Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1926-01-07 · Heft 2469 (7.1.1926) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2469 (7.1.1926)
Date
1926-01-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2981549-2981556--25153-3012770
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. Wien, Donnerstag Wiener Morgen-eitung 7. Jänner .1686 4 Ae MschmgsaffSre kommt vor Las Parlament. -er raffenschützlerische Maeordaete Mala lm »«hör. - Ler SenerallnjpeNar der sranzii fische« Natenbank i« Vadapefi- (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 6. Jänner. Die bisherigen Ergebnisse der Untersuchung der Fälscheraffäre lassen den Eindruck nicht mehr verwischen, daß es sich hier um eine erstrangige politische Angelegenheit handelt, eine Auffassung, die sich nunmchr auch in der Regierungspartei selbst breitmacht. Daher wird sich auch die Nationalversammlung früher oder später mit dieser Angelegenheit beschäftigen müssen» In allen Parteien, auch unter der Opposition, besteht hie Neigung, dem Ministerpräsidenten in der Frage einer vorzeitigen Einberufung der Nationalversammlung keine Schwierigkeiten zu machen. Es bleibt somit bei dem Zusammentritt des Parlaments am 16. Jänner. Die oppositionellen AbgeordnetenLetai, Hegymegi- Jiiß, Szakatz und Baroß sind heute aus dem demokratischenOpPositions block ausgetreten, nachdem sie mit ihrer Ansicht, daß die s o f o r t i g e E i n b e r u f itu g des Parlaments erforderlich sei, im Block vereinzelt ge* blieben waren. Die gestrige Einvernahme Nadosshs ruachtc ein neuerliches Verhör des Prinzen WindischgrLtz notwendig. Da sich zwischen den Allssagen der beiden (Genannten gewisse Gegensätze zeigen, bemüht sich die Untersuchung gegenwärtig um die Aufklärung dieser Widersprüche. Die Untersuchung richtet sich jetzt in erster Linie auf die -Feststellung, in -welcher Druckerei die falschen Tausend-Franken-Noten hergestellt wurden und wo das zur Fälschung verwendete Papier beschafft wurde. Zu diesem Ztvecke wurde Desider Raba neuerdings einvernommen. Auf Grund seiner Aussagen ist dann eine neuerliche Einvernahme mehrerer Beamten des kartographischen Instituts notwendig geworden. Die Verhaftung des Landespolizrichefs Sdadossy wird von der gesamten Presse als g r ü ß t e S e »s a t i o n erörtert. Me ft er Llo.yd" erklärt, daß dieses schonungslose Vorgehen der Reglevung sowohl -in der Heimat als auch im Ausland die Ueberzeugung wecken müsse, daß der Gerechtigkeit auf der ganzen Linie freier Lauf gelassen werde. Das Ausland habe jetzt erfahren und auch in Ungarn werde jedermann .es sich merken müssen, daß in Ungarn die Zeit vorbei -ist, in der gesetzwidrigen Handlungen das Mäntelchen patriotischer Beweggründe umgehängt werden konnte. Die Polizei hat seit zwei Tagen, «besonders nach der gestrigen Hausdurchsuchung im kartographischen Institut in der Rettok-Utea, den Eindruck gewonnen, daß die Utensilien zur Herstellung der falschen Tallsend-Franken-Noten durch Diebstahl beschafft worden waren, die Herstellung der falschen Noten jetwch nicht in Budapest (?), sondern irgendwo außerhalb der Landeshauptstadt erfolgt sein dürste. Ein früherer Beamter der Windischgrätzschen Kellereien inSarospatak und Tokaj hat sich der Polizei gegenüber erbötig gemacht, eine Spur zur Aushebung der FAfcherwerkstätte aufzudecken. Die Leiter der Untersuchung vereinbarten, den Mann in Begleitung mehrerer Polizeiagenten nach Sarospatak zu entsenden, um dort in den Katakomben der Rakoczi-Burg, die gegenwärtig