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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-17 · Heft 2479 (17.1.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2479 (17.1.1926)
Date
1926-01-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Ni. S47S Wien, Sonntag Wiener Myrnenzeitnns 17. Jänner 1926 Seite 8 Das ist Kathreiners Kneipp Malzkaffee Raßlvjet. Der russische Zionismus ist heute verurteilt, eine unterirdische Existenz zu führen; , isoliert, vom Weltzwrrismus abgeschnitten, führt er ein kümmerliches, gefahrvolles Dasein. Bor der bolschewikischen Revolution, die vielleicht stärkste bewegende Kraft der jüdischen Renaissance schien er berufen, zur Zeit der Realisierung des Zionismus die größte aktive Rolle zu spielen. Er hat das Los der Gesamtjudenheit deS weiten russischen Gebietes geteilt. Gerade seine Zertrümmerung, mit bewußter, zielsicherer Energie ins Mevk gesetzt, mußw die Vernichtung des eigenjüdischen Lebens in Rußland bedeuten. Was vom russischen Zionismus übrig blieb, sind 'wenige an der Spitze der zionistischen Bewegung stehende Führer, die sicherlich zu den besten zu zählen sind. Als eigene Schattierung aber im bunten Kolorit der zionistischen Weltbewegung existiert er gegenwärtig nicht. Der „Raßwjet", ehemals Zentralorgan der zionistischen Organisation Rußlands, im Jahre 1922 in Berlin wiedererstandrn, gegenwärtig in Paris erscheinend, trägt das Zeichen der Exil^lftigkeit des russischen Zionismus. Er ist nicht mehr das Organ eines mächtigen, des russischen Teiles des Zionismus, als solches starken Einfluß ausübend, sondern nur das einer vorläufig kleinen, sich aus die russisch-zionistische Tradition berufenden, heftig bekämpften Gruppe, jener Gruppe, die sich zionistisch-revisionistisch nennt und um Wladimir Jabotinsky schart. Die Anschauungen und Ideen der Zionisten-Revisionisten sind für die weitaus größ'e Zahl der Zionisten ein Schreckgespenst. Die Träger dieser Ideen tverden mit den höchst unpopulären und schreckhaften Namen Militaristen, Chauvinisten usw. belegt. Das genügt, um diese Ideen nicht kennen lernen zu müssen, sie nicht ernst in Erwägung zu ziehen, schon gar nicht, sich mit ihnen sachlich auseinanderzusetzen. Dazu mag der Umstand beigetragen haben, daß der „Raßwjet", der in russischer Sprache geschrieben wird, sich auf einen verhältnismäßig kleinen Kreis im Auslände lebender, russisch sprechender Zionisten beschränkt. Diesen Mangel behöbt ein anläßlich des 14. zionistischen Kongresses erschienenes, „Raßwjet" betiteltes deutsches Heft, das eine Sammlung von Aufsätzen aus verschiedenen Nummern dieser Zeitschrift während. ihrer Berliner und Pariser Periode enthält. Es stellt eine knappe und klare Formulierung der revisionistischen Auffassung vom Weg und Ziel der zionistischen Bewegung dar. Sem Haupwerdienst wie des zionistischen Revisionismus überhaupt — ist es, daß es in die zionistischen Reihen wieder die Besinnung' auf das Ziel der zionistischen Bewegung bringt. Das Merkmal des Unterschiedes der anderen Gruppen vom Revisionismus mit Beziehung auf die Ztoeckmäßigkeit Alfons von Kastilien Gunst gewinnt und den Großmeister von Alkantara beseitigt — so wie Esther Haman gestürzt hatte — und ihr jüdisches Volk vor Vernichtung rettet... immer waren es die Frauen Israels, die durch weibliche Vorzüge glänzen und ihrem Volke dienten. Eine große Entfaltung nahm die jüdische Frau nach der Emanzipaticn, der Proklamierung der Gleichheitsrechte durch die französische Revolution... und auch schon in der sie vorbereitenden Zeit. Sie ward bald der geistige und gesellige