Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2476 (14.1.1926)
- Date
- 1926-01-14
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2979076-2981549-2981563--25226-3012850- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
flft. 5175 Wen. Dömterskag WUmt MsesmzeMtts 'Mittelstand, für die Keinen Industriellen und' Gewerbetreibenden, für die jüdischen Aerzte, Rechtsantvält« ein, auf denen der große Truck der Steuerlast Und der Kreditnot liegt. Tie „Wiener Morgenzeitmig" ist das einzige Organ, das für diese Schichten der jüdischen Bevölkerung in politischen und wirtschaftlichen Fragen eine offene und kräftige Sprache PHrt und ist deshalb bei allen Regierungs- und anderen öffentlichen Stellen respektiert. Der jüdische Mittelstand in dieser Stadt stcht vor der Proletarisieruug. Wir haben zwei Wege gezeigt, die geeignet sind, die wirtschaftliche Not des Landes zu lindern und die „Wiener Morgenzeitung" wird unermüdlich dafür «intreten, daß sie beschritten werden. Eie heißen: Herbeischaffung von Krediten und ALbürdung der Steuerlast. An die mit großem DeiM aufgenommene Rede schloß sich eine kurze Diskussion, in die die Bezirks rate Kohn und Hirsch eingrissen. Hundert Bergleute verschüttet. Eine schwere CxplosionSkatastrophe in Amerika. AuS W i l b u r t o n (Oklahoma) wird gemeldet: In einer Grube der Mac-Lonell-BergwerkSgesellschaft ereignete sich eine schwereExplosion, durch welche etwa hundert Bergleute verschüttet wurden. Die Explosion war so stark, daß das Grubenholz aus dem etwa 800 Meter tiefen Schacht herausgeschleudert wurde. Es besteht nur geringe Aussicht auf Rettung der Verschütteten. Furchtbare Grubenexplosion in Japan. Aus Nagasaki wird telegraphiert: In einem Kohlenbergwerk bei Takanaisu hat die Entzündung von Grubengasen eine Explosion herbeigeführt, wobei ein Arbeiter getötet und mehrere verletzt wurden. Unmittelbar nach dem Unglück versuchte eine Rettungsabteilung von sechzehn Mann» in den Schacht einzudringen, als mehrere neue Explosionen erfolgten, Lurch die, wie Ueberlebende berichten, die Rettungsmannschaften förmlich zerstückelt wurden. Mne Grubenexplosion im Ruhvgebiet. Aus Dortmund wird berichtet: Das Preußische Oberbergamt teilt mit: Gestern abends sind auf der Zeche Bereinigte Treppe in Silschede durch Explosion zwei Bergleute getötet und fünf verletzt worden. Ein Arbeiter wird vermißt. Drei der Verletzten befinden sich in Lebensgefahr. Die Explosion wurde wahrscheinlich durch die Entzündung von Kohlenstaub verursacht. Die mechanischen Wirkungen der Explosion sind gering. Unterschlagungen bei der Reichswehr. Aus Berlin wird gemeldet: Bei der HeereLrechirrrngS-- und Wirtschaftsabteilung in Berlin- Langwitz find große Unterschlagungen 'aufgedeckt worden. Der frühere Zahlmeister Röthin hat im ganzen rund 130.000 Mark unterschlagen. Röthin wurde verhaftet. Außerdem sucht die Polizei nach einem Kaufmann Bedenk, der es verstanden hatte, dem Verhafteten unter falschen Vorspiegelungen große Summen abzunehmen. Bedenk ist flüchtig. Her Fall Haarmmm. Grans leugnet alles. Aus Hannover wird berichtet: Grans leugnet alles. Haarmanns Freund, der als Helfer des Massenmörders belastet wird, nützt den Umstand, daß ihm kein lebender Zeug« gegenübergestellt werden kann, zäh und geschickt aus. Bor s.: Sie haben also auch nicht die Leiche des jungen Franke, gesehen? — Der Angeklagte schüttelt den Kopf. — Bors.: Und auch nicht in den Schrank legen geholfen? -~ Äuge k l.: Nein. — Bor s.r Sie waren auch nicht dalbei, als Haarmann den Wittich in seine Wohnung lockte und in derselben Nacht ermordete? —"Angekl.: Ich habe Wittich in Gesellschaft Haarmanns kennen gelernt, weiß auch, daß er ihn bei sich schlafen ließ. Am nächsten Tage sagte mir Haarmann, er habe ihm Geld zur Reise nach Hamburg gegeben. Mich weiter um den Verbleib WitttchS