Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2472 (10.1.1926)
- Date
- 1926-01-10
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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'bk^k r Men. HonMtz " ' Wiener MorgMzesk««g ''' K. Mnne-rsss We. Mf> msttschen Organ ffation für besser gehaltene Methode nicht zeitraubender ist alS die im letzten Jahre angewendete, so ist zu hoffen, daß der zionistische Vorschlag schließlich angenommen werden wird. Was das Foreigne Office zu den anderen von Doktor Weizmann berührten Punkten zu sagen hat, ist geschickt, aber nicht überzeugend. WaS die hebräischen Schulen anbetrifft, so könnte man eine einfache Berufung auf Mangel an Geldmitteln zwar nicht akzeptieren, aber wenigstens verstehen. Man kann auch Verständnis haben für die Forderung, daß die hebräischen Schulen, falls sie eine Regierungsunterstützung in größerem Maßstabe anstreben, bereit sein müssen, sich in einem gewissen Umfang der öffentlichen Kontrolle zu unterwerfen. Soweit uns bekannt ist, sind die jüdischen Behörden in Palästina durchaus bereit, bei erhöhten Subventionen eine verstärkte Regierungskontrolle anzuerkennen. Das Auswärtige Amt stellt aber an die Spitze seiner Argumente dm Grundsatz, -i« Palästinaregierung sei nicht verpflichtet, die für irgend einen Zweck bestimmte« öffentlichen Gelder unter die verschiedenen Bevölkerungsteile im Verhältnis zu ihrer Stärke zu verteilen. Ohne.Rücksicht darauf, ob dieses Prinzip, abstrakt genommen, richtig oder nicht richtig ist, kann es auf die hier behandelte Frage keine oder nur eine sehr beschränkte Anwendung finden. Nehmen wir an, es handle sich hier nicht um Palästina, sondern um ein anderes Land, in welchem die Bevölkerung in zwei sprachlich verschiedene Teile: die Mehrheit A und die Minderheit B, getrennt sei. Angenommen weiter, eine Prüfung der Verhältnisse würde ergeben, daß, obwohl A und B zu den Steuereinnahmen in genau dem gleichen Verhältnisse beitragen, nahezu das ganze Erziehungsbudget zu gunften von A verwendet wird, während B mit einem Bevölkerungsanteil von 14 Prozent so gut wie gar nichts bekommt. Ist es denkbar, daß ein unparteiischer Beobachter eine solche Situation nicht abnormal fände? Man kann sich leicht vorstellen, was gesagt werden würde, wenn die Situation umgekehrt wäre, und wenn auf irgend einem Gebiet der öffentlichen Verwaltung zugunsten der Araber weniger als ein Viertel des Betrages ausgegeben werden würde, zu dem sie laut ihrer Zahl berechtigt sind. Es wird vott keiner Seite gefordert, daß jede Regierungsabteilung in Palästina ihre' Gelder für die zwei Bevölkerungsgruppen in genauer Proportion zu ihrer Stärke Verwendet. Aber es muß schließlich in diesen Dingen eine gewisse elementare Gerechtigkeit geben. Es ist jedenfalls einleuchtend, daß das Gebiet der Erziehung eine besondere Behandlung erfordert, da hier, wie sonst fast nirgends, das Element der Sprachc, der springende Punkt ist. Ein Weg, eine Brücke, oder eine Eisenbahn mag einem Bevölkerungsteile mehr Nutzen bringen, als dem anderen, aber sie stehen auf jeden Fall zur Verfügung eines jeden, mag er Araber oder Jude sein. Dagegen ist eine Schule mit arabischer Unterrichtssprache praktisch genommen jüdischen Schülern verschlossen. Daher ist eine mehr oder weniger Proportionelle Verteilung der öffentlichen Gelder die richtige VerteAungsmethode auf dem Gebiete der Erziehung, obwohl sie vielleicht auf anderen Gebieten der öffentlichen Verwaltung weniger zutreffend sein mag. Daß Schulen nach allgemeinem Urteil eine ganz besondere Position einnehmen, beweisen deutlich die Bestimmungen der europäischen Minderheitsvertrage. Der Minderheitsvertrag für Polen zum Beispiel setzt ausdrücklich fest, daß jüdische und andere Minderheiten an den für Erziehungszwecke bestimmten