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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-15 · Heft 2477 (15.1.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2477 (15.1.1926)
Date
1926-01-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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-^v-*r«7j,.",v C W' Seide 4 Wien, tzreilas Sie Aullase des ISdilchea Achten. Mne Gtrnfprettst von Tchalom Asch. Wir berichteten bereits vor einige« Tagen kurz Über ßm Verlauf de- Jubiläu.msbanKtts. Las die New-Dotker Mischen Journalisten dem Dichter Schalem A s ch anläßlich seine- 85jährigen SchrWellerjUbiläuans veranstalteten. Nun liegt der Wortlaut der Rede Asch' bei jenem Bankett vor, -ie wie eine Strafpredigt auf die verdutzten Bankettgäste nie» devstmste und als wertvolles Dokument -um Verständnis dieser vielumstrittenen jüdischen DichterpevsönliePcit verbreitet zu werden verdient. „Eure Jubiläumsfeier" — begann Asch mit bebender Stimme — „ist meiner Seele zuwider. Ich fühle mich fremd unter euch und freue mich, von hier sortreisen zu können. Ich fühle mich bei der heutigen Feier aus zwei Gründen nicht recht wohl. Der eine Grund »ft ein rein persönlicher: weil meine Frau nicht anwesend ist. Verdient ein jüdischer Schriftsteller eine Jnbiläumsohrung, dann verdient seine Fra u doppelte Ehrungen. Der zweite Grund hängt mit der jüdischen Allgem einheit, mit der jüdischen Literatur, dem Mischen Dort in Amerika zusammen. Ich halbe zwei Briese bei mir, die mir soeben von den Witwen zweier großerjüdischer Schriftsteller zugokommen sind. Sie weinen und klagen bitter. Die eine ist die Witwe eines hebräischen Dichters, die andere war die Frau eines jiddischen Schriftstellers. Sie sterben schier vor Hunger. Sie flehen mich an, ich möge mich für sie bei den amerikanischen Juden bemühen. Wie kann ich aber mit ihren Weh» klagen vor die amerikanischen Juden hintreten, -wenn deren Herz für das jüdische Wort gefühllos geworden ist? Wozu veranstaltet ihr mir eine Jubelfeier? Wie kommt ihr dazu, einem jüdischen Schriftsteller Jubiläumsehrungen zu bieten? Bei den übrigen Völkern feiert inan das Jubiläum eines Dichters, wenn in dem Bott das Gefühl der Dankbarkeit dafür reif geworden ist, daß sein Dichter Großes geschaffen und dem Volk das große, erlösende Wort gesprochen 'hat. Als Polen wieder ausgerichtet wurde, das polnische Volk wieder in den Eigenbesitz der einstigen polnischen Königspaläste gelangte, da setzte bas polnische Bott in jene Königsschlösser nicht den Präsidenten der polnischen Republik, nicht die Minister der polnischen Avbeiterregierung hinein, sondern seine großen Dichter, seine Schriftsteller, die Z e r o m s k i, die Raymonds... Dem jüvisöyen Schriftsteller, dem jüdischen Dichter aber bereitet man eine Jubiläumsfeier, wenn man für ihn die Sammelbüchse in Bewegung setzen muß. Aber ich brauche das nicht, ich benötige nicht eure Mildtätigkeit. . . Ich habe niemals gelebt vom jüdischen Buch. Ihr wißt es ja selbst am besten,, daß ihr keine jüdischen Bücher kaust . . . Bis zum Krieg lebte ich von den Uebersetzüngen meiner Bücher ins Deutsche und Russische, und als der Krieg ausbrach und in Europa alles -runter und drüber ging, hätte ich verhungern können, wenn ich darauf hätte warten wollen, daß die amerikanischen Juden meine Bücher kaufen. Scholem Alejchim ist nur deshalb so früh gestorben, weil.er unter euch gelebt hat. Er ist an eurer Kälte zugrunde gegangen, er wurde unter