Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2474 (12.1.1926)
- Date
- 1926-01-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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St. 2*74 Wien, DienöiaA Wsener 12. tarntet 1926 Seite 8 Versäumen Sie niehtdas größte Ereignis der Pariser Kinosaison illliiiiiiiiiiiiiiiiiiHlllllllllllllllll llllllllllillllllllllllllllllllllll illllllimiilllllllli llllllllllllilllllilltlllllllllllllllliiiiiilllillllllllllllilllllllllllllllllllllll mmmmmmmmmmmrnmmm oiid »I, Interna tonale H m>ndo»trte»A.»Q. ————— EineSchreckens- Ab heute Dienstag nacht auf dem den 12. Jänner: Meere Krugor»Kino, t.; Ceirtnl« Nach dem Drama Kino, H.; Kino Mariahilf, VI.; v. Claude Farr6re Abbau *.KIno, XV. MorgrMhau in Die Zewish Aseucy vorrekchiagen. London, 11. Jänner. Wie der „Jewlsh Times" aus IetufaIc«i telegraphiert wird, hatte Morgenthau bei seinem Besuch im Emek eine Besprechung mit Doktor Ru pp in, auf Grund deren Dr. Ruppin Morgenthau als Mitglied der Jewish Agency wie auch als Mitglied des Komitees zur Durchführung der n a t i onalen Palästinaanleihe, Vorschlägen will. Ser Prozeß gegen dr» Bombenwerser Pantdrzv». (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 11. Jänner. Anr nächsten Montag beginnt hier die Verhandlung gegen den ukrainischen Kommunisten Pancyszyn, der im Prozeß gegen die vier jüdischen Bürger in Lemberg im Zusammenhang mit der Steiger-Affäre eine nicht ilnbedeutende Rolle gespielt hatte. Er w:rd wegen des Bombenattenta 1 es auf die Warschauer Universität angeklagt. Sie ZudenpolMl der Sowirt». Neuerliche Verhaftungen von Zionisten. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Riga, 11. Jänner. Nach hier eingetroffenen Meldungen hat die Sowjetregierung. weitere Verhaftungen bon Zionisten im Homeler Gouvernement vorgenommen. Trotz Bemühungen einzelner sowjetistischcr Führer, die für ' eine Legalisierung der zionistischen Bewegung eintreten, wurden die Verhaftungen über Betreiben der Jew- Sektion (Jüdische Sektion der kommunistischen Partei) veranlaßt. (Wir haben bereits vor einigen Tagen über Massenverhaftungen berichtet.) 3Ma» Katz aus der kommvnWche» Paüei ou°»?schloff?n. Ein Ueberfall auf eine Zeitungsredaktion. Hannover, 11. Jänner. Wie die „Niedersächsische Arbeiterzeitung" in Hannover mitteilt, hat das Zentralkomitee der kommunistischen Partei in seiner heutigen Sitzung beschlossen, den Reichstagsabgeordneten Iwan Katz aus der kommunistischen Partei '.auszuschließen. Gleichzeitig wurde er aufgefordert, das ihm von der Partei übertragene Reichstagsmändat niederz u l e g e n. Nach demselben Blatt ivar Katz der Anführer einer Gruppe, die heute früh die Redaktion und die Geschäftsräume der „Niedersächsischen Arbeiterzeitung" zu stürm e n v e r s u ch t e. Scho« wieder ein völkischer Ranbanttas ln Ieulf lanv. Berlin, 11. Jänner. Im Rechtsausschuß des Reichstages, der sich mit der Frage der Fü r st e n a b f in du n g beschäftigte, haben die D e u t s ch v ö l k i s ch e n einen Antrag eingebracht, im Falle der Annahme des demokratischen Antrages auf reichsgesetzliche Abfindung der Fürsten einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach alle seit August 1914 in Deutschland.befindliche Ostjuden entschädigungslos enteignet werden sollen. Hi«de«b»rg stellt et» Ultimatum für die KMnetisbUduug. Berlin, 11. Jänner. Der Reichspräsident empfing heute nachmittags die Abgeordneten Fehrenbach (Zentrum) und Koch (Demokrat) zu einer gemeinsamen Besprechung über die Frage der Regierungsbildung. Hindenlbürg erklärte, daß er trotz gewisser Bedenken seine Entscheidung über die Betrauung einer bestimmten Persönlichkeit mit der Regierungsbildung ausgesetzt habe, um die beiden Parteien in ihren neuen Verhandlungen über die