Ausgaben partizipieren. Die Juden in Palästina sind sicherlich nicht in derselben Lage wie die Minderheiten in Osteuropa, aber es gibt keinen prinzipiellen Grund, warum sie in Palästina schlechter behandelt werden sollten." Der Artikel führt iveiter aus, daß, wenn die Regierung sich aus finanzielles Unvermögen berief, sie jedenfalls besser getan hätte, sich auf dieses Argument zu beschränken, anstatt eine abstrakte Prinzipienfrage auszurollen, und fährt dann fort: „Was die Ansiedlung der Juden auf Staats- und Oedländereien im Einklang mit dem Artikel vi des Mandates anbelangt, so enthält der Brief des Auswärtigen Amtes die Erklärung, daß der größte Teil der Staatsländereien in Palästina bereits okkupiert ist, und zwar durch Besitzer, die ein moralisches — in vielen Fällen ein gesetzliches — Recht haben, unbelästigt zu bleiben. Das Auswärtige Amt hat aber nicht so deutlich, wie man hätte erwarten sollen, klargestellt, daß die Hauptschwierigkeit, die auch gewöhnlich von der Palästinaregierung in Erwiderung auf Beschtverden hervorgehoben wird, darin besteht, daß vor Beendigung oder hinreichender Förderung der Landvermessung unmöglich mit Bestimmtheit festzustellen sei, welcher Böden dem Staate gehört und tvelcher nicht. Die Mandatskommission weist in ihren „Allgemeinen Bemerkungen" darauf hin, daß die Mandatarmacht die Vermessung des Landes als eine notwendige Voraussetzung für die Zuerkennung von Staatsländereien betrachtet. Wenn dem aber so ist, so ist schtver zu verstehen, daß das Foreigne Office es für nötig findet, zu sagen, es sei „dies eine Angelegenheit, in welcher die Palästinaregierung berechtigt zu sein glaubt, die I n i t i a t i v e der Zionistischen Organisation abzuwarten." Wenn die Regierung selbst das Ausmaß und die Lage der Staatsböden nicht genau kennt, so ist die Zionistische Organisation in dieser Hinsicht sicherlich in einer noch ungünstigeren Position. Einige Vorschläge sind tatsächlich, wie auch der Brief des Foreigne Office hervorhebt, Wrt Mt Zionistischen Organisation gemacht worden, aber eß ist Nicht die Schuld der Zionistischen Exekutive, daß sie über die tatsächlichen Möglichkeiten im wesentlichen im Dunkeln ist. Wenn die Vermessung, wie man behauptet, eine unentbehrllche Voraus» setzung darstellt, so folgt daraus, daß die Regierung selbst nur stufenweise feststellen kann, welche Ländereien ihr zur Verfügung stehen, und, falls dem so ist, und die Regie» rmiy bisher nicht imstande lvar, aus diesem Grunde irgend ettvas ffit jüdische Kolonisation zu tun, so dürfte es kaum fair sein, die Schuld hiefür aus dieZio nistenzuwälzen. Gewiß hat die Zionistische _ ), 9. Jänner. Die Polizei Hdt. mit dem heutigen Tage die Untersuchung in der Frankensälschungsastöre abgeschlossen. Die beschlagnahmten Requisiten und sämtliche Akten werden Morgen der Staatsanwaltschaft übergeben. Nachmittags wurde eist amtliches Commnnique über den ganzen Verlaus der FrankenfWschÜnMu veröffentlicht. Darin heißt es: Am A.. Dezember teilte die Amsterdamer Staatsanwaltschaft mit, daß Aristide Jattkovich, Georg.MarsovszN und Georg Mankovich sich dort in Hast befinden und daß in ihrem Beisitze 7 5 0 0 S t ü ck f a l s ch e T a >u s e n d- Franken-Noten gefunden worden seien. In der Zuschrift wurde erwähnt, daß nach Angabe d e r d o r t Verhafteten auch der Oberpolizeichef Dr. Nadossy von der Angelegenheit wisse. NadofH wurde sofort nach Eintreffen der Zuschrift von der ■ Polizei einem Vilrho r unterzogen und nahm astf Der- - fügung des Ministers hes Innern an den Erhebungen .nicht mehr teil. Die bei den Banken vovgenommenen Recherchen epga-ben, daß bloß in der Nationalbank eine falsche lOOO-Franken-Note gefunden wurde. Diese falsche Note hatte eine Kleidersirma etngeliefert. Die von dieser gelieferten Daten wiesen nach dem