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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-09 · Heft 2471 (9.1.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2471 (9.1.1926)
Date
1926-01-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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-€■ h-'a**» rp- *,%; p M i Wj ■■ ■*a.;- _Wiener Mo»ge»»«ttu«tz 9. Säitntt IMS Rt. MTt Die Budapefter Slotendmü „krfiudung". Sin wichtige» VMndnIs de, Prinzen WindifchgrStz. - FranMche Srhrbnngea. lSigendienst der „Wiener Morgenzeitung-.t Seite 8 Men, Samstag Hollaadihram 14 ,$er andere Skandal." - y W ' c n. 9 Iiinner Von Budapest ist gestern wieder ein Aviso für -die Behandlung der Skandalaffäre gekonnnen. Der „Szozat", das Blutblatt der Pogromisten, erklärt die ganze Sache als einen kindischen Dunimenjungenstreich und fordert Abrechnung mit den Juden. Die Wiener „Reichspost" läßt sich das nicht zweimal sagen. Sie schreit „Haltet den Dieb!" und übersieht bloß, daß der Dieb schon sitzt, wenngleich alle Künste der Regie aufgeboten werden, seine Tat aus der politischen Diskussion hinauszuschieben. Die „Reichspost" nimmt, wie natürlich, eine kleine Eskamotage vor. Der Inhalt der Budapefter Weltlumperei verschwindet und auf dem Plan bleiben die Juden. Es handelt sich, sagt sie, um ein gemeines Verbrechen, in das der politische Beigeschmack von den Tätern selbst hineingetan wurde. Das ist der Untergrund für die faustdicke Drohung mit dem Pogrom, die, wohlgemerkt, gleichzeitig mit dem ,;Szozat" des lieben Tibor, die „Reichspost", das Organ des gewesenen Bundeskanzlers und führenden Politikers Seipel, ausspricht: „Aus den Dokumenten des Hasses, die in diesen Tagen geschrieben und gedruckt wurden, kann nur neuer Haß hervorgehen. Ungarn wird über den Fälscherskandal nicht untergehen, aber wenn sich das Werk der Versöhnung wieder um ein paar Jahre verzögert, wird man die Schuldigen zu nennen wissen." Wenn man dies liest, so müßte man meinen, es handle sich um den Zionistenkongreß und die arisch-christlich-nationale Kolportage, nicht aber um eine Falschmünzerei, wegen derer unter anderen der Chef des Polizeiwesens, ein prominenter Magnat, der Leiter des kartographischen Instituts in Haft sich befinden. Sie schieben die Schuld aufeinander, bieten also kein sehr schönes Bild, und die Regierung hilft ihnen. Sic sagt, der eine sei Legitimist, der ander stehe bei Horthy^Das sind Unterschiede, die nur für die Person HorthyL^on Bedeutung sind. In dem Streben nach dem Mstand vor dem Kriege, wo Slowaken, Serben und Rumänen unterdrückt, wo die Arbeiter mit Militärgewalt zu Sklaven der Gentry gemacht werden konnten, sind Legitimisten und Horthysten. eines Sinnes. Sie sind es auch bezüglich ihres Haffes' gegen das Judentum, die Demokratie und des Friedens. Sie sind Exponenten der Jrredenta, eines Begriffes, der der „Reichspost" noch im Frühjahr 1914 fromme Schauder beibrachte. Heute sieht sie die Sache anders an. Die Jrredentisten sind antisemitisch und das bestimmt die Haltung des Wiener antisemitischen Herolds. Es ist nicht wegzuleugnen, daß die neuesten Häftlinge einen Programmpunkt des militanten Judenhasses zu verwirklichen bestrebt waren. Es ist nicht wegzuleugnen, daß sie mit Recht annehmen konten, im Sinne des herrschenden Kurses zu handeln. Das Geld sollt zu politischen Zwecken verwendet werden. Welches sind diese Zwecke? Hat nicht eben Klebelsberg in den Mistblättern erwachender Sorte seinen Artikel für die Diktatur mit Namen und Titel unterzeichnet? Hat er nicht eben erst die Numerus-clausus-Neden gehalten, in denen er die Juden, seine braven Budapester Demokratiejuden, anherrschste? Hat nicht der Pater Zadravec, der damals in Siofok den Blutsegen