euch zu Tode gemartert durch schwere Arbeit, weil er hier in eine Maschine verwandelt wurde, die so und so viele Arbeit aus sich Herausschwitzen muß. Mer" — schloß Asch — Mozu braucht ihr mich und wM bedarf ich eurer? Ich bin glücklich, da ß ich von hier fort komme, denn hier verhallt das Mische Wort. Ihr seid hier reich geworden und eure Herzen sind abgestumpft. Ich fahre zurück nach Europa, nach Polen, dort sind die jüdischen Massen jüdisch, dort lielben sie noch hajüdi« W W ort., " __ Die Men im Kaukasus. Mch' einem in einem MoSVauer Journal veröfftnMchteri Bericht leben jetzt ün Kaukasus 10.000 Bergjuden. Noch zur Zeit der zaristischen Regierung beschäftigten sie sich vorwiegend mit Land. Wirtschaft. Nur ein ganz geringer Prozentsatz widmete sich dem Handel und Handwerk. Die Bürgerkrisge, di« im Kaukasus jahrelang dauerten, vernichteten wirtschaftlich' die kaukasischen Juden. Bon den verschiedenen Armeen und Baüden von Ort zu Ort getrieben, verloren die jüdischen Landwirte ihr ganzes Hab und Gut. Bor alle wurde ihnen der Grund und Boden Weggenomm e n. Nach Rückkehr .der Boschewiki gelang eS ihnen unter großen Anstrengungen, ihren früher bebauten Ackerboden gurüchuerlangen. Gegenwärtig beschäftigen sich die meisten, kaukasischen Jüden mit Kleinhandel und Handwerk. Ihre wirtschaftliche Lage ist inf Verhältnis zu der vor dem Kriege eine sehr traurige. Auch in kultureller Hinsicht hat sich «ihr Zustand schr ungünstig verändert. Die Zahl der Analphabeten ist in oen letzten Jahren gewachsen. Derzeit herrscht unter den kaukasischen Juden eine starke prozionist'ische Stirnm u n g und ganze Gemeinden beabsichtigen, in der allernächsten Zeit nach Palästina aus-uwcmderrr, wo sie sich der Landwirtschaft widmen wollen. Bei Nordlicht durch die volargegmd. Oslo, 14. Jänner. Einen Flug im Dunkeln haben gestern -v.'i norwegische Flieger, Eliassrn und Gvoß, angetreten. Sie traten von der Marinestation Horten einen Winterprobeslug nach Spitzbergen an, der fast ununterbrochen im Dunksln vor sich gehen u'i,.', da in den zu überfliegenden Gegenden die Togeshelle nur Sturze,i archälr. Die Flieger hoffen aber, sich mit Hilft des :<<.).ork* mieten zu können. Fm den Somnter haben sie . ... U.iietst'iegullg oess Nopdpofts geplant, die ahex mi sportliche ZwM VtzMßt, ' Diener Moraenzertuns «odols ravsfiz, Leich«adesSnsai«. Unter überaus zahlreicher Beteiligung wurde gestellt Hofrat Rudolf Tausstg zu Grabe getragen. Die Leichenhalle konnte die Vertreter der charitotiven Vereine, denen Rudolf Taufsig in Ehrender Stellung ongchörte, sowie die zionistischen Freunde und Verehrer des Verewigten kaum fassen. Die Leichenfeier wurde sehr ergreifend durch einen hebräischen Chor eingeleitet, tvelchen die Zöglinge des Israelitischen Blindeninstitutes ihrem geliebten Freund und Gönner als letzten Gruß darbrachten. Herr Rabbiner Dr. David Feuchtwang sprach ,'iber die ausgezeichneten nienschlichen Eigenschaften des Verstorbenen. Man übertreibe nicht, wenn man sagt, daß wir einen der besten Söhne der Mischen Gemeinschaft verloren haben. Gr sei stets den Weg der Tadellosigkeit gegangen und mit Hingabe der Vollstrecker seiner Ueberzeugung gewesen. Sein Amt, dem er mehr als vierzig Jahre treu diente, konnte ihn bei strengster Pflichterfüllung nicht daran hindern, dem jüdischen Volke die ganze Kraft zu widmen, die ihm seme amtliche Tätigkeit übrig ließ. Von Anbeginn wirkte er fih das Judentum, nicht wie andere im öffentlichen