Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2479 (17.1.1926)
- Date
- 1926-01-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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N&& 4 17. Jänner 1926 Wim, Wiener Mov-snzeltung dnreb Dr, HtfAiom r Entfettungs-Tabletten ■ Diese ben sind von bester Wirkung, angenehmem Oe» M scHmack, eoi'stlndig tnmhlditeh, steHen «ine tchlaslc«, m graziöse Figur her, ohne Diätzwang oder Aenderung der » Lebensweise. Prompte Oewiehtssbtiahme. 7 m Vom Volksgeamdheitumt bewilligt Nr. öl t Kein Abführmittel. Keine Schilddrüse. Depott Apotheke „Zun Rflmlsohen Kaiser*, Wies,I., Wellzelle 19 Verschärfung der politischen Lase in Ungarn. Die gesamte Opposition verlangt parlamentarische Aussprache. — Wird Bethlen demissionieren? (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 16. Jänner. Die politische Lage hat infolge des KonfliltS, der zwischen den Oppositionsparteien und der Regierung ausgebrochen ist, eine Verschärfung erfahren. Nachdem die Sozialdemokraten in ihrer letzten FraktivnSsitzung zu dem Entschluß gelangt sind, die von deni Präsidenten der Nationalversammlung, S z itovszky, siir Montag einberufene zwischenparteiliche Konferenz nicht zu beschicken, haben nun auch die bürgerlichen Oppositionsparteien in ihrer heutigen Abendkonftrenz in demselben Sinne entschieden. Die Absicht des Ministerpräsidenten, sämtliche Parteien zu einer ruhigen Behandlung der Frankenfälschungsaffäre im Parlament zu bewegen, kann somit schon heute als gescheitert angesehen werden. „Az Est" will aus informierten politischen Kreisen erfahren, daß Graf Bethlen beabsichtigen soll, nach A bschluß der Untersuchung in der Frankenfälschungsaffäre seine Demission anzubieten. Sollte er neuerlich mit der Kabinettsbildung betraut werden» würde Bethlen, der >Information des Blattes zufolge, eine weitgehende Rekonstruktion seines Kabinettvornehmen. Der Generrrlruspektor der Bank von Frankreich, Collard, hat Journalisten gegenüber erklärt, er und seine Kollegen seien gekommen, um die Bank von Frankreich als geschädigte Partei zu vertreten und deren Interessen zu verteidigen. Tie Bank von Frankreich wünsche, daß sämtliche Falsifikate ausgeforscht werden, beziehungsweise daß sestgestellt werde, wieviele falsche Banknoten eigentlich, hergestellt worden seien. Es sei »übrigens unrichtig, daß die französische Polizeibehörde schan seit einem Jahr von der Herstellung falscher Frankennoton in Ungarn Kenntnis gehabt habe. Nachdem „E st i St n r i r" bezieht sich der .Wunsch der Vertreter der Bank von Frankreich, Windischgrätz möge alles aus sagen, was er wisse, darauf, daß sie erfahren möchten, ob nicht die Idee der Frankennotenrälschung von den, Kreisen um Ludendorff ausgegangen sei. Die Blätter fügen hinzu, daß die bisherigen Erhebungen keinerlei Anhaltspunkte in dieser Richtung ergeben haben. »Honvedminister Csaky wieder in Budapest. Honvedminister Graf Csaky hat heute die Geschäfte seines Ressorts wieder übernommen. Der Honvedminister hatte nachmittags eine lange Unterredang mit dem Ministerpräsidenten Bethlen. Justizminister Pesthy stattete gestern dem Abgeordneten Friedrich einen Besuch ab. Dem Vernehmen nach erkundigte sich der Justizminister nach den Einzelheiten der Fälschungen von tschechoslowakischen Banknoten, die zur Zeit der Ministerprästdentschaft Friedrichs km Jahre 1920 verübt wurden. Abgeordneter Friedrich dab dem Justizminister die gewiinschten Aufklärungen. Gegen den Landeshauptmann Nadossy hat das MiiÜsterium deS Innern, unabhängig von der Strafuntersuchung, dar Disziplinarverfahren eingeleitet. Im Auftrag des Ministeriums erschien heute nachmittags im Gefängnis der Staatsanwaltschaft ein Ministerialrat und ersuchte den Leiter de- GefängntsieS, Nadossy verhören zu können. Nadossy wurde vorgeführt und der Ministerialrat unterzog den gewesenen Landespolizeiches einem längeren Verhör. In den Amtsräumen Nadossys im