Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2474 (12.1.1926)
- Date
- 1926-01-12
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Wltitef WhttitnuMfmn 12 Jänner 1926 SeWö; Ar. 2474 Cfftt grctzer Kasiereinbrvch bt der LeopcDstadf. Vorgestern tiüfti hclrn irtiforiue 2fiter in den Räumen des Leder» geschästeSFischi fn cet Liiierirunngasse 7 einen Kasseneintrrch verübt, bei dem sie reifte Verte machten. Die Einbrecher lind vom Eouptionol erS in des Ceschätslckal elnsktrunan nnd baten eine eiserne Käse erbrechen. Sie eUeuteten 2000 Schilring Barge d. seiner an Der'popieren 85 Dedenkredi'ak im, Kay eck e, «fi ein lern aiiii n, weikerS 100 Stück Vkt'en der vereinigten Ictir'olrifen F.ksch und Gerech scwie 100 Semperit» Aktien und tctcrn <iten jm Verte mit 1600 Schilling. Skllstwrrd e’rr# Bltl rS. Gestern rrrntittofti wurde bt 5Pj((rif8 olfiinidc T o.'er Ignaz Mansch in seinem A'elier errfrft anfseunren.?rg einem AlschiebSbries ist m ettnchmen, daß der Künst.er die Lat au» Furcht vor Irrsinn.begangen hat. Pi weiden keine neuen Streßenständ« mehr b-wiM-'f! Ttt Negis ivt ncchi bmauf au n erklam, laß auch für brg Jahr 1016 keine wen L ttäset stände ccw'lliot werden. LS lausen unvnmbrcSen Ges'che um so che Stehplätze ein. de aber «» folge rer ülcrgnßen fesl der vcrhandenen Sttaßei.stände nicht verücksichrgt werden können. Fünstmtslnd ertrößigfe Hundemark'«. Ter GemeinderotSauS'cknß ißt feinen;.en bat dem Vierter 2i rtckutzvcrein die Verteilung von fünftausend Hundemarken zu dem ermaß lgtenPrei-vondreiLchillina für e ne Marke zugebilligt. Ter Wiener Tierschutzverein wird diese Marken 'N bed'"rf« tiae oder mittellose Hunbebesitzer abgeben. denen de Be'ah'nng der mit zwölf Sch llmg für daS ftdfr 1026 festgesetzten Hundesteuer schwer fallen sollte. Hanke TlcnSwg den IS. Jänner. 11 Uhr: Vormitfag-musik. tv Um 16 'l'ftn.: ri.och»itiusSkon e t - 1? Uvr ... Mn. Stunde der ro« Kirunoziiae de'' <? näbrungsvbtzfii'lo-ie beS A'ndesak er«. I Tr Tarla Kam sch-Ossenitz. — 18 Nbr?hMin : Lesterre'chr. rosie E.senbabni'auer. t Sekt ontz^ef Ing. Enderetz. — 10 U 't; ' ranzSsischer Sptachkv'tz. — 10 Uhr M> Mi«.: Uebertra ung auS der Wiener Volkeoper ^Tiefland" vo« Eugen d'Sttdert. _ ’ Kunst, Bühne. Buch. »der mutige Sre'ahrer." Deutsche- Voll-thealer. Diese-, wie man hört, ältere, neu adaptierte Werk Georg Kaisers ist reich an romanhaftem Geschehen, aber arm an Inhalt. „Kolportage", der sioele Ulk des Autors, an dem man sich tm Vorjahre sehr ergötzte, könnte jetzt aL Parodie aus den „mutigen Lce,ahrer" in Szene gehen. Drei Brüder plagen sich reouch als Gewürzkrämer, Versicherungsagent, Postbeamter und müssen den Leibriemen stets enger schnallen. Da kommt ein Brieslein geflogen. Ein LandS» mann, tn Amerika zu Geld gekommen und jetzt sterbenskrank, bittet, einer der drei Brüder möge ihn besuchen kommen. Schiffskarte erliegt in Hamburg und als Belohnuna winkt die Uni» vdrsalerbschast. Der älteste Bruder, der Tütendreher, entschließt sich zur Reise, nimmt Abschied von Weib und Kind, kriegt aber in Hamburg Angst vor dem Weltmeeer und verkauft die Schiss-« karte einem, der eS eilig hat, aus Europa zu verduften. Auch die Papiere vertauscht er mit ihm. Kaum hat das Schiff den Hafen verlassen, ist es