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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-05 · Heft 2467 (5.1.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2467 (5.1.1926)
Date
1926-01-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Bit. 8467 Wien, Disnitag Wiener Mrrsenzeit««- «. JSnmt 1966 Seit» 6 r. WIllHIIN ZUM ZÜRICHER SEID EN Hi US SPEZIALANGEBOT WM Mi MW MM M MM MM MM MM MWU MM MM « S. WIUHIIM SEIDENHAUS WIEN, I., TUCHLAUBEN 8 WIINt I. BAUCRNM ARKT2a Set Sturm gegen Stephen Wi!e. New-Aork, 1. Jänner. Die Jüdische Telegraphen- Mentur hat die Mitglieder des Nationalkomitees für die vereinigte Palästinakampagne sowie die Vorsitzenden aller zionistischen Distriktskomitees in Amerika darüber Lesragt, wie sie sich zu der Forderung der Union der konservativen Rabbiner, daß Dr. Stephen W i s e seine Präsidentenschaft im Palästina-Drive niederlegen müsse, verhalten. Von den 868 Personen, die befragt wurden, haben bisher 384 eine Antwort erteilt. Bon diesen haben sich 348 für das Verbleiben von Dr. Wise in seiner bisherigen Position ausgesprochen. Der Rest sprach sich teils für seinen Rücktritt, teils für eine nähere Untersuchung aus. Stellungnahme -es polnischen Rabbrnevverbandes. Warschau, 2. Jänner. (I. T. A.) Der Ausschuß des Rabbinerverbandes in Polen nahm einen Beschluß an, in welchenr die Stellungnahme der Union orthodoxer Rabbiner Amerikas gegen Dr. Wise gebilligt wird. Die „Fea" gründet Wische Kolonien in Brasilien. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitunig".) Kowno, 4. Jänner. Seit einiger Zeit weilt hier als Vertreter der „Jca" Agronom M i r k i n, der mit der Ausgabe betraut eine Anzahl litauisch-jüdischer Familien in Brasilien anzusiedeln. So sollen noch vor den Osterstier tagen aus Litauen 15 jüdische Faimilien nach Brasilien austvandern, wo die „Jca" jeder Familie 50 Hektar Boden zu landwirtschaftlichen Zwecken zur Verfügung stellt. Außer Boden bekommt ein jeder Kolonist das hiezu nötige lebendige Inventar. Die Ansiedluug einer solchen Familie kostet 900 Dollar, welcher Betrag iü Jahresraten zu 46 Dollar von den angesiedelten Kolonisten an die „Jca" rückgezahlt 'werden soll. . Die Ansiedlung soll etappenweise vor sich gehen, und Ktvar .sollen in je 4 bis 5 Monaten 15 Familien nach Brasilien hinübergebracht werden. In einem Gespräch erklärte Mir k i n, daß die „Jca" ans diese Weise eine Anzahl jüdischer Kolonien auf einer Bodenfläche tarn; 200.000 Hektar wird ansiedeln Wnnen. Die Kolonien sollen eigene Gemeinden bilden, die die Bedürfnisse der Kolonisten decken sollen. In den - Kolonien werden auch mit Geldmitteln der ,/Foa" «Schulen, Bet» 'Häuser und sonstige soziaAuliturelle Anstalten gegründet werden. Zwischen den einzelnen Kolonien sollen auch Eisenbahnverbindungen geschaffen werden. Zurzeit verfügt die „Jca" in Brasilien bereits über 20.000 Hektar Boden, die einen Ausammengeschlvssenen Komplex bilden. zionistische Landeskonferenz in Weftgalizie». (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Krakau, 4. Jänner. Heute hat hier die Tagung der zionistischen Landeskonferenz für den westlichen Teil Klein- Polens und Polnisch-Schlesiens begonnen. Die Konferenz wurde vom Präsidenten Abg. Dr. Thon eröffnet. Sodann erstattete der Generalsekretär Dr. Herfchdörfer einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit der Landes exekutive. In der Nachmittagssitzung referierte Dr. S ch w a r z b a r t über die gegenwärtigen Probleme der zionistischen Weltorganisation, Redakteur Dr. Seiden über die wirtschaftliche Lage der polnischen Judenheit. An beide Referate schloß sich eine lebhafte Debatte. Zu gleicher Zeit findet auch die Tagung der kleinpolnischen zionistischen Föderation Hitachduth statt. ««»bau der polaisch-palMnenfischea Handelrbrzietznngea. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 4. Jänner. Der polnische 'Generalkonsul in Jerusalem Dr. H u b i e k i, der, wie bereits gemeldet, ein besonderes Interesse für die Gründung einer polnisch-palästinensischen- «Handelskammer an den Tag gelegt hat, ist von hier abgereist, nur seinen Posten in Jerusalem zu übernehmen. Alm Bahnhoif «erschienen zu seiner Verabschiedung! u. a. auch Senator Körner in Vertretung des jüdischen Klubs und Dr. Hlndes iw Namen der Zionistischen Organisation in Polen. Bor seiner Abreise hatte «Generalkonsul Hubieki eine längere Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Skrzynski, in der die Frage der Anknüpfung regerer Handelsbeziehungen z w i s ch e n P o l e n u u d P a t ä st i n a besprochen wurde. Mlnistörprösiden-t Skrzyn'sti hat mit besonderem Interesse die Jnfovinationen über den gegenwärtigen «Stand des PalÄstinaaufbaues entgegengenommen. 8in polnisch-russischer Rentraiiiittsvrrtrag? Berlin, 4. Jänner. (Tel.-Komp.) Das S-Uhr-Blatt" üneldet aus Warschau: Ju führenden Politischen Kreisen Warschaus verlautet, daß zwischen Rußland nnd Polen eine zunächst unverbindliche Fühlungnahme über einen polnisch-russischen Neutralitätsv ertrag nach Art des russisch-türkischen Vertrages stattgchmden habe. 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Ein führender polnischer Politiker erklärt dazu, daß der Abschluß eines polnifch-ruMschen Neutralitätsvertrages sich für Polen automatisch aus der Wendung ergebe, die die große europäische Politik durch den Abschluß des Locarno-Vertrages genommen habe. Eine Bestätigung dieser Meldung von anderer 'Seite liegt bis jetzt nicht vor. Eine türkische Abordnung nach London. Konstantinopel, 4. Jänner. (Tel.-Komp.) Die türkische Regierung hat den Text ihrer Antwort auf die Note der englischen Regierung bereits festgesetzt. Die türkische Regierung erklärt, daß sie, um zu einer B e r st ä n d i g u n g in der Mossulfrage zu gelangen^ bereit sei. die Vorschläge Englands anzunehmn, jedoch mit dem formellen Vorbehalt, daß England vor allem die Festsetzung einer Grenze des Willajets Vorschläge, die für die Türkei annehmbar sei. Eine Abordnung werde der britischen Regierung int Laufe dieser Woche diesen Beschluß zur Kenntnis bringen. Kühler Empfang des Außenministers in Angora. London, 4. Jänner. (Tel.-Komp.) Wie der diploumtische Korrespondent, des „Daily Telegraph" witteilt, hat die türkische Kammer den Außenminister T e w f i k R ue s ch d i B e i sehr k ü h l empfangen. Seine Ausführungen über den Abschluß des russisch-türkischen und des jugoslawisch-türkischen Vertrages haben keinen gv oßen Beifall gefunden und haben nicht genügt, den kalten Empfang der ihm wegen seiner Niederlage rn derMoss ulfrage bereitet Nmrde, zu verwischen. gouveael gegen eine« Krieg. London, 4. Jänner. (Wolfs.) Der stanMifchc Oberkommissär in Syrien de Iouvenel hat in einer Ilnterredung mit 'dem Sonderberichterstatter der imes in Beirut erklärt, er sei bemüht, den Frieden in Syrien ohne weitere Inanspruchnahme der Massen zu erzielen, er beabsichtige jedoch nicht, sich zu Zugeständnissen zwingen zu lassen, die mit den wirklichen Interessen des Landes in Widerspruch stünden. Obgleich er im Interesse aller bereit sei, Frieden zu schließe n, habe er es 'damit n lch t eilig. Die Zeit sei in dieser Hinsicht vollkommen ans 'Seite der Franzosen. Wie der Berichterstatter der „Times" weiter 'meldet, bietet die Frage der Amnestie weiterhin Schwierigkeiten. Obwohl der französische Oberkommissär allen Fichrern 'der Aufständischen das Leben verbürgt habe, verhindere doch die Möglichkeit, haß sie verbannt oder m i t G e l dstrasen belegt oder daß ihr Eigentum beschlagnahmt werden könnte, die Annahme des französischen Angebotes. Wnhid Bei verhaftet. London, 4. Jänner. (Wolfs.) Wie die Blatter aus Beirut melden, hat Oberst Wahid Bei, der Komanandant der syrischen iGendarmerie in Damaskus, ein ehemaliger türkischer Offizier, der sich in Beirut ans Urlaub befand, den Versuch gemacht, sich an Bord eines Dampfers einzuschifsen und unerkannt nach Mersina zu entkommen. Er wurde jedoch von der Polizei verhaftet und ans Land gebracht. Er soll verlacht haben, kompromittierende Dokumente, die