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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-13 · Heft 2475 (13.1.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2475 (13.1.1926)
Date
1926-01-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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, * gfetfei_ w*ntmmm den hiesigen Politischen Kreisen ist es bekannt, daß Minister Mataja bei seiner letzten Amvesenheit in Rom auch über diese Seite der Frage unterrichtet wurde. Bei dieser Gelegenheit ist auch das Wort vom heiligen römischen Reich" gefallen. Freilich scheinen die Dinge in Rom sich nicht so rasch zu entwickeln, wie dies die ,Ieichspost" andeutet. Der Vatikan ist in dieser Frage konsequent und er verlangt vor allen Dingen den öfftntlichen und kompromißlosen Bruch mit der Vergangenheit. Dies geht aus einem Leitartikel des ,^)ffervatore Romano" hervor, welcher bedauert, daß einige Blätter Italiens gelegentlich des Abschlusses der Arbeiten der Regieruugskommission für die Abänderung -der kirchlichen Gesetzgebung allzu sehr begeistert und sogar von einer Zusammenarbeit, einer Annäherung und endlich sogar einem großen Schritt zur Aussöhnung zwischen Staat und Kirche gesprochen hätten. Demgegenüber sei es notwendig. Vorbehalte zu machen. Es sei nicht richtig, von einer Zusammenarbeit zwischen dem Heiligen Stuhle und der Regierung zu reden. Die ausgearbeitete Regierungsvorlage sei eine einseitige Reg ^rungsarbei t, der die kirchlichen Behörden fern geblieben seien. Wenn auch diese Vorlage Besserungen gegenüber der früheren ungerechten Gesetzgebung enthalte, die der Liberalismus verschuldet hätte, so sei sie jedoch noch weit entfernt davon, das zu bieten, was notwendig wäre für eine vollständige Wiedergutmachung und eine gänzliche religiöse Beruhigung des Landes. Um das bewerkstelligen zu können, wäre es vor allem notwendig, daß das Garantiegesetz, welches als Meisterwerk des Liberalismus betrachtet werde, abgeschafft, daß volle Freiheit und Unabhängigkeit sowohl in Wirklichkeit als auch dem äußeren Scheine nach geschaffen würde, wozu der Heilige Stuhl ein Recht halbe, und daß alsdann im Einvernehmen zwischen beiden Gewalten alle anderen Ungerechten Gesetze abgeschasft würden. Inland. AekonftruMo» des Kabinetts Ramek. Abg. Kollrnann will Finanzminifter werden. Wenn die Uhr richtig geht, wird morgen -der Nationalrat eine neue Bundesregierung wählen. Sie wird voraussichtlich das rekonstruierte Kabinett Ramek sein, hinter dem dieselben Parteien wie bisher, Christlichsoziale und Großdeutsche, stehen werden. Ursprünglich dachte man raran, nur den Außenminister Dr. Mataja, der bei den Sozialdemokraten mißliebig geworden -ist, aber auch den Großdeutschen nicht paßt, in der Versenkung verschwinden zu lassen. Dann kam noch eine starke Erholungsbedürfti gleit des Ministers für Land- und Forstwirtschaft, Vuchinger, hinzu, der als Weinbauernvertreter nicht recht dem Handelsvertrag mit Ungarn zustimmen kann, mit dem den Ungarn eine Herabsetzung des Weinzolles auf 30 Goldkronen gewährt werden soll. Seine Stelle wird ein Homdl- oder Körndlbauer einnehmen, dessen Name der breiteren Oeffentlichkeii noch unbekannt ist. Gestern hieß es, daß dieses wichtige Amt der steirische Abgeordnete Pirchegger übernehmen werde, wenn ihm dies die Reichs- und Landesparteiinstanzen gestatten. Seine Parteigenossen in der Steiermark sind nämlich arg verschnupft darüber, daß das sogenannte „steirische Wirtschastsprogramm", eine gemeinsame Arbeit des Finanzministers Dr. Ahrer und des Kohlenindustriellen Wutte, wenig Anklang gefunden hat. Dr. Ahrer hat gestern in 'der Vorkonferenz der christlichsozialen Landeshauptleute nochmals den Versuch gemacht, es zum Regierungsprogramm erklären zu lassen und angeideutet, daß