u n g 0 T e v e r e in Rom ein Sujet der Engelsburg malte, 10 0.000 Schweizer Franken und 400 L i r e sowie ihr Paß gestohlen. Wildwest in Deutschland. Ein Postamt in Räuberhänden. Aus Braunschweig wird uns gemeldet: Vorgestern nachmittags gegen halb 6 Uhr drangen vier bewaffnete und maskierte Männer in das Dienstzimmer des Postamtes I e r r h e i m ein und verlangten unter Bedrohung mit dem Revolver die Herausgabe der Kasse. Den anwesenden drei Beamten blieb nichts weiter übrig, als die S ch l ü s s e l h e r a u s z u g e b 0 n. Den Räubern fielen 1500 bis 2000 Mark Bargeld sowie der gesamte Markende st and in die Hände. Sie sind unerkannt entkommen. Raubüberfall auf ein schlesisches Postamt. Aus Breslau wird uns berichtet: Ein Raubüberfall wurde auf das P 0 st a in t i n G r ü s s a u verübt. Gegen a/t6 Uhr erschien, als eben der letzte Briefträger mit der Postagentin abgerechnet und das Poftgebäude verlassen. hatte, ein schwarz maskierter Räuber und erzwang unter Vorhaltung eines schußfertigen Revolvers von den beiden Postbeamtinnen die Herausgabe sämtlicher Gelder in der Höhe von etwa 1000 Mark. Der Räuber entschwand mit seiner Beute in der Richtung nach Bethlehem. Die sofor: von zwei Polizisten aufgenommene Verfolgung des Räubers war erifolgloS. Der Prozeß oesen Haarmanm Freund. Der Staatsanwalt beantragt 12 Jahre Zuchthaus für Grans. Aus Hannover wird berichtet: Gestern wurden die Plaidoyers der Staatsanwaltschaft gelhalten. Die Anklage gegen Grans wegen Anstiftung zum Morde wurde fallen gelassen und nur Beihilfe in den beiden Fällen Hannapel und Wittig angenommen. Der Staatsanwalt Dr. Wilde beatragte nach seinem zweieinhaibstündigen Plaidoher für den Angeklagten aus diesen beiden Fällen auf eliue Zuchthausstrafe von je acht Jahren zu erkennen und diese in Anbetracht dor Jugend des Angeklagten in eine Gesamtstrafevon 12 Jahren Zuchthaus zusammenzuziohen, chm ferner mit Rücksicht darauf, daß das Motiv seiner Handlungen Ha b g i e r war, die bürgerlichen Ehrenvecht auf zehn Jahre abzuerkennen, ihn unter Polizeiaufsicht zu stellen und chm die gesamte Untersuchungshaft anzurechnen. strplosto« in einer Warschauer MnattionisabeU. Aus W a r s ch a u, 18. d., wird gemeldet: Heute mittags kam es in der Munitionsfabrik Granat, die in einem Fort unweit Warschau gelegen ist, zu einer Explosion. Mehrere Arbeiter und Arbeiterinnen wurden verletzt, darunter drei schwer. Als Ursache der Explosion wurde unvorsichtiges Hantieren einer Arbeitevin festgeftellt. Sin Auto in die Dona« geMezt. Aus Budapest, 18. d., wird gemeldet: Gin betrunkener Chauffeur stürzte gestern mit seinem Automobil, in dem sich fünf Personen befanden, di« \>k ganze Nacht und den Vormittag hindurch gezecht hatten, in der Nähe der Franz-Josess-Brücke in di« Donau. Passanten gelang es, sämtliche Insassen auS dem Wasser zu ziehen. Einer von ihnen, der Agent Sallay, hatte sich bei dem Sturz jedoch so ch w e r v e r l e tz t, daß er einige Stunden später st a r b. Die übrigen Insassen des Automobils kamen mit geringügigen Verletzungen davon. Gegen den Chauffeur wurde >aS Strafverfahren eingeleitet. Sin Slraßrnbahnwaqen ln einen R«ß gestürzt. Wie aus Pittsburg (U. S. A.) gemeldet wird, entgleiste dort ein Straßenbahnwagen auf einer Brücke, die über den A l l e g h a n h - F l u ß führt, stürzte über den Rand der Brücke in die Tiefe, durchbrach >as Eis des zugefrorenen Flusses und berank. Bisher wurden drei Leichname aus den Fluten gefischt. Drei Personen werden noch vermißt. 16 Fahrgäste erlitten schwere, 8 leichtere Verletzungen. Sie Verhüllung der Mörders der MW Schmidt. Wie berichtet, wurde unter dem dringenden Verdachte, am 29. Juni 1913 die Prostituierte Mizzi Schmidt ermordet zu haben, 'in M 1 rseille der zur Zeit deS Mordes an der Technischen Hochschule studierende" Felix (damals noch „von") Kunbegrab er-Delpiny verhaftet. Kundegr-bex ist am 1. Juli 1893 zu Wien geboren, nach Budapest zuständig. Er war zur Zeit der Ausführung des Mordes noch nicht 20 Jahre alt. MS der Verdacht gegen ihn gelenkt war, leitete das Sicherheitsbureau Erhebungen ein, die schon bei ihrem Anbeginn eine Reihe belastender Umstände erbrachten. Bor allem wurde erhoben, daß Kundegraber im Sommer 1913 bald nach Ausführung des Mordes aus Wien verschwunden war. Es hieß, daß er sich in das Ausland begeben habe. WeiterS wurde ermittelt, daß er mehreren Personen gegenüber, bei denen er absolutes Stillschweigen voraussetzen konnte, sich selbst beschuldigt hat, der