auch schon mit Mann und Maus untergegangen. Der Krämer steht auf der Verlustliste, wird daheim beweint, von der Gattin bloß, weil er tot ist, von den Brüdern überdies, weil ihre große Dollarhoffnung im großen Salzteich ertrank. Da kommt abermals ein Brieflein geflogen. Der Landsmann drüben in Amerika erfuhr aus den Zeitungen, welches Opfer chm ge» bracht wurde. Bei der Nachricht vom Tode de- Jugendfreundes, der zu chm eilen wollte, ist er pumperlgesund geworden und reist nun selbst in die Heimat, um der Familie de- Verstorbenen unter die Arme zu greifen. Unmittelbar nach diesem Brief aber kommt der Verstorbene selbst. Ennoch Arven wird von der getreuen Gattin erkannt uiti mit ihrem Einverständnis vor dem Goldonkel versteckt. Dieser, seiner Pflicht bewußt, will nicht nur reiche Summen spenden, sondern auch die Witwe heiraten. Da wird der feige Seefahrer mutig. Die Gattin gibt er um alles Gold der Welt nicht her. Cr macht (vielmehr Georg Kaiser macht sie) dem Amerikaner eine große Szene, sagt chm die ganze Wahrheit, bringt chm bei, daß man auf der Vernichtung einer Existenz nicht sein LebenS» glück bauen könne und einen gewaltigen Scheck in Händen, schließt der Gewürzkräuter, für den ein anderer ins feuchte Grab sank, die Gattin in die Arme. Herr Direktor Beer, der berufene Kaiser-Jnterpket, brachte die Sache merkwürdig ernst und feierlich, ließ jeden Akt aus MLrchenvämmer aufsteigen und unterstrich — leider — die tragische Not«. Er hätte seinem Dichter besser gedient, wenn da- Stück a la .Kolportage" herausgebracht worden wäre. Die drei Brüder werden von den Herren Ziegler. Forest und Bassermann vortrefflich gespielt, von den br?xn Erstgenannten — Hand auf« Her, — frischer, charakieristi» scher ais von dem berühmten Gast, der allerdings diesmal keine chm angemessene künstlerische Ausgabe zu lösen hatte. Nur -er Wirbel tm Schlußakt machte ihm und unS Spaß. Die rührend brave Gattin spielt Frau Bassermann brav, den Dollarmann au- Amerika Herr Brandt verdienstlich. Eine Liebesaffäre — Kitsch, arger Kitsch mit Klavierbegleitung — ftfrfS'Wt sich träge durch da- Drama. Fräulein Rainer und Herr Sol tau mühten sich erfolglos, daseufzende Paar omt# „Verinnerlichung" erträglich zu machen. Otto Abele-. M.ss-mug der »goirfilegeude* darch die Habimoh. «rlläßllch de» Gastspieles in Verp«. .'lnfangd Februar wird da- Moskauer hebräisch« Künstler« cheattr in Berlin ein Gastspiel absolvieren. Wie wir erfahren, w rd enebst seinen bisherigen Ri.pertoirestü.ken auch noch die „Josefslegende" von Richard Strauß in Berlin aulfführen. Die Jns-rnierunbesorgt Stanislawski» Die W.-Vereinigung rier Zahnarzte Wiens empii hlt ausschliesslich die naci Ihren eigenen Rezepten erzeugten und von der staatlichen > ntcrsuchimgsanstalt ständig kontrollier tm Zahnptle emittel, wie PioTessor Dr. Traunen »alMStein ÖSeitd < Temi-Zahnpasta. «Zahnpasta für den normalen Oedrauch •Mundwatsir »Zahnpulver 'Zahnbürste ist k oSeita ' lemi-zannp TEMI Nur diu dem anatomisch n Bau der Mundhöhle entsprechend geformt Vertrieb „A K l S“ des. m. b. M. Wien, l. Oetreldemarkt Nr. 14 Fernruf 61-87 mmsassm barall arrtiitieh cbbesbbs S334 Soeben erschien DER JUDE Sonderheft} Antisemitismus undjüdischesVolktium Inhalt: Arnold Zweigt Der Jude