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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-10 · Heft 2472 (10.1.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2472 (10.1.1926)
Date
1926-01-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wiener Morgenzeituna 10. Jänner 1926 Leite - »O Gv" AttUMk» STRtNÖ MODERNER WINTER-RESTBESTÄNDE VORNEHMER MÄNTEL,KUIMR,KOSTüMf,PEßE. toVIUURZF ZEIT! NIF WimRICWREN« ENGL GENRE ENGL GENRE SCHILLING SCepe SCHILLI s «v. v GAßARDlNX < OST UM E. ' 'IvSCHILLIN ANTEL L \SCMIUiN6/l i STOPF HOBElt MANTEL CHILLIN ILLING HANPCtSTICKTE Htm SCHAf WOLLE ENOtWE AUSWAHL HERRLICHER aBEND‘0./STOFFmi0ERal,s7r- BALLTOILETTEN IN JEDER PREISLAGE MODE M ANTEL PULLOVER MODEN PAL AI S r 8ACKFISCHTAN2 KLEP OER. IN GRÖSSTEfC- AUSWAHL SPOTTBIUI6. Nr. L47S _Men, Sonntag 11.000 Stück hat Prinz Ludwig Wmdischgrätz am 23. De- . gember in seinem Budapester Palais in den Ofen geworfen und verbrannt. Kein Heller für „patriotische" Zwecke. Aus den bisherigen Erhebungen geht hervor, daß für die von den Verhafteten ständig vorgeschützten patriotischen Zwecke kein Heller zugeflossen ist. Der Leiter des Kartographischen Instituts verhaftet. Wie „Uij Nemzedek" meldet, hat die Polizei den Leiter des Kartographischen Instituts, Alexander Kur tz, verhaftet, da er im Verdachte lsteht, von den Fälschungen gewußt zu haben. Feldbischof Zadraveez. Älach dem „Nyolcz Orsi Ujsag" haben mehrere Beschuldigte ausgesagt, daß Fcldbischof Zadraveez — was er übrigens bei seinen! Verhör zugegeben hat — von den Frankenfälfchungen wußte. Angeblich fei es iZadravecz gewesen, der sämtlichen Beteiligte»» den Eid abnahm, daß sie u n t e r a l l e u U «in st ä n d>e n s ch w e i g e n nud n.iemals ihre Genossen verraten würden. Die Frage, ob .Zadraveez als Feldbischof den Ni i 1 rtärgerichteu unterstehe oder, -da er seine Bezüge ans dem Budget des Kultus- und Unterrichts m i n i st eriu m s erhält, den Zivilgerichten verantwortlich sei, soll heute abends entschieden werden. Main verteidigt Winvischgräh. Prinz W i n d i s ch g r ä tz hat außer dem Rechisünwalt Dr. D ahn e r auch den Abgeordneten Dr. Ulai u mit seiner Verteidigung betraut. Ein prinzlicher Koffer mit den Siegeln der Wiener ungarischen Gesandtschaft. Die in SarosPat'ak durchgeführten Untersuchungen förderten auch einen kleinen Koffer der Prinzessin Windischgrätz zutage, der.mit den Siegeln der Wiener ungarischen Gesandtschaft versehen ist, der jedoch nach Angabe des Personals angeblich noch aus der Zeit bor dem Kommunismus stainrnt, als die Prinzessin aus Wien nach Sarospatak reiste und den Koffer versiegeln ließ. Die französischen Emissäre haben Budapest verlassen. Der Oberkontrollor der Bank von Frankreich, Jules Emmery, teilte heute der Oberstadthauptmannschaft mit, daß die französischen Emissäre heute Budapest verlassen. Vorstellungen des demokratischen Blocks bei Bethlen. Gegen die rassenschüßlerische Presse. Die «bürgerlichen Parteien des demokratischen Blocks traten gestern abends -zu einer Besprechung zusammen, in der beschlossen wurde, an den Ministerprälsid-enterr eine Denkschrift zu richten, in der es heißt: „Die bürgerlichen oppositionellen Parteien, die die Erklärungen des Ministerpräsidenten, daß die Schuldigen ohne jede Rücksicht ausgesovscht und unnachsichtlich bestraft werden sollen, mit Beruhigung entgegennehmen, müssen nun Augenzeuge dessen seilt, daß die Presse der Rassenschützler einen unerhörten Feldzug gegen jene Presse führt, -die die -erbarmungslose Fortsetzung der Untersuchung bis zur restlosen Aufdeckung des Verbrechens fordert. Das ist eine schwer e Verletzung de r Rechtssicherheit, die zur Untergrabung unseres Kredits t m A u 's- Auch Jerusalem wächst. Von Dr. E. M. Zweig, Jerusalem. Was