zu Sümmern, hatte ich keine Veranlassung. . Der Vorsitzende bringt hierauf die Aussagen zur Verlesung, die H a a r m a n n als Angeklagter im ersten Prozeß abgegeben hat und die schwere Beschuldigungen gegen Hans Grans beinhalten. G r a n s hört diese Anklagen m i t größter Ruhe an und verrät nicht die geringste Krwgung. HaarinarmS Beichte. Gestern begann di« mit großer Spannung erwartete Verlesung der Beichte des Massenmörders Haar mann, die er im Gefängnis abgefaßt hatte und die bereits durch den auf der Fahrt zum Polizeipräsidium abge« worsenen Brief angedeutet wurde. Die Beichte war adressiert an den GefängnlSpfarrer Haupt. Darin wird der Angeklagte Grans als ein leichtsinniger und liederlicher junger Mann hingestellt, von dem aber Haarmann nicht Hab« lassen können. Haaririann bestreitet aus das nachdrücklichste, daß Grans von seinen Mordtaten Kenntnis gehabt habe und erklärt, daß Grans unschuldig verurteilt worden fei. Haavmann beschwört die Richtigkeit seiner Beichte angesichts der ihm bevorstehenden Hinrichtung. Die Situation für den Angeklagten Grans hat sich wesentlich dadurch verschlechtert, daß er die kleinen Anschuldigungen, die Haarmann gegen ihn erhebt, als völlig unwahr hinstellt. Dadurch wird di« Glaubwürdigkeit der Beichte im allgemein^ stark erschüttert Möbelfabrik JACQUES WALLIS Wien, L, Wollzeile 21 Wohnungseinrichtungen bis tum feinsten Genre, reichhaltiges Lager in fünf Stockwerken Sine ernste Mahnung des Loadouer Keren-Haiefsod-Llreltoriums. Die EiNAiirrge sind ungenügend. Schon in den Herbstmonaten des Vorjahres waren die Eingänge des Keren Hajcssod, welcher bekanntlich das gesamte Palästinabudget des Aufbaues zu bestreiten hat, nicht genügend. DaS Londoner Direktorium gab wiederholt bekannt, daß die ihm zur Verfügung gestellten Keren-Hajeflod-Beiträge aus der ganzen Welt nicht nur dem vom Wiener Aionisterikongreß beschlossenen erhöhte nBudgetnichtentsprechen, sondern sogar hinter den Eingängen der Zeitvor demKongreßzurückbleiben. Nun liegt der Bericht des HauptbureauS 8eS Keren Hajesfod über den Monat Dezember 1925 vor, au§ welchem leider zu ersehen ist, daß sich die Eingänge auch in diesem Monat nicht gebessert haben. Der Gesamtbetrag, den das Direktorium im Dezember erhalten hat, beläuft sich auf 38.825:1:7 Pfd. St. gegen 39.372:5:4 Pfd. St. im Dezember 1924. Die größte Ueberweifung, die in dem Betrag von 32.825:1:7 Pfd. St. enthalten ist, ist die aus den PereinigtenStaateninder Höhe von 21.822:0:7 Psd. St. An zweiter Stelle steht Gesamtrumänien mit 1757:16:5 Pfd. St. Hierauf folgen Deutschland, Argentinien, Lettland, Holland und England. Die Eingänge aus Polen sind außerordentlich gering; diejenigen aus der Tschechoslowakei, Palästina und Jugoslawien sind unter 500 Pfd. St., die Eingänge aus alle nanderenLändern, einschließlich Oesterreich und Litauen, stehen sogar unter der Grenze von 300 Pfd. St. Die Keren-Hajeflod-Le'itung schließt an diese Mitteilung die folgende Mahnung: Der Umstand, daß sich auch im Dezember die Vom Direktorium als unumgänglich bezeichnete Erhöhung nicht vollzogen hat, ja, daß die Eingänge in diesem Jahre noch immer um beinahe 7000 Pfd. St. weniger betragen als im gleichen Monat des Vorjahres, hat die Situation in Palästina nicht günstig beeinflussen können. Die Folge der mangelhaften Ueberweisungen war die Tatsache, daß die Palästinaexekutive im Monat Dezember keine Ueberweifung für ihr Dezemberbudget erhalten hat, weil alle Ueberweisungen noch zur Deckung der Defizite der. früheren . Monate verwendet werden mußten. Diese Situation verlangt die energischeste Arbeit in allen Ländern. Ungeachtet der großen finanziellen Depression, unter der die jüdische Bevölkerung in einer Reihe von Ländern, insbesondere in Mittel- und Osteuropa leidet, darf nicht die unerläßliche Vergrößerung der