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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-10 · Heft 2472 (10.1.1926) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2472 (10.1.1926)
Date
1926-01-10
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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fh. 2472 Wen, Sonntag «Weiter 10. Rannet. 1926 Seite 9 Ae Hochwafferkaiaftrovtie. Die Hochwassergefahr hat sich vom Osten Europas nachdem Weste» gezogen. In Rumänien und Ungarn ist die Situation im Abflauen. Freilich bleiben Milliardensch8ven all Folge der Ucberflutung zurück. In Oesterreich und der Tschechoslowakei ist kein größeres Unheil geschehen. Schwer getroffen wurde Deutschland, namentlich das Industriegebiet am Rhein, der an einzelnen Stellen U Meier hoch stieg, gegenüber «ine« Roru alstand vcn drei Metern. Immerhin hat sich die Lage in Deutschland wesentlich gebessert. Frankreich wurde gleichsaVS sehr heimgesucht. England hot eine UeberschNev vunxSkatostrcphe erlebt, wie schon seit 40 Jahren nicht. Mehrere hundert Häuser sind dort zerstört und über 8000 Personenobdachlos. In Belgie n beträgt nach den Schätzungen der Regierung der verursachte Sachschaden über erneMilliarde Franken. Sehr kritisch steht e8 noch in Holland, wo die Gefahr für Städte, wie R o t t e r d a m, noch nicht gebannt ist. Berühmte Ueberschtvemmungen. Die Hochwasserkatastrophe, die jetzt große Teile Europas Überfällen hat und von der uns täglich neue Telegramme neue Schrecken erzählen, zeigt so recht deutlich, daß der Mensch trotz aller Fortschritte der Technik gewissen Naturereignissen nicht Herr zu werden vermag. Die Wassernot ist ein Unglück, von dem die Chroniken aus allen Jahrhunderten der Vergangenheit berichten. Eine solche grausige Hochwasserkatastrophe versetzte 1536 ganz Europa in Schrecken; die Hochwasser von 1613 hatten auf die Befreiungskriege einen großen Einfluß. Im 19. Jahrhundert ift Mitteleuropa verhältnismäßig wenig .von solchen Riesenüberschwemmungen heimgesucht worden; mchr hatte Frankreich zu , leiden. Im Jahre 1875 wurden Welte Landstrecken Sübfrankreichs überschwemmt, Wickel Hunderttausende -von Menschen obdachlos 1 wurden und der Materialschaden gegen 100 Millionen Franken betrug. Besonders durch Ueberschwemmungen gefährdet war.Paris, worauf ja schon das Wappen der Seinestadt hinweist: Ein Schiff auf stürmischen Wogen mit der Inschrift „Fluctuat nee mergitur" ' („Bon Wogen umflutet, doch nicht begraben^. Ein schreckliches Schicksal traf im Jahre 1889 die amerikanische Stadl Jchnstown. Starke Regengüsse ließen den Susque- Hanna-Fluß plötzlich steigen. Das Conemaugh-Tal mlt einer Reihe ausblühender kleiner Städte wurde in einem Umkreis von vierzig englischen Mellen völlig verwüstet; dann brach die Talwand, und die gewalttgen Massermengen trugen die Ueberschwemmung Weller. Die Zahl der Ertrunkenen wird mit 6000 angegeben; es kamen aber noch 1560 Menschen bei der Feuersbrunst um, die in Johnstown merkwürdigerweise 'mit der Ueberschwemmung zusammen ausbrach. - Im Jahre 1887 war China der Schauplatz einer gewaltigen Ueberschwemmung. Die Fluten des Gelben Flusses sprengten ihre Ufer und vernichteten nicht weniger als 1500 große Dörfer. Hunderiiausende von Menschen sollen dabei ums Leben gekommen sein. Auch 1860 hat der Gelbe Strom seine Dämme.durchbrochen'' und ein riesiges Gebiet mit vier Meter hohen Wassermengen überschwemmt. Ter Schaden an Menschenleben und Besitz, der daböi eintrat, kann auch nicht annähernd angegeben werden. Im Jahre 1891 verursachte in Spanien der Amarguillo eine Ueberschwemmung, bei der 2000 Menschen den Tod fanden. Auch Ungarn ist. einmal von einer grauenvollen Hochflutkatastrophe heimgesucht worden, und zwar waren es die Wasser der Theiß und des Maros, die bei Szegedin die Ufer begruben und in kürzester Zeit gegen 9000 Häuser und 2000 Menschen vernichteten. -...