redet ihr immer wieder und wieder nur von Tel- Ä'.viw und st'ncr anu'rikani.'chen Entwicklung? Biette'cht weil jeder, drn Bahn odkr Schuss ni das Land bringt, mit der Nase darauf stößt. Höchstens wißt ihr noch von Haifa ivas auszusagen, dem künftigen Haupthafen im östlichen Mittelmeer, oder von den neuen Dörfern im Emek mit ihrer frischgebackenen „Metropole'' Afule. Noch aber haben tvir, gottlob, eine Hauptstadt, eine lebenpulsende, lebenspendende Hauptstadt, die Habira Jeruschalajim. Ja. ich tveiß, ihr neigt euch vor ihrer historischen Größe und anerkennt gern, daß die wunderbare Lage der mauerumgürteteu Altstadt auf hochragender Tribüne ihrer würdig ist. Und ihr möchtet das heilige Jerusalem mit all seinen Kirchen, Moscheen und Tempeln voll pietätvoller Ehrfurcht als Altertumsmustum betrachten, umhegen und beiseite stellen. Frei nach Herzl, der uns Zionisten das riet, aus Mißvergnügen über persönliche Erlebnisse und atts zager Sorge vor religiös-politischen Reibungen. Doch seit bem Tode Herzls, unseres Pioniers, ist so manches geschehen: Die Balfour-Deklaration, welche uns Palästina als nationale Heimstätte erschloß. Dann die Tat Usiischkins, der als Obmann des „Waad Hazirim" Jerusalem faktisch zur Hauptstadt Erez Israels erhob, inde»n er die zionistischen Aemter hierher verlegte — den Behörden der Mandatmacht zur Seite. Und Weizmunn krönte das Werk, da er a»n Skopus die Hebräische Universität und hiermit Jerusalems Anspruch begründete, das geistige Zentrum des Jischuw, ja, des Weltjudentums zu werden. Ter große Auf,chwung welchen die neue Aera des Mandats — trotz allen! — unserem Lande sicher gebracht Ijat, er hat auch das Tornrößchen Jerusalem ivachgeküßt Es ist mir vergönnt, nrich Bürger von Jerusalem zu nennen. Nach ein Paar Monaten Auseilthalt in Europa beimlande führen und dort den Anschein erwecke»» muß. als Würde man in Ungarn -dir 'Affäre als eine nationale Sache betrachten und als wären die Verbrecher Nation al h.e l de n, jene aber, die nach der Wiederherstellung des moralischen Ansehens in diesem Lande rufen, genreine, gefährliche Bösewichte." Die Denkschrift wendet sich sodann gegen das Verbot des ,-Bilag" u»rd erklärt »schließlich, daß die -bürgerliche Opposition von der Regierung die rücksichtslose Bestrafung aller Schuldigen fordere. Wie die Blätter melden, erklärten die Vertreter des demokratischen Blocks, die heute mittags beinr Ministerpräsidenten vorsprachen, ZeitungsberichteHattern gegenüber, daß sie von der An two rt, die ihnen der Ministerpräsident erteilt habe, nicht befriedigt seien. Bethlen geht ans die Jagd. Mnisterpvästdent Graf B e t h l e u begab sich am Abend nach Mezöhegyer zur Jagd und kehrt Montag früh nach Budapest zurück. gekehrt, muß ich staunen, was sich in dieser kurzen Spanne Zeit hier alles gewandelt! Immer wieder pilgere ich durch die Straßen, treppauf, treppab, schaue und erkenne: Der Fahrdamm von »nodernen Wasserwagen der Belladie (Munizipalität) besprengt. Der Bürgersteig breiter und gepflegter. Hier und dort zieht sich durchs Gewirr von Häusern und Höfen ein nengebahnter Weg. Art den Ecken geschmackvolle keramische Tafeln mit veritabelu Gassennanml in den drei Landessprachen. Am Platze vor dem Postamt ragt in blendendem Weiß der schlanke Uhrturm, der früher das altersgraue. Jaffator verunstaltet hatie, und zeigt — oh Wunder! — pünktlich die Zeit. Ans Schuttstätten erstehen Häuser und drüben wird ein Stockwerk aufgesetzt. Aus den Schaufenstern der unteren Jaffastrabe strahlt eine ungewohnte Fülle Licht und zeigt, daß die Läden reiner, die Ware»! besser und reicher, die Anordnung geschmackvoller geworden. Ueber bcu Hoteleingängen Transparente. Und überall Bewegung, drängendes, quellendes Leben. Nein, ich will mich nicht