und politischen Lebe,: stehende Juden, die sich um die jüdische Gemeinschaft erst kümmern, wenn ihnen anderswo kein Weizen blüht. Hierauf rrat Oberrabbiner Dr. Chajes an sie Bahre. Er könrre nicht namens der Institutionen und Vereine sprechen, die Rudolf Tatlssig zu großen. Dank verpflichtet sind, denn ihre Anzahl sei zu groß. Als Freund wolle er von dem Toter« Abschied nehmen, mit welchem er in der zionistischen Bewegung und in wichtigen jüdischen FürsorgeanMgenheiten ununterbrochen gearbeitet habe. Taufsig lvar c i n Gentleman im englischen Sinne des Wortes und zeichnete sich durch Ritterlichkeit aus, wie di« Franzoserr diesen Begriff werten. Er war mit dem Amte verwachsen, das er verwaltete, und doch kein Bureaukrat, er war Oesterreicher und Kosmopolit zugleich. Er bekannte sich zum Zionismus in einer Zeit, in welcher ment geradezu als verrückt erklärt wurde, wenn man sich dieser Bewegung anschloß, und es bliob ihnl zeitlebens nichts Jüdisches stcmd. Er war mondän und dabei ein großer Idealist. Der Präsident der Israelitische)« Kultusgemeinde, Hofrai Professor Pick, würdigte die Verdienste des Verstorbenen als Mitglied des Vorstandes der jüdischen Gemeinde; Herr Hofrat Frankfurter sprach für die B'nai B'rith-Lr^e „Wahrheit" Worte des Abschieds. Herr KommeriMrat Max Markus grüßte den Twen namens des Zionistischen Lande 8 komitees für Oesterreich und schilderte in bewegten Worten sein hingebendes Wirken für das zionistische Ideal. ES sprach ferner Herr Josef Brenner namens des Vereines „Jüdische Volksküchen" und Herr Dr. Isidor Schallt namens der engeren zionistischen Freunde des Verstorbenen. , Mit einem Lied der Zöglinge des Blindeninstitutes schloß die ergreifende Totenfeier, an welcher nebst den Genannten auch das Mitglied des Zionistischen Aktionskomitees, Oberbaurat Stricker, Gemeinderat Dr. Leopold Plaschkes, die Bezirksräte Hermann Plaschkes und Waltuch, die Präsitzentin der Organisation jüdischer Frauen, Frau Erna P a t a k, Frau Anitta Müller-Cohen, Herr Direktor A l tmann und zahlreiche Mitglieder des Kuratoriums des israelitischen Blindeninstitutes, eine Abordnung des Vereines Jüdische Kinbersreunde tuvb viele ehemalige Amtskollegen Taussigs teilnahmen. * , -l\ Kondolenzen. * Dem Zionistischen Landeskomitee ' für Oesterreich sind anläßlich des HinscheidenS deS Hofrates Rudolf Taufsig eine Anzahl von BeilerdSkundgrbuttgen zugekommen. Die nichtigsten geben wir nachstehend wieder: Anläßlich deS Hinscheidens Rudolf Taussigs, des treuen, ergebenen Mitstreiters der zionistischen Sache, des verdienst- .vollen Mitarbeiters unserer Kongresse seit HerzlS Zeiten, sprechen wir der Familie des teuren Mannes und den österreichischen Zionisten unser tiefstes Beileid aus. Die Zionistische Exekutive, London. Schmerzlich bewegt durch die Nachricht vom Tode Tausstgs, der der allgemeinen zionistischen Sache so große, insbesondere aber dem Keren Hajessod seit seiner Gründung unvergäirgliche Dienste geleistet hat, übermittelt den Ausdruck tiefsten Mitgefühls Das Keren-Hajessod-Direktorium, London. Das Hinscheiden meines Freundes, des Hosrates Rudolf Tausstg, dieses edlen Vertreters zionistischer Kongreßtradition, hat mich tief bewegt. Ich bitte Sie, den österreichischen Zionisten mein innigstes Beileid zum Ausdruck zu -ringen. Dr. Berthold Feiwel, London. -elen Keller bei eooUDgtJ Aus Washington wird gemeldet: Die taubstumme und blind« Schriftstellerin Helen Keller, die zurzeit um die Aufbringung