sprach, mit den Fälschern verkehrt und von ihrer Tat gewußt? Und Hab nicht die Negierung, die am 14. Dezember von der Haager Polizei schon sehr genaue Daten hatte, erst am 31. Dezember sich entschlossen, in ihrem ersten Communique von den höheren patriotischen Motiven zu reden? Diese höhere patriotischen Motive finden allerdings den stürmischen Beifall der „Reichspost" und jener Kreise, die im August dem Judentum in Wien einen Generalfestpogrom hatten liefern wollen. Sie waren und sind noch innig verwandt mit den Häftlingen im Budapefter Polizeigefängnis, sie saßen mit ihnen auf dem Raubvogelkongreß beisammen und verbrüderten sich dort mit dem Professionsritualmörder Cuza. Immer handelt es sich, wenn man von diesem christlichnationalen Kurs spricht, um das jüdische Blut, oft auch um das jüdische Geld. Und deshalb muß das Tun der „Reichspost", des führenden Organs der Seelensanierer und verwandten Gewerbe, besonders vermerkt werden. Ihnen hat die holländische und die französische Polizei die Suppe versalzen. Wenn die falschen Noten nicht von dem Haager Bankier angehalten worden wären, wenn der Putsch geglückt und heute die Keller im Britannia-Hotel und in Kelenföld wieder dicht besetzt wärest, wie hätte die „Reichspost" diese neue Aera begrüßt! Ihr und ihren Freunden sind die Felle davongeschwommen und die Lohgerber stehen betrübt: Die Juden! Die Juden! Es nützt nichts. Das regierende System des christlichnationalen Kurses steht vor dem Gericht. Die Henker sperren die Henker ein und „Reichspost", „Szozat" und Geschwister wissen aus der Situation nichts anderes zu machen als ein Hakenkreuzplakat. Das ist der andere Skandal, von dem der Wiener Herold spricht. Budapest, 8. Jänner. Ter heutige Tag war fast zur Gänze mit neuen Verhören der Verhafteten ausgefüllt. Die polizeilichen Recherchen sind bereits so weit gediehen, daß die Akten schon in den nächsten Stunden der Staatsanwaltschaft zur weiteren Behandlung übergeben werden können. Angeblich will die Polizei bei diesem Anlaß sämtliche Details der Oeffentlichkeit bekanntgeben. Die Opposition hat eine neue Aktion zur sofortige» Einberufung der Nationalversammlung eingeleitet und dies mit den politischen Beziehungen und den zu erwartenden Folgen der Frantenfälschung begründet. Die Sozialdemokraten fordern, daß die zusammentretende Nationalversammlung den bereits dem Hause vorliegenden sozialdemokratischen Antrag betreffend die Errichtung eines Staatsrates votiere und auf dieser Basis sofort den Staatsrat wähle. Ferner soll eine neue Regie r u n g gebildet werden, die die-öffentlichen Freiheiten wieder herstellt, das allgemeine geheime Wahlrecht gesetzlich inartikuliert und sofortige Neuwahlen ausschrcibt. Ein neues Geständnis Windischgriitz. Prinz Windischgrätz wurde heute zum dritten Male e l n v e r n o m m e n. Wie die Blätter erfahren, hat der Prinz gestanden, daß er sie D r u ck m a s ch i n c, mit der die Falsisilate hergestellt wurden, zum Preise von mehr als 10 0 Millionen Kronen gekauft hat. Die Herstellung der Noten kostcte ihn weitere 250 Millionen Kronen. Diese Kosten, wie auch die Reisen, die seine Beauftragten unternahmen, um die Falsifikate in den Verkehr zu bringen, bestritt der Prinz aus seiner eigenen Tasche. Dem Obcrlandeshauptmann Nadofsly hat Prinz Windischgrätz, wie die Blätter berichten, im Sommer Mitteilung von seinen Plänen gemacht und ihn dadurch gewonnen, daß er ihm statt eines Falsifikates eine echte Taufe udfrankennote zeigte, so daß Nadoffy glauben mußte, daß die Falsifilkate unbedingt gelungen seien. Gero von den französischen Detektivs einvernommen. Ter stellvertretende Leiter des Militärgeographischen Institutes, Ladislaus Ger ö, wurde heute von den f r a nzösischen