Mittelpunkt auserwählter, vornehmer Kreise uub im Umgang mit berühmten Männern und Frauen begann sie sich emporzuschwingen, so Sara Fonseca und Manuela Nunnez in London, Dorothea Schlegel, die Tochter Mendelssohns und Rahel Lewin-Varnhagen in Berlin, und besonders daselbst die verführerische Henriette Herz, die Freundin Mirabeaux' und Schleiermachers, die, ein Stern, Humboldt, Gentz, Engel, Dohm und viele andere, auch geistreiche Frauen, in ihren Kreis zu bannen verstand. Schließlich, in Wien, tvar es die hochbegabte Fanny Jtzig, die den Anfang einer geselligen Verschmelzung der jüdischen mit der einheimischen Bevölkerung anstrebte... Unter jenen vornehnien Wiener Salons der Glanzepoche des Wiener Kongresses bis spät in die Dreißigerjahre hinein» in denen Kunst und Adel der Gesinnung gepflegt wurden, gab es auch viele jüdische Häuser, deren hervorragende Frauen, oder wie sich ein zeitgenössischer bekannter Staatsmann damals ausdrückte, „die klugen Weiber aus der Judenschaft", einen geistigen und geselligen Anziehungspunkt der Kaiferstadt bildeten und die Aufmerksamkeit des Auslandes auf sich zogen. Das Zuströmen jüdischer Studentinnen zu allen Universitäten in allen Ländern beweist, daß die jüdische Frau sich auch den Forderungen der neuen Zeit anpaßte. Sie hat sich auch der Frauenbewegung angefchlossen und ist auch hier ein Pionier für Recht und Freiheit geworden. Ihr scharfer Verstand und ihre Gerechtigkeitsliebe haben sie dazu getrieben. Sie hat auch in der modernen Wissenschaft und Kunst dieselbe Rolle wie von altersher gespielt; da,' wo sie sich entfalten konnte, nahm sie stets einen Platz in den ersten Reihen ein. Das Erbteil ihrer Ahnen, die Musik, stand ihr liebend zur Seite und schmückte ihren Herrscherstab mit unvergänglichen Rose«, UnnachahmllclMr Wohlgeschmack u. feinstes Aroma. Gesund und nfihrkrMHs bei vollkommener lln* Schädlichkeit für Herz u. Nerven u. bei restloser Bekömmlichkeit Ein Oberaus wohlfeiler Preis, daher große Ersparnis an Wirtschaftsgeld. der von ihm vorgeschlagenen Taktik oder der Tauglichkeit stiner praktischen administrativen Vorschläge ist untergeordneter Natur. Das Wesentliche des Unterschiedes liegt in der Willensrichtung aus das Ziel und der sich daraus notwendig ergebenden"gegensätzlichen Einstellung zu allen Problemen. In einem Aussatz der Sammlung, betitelt „Majorität", wird das Ziel der zionistischen Bewegung und seiner Anhänger als das Herzls bezeichnet: Ter I u d e n st a a t.' Das heißt: „Die Majoritätsbildung ist objektiv und subjektiv das erste und letzte Ziel der ganzen zionistischen Bewegung". Ohne jüdische Majorität wird das Land nur „eine Variation der Diaspora" sein. „Daraus werden sich unausbleiblich dieselben materiellen und politischen-Folgen ergeben, wie wir sie sonst in der Diaspora beobachten, und auch dieselben, genau dieselben geistigen Folgen bis hinaus zur allmählichen Assimilation in der Sprache und Kultur." Käme es zu keiner jüdischen Majorität im Lande, dann muß auch in Palästina wie in jedem Lande mit über das ganze Land verstreuter gemischter Bevölkerung „eine normale „Osmose" der Nationalitäten einsetzen, bei welcher die Minorität sich letzten Endes assimilieren wird". Dieses 'Gesetz, des Zusammenlebens muß zu wirken beginnen, „wenn die arabische Kultur eine nennenswerte Höhe erreicht haben wird", was ohne Zweifel im Zeitpunkt des Abschlusses des Aufbaues Palästinas der Fall sein wird. . Aus dieser Zielsfermulierung und ihrer Begründung ergibt sich die primär-politische Einstellung des Revisionismus. Tie Verwirklchung dieses Zieles ist in erster Linie