Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2474 (12.1.1926)
- Date
- 1926-01-12
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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CeHi» Wien, Dienstag Wiener Mornentzeitunn M. »47* ttafa bi< Person SchuItzes wird gemeldet, daß er tat einigen Monaten Nadossy erklärt habe, daß d, «in« Sayr schen Stadt eine vollständige WerkstStte für die Herstellung von Fünshundertfranken'cheinen eingerichiri wurde. Er wies einige Fälschungen vor, welche Nadossy von den echten nicht unterscheiden konnte. Der angebliche Schultz« erklärte Nataffy. daß. bevor man mit dem Druck der Noten begann, die deutsche Poltze! von der Derkstälte Kenntnis erhielt, so daß die Fälscher knapp so viel Zeit gehabt Hütten, die Werkstätte in.die Lust zu sprengen, die Corpora delicti, zu vernichten und sich in Sicherheit ftu bringen. Lchultze bot seine Dienste zur Fälschung von Tausendfvankennoten an. Ms jedcch m Budapest mit der FrankenfAschuna begonnen wurde, verschwand Lchultze und gab nur mit einer Ansichtskarte aus Paris ein Lebenszeichen. Die Vudapester Polizei hat erfahren, daß Schultz« dis Fälschung für teures Geld der französtschen Polizei aufdeckte. Di« Personallbeschrevbung SchultzeS stimmt mit der des Mörders SrztargerS, FSrster-Schultze (?), überein. Bischof Zadravecz — MilitärLemn^ev. Budapest, 11. Jauner. Ti« Frage, ob Feldbichof Zabraveez drn Zivil- oder den Militärbehörden untersteht, ist dthin entschieden worden, daß er als Feldbischof M ilitärbeamter sei und daher den Militär behör dm unterstehe, wenn auch sttne Bezüge im Budget de- Kultusm-nisteriums figurieren. Eugen Olchoary hat gestanden, daß er mit dem angeblichen Johann O l a h. der von der Wiener Polizei als Absender der WarnungSdepeschen eruiert worden ist, identisch ist. Der gestern verhaftete Dr. Tibor T ch w e tz ist Beamter der Lande-zentralkreditgenoffenschaft. Er ist be'chuldigr. zusammen mit Andreas Andor in Mailand falsche Banknoten in Verkehr gebracht zu haben. Die Polizei hat ferner gestern den Budapester Fabrikanten Bela M a n k o v i ch, einen Bruder des im Haag verhafteten Mankovich, in Haft genommen, nachdem sich seit seiner ersten Verhaftung und Freilassung herausgestellt hatte, daß er am 21. Dezember, also kurz nach der Entdeckung der Fälschungen im Haag, die bei einer hiesigen Bank gegen einen Betrag von 150* Millionen Kronen lombardierten 156 Stück Dau'endftankennoten rückeingelöst hat. Woher er das Geld zur Rücklö.ung h^tte, ist noch nicht klargestellt. D4e rumänisch« Ansicht. Bukarest, 11. Jänner. Die Agentur Orient Radio teilt mit: In Bukarest wird die Wendung, die die ungarische FLl'cherangelegenheit genommen hat, mit lebhafter Ausmerk« famkeit verfolgt. Einmütig wird in d'e'er Angelegenheit eine eklatante Bestätigung der Befürchtungen erblickt, die die kleine Entente bezügl'ch des irredentistischen und Revanchegeistes in Ungarn im Lause der letzten Jahre unablässig bekundet hat. Wir sind darüber informiert, daß das rumänische Außenministerium im Begriffe ist, mit Prag und Belgrad einen Gedankenaustausch bezüglich der Verteidigung der gemeinsamen Interessen zu pflegen. Ein Kollektivschritt in Budapest. Belgrad, 11. Jänner. (Tel.