Ministerium des Innern wurde eine Hausdurchsuchung vorgenommen. ÄleichMig hat das .Handelsministerium gegen den Generaldirektor der Postsparkasse, Baros, das Disziplinarverfahren eingeleitet. Der Hoffekreteir des Erzherzogs Alvrecht, Johann Mayer, veröffentlicht eine Erklärung, worin er betreffend die Andeutung seines Namens im Tagebuch von Jankovich erklärt, daß er weder - mit der Frankensälscherasfäre, noch mit den darin eine Rolle spielenden Personen jemals etwas zu tun hatte. Er sei zwar mit Jankovich z n s a m m e n g e k o m m e n, habe aber mit ihm keinerlei Gespräch geführt. Sie Milche» Forderungen in'Polen. Abgeordneter Reich bei SkrzynSki. — Partielle Konzessionen des politischen Komitees. Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 16. Jänner. Der Präsident des Jüdischen Klubs, Abgeordneter Reich, hatte eine längere Unterredung mit dem Ministerpräsidenten S k r z y n S k i, in deren Verlauf er die Erledigung der jüdischen Forderungen auf Grund der mehrmals abgegebenen Zusicherungen seitens der Regierung verlangte. Abgeordneter Reich 'lenkte die Aufmerksamkeit deS Ministerpräsidenten ans den unbegründeten Aufbau jüdischer Staatsbeamten, der lediglich nurvomantisemitifchen Standpunkte aus gefandhabt wird. Ferner berührte Abgeordneter Reich die verfaffungswidrige Anwendung des N u m e r u s clausus und erinnerte den Ministerpräsidenten an die anläßlich der im Sommer geführten Verhandlungen abgegebene Erklärung der Regierung, diese minimalen F o r d e r u n g e n d e s j ü d i s ch e n K l u b s zu realisieren. Ministerpräsident S k t z Y n s k i erklärte, daß die Regierung sich zurzeit damit beschäftige, einen Teil der Forderungen zu erledigen. Mährend seiner Unterredung erklärte der Ministerpräsident, daß es ihm trotz der größten Schwierigkeiten kaum gelingen dürfte, die im Zusammenhang mit der P i lsudski-Frag^e auögebrochenc Krise aufzuhalten. In der Sitzung des politischen Komitees twirben die Forderungen des jüdischen Klubs einer eingehenden Beratung unterzogen. lieber Antrag des Innenministers wurde beschlossen, die jüdische Sprache bei Versammlungen zuzulaflen, doch müssen diese Versammlungen vorher den in Betracht kommenden politischen Behörden mitgeteilt werden. Ferner wurde die Zulassung der jüdischen Sprache im Postverkehr beschlosien, mit dem Bemerken jedoch, daß die Nr. m Namen der Städte und Straßen in der polnischer Sprache anzugeben sind. In der Frage der Sonntags ruhe wurde die Vertagung beschlossen, da man vorher di« Stellungnahme der einzelnen Klubs der Regierungspartei« kennen lernen will. Dieser Sitzung legte auch Ministerpräsiident Skrzhnski den Text der Polnisch-jüdischen Ausgleichsver. Hand! n n gen vor. Nach längerer Deba:te wurde beschlosien, diese Abmachungen den einzelnen Klubs her Regierungsparteien zur Beratung und Beschlußfassung vorzulegen. SchlSgereien in der ilniienifche» Kammer. Rom, 16. Jänner. Nach Schluß der heutigen Sitzung der Kammer, die ausschließlich einer Gedenkfeier für die verstorbene Königin-Mutter Margherita gewidmet war und der sich auch dreiDemosoziale und etwa 25 P opolariaabgeordnete zum erstenmal wieder e'mgefunden hatten, drängten die Abgeordneten der Mehrheit gegen die Bänke der oppositionellen Abgeordneten. ES entstand ein heftiges Gedränge, in dem die P o P o l a r iabgeordneten mehrfach geschlagen wurden, darunter die Abgeordneten Jaeini, Marizzi, Cap Pa» Tupini und Gron.chio. Sie 'wurden aus der Aula hinausgedrängt, wahrend die drei Temofozialen sich unbemerkt entfernten. Auch in den Wandelgängen kam es n e u e r l i ch z n Schlägereien. Zwei von den Popolariabgeordneten flüchteten in die Bibliothek, wo sie einige Zeit blockiert waren. Besonders wurde der Abgeordnete Dagas p o r i gesucht, 'der aber nicht erschienen war. Sie Fememörder «ndsthre Hintermönner. Berlin, 16. Jänner. (Wolfs.) Namens der sozialdemokratischen Fraktion brachte Abg. Leid im preußischen Landtag