Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2472 (10.1.1926)
- Date
- 1926-01-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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SM I W-n, TrmMtz Oeskays Bubikopf-Haarschnitt ist Konst, sein Hinne- Haarfitben das Beste, seine Dauerwellen etnsig IX.» Wtthringerstrasss Nr. IS hafteten Frankenfälschers Jankovich in einem Ort bei Neutra eine Hausdurchsuchung vorgenommen, die jedoch ergebnislos verlief. Die Kommission fand den Schreibtisch JankovichS geöffnet. Es wurde festyestellt, daß die Mutter des Jankovich die Schreibtisch lade geöffnet und den Inhalt derselben ansick genommen hatte. Auch das Tagebuch, das Jankovich führte, konnte nichtvorgefunden werden. Die Erhebungen in Wien. Hier wurden die Warnungstelegramme anfgegeben. Die Nachforschungen der Wiener Polizeibehörde in -er Fälschungsaffäre wurden veranlaßt durch eine Zuschrift der Amsterdamer Zentrale, in welcher das SicherheitS- Lureau als Zentrale zur Bekämpfung von Geldfälschungen von der Verhaftung dreier, nicht mit Namen bezeichneter ungarischer Staatsangehöriger in Amsterdam verständigt wurde. Nach den bisherigen Fest, stellungen ist in Oe st erreich nicht ein einziges Falsifikat aufgetaucht. Auf Grund ergänzender Auskünfte, die die vor einigen Tagen in Wien eingetroffenen französischen Funktionäre zu geben vermochten, »vurde festgestellt, daß von einem Postamte im ersten' Wiener Gemeindebezirk am 17. Dezember 1925 vormittags vier Telegramme ins Ausland abgefertigt Warden waren, deren JnhaU verdächtig erschien. In diesen Depeschen, von Lenen eine nach Amsterdam, zwei nach Kopenhagen und eine nach Mailand gerichtet waren, hat der Absender den Adressaten aufgefordert, „jede weitere Tätigkeit cinzustellen und sofort nach Hause zurückzukehren." Das Amsterdamer Telegramm war gerichtet an „Georg M e tz", welchen Namen sich bekanntlich der dort verhaftete Georg M a n k o v i ch beigelegt hatte. Die beiden Kopenhagener Telegramme waren an einen „Dimitri O l e s ch a k" gerichtet. Das eine von ihnen enthielt die Mitteilung, daß „K. Jankovich auf der Valutenbörse einen Krach erlitten habe". Der Adressat Olleschak wurde von der Hamburger Polizei kurz darauf verhaftet und als „Edmund O l ch v a r y" identifiziert. Als Wiener Absender der Telegramme wurde ein Reisender festgestellt, der am 17. Dezember in einem Wiener Stadthotel um 7 Uhr früh eingetroffen tvar, sich nach dreistündigem Aufenthalte aus dem Hotel entfernt hat und nicht mehr zurückgekehrt ist. Er hat sich im Hotel als Johann Ol ah gemeldet. Eine Protestverfammlung ln Pnvis. Paris, 9. Jänner. Die hier weilenden ungarischen Republikaner kündigen für morgen eine Versammlung an, in der sie gegen die Fälschungen französischer Banknoten protestieren wollen. Verschärfte tschechoslowakische 9re»)(MtolU gegen Ungar». Prag, 9. Jänner. (Tel.-Komp.) In de« letzten Tage» wurden die Kontrollmaßnahmen in den Grenzstationen zwischen der Tschechosloivakei und Ungarn verschärf:. Die Pässe und V isa werden sehr streng kontrolliert und alles Gepäck der Reisenden wird genau untersucht. Große Aufmerksamkeit wird dem Pendelverkehr und jenen Personen gewidmet, welche ihn zum öfteren Ueberschreuen der Grenze benützen. Die Ber'chärsung der Grenzkontrolle wurde besonders für die Grenzstationen des Karpathengebietes verfügt. Boden, welchen Nationalsonds und P. 8. D. C. Vox vier Jahren dem griechischen Patriarchat abgekauft haben, Unfc ''chon ist der alt« Flurname Djindjiria fast in Dergrssenhrit geraten! Doch die Griechen revanchierten sich. Auf dem Hügelrücken, der südlich Rechawias weiterzieht, haben sie eine neue Kolonie, eben jenes