eine politische Angelegenheit. Alle Probleme der Majoritätsbildung und des Aufbaues sind politische Probleme, weil sie Staatsaufgaben sind. Es ist unmöglich, die Majorität zu erlangen, wenn sich die politische Administration des Landes dieses Ziel nicht steckt, wenn sie darin nicht ihre Grundaufgabe sieht. Ten» dann kann vor allem die Immigration nicht ungehindert vor sich gehen. Um eine Massenimmigration und -Kolonisation zu ermöglichen, muß „die Entwicklung der latenten ökonomischen Möglichkeiten des Landes systematisch gepflegt,--gewissernraßen künstlich erzeugt und geleitet werden. Es gehören dazu Protektionszölle, Steuererleichterungen, insbesondere die Schaffung einer billigen Bodenreserve". Ebenso ist die Frage der Finanzierung die Frage einer Volksanleihe mit offizieller Garantie. Ter ganze Komplex der Entwicklung bis zur unscheinbarsten administrativen Verordnung muß im Hinblick auf die Spärlichkeit oder Förderung des Zieles der Kolonisation kontrolliert werden. Das alles ist ohne die zu schaffenden politischen Voraussetzungen nicht möglich. Die zionistische Politik hat — .das ist der Grundgedanke des Revisionismus — dahin zu gehen, daß die Antizipation dieser Mehrheit, ohne die sie nicht geschaffen werden kann, anerkannt werde. Von diesem Gesichtspunkt aus ergibt sich ein konsequenter Standpunkt in bezug auf das a r a b i s ch e Problem und das Problem des Schutzes der jüdischen Kolonisation. Da die Araber die Antizipation dieser Mehrheit nicht anerkennen lvollen und nicht anerkennen. können — es ist ein elementares Gesetz, daß immer und überall ein Volk,' das ein Land im Besitz hat, sich gegen den Kolonisator wehrt —, so müssen sie durch die die Kolonisation begünstigende Staatsmacht dazu gezwungen lverden. Dem Kolonisator muß die Möglichkeit des eigeuen Schutzes gegeben werden, der die für die Kolonisation so nötige Ruhe und Ordnung gewährleistet. Diese Gedanken und ihre Durchführung werden in dieser deutschen „Raßwjet"-Sammlung in vierzehn Aussätzen sehr gründlich behandelt. Schon angesichts der wachsenden Zahl der Zionisten-Revisionisten und ihres Erfolges bei den palästinensischen Wahlen zur Assefath Haniwcharim müßten die Zionisten dieses Heft lesen und sich mit dem Inhalt auseinandersetzen, und sich nicht mit der billigen Sentenz vom Chauvinismus begnügen. P. H. Sie Aufgabe« der Wiener Südengemeinde. v Ein Gespräch mit dem zionistischen i Vizepräsidenten des Kultusvorstandes Dr. Josef Löwen herz. Die Arbeit des Kultusvorsiandes im letzten Kalenderjahr. — Die Beamten frage. — Die zionistischen Forderungen. — Knltnsgemeinde und Minderheitsrechte. — Steuerfragen. Ms Berrrauensmann der Zionisten gehört seit Jahresfrist Herr Dr. Josef Lvwenherz dem Präsidium des Wiener Knltusaorstawdes an. Einer unserer MimrbÄter nahm. aus Arüaß der bevorstehenven Budgetdebatte Gelegenheit,. mit Vizepräsident Dr. Löwenheuz über die wichtigsten Arbeitsgebiete der Kultuvvorstehung und über vie Stellungnahme des Zionistischen Klubs sprechen. Nachstehend geben - wir den/Inhalt des Gespräches wicver. - Urr-ere jüdische Gemeinde 'hat ein schweres Jahr hinter sich, es ist ihr aber doch gelungen, das Budget im Gleichgewicht zu halten. Statt das präliminierte Defizit ausweisen zu müssen, konnten wir sogar einen kleinen Uebers ch u ß erzielen. Die Differenzen, die unmittelbar nach den Wahlen mit einem Tell unserer Beamtenschaft bestanden, sind vollkommen boigelegt. Wir haben uns bemüht, unsere Angestellten gut und darüber hinaus mustergültig^zu behandeln. Die Verhandlungen, welche wir mit den Spitalsangestellten, Spitalsärzten, mit