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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-12 · Heft 2474 (12.1.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2474 (12.1.1926)
Date
1926-01-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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„Die wirtschaftliche Not und der jüdische Mittelstand" Referenten: Gemeinderat Dr. Leopold Plaschkes Bezirksrat Morlzt Kohn Bezitksrat Adolf Hirsch Juden erscheinet in Massen! Die Diktatur des Ehaas. — y. W i e u, 12 Jänner In Bulgarien ist die halbdiktatorische Regierung Zankow durch eine demokratische Liste ersetzt worden, die den Charakter eines Uebergangskabinetts trägt. Vor . ihr steht die ewige mazedonische Frage, die sich auch im Wege von Neuwahlen kaum abmildern läßt. In Griechenland ist die Diktatur verkündet, worden, die den Krieg nach äußert als Stahlbad anpreist und in ihrer Programmerklärung die Bajonette als ihre Stühe bezeichnet. In Ungarn ist die Affäre der Geldfälscher unversehens und gegen den Willen der Machthaber, bis. zur Demaskierung der in Wirklichkeit treibenden Kräfte gediehen. Die große und die kleine Entente sehen mit Sorgen dieser Entwicklung zu, deren Verlauf nicht zu bestimmen ist. Brände mngeln allerorten auf, Verträge voll Freundsckiaft und Neutralität fliegen durch die Luft und ahnungsvoll prophezeien alle berufsmäßigen Wahrsager aus. dem dunkeln Satz neues Unheil. Das Jahr bat gut begonnen. Es setzt fort, wo das alte seinen Zlbschied nahm, und es fängt , seinen Lauf genau so an, wie sein Vorgänger: die vorbereitende Konferenz der Abrüstungskonferenz wird verschoben. Es wäre auch eine zu grelle Dissonanz, zwischen Mollert uttd Kötttten, wenn man sich jetzt zu einer Besprechung über . Entwaffnung zttsammensetzen würde. Es gibt keinen Rübepunkt in diesem verzweifelten Chaos. Denn auch die Großen, die ordnend, sichtend, wegweisend auftreten sollten, sind in Not und können sich ihrer heimischen Friedensstörer kaum erwehrem Die deutsche Regierung, die noch immer in Demission steht, kommt aus den Parteiberatungen zu keiner klaren Richtung. Sie hat Locarno unterschrieben mib prinzipiell den Eintritt in den Völkerbund beschlossen. Aber die Nationalen, die sich mit großen Worten auf ihr nein festgelegt hatten und sich dann wieder — wie bei Dawes — Hattert überstimmen lassen, laufen vor der Verantwortung davon. Sie wollen innen regieren, das heißt ihre Schrittmacherei für die Restauration fortführen, nach außen aber abwarten und ihre Hoffnungen auf den berühmten englisch-französischen Krieg, der ja jede Sekunde kommen muß,-nicht aüfgebeu. Einstweilen vertreiben sie sich die Zeit mit antisemitischen Scherzen: so oft die politische Grütze ausgeht, stellt sich das Geschrei von den bösen Juden als rettendes Mittel ein, um wieder von etwas anderem zu reden. Die anderett Parteien wollen gerne nnb können nicht. Sie sind demokratisch, ja sogar sozialdemokratisch, aber sie sehen bekümmert nach Frankreich oder nach Rußland und erwarten, genau so wie ihre Gegenpartner, das Gesetz des Handelns von außen. Dasselbe Bild gilt für Frankreich; nur ist es dort noch um die schwere»: Schlagschatten der Kolonialkriege reicher. Was Rußland betrifft, so schwankt seine innere Orientierung noch stärker als je zwischen der Stadt und dem Dorf, zwischen dem Arbeiter und dem wieder zu Recht und Macht strebenden Großbauern. Ilt der äußeren Politik will Moskau die Gelegenheit äum Anschluß an den Westet: tticht versäumen und die Zündeleieu in Asien doch nicht lassen. Es will üher den Balkan wieder vorstoßen, wo seit: Geist der Verneinung in vollster Blüte steht, uttd doch über Abrüstung und Schiedsgericht mitsprechen. Es will einen, asiatischen . Block bilden und sich trotzdem nicht die Wege nach der Lottdotter City imb ihren Tresors versperren. London, 11. Jänner. Die „Westminster Gazette" schreibt, sic sei in der L^ge, die engere Geschchte des ungarischen Komplottes zu enthüllen, das die Ausrufung einer