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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-10 · Heft 2472 (10.1.1926) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2472 (10.1.1926)
Date
1926-01-10
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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m.tm wm&mm Kunst, Bühne, Buch. Ltzro -ha«. „Rasch -ln Kind ...!" — Nachtvorstellung im Modernen Theater. DaS Referat beginnt mit der Nennung des Schauspielers, der irre amüsante Vorstellung überdies zu einer ganz außerordentlichen, macht. Wenn ein prominenter Gast mit dieser Rolle und dieser Regieleistung nach Wien käme, würde man's als künstlerisches Ereignis buchen. Bei heimischen Mimen ist man mit Lob oder gar Bewunderung weit sparsamer. (Siehe den Fall Bergner. Sie galt : hier sehr wenig, bevor sie nicht als berühmte Gastin kam.) Wirj tvollen uns solcher Unterlassung nicht schuldig machen. Theo S h a l l hat eine amerikanische Groteske so charakteristisch inszeniert, gab ihr ein so prachtvoller Tempo und erzielte bei. den Mitwirkenden, die nicht alle gleich begabt und technisch fortgeschritten sind, ein solche- Zusammenspiel — er brachte ferner seinen Part so humorvoll und parodierte so glücklich die „Kinomimik" daß seine Leistung als Regisseur und Schauspieler nur den besten Theaterabenden und besten Bühnengestaltungen an die Seite zu stellen ist. Hier siegt ein reiches Talent und ein nicht gewöhnlicher Kunskversiand über diese für daS Theater und seine Jünger so grausame Gegenwart. An dem Schwank, der streckenweise die LachmuMn überanstrengt, wirkten noch der vortreffliche Herr Chmänn und die Damen Wälsche und Förster erfolgreich mit. „ Otto Abeletz. .Sonor Sfitgßeft* -o» Friedmänn und Nerz hat in der Neuen Wiener Bühn« fröhliche Auferstchung gefeiert. DaS gut gezimmerte Stück, daS ln feinem Verlauf an Niveau und Echtheit der Milieüfchiöderung wächst, enthalt eine Bombenrolle, die' von Ludwig Stärk meisterhaft dargeftellt wird. Er vereinigte alle Nuancen, von possenhafter Drastik bis zur rührend lebenswahren Charakteristik, zu einer großen Leistung. Die opferfreudige Arbeitsgemeinschaft der Bühne,- vor allem Frau Liedermann-Stärk, Milan Ernst, Maroell Benard und Antön TNler, halfen verdienstvoll mit am Erfolg des Abends, der drei Stunden Lachen bedeutete. «. s. „Sie legitime Freundin." Lustspieltheater. , Der Autor, der Novität, Erik Gottwald, ist bestimmt begabt. Aber er verlegt sich auf das Geistreiche, Brillante, feilt den Text sorglich -- nur daß der Dialog geliehen ist und die Fells, deren »r sich bedient, erst recht. - Die' heiteren^ Wradoxa, die, er durch solche Mantzmlationen gewinnt und ins Licht, der Rampe bringt, werden aus diesem Grunde jedem besseren 'Theatergast alsbald unerträglich. Man merkt es zu deutlich, wo uni> wie er'S erhascht hat; daß es nicht auS dem eigenen Busen quoll. Eine Ehefrau nimmt es mit der Konkurrenz der ,Geliebten ihres Mannes auf, indem sie sich mit ihr aufs beste , verträgt. Der Gatte verträgt aber, wie sie vorausschl Mi liebende, um ihn bemühte Frauen .n.ichtz und Entscheidet sich, da'ihsi'ijse" klüge Gattin auch' noch, eifersüchtig macht, .Mr die legitime Frau' und gegen die von rhr legitimierte Freundin.. .