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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-18 · Heft 2480 (18.1.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2480 (18.1.1926)
Date
1926-01-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wil l Weit. Memkäg Sie PalWnaanleihr. Don Adolf V'öhm. U. Eine Vemer-kung zu den Pliinen. Die im ersten Artikel nur in kn flücht'gsten Grundrissen wiedergkgebenen Vorschläge kreisen einige Wichtige Versch.eden- Keiten auf. Der Plan der Anleihe ist bei Rupniu am einfachsten konzipiert. Er geht vom Gegebenen aus und vcrmei-re: allzu komplizierte Konstruktionen wie eine direkte Kapi'.Mga a..Ne. Arlosoroff will eine solche durch Garantie der schon in Palästina vorhandenen Werte schassen. Er ist gewiß im Rechte, wenn er einerseits diese starke Vermehrung der Sicherheit a's ei: en wich igen Faktor dafür ansieht» daß diese An este zustande kommt, die von einer juristischen Person ausgenommen we d:n soll (die Jewish Agencvl. deren Besta.d kaum n ch weiteren Kreisen bekannt ist und deren völkerrechtliche Sellung k ine nach den bisheriger; Rcchtsbegrisfcn eindeutige und klare .st (sie hat ja nur eine beralerrde Funk ion, urd es sind leine Sanktionen für die Sicherung selbst dieser Rechte vorhanden) und anderersei'L nachweist, daß es im wirtschaftlichen Eig.ui t resse der Garanten liegt, daß die An'c'he plae ert wich, so da'r sie zu dieser Garantie bereit sein wc den. Zlb.r ebraucht langer, vielleicht langjähriger Derhand ungen, um rieten Keren Haje'sod und Keren Kajemeth auch nrch private und ha bprivate Gesellschaften und Einzelper'onen zu bewegen, sich zu einem G'- ranliekonsor ium zusammenzuschließen, tv : n des Li.crha Pt möglich ist. Der Besitz d e'er Faktoren ist überdies kein fr -er, unbelasteter. Auf den Böden des Keren Kajeme'h ruß;• nach große Kaufshyprtheken. Gesellschafien, wie Meschck und andere, sind gezrvungen, die Böden, die sie erwarben, rasch wieder abzustoßen, können sie deshalb nicht als dauernde Ga aniie in ein Konsortium einbringen, da es mehr als fraglich ist, ob die Käufer damit einvcrstarrdeu wären, diese Carantieverj fl chturg mit .zu übernehmen, die sie in der freien Verwerfung ih es Eiren« mms bchindern wü.de. (Arlosoroff will allerdings w', iastens den privaten Schuldnern die Hypotheken durch das Syndikat ablösen und konvertieren lassen. Die Frage -st, ob das auch für Kererr-^Kajemerh-Böden gelten soll, und wein ja, was für einen Sinn so eine Transaktion hä te. Denn dann haftet-. der Boden nur fü diese Teilsumme der Anleihe und da.über hinaus wäre die Garantie wertlos.) Was die Jnremarien im Be'tze des Keren Hajesstd betrifft, so sollen sie nach Vorschlag Ruppins in ein Kolouisationsinstitut eingebracht werd'n, das dadurch kredi fähig wird (wie von mir in diesen Blät ern schon wi de - holt aüsgeführt würde), und können daher nicht in die a gemeine Earaniiemasse eingebracht We den. Der ind rekte Weg, den Ruppin vorschlägt, daß solche Institute einen im Berh ltnis zu ihrem Akt-enkapital stehenden Kred't von der C'mpa y erhalten sollen, läßt die Verkehrsfreihe't der Aktiven bstchen itrib mindert nicht die Sicherheit. Allerdings wird d'eser Modus den Kapitalisten nicht genügen, wovon noch zu sprechen sein wird. Es ist ferner nach dem heutigen S'and der D'nqe so gut als ausgeschlossen, daß die Mandats macht einem jüdischen Jrstitut das Recht der Notenausgabe übertragen wird. Arl.sor ff hat im Prinzip recht, wenn er, gestützt auf Auloriätrn, ausfi'lhrt, daß in Sredlungsländern, wo es keine nennenswerten Sparkapitalien gibt, die Schaffüng des Produktivkredites