- i ranzt mit Handschuhen! In Paris tanzt man mit Handschuhen. Ein: Pariserin, Marguerue Marquise de P o i n t u l l e 8, tritt für diese Mode temperamentvoll ein, deren Nützlichkeit sie folgendermaßen begründet: Es ist selbstverständlich, daß da8 viele Tanzen eine gewisse Transpiration bedingt, und heutzutage, da die Dame ja buchstäblich beim Tanz „von Hand zu Hand" gcht, ist es oft äußerst unangenehm, die Folgen dieser Transpiration spüren zu müssen. Damen oder Herren — es tritt da, wie ich gerechterweise zugeben muß, eine gewisse Reziprozität ein — können sich gegenseitig durch diesen Umstand in hohem Maße verleidet werden, ja es. kann sogar so weit führen, daß eine Dame mit einem Herrn einfach nicht tanzen will — und tanzte er auch wie ein Gott oder zumündest wie Nijinski in seiner besten Zeit —, weil... nun ja, den Grund habe ich ja bereits angedeutet. Umgekehrt ist es vielleicht auch einem Herrn nicht sehr angenehm, wenn eine Dame — ohne Handschuhe tanzt. Dies also die rein äschetische Seite der Frage. Nun konmrt aber eine noch ernstere hinzu und das ist die hygienische. In einem Zeitalter, ün dem so viel von Hygiene die Rede ist, sollte man auch bei einer so ellgen körperlichen Berührung wie es das Tanzen ist, bie Gebote der Hygiene nicht außer acht lassen Man hat getanzt, man hat einem vielleichl ganz flüchtig bekannte»! Herrn (oder einer Dame!) die bloße Hand lange Zöit hindurch gedrückt, man setzt sich wieder an den Tisch, nimmt mit der bloßen, ungereinigten -Hand — werwüsche sich, auch nach, jedem Tanze- — ein Stück Backwerk und führt es zum'Munde. Wie viele- Bakterien schluckt man da gleichzeitig mit der Süßigkeit hinab, Bakterien, die vielleicht Verheerungen, .anzurichten Imstande sind- Man sage »licht, daß ich hypochondrisch sei, daß man nichts vom Leben habe, wenn man immer uyd unentwegt an alle Möglichkeiten denkt, denen man ausgesetzt ist. Nein, daS wäre unrichtig, denn in dem speziellen Fall, den ich im Auge habe,'gibt es ja ein so einfaches Vorbeugungsmittell: Man tanze eben »vieder mit Handschuhen! Oder mit einem Handschuh! Es genügt, wenn der Herr die linke Hand bekleidet hat, die Dame die rechte, es sicht, wie ich schon früher erwähnte, bei weitem eleganter und hübscher aus, besonders zum Abendanzug, und alle die Uebelstände, von dem» ich früher gesprochen habe, sind mit einem Schlage auf die angenehmste und — schickste Weise beseitigt. Wenn dis Geldftage eine Rolle spielt, müßten es ja nichl unbedingt weiße Handschuhe seinl Möbelfabrik J. Spira Feine ® Wild. III. MMWM |—2 Wohnungseinrichtungen (Ecke Karl-Sch weighoier-üasse) Sara Torczyner Salomon Weiner Wien Aihwerptn Verlobte Hervorragend bewährt zur Bekamvfuna rheumatischer, I aichtlscher, nervöser Schmerzen Sie Slrfaag tritt aamlLtftar ehf Äelae MattlX«; «ebea»ir»aapea. - in«erzttlch Miben» beftaiachte«. - 3« allen «p»,»,«»-«. mmamrn mETOM DIE WELT KAR Kl TPETOPN ÖEGlSTß MAß* Knnz. Rus'untßi Providern* Tel. 42-301, gegr. 18.9, n„ Praterstram 26 ln-, Ausland und Uebersee. Auskünfte und Spezialinfoi maiionen. KUNSTMÖBELFABRIX 52t JOH. 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DIE ZAUBER 1 i» VON KASTILIEN Leinen 8 9 — klntz E'zLhiung. die die Greuel der heiligen Inquisition schildert und bunte’ Strc l»ch'er aut das Leben »m mittda terlfchen Rom wirft. DER ELEKTRI SC HE ST U H L Leinen 8 9.— Das tragische Schicksal eines unschuldig verurteilten New-Yorker Bankers. Buchhandlung R.Löwit.Wlen, I., Flelschmarkt 1 Rotenturmstr.asse 22 JÜDISCHES KUNSTLERKABARETT pr»tOrttr»«e so / Leite»: Max Streng Heute ifi9 Uhr abends REBEKA Operette von Schenkewitz Voktlieders&nger Solo -Tänzer / Die kleine So o-7'änzerin „OLGA" Dienstag den 12. jSnner /. J. Auf allgemeine» Verfangen! DIE RUMÄNISCHE CHASYNE « SeltiftmorDtierfuif) ZiUa Durietts*. Die Bulltzttng gering-8gig. Berlin, 9. Jänner. (Tel.-Komp.) Wie die „Boffische Zeitung' mitteilt, hat die Witwe Paul C a s s i r e r s, Tilla Durieux. heute abendS in einem Luxushotel Unter den Linden etnen Selbste Mordversuch unternommen. Ter Versuch ist jedoch mißlungen. Ihre Verletzungen sind gering. vine Lenkickrlft Wilhelm« ». gegen den „ifiDifdjen Sott Sötte". Der bekannte katholische Publizist Dr. Alphons Steiger hat vor kurzem eine Neuauflage seines vielgenannten Werkes „Der neudeutHe Heide im Kampf gegen Christen und Juden" erscheinen lassen. Darin veröffentlicht er eine als „Denkschrift" bezeichnetc Abhandlung Wilhelmsdes Zweiten über die Neugestaltung des Glautens'ebens, die zuerst in der