Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2479 (17.1.1926)
- Date
- 1926-01-17
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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jfcn. >479 Wien, Sonntag Wiener Morsenzeltirns Me Wiener kinbrecherplage. rvS Personen seit sechs Wochen verhaftet. — Ser Fnßballplatzmeister als Hehler. In den letzten Monaten wurde in Wien ein auffälliges Steigen der Zahl der Einbrüche .wahrgenommen. Das hing zum Teil damit zusammen, daß eine große Anzahl Polizeibekannter Schwerverbrecher aus der Strafhaft entlassen wurde, die ihr altes Gewerbe wieder aufnahmen. Seit dem 1. Dezember v. I. wurden ungefähr 200 Personen wegen Einbruches, Diebstahls und Hehlerei verhaftet. Unter diesen Schwerverbrechern sind die Führer sehr berüchtigter Banden, wie die Brüder N a j e m n i k, der Totschläger K op x ü $, der Einbrecher Jurkovies und viele andere. In den letzten Tagen gelang es, eine große Bande von Bahndioben fsstzunehmen, die auf dem' Ost- und Südbahnhof ihr Unwesen trieben. Die Anführer der Bande sind der 29jährige Hilfsarbeiter Johann Tichy und der 26jährige Hilfsarbeiter Heinrich Wurm. Bei einem Waggondiebstahl erbeuteten beide Waren im Werte von 36.000 Schilling. Als Hehler wurde der Hilfsarbeiter Karl Z e l e n k a jun., der Platzmeister aus dem Fußballplatz „Lyon" ist, verhaftet. In den Ankleidekabinen des Sportplatzes ftMUCüi große Warenbestände sichergestellt, die von den Bahncinbriichcn herrührten. Auch bei dem Vater Zelenkas, dem 51 jährigen Gußputzer Karl Zelenka, und bei besten Schwiegevschn Johann Groß wurden wertvolle Ware»: gefunden. Fostgestellt ist, daß die Bande etwa 70 bis 80 Kilogramm Wolle zum Nachteil der Firma Lausen u. E». im Werte von '25 Dollar erbeutete. In den Geschäftsläden in Mariahilf mammmmmmmmammmmmmmmmm _. Eröffnung de« gnternationalen Böikerbundiuftitnt» Ille geistige gusvvimenarbelt. Aus Paris wird berichtet: Im Palais Royal ist das Internationale Völkevbundinstitut für geistige Zusammenarbeit vom Präsidenten der Republik, D o u m e r g u e, und dem Vorsitzenden des Völkerbundrates, Scialoja, in Anwesenheit einer großen Zahl führender Persönlichkeiten des internationalen politischen und geistigen Lebens feierlichst eingetveiht worden. Der französische Unterrichtsminister, De lädier, kennzeichnet« in seiner Begrüßungsrede die Aufgabe des Institutes dahin, daß es nach Abschluß der Locarnoverträge keine notwendigere itrib dringlichere Ausgabe gebe, als die Geister und Herzen für die brüderliche Zusammenarbeit aller Menschen ohne Unterschied der Raste, Sprache und Farbe vorzubereiten und w gewinnen. - Sci alojü dankte im Namen-des Völkerbundes der französischen Regierung dafür, daß sie dem Institut ein Heim zur Verfügung gestellt habe, das ihm seine Aufgaben erleichtern werde. i Der Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drunrm o n d, hob hervor, daß durch diese Edelmütigkeit der französischen Steigerung die Fortschritte haben erzielt werden können, die bereits die zur Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit gemachten Anstrengungen belohnen. - i Zum Schluß ergriff Kriegsminister Päinlev«in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des DirektionsauSfchustes des Institutes dar Wort. Das neue Institut wolle mit allen ihm zur Verfügung sichenden Mitteln die Mißverständnisse zwischen den Nationen bekämpfen. Neben der Entwicklung der Künste, der Literatur und der Wissenschaft habe die geistige Elite eines Volkes noch die Aufgabe, ein tiefes Verständnis für die Seele der anderen Völker zu gewinnen mrd sie dem eigenen Volke den stündlich zu machen. Durch den unparteiischen Kult der Wahrheit schaffe die Wissenschaft den Menschen eine solide Grundlage, aus der sie durch Beharrlichkeit schließlich das große Gebäude des internationalen Friedens aufrichten werden. BtolUta in Pari». Aus Paris wird uns gemeldet: In Paris ist