von der Notenbank ausgcht. (Man kann auch kaum einwenden, daß der Fall Palästinas ein spezieller ist. weil dorchin sehr viele private Kapitalien einströmen. Diese haben bisher aus den bekannten Gründen —^ ste sind ja kein „Sparkapital", ftrrbexn sie werden unmittelbar von den Eignern selbst verwendet — dem Mangel an Produktivkapital nicht im mindesten ab'-e ftn können. Im Gegenteil, soweit sie nicht anderweitig verw'det wurden, haben die durch sie geschaffenen Unternehmungen selbst immer an Kreditno; gelitten, oder besser gesagt, je mehr Kap''ai produktiv verwendet wurde, desto höher stieg auch das K.v.itbedürsnis für ProduktionZzwecke.) Aber die beste cheore ifche Einsicht nützt nichts, wenn sie praki.sch n'cht durchgesührt werden kann. Es ist vielleicht nicht einmal taktisch rich' g. den Anleiheplan mit der Forderung des Notenprivilegs zu belasten, denn gerade heute, nach den Valu aersahrungen in allen Ländern, wird keine Regierung, und schon gar nicht eine vö kerrechtlich so sehr umer. Kontrolle stehende ww die eines Mandatslandes, das Notenprivileg einer priva en Bank geben, die noch eine andere spezifische Au'gale hat, von der man mit Recht annehmen wird, daß sie der Bankleitung als die wichtigere erscheinen wird. Und sch"N gar nicht kann in Palästina einem Institut der jüdischen Minorität das No enprivileg gegeben werden, ohne auf den unüberw Michen Wide.stand der Araber zu stoßen, die zumindest einwenden werden, daß die Jewish Agency ein« politische Körperschaft ist, daher ihre Bank nicht als eine unparteiische und rein wirtschastt'chett Zwecken dienende angesehen werden kann. Für diejenigen, welche das Geld geben sollen, ist es selbst bei den besten Garantien für Kapital und Zinsen w ch ig. den Verwendungszweck klar zu überschauen. Auch hier ist Ruppins Pan der einfachste. Er sieht nur drei Kkeditvermi tler vor, von denen die Hypothekenbank bereits besteht, w'hrrnd die Gründung der zwei anderen Jnsti ule vom Kingrcß beschlcsftn wurde (Jndustriebank ui d Kolon sationsfond-.) und diese dauert bis zum Zeitpunkte der Verwirklichung der Anleihe schon arbeiten werden. Ter Plan von Arlosoroff ist kontp! zier.er, aber dafür viel großzüg aer. Be» ihm »st die Anle'he nicht bloß dazu bestimmt, den Kreditinstituten GeD zu verschaffen, sondern ein Mit el, um durch Gründung «imr Zentralbank als Mullerbauk sämtlicher Institute, von deren ein Teil erst ins L ben g.' uftn werden müßte — und gie chzeitig aks Zetwlbank —, wie er 'etbst sich ausdrückt: „die ko.on stierende Volksgemeinschaft als _Wiener Morzenzektuirs_ solch« zum mächtigsten Wirt'chaftSsaktor lm Prozeß des P astinaaufbauwerkes" zu machen. Wenn wir annehmen, daß das Noienprivi eg für die Mische Zen ral^ank'nicht zu erre chen «wäre, so fiele damit ein gr.ßer Teil ihrer Wirkukrgsu.ög ichkeit fort, aber es bliebe noch genug übrig: Die Zu amm.'r fa u g aller Institute in einem Mmier'.nsti ut, ähnlich, wie es — tvas schon erwähnt wurde — der P an der Exekutive von 1919-1920 war, welche den I. T. C. zu einem solchen Just üt aus lauen wollte. Allerdings wäre dies nur eine Mant.g ftllschaft gewesen (Holding Cy.), durch deren Bestand die Zionistische Organisation ihren vollen Einfluß auf alle Institute sich in einfacher Weise gewahrt hatte. Bei Ruppin kommen d e Anleihegelder in kn Besitz der Heimstäiteucesellschast (bei Arlosorof in den des Syndikats, das aber in der Zentrallank einen finanziellen Gestor hä te), so daß diese G'st schast den Eiuf'uß auf die Institute, den sie daraus Kredite g bt, au üben wür«. Der unterschied ist nicht sosehr ein techustch.organisatorisfter, als ein solcher