dem Verband der Angeftcllten Wiens in Sachen der Lehrer führten, 'hatten ein für die Angestellten so günstiges Resultat, daß uns seitens der Angeftelltenvertretungen volle Anerkennung ausgesprochen wurde. Te-r Verband der Wiener Angestellten hat diese Anerkennung in einem D a n k s ch r e i b e n zum Ausdruck gebracht. Nebst dem Präsidium der Gemeinde war an den bezüglichen Ver- 'handlungen insbesondere der gegenwärtigig. Präsident der österreichischen Zionistischen Organi'ation, das Mitglied des Vertret.:rkollegiums Dr. Desider Friedmann beteiligt. Es gereicht mir zur großen Befriedigung, feststellen zu können, daß unsere Angestellten heute nach ' erfolgter Angleichung besser situiert sind als die städtischen Beamten. Dienstordnung nnd Pensionsnormale sind noch zu behandeln. Das Vmsinvsnormale wird jedoch schon jetzt zugunsten d:r Beamten und Angestellten angeivendet. Im Bundesbudget entfallen 70 Prozent aller Ausgaben aut die Beamten, bei der Wiener jüdischen Kullusgemeinde zirka 32 Prozent. Gemeinsam mit der Beamtenschaft muß sich die Kultusgemeindet rtretung bemühen, bei größtmöglicher Spar'amkeit allen religiösen und sozialen Ausgaben nachzukommen. Ich will in Beantwortung Ihrer an mich gerichteten Frage kurz berichten, was in dieser Richtung während des letzten J'hres geleistet wurde und welche Programmatische Forderung für di« nächste Zukunft von der zromstischell Fraktion des Kultusrates mit allem Nachdruck vertreten werden muß. Was die r e l i g i ö s e n P f lichten anbelangt, kann ich darauf Hinweisen, d:ß der Gottesdienst auf ein Niveau gebracht wurde, wie man es lange Zeit in Wien schmerzlich vermißt hat. Ich darf hlnzufügen. daß es von keiner Seite Grund zur Klage gab, daß die vollste Zufvied.'nheit aller religiö'er Schattierungen im Judentum erzielt wurde. Notwendig wird es sein, daß man den Tempelverein in ausgiebigerem Maße als bisher mit Subventionen unter dieArme greift. Seit Beginn des Schuljahres wird wieder in den G.meinde- und Bereinstempeln ein würdiger Jugendgottesdienst abgehalten. Besonders zu begrüßen ist eine Neuerung: die Einführung des Gottesdienstes für die reifere Jugend. Das erstemrl wird ein solcher Gottesdienst am 22. Jänner im StadttempA abgehalten werden. Ich möchte hier einstigen, daß der Wiener Stadttempelam 1. Nissan seine Hundertjahrfeier begehen wir). Ein Komitee bereitet diese Feier vor.. Sie soll würdig und der schwierigen Zeit angemessen sein. Wir wollen eine für die Jugend bestimmte Festschrift herausaehen, welche die Entwicklung des jüdischen Wien schildern soll. Außerdem wird an die Herausgabe eines histor ischen Werkes gedacht. in welcher von berufener Seite die Geschichte der Juden in Wien« sowie die Entwicklung aller jüdischen Institutionen bis zur Konstituierung der einheitlichen jüdischen Gemeinde zu behandeln ist. Auf sozialem G e b i e ie wirkt die Kullusgemeinde ersprießlich. Unsere Kranken- und Siechenfürsorge ist großzügig. Ich Vevw.'ih; auf den Aufs ch w u n g d e s S P i t a l s der Kultusgemeinde, auf die mustergültige Führung unserer B e r s o r g u n g s a n st a l t; auf die Förderung wichtiger Wohlfahrtsinsti t u ti o nen, wie T e« b st u m m e ninstitut, Glinde u i it ft i t u t, Elisabethheim, die Waisenhäuser und >des Boreins jüdischer K i nde r fre u n de. In immer größrem Maße wird sich unsere Germinde den Ausgaben produktiver Fürsorge widmen müssen. Es ist Aufgabe der zionistischen Kultusräte, das Institut foev Ehaluzfürsorge durch die Gemeinde auszubauen. Jüdische Jugend zu nianml-

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