-Ein Großkaufmann mit gewaltigem Bankkonto und riesigem Geweih geht als.jxaurig-komische Figur durch das Stück. Wie-die anderen Herren und Damen, Advokaten, Kammerkätzchen, ist auch dieser jüdische Kömmerzienrät, der sich aufs Geschäft versteht, aberim Löben doch nur eine große Wurzen ist, schon wiederholt dagewesen. Neu ist. bloß der mitwirkende Kakadu und die erdrückende Zahl von Raisonneuren. Nach den bisherigen Usancen har jede Komödie einen. Diesmal gibt es so viele, als die Zahl der Mitwirkenden beträgt. Zuviel, zuviel. Unter Josef I a r n o s Leitung eine, frische Aufführung die dem mißglückten Poesien und dritten Akt auf die Beine half. Ein vortreffliches Ensemble, von den Damen Wa ldn e r. und Wendt, den Herren Alfred Mähr, Paul Mahr urch.Tony Girardi bestritten. . O. A. «irn den Aeatem. , B ur ath eater. Morgen, 7 Uftt abends, .R o me o and Zu! ta* ‘ (beiinünkter Kartenverkauf). Als nächste Novität ist Pträndello» Sckauw'el .Da Leben, das ich dir g a b" für den 31 d. in Aussicht genommen Akadem'etdearer Morgen, %B Ubr abends. „D i e W e l t. i n d e r m a n k i ch langweil i". F der letzten Jännerwoche wird die Neubeit ..Maria Orlowa, Schauspiel von Otto Z o f f. berau'kommen. .. O v erntbeater Heute singl Herr G r o s a v e S c» die Partie de» Rudels in .D i e Boheme". Morgen 7 Uhr abend». »B o r t S Goudunow". Theatergemetnds, Serie A (weiß). ' Bolk»over. Mo gen „Das Dorf ohne G l o ck e". Kammersänger Eduard Erhard tritt Mittwoch als R1 g o l e t t o auf. D e u l >ch o » B o l k S t Ü e a t e r. Freitag -den IS d. Erstaufführung von Artur Schnitzler» Eiriatterzyklns .K om ö d 1 e o t r W o r t e". ins,entert von Arnolo K o r f f Theater in der Io 1 ef.st a d t. Dienstag. »/,8 Uhr abend», Erstaufführung de» ind'schen Schausotel» „Sakuntala" von Katidasa, deutsch von Rots Lauckner. Neue« Wiener Stadttheater (Exl» Büh » e-. Mont V,8 Ubr abend». Erstaufführung non „Der Mui i ka nt Gotte»", .vier Bilder aus dem Leben Bruckner», von Viktor L L o n und Ernst D »es e y mit Wilhelm Kl t ts ch als Gast. Carl-Tbeaier. Heu e, S Uhr nachmittag», di, Operette «D o n « a G l o r t a". NeueWtener B ü h n e. Am 1b. d. beginnt Alfredo u f e t t«t mit eigenem Ensemble tu der Revue „Rätsel ii » d W u u d e r" ein längere» Gastspiel. V.***."' „ , „Indigo" von Johann Strauß im Akademietheater. Die Hochschule und die staatliche AkadeE für Musik'und darstellende Kunst bereiten im Akademietheater für Samstag den 23. d. eine Aufführung von „Indigo" vor. der ersten Operette von Johann Strauß Regie:' Professor Dr. Heinz Schulbaur. Den Text hat Dr. Frrh Löhner (Beda) für d.ese Fcstvorstellung neu bearbeltet. AuS der Theatergemeinde. Die Mitglieder der Thea'eraemeinde werden aufmerisam gemacht, daß die Platzgebühr für den Monat Februür in der Zeit vom 15. bis 25, Jänner von 9 bis 2 Uhr an' der Kasse der Bundes.heaterverwaltung, 1. Bez., Reitschulgasse 2, 1 Stock, zu entrichten ist. — In