er mit seinem Programm stehe und falle. Man zeigte ihm die kalte Schulter und darum ist sein Austritt aus der Regierung sehr wahrscheinlich geworden. Unter diesen Umständen entschloß rnan sich, die Gesamtdemission des Kabinetts vorzubereiten und den gegenwärtigen Kabinettschef Dr. Ramek damit zu beauftragen, ein neuesRegiernngsprogramm in großen Umrissen zu entwerfen und dann die Rekonstruktion seines Kabinetts vorzunehmen. Mit den Großdeutschen,, die unter allen Umständen in der Regierungsmehrheit bleiben wollen, sind bereits Verhandlungen angesponnen worden. Sie haben ein Subkomitec beauftragt, Vorschläge für ein weiteres Zusammenarbeiten mit den Christli Asozialen auszuarbeiten. Namentlich verlangen sie für die Umbildung der Regierung klare Leitsätze für ihr weiteres Eingreifen auf wirtschaftlichem Gebiete zu vereinbaren. Es 'besteht immerhin noch die Möglichkeit, daß' die Auswechslungen im Kabinett Ramek sich auf das Außenamt, dessen Führung der Kanzler nach dem Rücktritt Dr. Matajas selbst übernehmen soll, und auf das Ackerbauministerium beschränkten. Fällt das steirische Wirtschastsprogramm ganz unter den Tisch, so bleibt es beim Rücktritt Dr. Ahrers. Sein Nachfolger soll dann der Bürgermeister von Baden, Abg. Ko Ilm an, werden, der schon lange nach einem Mnisterportefeuille strebt. Im Viertel unter dem Wienerwald ist nämlich der großdeutsche Handelsminifter Doktor Schürsf aus Mödling die erste Person, was wahltechnisch für die Großdeutschen immerhin von einiger Bedeutung ist. Wird nämlich der christlichsoziale Bürgermeister der Nachbarstadt Baden Minister, so haben dort die Großdeutschen auch in dem einzigen Wahlbezirk Oesterreichs, wo sie ein Originalmandat für den Nationalrat haben, auf das sich ihre sämtlichen Reststimmenmandate gründen, nichts mehr vor den Christlichsozialen voraus. Herr Kollmann wollte ursprünglich Handelsminister werden, aber Dr. Schürff ist nicht von seinem Platze zu bringen. Sohin bleibt für den .Bürgermeister Kollmann nur 'das FinanWinisterium übrig, Wiener Morseirzettitns gaaaaasaaisBsgBaaMmi i r . •; Soeben erschien Band ll _ der Weltgeschichte jüdischenVolkes von 8. M. Dubnow Die alte Geschichte des jüdischen Volkes. Orientalische Periode. Vom Beginn der griechischen Herrschaft in Judäa bis zu dessen Zerstörung durch die Römer. Autorisierte Uebersctzung aus dem Russischen von Dr. A. Steinberg. - 619 Der zweite Band dieser Monumentalgeschichte, die bis Ende des Jahres 1926 in zehn Bänden vollständig vor* liegen wird, ist besonders interessant durch die neuartige Darstellung des Kulturkampfes der Pharisäer und Sadacäer, Ferner schildert dieser Band ausführlich und von neuen Gesichtspunkten aus die Epoche Jesu von Nazareth und die Entstehung des Christentums. Preis des Bandes bei Subskription auf das Gesamtwerk S 20 (GM 12) in Ganzleinen, S 25 (GM 15) in Halbleder. M Inianlog R. LÖWIT, (0IEH, I. Flalschmarkt 1 RoUnturmstrassc 22. Tagesbericht. Geschichte des Zionismus und 8deoiogiederrioniftischenBewes«ns. Ein Vortragszyklus des Zionistischen Landeskontttees. Das Direktorium des Zionistischen Landeskomitees veranstaltet eine Reihe von Borträgen zur Geschichte und Theorie der zionistischen Bewegung. Dieser Zyklus bezweckt, die zionistische Oeffentlichkeit mit den Problemen und theoretischen Grundlagen der zionistischen Bewegung bekanntzumachen. In einer systematischen Reihenfolge wird der Vortragszyklus Gelegenheit geben, nicht nur die Probleme des Palästinaaufbaues, sondern auch das Wesen und die Theorie der zionistischen Weltanschauung zu erörtern. Der Vortragszyklus wird mit einem Vortrag des Herrn Oberrabbiner Prof. Dr. P. H. Chajes über „D i e z i o n i st i s ch e I d e e u n d B e w e g u n g" am 21. d., halb 8 Uhr abends, im Klubheim der Hakoah, 