Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2467 (5.1.1926)
- Date
- 1926-01-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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**«« NK«, DienStag CTftttt* MmM«ße^u«U 5. Jänner tm Sk. 9467 Parieirat -er Ssterreichtfchen zionistischen LandesorMisation. vetomuig du nationale» Pro«ra«mrr. — Sie Arbeit w» di« iSdstch« »reffe. Die vom Direktorium der Ssterreichischen Zionistischen LandeSorganiistltion einberufene und Sonntag im Vereins« lokal der Hakoah «-gehaltene Parteiberatung ist für Oesterreich als ein zionistisches Ereignis ersten Rangezu werten. Der Ernst und die Gründlichkeit der Beratungen, die klare und eindeutige zionistische Einstellung, die in den Referaten und in einer auf hohem Niveau geführten Debatte zum Äu»- druck kam, brachte für die zionistische Arbeit der nächsten Zeit in Wien und Oesterreich Richtlinien, die geeignet sind, eine gründliche und schon lange als notwendig erschienene Reorganisation der zionistischen Tätigkeit aus allen einschlägigen Gebieten einzuleiten. Es waren hauptsächlich drei Probleme der österreichischen Zionistischen Organisation, die aufs gründlichste beraten und einer Lösung nahegebracht wurden: der Ausbau, Ausgestaltung utü> Reaktivierung der österreichischen Zionistischen Organisation, die programmatische unpraktische Einstellung der zionistischen Kultusgemeindemandatare zu den Aufgaben der jüdischen Kultusgemeinde und die Klärung der muerzionistischen Verhältnisse Oesterreichs, d. h. die Stellungnahme zu gewissen, die Arbeit hemmenden, sondierenden Elementen. Der Präsident des die österreichisch-zionistischen Ge, schäfte führenden Direktoriums, Dr. Desider Friedman», erstattete den Bericht über die Organisation. Dr. Friedmann ging auf die schwierigen Verhältnisse ein, unter denen es dem Direktorium zufiel, die Geschäfte zu führen. In erster Linie waren es die unzulänglichen finanziellen Mittel, welche die Arbeit erschwerten. Es ist dem Direktorium gelungen, engste Fühlungnahme mit allen zionistischen Körperschaften, Bezirkssektionen usw. herzustellen, eine immer zunehmende Konzentration der Arbeit zu bewirken. Tie Lektionen muffen insbssondere diesen Aufgaben gewachsen sein, wenn der Aushau der Organisation gelingen soll. Eine Reihe von Mionen und Veranstaltungen wurde in Wien und in der Provinz durch» geführt. Es ist klar, daß das bisher Geleitete bei tveitem nicht genügen kann. Für die Sammelaktion de- Keren Kajemeth ist von der zionistischen Landesleitung alles getan worden, was getan werden konnte. Es silrd außerordentliche Lasten zu tragen; sie müssen aber mit Liebe und Ausdauer getragen werden. Neben den Bemühungen um die lebenswichtigen Fonds, den Keren Hajeffod und Keren Kajemeth, muffen die größten Anstrengungen um die Sicherung, Erhaltung und Ausgestaltung der „Wiener Morgenzeitung" gemacht werden. Die Wechselwirkung von Organisation und Presse darf nicht für einen Mo-, ment aus dem Auge gelassen werden. Dr. Friedmann behandelte dann ausführlich die Frage der zionistischen Landespolitik und ging insbefondere auf die Arbeit in der jüdischen Kultusg e m ei nde ein und auf das Verhältnis zur Union österreichischer Jude». Er besprach die zionistischen Forderungen, die durchsetzen von dem Kompromiß mit der Union behindern wüHe». Er erwähnte den Konflikt mit der Union, der anläßlich der Frage der Begrüßung der Budapest«* JuhilärrmsfeierlichLeiten entstanden sei. Es sei iriteressant und nicht minder merkwürdig, daß auch die Agudisten, deren Gesinnungsgenossen, die Pester und O f ener ag u di st ische Gemein de, an der Feier -nicht teilnahmeri, die unwürdige Haltung der Kulmsvorstände von der Union mitnrachten. Die Union hat für wirkliche jüdische Arbeit in der Kultusgemeinde fei» Interesse. Ihre derzeitige Stellungnahme ist die Argumentation, die vor 30 Jahren zu hören war. Es ist Aufgabe des zionistischen Klubs, eine reinliche Scheidung durchzuführen, um das zionistische Programm mit Nachdruck zu vertreten. Di« Arbeit müsse Palästina und dem Schutze der jüdischen Minderheitsrechte gelten und es muh der nadionalr Charakter unserer Vewegrmg stärker als bisher betont werden. Im Verlause der Debatte ergänzte Dr. F r i e d m a n n den Bericht bezüglich