in Details verlieren mit> nur von dem einen berichten, wie die Neustadt Jerusalem anßerhalb der Mauern ins Weite wächst. Schon beträgt das neue Gebiet das Zehn- und Zwauzigfache der Altstadt. Vertreter jeden Volkes und Glaubens uehnten au diese»»» wahre»! Aufbauwerk teil. Die muslimischen Araber sind attch hier an» wenigsten regsam, ihre Volksgenossen der verschiedenen christlichen Riten zeigen sich schon viel tätiger, und noch n»ehr die Deutschen und die Griechen. Ten Vogel aber schießen, »vie anderlvärts im Lande, die Juden ab. Die schönsten Bauten sind es freilich nicht, die da für sie erstehen. Ja, bisher galt es als Regel, daß ein Haus, je dürftiger und häßlicher es ist, desto sicherer einem Inden gehört. „Arme Leute ulüssen eben mit Wasser kochen." Doch auch das wird besser. Darauf wirkt vor alle»»! der nationale Ehrgeiz der Juden hin. Traf ich neulich im Quartier „Talbije" einen schmächtigen, armseligen Jemeniten, der mich, den er als Juden erkannte, be- Berichterstattung der jugoflawiichcn und tschechoslowakischen Gesandten. Belgrad, 9. Jänner. Der jugoslawische Gesandte irr Budapest, Popovi e, ist unerwartet in Belgrad eiugetroffen. Er HMe mit dein Außenminister N i ncic eine längere Besprechung, wobei er ihm eingehenden Bericht in der «Geldfälscherafsäre erstattete. Auch der tschechoslowakisch e Gesandte wiro in derselben Angelegenheit mit dem Außenminister eine Unterredung haben. Eine Verhaftung in Kaschau. Kaschau, 9. Jänner. Die hiesige Polizei hat den an der ungarischen Geldfälschungsaffäre in hohem Maße beteiligten Vetter Marrkovichs verhaftet..Nähere Einzelheiten über die Verhaftung »vnrden nicht ntitgeteilt. Vereitelte Hausdurchsuchung bei Jankovich. Aus Preßburg wird gemeldet: Die tschechoftolvakischn Behörden haben in der Wohnung des in Holland verschwor, hier Umschau zu halten, wie schön die Areliru. bauen: „Viel schöner als wir in Tel-Awiw!" Er selbst hatlft im Elendsquartier Mea Schearin». Die Judenpaläste, von beiten er träumt, sind nicht für ihn bestimmt, doch er fühlt sich solidarisch. Den stärksten Drang zeigt die Stadt nach Süden, wo der Bahnhof liegt, nach Westen längs der obere»» Jaffastraße nud nach Südwesten, gegen das Christenstädtchen En skarem zu. Als ich am ersten Sabbatmorgen »«einer Wiederkehr mir Frau und Kindern den gewohnte»! Spazierweg z u m Kattamon ausstieg, der die Sommerresidenz des griechischen Patriarchen trägt, und vorn Rande des Zypresse»chaines zur Stadt zurückblickte, Lot sich rnir ein ganz verändertes Bild. Früher lagen da . kleine Gruppen von Bitten zerstreut. Jetzt waren die Lücke»! hier und dort ausgefüllt, die Häuser hatren sich enger zusammengeschlossen und — was das Erquicklichste schien — überall sproß zwischen de»n Weiß der Kalksteinmaueru und dem Rot der Dächer frisches Grün aus ivohlgepflegteu Gärten. Und doch hatte der Somrner kau»n seine heiße Hand von dem verdorrten Land gezogen. Dort drüben vom Hügel beim Johanniterkloster grüßte gar kokett ein dichtes Wäldchen, dessen keimende Anfänge ich früher übersehen hatte. Was war da alles vorgegangen? Seither trieb's »nich von Gupf zu GuPf, damit ich diesen Wandel Jerusalems voll erfasse. Wahrlich, »»tan braucht nicht kriegerisch gestimmt zu sein; doch beim Anblick der Häuserzeilen, die von der Stadt her in Tal und Höhen nach der Landschaft zu Vordringen, ist's einem, als wären da feindliche Kolonnen auf denr Marsch, begierig, einander zu überflügeln, abzuriegeln und zu umfassen. Bor das katholische Kloster Ratisbonue, das hoch über der Stadt thront und selbstbewußt zu den grünen Kuppeln der Russenkirche hinüberschaut, schiebt sich das neue jüdische Viertel Rechawia. Die schmucken Steinhäuser fußen aus dem

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