Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2480 (18.1.1926)
- Date
- 1926-01-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1 Polen; *S ttfossy 1 unain W>ieti -umAohoien moer Expedition, 11. lSborsti. 1-3, oder in elnci Veischleisstellc Trailk monatl. o bchilling Strassenverkauin Wien durch die Kolporteure der Firma Ooi aschmied. i„ Wollzeile 11 Mit Pos 'Tsand Uli Wien Mild Oe te eich monatlich c Illing . sch ec ho-SIOrakel: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din.-60. Polen: JVion. 5 z.Ioty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, i '. t» 3 i en Mon. Frcs. 18 Nr. 2480 . Wiener Morgen^ itung Lngiand: Mon. 4 Schi Hing. Italien- Monatl. 18 Um Ru nänien Mon. 170 Lei. Bulgarien Mon.IOOLewi. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration« Wien, II. Taborstr. 1 Telephone 44-0-38. 43-3-19 Ab 6 Uhr 21-102, 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (D uckerei g. Steinmann) W>M>WWWW>WWWgUM>W>W»WWW8WWWWWWWMWWW>W»»MWWelMs^sI Wie». artDwng, 18. bttnner mt> Oesterleichlsches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 8. itabtnona Der ottfgeffooene Putschplan. 8or der BerHaftung der Bilchosr zadrawerr. — LetHlens kr.tükuvgen. — Pariser KnchiiUvngeu. Budapest, 18. Jänner. Im Laufe des Heutigen Tages ivird es sich entscheiden, ob die Staatsanwaltschaft den Mut aufbringen wird, zur Verhaftung des Feldbischofs Zadrav e c 3 den Auftrag zu geben. - In der Nacht auf heute wurden die Verhöre fortgesetzt und die Beamten der Staatsanwaltschaft waren in Permanenz, um dem Ministerpräsidenten für seine heute in der iuterpar^amentari'chen Konferenz abzugebendert Erklärungen die Unterlagen zu schaffen. Es verlautet, daß der Ministerpräsident daran festhalten wird, daß die Frankensäi'cheraffäre keine politische Angelegenheit sei und daß keine Partei als 'olche mit der Angelegenheit in Verbindung zu bringen sei. Dagegen siebt die Opposition auf dem Standpunkt, daß zur Feststellung des politischen Charakters die Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchnnnskommission erfolgen müßte, der alle Parteien angehören müssen. Für alle Fälle steht Ungarn vor sehr schweren parlamentarischen Kämpfen, die noch durch die aus Paris kommenden Enthüllungen ver'chärft werden.' In Pariser politi'chen Krei'en kennt man bereits die Listen, welche die Geheimpolizisten der Bank vm Frankreich in Budapest vorgelegt haben, sowie auch die Pläne, die durch die Verhaftung der drei Fälscher im Haag gestört wurden. In diesen Plänen war dem Prinzen. W ind ischgrgtz die Rolle des Ministerpräsidenten. Gömbös das Honvedutin'ster'lum, dem lieben Tibor Eckhardt das Ministerium des Innern und dem Bischof Zadraveez das Unterrichtsntiuifterium Vorbehalten. Erzherzog Albrecht sollte als König an die Stelle Horthys treten, der mm Palatin bestimmt war. Ter Gouverneur der Postsparkasse, Barosz, dessen Verhaftung die Staatsamvalt'cha^t bisher vergeblich verlangt, war zum Handelsminister ausersehen. Fu'Iur Anbraff» fährt nach kna'ani. Budapest, 17. Jänner. Wie verlautet, beg'b! sich Graf Julius Andrassy demnächst nach England, um mit seinen dortigen politischen Freunden über die Lage Besprechungen zu sichren. Apvonhi arändet einr» Frauenv-rela. Budapest, 17. Jänner. Im Geselligkeitsllub der nationalen Eintracht hielt Graf Akberr Appony, eine ter. Der nächste Schritt werde die Errichtung ei. esVerbandesderStefanskronederungariswenF rauen unter dem Vorsitz der Gräfin A P P o n y t sein. Bezüglich der Frank enfälschungsaffäre erklärte Graf Apponyi, das Wespennest der Frankmfäs er müsse gänzlich ausgeräuchert werden. Es werde keine Ruhe sein, ehe nicht die ungarische Regierung völlig Ordnung geschaffen habe. Audeir in «nrmfon. Berlin, 15 Jänner. (I. T. A.) Die spanische Gesa n d t s ch a f t in Berlin teilte dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens auf eine Anfrage mit, daß die Nachricht, derzufolge General Pr i mo de R i v e r a, das Obcrhuupt des spanischen Direktoriums, erklärt haben soll, daß ein Jude, der nicht zum katholischen Glauben übertrete, nicht Bürger Spkmiens werden könne, den Tatsachen nicht entspreche. Vielmehr habe Primo de Rivera den Inden die Einbürgerung in Spanten durch ein Dekret erleichtert. r>ie brutschen Itkmemä'der. Berlin» 17. Jänner. Nach eitler Meldung der „Bossischen Zeitung" sollen die beiden Vorsitzenden des Landarbeiterverbandes, die deutschnationalen AbaevrdnMen B e h r e n ö und M a Y e r, im Zusammenhänge mit der Angelegenheit des Oberleutnants Schul tz, dem vom christlichen Zentralverband der Landarbeiter Geldmittel zur Verfügung gestellt wurden, ihre VorstandSätuter bis o.r Kiär'.'