des Versuches, von der Londoner Zionistischen Exekutive eine organisatorische Entscheidung über die Zugehörigkeit oder Nichtzugchörigkeit der sogenannten //Freien zionistischen Vereinigung zu erhalten. Angesichts der Statutenwidrigkeit, die die -Gründung dieser Vereinigung darstellt, sei die Art der Erledigung wohl nicht Miselhast. Die Mitglieder des Direktoriums, die Herren Kommerzialrat Max Markus und Dr. Leo voldharmrrer, erstatteten Berichte über die Tätigkeit des Keren Hajeffod und Keren Kajemeth. Sie betonten di« schädliche Wirkung seitens der Freie» zionistischen Bereinigung, di« sich bemüffigt fühlte, di« Arbeit »u stören, ohne daß sie selbst auch nur Nennenswertes geleistet hätte. Sie hat — jage und schreibe — 33 Pfund nach London geschickt. Aus den beiden Berichten ist die Unzulänglichkeit der Leistungen der österreichischen Judenheit für Palästina zu ersehen. In Zukunft werden verdoppelte Anstrengungen gemacht werden müffen. Herr Oskar Goldschmidt erstattete den Bericht der ErsparungÄo-mmission, deren Aufgabe es war, Ausgaben und Tätigkeit der Beamten zu prüfen, und konstatiert, daß Spesen und Beamtenapparat auf das Notwendigste beschränkt werden. In der Debatte ergriff Gemeinderat Dr. Plaschfe» als erster das Wort. Es wird fortab nicht angehen, führte der Redner aus, sich mit politischen Dingen Nicht zu beschäftigen. Die Haltung der sozialdemokratischen Gemeinderatsmehrheit gegenüber den jüdischkulturellen Forderungen, auf deren Erfüllung die Juden gemäß dem Frieden-Vertrag Anspruch haben, beweise die Notwendigkeit des offenen Kampfes aller jener, die nationale Jude» sind, um die jüdischen Minderheilsrechte in Wien. Redner bespricht dann die Wichtigkeit der jüdischen Preffe für die Juden Oesterreichs und der Welt. Der Bestand der ,M1ener Morgenzeit u n g" kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie muß ausgestaltct und ihr Abonnentenstand gehoben werde». Ohne Presse gibt es keine zionistische Arbeit, keinen Keren Hajessod und kein« Organisation. Für die „Morgen zeitung" muß eine groß« Aktion einfele ttt werden, der sich kein Fude und kein Zionist entziehe« darf. Di« Stellung zur Union dürfe von nichtanderem als von den Grundsätzen der Nationalisierung und Zioni» sierung Wiener Judmschaft beeinflußt werden. Die Kultusgemeinde muß die jüdische Volksgemeinde werden, eine Jndengemeinde für alle Rechte der Jude». Di« Freie »ioirMche Vereinigung ist eine Vereinigung gegen di« zionistische Partei in Oesterreich. Der Schaden, den sie bringt, kann nur durch eine klare, unzweideutige und öffentliche Trennung von ihr beseitigt -werdrn. Für diese Trennung spricht sich auch Oberbaurat Robert Stricker in längerer Rode aus. Di« Freie zionistische Vereinigung ist ein Kind der Stimmmrg, die der Gedanke der Erweiterung der Jewish Agency gebracht hat. Diese Stimmung tragt schuld an einer eingeschüchterten, zerfallenden Organisation. Man betrachtet die Organisation als Nebensache. Mit ihr abe? steht und fällt die ganze zionistische Sache. Die nationalen Grundsätze haben wir preisgegeben, aber den Kaufpreis nicht bekommen. Die Arbeit für die Organisation müßin de» Bordergrun-treten. Die Erziehung von Nichtzionisten zu Zionisten ist Gerede, was leider erst jetzt allgemein zum Bewußtsein kommt. Daganze nationale Programm muß energisch verfochten werden, auch das Programm der jüdischen Minderheitsrechte. In der Debatte sprach ncch eine Reche von Rednern, die praktische Richtlinien für die Arbeit der nächsten Zeit zeichneten, eins fast einmütige, klare nationale Auffassung an den Tag legten und sich in sehr scharfen Worten gegen die Freie zionistische Vereinigung aussprachen. Nach den Schlußreden des Präsidenten der Tagung, Dr. L ö w e n h e r z, und deL Präsidenten des zionistischen Divefeorinnns, Dr. F r i« d m a u », deren Reden d!« Gtkrimung der ganzen Versammlung in sich verkörperte, wurde dfe Tagung in später Nachtstunde geschlossen. Di« wichtigsten Resolutionen teilen wir an anderer Stelle mit. I »rutsche »amv.filcherel «mit rii«»,«, Bl» frische 1 Kür pramm m» Seefische «146 Ee<stsch«K»chbuch kostknloßl „Nordsee" WOLPOANO WEISL Der Kampf um das heilige Land Palästina von heute Mit 44 Abbildungen und 4 Karten Preis in Leinen S 17.