-Komp.) Das Abendblatt der ,Hroma" will erfahren, daß die Regierungen Frankreich-, Jugoslawiens, Rumänien- und der Tschechoslowakei ein« Kollektivdemarche in Budapest unternehmen und von der ungarischen Regierung Schadenersatz verlangen werben, falldie Aufdeckung der ganzen Frankenfälschungsaffäre seitens der ungarischen Behörden nichtschonungSloSbiSanSEnde geführt wird. „Politika" und „Prarda" berichten, daß ein hoher Beamter desBelgraderPolizeiPräsidiumS vor einigen Tagen nach Budapest reifen sollte, um an der Seite der französischen Detektivs an der Uniersuchung in der Frankensälschungkangelegenheit teilzunehmen. Diesem Polizeisunktionär wurde jedoch daungarische Einreisevisum verweigert. Beide Blätter protestieren in schärfsten Ausdrücken gegen dieses Vorgehen der ungarischen Behörden. „Politika" meint, daß ein offizieller Schritt der jugoslawischen Regierung erforderlich sei. um den Uebermut der Magyaren in in dl« Schranken zu weisen. Im Außenministerium fand gestern im Beisein mehrerer Kabinett-mitglieder eine Konferenz statt, in der die Ereignisse in Ungarn eingehend erörtert wurden. Ter Ministerrat verfaßte einen Bericht für den Minstierprästdenten Pasic, der zurzeit in Monte Carlo wellt. Wie die Telegraphenkompagnie erfahren haben will, beschloß der Ministerrat, vor dem endgültigen Abschluß der Untersuchung in der FrankenfälschungSaffäre durch die ungarischen Behörden keine diplomatische Demarche in Budapest zu unternehmen. Im übrigen wartet die Regierung zu dieser Frage di« Jnstruk- Dionen des Minsterprästdenten ab. Bor einer engttfeh-fran-vstschen Intervention? Die „Lidove Novlny" stellt fest» daß nach dem letzte» essiziellen ungarischen Bericht über die Fälschung-« ffäre der Schwerpunkt der Angelegenheit und der Schlüssel zu ihrer weiteren Entwicklung nunmehr im A u s l a n d liege. Wie das Blatt vernimmt, sei et der französischen Regierung bereits gelungen. England von der Notwendig. keirrinerJutervention in Ungarn ln geeigneter Form zu überzeugen. Mit einem Einschreiten dieser beiden Sraa'en in Budapest könm bereits in den nach st «»Tage» gerechnet «erde«, ,\Ar\AApW/\AAAAAAAA VN/W'XA/'S WIIMSRAND < STOCK eCHT ans naturechten, besten Weinen in imllleh plombl«rt«n Plaedim (ErUft Om AekiilMumia(«t«r um« Ll. lelMMf« «t«04) nach wie vor die führende Marke! ÜBERALL ZU HABEN I Das ltngcrcifcfe Lelegraphen-Korrespondenz- Bureau meldet... Budapest, 11. Jänner. Das Ung. Tel.-Korr.^Bur. meldet aus Belgrad: „Pravda" dementiert amtlich d:s Gerücht» baß die kleine Entente gegen Ungarn Schritt« unternehmen werde. Demselben Blatte wird gemeldet, der französische und tschechoslowakische Gesandte hätten die amtliche Mitt e i l u n a erhUten, daß Jugoslawien gegen Ungarn keinerlei Schritte unternehmen werde. Da- Blatt dementiert auch die Nachricht, daß der Vudapester jugoslawt che Gesandte in Belgrad eingetrosten sei. Er habe mit Bewilligung de- Ministerde- Aeußer« dieser Tage «inen zehntägigen Urlaub angetreten und sei nach Triest abgereist. Es sei aber nicht ausgeschlossen, daß der Gesandte auf der Rückreise Belgrad passiere» werde. Bethlen fürchtet klirre Ausschreitungen. Ministerpräsident Graf Bethlen hat anläß.'ich einer Aussprache mit seinen Parteimitgliedern, bei der auch -die Frage eventueller Demonstrationen aufgeworfen wurde» erklärt. daß die Regierung über alte Mittel verfüge» um eventuellen Ausschreitungen, der Extremen die Sp'tze bieten zu können. Die Regierung verfügt über alle Machtmittel. Ein« Erklärung der kaisertreuen Volkspartei. Die Korrespondenz Herzog erhält von der kaisertreuen Volkspartei folgende Erk.ärung: Im „Pesti Hirlap" und anderen ungarischen Zeitungen werden Aeußerungen des Präsidenten der kaisertreuen Volkspartei, Oberst Wolfs, über den vermutlichen Zusammenhang der Affäre Windischgrätz mit der derzeit radikal-antisemiti ch orientierten konservativen Volkspartei veröffentlicht. Diese Vermutungen sind darauf zurückzuführen, to(j die letztgenai' Partei seit Herbst vorigen JabreS in engster Fühlung mit der ebenfalls antisemitisch-nationalistischen Partei der Erwachenden Ungarn unter Führung Gömbös steht, von dem bekanntlich erwiesen ist, daß er mit der Gruppe Windischgratz in Verbindung gestanden und von ihr finanziell unterstützt wurde. Hofstntlich wird die Untersuchung auch die eventuellen Zusammenhänge mit der seinerzeit vielfach besprochenen Affäre Erzherzog Albrecht restlos auftlären. Ungarische Propaoanpa auf tschechische« Noten. Prag, 11. Jänner. (Tel.