in der deutschen Gegenwart Hermann S ehr t Bemerkungen zum Antisemitismus O Io Flake: Antisemitismus und Zukunft Oikar 4. H. Schmitz: Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden Wolfftang Schumann: Deu scheund jüdische «Schuld* u d Aufgabe Wflhe.m Michel: Deutsche urd Juden Margarete Susman: Die Brücke Jakob Wassermann: Der Jude der Bestimmung L6on Blum (Pa Is): Jude und Franzose Bernhard Shaw: 1. Offener Br.et au Henry Be nstetn 2 Nachwort Heinrich Mana: Das au erstehende Land Hans Goilar: Der moderne Jude und cer Staat RudolfCLBmdtng: Zwei .üdiseneOifizierm grossen Kriege Josef Trn tipeldor: Port Arthur und Gallipoii (aus den Tagebüchern) Martin Bubei: .Pharisäertum* Bemerkungen: Emil Ludwig: Die Sendung des Juden L. Quidde: Eutscnuldba. er und unentschuldbarer Antisemitismus H ns Kohn: La Nuit Kurde Morlts iioldsieln: Leisten, nicht grübeln 1 196 Sellen Preis S 5.— Die kleine Auflage geht bald zu Ende! Bestellen Sie so.ort bei - Buchhandlung R. Löwil, Wien L, Rotenturmstrasse 22 toi üus Den Jteote«. Bvrgtbeater. Morgen. 1 Uhr. xum ersten Ma'e .öaduÄindermereSFacher", Schaufotel von Oskar W t l d e. Atadem ietbeo'er. Morgen, */,8 Uhr abends, ,D e r Damenkrieg". Overntheater. Morgen, 7 Uhr, „D i« K S n i g i u v o n S a o a". Redontensaal. Morgen, '/,8 Uhr, „Ballettko m ö d t e n*. B o I k tz o v e r. Mo gen „R i g o l e t t o" mit Kmnmersänger Eduard E » b a r d a■ Der Bolverkauf für das um 25 Proz m ermäßigte ^Ring"»Abonnement endet am Sonntag den 17. d. Deutickotz Doiktztbeater Freitag den 18 d. Erdaufführung von AUur Schnitzlers G natterj>ykln» ,K o» m S d i e o e r Worte", in der Inszenierung von Arnold Kvrff Raimund-Theater. Morgen GrstauMbmng von Alexander Dumatz' Lufifpiel e m tm o n 0 e" mit Leopoldme Konstantin. Modernes Tbeater. Heute, 8 Uhr abend-, findet d'e erste Abendausiü rung des als Nachtvorstellung gez.denen Schwankes ,R a! ch e i n Ä i n b" statt. Ein Denkmal für Srrc.h Bernbardt von Frederie Lieard wird anfangs März in Paris enthüllt werden. Gerichtssaal. UaterhaNsrelttäge müssen valorlfiert «erden. Anfangs Jänner Ml hatte Franz Rudolf in einer letztwilligen Verfügung der Privaten FranzSka turmonn ein Legat von 1000 Kronen monatlich hinterlasien. Der Verstorbene hatte auch der Schwester der Frau Turtnann ein Legat von monatlich 2600 Kronen vermacht,, n.-chdent er Letztere vor seinem Tcde gefragt hatte, wieviel sie und ihre Schwester gemein» schafllich zum Leben brauchen. Da die Ber^assenschast die Aufwertung der Rente von 1000 Kronen nicht durchführen wollte, klagt« Frau Turmann mit Rürlsicht ms die damalige Kaufkraft der Krone einen Vetrga von tz 0 Schilling monatlich ein. Die Verlassen» schast wendete ein, daß allerdings einVermögenvontzMil« liarde» Kronen vcrhanden sei, daß aber dieses Vermögen vollständig erträgnis cs sei und d ß der Goldwert der Rente zur Zeit der letziwillixen Verfügung nur IS Schilling monatlich auS» mochte. Die Verfasserschaft bestr.'tt auch» daß der Zweck de- Le« gailt die Bestreitung des Unterhaltet war. Tat Lantktgericht Me» unter' Vorsitz des Hosr.'tcS Tr. Iudex verurteilte di« Verlassen» schast zur Zahlung eincS Betrages von monatlich 30 Schilling. In der Begründung wuroe hcrvorgehoben, daß mit Rücksicht auf