materieller Natur. Ruppin will, daß die Company Obligationen der Jnstiu'e in einem Mehrfache« des Aktie; kapilals erwerbe. Ob 'gationen .hab'n zwar ein Verzinsungsvorrecht, respektive ihre Verzinsung geht na ürl ch dr Dividende für d e Aktien voraus, aber sie ver.eihm dem Bcsi/er nicht das Vcrfügungsrecht über die I sti Ute. Bei Simon war die Kcnstrukt'on so gemacht, daß die D'antc-llank die Majorität der Aktien der Tochterinstitute besäße und diese dami: vollkommen in der Hand khielte. Achulich will Arlosoroff die Institute aus den Mitteln des Syndikates (der Anleihe) errichten, die zu einer mächügen, einheitl-ch kombinierten Großunternehmung verbunden sein würden. Hier kouimt dcutl'ch zum Ausdruck, daß die Jewish Agency mit den Gedern der Anleihe eine plann äßige, in allen Teilen von ihr zu bestimmmde Aufbauarbeit zu leisten hat, daß sie stets auf der Kommandobrücke steht und die Macht hat, alles nach ihrem Willen zu gestalten. Es ist der Gedanke der Planwirtschasi, der wenigstens z;tm Teil in die Tat umgesetz. werden soll. Von größter Bedeutung ist aber dabei nicht nur der Grad der wirt'chaftlichrn Einsicht» die 'n der Jewish Agency vorhanden ist,, sondern auch ihre polnische Stmkur, da ja durch sie das Wie des Aufba res bestimmt werden wird. Hier liegzweifellos eine große Schwierigkeit. Zur Zeit der Vorschläge Simons ha'te man an keine andere Agw ey als die Zionistische Organisation g dacht. Es erschien selöstverständ'ich, daß dieser — ebenso wie bei Bank und Keren Kajemeth — die Oberleitung durch best'nmNe orgau sa'orische Konstruktionen (d>er I. C. T. als Mautelbank ist ja in den Händen des Aktionskomitees) gewahrt b.'erbt. Aber schon innerhalb der Zfcnistischen Organisation sind die Kämpfe der Parteien immer schärfer geworden. Wird ein Machtinstrument von kr Größe dieser Zen ralbank in ihre Hände gelegt, dann werde»; die politischen Kampse um den Einfluß auf sie die schärfsten Formen annehmen. Aber immerhin, sie sp'elten sich innerhalb der doch schdn seit drei Jahrzehnten in demokratischen Formen geschulten Zionistischen Organisation ab. Wenn die Agency aber erweitert wird, dann wird der Kampf um die Mach: noch verwickelter. Es erhebt sich beim Plan von Arlosoroff die Frage, ob di«, nationalen und privaten Institute alle geneigt sein »verkn, ihre Kapitalsgarantie einer so gemischten Jetvish Agency zur Verfügung zu stellen. Andererseits aber wird deren Bildung wohl gerade die Voraussetzung dafür sein, daß die Geldgeber die Anleihe zeichnen. Damit sei nur angedeutet, daß die Frage der Anleihe nicht frei von politischen (jüdisch-polittschen) Erwägungen behandelt werden kann, ohne hier hierauf näher einzugehen. Bei Ruppin ist die Konstruktion wesentlich einfacher. Die drei Institute sind im Besitz des Keren Hajessod (der das Aktienkapital liefert). Die Company kauft nur Obliga iouen. Damit ist eine wesentliche Entlastung von pvlitischen Kämpfen erzielt, was auch für die Aktion zur Aufbringung der M. tel eine Erleichterung ist. Eine wichtige Frage für das durch die Anleihe zu finanzierende Merk ist die nach der Rentabilität der Land.vir:schast. Das heißt, ob diese imstande sein würde, die Kredi:e zu verzinsen und zu amortisieren. Daß für Bodenkauf, Parze ieruug, Industrie, städtische Hypotheken bei strenger Geschäftsführung die Risken übernormale sein sollten, noch dazu, wenn nach Vorschlag von Ruppin die Company nur Obligationen erwirbt» werden die Anleihezeichner wohl kaum fürchten. Anders bei der Landwirtschaf:. Wenn solche Befürchtungen auch durch das Bestehen des Zinsergarautiefonds zerstreut werden können, so ist es doch