Eigentum des Prinzen ist, eine Hausdurchsuchung vorzunehmen. Mbgeovdnelev Uknn vevhvvt. Der rechtsradikale Abgeordnete Doktor Franz Ulain, dessen Name in Verbindung mid der Frankenfälschungsafsäre gleichfalls viel genannt wird, ist heute aus Italien in B u da p c ft eingetroffen und hat sich bei der Staatsanwaltschaft gemeldet. Gr wurde sofort einvernommen. Der Generalinfpektor -er Banque de France in Budapest. Der 'Generalmspektor der Banque d'e France, Eolart de Hostingue, ist gestern abends hier emge-trvffen. Anher französischen Noten... Gegenüber der Meldung der jugoslawischen Nachrichtenagentur «Aval«, daß auch die falschen Dinarnoten von der in Ungarn aufgedeckten geheimen Organisation gedruckt worden wären, wird an Budapester amtlicher Stelle sestgestellt, daß die in Ungarn dnrchgesührte Untersuchung bisher keinerlei Daten, Anhaltspunkte oder den Verdacht ergeben hat, daß a u ß e r den s r a n z ö si s ch e >l Tausendfrant'ermoteu a u ch a n d e r e Noten g e f ä l s ch t worden ivären. Der Honvedminister noch nicht verhaftet. Wie der Politischen Korrespondenz von der Wiener ungarischen Gesandtschaft mitgeteilt wird, ist die Nachricht, daß der Honvednünister Gras Karl Esaky im Zusammenhang mit den Frankenfälschungen an .der ungarischen Grenze angehalten und verhaftet worden sei, nicht zutreffend. Das Gentrykasino. Alts Antrag mehrerer Mitglieder des ungarischen Landeskasinos, dessen Direktor der verhaftete Landespolizeichef Nadossy war, wurde das e h r c n r ä t l i ch e Verfahren gegen Nadossy und den Obersten I a n k o v i ch, der gleichfalls Mitglied des Gentrykasinos war, eingeleitet. Höchstwahrscheinlich werden sowohl Nadossy als auch Jankvvich aus dem Kasino ausgeschlossen werden. — Der gewesene Innenminister Ben-iezky wurde, wie erinnerlich, vor einigen Monaten aus Betreiben Nadossys aus dem Kasino ausgeschlossen. Polizrivattonillen in den Budapest« Straßen Der verhaftete Sekretär des Prinzen Windischgrätz, Desider Raba, wurde am Nachmittag von der Staatsanwaltschaft zur Polizei überführt, um dort mit verschiedenen verdächtigen Personen konfrontiert zu werden. Es wurden, wie verlautet, sieben Personen verhört und mit Raba konfrontiert. Drei der Einvernommenen wurden in Schutzhaft genommen. In den Straßen der Hauptstadt wurden heute abends die Polizeipatrouillen verstärkt, um etwaigen Demonstrationen der Rechtsradikalen v o r z u b e ug e n. Die Ruhe wurde jedoch nirgends gestört. Das kavtographifdjc Institut — eine Kultusarrgelcgenheit. Ein hochgestellter m i l i t ä r i s ch e r F u u kt i snär erklärte vor Pressevertretern, daß entgegen den «Gerüchten, wonach auch die Militäranwaltschast eine Unterftrchung in -der Frankenfälschungsasfäre eingeleitet habe, eine solche Unterisuchung nicht nötig sei, da keine einzige Militärperson in der Angelegenheit kompromittiert erscheint (?). Auf die Frage eines Journalisten, ob die wiederholten ^Hausdurchsuchlnrgen in dem staatlichen kartographischen Institut keinen Anlaß zu einem Einschreiten der Militäranwaltschast bieten, entgegnete der militärische Gewährsmann, «daß das staatliche ikartographische Institut nicht unter militärischer AuMcht, sondern unter der Aufsicht des Kultus-- und Unterrichtsministeriums stehe. — Glu der Spitze des Kultusministeriums steht Graf Klebe l s- Lerg, dessen Sympathien für die Rassenfchutzbetvegung kein Geheimnis sind. — Die Red.) Die aadvve Tätigkeit des kavtogvaftWchen Instituts. Prag, 6. Jänner. (Tel.