einen Urantrag zu einer Mitteilung deS Polizeipräsidiums in Berlin an die Presse ein, wonach die Meldungen einiger Blätter bestätigt werden, daß die deutschnationalen Reichstagsabgeordneten Beßre nd und Meyer-Hermsdorf von der Bereinigung der Arbeitgeberverbände 6006 Mark zur Unterstützung der Fememörder und des Führers der Schwarzen Reichswehr, Oberleutnant Schulz, entliehen haben. Cs wird die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses verlangt, der die Beziehungen zwischen Fememördern, deutschnationalen Abgeordneten und Arbeitgeberverbänden auszuklären hätte. Indien «nd Mafrlka. Madras, 16. Jänner. (Reuter.) In einer gestern hier abgehalienen, zahlreich besuchten öffentlichen Versammlung, in der auch mehrere Mitglieder einer indischen Abordnung aus Südafrika zu Worte kamen, wurden Entschließungen angenommen, in denen die Versammelten die Inder Südafrikas ihrer Unterstützung versichem und die indische Regierung ausfordern» aus der Notwendigkeit der Abhaltung einer Konferenz zu bestehen. Weiters wird darin an die indische Regierung das Ersuchen gerichtet, nach England eine Abordnung zu entsenden, die dort die schweren Folgen einer antiindischen Politik der Südafrikanischen Union darzulegen hätte. Während von mehreren Rednern angeregt wurde, daß Südafrika offen der Krieg erklärt werden solle, forderten andere, daß in das nächste Budget eine Summe zur Unterstützung der Inder Südafrikas eingestellt werden solle. Gesetz eine zweite Ehefrau. Die Könige machten von dieser Regel eine Ausnahme, sie nahmen Kebsweiber zu sich, dem Beispiel der Nachbarhöft folgend. Das Weib tvar bei den Juden nicht „so wie in der Entstehungsgeschichte der Griechen die Pandora, die das Füllhorn deS Unglücks über die Menschheit ausgoß", sondern die treue Lebensgefährtin des Mannes und ihm gleichgestellt. Sie sollte „in Schmerzen gebären", aber desto höher mußte der Mann sie ehren. Sie hatte eine begrenzte, aber unantastbare Stellung. Das HauS war ihr Heiligtum, das Zelt, die Hütte. Da waltete fle, spann und webte sie, da bereitete sie das schöne weiße Brot und deckte den Tisch mit phönizischem Linnen. Das Frauengemach war ihr Reich, aber nicht im Sinne des griechischen Gyneeeums. Sie war frei, wenn sie auch, mit Schleiern bedeckt, die Straße betrat, sie durfte sich in der Oeffentlichkeit bewegen und zur Zeit der Weinlese sich bei „Tan; und Spiel" erfreuen. „Buhldirnen, Tänzerinnen und Sängerinnen waren gut für Schmausereien" und polygame Vergnügungen. „Gib der Buhlerin nicht dein Leben, auf dadu dein Erbe nicht verlierst!" „Dein Weib aber ft! wie der grünende Weinstock an der Seite deines Hauses, an dem die köstliche Traube reift!" — „Der Mann hüte sich, das Weib zu kranken, denn leicht kommen ihr die Tränen!" — „Friede wird wohnen in deinem Zelte, wenn du ihr ehrenvoll begegnest!" „Auch wenn dein Weib Kein ist, -enge dich zu ihr und flüstre ihr ins Ohr" (hole dir Rat von ihr). — Wenn dem Mann die Frau stirbt, so ist eS, ,M ob ihm der Tempel nochmals zerstört werde, die Wett verfinstert sich". Ruth und Esther waren in ihrer bescheidenen Keuschheit und Sittlichkeit dir jüdischen Schönheitsideale. Die Reinheit -er Ehe galt als heilig. Davids, des vielvergötterten König-, Fehltritt mit Baisebe entstemdete ihm die Herzen seines Volkes. Die jüdische Hochzeitszeremonie war einfach; die jungfräuliche Braut trug am Hochzeitstage einen Blumenkranz und man nannte sie „Kallah" die Bekränzte. Sie wurde erst aus dem elterlichen Hause geführt und erst in einem geschmückten Gmiache „Chuppa" mit dem Bräutigam zusammengebracht. Die Auffassung von der SKnheit und. LiebliKkit hex Fra» und ihrer Pflicht, sich zu schmücken, um zu gefallen, war bei allen orientalischen Völkern die gleiche. Die Frau tvar der Feiertag des arbeitenden Mannes, er wollte sein Weib in Festtagskleidung sehen -Und die jüdische Frau selber hatte ein tiefes Schönheitsbedürfnis... Die jüdische Frau