Keren-Hajeflod- Einnahmen auSbleiben, wenn sich nicht eine außerordentlich ernste Rückwirkung auf allen Gebieten der Palästinaarbeit äußern soll. Das Direktorium des Keren Hajessod verlangt infolgedessen, daß innerhalb der Zionistischen Organisation und in allen Kreisen, die Sympathien für den Palästinaaufbau manifestiert haben, alle Anstrengungen auf den Keren Hajessod konzentriert werden. , Auch aus den Protokollen über die Beratungen der Mandatskommission hat sich wiederum mit voller Klarheit ergeben, daß eine Konsolidierung der jüdischen Positionen in Palästina nur möglich ist, wenn dieselben durch die ausreichende Opferwilligkeit aller Freunde des Aufbaues der Heimstätte gesichert werden und wenn der Keren Hajessod seine Verpflichtungen zu erfüllen imstande ist, Sie österreichische ttrren-Haleffod-Aktion. Die von der österreichischen Keren-Hajeflod-Kommiflion im Einvernehmen mit der Zionistischen Landesorganisation beschlossene großzügige Aktion für den Keren Hajessod wird gegenwärtig im P r a t e r durchgeführt. Die Nachrichten über die bisherigen Erfolge sind günstig. Das Propagandawerk unter den Juden des Praters wird am 17. Jänner geschlossen. An diesem Tage beginnt die Aktion im übrigen Teil der Leopoldstadt. Die zionistische Bezirttsektion der Leopoldstadt hat sehr ernste Vorbereitungen getroffen, um einen möglichst großen Teil der Juden des Bezirkes im Keren Hajessod zu erfassen. Gestern fand neuerdings unter dem Vorsitz des Präsidenten der zionistischen Bezirkssektion, Herrn Oberbaurat Stricker, eine Konferenz der freiwilligen Mitarbeiter statt, in welcher die Arbeitseinteilung endgültig festgesetzt wurde. Es stehen bisher hundert Mitarbeiter zur Verfügung, welche sich der Keren-Hajesiod-Arbeit in der Leopoldstadt vom 17. bis zum 31, Jänner widme» werden. Sie «nrlünder in den (Bleuer Rronftn» anstatt«». Keine höheren Gebühre» mehr. Bicher mußten Ausländer, dis in Wiener «ruckenanstolteu untergchracht waren, das Drei- bis Fünffache der Krankengebühren für JAäuder zahlen. Auf Grund einer Verordnung deS Wiener S t a d t s e n a t c I o(l Landesregierung über die Neuregelung der Gebühren in den Wiener öffentlichen Kranken- «jtatte» wurde »un diese PrslMMNg »^ßexKxaftgejetzt. g. MM« ms_- Krischna Marti. Der neue Indische Messias. In Indien ist ein neuer M e f f i a S in det Perfo» eines jungen Hindu, namens Krischna Murti, entstanden, der von der bekannten nationalistischen Führeri« Frau Anny Befand propagiert wird, und desien Glaubenslehre eine Vermischung der Hindu- und der christlichen Lehre darstellt. Von den zwölf Aposteln, die seine Begleitung bilden, sind sieben bereits gewählt, teilS Jnder, teils Westeuropäer. In Adjar wurde ein Tempel dem neuen Glauben geweiht, den der Meflias feievlich erösfnete. Der Festlichkeit wohnten mit besonderer Erlaubnis der Synode der liberalen katholischen Kirche vier Bischöfe bei, die in Indien anwesend sind, und die aus Australien, Holland, England und Nordamerika stammen. Der Hindutempel, an dem drei Jahre lang gebaut wurde» wird das Zentrum der neuen Lehre bilden. Die Feierlichkeit, an der eine zahlreiche Versanwtlung von führenden Hindus und Mohammedanern aus Madras teilnahm, wurde von Krischna Murti geführt, der die Vedischu-Hymne sang, die einen Teil des Zeremoniells bildet, daS in der Sanskritsprache abgefaßt ist. Ein auffälliger Zug der Feier war, daß alle Anwesenden, einschließlich des Meflias, das Z e i ch e n deSKreuzeK machten. Zum Schluß nahm die ganze Versammlung an einem Mahle teil, das von Krischna Murti ausgeteilt wurde, ohne daß dabei die kastenmäßigen Beschränkungen der Hindu befolgt wurden. Ebenso wurde geweihtes Wasser verteilt. Die Gottesverehrung in Versammlungen bildet einen dem Hindutum bisher fremden Zug der neuen Lehre, die der „Meflias" verbreitet. Schönheit na« Matz. Die