-Komp.) In der Engerau bei Preßburg wurde, wie die Blätter melden, der ungarische Staatsangehörige Stephan Karossy, der sich als Vergnüguugsreisender ausgab, angehalten und, da er der Polizei verdächtig erschien, einer Leibesvisitation unterzogen. Es stellte sich heraus, daß Karossy, bei dem Landkarten mrd ein geladener Revolver gefunden wurden, aktiver Offizier der ungarischen Nationalarmee und als solcher dem kartographischen Institut inBudapest z u g e t e i l t ist. Man hält es f ü r n i ch t a u s g e s ch l o s s e n, daß die Reise Karosshs mitdenFrankensälschungenzus a m m e n h ä n g t. Karossy wurde als der Spionage verdächtig i n H a f t b e h a l t e n. Dir tschechische Auffassung. Prag, G. Jänner. (Tel.-Komp.) Unter den tschechischen Blättern, die andauernd tut Zusammenhangs mit der Frankenfälschungsafsäre heftige Angriffe gegen Ungarn richten, ergreift heute das Organ des Ministerpräsidenten, der „Benkov", das Wort. Das Blatt fordert, daß alle durch die Frankensälschungen geschädigten Staaten vom ungarischen Staate vollen Ersatz für die auf ihrem Gebiete sichergestellten 1000-Franken-Falsrfifflie verlangen sollen. Weitere Komplicen in Hauchurg. Hamburg, 6. Jänner. (Wolfs.) Der vor einigen Lagen auf dem Dampfer ,Heo" int hiesigen Hafen wegen Beteiligung an den Fran'kenfälschnrlgeu verhaftete Eduard Olchvary machte bei seinem Verhör widersprechende Angaben. Man nimmt an, daß er in Hamburg weitere Mitschuldige habe. Die Polizei hat inzwischen fest,gestellt, daß die Koffer Olchvarys doppelte Böden hatten, in denen große Mengen falschen «Geldes befördert «werden konnten. Olchvary hat sich seit längerer Zeit auf Reisen befunden. Er kam von Norwegen nach Hamburg und dürfte bereits zahlreiche falsche Frankennoten n-ntergebracht -haben. Die Auslieferung Olchvarys nach Ungarn wurde von der «Budapester Staatsanwaltschaft bereits eingeleitet. mm 9 MO Möbelfabrik JACQUES WALLIS Wien,!., Wollzeile 21! Wohnungseinrichtungen bis zum feinsten Genre, 1 rmitStknUimm* Laaer in fünf Stockwerken Sin abrnteneklich« Plan de, gakm DindischgM- Die Behauptungen gowiffer monarchistischer Kreist, daß Prinz Windischgrätz sich seit einiger Zeit von den Legitimisten vollständig abgewendet habe, wird, wie die Korrespondenz Her wer meldet, von -informierter Seite ans Las lebhafteste bestritten -und zugleich betont, -daß Prinz Windischgrätz stets als -ein Führer der Legitimisten galt. Der Prinz war bis «vor kurzem wiederholt in Wien, erschien ine Jockeiklub und wohnte politischen Konferenzen privater Zirkel bei, was auch jene, die ihm heute seine Zugehörigkeit zum- Legitianism-üs sprechen wollen, sehr genau ivissen. Was für abenteuerliche Pläne Prinz Windischgrätz oft ausheckte, darüber gibt nachstehender Vorfall, der der genannten Korrespondenz-von einem einwandfreie,: Zeugen mitgetei-lt «wird, Abschluß. Im Frühjahr 1926 erschien Prinz Windischgrätz in Begleitung des Grafen H n n y a d y in P r a n g i n s, wo er dem gewesenen Kaiser Karl m-ftteilte, «daß er einen bis in die -kleinsten Details ausgearbciteten Plan habe, -demgemäß der Kaiser innerhalb kurzer Zeit «wieder zum König ,von Ungarn eingesetzt, werde. Der Kaisermüsse ihm aber -den gesamten Schmuck, dm sogenannten Familien schmuck, 'Übergaben, den er in Paris verkaufen und sich «da«durch eine größere G-e-ldfumtne «beschaffen werde. Mit diesem Gelde werde in Budapest ein Putsch veranstaltet,, wodurch der Kaiser innerhalb eines Ze-itranm-es von acht Tagen wieder zur Regierung kommen «werde. Da's Geld brauche er unter allen Umständen, «weil er die