der Zeit vom 11. bis 17. Jänner finden folkseude Vorstellungen der TheatergeMenide statt: Burg' heater: Montag den 11. Romeo und Julia, Serie D (gelb): Dienstag den 12. Major Barbara, Serie E; Donnerstag den 14. Romeo und Julia, Serie F. OpeptUheater: Montag den 11. Boris- Godunow. Serie A (wölß). In 'den Bundestheatern finden ferner, folgende Vorstellungen im Abonnement statt: Burgtheater: Freitag den 16. Lady Windermeres Fächer. Gruppe 2; Samstag den, 16. Der ewige Jünglinge Gruppe- 3. Akademietheater: Montag den 11. Die Welt, in der man sich langweilt, Gruppe 3: Dienstag den 12. Die zerbrochen? Leiter, Gruppe 2: Mittwoch den 13; Der 'Damenkrieg. ■ Gruppe 1; Freitag den 16. Der Lieb- Haber, Gruppe 6. Operntheater: Dienstag den 12. Die Königin .von Saba, 4. Viertel; Mittwoch den 13. Hosfmanns Erzählungen, 1. Viertel; Donnerstag den 14. Othello, 2. Viertel; Freitagden'1'5. Rigoletto, 3. Mörtel; Samstag deck 16. Die Fledermaus, 4. Viertes Viertel; Sonntag'den 17. Tannhäuser, 1., Viertel. . ••. -- . - , . . Wiener Juristtsche Gesellschaft. Mittwoch um '/,7 Uhr abends im Hörsaal 33 der Wiener Universität ordentliche Generalversammlung; jm Anschluß daran Vollversammlung. Gegenstand: Fortsetzung der Wechselnde über die Verwaltüngöreform in Oesterreich. (Referent: Präsidentstellvertreter 1>er Rechlsanwaltskammer in Wien. Herr Dr. Siegfried-Kantor.) Der neue Brünner Theaterdirettör. Wie uns aus Brünn gemeldet wird, hat der deutsche Theaterverein die nach dem Selbstmord des Direktors Herzka erledigte Stelle eines künstlerischen Leiters des Brünner Deutschen Theaters neu besetzt und den Oberspielleiter Und' Dramaturgen des Prager Deutschen Landestheaters, Hans Dem eh. zckm DirÄtor ernannt. Das österreichische Komktee der Internationalen Gesellschaft für neue Musik veranstaltet Freitag den 15. Jänner um halb, 8 Uhr abends im Rittersaal der Hofburg-seinen- 3. Kammermusikabend.. Zur Aufführung. gelangen Werke von Bartvk, Debussy, Jbe'rt, Jira-k, Tansman und Protopopoff. Ausführende: Louis Fleury, Paris (Flöte), Oskar Jolli (Gesang), Dr Ernst Bachrich, Baldo -Medicus, Pros. Friedrich' Mührer (Klavier). Tanzabend Smi Mirjam. Suri Mirjam, die von der Wiener Kritik im Vorjahre mit einstimmigem und großem Beifall. ausgenommene. zehniährige Tänzerin,^äibt am Mittwoch den LO'.'.'d.- lM'Ze'rerNönieNsaÄ M Hosourg ihren diesjährigen Abend. Beginn lM '8 'Uhr. Karwn - bei-Kekstendorfer. 1. Bez.,- Krugerstraße 3. . - .. Ein Preisausschreiben für 'jugendliche Kritiker. Das deusiche Theater von Milwaukee veranstalttzttz nnter hemerkenswerten Bedingungen ein .großes. Preisausschreiben. ,©B, wurden. einige Auf? führungen von . Schillers „Wilhesm" Tell" angesetzt ünd alle jungen Besucher bis zum Alter von 22 Jghren angeregt, in einem'kurzen Aufsatz das in Worte zu fass'eli,'was sie in dieser Vorstellung am tiefsten gepackt hat, eine.Szgne,-Charakter. eM Handlung u-sw. Es wuM--gefordert;' jedern' de'v-;M Mm' WettbÄvddb'r.imnehme, müsse den Eindrucks,wiedergebmtyLlchey-.die-Aufführung auf ihn gemacht habe, und in' ein urteil'! fassen. Die,von Gönnern