1. Bez., Wipplingerstraße 24, eingeleitet. Die nachstehenden Vorträge werden an den nachfolgenden Donnerstagen ebendaselbst zur gleichen Stunde stattfinden: Adolf Böhm: „Kolonisatorische Aufgaben des Zionismus". Dr. Z. Diesen druck: „Wandlungen in der jüdischen Weltpolitik". Universitätsprofessor Dr. Bernhard Geiger: „Wechselwirkungen zwischen jüdischer und arabischer Kultur". Dr. N. M. Gelber: „Aus der Geschichte des Zionismus in den Jahren 1740 bis 1830". Dr. Heinrich Glan z: „Das jüdische Erziehungs- Wesen der Gegenwart". Dr. Lev Goldhammer: „Die zionistischen Kvlonisationsmetboden und die sozialen Wandlungen in der Aliah". Frau Dr. Martha Hofmann: „Theodor Herzls geistige Persönlichkeit". Dr. Oskar K a r b a ch: „Die Probleme der Teilnahme des bewußten Judentums am internationalen Leben". Direktor Dr. Viktor Kellner: „Kulturprobleme des Palästinaaufbaues". Prof. Wilhelm Stein: „Weltanschauliche Probleme des Zionismus". Oberbaurat Ing. Robert Stricker: „Zionismus in der Weltpolitik". Da die Anzahl der Teilnehmer für diese Vorträge beschränkt ist, werden did Interessenten gebeten, ihre Teilnahme bis spätestens Dienstag den 19. d. dem Zionistischen Landeskomitee, 1. Bez., Kärntnerstraße 28, Tel. 77-4-85 und 77-4-86 bekanntzugeben. Mt mexikanischen SIsrnbahnriluber gefangengenommen. Gestern gelang es Soldaten der Bundesarmee, die Banditen, die am Sonntag den Ueberfall auf den Eiscnbahnzug verübt haben (über den wir gestern berichteten. — Die Red.) zu umkreisen. Eine bisher noch nicht bestimmte Anzahl von Banditen wurde getötet, andere gefangengenommen. A ch t Gefangene wurden sofort hingerichtet. Die Beute wurden den Banditen abgenommen. _13. Jänner 1926_Nr. 2475 Selim Salahi. Ein arabischer Freund des zionistischen Werkes in Wien. Ein Araber ans Palästina, ein treuer Fveund -der zionisti' «scheu Bewegung, weilt gegenwärtig in Wien und besucht alle, die wahrend ihres vorübergehenden Aufenthaltes in Erez Israel sein Gaste waren. S e I i m Salahi, ein mohammedanischer Großkaus- -rnann ans altem Adelsgeschlecht, ist kein Politiker. Er hat von Anbeginn mit den jüdischen Kolonisten Fühlung genommen und erkannte sofort die große Bedeutung jüdischer KolomsationSarbrit für das Land, in dem er geboren ist und das er sehr liebt. Als die zionistische Bewegung größer wurde, begann er sich selbst als Prozion ist zu betätigen. In alten Jahrgängen des von Herzl begründeten zionistischen Zentralorgans „Die Welt" findet man Mitteilungen Selim Salahis über das Wachstum und die Bedeutung jüdischer Siodlungsarbeiten in Palästina. Ganz besonders aber trat er in der arabischen Presse für größtmögliche Förderung des zionistischen Werkes ein. Mit zahlreichen führenden Zionisten in Erez Israel verbindet ihn innige Freundschaft, und al8 ihn einer unserer Mitarbeiter besuchte, war das erste, daß er ihm mit- Me, wie sehr ihn die Nachricht vonl Tode Elieser Joffes ergriffen habe, die ihn in der Schweiz erreichte. Es lag natürlich nahe, Selim Salahis Ansicht über die Entwicklungsmöglichkeiten und die Zukunft der jüdischen Siedlung in Palästina sowie über das Verhältnis der Araber zu den Juden kennen zu lernen. Selim Salahi hat es durch die Tat bewiesen, daß er in den Juden das Brudervolk der Araber erkennt. Ein Kampf zwischen diesen beiden Völkern um den Vorrang im Lande ersMint ihm ganz unsinnig, und er beeilt sich, darauf hinzuweisen, M die Unruhen, welche zu Tätlichkeiten ausarteten — es sind jetzt vier Jahre her —, aus Verhetzung unverantwortlicher Elemente außerhalb Palästinas und auf Mißverständnisse zurückzusühren waren. In Jerusalem geboren, seit 20 Jahren in Jaffa ansässig — in dieser Stadt, die er die Rose Palästinas nennt, ist eine Straße nach ihm benannt —, hat er miterlebt, wie sich durch die jüdische Einwanderung