einer Spende von zwei Millionen Dollar für die amerikanischen Blinden bemüht ist, wurde gestern im Weißen HauS vom Präsisidenten Coolidge empfangen. Helen Keller unterhielt sich mit dem Präsidenten, indem sie ihre Fingerspitzen auf die Lippen unh die Kehle des Präsidenten legte und so die Worte des Präsidenten verstand. Auch Präsident Coolidge verstand die Zeichensprache der taubstummblinden Schriftstellerin. Llode RH8 Warschau geflohen? Warschau, 14. Jänner. Großes Aufsehen erregt hier die Tatsache, daß der ehemalige Finanzminister und Präsident des Postsparkassenamtes, Hubertus Linde, der bekanntlich unter dem Verdacht unlarlterer Final«zoperatio»len mit den Geldmitteln des Postsparkasseuamr.'ä steh: und kürzlich gegen Erlag einer Kaution auf freien Ins; gesetzt wurde, plötzlich aus Warschau verschwunden ist. Linde soll sich hem ZMÄW M W AMK foffSta fcfofr" 18. JäNnek 1926 -K. Irr MorrisoN'Plaa für den Ansban von @res Israel. Isidore D. Morrison, ein bekannter New-Aork4ß Rechtsanwalt und einer der ersten Zionisten in Amerika, war auch einer der ersten, die auf den Aufruf für den zionist ischen Fünf-Millionen-Drive mit einer Spende von 100.000 Dollar antworteten. Diese seine Spende widmete jedoch Morrison ausdrücklich als den ersten Betrag eine- Fonds, von dem bloß der Zinsenertrag jährlich für die Zwecke der bereits bestehenden Fonds, wie Keren Kajemeth. Keren Hajessod und Universitätsfonds, verwendet tverden sollen. Morrison ging bei dieser Verfügung davon aus, daß der Aufbalt Erez Israels nicht länger ausschließlich von zufälligen, in ihrem Ausmaß schwankenden Spenden des Kdischen Volkes abhängig bleiben dürfe. Die Folge der Unsicherheit der Einnahmen habe auch die Unsicherheit des Budgets und oft verhängnisvolle Störungen der systematischen Aufbauarbeit zur Folge. „Würde mein Beispiel" — erklärte Morrison Pressevertretern gegenüber — „Nachahmung finden, so wäre das schwere Problem bald gelöst. Meine Widmung sichert ein jährliches Einkommerl vorr zumindest 6000 Dollar. Bei konserva^ tivster Beurteilung gibt es in Amerika tausend Jude«, die in der Lage sind, ohne Schwierigkeiten 100.000 Dollar für den gleichen Sicherstcllungsfonds flüssig zu machen. Damit wäre ein Fondskapital von 100 Millionen Dollar mit einem Minimalerträgnis von 6 Millioneir Dollar jährlich ans km Vereinigten Staaten geschaffen. Zu diesem fixen, sicheren Jahreseinkommen kämen dann noch die jährlichen Zuwendungen von Juden, die nicht vermögend genug find, um auf einrnal den Betrag von 100.000 Dollar für die Ausbauzwecke anzulegen. Nach den bisherigen Jahresergebnissen dieser Spenderr kann der Gesamtbetrag dieser Spettden mit jährlich 2,500.000 Dollar arigesetzt werden, so daß, wenn rneine Anregung entsprechenden Anklang findet, für die Zwecke des Aufbauwerkes in Erez Israel mit einer sicheren Jahrescinnahme von 7,600.000 Dollar gerechnet werden könnte. Die jetzt notwendigen großen Drives und Sammelaktionerl würden dann überflüssig werden und unsere großen zionistislhen Führer, wie Dr. Weizmann, Dr. Wise und andere, könnten ihre jetzt für die Sammeltätigkeit absorbierten Energien aus wichtige, schöpferische, staatsmännische Arbeit zur Beschleunigung der Errichtung des jüdischen Nationalheims itf Erez Israel verwenden." 