Sarospataker Einwohner Kaspar Kovacs. in dessen Wohnung auch die bei der Firma gekauften Kleider gefunden wurden. Kaspar Koda c s war Kammer tyit, ti e r.deS Prinzen Windifchgrätz. Kovacs.konnte erst am nächsten Tage festgenommen iverden. Er gab an, er habe den in der Königsgasse verausgabten 100V - Franken - Schein sowie weitere sechs Stücke von unbekannten Personen gekauft, jedoch ohne zu wissen, daß sie falsch seien, da er sonst jene sechs Stück nicht nach Amsterdam an die Pflegee-ltern feiner Kinder zur Verwertung geschickt hätte. Diese Verteidigung wurde nicht akzeptiert und Kovacs in Verwahrungshast genommen. Es gelang der Polizei, sich die an die im Ausland Verhafteten abgesandten Telegramme zu verschaffen und festzustellen, daß sie von Desider Raba, dem Sekretär des Prinzen Windifchgrätz, stammen. Dieser wurde sofort in Verwahrungshaft genommen. Am 3. tJänner meldete sich Dr. Nadossy freiwillig bei der Polizei und erstattete eine Meldung, welche den Recherchen eine bestimmte Richtung gab. Auf Grund seiner Meldung erfolgte die vorsühvung deS Prinzen Windifchgrätz und seine Verhaftung sowie die Hausdurchsuchungen in seiner Budapester und in seiner Saros- Patvker Wohnung. Am nächsten Tage erfolgte die Verhaftung Na dos sys. Nunmehr nahmen die Erhebungen einen rascheren Verlauf und führten alsbald zur Entdeckung der Falschrriiinzerwerkstättr sowie der Täter und der Mitschuldigen. Durch die polizeilichen Erhebungen wurde festgestellt, daß die Falsifikate im Kartographischen Institut von einigen Beamten und Angestellten hergestellt worden waren. Diese Beamten und Angestellten wurden in Präventivhaft genommen und die Maschinen konnten aufgefunden werden. Die Klischees waren jedoch schon eingeschmolzen. Am 2. Jänner hatte die Polizei aus Hamburg die Nachricht von der Verhaftung Edmund Olchvarys wegen Jnverkehvsetzung falscher 1000-Franken-Scheine er- >lten. Im Laufe der Erhöhungen wurde sein Bruder Eugen Olchvary verhaftet, der von Wien aus mit Andreas Andor jun., der zwecks Bertvertung der Falsisiiäte nach Mailand entsendet worden war, in telegraphischer Verbindung gestanden hat. Andreäs Andor wurde nach seiner Rückkehr aus Mailand in Präventivhast genomnren. Bisher wurden als Tater oder Mitschuldige 24 Personen in Präventivhast l,enmnmeu, und zwar: Aristide Jankovich in Amsterxnn, Georg Marsovszky und Georg Mankovich im Haag, Edmund Olchvary in H a m b u r g, ferner Prinz Ludwig Windifchgrätz, Eugen Nadossy, Kaspar Kovacs, Desider Raba, Eugen Olchvary. Stephan Winkle r, Joses S z ö r t s e y, Andreas Andor jun., Ladislaus G e r ö, Alexander K u r tz, Ludwig H a j t s, Josef Kala, Ladislaus Span ring, Ludw.g Kitz, Johann Organisation die Pflicht — und sie wird sich ihr nur M gerne unterziehen —, in dieser Sache mit der Regierung nach ihren besten Kräften zusammenzuarbeiten, aber schließlich ist eS nach dem Mandat dw Pflicht der Regierung, „die Ansiedlung von Juden ans Staats- und Oedländereien, die für öffentliche Zwecke nicht erforderlich sind, zu ermutigen" und nicht nur zu warten, bis die Zionistische Organisation mit den ungenügenden Informationen, über die sie notwendigerweise verfügt, daS Glück hat, eine Anregung zu unterbreiten, die zufällig MSführ» bar ist." Pi rag, Ferdinand Scharf, Franz Farrago, Vers' Pelosi, Arpad Agoston und Franz Hampel. Außer dsm einen Tausendfrantenschein, der von Kaspar KovacS eingelöst wurde, hat der im Haag verhaftete Georg Mankovich vor seiner Abreise bei einer Budapester Bank 16 0 S t ü ck F a l s i s i k a t e als Deckung für ein Darlehen in der Höhe von 200 Millionen hinterlegt. Sogleich nach dem Erscheinen der ersten Zeitungsmeldungen über die Aufdeckung der Fölschungen wurde das Depot behoben und die Frankenscheino wurden vernichtet. Andere Falsifikate sind in Budapest bsher nicht in Verkehr gelangt. Am 28. Dezember erschienen bei der ObcrstadthauP!