.ng der Angelegenheit ui.'derüvlegt haben. Baida-Dakvod in dm Srmm Klebelsdergs. Eine eigenartige Begründung für dm Numerus clausus. Bukarest, 14'. Jänner. (I. T. A.) Ter Führer der Nationalisten und ehemalige Minister Baida-Boevod äußerte sich gegenüber Journalisten wie folgt: Ter Antisemitismus der Rumät.en in Siebenbürgen ist sehr erkiärlich und nichts anderes als eine gegenwärtige nationale Reaktion, deren Ur'ache darin zu suchen ist, daß zur Zeit der Herrschaft der Ungarn in Siebenbürgen die Juden eine günstigere und privilegiertere S'tuat'.on gegenüber den Rumänen halten. Auf jeden Fall sche'nt es, daß nach dem Erfolg Klebelsberg auch die rumänische Negierung .einen Numerus clausus an nehmen wird, der aber in gerechter und proportioneller Weise systematisiert sein wird, auf keinen Fall aber den gegenwärtigen Numerus. clausus, der verschleiert und ungerecht ist. Hiezu schreibt das Regierungsoroan „Biitorul": Herr Ba'da ist schlecht inform'ert. Gegenwärtig gibt es in Rumänien überhaupt keinen Numerus c'avsus und in'olgedessen auch keinen verschleierten. Es wird auch nicht die Einführung dieser Maßnahme beabsich igt.?ie i'bischen Fo demngm in Po'en. Warschau, 15. Jänne^E. T. Ä.) In der Sitzung deS jüdi'chen Parlamentskiubs gab Präsident Tri Lean Reich Bericht, über seine Unterredung mit dem Premier S k r; y n s k i. Senator Körner re'erierte über, die schwere Lage der studierenden Juden in' Verbindung mit den gegen sie un'eruommcnen ungesetzlichen Einschränkungen. Abgeordneter Ros m a r i n forderte einen Be'chluß betreffend eine energische Aktion in A m e r i k a wegen Abhilfe der furchtbaren Nat'age der Juden in Polen. Es wurde eine Kommission gewählt, d'e über Mittel zur Abhilfe der Not zu beraten habett wird. Es gehören ibr an: Tr. Reich, Tr. Rosmarin, Färb ft e i n, Dr. Hausner, Kirsch braun, Tr. Rothen streich, Senator T r u s k e r und E i s e n st e i n. Auch wurde beschlossen, sich an d'e Regierung mit der Forderung zu wenden, einen Vertreter des Jüdischen Klubs in die Sektion für Minderheitsfragen anszunelmen. Endlich wurde beschlossen, in Verbindung mit der bevorstehenden Kon'ererz der jüdischen Geme'nden einen Aufruf an die Judenscha't Polens be'üglich der jüdischen Lage und der rechte und linke Parteien im .einer besonderen, in der Mandatszahl beschränken jüdischen Kurie in den städtischen Selbstverwaltungsorganen verhandeltt. Mussolini bu bet nicht Me flbtooiUion. Rom, 17. Jänner. In der heutig nt Kammersitzung war kein Mitglied der Ävennn-Opposit on erschienen. D e PopAari teilten gestern durch ein Conanumque mit, daß sie an der heut gm S'.tz.ing angesichts den Mißhandlungen, d e ihnen gestern zuteil geworden waren, nicht teilnehnten wüwen. Nach Ber esung des Sitzu-grprolokolles ergrff Miniftervräsiden: Mussolini d<rs Wort und beklagt bitter die Haltung der Aventin-Opposition, die sich gestern hinter dem Andn knt einen Toten (der bersterEenen 5 ön g n-Mu ter Margh rita) versteck! hätte, um wieder ungestört in der Kammer erscheinen zn können. Eme solche Ta: sei umso beklagenswerter, as die hohe Verblichene, hin er die sich de O Position verst.'ckt hätte, eine Förderin des Faszismns gewesen sei und vom Fasziemns h ch verehrt wurve. Der Ministcrprä'idrnt nannte dann drei Bedingungen die vorher zu erfüllen seien, wenn die Aventm-Opposition nieder in der Kammer erscheinen wolle: 1. Anerkennung der fascistischen Revolu ion; 2. Ausdruck de Bedauerns über die Skanda kamngne. die mehrere Mo. ate hindurch angeda-iert haoe, und 3. das Aufgeben der G m inschaft mit d e n i t a l t e n t s ch e n Emigranten m