in immer stärkerem Maße das Land erschloß, zum Segen der arabischen Bevölkerung, deren Lebenshaltung sich mit der Entwicklung der jüdischen Kolonisation hob; wie durch die zionistischen Institutionen, insbesondere durch die Hadassah, die Sanitätsverhältnisse gebessert, die furchtbare Augenkrankheit und die Malaria auch innerhalb der arabischen Bevölkerung sehr vermindert und in vielen Gegenden gänzlich beseitigt wurde. Wie Handel und Industrie sich auch bei den Arabern entwickelten und wie die gewaltig anwachsende Fremden Industrie allen Landesbewohnern zustatten kommt. „Man lasse noch zehn Jahre verstreichen" — sagt er —, „dann wird man erst die gewaltige Wirkung jüdischer Palästinaarbeit für das Land und für die Araber, also nicht nur bloß für die Juden, erkennen. Haifa wird ein großer Hafen und Jaffa, das so außerordentlich günstige Verbindungen ins Innere des Landes hat, hoffentlich ein kleiner Hafen sein. Heute schon hat die Universität in Jerusalem für die arabische Jugend eine Bedeutung und wird sie in immer größerem Maße erlangen. Neben der landwirtschaftlichen Erschließung halte ich es für besonders wichtig, exportfähige Industrien zu schaffen und die Privatinitiative für Palästina zu gewinnen." Mit Selim Salahi über bedeutende Juden unserer neuen Siedlung in Erez Israel zu sprechen, ist eine große Freude. Er kennt sie nicht nur alle, es verbindet ihn tatsächlich brüderliche Neigung, werktätige Freundschaft mit ihnen. Hier in Wien ist er täglich in einem anderen jüdischen Hause geladen, bei Juden, die Palästina bereisten, mit Selim Salahi bekannt wurden, seine arabische Gastfreundschaft genossen und die er jetzt auffucht, um ihnen von der neuesten Entwicklung des Landes der jüdischen Zukunft zu berichten. Hofrat Studols Tausfig. Das Leichenbegängnis des vorgestern verstorbenen Hosrates Rudolf Taussig findet morgen Donnerstag um 12 Uhr mittags auf dem Zentralfriedhof, 3. Tor, statt. * Die Staatskorrespondenz widmet dem Verstorbenen den folgenden Nachruf: Vorgestern ist in einem Sanatorium in Baden bei Wien der ehemalige Direktorstell- Vertreter des Stenographenamtes des Nationalrates, Hof-., rat Rudolf Taussig, nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Hofrat Taussig trat im Jahre 1881 in das Stenographenamt ein, wurde' 1897 Revisor und im Jahre 1919 mit der Funktion des stellvertretenden Direktors betraut. Am 31. Dezember 1922 schied er nach mehr als 4 0 j ä h r i g e r Dienstzeit aus der Aktivität. Bis zum Zusammenbruche leitete er, ein gebürtiger Brunner, den ungemein schwierigen, in beiden Landessprachen geführten Dienst im mährischen Landtag. Hofrat Taussig, der sich wegen seiner Liebenswürdigkeit und seines urwüchsigen Humors bei den Parlamentariern aller Parteien der größten Beliebtheit erfreute, betätigte sich auch lebhaft auf charitativem Gebiete und widmete sich auch besonders der Fürsorge für die jüdischen Flüchtlinge. Durch lange Jahre gehörte er dem Aorta n d e der Wiener K u l t u s g e m e i n d e an. Er erreichte ein Alter von 63 Jahren. Profrffor Dr. Walllch gestorben. In Paris starb dieser Tage im Alter von 62 Jahren einer der bekanntesten medizinischen Autoritäten Frankreichs, Dr. Viktor W a l l i ch. Der Verstorbene, seit vielen Jahren Professor an der Pariser medizinischen Fakultät, war Mitglied der Akademie der Mediziner, Offizier der Ehrenlegion und Mitglied zahlreicher in- und ausländischer wissenschaftlicher Gesellschaften. Er genoß als Spezialist für Kinderkrankheiten und in Fragen der Säuglings- und Kinderfürsorge einen über die Grenzen Frankreichs reichenden Ruf. Professor Wall ich chrieb mehrere Werke über sein Spezialfach und war Mit-? arbeiter zahlreicher wissenschaftlicher Zeitschriften.

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