Amerikaner wollen schöne Frauen haben. DaS ist schr zu begrüßen, denn «S gibt nichts, was das irdische Jammertal so sehr mit Sonne zu erfüllen vermöchte, wie schöne Frauen, abgesehen natürlich von der Sonne selbst. Die Amerikaner sind leider sehr sachliche Menschen. .Schönheit schlechthin genügt ihnen durchaus nicht. Sie wollen gemessene oder besser gesagt, meßbare Schönheit. Zu diesem Zweck muß man einen meßbaren Prowtyp besitzen. Die Amerikaner, und zwar die von New-Aork, bewiesen schr viel guten Geschmort, als sie die VenuS von Milo wählten. Und sie maßen nach den Maßen dieser vorbildlichen Venus, wozu sich übrigens die Bewerberinnen so sehr entblößen mußten, wie es sonst nur die amerikanischen Revuestars notwendig haben. Und als die Preisrichter genug gemessen hatten, erkannten sie einer jungen Dame den Preis zu. Einer anderen, auch sehr schönen Dame, der Miß Hyatt, paßte daS durchaus nicht. Sie beantragte, die Maße nachzuprüfen. Zumal st« in Anbetracht dessen, daß sie keinen Preis erhalten hatte, auch eines Theatereng igementS verlustig gegangen war. Und deswegen wandte sie sich flugs an das Gericht und verlangte 100.000 Dollar Schadenersatz. Unter 100.000 Dollar tut man es in Amerika nicht. Die Frage Ist nun: Gibt es in Amerika Richter? Denn eS in Amerika Richter gibt, werden sie' entscheiden: Die Maße allein genügen nicht, eS muß auch irgendwie die innere Schönheit durchleuchten. Auch der Marmor ist beseelt, und Schönheit ist unmeßbn und unermeßlich. «n Mo für Fronen. Ick Wv-Pork ist ein neues großes MmWlter gegründet worden, das Embafly Dheatre. Man sieht der Eröffnung mit großem Interesse entgegen, weil es sich hier um das erste große Kino handelt, das ausschließlich für Frauen bestimmt ist. Kein Mann darf die Schwelle des weiblichen Filmtempels betreten. Man hat deshalb mit der Leitung des neuen Unternehmens auch keinen Mann betraut, sondern eme Frau, Miß G o u l d, die mit zarter Rücksichtnahme aus die weiblichen Besucher als Eröffnungsvorstellung die Verfilmung der Lustigen Witwe" gewählt hat. Was mit der Gründung des neuen Filmtheaters bezweckt wird, ist nicht recht ersichtlich. Wenn es sich um feministische Propaganda handelt oder um die Vorführung von Aufllärungsfilmen, die nuk für weibliche Augen bestimmt sind, könnte man den Ausschluß der Männerwelt noch verstehen. Aber lustige Witwen pflegen in der Regel auf die Männer eine größere Anziehungskraft auSzuüben als auf Frauen, und schließlich wird auch in Amerika dar Kino von Archen und solchen, die eS werden wollen, mehr besucht als von eingefleischten Junggesellen beiderlei Geschlechtes. Vielleicht aber haben wir es hier mit einem der bekannten amerikanischen Reklametricks zu tun. Vorläufig ist der Zweck ja auch erreicht: Man stricht von dem weiblichen Filmtheater und wird sich zu den ersten Vorstellungen drängen, weil eS einmal etwas anderes ist. Auf die Dauer wird es aber ohne die Männer nicht gchen. Und eines Tages wird eS eine neue Sensation geben, wenn zum erstenmal Männer zu dem „weiblichen Filmtheater" zugelaffett werden, ffi» eben nichts über eine geschäftliche Reklame. »trat im .Scholtenhof* bei Renwaldem In dem bekannten Ausflugsort Schotten Hof", einem groben Wirtschaftsgebäude auf dem Wege von Hütteldorf nach Neuwaldegg, brach gestern mittags aus bisher unbekannter Ursache ein großer Brand aus, der nur mit Mühe durch die Wiener Feuerwehr gelöscht werden konnte, da die Zugänge in dem vereisten Waldgeviet äußerst schwer zu befahren waren. In der Nähe des Gebäudes befindet sich ein Teich, der aber infolge der großen Kälte zugefroren war. Die Feuerwehr mußte die Eisdecke aufhacke» und konnte dann mit fünf Schlauchlinien, die aus dem Teiche gespeist wurden, nach mehr als sechsstündiger Arbeit den Brand löschen. Der Schaden ist betxäKtUL kchttsit aber WH LVWWMÄ gt&fc