des Verhallen des Verstorbenen vor seinem Tode kem Zweifel darüber bestehen kann, daß er durch die Zuwendung der Rente vivr 1000 Kronen für den Unterhalt der Fnu sorgen wellte. DaS Obcr'anttSgericht wies die dagegen eingebrachie Bcmsung mit der Begründung ab, daß ein Unterhaltkcharakt^r de« Legates mit Rücksicht auf die Begleitumstände des F-llcs auf.er Zwei'el stehe und daß es vollkommen genüge, wenn der Berstcrbere die Absicht hatte, eine Erleichterung de§ Fortkommens der Bedachten zu ermöglichen. In eine« zweiten Falle einer BaiorisierungSklage wurde ebenfalls für die Balcr sierung entschieden. Frau Käthe H. halte alS Mutter von fünf unehrlichen Kindern der verstorbenen Nilo'autz Grimm im Jahre 1805 mit der Berlrsienfchaft nach dem Genannten einen Berg'eich gefchlesien, nach welche« ihr eine Rente von 25 Gulden monatlich zugesprochen wurde. In diesem Vergleich hotte Frau H. erllärt, daß sie auf alle weiteren Ansprüche verzichte und sich mit dem Betrage von SS Gulden monatlich veMovimen besrikdigt erköre. Ta die Erben der Frau H. heute noch monatlich S0 Kronen, also einen halben Groschen zahlen, llegte stze auf Aufwertung des Betrages auf 750^06 Kronen mÄnatlich. Ta» Landesgericht für Zivilsachen wies die Kl'ge mst der Begründung ab, daß der U nt erhaltScharakter drS BergfeichSbeirageS nicht gegeben sei und die Klägerin auf jede weitere Erhöhung verzichtet habe. DaS OberlandeSger'.cht gab der Berufung Folge, hob daß erstrichter iche Urteil auf und trug rem LmdeSgericht eine neuerliche Verhandlung auf. In ter Begründung hob der Vorsitzende Hofrat Dr. EiSler hervor, daß mit Rücksicht auf die Tatsache, daß die Rente auf Lebensdauer im Vorhinein zu bezahlen w:r, sowie mit Rücksicht aus einen Brief, der dem Gerichtshof vorgelegt war, der Unterhallscharakter des Vergleichsanspruches aufscheiue, weshalb der Grundsatz: Sirene ist Krone" in diesem Falle niö^ anwendbar sei. _ Rach Her ssnno dkma Mohopelr. ,H«ll!"-Nr>se nnd Ohrfeige«. Am Tage nach dem Mohapel-Morde ging der SSjäh» rige Mnteur der SiemenS-Schuüert-Werke, Ludwig Jungwirth in der Lauplallee und schob sein Fahrrad vor sich her. Drei Männer, die an ihm vorübergingen, riesen ihm „Heil!" zu. Jungwirth regierte darauf nicht. Tie drei stellten ihn nun mit der Frage, warum er den Gruß nicht erwidere. Jungwirth entgegnete: ,.Meil ich auf einen Parlcigrutz nicht antworten muß!" Daraufhin sagte einer der Männer: „T a S i st a u ch e i n R o tz b u b' von der Arbeiterbagage.'" Jungwirth rief nun erregt: „D.'t wollen Sie denn von der Arbeiterschaft? TaS ist eine Gemeinheit!" Einer der Stänkerer versetzte daraufhin dem Jungwirth eine schallende Ohrfeige, so daß,er Zu Fall kam. Auf der Dachstube klagte Jungwirth über Fußschmerzen und gab an, daß er sich beim F:Ü den Fuß verstaucht habe. Aus seine Anzeige wurde gegen den ,^ei1"»Fonatiker — es war der Ingenieur Rudolf Ha up in er die Anklage wegen leichter Körperverletzung erhoben, da Jungwirth angegeben, daß ihm tzaupmer außer der Lhrse'ge auch einen heftigen Stoß versetzt hztte, wodurch et gestürzt sei. TaS Bezirksgericht verurteilte Haupt» ner zu SO Schilling Geldstrafe, wogegen der Verurteilte Berufung anmeldete. Ti« beiden Begleiter des Haupt»er bestritten, daß dieser dem Anzeiger