Schaffung einer großen Koalition nicht zu stören. Er müsse aber nunmehr dringend bitten, mit aller Beschleunigung eine endgültige Klärung darüber herbeizuführen, ob eine konkrete Möglichkeit der Schaffung der großen Koalition vorliege, da eine weitere Verzögerung ihm nicht vertretbar erscheine. Deshalb bitte er, spätestens Donnerstag vormittags chm das Ergebnis der zwischenparteilichen Verhandlungen mitzuteilen. Abg. Fehrenbach und Abg. Koch antworteten übereinstimmend, daß sie den Ausführungen des Reichspräsidenten über die Dringlichkeit der Regierungsbildung beitreten und daher alles zur Beschleunigung der Klärung Notchendigtz veranlassen würden. Sie stellten die Mitteilung über das Endergebnis der Verhandlungen bis spätestens Donnerstag vormi.ttags in Aussicht. ßfie't in», menen Körververbtznim annettant. Berlin, 11. Jänner. Vor dem Amtsgericht Lichtenfelde wurde gegen den Sohn des verstorbenen Reichspräsidenten, Redakteur E b e r t, im Privatklageverfahren wegen Körper. Verletzung verhandelt. Bei den letzten Reichspräsidentenwählen hätte Redakteur, Ebert gelegentlich eines Zusammenstoßes mit Mitgliedern des Bismarck-Bundes den: Führer der Gruppe eine Ohrfeige versetzt. Das Verfahren endete mit einem Ausgleich, nachdem sich Redakteur Ebert zur Zahlung von 20 Mark Buße zugunsten der Kriegsblinden bereit erklärt hatte. Amerika in Perile«. Eine Botschaft Coolidges an den neuen Schah. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".- Konstantinopel, 11. Jänner. Wie aus Teheran gemeldet wird, wurde der amerikanische Gesandte gestern vom Schah in besonderer Audienz empfangen. Der Gesandte wurde durch die Straßen der Stadt im sechsspännigen Wagen, umgeben von der berittenen königlichen Garde zum Königspalast gefahren. In Gegenwart des gesamten Ministeriums nahm der Schah eine Botschaft des Präsidenten Coolidge entgegen, in der der amerikanische Präsident den Schah zum Regierungsantritt beglückwünscht und die freundschaftlichen Beziehungen zwisck-en beiden Staaten betont. Verschiebung der Abrüstungskonferenz r Weitgehende Meinungsvcrschicdenheiten. London, 11. Jänner. Wie das Reutersche Bureau erfährt, bestehen beträchtliche Meinungsverschiedenheiten über die Ausdehnung der Arbeiten des vorbereitenden Ausschusses für die Entwaffn»ngskonserenz, deren.Zusammentritt wahrscheinlich verschoben werden wird. Die Bereinigten Staaten wünschen, die Abrüstung zur See von der Abrüstung zu Lande zu trennen, während Frankreich, Italien und Japan sich jeder derartigen Trennung widersetzen. Wie das Reutersche Bureau erfährt, verlautet, daß Chamberlain nicht an der Tagung des vorbereitenden Ausschusses für die Abrüstungskonserenz teilnehmen, sondern erst im März zur Tagung des Völkerbundrates nach Genf reisen werde. Sollte die Tagung des vorbereitenden Ausschusses, wie geplant, doch im Februar stattfinden, so werde sicherlich Lord Cecil als Hauptvertretcr der britischen Regierung an ihr teilnehmen. Vom Völkerbund. Gens, 11, Jänner. In der nächsten Zeit finden einige wichtige > Komiteesitzungen des Völkerbundes statt, und zwar: Am 12. d. in Genf eine Tagung des Expertenkomitees für die progressive Kodifikation des internationalen Rechtes; am.gleichen Tage eine Sitzung des Unterausschusses für Kunst und Wissenschaft des Internationalen Komitees'für geistige Zusammenarbeit (Einstein- Kommission); am 14. d. in Paris eine Vollsitzung des Internationalen Komitees für geistige Zusammenarbeit und die offizielle Eröffnung des Internationalen Inst i t u t s für geistige Zusammenarbeit. Am 23. d. beraten in Genf die Subkomitees für Binnenschiffahrt und Eisenbahntransport; am 15. Februar soll in Gens die vorbereitende Kommission für die A b r ü st u n g s k o n f e r e n z zusammentreten, deck) dürfte diese