Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2470 (8.1.1926)
- Date
- 1926-01-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2981549-2981557--25162-3012780- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Wiener Morsenzeltiins 8. Jänner 1926 Seit« - Hin militärisches Srimtabkommen. zwilchen Frankreich und England? Nr. täm Wien. Frektag Neue Verhaftungen. Die Polizei hat den Vizepräsidenten des „Nationalen Verbandes" Josef Szörosey -und den Privatier Andor Andor in Gewahrsam genommen. An vor gehörte zur engeren Gesellschaft des in Amsterdam verhafteten Georg Mankovich. Andor hat gestanden, daß er sich erbötig gemacht habe, die falschen Frankennoten zu verbreiten. Seine Betrauung wurde jedoch infolge der Verhaftung des »Jankovich gegenstandslos. Die Polizei hofft, daß auf Grund der Aussagen Andors noch weitere lFrankeubestände werden beschlagnahmt werden können. Der in Budapest wohnende Bruder des Georg Mankovich, Dr. Julius Man ko dich, Inhaber einer Ktrumpftvirkerei, wurde ebenfalls verhaftet. Schließlich wurde der Stellvertreter Gerös im kartographischen Institut, L-cvdislaus S P a n n r i n g. festgenommen, den Gero in feinem Verhör als seinen engsten Komplicen bei der Herstellung der falschen Noten bezeichnet hat. Großes Aufsehen erregt die polizeiliche Vorführung des Sohnes des gewesenen Ernährungsministers im Kabinett Friedrich und Präsidenten der Atlantiea- Schiffahrtsgesellschast, Eugen Pol nah. Der junge Polnay stand in engen Freundschaftsbeziehungen zu denk im Haag verhafteten Marfovszky «und ist ein exponierter R a f f e n fch ü tz l e r. Die Blätter berichten, daß, sobald die Einvernahmen in der Frankenfälscherangelegenheit fertig sind, die Staatsantvaltschaft den Antrag stellen wird, der Gerichtshof möge die Sperre über das Vermögen sämtlicher verdächtiger Personen, in erster Reihe über das Vermögen des Prinzen Äindisch grätz, verhängen. Auf Grund dieses Beschlusses wird dann über das Sarospatäker Gut des Prinzen der S e q u e st >e r verhängt werden. Die Juden srnd schuld. Budapest, 7. Immer. Der rassenschützlerische Abgeordnete Dr. Ulain erklärte Zeitungsberichterstattern, daß er zu seiner Erholung zchu Tage in Abba-zia geweilt habe und daß -er gegen die Blätter, die seinen Namen mit der Frankenifälschungsaffäre in Verbindung gebracht haben, einen Preßprozeß anstrengen werde. Er fügte hinzu, daß er die ganze Affäre für eine politische Angelegenheit halte. Nur die Juden und die jüdis chen Blätter bauschen die Sache auf. Man könne doch von dem Polizeichef nicht annehmen, «daß er an der Sache teilgenommen hätte, wenn e s s i ch nicht um nationale Interessen gehandelt hätte. Aus nationalem Interesse könne man solche Dinge machen und wenn der englische Ministerpräsident Pitt zweimal im Interesse seines Vaterlandes Geld fälschen konnte, könne man auch die ungarischen Patrioten desrvegen nicht verurteilen. Bothlen bor Horthy. . Budapest, 7 Jänner. Nachdem die Erhebungen in der Franken-Fälschungsaffäre heute entscheidende Ergebnisse gezeitigt haben, erschien Ministerpräsident Graf Ho r t h h in Audienz, denr er über den gegenwärtigen Stand der Angelegenheit ausführlichen Bericht erstattete. Der Reichsverweser nahm mit voller Genugtuung den Bericht zur Kenntnis und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Arbeit der Untersuchungsbehörden im Interesse dos Landes von vollem Erfolg gekrönt werden tvivd. Girre Aonfevcnz der Legitrnrrsten. Budapest, 7. Jänner. Wie die Blätter melden, haben heute in der Wohnung des Grafen Albert A p p o n y i die legitrmistischen Führer eine Konferenz abgehalten, an der auch Julius Andrassy, Bischof Graf