-Komp.) Wie ausPreßburg gemeldet wird, erschien auf dom Postamt in Szenez bri Preßburg ein Kaufmann und erlegte einen Betrag in Z e h nr r o »e n n o t e n, von denen eine amRandebeschrie- Len war. Als der Postbeamte die Note geprüft hatte, erklärte er, sie beschlagnahmen zu muffen, da sie i r r e d e ntistischen Charakter trage. Es stellte sich heraus, daß die Rote am Rande folgende Inschrift trug: „Rem! Nem! Soha!" (Nein! Nein! Niemals!, daS Motto der E r wa che nden Ungarn), ferner: „Mein armes Vaterland Ungarn!" und „Freiheit kann der nicht verdienen, der die Freiheit eineS anderen in Ketten schlägt!" Pro»a Norolyl—Wlndlsch-rSb. (Eigendierch der „Wiener Morgenzeituvg".) Berlin, 11. Jänner. Am 20. d. soll vor dem hiesigen .Kammergericht ein Prozeß stattfinden, den Graf Karolyi gegen den jetzt verhafteten Prinzen Windischgratz schon vor längerer Zeit angestrengt h:t. Im Jahve 1921 ist bekanntlich in einem Berliner Bcrlag das W'mdischgrätz-Buch „Bom roten zum schwarzen Prinzen" erschienen, in welchem der Prinz behauptet, daß in den Archiven der französischen Regierung sich eine Quittung deS Grafen Karolyi über fünf Millionen Franke» befinde, die dieser von den Agenten dcr Entente erhallen h:be. Graf Karolyi habe während des Krieges wie einSpion gehandelt. Karolyi hatte damals bei den deutschen Gerich'en beantragt, dem Berliner Verlag die Weiterverbreitung des Buches zu -verbieten und gegen Windffchgrätz Beleidigungsklage angestrengt. Windifchgrötz tvar'jedoch nicht erschienen. Cr hatte sich daraus berufen, daß die Rolle Karolyihinreichend gekennzeichnet fei. Auf Grnnd der damaligen Beweisaufnahme verurteilte daS Landgericht Berlin den betreffenden Verlag d:zu, das Buch zurückzuziehen und die zur Herstellung benutzten Platten unbrauchbar zu machen. Die ganze Angelegenheit wird nun nochmalda- Kammergericht brschäftigen. Die beiden Anwälte de- Klägers haben den Antrag gestellt, über die Frage, ob Gras Kar^yi von der Entente Geld erhalten habe, C l e m « n e e a « in Paris zu vernehmen. tie -Inarfabrll in veulschland. Berlin. 11. Jänner. (Tel.-Komp.! Ueber die Aushebung der Dinartabrik in Bielefeld berichtet der .Malanzeigtt" nähere Einzelheiten. Danach tauchten Eids Dzeyibn in Zagreb die ersten falschen rauferdöinarrioten aus. Iir wurden von einem gewissen Mato Madunic und einem Mile Ja vor in Per«, kehr gejetzl, die beide in Demschiauo als Arbeiter beschästigr gewesen lS. Jänner 1936 und mit drei anderen kroatischen Arbeitern nach Agram zurÜckgm kehrt waren. Tie Tatsache, daß ein Bruder JavorS, der mit dt« beiden zusammen verhaftet wurde, in Bielefeld ein HauS besitzt, erregte den Verdacht, daß dort der Ursprung der Fälschungen p» suchen sei. Ti« ersten Ermittlungen leitete der Chef der fugoslnvisch«« Sicherheitspolizei, der sich zunächst nach Frankfurt am Mai« und Düsirlsorf und sodann nach Bielefeld begab. HauSdurchsuchungen sördkrirn dorr bet dem Bruder des verhafteten Madunic tatsSch!ichS800 Stück und bei J vor 106 falsche Tausenddinarsche 1 ne zutage. Madunie gestand nun, daß er die Wschungen in einer Fabrik in Bielefe'd erhalten hatte. Ein jugoslawischer Ministerialrat, den d-s Belgrader M nistcrium nach Deutschland gesandt hatte, und zwei deutsche Kriminalbeamte drangen in d'e angegtke, e Fabrik ein und konnten dort fünf je zwei Zentner schwere Druckplatten für die Herstellung falscher Tausenddlnarschem« beschlagnahmen. Am Slez Israel. Dta VerSindnns »toiftfc«« Rösch PinaH und