Auslände, die dort ununterbrochen das sascist sche R g me u.d die gegenwärtige Regierung verleumoeten. So a.ge diese drei Bodingttngm nicht erfüllt seien, würde die Avsn in-OpPosition, jola ng e Mussolini an: Ruder ble i b e:t w orde, nicht in der Kammer erscheinen dürfen. Die jüdische Monnlbetfammlung. Ierufalem, 14. Jänner. (I. T. A.) In der heutigen Sitzung der Assephath ßaniwcharim erstattete Tr. Mosfnson Bericht über das Erziehungswesrn. Sein Bericht gipfelte in der Forderung, daß die Leitung des Erziehungs- Wesens auch weite hin in den Anden der Z i o n i st i s ch e n Exekutive verbleibe und nicht dem allgemeinen Jischuw übergeben werde. In der Diskussion über dieses Referat fo dirte d'e bekannte Schauspiel rin Madame Cohan-Bernstein, als Sprecherin der Fraktion der Zionisten-Revision sten, dal; der ästhetischen Erziehung besondere Aufmerksamkeit zugcwendet we de. Ein Redner der M i s r a ch i - F r a l tt o n trat den Ausführungen der Borrednerin entgegen und forderte, daß das Hauptgewicht auf die religiöse Erziehung gelegt werde. Zu stürmischen Protesten der Versammlung gab abermals das Auftreten eines kommunistischen Redners Anlatz, der das z'onist.sche Schulwesrn hemmungslos kritisierte und behauptete, es erziehe die Kinder zum Rassenhaß. Der R dner wurde aufgefordert, seine Behauptungen zu ückzuziehen. Als er sich weigerte, wurde er durch die Besammlung am Wei terreden gehindert und mutzte die Tribüne verlassen. Rill zwölf Fahren. Gin Wiener Mörder in Marseille verhaftet. Pari s, 17. Jänner. (Havas.) Nach ' einer Meldung aus Marseille ist in einem Hotel, wo er als Buek»vo?ter tätig war, der österrei^isrhe Staatsbiiraer?? e l i x Kunde«*raber, 82 Jabre alt, verhaftet worden. Er wird seit dem ^avre 1813 wegen eines von ihm in einem Steuer Hotel an einer Prostituierten verübten Raubmordes von den Wiener Behörden gesucht Eine der geheimnisvollsten Wiener Kriminalaffärcu, die sich vor mehr als zwölf Jahren in Wien ereignete und lange Zeit hindurch die ganze Bevölkerung in atemloser Spannung hielt, scheint nun endlich ihre Aufklärung gefunden zu haben. Am 29. Juni 1913, einem Sonntagniorgen, ist in dem Hotel „Römischer Kaiser" in der Annagasse die Prostituierte Mizzi Schmidt ermordet und beraubt aufgesunden worden. Ter erste Augenschem ergab, daß das unglückliche Mädchen von dem unbekannten Täter, offenbar ihrem Begleiter, mit den bloßen Händen erwürgt worden war. Bon dem Täter, der die Prostituierte in das Hotel begleitet hatte, fehlte jede Spur. Er hatte das Hotel allein verlassen und als man bald danach das furchtbare Verbrechen entdeckte, lag der Polizei nur eine vage Personsbeschreibung vor. Alle Bemühungen der Polizei, des Mörders habhaft zu werden, blieben vergeblich. Eine Zeitlang wurde behauptet. daß Mizzi Schmidt nicht mit Absicht getötet worden sei. sondern infolge eines unglücklichen Zufalles anläßlich eines intimen Beisammenseins mit einem pervers veranlagten inngen Lebemann den Tod durch Ersticken gefundett habe. Tie Anhänger dieser Hypothese erklärten. daß Mizzi Schmidt nachher durch eine dritte Person beraubt worden sei. Diese Annahme fand jedoch keine Bestätigung. In der Oefsentlichkeit wurde Wochen hindurch heftig über den geheitnnisvollen Tod der Mizzi Schmidt debattiert, zumal keine Spur des Mörders entdeckt und verfolgt werden konnte. Erst vor ungefähr einem Jabre erhielt das Wiener Sicherheitsbureaü die vertrauliche M'tteilung, datz ein gewisser Felix Kundegraber des Raubmordes dringend verdächtig sei. Felix Kundegraber, der Sohn eines ehemaligen Offiziers, hat. wie erhoben wurde, unmittelbar nach Entdeckung des Raubmordes, Wien und Oesterreich verlassen. Etwa ein Jahr später, also 1914 soll er sich ganz kurze Zeit wieder in Wien bei feinen Eltern aufgehalten baten. Seither lebte er im Auslande. wie es hieß, in Spanien oder in Italien. Als nun im Vorjahre bei der Polizei eine Anzeige einlief, datz Kundearaber der Täter sei und sich nach Frankreich gewendet habe, setzte sich das Wiener Sicherheitsburean durch das Bundeskanzleramt mit Paris in Verbindung und erkuckte m»r AMovickuna und Berbaituna des Liters.