Mörder der Mizzi Schmidt zu sein. Noch einmal war der junge Mann unter dem eigenen Namen nach Wien zurückgekehrt — es ivar im Herbst 1918 — doch ist er damals nur kurze Zeit hier geblieben und hat ebenso plötzlich Wien verlassen, wie im Sommer dieses Jahres. Seit dieser Zeit galt Kundegraber in seiner ganzen Bekanntschaft als tot. Man hat von ihm in der Familie wie von einem Toten gesprochen. War schon das im intimen Kreise abgelegte Geständnis fast einem Beweise gleichzuhalten, so ivar es auch sein Verschwinden knapp nach dem Morde und noch mehr der Umstand, daß er geflissentlich als „tot" bezeichnet wurde, wiewohl feststand, daß er noch lebe. Cr soll sich auch im Herbst nach dem Ausland geivendet und in der Schweiz, Italien, Frankreich oder Ungarn gewesen sein. Den Verdacht bestärkte außerordentlich ein Umstand, der gleichfalls im Lause der Erhebungen zur Kenntnis der Behörde gelangte. Das Sicherheitsbureau stellte fest, daß im Herbst 1921 bei den Angehörigen Kundegrabers ein Mann unter dem Namen Felix Gerbeaud, am 1. Juli 1890 in Frankreich geboren, gemeldet war. Der junge Mann wurde im Kreise der Bekannten als Neffe des Hauses ausgegeben, aber die Wahl des Bornamens Felix und der trotz abweichender Jahreszahl gleichlautenden Geburtsdaten., der 1. Juli, ließen den Verdacht aufkommen, daß der angebliche Neffe Felix Gerbeaud tatsächlich der Sohn des Hauses, Felix Kundegraber, war, der in das Elternhaus zurückgekehrt ist. Die Erhebungen haben tatsächlich ergeben, daß Kundegraber nicht gestorben ist, sondern unter falschem Namen in Wien geweilt hat. Er hat sich auch im Jahre 1921 nicht lang hier aufgehalten und ist wieder verreist und die Nachforschungen haben ergeben, daß er sich nach Frankreich gewendet haben dürste. Im Laufe der monatelang dauernden Erhebungen würde eine umfangreiche Korrespondenz mit den größeren Städten Frankreichs eingeleitet und Kundegraber wurde namentlich m Paris, Nizza und Marseille gesucht. Die Behörden dieser Städte wurden um seine Ausforschung ersucht, da indessen vom Landesgerichte Wien gegen ihn wegen Verdachtes des Raubmordes ein Steckbrief erlassen worden war. In der Nacht zum Sonntag langte nun im Sicherheitsbureau eine Depesche der österreichischen Gesandtschaft in P a r i s ein, die besagt, daß Kundegraber endlich in Marseille verhaftet worden sei. Das Landesgericht in Straffachen wurde davon in Kenntnis gesetzt und wird das Auslieferungsbegehren stellen. Das Sicherheitsbureau hat eine Depesche an die Polizeipräfektur in Marseille gerichtet und darin um Mitteilung ersucht, ob der Beschuldigte ein Geständnis abgelegt hat. Die Antwort steht noch aus. Kundegraber soll in der Zwischenzeit unter denr Namen Gerbeaud in Frankreich geheiratet haben. Eine Darstellung der Polizelbirektron. Zum Falle Schmidt wich von der PoliMreiktion folgendes amtlich festgestellt: Im Verlaufe der Erhebungen, die im Jahre 1913 und auch noch in den folgenden Jahren nach dem unbekannten Täter gepflogen wuchen, ist der Name Felix Kundegraber überhaupt nie aufgetaucht. Die Polizeidirektion wurde erst vor ungefähr einem Jahre darauf aufmerksam gemacht, daß sich ein Felix Kundegraber im Jahre 1913 zu Bekannten geäußert habe, er sei der Mörder der Mizzi Schmidt. Durch die fortgesetzten Erhebungen wurde endlich ermittelt, daß sich Felix Kundegraber wahrscheinlich, und Kvar unter dom Namen Gerbeaud in Frankreich, und Avar vermutlich in Paris, Marseille oder Nizza aufhalten dürfte. Im Oktober und November 1926 wurde an die in Betracht kommenden Polizeibehörden in Frankreich deis Ersuchen um Ausforschung und Verhaftung des Kundegraber gerichtet. Dieses Ersuchen wurde im Dezember 1926 erneut. Als nun im Jänner 1926 ein Beamter dor Direetilon de la surete Generale in Paris. anläßlich der Erhebung über die lOvO-Franken-Fälschnngen in Wien weilte, wurde er ersucht, dieser Angelegenheit seine Aufmerksanckeit zuMvenden. Tatsächlich ist nun am 17. d. bei der Polizeit- Direktion in Wien eine Depesche der österreichischen Ge« andtschaft in Paris eingelangt, des Inhaltes, daß Felix Kundegraber in Marseille verhaftet wurde. Snsammenftob auf der Rern-Iorker Unter- »rnndbat». 34 «Ilch,«. Aus New-Aork wird gemeldet: Zwei Züge Setz Intergrundbahn, die in der Richtung Manhattan fufywtt tieften aus der Brücke von Willansfvrd in dichtem Nebel zusammen. Hiebei wurden, soweit bisher festgestellt toMtaf konute. 94 Kerlssrnverletzt. ' vn iT ri-anrnirnsj.aawaufa»*:

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