und Freunden ausgesetzten Preise betrugen 10 bis 100 Dollar. Aus der WMatt de« Puch«. „Tulebendig! Peftalc-zzi." Eine AnÄvahl Ms jemen Wecken. Insammeugeltellt und mit einer Einleitung ve'ychert von Dr. Hermann Schneider (Alfred-Kröner-Berlag, Leipzig). -/ Auch von den größten - Meistern der Veraangenhert auf jevern Geoiet lesen die'späten Nachkommen nicht, alles; sehr wenig; allzu oft, nichts. Pestalozzi wurde -veder in Deutschland noch rm Ausland gelesen. Der moderne Leser konnte sich nur schr schwer durch ' ven Wust ' der ziemlich umfangreiche,: erzah.erven Schriften Pestalozzis, die zum größten Teil Gesellschaftsverhältnisse und -Beziehungen .- aus langst nicht . mehr aktuellen Epochen schildern, zur Erfassung des eigentlichen erziehungsschöpserischen Inhaltes durchschlagen. Doch ist Pestalozzi mehr a.v lesenswert, vieles von seinen Ideen ist heute allerdings sur uns schon selbswerständliche Wirklichkeit, fein Geist herrscht aber doch noch lange nicht überall in der Erziehung vor. Es rst daher ent sehr großes Verdienst des Autors und des Berlages, durch eine zweckentsprechende und sorgfältige AuÄvaihl Dsialo^zi, den Begründer der öffentlichen' Polkä'.chule, den Schöpfer des .-clrbetts- und des Anschauungsunterrichtes, den Vorläuxer 'der größten modernen SchtllreforMbestrebungen für die Gegenwart zu verlebendigen. In der'. Äuszwahl wurde mehr auf dre theoretlschen, allgemeinen und für die Persönlichkeit Pestalozzis bezeichnenden Telle, Gewicht gelegt, was sehr lobenSivert P,' denn nur diese Abschnitte können für-uns heute von Interesse sein. Es ist zum Beispiel s-dr bemerkenswert, daß der Heransgeiber aus oem systematischen Werke Mal.ozzis: , .Me Gertrud, An. Kmder leyrt" gerade den Bekekintulsieil, in dem Pestalozzr den Lebensweg zu feinen Erziehungsidealen schildert und daS Abc der Körperbildung, den Versuch' Pestalozzis, die körperliche Erziehung m das. Ganze der-wissenschaftlichen Elementarbtldung einzugliedern, gewählt hat. Und so wird dieses Buch vielfach zum Ausgangspunkt moderner ErkZichÄngsbestMuttgen/ tli. Walter Hjalinar Kotqs. „Die skalzdinMche Literatur der Geäemvart seit 1870." D l o s k u.r e n - B e r t a g, Wiesbaden., " Nichts ist natürlicher'.als "daß die beiden großen german:- schen Knlturkreise,..der skandinapische mnd der üeul-sche. den Schlu - sel zu einander suchen —, auch aus literarisch-kritischem GÄ>iet. In Deurschlaiid haben-alle bedeutendeir noch,schen Dichter und Wn» ker Heimatsberechtigullg' ^f.anömatoil^e^ ^)l}ßöeu die deutsche gestellt^, zeigt das Äoltsuchertum nne dme. Die gefühlsmäßige' Entdeckung vom fanatischen Hang ins Visionäre, Myst, icke vom Drang »»ach dem Jrratlonellen, vom Streben - nach einer ewigen Wahcheit findet in Kotfls Buch.^ destangung. Gestalten wie Ibsen, Björ.ön Jgcobsen, Sttlndberg Hamiun. Lagerlöf sind aus der deutschen Literatur mcht mchr hmwegzudenken. Bei aller nochischen Bedingtheit Schemen sie m d r Darstellung Kotas im Zusammenbang mit den großen europaffi^n Gristessirölnungen. innerhalb oeren sie Mmare Bedeutuna de sitzen. Was uns Kotas Buch unentbehrlich macht, ist dre.mm erstemnal präzis burchgr'ührte Trennung der eimelnen nordischen Literaturen, der dänischen m.l^r-'iranMscheLl^!