- wannschaft zwei Emissäre der Bank von Frankreich und der Pariser Polizei, die an den Recherchen der Budapester Polizei in einem der Strafprozeßordnung entsprechenden Maß teilnehmen konnten. Auf Grund her im Laufe der Erhebungen festgestellten Daten kattn die Fälschungsaffäie folgendermaßen rekow struiert werden: Die Idee der Fälschung stammt vom Prinzen Windischgrätz, der bereits früher ihre Durchführung beschlossen hatte. Durch Betonung patriotischer Ziele gelang es ihm, den Landespolizeichef Nadossy und den Beamten deS Kartographischen Institutes, Ladislaus Ger ö, zu gewinnen. Dann wurde die Arbett im Kartographischen Institut ins Werk gesetzt und Gerö begann mit einigen Angestellten des Institutes, die Verfertigung de, Klischee». DL das notwendige Papier in Ungarn nicht beschafft.werden konnte, stellten Gerö und seine Kompliren im Keller des Institutes das Papier aus Halbfabrikaten her, die. aus Deutschland beschafft worden waren. Der erste Druck der Fälschungen erfolgte ebenfalls im Keller und wurde Ende Dezember abgeschlossen. Damals standen 85.000 bis 80.000 Stück Note« zur Verfügung. Ein Teil davon war mißlungen. Jene Personen,-die die Verwertung der Fälschungen übernommen hatten, wurden vom Sekretär Raba instruiert. Die bedeutendste Person davon war Aristide Jankovich, der, wie es scheint, die Verwertungsarbeiten geleit e t und z w e i Wo ch e n hindurch beim Prinzen W i n d i s ch g rä tz g e w o h n t hat. Vor der Verwertung wurden die Falsifikate zunächst geprüft und ein bedeutender Teil davon als unbrauchbar vernichtet. Hiebei konnte der Kammerdiener des Prinzen, Kaspar K o v a e s, s i eben Stück entwenden und für eigene Zwecke verwerten. Die Sortierung der Frankenscheine und die Vorbereitung zur Verwertung waren Anfang Dezember 1925 beendet und die Leute, die sich mit der Verwertung befaßten, reisten teils nach den Nordstaaten und Hamburg, teils nach H o l l a n d ab. Bevor sie aber größere Mengen in Verkehr setzen konnten, wurde Aristide Jankovich in Holland verhaftet. Der Sekretär Raba forderte barauföin die übrigen Komplicen telegraphsch auf, ihre Arbeit einzustellen und heimzukehren. Gleichzeitig wurden die Klischees im Keller des Kartographischen Institutes vei> nichtet,.die Maschinen zerschlagen und als Brucheisen verkauft. Aus den Daten der bisherigen Erhebungen schließt die Polizei, daß die Vorbereitung und Durchführung des Verbrechens nicht von irgendeiner politischen Partei oder Gruppe, beziehungsweise einem gesellschaftlichen Verein oder einer Organisation geleitet oder begünstigt worden wäre, sondern, sie kann als eine individuelle Aktion einiger Personen, die sich zu desem Zweck vereinigt hatten, betrachtet werden. Die „Betriebskosten". Wie „Magyarorszag" meldet, haben di« Kosten der Herstellung der Frankenfälschungen ungefähr eineinhalb Milliarden betragen. Die Schnelldruckpreffe kostete 375 Millionen, die sonstigen maschinellen Einrichtungen 850 Millionen, die Beschaffung des Papiers sowie >ie damit verbundenen Reisen 400 Millionen. Nach den insherigen Ergebnissen der Zeugenaussagen hat das Geld hiezu Prinz Windifchgrätz hergegeben. Die Verwendung dev Falsifikate. Die Polizei hat ermittelt, tvas mit den 26.000 Stück gefälschten 100-Franken-Noten geschehen ist. 8000 Stück wurden sofort nach der Herstellung als unbrauchbar vernichtet, 10.000 Stück wurden von Jankovich nach Holland und zirka 1000 Stück von verschiedenen jungen Leuten, die an der Aktion beteiligt waren, in ander» Länder zur Verbreitung mitgenommen. Die restliches Ne Untersuchung abgeschloffen. Sie Wtttt Über die ffrauleaMcher b« »taaUauwalischaft Lbergrde«. - «ne amlllchr Larfttlnug. — 24 Lerhasiete. t-iMdtsnp der »Wiener Mokgenzeitnng".)