Führer der Opposition bestech'en und die U-nilv-ersibätsj-ugend gewinnen m«üss«e. Sobald dies geschehen sei, werde Horthy abgesttzt und «das legitime Königtum proklamiert. Diese Unterredung dauerte vier Stunden. Schließlich erinnerte Prinz Windischgrätz den Kaiser au seinen Eid, der' i-hn verpfli^te, alles für Ungarn zu tun. Gleich darauf erschien cm österreichischer Bevtrauensnrann, -der damals -ebenfalls in Praugins weilte, beinr Kaiser und bat ihn mit aufgchobeuen, Händen, auf die phantastischen Jdeerr de's Prinzen nicht« einzugehen und vor allem ihm den Familienschmuck nicht zu übergeben. Der Kaiser glaubte diesen Worten und so wurde der Plan des Prinzen zunichte. Nichtsdestoweniger erschien - Prinz Windischgrätz Ärrze Zoll darauf neuerdings beim Kaiser, um diesen abermals zum Verkauf des Schmuckes zu überreden. Dieser Vorfall zeigt, daß Prinz Windischgrätz schon damals große «Geldsummen für seine legitimi'stischen- Pla-ne benötiKe. Daß er «auch für seine persönlichen Bedürfnisse viel Geld tauchte, kann nicht bastritten werden, zumal ja bekannt -ist, -daß er ein S p -i -e -l e r und Freund derFrauen -war «und überhaupt sseh rkZUsp l c «l j g c Passion'en Hatt e. ■ ' i Wüe &§e fwL-Gew DmchdwdßriMtOettnoten aus? «Die Falsifikate weisen untereinander Breitenuntevschiede «bis vier Millimeter aus; auch in der Länge zeigen sich Mweichungen. Daher variiert das Größerwerhältnis zu derr Htm Noten; die Falschstücke sind teW kleiner, teils größer. Das Papier «ist. dicker, «spröder im Griff als jenes der echten Noten; pergamentartig; glatt («das echte Papier hat eine Riffelung); gelblich (das echte Papier ist rein weiß). Die Wasserzeichen sind aus folgende Weise bennMa-r: Bei aufsa-Hendem LichtWickseite):KräftigesHervortretenbesorckers bei hellen Partien („1000 F." unschattier-1 -und ,Ianque de France^. Wick) die Note etwas schräg gchalten, st treten die hellen Partien plastisch und stark glänzend hervor. BÄ durchfallendem Licht: Die bei auffallendem Lichte hell erscheinenden Teile Verhalten sich «bei. durchsollendem Licht wchl Ebenso wie die entsprechenden echten Teile (sie zeigen sich dunkel), doch kommt dleseS Dunkol «nicht so kräftig und rein zum Vorschein. Die «hellen Schattiemngen des Buchstaben „F" -und der Ziffern (1000) kommen sehr schwach und mwollkommen zum Ausdruck; -nur am Anfang mch Ende der Rundungen sind einige weißliche Wecken. Die Buchstaben der Wasserzeichemvorte Mille Francs" zeigen sich nicht m gleichmäßiger Helle. Auch sind sie mit dünneren, etwas zittrigen Linien gezeichmt. Die langgestreckten, weißausgesparten Rechtecke (Rückseite), die Hi den echten Noten als Wasser-eichen erschienen, sind bei den Fälschungen nicht als Wafferzeichen nachgeahmt. Vorderseite: Untergrund: In kväftigelN Rat-, braun stark hewortretend. Die beiden in Medaillons eingeschlosst- - ne» Bildnisse (links und rechts oben) sind sehr schlecht, ohne plastische Wirkung gezeichnet. Der Hin«tergrand der Bildnisse istzu dunkel und zu einförmig. Das dritte Medaillon (in der Motens j mitte), bei den echten Roten nicht besonders hervortrete»rd, wickt bei den Falsifikaten auftringlich. (Die Färbung des Untergrundes ( ist variabel,) Druckbild: Unreines, stark ins Grünliche gehendes Blau (bei manchen Roten durchaus «Schmutzig-Grün). Di» Zeichnung ist mit dicken Strichen plump auSgesichrt. Die omamen- -talen Teile der oberen und unteren RchMnl-eiste, welche den' Serien, und Nummernaufdruck ttvM tzeMM MK

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.