gestern die Völköchundlommistion für geistige Zusammenarbeit zusammen« geirrten. Zu den Beratungen ist Wert Einstein hier eilige* troffen. Er ist bekanntlich Leiter einer Sektion nnd vertritt auch die hebräische Universität in Jerusalem, deren Kuratorium er angehört. * Die heut« erfolgte Eröffnung der Bölkechundinstitutfür geistige Zusbammenarbvit im Palais Royal hat die Zeitschrift „Europe Non volle" veranlaßt, ein Sonderheft herauszugchen, da» unter anderem einen Beitrag von Wert Einstein enthält, der die Ziele des Instituts darsteüt und da» Mißtrauen in feine politische Objektivität bekämpft. Der Gelehrte sagt am Schluffe seiner Ausführungen: „Die Tatsache, daß dis französische Regieung in Paris eilt Institut schafft und unterhält, und zwar mit den Mitteln des franzöft« scheu Staate« und einem Franzosen NlS Direktor, läßt kein Uederwiegen des französische,, Einflusses im Schoß.« der Kommission befürchten. * Die Jüdische volttbt-ltother Zion. L. Bez.. UM,gosst 80. di« einzige jüdische Leihbibliothek Wiens, hat «inen Zuwachs von 400 neuen Büchern erfahren. Ein großer Teil der jüdischen Werke wurde in Warschau angekauft. Die Bibliochek, die sich um die Verbreitung jüdischen. Wissen« «roß« verdienst» erwirbt, verdient jede Ftzrdrrmia, und in den angrenzenden Bezirken lvurden in der letzten Zeit zahlreiche freche Einbrüche verübt. Mhrend der Mittagszeit drangen die Einbrecher in die Gsschäftsläden ein und konnten' dies unter den Augen der Passanten, tun, da sie. sich den Anschein gaben, als gehörten st« zum Geschäft. Der Führer der. Bande, der wiederholt abgestrafte Gärtnergehilfe Josef Stein bau er, wurde auf frischer Tat ertappt unv gab gegen die ihn verfolgenden Wachebeamten zwei Schüsse ab.. Er wurde schließlich in einem Hause in der Strohmayer-. gasst, in einer Kiste versteckt, aufgesuivdelt. Bald darauf gelang es, seinen Komplicen, den 25jährigen Dreher Josef Cerny, zu verhaften. In seiner Wohnung wurden verschiedene, von den Einbrüchen herrührende Gegenstände, wie 14 Daimnhandtaschen, 60 Herrenbrieftaschen, zwei Dutzend Taschenspiegel, Lederkoffer im Werte von zusammen 2000 Schilling, vorgefunden. Als Hehler wurde der 23jährige Kellner Emmerich Gozora und 'der 25jährige postenlose Kellner Franz Iedlieka, der am 10. Juni v. I. aus der ZwangSanstalt Korneuburg entsprungen ist, verhaftet. Einbruch bei einem Leopoldstädter Juwelier. In der Nacht auf Samstag sind Einbrecher in das Lokal des Uhrenerzsugers A. Franke I, 2. Bez., Negevlegasse 4, gedrungen. Sie haben gestohlen:' 0,6 Kilogramm Gold in unfertigen Uhrreifen, 160 Gramm Goldspäne, drei Arm- 'bandnhren, zwölf Tämenuhren, ein Paar antike Ohrgel hänge, zwei Smaragdde und andere Waren, zusammen 3500s I bis 4000 Schilling wert. Milche« vom FrankenMcherskandal. Nicht davon soll jetzt gesprochen werden, wie die in Freiheit befindlichen Mitschuldigen und Mitwisser der rassenschütz? lerischen Frankenfälscher bestrebt sitvd, den WeltsiaMl oder um das „in begreiflicher. patriotischer..Erregung" begangene Verbrechen in jüdischem Blut zu ersäufen. Mari darf, vielleicht doch der Hoffnung Raum gehen, daß die Anwesenheit der französischen Detektivs, die echöhte Wachsamkeit der diplomatischen Vertretungen, ein solches Finale der magyarisch-chauvinistischen Raubrittersyniphonie verhüten werden. Viel zur Vereitlung eines solchen in der künsüerischen und. Wichen Linie der Autoren liegenden romantisch-zigeunerischen Kunstwerkes trägt auch das Erscheinen der Sonderberichterstatter der größten'Tageszeitungen, die ihre gewiegtesten Kriegsreporter nach der Hauptstadt Horchys und seiner Ver-, breihttgardtzn entsendet haben, bei. Vor zwei Wochen noch, «8 sie ganz.unter sich und noch alle frei waren, gab es eine-imminente Pogromgefahr. Heute, ha Budapest ständig, Tag und Nacht förmlich, in bengalischer Beleuchtung vor aller Welt dasteht, da dieser ballanische Berbrechevpßrhl vom Spürsinn der