intern von größter Wichtigk.'it, sich klar zu »ve den» welches Risiko man eiugeht. Denn wenn man äuch die Attleihezeichner beruhigen kann, so sind die Befürcht; gen der Garantiefoudszeichner nich: minder wichtig, denn mau w'rd ste kaum dazu bewegen können, die Sicherstellung zu le.strN, wenn ihr Risiko dabei ein zu großes wäre. Bei Arlosoroff sowohl wie bei Nups'in ist an eine Kombination der Zinsenaufbringung von Landwirtschaft, I. dustrie und Hypotheken gedacht. Arlosoroff spricht von einem durchschnittlichen Reiner rag hes „Eesamtunternehmens" von 48 Prozent, rechnet genauer und entwirft einen Zinssnzahlungsplan, bei dem die Landwirtschaft in den ersten fünf Jasrett gar nichts, in dem Kveiten Jahrfünft 2,5 Prozent u^w. (Mit der Zeit immer steigend) leistet. Damit wären jene Bedenken in der Hauptsache widerlegt. Ueber die Rolle, welche der Keren Ka'ern'th sp'elen soll, finden wir bei Ruppin folgende Angaben: Bei der Annahme, daß von den 1500 anzusiedelnden Familien nur 750 „Unbemittel e" den Beden vom Keren Kajeineth «rbalten, hätte dieser 750mal 400 Pfund, das sind pro Jahr 300.000 Pfund, zu leistrn, was im Rahmen des Möglichen bleib!. Ruppin sieht! auch vor, daß die Kredite an d e bemittelten Ansiedler von der I. N. F. Cy. eventuell auch »n Boten gegeben werden könnten, der von ihr durch den Keren Kajemeth gegen Abzahlung in 40 Jahresraten übernommen »verden könnte. _IS. Jänner 1926 _fh. SM Die Unterbringung von jährlich 1500 Familien in der Landtvirtschaft und ebe».sovielen in der Industrie würde mit Hinzurechnung rveiterer 2000 Fam.'len, die dadurch in den anderen Benrfen Unterkommen können, und jener, die ganz unabhängig, mit eigenen Mitteln nach Palästina kämen, eine jährliche Festsetzung von 40.000 See.en sichern, das wären mit Hinzurechnung der schon vorhandenen jüd'schen Einwohnerschaft in zehn Jahren eine halbe M: lion. Es scheint, daß Ruppin hier sehr vorsichtig sch 'tz', denn eine st.ftnw.-ise Kapita'Szuflrhr von 10 Millionen Pfund Kredit'apiai in zehn Jahren würde nach den Erfahru: gen des b tz-en Jalres eine noch viel höhere Einwandcrungszisfer ermög'ichen. Fraglich bleibt immer nur, woher jährlich 1500 vorgeb ldete und z'.tm gwßten Teil bemit elte Familien z»»r landwirtschaftlichen Ansiedlung bereit sein sollen. (Weitere Artikel folgen.) $8nf Berliner Mefredatteme seien den Anli.emiiis.;-us in der devlfche» «reffe. Berlin, 17. Jänner. (I. T. A.) lieber daS Thema „Der Antiswtitisn uS und die deutsche Presse" veranstaltete die Ortsgruppe Berlin bcs Reichsbundcs jüdischer Frontsoldaten am 14. d., akendS, in der Stadthallc e.ne Versammlung, in der fünf Berliner Chefredakteure, die zu den markantesten Erscheinunnungen der deutschen Journalistik gchören, das Wort ergriffen. Der Rie''ensaal, seine Galerien und Gänge, waren iibersüllt. Der Vorsitzerde des Bezörkes Nord des Roichsbundes, Herr Dr. London,' eröffnet« die Vlersammlung. Als erster R.duer sprach kr Chosrcdalkteur des vorwärts", Dr. Stampfer, der ausührte: Mit Millionen Kameraden meiner P.'rtei stehe ich zusammen im Kampfe gegen alle Unterdrückung und somit auch in gemeinsamer Abwchrsront gegen den Antisemitismus. Im Schützengraben war von Antisemitismus nichts zu^,spüren. Dort dursten die Juden ihre Pflicht tun. Lag bas vielleicht daran, daß die Herren Ant t.s e m i t e n n r ch t dort waren? Die Politik der Antisemiten hat Mit nationaler Vernunft nichts zu tun. Auch dieje Welle wnd verebben wie die anderen vor ihr. Wir l-ekämpfen in dem AntisemilisrnuS auch die monarchisti, che und kap i talist ische Rea kt ion. Der nächste Rrdner, der bekannte bemokratsche und