Beratung bis zum April verschoben werden. Am 16. Februar, gleichfalls in Genf, tritt die permanente Beratungskommission für Militär-, Flotten- und Lustschiffahrtsfragen zusammen; am 24. Februar in Genf die Aufsichtskommission. In den ersten Märzwochen versammeln sich das Wirischasts- und das Finanzkomitee sowie der V ö l k e r b u n d r a t; am 22. März tagt in Gens . die Beratungskommission für Kinder- und Jugendschutz. Inland. Ne WMerverretchnlsse werben rklbtlngestellt. Beim Wiener Magistrat werden gegenwärtig die Wählerlisten richtiggestellt. Neu ausgenommen werden in die Liste alle österreichischen Bundesbürger ohne Unterschied des Geschlechtes, die im Jahre 1925 zwanzig Jahre alt geworden sind, in Wien ihren ordentlichen Wohnsitz haben und nicht aus irgend einem gesetzlichen Grund vom Wahlrecht ausge'chlossen sind. Ferner werden in die Wählerverzeichnisse alle Personen ausgenommen, die das Wahlrecht seit 1. Jänner 1925 durch den Erwerb der Bundesbürgerschaft erlangt haben, alle Wahlberechtigten, die nach dem 1. Jänner 1925 ihren ordentlichen Wohnsitz nach Wien verlegt haben und schließlich werden auch die Aenderungen durchgesührt, die durch Uebersiedlung von Wahlberechtigten in einen anderen Bezirk erforderlich wurden. Der Magistrat fordert die Personen, auf die eine der erwähnten Voraussetzungen zutrisft, auf, bis längstens 20. Jänner dem magistratische» Bezirksamt ihres Wohnbezirkes den Meldezettel, Hcimatscheiu, Geburtsschein oder ein anderes Dokument, aus dem die Bundesbürgerschaft unzweifelhaft zu entnehmen ist, vorzulegen, damit sie in die Wählerliste ausgenommen werden können. Formulare für die polizeilichen Wohnungsbestätignngen und Wähleranlageblätter können bei allen magistratischen Bezirksämtern und im Neuen Rathaus in der Magistratsabteilung 49 beboben werden. Vom Montag den 1. Februar bis einschließlich Sonntag den 14. Februar können die Wählerlisten von 9 Uhr früh bis 3 Uhr nachmittags in den magistratischen Bezirksämtern c'.ngesehen werden. In dieser Zeit können mtd) R e 11 a m a t i o it c n mündlich oder schriftlich bei den Bezirksämtern erhoben werden. Tagesbericht Hoftat Rudolf Tauffig ist gestern vormittags nach langem schwerem Leiden in Baden bei Wien gestorben. Hofrat Tansfig war am 22. Mai 1862 in B r ü n n geboren» hat somit ein Alter von 63 Jahren erreicht. Die gesamte zionistische Oeffenüichkeit wird von dieser Nachricht traurig Kenntnis nchmeu. Er war einer der treuesten Arbeiter am jüdischen Werk, eine: der bescheidensten und opferfreudigsten. Einer aus der Schar der Selbstvergessenen, die ihr Bestes, ihre Seele hingeben und die sich am Geben nicht genug tun können. Die Weltgemeinschaft der Zionisten kannte ihn als den Leiter des stenographischen Protokolldienstes auf allen Zionistcnkmigressen. Wir, die ihn verloren haben, kannten ihn als einen gegen sich strengen iOlitkämpfer, der unermüdlich seinen Reichtum an Pflichtgefühl, Ernst und Sachlichkeit der großen Sache zur Verfügung stellte. Jede Körperschaft, die der soziale Brudersinn des Wiener Jungjudentums in das Gefüge der nationalen Organisation einglicderte, zählte ihn zum Mitglied, viele hat er geschaffen, allen seinen Fleiß, seine Kenntnis der Menschen und Dinge zur Verfügung gestellt. Er schloß sich schon als junger Student in Brünn der jüdischen Dache an und stand jahrzehntelang in, ihrem Dienst, bis zu dem Augenblick, in dein ihm sein Herzleiden und der Arzt Ruhe geboten. Er ging in der Pflichterfüllung auf, so sehr, daß man sich irgend eines der vielen Institute, in deren Leitung ihn das Vertrauen aller berufen hatte, gar nicht inehr ohne ihn denken konnte. Zu geradezu übermenschlicher Leistung aber rief ihn .das grauenhafte Leid, das der Weltkrieg über das Judentum des Ostens brachte. Die