Talbije, hingestellt und. wie es heißt, kürzlich den Rechawianern einen großen Komplex, den diese zur „Ausbreitung" dringerch brauchten, beim Patriarchen weggeschnappt. Talbije, dies die arabische Berston unseres Talpioth (d. h. schöner Hügel), reckt sich nun nach allen Seiten, besonders dem Süden zu. Die alte deutsche Templevkolonie, die dort, von Alleen und Gärten geziert, im Tal Rephaim liegt, sah die Umzingelungsgefahr. Rasch suchten die biederen Schwaben durch Zubauten nach hinten hinaus den Hügelrücken zu erklimmen. Aber die Griechen kamen ihnen doch zuvor. Schon haben sie oben herum die Verbindung zur „Griechischen Kolon'-", die sich weiter draußen vor der Templersiedlung lagert, hergestellt und chre Häuschen kriechen den Hügel entlang, vorläufig bis zum Kattamon, weiter. Doch Aug' in Auge mit dem griechischen Kattamon haben, auf dem Berghang östlich der Straße nach Betlehem wieder die Juden Posten bezogen. Hier liegt Talpioth, schon drei Jahre alt, mit 48 fertigen Häusern und ihrer 20 im Bau und mit viel Grund, der noch zwe' Kilometer südwärts reicht. Das Verblüffendste aber ist die Entwicklung einer anderen jüdischen Borstadtstedlung. die recht weit draußen un Tal zwischen der. beiden Hügelketten längs der Bahnstrecke entstanden ist. Makor Ehajim (die Quelle des Lebertt), vor einundeinhalb Jahren von Orthodoxen auf Nationalsondrboden begründet, reicht nur mit seinen fünfzig einfachen Beton- und Ziegelhäuschen bis nahe ans nächste Araberdorf Beth Sefafa. Und ringsum haben die Kolelim und andere Juden neuen Boden zugekauft. Auch hier der Keren Kajemeth als Schritt- W&tl Atz H auf WjoeK FoMerjWtW dW über m den Keren Hajeslod. Die breite jüdische OeffentliOeit ist über den verheißungsvollen Aufschwung der jüdischen Siedlung in Palästina unterrichtet. Es ist ein Werk der Errettung und Erneuerung des Judentums durch jüdische Arbeit auf palästinensischer Scholle, welches jüdische Pioniere mit heroischer Hingabe durchführen. Die Mittel, we che dem Finanzinstrument des Aufbaues, dem Keren Hajessed, zur Verfügung stehen, reichen aber nicht hin, um die Errichtung der jüdischen Heimstätte mit der notwend'gen Beschleunigung durchzuführen. Das Londoner Direktorium des Keren Ha'essod hat sich nach vorn 14. Zionistenkcngreß an di« gesamte Juknheit mit dem Appell gewendet, in diesem Jahre für den Keren Hajessod den Betrag von einer Million Pfund Steriling aufzubringen, welcher erforderlich ist, um die gesunde Entwicklung de'S SiedlungSwerkeS zu gewährleisten. Der Keren Hajessod sorgt für die Ausbildung der zukünftigen Einwanderer in Landwirtschaft und Handwerk, verpflanzt sie in das Land, gewährt ihnen Kredit zur Anschaffung des lebenden und toten Inventars, zmn Häuserbau und zur Betriebsführung in den ersten Jahren. Der Keren Hajessod erhält gegenwärtig 43 landwirtfchaf^'iche Medlungen. Sr fördert die städtische Siedlung, Handel und Gewerbe und die Entwicklung der Industrie durch Kreditgewährung. Er hat die allgemeine Hypothekenbank gegründet. Das San'täts- und Schulwesen wird vom Keren Hajessod erhalten. Die österreichische Keren-Hajessod-<Konnnission hat b schlossen, di« Aktion, durch welche eine möglichst große Zahl der Juden dieses Landes und insbesondere der großen Judengomeinde Wiens für den Keren .Hajessod gewonnen werden soll, in verschiedenen Zeitabschnitten bezirksweise durchzuführen. Sie erhofft sich durch W-erbe- -arbeit im engeren Kreise den gewünschten Erfolg für die große Sache. Im zweiten Wiener Gemeindebezirk wird die Aktion im Laufe des Monats Jänner durchgefüihrt, und zwar: Im Praterspreugel in der Zeit von heute bis zum 17. Jauner. I« der übrigeu LeoPvldstadt irr der Zeit vom 17. JSmrer