pazifistische Vorkämpfer Helmuth v. Gerl ach, Chesvcdakteur der „Welt am Montag", warnte vor Optimismus und sagte, fast zwei Drittel der deutschen Presse vergifte das öffentliche Leben m Deutschland durch antisemitische Lü en und Verleumdungen. Einer der Rathenau-Mörder, über die Beweggründe seiner Tal befragt, erwiderte, er habe in seiner Zeitung gelesen, daß R a thena u .eine Echwest er d e m Bolschewiken Radek zur Frau gegeben hat. Deshalb mutzte er fallen. Wer die Verhältnisse auf dem flachen Land kennt, der weiß es, daß die rechv'ckaffene Bevölkerung antisemitisch verseucht ist, indem die antisemitische Presse, zu welcher auch die zahlre'chen und de« größten Einklutz ausübenden Kreisblätter gchören, fortwährend solche Märchen über Juden und Judentum auftischt. ES sei zu beklagen, daß s i ch n i ch t reiche Juden sinden, die di« . utgesinnte Presse ebenso stützen, wie die reichen Industriellen und Grundbesitzer die antiisernitische Presse stützen, um den Bolkszom von den wahrhaft Schuldigen an der gegenwärtigen Wirtscha>°tsnot abzuleNken. Zu bedauern ist auch, daß gerade die jüdischen Journalisten im Karnpfe gegen die Volksseuche des Anti-- semitiSmus sich aus einem falschen SchamgeM heraus weniger rührig zeigen, als ihre demokratischen christlichen Kollegen. Die Bchauptuna von der Beherrschung der Presse durch Inden ist ein M ä r ch e n, die Presse wird mm den Führern der Industrie und der Dandwilschaft, unter denen kaum noch Juden sind, beherrscht. Man darf im K.-mpfe nicht erlahmen, damit d i e S e u ch e schmll und mdikal überwunden wivd. Dr. AlfonS Steiger VM ZentrumSorgan „Germania" charakterisierte den Ant'semitismuS Wilhelm des Zweiten und der „Neudeutschen Heiden", und sagte, der Antisemitismus wendet sich gegen den Katholizismus, sowie gegen jede christliche Religiion wie gegen das JMntuM. Mit vereinten Kräften muß er bekcnnpft werden. Abgeordneter Dr. Otto N ü s ch k e, Chefredakteur der „Berliner VollkSzeitUng", bedauert es eben'älls, daß die jüdischen Kollegen nicht genug scharf die antisemit'sche Seuche beikämpsen. Herr Doktor Goetz von der „Vossischen Zeitung" sagte, oie antisemitische Presse lebe zu einem großen Teil von jüdischen Inseraten. Die Redner, sämtlich Nichtjuden, zollten dem Reichsbund jüdischer Frontsoldatm viel Lob für sein mannhaftes Eintreten gegen den Antisemitismus. Sie emteten stürmischem und begeisterten Beifall. Wien, 18. Jänner. * Das Leichenbegängnis des Professors Joses Sulzer. EestsM votmittags fand auf dem Zentra.'fnrdhof das Leichen" begüng'.'ib de» Cemsten Prof. Josef Sulzer unter unge" wbhnliher Tßllnahme weitet gesellschaftlicher Kreise statt. Der Verewigte hatte «inen so grohrn Krei« von Verehrern, Freunden und Bewunderern, daß die weite Halle kaum die Trauerversammlung fassen konnte. Es waren u. a. erschienen: Frau Kinsky-Renord. der Präsident der israelili'chen Kultusgeme'nde, P-of. Dr. P i ck, Vizepräsident des Tempelvor" stände» Dr. M ü n z, Amtsdirektvr Dr. Adler, Amtsleiter Freistadt, Rech Ungsdirekior Peterfelka, Amtsleiter Krauß, Regien g.rüt Karpath, Trmpelverwalter Schwa" ger. Rabbi'i: Dk. FeUchtwang hielt dem Verblichene» eiren tiefempfundenen Nachruf. Nach einer Rede des Präsi" dep en Dr, P i ck nahmen zwei Logenbrüder vom Verblichenen Abschied. Kerner sprachen der Prä'ident des österr ichi^chen Kantorenve-bandes L ö«i t, Schauspieler Weiß und Oberkantor Watyüs. Der Sarg wurde im Ehrengrav«, das vor einem Vierte'.jahrhvndert dem großen Meistersänger Prof. Salomon Sulzer von dar Kultusgemeinde gewidmet wurde, beigesttzt-

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