8« „Seifteksvuk" in der Salttfet Klaus. In der Zgierzergasse in L o d z befindet sich die Baluter Klau-,1 ein kleines Beihaus, das so alt und baufällig geworden ist, daß es vor vier Monaten wegeir Einsturzgefahr geschlossen werden mußte, Seit dem Tag der Schließung der KlauS hat kein Mensch die Pforten des Bechauses überschritteit. Da geschah vor zwei Wochen etwas^ Außerordentliches. Aus dem Innern der Klaus drang eines Abends markerschütterndes Wehklagen, Weinetl und Winseln. Die Passanten blieben erstaunt stehen. Christen, die zufällig deS Weges kamen, bekreuzigten sich, alte Juden und Jüdinnerl erbleichten vor Schrecken. Bald hatte sich in der Umgebung der Klaus das Gerücht verbreitet, daß in dem alten, verfallenen Bethaus „Teufel" und „Geister" ihr Unwesen treiben, die ausgeschickt wurden, um die Juden dafür zu strafen, daß in dem alten Bethaus schon seit Monaten kein Gebet verrichtet worden sei. Der Hof der Klaus war bald voll mit aufgeregten Menschen und ihre Zahl wuchs von Minute zu Minute ... Um 10 Uhr nachtS wuchs die Erregung aufS höchste. Irr der Klaus wurde es hell. Durch die niederen Fenster konnte man deutlich sehen, wie eine menschliche Gestalt, in einen Talis gehüllt, vor dem Betpult an der Ostwmd über ein großes Buch gebeugt, sich wie in Krämpfen windend, furchtbare Schreie ausstieß. Das Jammergeschrei drang bis in den .Hof hinaus: „Störet mich nicht, ihr sündigen Menschen! Ich bin ein Schch, ein böser Geist! Scheret euch von dannen! Fliehet, hinaus aus dem Hof, sonst seid chr alle dem Tode geweiht . . .!" Die Furchtsameren befolgten den Rat des „Sched" und schlichen angsterfüllt aus dem Hof. Micht weit von der Klaus befindet sich die Wohnung des Baluter Rabbi, deS Rabbiners der Klaus. Zu ihm ging eine Abordnung der im Hofe angesammelteu Männer und Frauen und bat ihn siehentlich, die Austreibung des „Schob" vorzunchmen, da die ga'.rze Umgebung sich in grenzenlosem Schrecken befinde. Der Rabbi lachte herzlich über die Furcht der abergläubische,; DleM, wies sie tvegen deS unjüdischen Aberglaubens zurecht, befahl den Leuten, ruhig nachhause zu gehen, denn eS gebe keine herumspukenden bösen Geister. Es handle sich offenbar um den Streich eines ausgelassenen Gassenjungen^ Jnztvischen verstärkte der „SchÄ" in, Bethaus sein Gehciü. Di« Lichter im Tempel verloschen. Der „Sched" sang jetzt seine Klagen im traurigen „Echahton" am Tischa-beaw. Bis — gegen 11 Uhr nachts — der Sprck ein groteskes Ende fand. In der Klaus war es still geworden, gleich darauf sprang durchs Fenster des BethauseS eine zerlumpte Gchalt, schoß durch den panikartig auseinanderstiebenden Menschenknäuel, steckte die Zunge langmächtig heraus, meckerte wie eine hungrige Ziege: „mäh-äh, mä-ä-äh". Der „Sched" wollte flüchten, aber die noch vor' wenigen Minuten von der TenfelSfurcht Besessenen hatten wieder Mut gefaßt, erwischten den „Sched", zerrten ihn in den Lichtkreis einer Laterne und erkannten in chm den 17jährigen, halbidiotischen Schlojme Dimantstein, einen stadtbekannten Gassenjungen aus der Zgierzergasse. Schlojine ivar der Held des Tages. Stolz erzählte er jetzt, wie er eine Fensterscheibe der baufälligen Klaus eingedrückt und dann als „Sched" huiwerte Menschen stulwenlang genarrt und in Angst und Schrecken gehalten hat. Im Zimmer des Baluter Rabbi, wohin „Schlojme „Sched" schließlich gebracht tvuvde, drohte er mit noch schlimmeren Spukgeschichten, ivenn n«an ihm ni«ht bald einen ganzen Anzug schenken tverde. Schlojme Dimantstein hat einen neuen Arizug erhalten und in per Balgter Mus herrscht wieder heilige ri, tu iiWiMilr~ MM1 ‘fr- HL-M

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