gewiegtesten Geheimagenten bis in seine dunkelsten Schlupf-" Winkel aufgestöbert und von den Argusaugen -der bewährtesten Zeitungsreporter bis in. seine geheimsten Ursprünge durchspäht wird, mag wohl das abgebrauchte Äblenkungsrezept eines Judenmasiakers als vorläufig überwunden angesehen werden .., * Aber nicht von dieser jüdischen Seite des Frankenfälscher* fla ndals soll hier die Rede sein. Denn sie hat tatsächlich eine jüdische Seite. Wenn auch keine solche, wie sie vor acht Tagen, als der junge Polnay, der Sohn des jüdischen Generaldirektors, im Aisammenhang mit den Fälschungen vor die Polizei zitiert wurde, von den Rassenschützlern dargestellt wurde. Der junge Polnay mußte nach kurzem Verhör freigelassen werden. Juden hatten mit den Fälschungen nichts zu tun. Das ganze Fälschungskomplott ist eine interne Familienangelegen* heit des reichkolorierten christlichnationalen Kurses, der, vielleicht zum erstenmal, exklusiv geblieben ist und von Juden nichts wissen wollte. Die Kerle hätten ja dabei den Wischen Verstand gut brauchen können, aber es war kein Verlaß auf ihn. Der „feige" Jude wäre imstande gewesen, von solchen patriotischen Heldentaten energisch abzuraten und in seiner „jüdischen Berräterari" die ganze Verschwörung an die Polizei — diesmal vielleicht an den Landespolizeichef Nadossy zu verraten. Ein Jche ivar also nicht dabei. Aber das Auflauchen des jungen Polnay in der Tischgesellschaft der „Huli* g a n s". der Rassenschützler, beleuchtet blitzartig, wie die ganze Aristokraten« und Gentrywirtschafi, die über einen Pseudo* liberalismus zum Pogrombolschewismus führte, auch das.ungarische Judentum korrumpiert und verseucht hat. Im Zuge dieser erkünstelten Entwicklung hatte sich eine Art jüdischer Gentry herausgehildet, die ihre eigenen Assimilationswege ging. Besonders die Jugend dieser ttbertünchten Gesellschaft trieb es arg. Peter Polnay ist sicherlich nicht der einzige Jugendliche aus der Wischen Gentry, der eS als seine patriotisch« Pflicht ansah, für seine Huligankumpane nicht nur das Souper, sondern auch d a S K a v a l i e r t r i n k g e l d für die Zigeuner zu bezahlen, die die huliganisthe Tafelrunde mit dem lieblichen Pogronchetzlied „Erger-Berger" ergötzten. Aber in das Iran* kenfälscherkomplott wude auch dieser Wische Gentry-Hullga» nicht eingetveiht, er durfte bloß einem der Verbreiter der falschen Frankennoten den herrlichen Koffer seine« BaterS leihen. * Und jetzt bitte ich, nicht zu lachen, auch nicht zu fluchen! Die Budapester Blätter erzählten es au« Pikanterie und die rechtsstehende Press« registrierte eS mit aufrichtigem Bedauern, es ist also wahr. Es wurde festgestellt, daß LanbeSpolizelches Nadosjy, der gefürchtetste. ZudeWerireiher und SteMu* 17. Jänner ISSo Seit,«, m f \ ¥ 41 f <uizu.Geseffschafi Schufte ln Chrtwt lackrahmm n«nMht lm Zttmm hnV* mit rorrii Anw Zaekgnmiwr Internieter, der Patron aller Judenfeinde, der verhätschelte Gast und Hausfreund zahlreicher „angesehener jüdisch e r F a m.i l i e n" war. Nicht alle diese ungesehenen jüdischen Familien" sind ganz oder zum Teil ausgetauft. Die meisten sind Nochjuden. Aber ich bitte, nicht zu lachen und nicht zu fluchen. Ausspucken ist gestattet. Es ist ja alles so selbstverständlich. Emmerich Nadossy, ein anerkannter Salonlöwe, ist ein Liebhaber feiner Mischer Mche, alter, feuriger Weine und junger Mischer Weiber. Aus jenen „an gesehenen Mischen Familien", in denen der judenfresserische Landespolizeichef alle diese Leckerbissen suchte, ist jener Kreis hervorgegangen, der zur Zeit furchtbarster Pogrompanik, der frechen nächtlichen Legitimationsrazzien und entwürdigenden körperlichen Ausweisleistungen, sich mit schwerem Geld beim Fürstprimas e i n e n T a u f s ch e i u löste, der vor allen solchen Cntchrungen schützte. Die damals zu feige oder zu geizig waren, haben sich ihre Hausantisemiten beigebogen, mit deren Hilfe sie ihre unfähigen