weit rechtsstehenden „Weltrundschau" abgedruckt worben ist. In dieser Denkschrift äußert sich der frühere Kaiser über die Juden und ihren Glauben unter anderem wie folgt: „Es wird jetzt viel geschrieben und gestritten über die Quelle»» des Urchristentums; über die Rolle des Judentums in unserer Religion ... Auch des Herrn Person wird in den Streit gezogen. Die einen weisen nach, er sei unzweifelhaft ein Semit, müsse es sein. THe anderen beweisen, er könne kein Semit gewesen sein, sondern ein Arier... Ich für meinen Teil deM etwa wie folgt: Vor allem »nutz gründlich gebrochen werden mit . dem Glauben, der Jade der Juden sei unser Herrgott. Das ist der Grundfehler, daß Luther' ihn mit „Herr" übersetzte, statt elinfach Iave zu lassen ... Als die Juden durch die Gefangenschaft nach Babylon kamen,, da haben sie als Monotheisten ein Greuel an dem dort blühenden Götzendienst gesunden. Eine große Freude mußte es ihnen sein, als sie mit den Persern bekannt wurden und von diesen die monotheistischen Lchren Zarathustras erführen... Tos faßte Jesajas aus und schuf nunmehr den alten, streng jüdischen Spezial- und Lokal-Gott mit all seinen rein jüdischen Eigenschaften des Zornes, Rachsucht usw. den alten Jave um in ein GebiDe nach dem des Zarathustras diesen Gottvater Jave nennend. Abex der wichtigste Grundsatz in der Lehre des Zarathustras..'. war. der Glaube an das-Kommen des Heilands — oder der Heilande."Des' Sohnes der Jungfrau ... Darum sind die Juden nicht unsere Relligionsvorläufer, sondern Zowaster mit den Persern, also Arier! Die Denkschrift schließt: Demnach muß das Judentum und das „Alte Testament" für uns Wohl reltgionshistorisch als wichtig angesehen werden, aber nicht als religiöse Vorläufer des Christentums, mit dem es nichts, gemein hat." Wilhelm der Zweite empfiehlt, alle rein historischen Bücher, die nur Schilderungen der jüdischen Volks- und Sittengeschichte enthalten, aus der Bibel auszüschneiden, denn diese gehören nicht in - ein deutsch-protestantisches Religionsbuch. Die Denkschrift klingt in den Ruf aus: „Also los vom Judentum und seinem Jave!" Türkische Gevslogrnhetten. Mustafa Kemal zwingt seine Türken, den Fes mit dem Hut zu vertauschen und hofft sie dadurch in Europäer zu verwandeln. Es ist nicht unmöglich, daß der Hut einen leichten Einfluß hat auf das, »vas darunter sitzti Aber jedenfalls war der FeS das Harmloseste, was bisher den Türken vorn Europäer unterschied. Schlimmer ist die Art und Weise, wie der Türke alle nichttürkischen Völker bchandelt, die keineswegs Fremde sind, sondern länger im Lande wohnen als di-e Türken sellbst. So wurden 1915-1916 800.000 Armenier aus ihren Dörfern vertrieben, die Männer umgebracht, die Frauen, |otoeit sie nicht däs Schicksal ihrer Männer teilten, unter der mohammedanischen Einwchnerschast verteilt, wo sie.als Sklavinnen oder Chefrauen'eingesperrt wurden. Die Kinder wurden in Maiseichäuser gesteckt, und wie früher die Janitscharen in türkischem Geiste, erzogen. .Die kleinen Armenierinnen übernahm in diesem Sinne die türkische Schriftstellerin und Rassenfanatikerin Halide Mb Hanum. Ob sie den armen Kinder»; mit ihren Theorien die geraubte christliche Mutter zu ersetzen vermochte, ist, gelinde gesagt, zweifellhaft. Eine vom Völkerbund veröffentlichte Enquete aus dun Jahre 1921 stellte fest, daß 73.000 armeitische Waisen in türkischen Anstalten auf türkisch großgezogen. wurden, und', eine dänische Missionärin, Frl. Jeppe, schätzte 1923 die Zahl arinenischer Frauen und Kinder in moskimischen Häusern aus 5000 bis 6000 im französischen Mandatsgebiet und 30.000 im tür kischen Grenzgebiet. Dies alles ist auch schon bekanntgegeben worden. Aber man muß es ab und zu wiederholen. Denn vie Türken pflegen diese Tatsachen glatt zu leugne» und finden immer in allen Ländern Leute, die scheinbar oder, wirklich ihren Lügen Glauben schenken. So weilt gegenlvärtig die erwähnte türkische Schviststellerin in England. Mt dort Vorträge, wird sehr gefeiert und »venn man sie »vegen der oben erwähnten, hundertfach sestgestellten und nie widerlegten Tatsachen zur Rede stellt, behauptet sie dreist;, daß nichts Wahres daran sei.

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