will geschmückt sein. Etwas verfeinerteist schon in dem Knochenbau ihrer Glieder. Die schmalen Hände und das nervöse Zucken der Fingerspitzen, diese arabischen Hände von der Wüstensonne gebräunt, auf denen es von Schmuck glänzt! Sabbathände, die Goldfäden knüpfen, die Gewürz und Licht in duftenden Nardenbüchsen und Wein in kristallenen Kannen bewahren, die auf das weißglänzende Tischtuch Silberkrüge stellen mit goldenem Wein und den Schalet bereiten in glänzenden Schüsseln, Hände, die zu Chanuka, tvenn die Menörah blüht, Kerzen unter das Fenster stellen zur Erinnerung an das Tempelwunder in Jerusalem, an den Oelkrug, der acht Tage lang das ewige Licht speiste, Hände, unter denen die Harfe erklang ... und aus denen für das jüdische Volk der Segen des Feiertages floß, die Ruhe nach nckdgehetzten Stunden, nach einer langen Woche voll Plagen. Umherirrend in Knechtschaft, als Fremdling, nach dem täglichen Brote jagend, erblühte für den Mischen Mann, wie der große Dichter Jehuda Halevi singt: „Aus den schönen Frauenhänden der Wochentage ein* jige Blume, die heißersehnte Braut, die Prinzessin Sabbat", die geschmückt wurde mit allen Reizen, die das oft ärmliche jüdische Milieu zu bieten vermochte. Angesichts der Prinzessin Sabbat war es da nicht wie ein Strahl der Erinnerung, ttang es da nicht in Israels Seele: „Hör' ich nicht den Jordan rauschen? Sind das nicht die Brüssl-Brunnen in dem Palmtal von Beth-El, wo gelagert die Kamele? Klangen da nicht Herdenglocken von dem Gileatgebirge, dort wo allabendlich der Hirte feine volle Herde antreibt?" Klang da nicht: „Ich'bin eine Blums zu Saron und eine Rose im Tal unter Dornen, ein Apfelbaum nnter wilden Bäumen... ich bin schwarz, aber lieblich, ihr Töchter Jerusalems!" Waren es nicht Frauen, sanft wie Gazellen, schlank wie fgalmen, unter der Haube den reichen schwarzen Haarschinuck verbergend, in dem es von Rubinen und Perlen glänzte, dk wieder auflebten? „Aller Streit mußte ruhen, nur Freude -durfte glänzen" am Sabbattage, selbst da- Rauchen war verboten, kein Wölkchen sollte den reinen Aether dieses Tages trüben... Trotz mannigfacher Ähnlichkeit mit den Frauen deö Orients ist die jüdische Frau doch niemals eine Orientalin im Sinne der Muselmanin oder einer Haremsbraut gewesen. War sie auch der Schmuck ihres Hauses, so blieb sie doch vor allem Mutter. Das war und ist die Rolle, die ihr am besten liegt; die einzige Karriere, die ihr nie versperrt gewesen tfo f in der sie für die Größe ihres Volkes wirkte und die schönsten Erfolge erzielte. Auch in ihrer späteren EmanzipationSepochv blieb die Jüdin in ihren innersten Instinkten vor allem Weih und Mutter. Hebbel hat düs mit dichterischem Genie in geradezu packender Weise charakterisiert in Judith. Die Witwe Manaffes, das Heldenweib, die Befreierin und Rächerin hat in sich das ewige Erbteil der mütterlichen Natur. Nur an eines Mt sie nach der großen, schrecklichen Tat: nicht an Israels Befreiung, nein! nur an das werdende Kind, das ihrem Schoße vielleicht entspringen wjrd, und ihr graut als Jüdin davor. Dem jüdischen Manne an Schönheitskuttur überlegen, hat die jüdische Frau immer eine unbedingte Herrschaft über ihn ausgeübt. Sie hat als treibende Kraft, als organisatorisches Element ein großes Stück Vorarbeit auf dem Wege der Konsolidierung des Judentums geleistet. Immer hat sie durch Intelligenz und Kunstsinn ein besseres Milieu, eine höhere Lebensatmosphäre geschafft»; es war ihr Talent, schon im Altertum sich und ihr Volk emporzuheben. Ob nun die schöne, kluge Abigail, Nabals Weib, dem König David entgegenritt, um ihn zu kaptivieren, oder die Mutter Israels, Deborah, zündende Lieder sang unter der Palme „Thome Deborah"« oder die kluge Frau in der Stadt Abel-Bet-Maacha von der Mauer herab Verhandlungen mit dem Belagerer Joab anknüpft und dem Bürgerkrieg ein Ende macht, oder ob faft zweitausend Jahre später Leonore tzsn Guzman hetz Königs '• .4. a_- Ä