faszistischen Monarchie ilt Ungarn mit Erzherzog A l b r e ch t als König zum Ziele hatte. Die Anhänger d:s Erzherzogs Otto seien in die Verschwörung nicht verwickelt. Das Blatt erfährt, der erste Staatsanwalt in Ungern habe außer der Verhaftung des Prinzen Windischgrätz auch die Verhasttmg des KabinEschefs des Regenten, Bartha, des Schwiegersohnes des Regenten, Zöltan Fay, und des A.bg. Julius Gö m bös, des Führers der Nationalist: chen Partei, des Oberstleutnants Pro nah und des Bischofs Zadraveez beantragt. Ferner habe er von dem Präsidenten die Aushebung der parlamentarischen Immunität des Abg. Eckhardt, des Präsidenten der Erwachenden Ungarn, und des Abg. U l a i n verlangt. Jnr Jahre 1923 habe U l a i n Mit L u d e n d o r s f und Hitler in München einen Vertrag unterzeichnet, in dem versprochen worden sei, den bayrischen Nationalisten Lcbenstnittel zu sendett, wofür 10.000 Bayern den ungarischen F:szisten bet einem Aufstand, in Ungarn, der ztt gleicher Zeit mit einem solchen in Bayern stattfinden sollte, zu Hilfe kommen sollten.; Die englischen Zeitungen fahren fort, die große Be-: deütung der ungarischen GMWimHire herv^rztiheben'.' „Manchesier Guardian" schreibt, daß Graf Bethlen gegenwärtig mit Energie und Gewissenhaftigkeit vorgehe und daß beides sehr notwendig sei, denn die Affäre, was immer ihr anfänglicher Charakter gerne en sein mag, sei rasch zu einer politischen geworden und berühre als. solche nicht nur die ungarisches sondern auch die internationale Politik. Die Fälscherangelegenheit sei zu e i n e m S t r e i t f a l l zwischen dem Grasen Bethlen und den extremen ungarischen Reaktionären geworden. Würden die letzteren durchdringen, so müßte dies alsbald zu einem noch viel ernsteren Streitfall zwischen ihnen und den von ihnen bedrohten Nachbarn führen. FrauMsche Kontrollore auch weilerhi» in Budapest. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 11. Jänner, Während die beiden Detektivs Benoit und Doulcet Samstag abends abgereist sind, bleiben der Direktor , der Bank von Frankreich, Emmery, imb ein französischer Polizeikommissär weiter i n B u d ap e st. „Magharovszag" zufolge sind die Franzosen, von den Ergebnissen der Untersuchung befriedigt. Die Opposition beabsichtigt, den ganzen Komplex der mit dem Frattikenfälschungsskandal zusammenhängenden Fragen vor einen parlamentarischen Untersuchungsausschuß zu bringen, da die Strafbehör- Es will China organisieren und trotzdem mit Japan gut Freund bleiben, es will Amerikas Unterstützung finden und bedient sich der jüdischen Finanzmänner, deren Sentiment es mit der Krimkolonisation der ansonsten gepeinigten Juden engagiert. Es sieht so aus, als wäre die Balkanisierung nicht mehr auf den alten Kontinent beschränkt. Der Geist von Versailles sitzt wie Banquos Gespenst an allen Tischen. Die Untreue dieses Friedens, der kaum mehr als ein Waffenstillstand ist, trägt ihre Strafe in sich. Die Minoritäten melden sich immer wieder an. Sie sind in allen Ländern vorhanden und werden von allen mißhandelt. Es gibt aber nicht bloß nationale, sprachliche und konfessionelle Minderheiten. Die Lehren vom Gleichgewicht, von der Aüsbalanzierung der Machttendenzen, treibt zu Bündnissen der Großen, den, nach Auffassung der Opposition, n ichttnderLage sind, die politischen Verzweigungen und Auswirkungen der Affäre der wünschenswerten Klärung zuzuführen. Die Opposition wird sofort nach Zusammentritt des Parlaments am 19. d. dem Hause diesbezügliche Anträge unterbreiten. Das offiziöse „8 Uhr-Blatt" bemerkt zu diesen Absichten des oppositionellen Blocks, daß Ministerpräsident Graf. Bethlen im Parlament eventuelle Anträge der Opposition auf Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses in der Frankenfälschungsaffäre mit dem Hinweis beantworten wird, daß die Frankenfälschungen ei»c gewöhnliches Verbrechen darstellen und keinerlei politischen Hintergrund haben. Tex Ministerpräsident kehrt morgen vormittags voft seinem Jagdausflug in die Hauptstadt zurück.. Neue