bis zum 30. Jänner. An alle Juden, die in diesen Stadtteilen wohnen, ergeht hiemtt der Aufruf, dem Keren Hajessod die finanziell« Last des Aufbaues tragen zu helfen. Das jüdisch« KolonisattonSwerk in PalSsttna dient allen Jude» und die gesamte Jndenhett tragt die Verantwortung für das Gedeihen der jüdischen Heim-, die unter der Aegid« des Völkerbundes i« Palästina errichtet wird. Bringt Opfer nach Euren Kräften. Das Präsidium der österreichischen Keren- Hujessod-Kornrnission. Beth Sesasa erstieg zu dem arabischen Haus, das wie eine Warte auf Jerusalem ausschaut, schallte mir das „Zchalom" entgegen. Dort sitzt, wie ich nun erfrug, di« „Plugath En Charod", ein« von der Emekkolonie dieses Namens abgezweigte Arbeitergruppe, die den Steinbruch drunten im Dorf abbaut. Und von dieser Warte aus fleht man. wie im Rücken des Kattamon auf einer anderen Hügelivell«. die weit oben von der Jaffastraße abzweigt, eine respektable Häufergruppe vorwärts strebt: weder südliche Posten: Beth Hakerem. gleich ,/rltehrwürd'rg" wie Talpioth, und ringsum einige Schtvester- und Tochterskdlurigcn, zusammen an 200 Häuschen. Brr Giweach Schau! und dem gewaltigen, noch unvollendeten Bau des Waisenhauses Diskin kehren wir zur oberen Jasfastraß' zurück. Doch nordwärts von ihr, am Berg, weithin im Kreist sichtbar, blinken dre Marmorbauten einer weiteren jungen Judensiedlung Rymema. Und zur Stadt rückgenxmdt. n spannendes Bild. Rückwärts im Felde das berühmt, hochgetürmte „Syrische Waisenhaus" des Protestanten Schneller mit einem Billenkarre germanisierter Araber ringsum (auch das gibt es hier!). Und wie gegen ein wohlumhütetes Schlachtschiff die Torprdoflolllllen anrücken, so hier von der Jaffastraße her die ebenerdigen Schablonenwürfel der Judensiedlungen „Schaare Zedek", „Kerem" und „Machne Jehu da". , Doch glaube keiner, daß diese Aufzählung neuer Bi.'rtel vollständig ist. Wer das sucht, studiere wi« Liste der Stadtspreiigal für die om 6. Dezember durchgeführten Wahl zur Assesath Hanirvcharim? Auch soll mich keiner Lügen strafen, wenn er diese und jene der obengenannten Ichchunoth auf den Jerusalemkarten nicht findet; nicht auf denen seines „Baedeker" oder des jüngeren „Meyrr". und nicht einmal a.'j drnen unseres „Br^ß". Das neunte J-rcusalem liegt eben EM jenstitz des Kqrtermmdesl 10. «W»««r IM Nr. »m Fälschungen in aller Welt. Falsche tschechische Tausenve*. Prag, 9. Jänner. In Prag wurde ver Fleischer Gr«» gorovic verhaftet, der tschechische Tausendtronenscheim fälschte. Als Mitschuldige wurden Frau und Tochter verhaftet. ES wurden bei ihm 2 9 F a l s i f i k a t e gefunden. Gregorovic wurde verhaftet, als er zwei solche Schein« anzubringen versuchte. „Ceske Slovo" meldet, daß eine Filmgesellschaft mit Afta Nielsen an der Spitze, die im Jahre 1921 Prag passierte, neue tschechoslowakische 500-Kronen- «ölen verausgabte, welche sich nachträglich als gefälscht erwiesen. Die Polizei konnte der Gesellschaft nicht habhaft werden, weil sie inzwischen nach Agram äbgereist war. Panik in Belgrad. —- Die falschen IVOV^Dinar- Noten. «elgrad, 9. Jänner. In der DinarfäkschungSangekegen-' heit sind bisher in Agram 14 Personen verhaftet worden. Ta gewisse Spuren in dieser Angelegenheit nach Deutschland zu führen scheinen» ist der Belgrader Polizeichef Lazie gestern aberws nach Deutschland abgereist. Weitere Einzelheiten werden zu der DinarsälschungSaffäre nicht belanntgegeben. Die Nachrichten aus Budapest über die Franikenfälschungsaffäre sowie die Ergebnisse der Untersuchung in der Angelegenheit der Dinarfälschungen haben in ganz Jugoslawien eine Panik hervorgerufen. Fast überall »m Verkehr werden die Tausenddinarnoten