führenden Personen der nationalen Organisation Wiens mußten ins Feld. Flüchtlingszüge kamen nach dem Westen. Niemand konnte oder wollte diese Verzweifelten betreuen. Sftuibolf Taussig warf sich dem Elend entgegen. Er wurde zum Führer, zum Organisator, - zum Retter. In den Zeitungen, in den eitlen Berichten der Wohltätigkeitsmacher. stand sein Name nicht zu lesen. Aber die Dausende von Greisen, von Frauen und Kindern, denen er Obdach, Nahrung, Arbeit schuf, segneten ihn und in Hunderttausend^ von Briefen der Männer aus dem Felde strömte ihm heißer Dank entgegen. - Wo immer er stand, ob im zionistischen Zentralkomitee, ob im Vorstand der K'ultusgemeinde, wo er ba§ Referat für das Wohlfahrtswesen und speziell für das Ältersversorgungsheim führte, oder in der Joint-Kommission, im Keren Hajessod oder im Bolksküchen- und Blindenwesen — überall erfüllte er meisterhalft seine Ausgabe und betreute mit vorbildlicher Sachlichkeit die ihm Anvertrauten. Er - ist ein Vollstrecker des zionistischen Geistes gewesen, der ihn ganz erfüllte. Rudolf Taussig kam aus der österreichischen Bureaukratie. Er war Beamter des. stenographischen - Dienstes. Ursprünglich beim Brunner Landtag, dann kurze Zeit im Prager Landhaus, dann im Wiener Zentralparlament. Ueberall war et ein geschätzter und beliebter Mann, dessen tiefe politischen und allgemeinen Kenntnisse ausfielen. Seine Fachkollcgen rühmten seine künstlerische Beherrschung der Gabelsbergerschen Stenographie, die Minister, Sektions-' chess und Politiker staunten sein umfassendes Wissen und sein rasches Verständnis schwieriger Situationen, an- Gar mancher Staatsjurist, der aus der Tribüne und am Tische der Enquete glänzte, hatte sich seine Ideen von dem stets freundlichen, dienstbereiten Revisor der Stenographenkammer geholt, unb auchim Herrenhaus wußte man sich seiner Erfahrung gerne zu bedienen. Er blieb auch nach, der Revolution inl Dienste der jungen Republik und gehörte dem Stabe der Konstituante und dann des Nationalrates cm. Vor zwei Jahren trat er als Hoftat in den Ruhestand. Die aufreibende Tätigkeit im Kautpfe gegen die jüdische hatte die Kraft dieses nimmermüden Herzens gelähmt. Aber bis in seine letzten Stunden gab er gerne seinen erprobten Rat allen, die ihn suchten. Ein braver, stolzer Mann, ein Freund der Menschen ist gestorben und die junge jüdische Organisation steht voll Trauer an der Bahre eines ihrer Besten. * Ucber die Beisetzung konnte bisher nichts bestimmt werden. Die Leiche wird nach Wien überführt. Die näheren Anordnungen dürften im Laufe des heutigen Tages getroffen werden. Die soziale Tätigkeit des Berftordenen. Hoftat Rudolf Taussig war eine der prägnantesten Persönlichkeiten aus dem Gebiete des jüdischen sozialen Wirkens in Wien. Auch in der Friedenszeit, als seine aktive Tätigkeit als Staatsbeamter ihm nicht gestattete, öffentlich hervorzutreten, nahnr er an zahlreichen Fürsorgeinstitutionen führenden Anteil. In der Kriegszeit ab.'r, als viele bis dahin wirkend^ Personen durch Kriegsdienst oder anderweitige Inanspruchnahme für die Fürsorge lahmgeleg: waren, sprang er überall bereitwillig ein und sein wirtschaftlicher «Scharfblick, sein warmfühlcndes Her; sühnen ihn in allen Bereinigungen notwendigerweise und oft gegen seinen Willen an die Spitze. Eine Schöpfung seiner Umsicht ist vor allem der für die jüdische' Jugtnd so wertvolle Verein jüdischer Kinderfreunde. Er begnügte sich nicht damit, das Vermögen zu verivalten und die Kanzleiarbeiten zu inspizieren, sondern war kein seltener Besucher der verschiedenen Heimstätten und trat mit Kindern, um deren Wohl er sich im weitesten Maß? mühte, direkt in Konto!:. Der Verein jüdische Volksküche, rvelcher besonders in. der Nachkriegszeit, als die LebrrismitrelknaHcheit »sch