Metultah. Die Arbeiten an der Straße zwischen Ro'ch P'nah und Metullah werden von der palästinensischen Regierung ttotz der Regenperiode mit äußerster Beschleunigung fortgesetzt. Ein Ein-ÜrsernngSLureau in Hwifer. Am 1. Jänner hat die palästinensische Regierung in Haifa ein NaturalisatronSbursau zweck- Cr- Üichterung der jetzt durchzuführenden Einbürgerung eröffnet. Gin Organ der Revisionisten in PatLstina. In Palästina ist die erste Nummer eines Organs der Revisionisten, „Die revisionistische Fahne", erschienen. Vom landwirtfckaMichen Departement des palästinensischen Regierung. Dem landwirt'chaftllchen Departement der palästinensischen Regierung wurde dieses Jahr ein Zuschußbudget von nteta als 20.000 Pfund zugewie'en. Das Departement beabsichtigt, eine Reihe neuer Versuchsarbeiten durchzuführen. Bebauungsplan für den Nordteil von Lel-Awiw. Ein vom Architekten G e d d e S entworfener Bebauungsplan für den Nordteil von Tel-Awiw ist, nachdem er von der zentralen Baukommiflion der Stadtverwaltung akzeptiert worden ist, nunmehr auch von den Bezirksämtern angenommen worden, so daß nunmehr jeder Bauunternehmer verpflichtet ist, seinen Bauplan diesem Bebauungsplan anzupaffen. Das Handelszentrum in Hcrifa. Am 80. Oezember fand in Ha ifa die Feier der Grundsttrnlegung de- HqndelSMirumS statt. An dcr Feier beteiligten sich der Gouverneur deS NorddistriktS Abramlon, der Stadtpräsident, die palästinensischen Oberrabbiner Kuk und Jakob Meir, die Leiter der führenden Banken wie auch Vertreter zahlreicher Institutionen. Auf dem an'chließenden Bankett sprachen P e s n e r, Gouverneur A b r a m s o n, Rabbi Kuk, Dr. Waschi tz, Le von t in. Hecker u. a. m. Mn Sand - ftüniq von Hedschar. London, 11. Jänner. Wie „Daily Telegraph" auS Dfedda meldet, hat am Freitag eine öffentliche Versammlung in M e k k a den Sultan I b n Saud zum König von HedschaS auSgeruftn. P'ntiver Handgemenge kn vlevpo. Störung der Wahl einer provisorische» syrischen Regienmg dmch syrische Exttemlstm. London, 11. Jänner. (Tel.-Komp.) Wie der Korrespondent der British United Preß aus Beirut meldet, wurde» die Wahlen in Aleppo mehrfach durch syrische Extremisten gestört. Ein Trupp Aufständischer versuchte, die im Gefängnis von Aleppo eingeschloffenen Drusen zu befreien. Es kam zu einem Handgemenge, bei welchem zehn Personen. darunter ein Polizeibcamier, ein Strafgesangener und acht Aufständische gelotet wurden. En französischer Offizier wurde ve rwu n de t. Die Ruhe in der Stadt ist wieder hergestellt. Die Wahlen in Alexandrette, Antiochia und K i r i k h a » sind ruhig verlausen. Sie verband rngen über Moffn". London, 11. Jänner. Die Antwort der türkischen Regierung an Baldwin, die Mittwcch überreicht wurde, enthält acht Punkte: Die Türkei drückt den ehrlichen Wunsch aus, einen tawaffneten Konflikt »u vermeiden. Sie hält die Entscheidung des V ö l k e r b a n d e S, da sie nicht mit Zustimmung der Türkei getroffen wurde, für unverbindlich. Sie hält ihren Anspruch a u s M o s s u l a u f r e ch t auf Grund der Jnterpre:ation des Laufanner Friedens. DaS Anleiheangebot Englands kann nicht einen völligen Verzicht auf den Rechtsanspruch auf Mofful zur Folge haben. Die Türkei ist zur Regelung der Moffulsrage zum Abschluß eine- Provisoriums mit England bereit, das von fünf-u fünfJahren erneuert werden kan», bis die öffentliche Meinung beider Länder eine endgültige Lösung «rmöglicht. Tos umstritlene Gebiet wird von beiden Teilen vollständig e n t m i l i t a r i s i e r t. Ter türkische Handel erjält Transitrechte via Bagdad und Vasra. England verzichtet auf die antitüriische Propaganda in Asten. Diese Bedingungen ermöglichen noch englischer Ansicht usotzverspttchevta Sondervechandlungev j» Angora.