— Alle Etappen des englischjüdisch-arabischen Kampfes um Palästina *«»*»» FELIX PINNER Das neue Palästina Volkswirtschaftliche Studien Preis 8 4.50 Die wirtschaftliche Lage in Palästina Die Ursachen ihrer Schwierigkeiten Neue Wegen und Perspektiven Durch Buchhandlung R. L6wii, Wien, l. Rotentunnihraiie 22 und FleUchmarkt 1 ■SSeSggSE Sichert euch Das Wahlrecht. Me nach dem Stand vom 1, Jänner 1V25 augeleg« ten Wählerverzeichnisse werden jetzt richtiggestellt. Neu ausgenommen werden in die Wählerliste alle österreichische» Bundesbürger ohne Unterschied de- Geschlecht-, die im Laufe de- Jahres 1928 das zwanzigste Lebensjahr erreicht haben, im Gemeindegebiet von Wien am 1. Jänner 1926 ihren ordentlichen Wohnsitz haben und Nicht vom Wahlrecht ausgeschloffen sind; alle Personen, die seit der Anlegung der Wählerliste die Bnndesbürgerschast erlangt haben; alle Wahlberechtigte«, die ihre» ordentlichen Wohnst tz nach dem 1. Jänner 1925 «ach Wien verlegt haben und alle Wahlberechtigten, die nach dem 1. Jänner 1925 ihren ordentlichen Wohnsitz innerhalb Wiens gewechselt habe« unter gleichzeitiger Streichung in ihrem früheren Wohnorte. Alle diese Personen müffen bis längsten- 29. Jänner 1929 dem magistratischen Bezirksamt ihres Wohnortes den Meldezettel, Heimatschein, Geburtsschein vorlegen, «in Wählersulageblatt ausfüllen, worauf sie in die Wählerliste ausgenommen werden. Die Reklamationsfrist beginnt am 1. Februar und endet am 14 Februar 1926. »Schober und Me Sahen." . Ein« Erklärung des Zionistischen LandeskomiteeS für Oesterreich. Vn gestriges MontaMatt brachte uii/ier der Uckerzchrtzft „Schober und di« Juden" eine Nachricht &ba Kriagsvockenitungen der Hakoah, zur Zei-t de- Wiener zionistischen Kongreffes, welche auf Grund ein« Rücksprache Mischen dam Poltzeiprästzdeirten von Mm und der Lelilung des Sportklubs Hakoah getroffen worden sein sollen. Da- Zionistische LandeSkomltee für Oesterreich erklärt hieyu, daß eine solche Unterredung niemals fUtiiaSftutfceit halbe, weshalb auch alle daran Mvüpften Folbgevnngen hinfällig sind. Im Gegenteil, der Vertreter der Zionistischen Organisation, welcher anläßlich des ZionistonSongreffedie Bechandlungm geführt hat, hat stetdarauf verwiesen, daß die Organiisaliou keine Form des Selbstschutzes dulde und di« volle Verantwortung für den Schutz der Kongreßteilnehmer den dazu berufenen Behörden überlasst. 8a»f»lns «alte. «»fit, 4. Jänner. (Tel. der «Wien«, Morgenzeitung-.) Ministerpräsident Zaukow hat unter dem Druck der innerpolitischen Verhältnisse gestern dem König di« Demks* sion seines Kabinetts unterbreitet. Der König hat die Demission angenommen und de» Demokraten jlaptschew mit der Bildung der neue» Regierung betraut. Heute nachmittags empfing der König Zankow und Vjaptfchew gleichzeitig in Audienz. Das neue Kabinett setzt sich folgendermaßen znsamnienr Präsidium und Inneres — Ljaptjchew, Aeußeres — Burow, Oeffentlicher Unterricht — Naidenow, Finanzen — Wladimir M o l l o w, Justtz — K u l« w, Krieg —General M a l k o w, Handel — Schoschewsko, Landwirtschaft — E hri sto w. Oesseutliche Arbeiten — Slaveiko B a s f i l e w, Eisenbahnen — Kimon Georgien». Gestern verlas der König einer bei chm erschienenen parlamentarischen Delegation eine Botschaft, in der er die Notwendigket betonte, rasch zu einer inneren Beruhigung und wirtschaftlichen Wiederaufrichtung des Lander zu gelangen. Das bulgarische Bott will ein Element de- Friedens und des Fortchsrittes sein und wünscht, daß die tiefen Munden, die der Krieg dem Laiche geschlagen hat, geheilt lverden. «nelffnde» in üftcmWfdien Sienßen. Durch das neue Jnkandsarbeiterschutzgesetz wird bekanntlich bestimnlt, daß ausländische Arbeitnehmer, die nach dem 1. Jänner 1823 nach Oesterreich gekommen sind, eine Anstellung nur mit Bewilligung de» Bundeskanzleramtes in Oester' reich antretm dürfen. Die Vorschriften deS Gesetze» gelten jedoch nicht, wie in einer Minffterialvewrdnung mitgeteilt wird, für folgende Gruppen von Arbeitnehmern: Für die im zwischenstaatlichen Dienst der Transportunternehmungen beschäftigten Personen r für landwirtschaftliche Arbeiter und bäuerliche Dienstboten; für folgende Gruppen von Personen, auf bereit Dienstverhältnis da- Gesetz über den Bühnendienstvertrag Anwendung findet: Direktoren,