Mikes, Graf Anton Sigray und Markgraf Georg Pallavicini teil» nahmen. Es verlautet, daß sich die Konsereirz mit dem Gerücht besaßt hat, wonach die Frankensälschnngen auch mit dem Legitimismus in Verbindung gebracht werden. Die Konferenz bezweckte die Feststellung der Modalitäten, um diesen Gerüchten auf das energischeste entgegenzutreten. Allbrecht weiß nichts von Windischgrätz. Budapest, 7. Jänner. Gegenüber der im Auslände verbreiteten Nachricht, als ob die bekannte Fälschungsaktion des Prinzen Windischgrätz mit der Person des Erzherzogs Albrecht in politischer Beziehung stünde, läßt der Erzherzog erklären, daß er mit dom Prinzen Windischgrätz bereits feit mehreren Jahren keinerlei, weder mittelbare, noch unmittelbare Berührung hatte. Die neueste Fälschung: angeblich falsche ungarische MiMonennvten. Budapest, 7. Jänner. Vorgestern nachmittags hat die Zentralkasse des koummualen Lebensmittelbetviebes entdeckt, daß sich unter den eingelieferten Tageseinnahmen ihrer Filiale auf dem Klauzal-Platz eine falsche ungarische Millionennote befindet. Diese wurde der Oberstadthauptmannschaft eitigeliefert. Die Polizei hat das Personal der Filiale einvernomnien, das sich aber nicht zu erinnern vermag, wer nrit der falschen Note gezahlt hat. Gingejogene« ftriegsgeft in Rumänien. Staut Berichtes der österreichischen Gesandtschaft in Bukarest tvurde im rumänischen Amtsblatte „Monitorul Oficial" Ar. 207 vom 3. Dezember 1925 iüudgemacht, daß die Nationalbmk von Rttmänien die Zurückziehnug der 100-Lei-Bankuoten beschlossen hat, welche in den Kriegsjahren t917 bis 1018, gelegentlich der Evakuierung des Sitzes der Aatioualbauk nach der Moldau, g e d r u ck t wurde u. Das Aus- London, 7. Jänner. (Wolfs.) Die „Morning Post" meldet aus A l e x a u d r i e n: Berichten aus der Türkei zufolge sind die Türken davon überzeugt, daß bei der Zusamnlenknnft zwischen Ehambe r la in und de J o uv e n e l in London ein endgültiges A b k v m m e n zwischen beiden Mächten in der Mossulfrage zustandegekomnten ist. Dieses Abkommen soll darin bestehen, daß die Franzosen den Engländern Erlaubnis zn Truppenlandungen in Alexandrette gegeben hätten. Das Blatt leugnet die Möglichkeit eines solchen Abkommens nicht ab und läßt die Eventualität zu, daß es sich um ein Abkonunen zur gegenseitigen U n t e r st ü tz u u g d u r ch Trupp e n b e w e g n n g e n handle, wem: irgend eine gefährliche Lage entstehen sollte. Die Schwierigkeiten in Syrien. London, 7. Jänner. (Tel.-Komp.) Nach einem Bericht der „Morning Post" aus A l e p p o ist es sehr srag- 'lich, ob die aufständischen Syrier am 8. Jänner, dem von de Jouvencl gestellten Termin, die Waffen abliefern werden. Die französische Regierung habe die Aufständischen von ihren Führern dadurch zu trennen gesucht, daß sie die letzteren von der Amnestie aüsschloß. Der Berichterstatter verspricht sich von dieser Maßnahme sehr wenig Erfolg. Dagegen besiehe die Hoffnung auf eine politische Trennung der Drusen von den übrigen Teilen Syriens. Türkische Streiszüge an den Grenzen Syriens seien noch ziemlich häufig. Sie seien das Ergebnis der Unzufriedenheit mit den Franzosen wegen der Unterstützung Englands in der Mossulfrage. Bon irgend tvelchen kriegerischen Maßnahmen der Türkei könne jedoch keine Rede seirr, da sie sich der engen Zusammenarbeit zwischen London und Paris voll bewußt sei. Die MNei verhandelt über Moffnl. London, 7. Jänner. Die „Westminster Gazette" meldet aus Angora: Der ehemalige Außenminister und ZIONISTISCHE BEZIRKSSEKTION LEOPOLDSTADT (Fiauentfrappe) Morgen Samstag den 9. Jänner 1926, 1/ß Uhr abends, in den neu adaptierten Räumen, II., Zirkusgasse Nr. 