einen Stoß versetzt habe, doch konnte ihnen kein Glauben geschenkt werden, weil sie damals angeheitert waren. Tie Berufung wurde aus diesem Grunde zuruckgewiesen und das erstrichter!iche Urteil bestätigt. Da- End« einer völkische» Lüge. Einem Bericht der «IM« schen Zeitung für Ostdeutschiand" ist zu entnehmen: Anfang 1021 erschienen in fast L00 meist rechtSstthenden Zeitungen Deutschlands, an der Spitze natürlich die „Deutsche Zeirung". unter der Ueberichrift „.Jüdische Riesen-Viehschiebungen" Artikel über angebliche 8 er'ehlungen jüdischer Viehhändler in Bres'M der Vieh-Ein- und Aus uhren. Während der Zw.'ngswirtschaft durften insbesondere die Ausfuhren nur nach Erteiluna einer besonderen Ausfuhrgenehmigung erfolgen: Diese Genehmigung, eine rose Kart», sollte teilvon den Viehhändlern selbst, teilvon den Beamten nachträglich geändert und zu Trppe'rerladungen benutzt worden sein. Die Beamten sollen hieiür hebe Be st e ch u n g S g e l d e r von den Viehhändlern erhalten haben. Ganze fünf Jahre hat es gedauert, bis in diese Angelegenheit Klarheit gebracht worden isL Am 3. De.emker MS begann vor der Ersten Strafkammer iu BreSlau die BerusungSverhandlung. di« bis zum 80. Dezember dauerte. Unter großer Mühe gelang es den unter Anklage stehenden Viehhändlern, den Nachweis dafür zu erbringen, d.-ß sie weder an den ihnen zur Last gelegten Urkundenfälschungen, noch an den Bestechungen beteiligt waren. Merkwürdig berührten die FeMl» lungen des Verteidigers Dr. A l S b e r g über die Führung der Voruntersuchung durch den Kriminal'kommissLr Seisfert vo« LandeSpolizetamt in Berlin, der von den Verhafteten Geständnisse auf alle Deise zu erpressen versuchte. WZgte jemand etwas zu bestreiten, dann hieß es in dem Ver'cht. den Seiffert seiner Vorgesetzten Behörde erstattete: ..m i t e d l e r D r e i st i g k e t t". ..m t t eherner Stirn" und dergleichen. Teile aus diesen Berichten SeiffertS stimmten merkwürdigerweise genau mit den erwähnten Artikeln der völkischen Presse überein, so daß sich die Frage ergibt, wer denn dievölkische Presse so genau informiert hat? Seisfert war nicht enntJl imstande, in eine» von ihm beschlagnahmten EeichästSbuch eine Feststellung dahin zu treffen, ob am Tag« vorher darin Aeuderungen oder Nachtragunge» vorgenommen worden waren. Später wurde der deutschvölkische Sta.usanwalt Speer Sachbearbeiter, durch den die gngeschudigten Viehhändler Guttma nn. Fleischhauer und Kn ob loch schtver zu leiden hatten. Tie im Februar und März 1028 stattge» fundrt e Berhendlung elfter Instanz et dete mit einer Verurteilung der angeklagten Viehhändler und der Mitangeklagten Beamten der Fleischstclle. Tie Strüskomwer hob setzt dieses Urreil auf und sprach sämtliche Viehhändler frei, während die Strafen der Beamten herabgesetzt wurden. AuS der Beweisaufnahme sei noch erwähnt, daß zahlreiche Leumundszeugen auS Adc'S- und GutSbesitzerkreisen durchwegder Firma Fleischhauer daS beste Zeugnis ausstellten. Die Zeuung gibt dem Wunsche Ausdruck, daß die Vorgesetzte Behörde deS Herrn Seiffert die Akten einmal einfordert, um sich ei» Bild über die Arbeitsmethoden diese- Beamten zu machen. Methoden. die er. wie sich in der Verhandlung ergab, in d.ese« Prozeß nicht -um erftewmat augewendet hat,