^ tieruna. der novivegychen? ihrer Lüsmen P^blematck,^ de schwedischen inihrer erdgebundenen Klacheit. woher StrlNdberg als der dämonische Stern der nordischen Literatur klar ^wnet 16 Lanner M6 Seit« 11 Gerichtssaal^ Sit ae«»reh»Khrige KindesmSrderin. Tic lOjchrige Hausgehilfin Josefine Schleiß gebar Mitte Juli vorigen Jahres an ihrer Ticnslslelle bei einer Zahnarztettsgat.in ohne ärztlichen Beistand und ohire daß jemand davon Kennt nis erlangte, einen Knaben. Sie entschloß sich gileich, das Kiiw zu töten und den kleinen Leichnam verschwinden zu lassen. Sie erwürgte das Kind, wickelte den Leichnam in Papier und Leintuch und versteckte ihn in einem unbenutzten Raum der Wohnung. Eine Woche später schaffte sie das Paket weg, warf es in einen Abflußkanal und bedeckte es mit Steinen. Trotzdem die Schleiß in ihrem Kabinett alle Spuren verwischte, war sie von einer ständigen Angst gequält, daß ihre Drenstgeberi'n vielleicht doch etwas gemerkt haben konnte. Anfangs Oktober glaubte sie, einer Aeußerung ihrer D'.cnstgeberin entnehmen zu können, daß sie von dem Kindesmord wußte. Taraushin begab sie sich zur Polizei und erstattete die Anzeige gegen sich. Gestern hatte sich Josefine Schleiß vor dem Schwurgericht unter Vorsitz des Oberlandesgerichtsrates Dr. Wetz wegen Verbrechens des Kirwesmordes zu verantworten. Die Angeklagtewar vollkommen geständig. Sie war in großer Verzweiflung und vor Schmerz ganz außer sich, sie wußte auch nicht, waS sie mit dem Kinde anfangen sollte. Nach Hause getraute sie sich nicht, denn ihre Stiefmutter habe sie schon als Kind-schlecht behandelt. Der Kindesvater habe sie in einer gräßlichen Notlage verlaffen. Nach beendigtem Verhör sank die Angeklagte plötzlich ohnmächtig zurück.- Ihr Kopf schmetterte krachend gegen den Fußboden. Langsam erholte sie sich aus ihrer Betäubung. Die Geschwornen beantworteten die H a u p 1 s r a g e auf Verbrechen des Kindesmordes mit 11 Stimmen Ia, die Zusatzftage auf Sinnesverwirr'ung zur Zeit der Tat gleichfalls mit 11 Stimmen Ja, erkannten dagegen die Angeklagte der Uebertretung der Geburtsverheimllichunz einstimmig schuldig. Auf Grund dieses Verdiktes verkündete der Vorsitzende zunächst den Freispruch der Angeklagten vom Verbrechen des Kindesmordes. Wegen Geburtsverheimlichung wurde die Angeklagte vorn Gerichtshof zu.zwei.Monaten strengen Arrests verurteilt, welche. Strafe als durch die Untersuchungshaft v erb ü.ßt erschien. Sie r«i>«fahrt in der Reuukirchner Mer. 'Wie erinnerlich, fuhr am 2. September vorigen JahveS in der Neunkirchner' ATIe.e bei Wiener-Neustadt ein Fahrauto der' Taimlcr-Werke an den Steyrerwagsn der Fabvikantenswitwe i2isa-Schr'a.tt.tz'.'