33 AKADEMIE iinimniiiniiiiiiiiiiiiHiimiiimiiiiiiiiiiiiinimiiiiiiiiiiiiimiiMUiiiHiiiillllliliMllim unter Mitwirkung hervorragender TvdA/7 Kunstkräfte mit anschliessendem * /1/T Die Mitglieder der Beziikssektlon werden auf diesem Wege eingeladen jetzige Präsiden l des P a r t a m c n t a u s s ch u s* ses für auswärtige Angelegenheiten Schü kr i Kaja Bei erklärt in einer Unterredung, die türkische Regierung sei bereit, mit Großbritannien über dir Regelung der M o s s u l f r a g e z u v e r h a nde ln. Die türkische Negierung habe jedoch in Downingstreet um einen konkreten Vorschlag als Verhandlungsgrundlage ersucht. Ein Verkauf oder eine Verpfändung des Mossulgebietes gegen Gewährung einer Anleihe komme nicht in Betracht. Die Regelung müsse sich vielntehr auf territoriale Zugeständnisse Großbritanniens gründen. Kleinere Berichtigungen der Brüsseler Linie seien nicht annehmbar. Der Berichterstatter des Blattes bemerkt, die Türken bluffte nichts, es müsse irgendein Zugeständnis gemacht werden, um ernste Folgen zu vermeiden. Regiemngsftipenvien für arabische Studenten in PuMiua. (Eigeuoienst der „Wiener Morgenzeiiung".) Jerusalem, 6. Jänner. Tie arabischen Blätter ua* öffentlichen eine ihnen vom U n t e r r i ch >t s d e p a r t em e n t de r Pa läst i na r e g i e r u n g zugegangene Kundmachung, in der zwei Stipendien für arabische Studenten ans Palästina, die ihre Studien an den Universitäten von Oxford und Cambridge absolvieren wollen, ausgeschrieben werden. Jeder Stipendist erhält von der Palästinaregierung einen jährlichen Studienzuschuß von 200 ägyptischen Pfund, für die etwaigen übrigen finanziellen Bedürfnisse Haben die Angehörigen der Stipendisten zu sorgen. Die Konkurrenten auf die Stipendien haben nachzuweisen, daß sie „palästinensische Araber" sind, das 25. Lebensjahr nicht überschritten Haben und im Besitze eines Reifezeugnisses einer Mittelschule sind. , Ter Stipendist hat sich überdies durch einen Rovers ,zn verpflichten, daß er nach Absolvierung seiner Studien so viele Jahre im staatlichen Dienst bleibeu werde, als er auf Kosten der Regierung in England studiert hat. Sine Repräsentanz des religiöse» Judentums in Amerika. New-Hork, 6. Jänner. (I. T. A.) Führer verschiedener religiöser Organisationen beschlossen, bis zum Februar eine Nationalkonferenz der Kongregationen aller religiösen Schattierungen zu schaffen, die das religiöse Judentum nach außen hin repräsentieren und die religiösen Interessen wahrnchmen soll. An der Konferenz nahmen teil Vertreter von fünf führenden jüdischen Kongregationen und Rabbinerverbänden, und zwar Orthodoxe, Konservative, Liberale und Reformierte. Den Vorsitz führte Rabbi Abram Simon (Washington). scheu dieser Banknoten unterscheidet sich von den anderen, heute im Umlauf befindlichen, durch die Farbe. An Stelle der blauen Farbe, welche ans den letzteren vorherrscht, erscheint bei der elfteren die violette Farbe, während die rote Farbe durch die gelbe ersetzt ist. Die Filigrane der jetzigen Banknoten mit den Figuren Trojans und Merkurs und zwar die zwei Filigrane „B. N. R.", sowie das weiße Wasserzeichen „Xlita suta Lei" sind ans den späteren Banknoten durch beschattete Umrahmung ersetzt. Der Umtausch erfolgt beim Sitze der Nationalbauk in Bukarest, Strada Lipscani 7, oder allen ihren Agenturen und Filialen bis längstens 1. Juni d. I. Die zehnte Landeskonferenz der Bnkowinaer zioniften. Alts Czernvwitz meldet die I. T. A.: Die zehnte zionistische Landeskonferenz wurde am 20. und 27. Dezember im Festsaale der Toynbeehalle abgehalten. Sie >war von mehr als hundert Delegierten aus Stadt und .Land beschickt. Nach einer programmatisch