Anguben des Windischgrätz. -Wie verlautet, hat Prinz Windischgrätz bei einer neuerlichen Einvernahme angegeben, daß ein Teil der »gefälschten Banknoten in den Räumlichkeiten -des Ungarifc^n Naiionaloerb^ndes, und zwar im Amtslokal des Verhafteten Szörtsey, sortiert wurde. Infolgedessen'wurde in den Räumen des Rationalverbandes eine neuerliche.Hausdurchsuchung vorgenommen, -die jedoch? ergebnislos endete. . Die Vorarbeiten.? zur Herstellung der Fälschungen reichen aus 13 Monat» zurück. Bevor Prinz Windischgrätz auf die Idee kam, sich an den Oberbeamten Gerö zu wenden, hatte er bereits andere Versuche unternommen. Es soll sich damals ein Reich sdeutscher, der angeblich Schulz hieß, an ihn gewendet liaben, der ihm mitteilte, daß er Zeichner sei und sich in Deutschland bereits mit der Herstellung falscher Frankenscheitv beschäftigt habe. Die geheime Werkstätte hierfür, die in einer ehemals deutschen, nunmehr französisch» elsäffischen Stadt am Rhein bestanden habe, sei aber. wegen ver'chiedener Gefahren plötzlich aufgelöst worden. Windischgrätz fand das Angebot des Deutschen nicht diskutierbar. Als aber später der Handel Mit Gerö perfekt geworden war, wurde auch Schulz im Kartographischen Institut provisorisch als Zeichner beschäftigt. Er hatte damals wiederholt Gelegenheit, die Vorarbeiten zu beobachten. Als aber die ersten Falsifikate aus der Presse kamen, blieb er plötzlich aus und verschwand.aus Budapest. Es besteht nun der Verdacht, wß entweder Schulz selbst oder eine Mittelsperson es war, die für gutes Geld die Bank von Frankreich auf die Umtriebe des Fälscherkonsortiums aufmerksam machte. Erwiesermaßen hat die französische Polizei schon tat Juni ihre Arbeit mit 'der Frankenfälschungsaffäre begonnen, und alk> die französischen Polizeiagenten in Budapesteintrafen, waren sie bereits im Besitz des Name ns W i n d i s ch g r ä tz. denen wieder Verbindungen der Kleinen in den Spüren folgen. Auch in der Konstellation der Kraftzentralen zeigen sich Mehrheits- und Minderheitsbildungen. Keine Staatstheorie von denr herrschenden Volk, dessen Aspirationen sich alles zu fügen hat, was da kreucht und fleucht, kann die heimische Minderheit ganz zum Verstummen bringen. Und kein Mächtekonzern kann die weniger stark bewaffneten Satettitengruppen Niederhalten. Das ist die Lehre dieser Vorgänge, die automatisch zur Anwendung der demokratischen Prinzipien führen sollte, wenn es noch Logik in dieser Welt geben würde. Sie ist aber nicht vorhanden in . allen diesen Nationen, die so stolz sind auf ihre historische Entwicklung und auf ihre geschichtsbildende Kraft. Sie sind Gefangene des Schwertes. Ihr letztes Wort ist immer nur die angewandte Diktatur. 1Poicp: 21 oroityl Wien. £mn ADhoien in der Expedition, ll„ Tabofstr. 1-& oder in einet Verschlefsstette 'TraHk: monatt. o ScMilhtg Strasaenverkam in Wien durch die Kolporteure dei Firma Go i d schntied, 1.. WoUzeile II Mit Pos’vprsand für Wien und Oeite eich monatlich o ochilling 1 scitecho» Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din.60. Polen:Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Fr an kr eich, Belgien: Mon. Frcs. in >tt(iiutuongee m n«*► erhfiban■>en »orbehunB Rk. 2474 Wiener orgemeilung unoEun England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monat!. t& Lire: Rn nänien Mon. 170 LeL Bulgarien Mon. 100Lew«. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration Wien, 11. Taborstr. I Telephone. 44-0-38.43-3-19 Ab 6 Uhr . 21-102, 25-2*2 DL. Universitätsstrasse 6-8 (D uckerei ig. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nt. 150.698 Me». Sinutag. 12. Mauer 1826 8. äottian» Zionistisch! siktion vi- VIIL, Bcnnopiatz la HEUTBy 8 Uhr abends -VIII Erzherzog Albrecht sollte König werden. Ser Zweit der Seld'ii scher-Kampagne. — Die Berdluduugeu mit Ludendorff »ad Hitler. Alle Waren zu bedeutend tief reduzierten Preisen im iffWarenhausir II. Taborstrasse 48 Telephon 47-1-71 En gras Ed d«Ull

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