Söhne auf Kosten armer jüdischer Studenten trotz des Nmnerus clausus in die Universität hineinbrachten. Das sind dieselben „angesehenen Mischen Familien", die wchl ebensowenig in der Lage sind, ihr Ungartum bis in die vierte Generation Nachweisen zu können, wie die vielen arbeitsamen Juden, die seit Jahrzchnten in Ungarn lebten und durch Nadossy interniert und ausgewiesen wurden. Also nicht lachen, bitte, auch nicht fluchen! Aus», spucken ist gestattet! DaS „jüdische" Bild zum Frankenfälscherskandal ist noch nicht vollständig. Auch der Zadravecz gehört in dieses Tableau. Dieser blutrünstigste Armeebischos und Beichtvater aller Judenmörder ist in der Fälscheraffäre schwer kompromiitiert, er ist hmte ein Gefallener. Auch seine eigenen Leute, ziehen sich langsam und geräuschlos von ihm zurück. Aber siehe dH, das widerliche' Assimilantentum in der sogenannten Judenptesie, ja sogar bas offizielle Organ der Assimikanten springt dem gefallenen Feind bei und .leistet ihni moralische Samariterdienste. Vergesien ist seine Rolle als Äufpeitscher der rohesten Instinkte in der Nationalarmee, vergessen, daß er den Pogromdetachements vor ihren Mord- und Raubzügen d e n S e g e n und nach vollbrachtem Blutbad d a £ Ahsolutorium erteilte, vergessen, daß Feldbischof Stefan Zadraveez es war, der den Pogrombuben den Eid abnähm, daß sie nicht ruhen würden, bis das erwachende Ungarn von Juden und Sozialdemokraten gesäubert ist. Diese Eidesabnahme, weil sie in Ungarn straflos bleibt, stellt seine Eminenz, der Bischof der ungarischen Nattvnalarmee, nicht in Abrede. Ader all dies haben ihm die chauvinistischen Assimi, kanten schon längst verziehen, denn schwerer als all dies fällt zu seinen Gunsten in die Wagschale» daß er vor einigen Monaten bei einer Gedenkfeier für gdsallene Krieger auch der Mischen Krieger gedachte ... . Man muß auch dieser Wischen Seite des ungarischen' WscherstandalL gedenken, will man den tiefen sittlichen Verfall erfassen, in den sämtliche Bollsschichten Ungarns von einer korrupten, eigennützigen Kyterie getrieben wurden.; ■ : Jakob Kraurz der SU „Weiße Woche" bei »eilder Schiff««« wegen dt« großen Zusprnche» verlängert! Den grüßten Stolz der Hausfrau der guten alten Zeit bildele volle und reichisortierte Wäscheschrank Dieser traditionelle ßfrauenschatz enthielt, insbesondere bei töchterreichen Familie^ Kn schier unerschöpfliche« Lager von lilienweißem Linnen. Bett-, Tisch- und Leibwäsche jeder Art waren dutzend». ja schockivvise vertreten, für Kind und Kindeskinder war reichlich vorigesorgt. nach und chejchrein situierten -reise — weist manche Lücken auf unb Nachschaffungen werden immer drin- Siider. Die Okkassion her «Weißen Woche", welche da» renommiert« arenhauS Bruder Schiffmann, S. Bez., Taborstraß». 48, I Samstag den 83. Jänner h. I. veranstaltet, bietet nun allen tau-ftauen sowie Gastwirten, Hoteliers ufw. die Möglichkeit, ren Bedarf an Weißwaren aller Art in gediegener Oualttät äußerst billig einzukausen. Die «Weiße Woche"' de» Warenhauses Brüder Vchifstnann hat sich in den letzten Jahren so glänzend bewährt, daß die Firma diesmal ihre Leistungsfähigkeit besonders angespannt hat,- um wirklich Außerordentliches zu bieten. Schon das äußere Bild des Warenhauses während der kommenden Woche wich durch da« einzigartige. künstlerisch«' Arrangement der zahlrvlchen Schaufenster und die wirklich sehenswerte. Innendekoration die GroßMigkeit dieses anerkanm führenden Leopoldstödter Kaufhause« zeigen. Die lebensgroße Teepupve mit dem au« zirka 800 Taschentüchern blumenartig arrangierten Reifwck. die großartige, effektvoll beleuchtete Szenerie im Mirtelsrnster. welche, den mWtischen TranHort und Pü Einlagern von Waren mit dem Bild einer Hafvnanlage bei Nacht -im Hmtergrund — veranschaulicht, werden sicherlich die Passanten qnzitzen uyd sesseln. Roch mch, abtt dieDarenpra >en und Mlm Roch mehr aber die Warenpreis welche, au