än. Der Wagen prallte mit voller Wucht gegen einen an oer Straße fteheüden Baum. Die Wirkung war ein« fürchterliche, der Vorderteil des Autos wurde fast ganz zertrümmert, der ChauWur,,iHKßk.e. des, Stehrerwagens wurde .getötet, Paula Feüchtrnger, die mitsuhr, erlag ihren schweren Verletzungen im Spitals Frau Schrantz wurde schwer und zwei andere Insassen des Autos leicht verletzt. Zur selben Zeit erfaßte das Taimlcr-Auto das 'cMiorrad des Siegfried Jaul, der mit einer schweren "Gchirnerschütterung in das Spital eingeliesert wurde. Dos ' Tannler-Auto das Motorrad des Siegfried J a u l, der mit einer wagen wät mit emer Geschwindigkeit von 60 bis 70 Kilo- Met e r grsahren, das Taimlerauto, das von dem 19jährigen Techniker Richard,Stahl gelenkt wurde und eine Probefahrt, machte, kam in der Mitte, der Straße im Zickzack daher. Stahl hatte sich nun vorgestern in. Wiener-Neustadt wegen Vergchens gegen die Sicherheit des Lebens zu verantworten. Stahl wurde nur wegen, des an dem Motorsahrer Jaul begangenen Zusammenstoßes zu zwei Monaten Arrest, jedcch bedingt verurteilt, dagegen von der Anllage,. den tödlichen Unfall mit dem Steyrerauw verursacht zu haben, freigesprochen. Sowchl der Staatsanwalt wie der. Verteidiger hielten sich Bedenkzeit offen. Sin Bubenkops, ein Fakir aus dem Prater und Ohrfeige«. An einem Apriltag des Vorjahres gab es auf dem Ostbahnhof gewaltigen Lärm. Aus einem Abteil des Zuges Wien—Bruck dräng wüstes Geschimpfe. Die erschreckten Passagiere zogen nach allen Richtungen auseinander, kreischende Frauenstimmen riefen: „H i l f e!" „Mörder!" Es entstand eine regelrechte- Panik. Die Ursache dieser Szene war vollkommen harmloser Natur. In den Zug war nämlich der Artist Gottfried K l i m z mit seiner Freunmn eingestiegen. Neben ihm nahm eine größere Gesellschaft, bestchend-aüs-ämew älteren Herrn und drei Damen, Platz. Der Herr unterhielt sich mit seinen Begleiterinnen, ohne von dem Paar Notiz zu nehmen. Plötzlich erhob sich Klimz, trat auf ihn zu und versicherte, daß er ihm sofort einige Ohrfeigen verabreichen würde, wenn er nicht auf sein Alter Rücksicht nehmen müßte. Der Herr sprang auf, der Schaffner wurde gerufen. Klimz packte dieses Amisorgan bei der Kehle und schließlich wälzten sich alle drei am Boden. Bei der Polizei vechielt sich Klimz vollkommen apathisch und machte den Eindruck eines Traumwandlers. Vorgestern hätte er sich wegen dieses Skandals vor dem Bezirksrichter Dr. Donau zu verantworten. Klimz, ein 28jähriger Mann, entschuldigte seine Tat mit der maßlosen Aufregung, in die er durch eine Acußerung des betreffenden Herrn, der sich Wer den Bubikopf seiner Begleiterin lustig machte, versetzt wurde. UeberdieS habe er im Kokainrausch aehmdelt Richter: Sie schnupfen Kokain? — An ge kl.: Seit drei Monaten nicht mehr. Aber damals tat ich es reichlich. — Richter:.Sic sind Artist. Glauben Sie, daß Kokain Ihrem Beruf förderlich lst? — A ngekl.: Manchmal schon. Gewöhnlich bin ick ein kehr ruhiger, harmloser Mensch. Aber damals war ich ganz von Sinnen. Ich hatte gerade einen „Wüstenritt" hinter mir. — Richter: Wüstenritt, was ist das? — An ge kl.: Das ist ein Fachausdruck unt^r Kokainisten. Wenn man 48 Stunden durchwacht und dabei fortwährend Kokain schnupft, spricht man von einem Wüstenritt. Ich hatte damals in Mi Tagen über sechs Gramm zu mir

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