zurückgewiesen. Die Nation albank beabsichtigt, die jetzigen Tausenddinarnoten aus dem Verkehr zu ziehen und neue Noten drucken zu lassen. Die Budapester Ereignisse werden mit dem größten Interesse verfolgt. Fast sämtliche Blätter haben Spezialkorrespondenten nach Budapest geschickt. Die Belgrader Presse schreibt in ziemlich scharfem Tone gegen die ungarisch« Regierung. . Auch in Spanien. Paris, 9. Jänner. Wie das „Journal" aus Madrid meldet, hat die dortige. Polizei eine Falschmünzerwerkstätte aufgedeckt. Sie fand eine Kupserplatte zur Herstellung von H u n d e r t P c s e t a n o i e n sowie zwei Kupferplatten zur Herstellung von Fünfhundert- P e s e t a n o 1 e *, und eine m oder neD ruckerpresse. Ein Bewohner . $ betreffenden Hauses, der anscheinend gewarnt worden w.rr, ist seit einigen Tagen verschwunden. Militärische Akte» geftohle«. Prag. 9. Jänner. (Tel.-Komp.) Wie aus Preßburg gemeldet wird, wurde am 27. Dezember in der Kanzlei deü . Kommandos der 10. Division inNeusohl ein Einbruch verübt, wobei militärische Akten entwendet wurden. Die Untersuchung führte zu. dem Ergebnis, daß gestern der Chef der Militärpolizei und Spionageabteilung, Kapitän Brba sowie einige andere Offiziere verhaftet wurden. Einige Offiziere sollen sich .durch Flucht in Sicherheit gebracht haben. „Sie wirtschaftliche Rot «ad der Mische Mittelstand." lieber Einladung der Zionistischen BeziMektion für di< westlichen Bezirke w'rd über dieses'Thema Gemeinberat Doktor Leopold Plaschke.s Dienstag den 12. d. im Saale des Vereins« Heims, 8. Bez, Bennoplatz 1, einen Bortrag halten. Für die Diskussion sind die Herren Bezirksrat Adolf Hirsch und BezirkSral Moritz Kahn vorgemerkt. Beginn präzise 8 Uhr. Ter Europäer, au geschlossene Stadtbilder gewöhnt, steht so.'chw Entwicklung sassungslor Gegenüber. Uns doch 'piegeli si«' ticul cf) das in den LandlSverhältmsstm wohlbegründete Streben wieder, welches gleichartige Elemente, nach Volk, Glauben, Beruf und sozialer Stellung gesondert, beisammen siedeln läßt. So sitzen in Talpioth vorwiegend die kleinen jüdische» Beamten, in Beth Hakerem die jüdischen Lehrer und Schriftsteller. und in Rechawia sozusagen die jüdische „Bourgeoisie", alle drei Gruppen religiös meist recht indifferent. In Makm Chajim hingegen finden wir gut orthodoxe, doch tolerant« Kleinbürger aus Polen und Deut chland. in Romema reich« sefardische Kaufleute, in Kerem und den Nachbarsiedlungen aschkenasische Krämer und Handwerker und so fort mit Grazie. Das bewegte Terrain Jerusalems begünstigt dabei dai! Entstehen und Sonderleben dieser vielen Stadtprovinzen, wi« die bergreiche Schweiz jenes ihrer Kantone. Der Aesthet komm! dabei gewiß auf seine Rechnung. Und es ist nicht die Schwärmerei eines Anbeters,, wenn ich es niederichreibe: „Jerusalem wird schöner mit jeglichem Tag". Dies Wachstum der Stadt aber, vom Wetteifer der Rivalen genährt, und besonders das Erblühen der jüdische». Viertel ist nicht blcß eine schöne, sondern auch eme groß« Sache. Vom »Mmpf ums jüdische Haus" sei ein anderma! erzählt, ebenso vom tragikomiichen „Schchuna-Patriotismus^ mit seinem Kantönligeist, der in den einzelnen Stadwiertelv Wurzel geschlagen hat. Uebrigens tröstet euch ihr Praktiker. Da- Zerfiattern de» Stadt ist auch nicht hoffnungslos. Schon hat der Unternehmergeist der Juden einen Ausweg gefunden: in der Entsaltum des Verkehres, in der Einrichtung von Autobuslinien. Doq halt, dies ist ein interessantes Kapitel für sich! Genug an dem! Das Jerusalem der Zerstreuung zeigt heute ein viel konzentrierteres Leben als vorher. Klingt euch das alles fabelhaft! So kommt denn her und seht zu, wie es hier — allen Krise« zum Spott — vsrwärts geht!