bedeutsamen Rede des Präsidenten Dr. Mayer- Ebner über Zionismus und Landespolitik und einer sich daran knüpfenden lebhaften Diskussion wurden sehr wichtige Resolutionen betreffend die zionistische Arbeit int allgemeinen und in der Bukowina im besonderen angenommen. Es sei der Beschluß erwähnt, int Laufe der nächsten Zeit ein Zionistenheim zu erwerben und die Ermächtigung der Konferenz an .Landesexekutive, im gegebenen Augenblick die Politik von der rein zionistischen Arbeit zu trennen und sich mit den lüdischnationalett bürgerlichen Parteien zwecks Durchführung der Landespolitik zu einem Nationalverband zn vereinigen. Den Rechenschaftsbericht erstattete der Vizepräsident der Lande'sorgallisation Dr. Th. W e i ß e l ü e r g e r. . Herr Dr. Markus Kraemer entwickelte das Programm der radikalen Zionisten und begründete deren ablehnende Haltung gegenüber dem Plan einer erweiterten Jewish «Agency. Er forderte die Rückkehr z>um Primate der Organisation und zur lebendigen Bewegung, die allein große Volksmassen dem Palästinagedanken gewinnen könne. Dr. Mayer-Ebner präzisierte in einer längeren Rede feine Stellung zur Schul- und Sprachensrage. In die Landesexekutive wurden getvählt: Zum Präsidenten der Zivttistischeu Latldesorganisation Doktor May e r-E!bne r; zn Vizepräsidenten Dr. Theodor W e i ß e l b e r g e r, Dr. Salomon K a ß n e r, Dr. Markus Ä r a >e m e r, Joses W i z n i tz e r. Ferner wurde eine Stvölfgliedrige Erekutive sowie ein Parteirat eingesetzt. Sin Monnment ffr Chaim Solomon in Washington. Washnrgton, 6. Jänner. (I. T. A.) Das Kongreßmitglied M u n y (Ohio) brachte eine Bill ein, daß 50.000 Dollar für ein in Washington aufzusiellendes Denkntal für den aus Polen stammenden Vorkämpfer der a m e r ikaNischen Unabhringigkei.it Chaim Solomon bewilligt werden. _ Sie Verleumder der Abgeordneten SrLnbaum verurteM. (Eigendiensi der „Wiener Morigeuzeitunlg".) Warschau, 7. Jänner. Vor denr Appellationsgerichlshof wurde gestern die Klage des Abgeordneten Grünbaum gegen den Redakteur der „Gazeta Wavszawska", Siegmund Wasilewski sowie gegen den Redakteur der „Gazeta Poranna" Wierzbinski und die übrigen Herausgeber der nationaldemokratischen Presse wegen verleumderischer Angaben über seine angebliche Tätigkeit im Auslande gegen den polnischen Staat verhandelt. Wie bekannt, wurden in der erstert Verhandlung vor dem Kreisgericht die Angeklagten mit der Begründung freigesprochen, daß die Redakteure ihre Angaben auf ein Dokument des Außenministeriums stützten. In der jetzigen Verhandlung wurde als Kronzeuge der Präsident des polnischen Sozialistenklubs, Abg. Baalieki, einvernommen, der aussagte, daß er den Abg. Grünbannr seit denr Jahre 1902 kenne und mit ihm sehr oft in ösftntlichen politischen Versammlungen gesprochen habe. Der von Grünbannt geschaffene M i n d e r h e i t s b l o ck kann keineswegs als eine antistaatliche Tat betrachtet werden. Daß Grünbaum in Polen keinen nationalen, sondern einen Nationalitätenstaat erblicke, weist auf keine antistaatliche Gesinnung hin, weil ja auch der letzte sozialdemokratische Kongreß, der vor einigen Tagen in Warschau tagte, ähnliche Resvlutionen zur Lösung der Mnoritätenfrage gefaßt hat. Den Abg. Grünbaum dertrat Abg. Hartglas, der in einer längeren Rede die Nichtigkeit der gegen Grünbaum erhobenen Anwürfe nachwies. Nach kurzer Beratung sprach der Vorsitzende. die Kassation des Freispruchs der ersten Instanz aus und verurteilte die von Abg. Grünbaum geklagten Redakteure zu einer ein monatlichen Kerker- und größerer Geldstrafe. Die Kerkerstrafe wurde jedoch vom Appella- Aonsgerichtshof auf Grund der letzten Amnestie erlassen.