Detektivs v e r n o m m e n. Er schilderte ausführlich, aus welche Weise er die falschen Banknoten hergestellt hat, wobei sich herausstellte, daß Gerö bei seinen Fälschungsversuchen eine neue, geniale Art-der Banknotenfabrikaiion erfunden hat. Die französischen Detektivs machten sich über die von Gerö erfundene Methode genaue Aufzeichnungen, die es der französischen Nationalbank ermöglichen sollen, künftige Fälschungen französischer Noten zu erschweren. In dem von der Gendarmerie zernierten Schlöffe Sarospatak wurde, wie bereits gemeldet, gestern eine Hausdurchsuchung vorgenomnren und das Personal über die Lebensführung des Sekretärs des Prinzen Windischgrätz, Raba, in der letzten Zeit cinvernommen. Die Mitglieder der Budapefter Polizei standen gestern in den Mittagsstunden vor dem Abschluß der Erhebungen, als aus Budapest zwei französische Detektive m Sarospatak eintrafen und zusammen mit der ungarischen Polizei bis in die späten Abendstunden die Erhebungen förtsetzten. Um 10 Uhr abends wurde die Zernierung aufgehoben und dem Personal gestattet, das Schloß zu verlassen. Im Bunde mit den bayrischen Hakenkreuzlern. Wie „Bilag" meldet, ist der Sekretär Raba, als er zur Beschaffung des Ban knoten Papiers in Deutschlau d weilte, mit bayrischen Hakenkreuzlern in Verbindung getreten. Er habe sie auch in das Geheinlnis der Frankenfälschungsaffäre chtgeweiht. Er habe dies in seinem Geständnis selbst erklärt und habe hinzugefügt, daß er bei allen jenen Stellen, an denen ihm das Papier eingehändigt wurde, den Eindruck gewinnen konnte, daß diese Stellen bereits über gewisse Informationen verfügten. Neue Verhaftungen. Die Polizei hat heute weitere drei Beamte des kartographischen Institutes in Gewahrsam genommen. Das Verhör mit ihnen ist im Zuge. Die verhafteten Beamten des Institutes, Gerö, Bi rag, Kiß, Spannring, Ha la und Farrago, wurden suspendiert und das Disziplinarverfahren gegen sie eingeleitet. Polnay entlassen. Bon den gestern einvernommenen Zeugest wurde Peter , Polnay um 10 Uhr abends entlassen. Er konnte den Beweis dafür erbringeil, daß er zwnc mit Marsowszky und M a n k o w i ch befreundet war, in die Fälscheraffäre jedoch nicht eingeweiht war. Er hatte den lxuden nur einen Gefallen erwiesen und ihnen seinen Koffer zur Bersügultg gestellt. Neber die übrigen Zwecke war er nicht unterrichtet. Infolgedessen wurde er heute aus dem Polizeigebäude emlasseu. (Die „Neue Freie Presse hat ihn für alle Fälle zum „Sohn >des Zwnistenführers" ernannt. Seist Vater ist feist Z i o ll i st und kein Führer des ungarischen Zionismus. — 9Mb.) Auch nicht für hundert Milliarden... Windischgrätz will auf freien Fuß gesetzt werde«. Prinz Windischgrätz, der seinen Rekurs gegen feine Verhaftung zurückgezogen hat, durfte heute in feiner Zelle seinen Rechtsanwalt Dr. Dauer sprechen. Windischgrätz ersuchte seinen Verteidiger, seine Freilassung gegen eine hohe Kaution zu erwirken. Dr. Tauer meinte jedoch, daß auch 100 Milliarden Kaution nichtgenügen würden, damit Windischgrätz auf f r e t e v Fuß gesetzt werde. Gömvös verhört. Die Polizei hat heute vormittags den raffenschützlerischen Abgeordneten.Julius Gömbos, der krank in seiiler Wohnung darniederliegt, als Zeugen e i n v e rnommen, weil er mit einigen an den Frankensälschungen beteiligt nt jungen Leuten i n Perbindung gestanden sei und einer der Beschuldigten sich in seinen Aussagen auf ihn berufen habe. Gömbös erklärte, daß er von der Frankenfälschungsangelegenheit k e inerlei Kenntnis gehabt und von ihr erst nachträglich aus den Zeitungen erfahren habe. Strafgerichtliches Verfahren gegen Main. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Abgeordneten Dr. U l a i ll wegen seiner auch in den Blättern erschienenen Aeußerungen über die Frankenfälschungsangelegenheit das strafrechtliche Verfahren eingoleitet. Main Hai die Frankenfälschungen alz patriotische Tat hingestellt und gutgeheißen. HauAdurchsuchung bei Oberst Jankovich in der Slowakei. Erhebungen in Kascha«. Prag, 8. Jänner. (Tel.-Komp.) Blättermeldungen aus Pretzburg zufolge hat die dortige Polizei auf. dem Gute des im Haag verhafteten ungarischen Banknotenfälschers, Obersten Aristid Jankovich, in Fölse-Elefant im Komitat Neutra eine Hausdurchsuchung vorgenommen.- Die Hausdurchsuchung verlief vollkommen ergebnislos, so daß die Polizei annimmt, daß Jankovich etwaige kompromittierende Dokumente rechtzeitig bei Seite geschafft hat. Pie Haushälterin des Obersten Jankovich fügte aus. daß Jankovich in der letzten Zeit nur ein einziges Mal, etwa acht Tagelang, nach Budapest verreist lvar. Bevor Jankovich nach Holland abreiste, erklärte er dem Hauspersonal, daß er zu Weihnachten zurückkehren werde. Die Untersuchung wird fortgesetzt. „Ceske Slovo" veröffentlicht Einzelheiten über die Person des Obersten Jankovich. Danach wurde Jmckovich im Jahre 1919 wegen Verleumdung der tschechischen Armee in Theresienstadt interniert, aber wieder sreigelaffen. Im Jahre 1924 brachte er eilt Ge'uch um Aufnahme in die tschecho-slowakische Armee ein, dar jedoch abgelehnt wurde. Wie die Blätter aus Kaschau berichten, wurden auch in dieser Stadt Erhebungen im Zusammenhang mit - der ungarischen Frankenfälfchungsaffäre gepflogen. Die Untersuchung führte zu dem Ergebnis, daß die ungarischen Frankenfalscher auch in .Kaschau versucht hatten, falsche französische Noten in Verkehr zu bringen. Vor einigen Wochen erschien ein Fremder in einem Kaschmer Bankgeschäft und wollte «eben andere» ausländischen Valuten auch eine größere Anzahl französischer Tausendfrankennoten umwechstln. Die Bank schöpfte jedoch Verdacht und wies die französischen Noten zurück. Die polizeilichen Erhebungen in Kascha« und Umgebung werden fortgesetzt. Verbot des „Bilag". Der Minister des Innern hat heute das Erscheinest des radikalen TagblatteS „Bilag" für die Dauer einer Woche verboten, weil das Blatt einen Artikel veröffentlicht hat, der, wie ein amtliches Communique mitteilt, geeignet ist, die außenpolitische Situation des Landes zu gefährden. Die Regierung veröfstntlicht eine umfangreiche Begründung des für acht Tage verhängten Verbotes des Blattes „95 i i a g". Danach Habs datz Blatt im Zusammenhang mit der Frankenfälschung eine Ruhe von Mitteilungen gebracht, die im krassen Gegensatz zur Wirklichkeit stehen und geeignet seien, die inländische sowie die ausländische Oeffentlichkeit irrezuführen. Die Titel dieser Artikel sind: „In ^Berlin hält man Koloman K a n h a für den Betrauten der Putschpoltik"; „Die ainerik.-nische Oefstntlichkeit erwartet in beispielloser Erregung die Abdankung des Washingtoner Gesandten Grafen S z e ch e n Y t", „In Satoralja-Ujhely ist eine französisch-tschechische Kommission aufgetauchl"; „Die bayrische« Hackenkreuzler waren in die Frankenfälschung eingelveiht", Bethlen und Horthy. Wie die Blätter melden, stattete Abgeordneter Zsrl i n s k y gestern in Vertretung der Rassenschutzgruppe dem Ministerpräsidenten einen Besuch ab, um ihn zu fragen, ivelchen Standpunkt die Regierung gegenüber den versteckten Angriffen einzelner Blätter gegen die Person des Reichsverwesers einnehme. Der Ministerpräsident erklärte, daß die Regierung das Ansehen des Reichsverwesers mit alle« gesetzliche« Mittel« aeaen diel« grundlosen und len» fawnnr fi*f>inr4Ti<ir-vannfl-wrtr,rTy,idiiiifirTrt'iyrr-,i«j"rt-rfi‘<i Mf ir w ir-i -mfr -n -lavn n>- n ».'» finntt ri- M i. - r i '■iijfiwft >, ttnrrnrii

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