sich in seinem Besitz befanden, zu vernichten. Pastive Aefiftrnz gegen dar «ene ägyptische Wahlgesetz. Kairo, 3. Jänner. (Wolfs.) Die von der Negierung gegen 36 Dorfschulzen im Fellah-Distrikt erhobene Anklage, daß sie sich geweigert hatten, das neue Wahlgesetz au'szuführen, endete mit dem F r e i s p r u ch v o n 27 Schulzen. Die übrigen wurden zu kleinen Geldstrafen verurteilt. Die Dorfschulzen hatten sich geweigert, Ausschüsse zu bilden, in denen die Wahllisten aufgestellt werden sollten, ohne die die von der Regierung ausgeschriebetien Wählen nicht abgehalten werden können. Sin afrikanisch« Koloolalmandat für Rallen. Rom, 4. Jänner. (Tel.-Komp.) Die Blätter bringen Meldungen über die Gerüchte, die -in London im Umlauf sind, wonach Ehambe r la in bei seiner Zusammenkunft mit Mussolini in Rapallo die Uebertragung einesKolonial Mandats in Afrika in Aussicht gestellt habe. Der „Corriere d'Jtalia" sägt, Italien werde es sehr begrüßen, wenn England nunmehr die N o t w e ndigleit einer werteren kolonialen Betätigung I t a l i e n s in Afrika einsehen würde. 8ln Attentat in Teheran? Gegen den neuen Schuh. London, 3. Jänner. (Reuter.) Wie die Blätter aus Bagdad berichten, verlautet dort gerüchtweise, daß in -Teheran ein Unbekannter gegen Riza Khan Pahlawi eine Bombe geschleudert habe, die diesem beide Beine weggerissen hätte. Keine Bestätigung. Paris, 4. Jänner. (Havas.) Wie.b-er „Marin" erfahrt, Hat die hiesige persische Gesandtschaft keine Bestätigung des Gerüchtes über ein Attentat gegen den Schah Pahlawi erhalten. Dev Thronfolger. Teheran, 3. Jänner. (Reuter.) Riza K h a n har seinen ältesten Sohn zum persischen Thronfolger ernannt. Der Minister des Aeußern ist zurnckgetreteu. (Der Kronprinz, Pahlawi Mvhammed Rhiza, ist neun Jahre alt und erhält eine Apanage von 300.000 Dollar.) Amerika» Teilnahme an der Abrüftmigrkonferenz. Washington, 4. Jänner. (Reuter.) Präsidem Coo» lidge hat den Kongreß in einer besonderen Botschaft um Bewilligung eines Kredites von 50.000 Dollar zur Bestreitung der Kosten der Teilnahme der Bereinigten Staaten an den Arbeiten des vorbereitenden Ausschusses für die Abrüstungsstagen ersucht. Der Präsident betont, die Beteiligung an den Arbeit! dieses Ausschusses bedeute keine Verpflichtunß zur Teilnahme an einer späteren Konferenz über die Herabsetzung d.'r Rüstungen. Nach seiner Ueberzeugung sollten die Bereinigten Staaten, soweit die vorbereitend; Untersuchung in Betracht komme, in den Grenzen Mitarbeiten, die sich mit den feftliegenden Politischen Richtlinien der Vereinigten Staaten vertragen. Ser Atonverricht der Kronprinzen Karol. Ein vertraulicher Kronrat. BMrest, 4. Jänner. (Tel.°Kvmp.) Unter dom Präsidium des Königs wurde ein vertraulicher Kronrat abgehalten» der sich -mit der durch den, T h r o n v e r z i ch t d e s Kronprinzen Karol geschaffenen Lage befaßte. Es wurde beschlossen, dem Parlament die folgenden -drei Gefetzesvvrlagen zu unterbreiten: 1. Ein Gesetz über die Mdankung des Chvon-solgers Karol und die Ernennung des vierjährigen Sohnes Michael des Exkronprinzen zunr neuen Thronfolger. 2. Ern Gesetz, mit dem das Statut des königlichen! Hauses abgeändert 'wird. Danach sollen in Zukunft alle Mitglieder des königlichen Hanfes auch in ihrer p'rivaten Lebensführung der Kontrolle des Königs unterstehen. Sie werden ihr Domizil nicht ohne besondere BewAigung des Mnigs ändern können. Ferner wird in diesem Gesetze die Lage der Exkvo-nprinzefsin Helena, der Gemahlin Karols, geregelt. Prinzefsin Helena -bl-eibt auch weit-erhin Mitglied der königlichen Familie. Sie wird den Titel einer „Prinzessin von Rumänien" führen und eine Apanage erhalten. Endlich werden in diesem Gesetz Bestimmungen über das Privateigentum des Exkronpringen getroffen, das zur Gänze im Besitz des Exkrönprinzen Kavol blzibt. Doch darf dieser vor Mlauf von zehn Jahren überhaupt nicht nach Rumänien zurückkehven imd auch nach Ablauf dieser Zeit nur mit besonderer königlicher Bewilligung. EMonPrinz Karol, der auch weiterhin runmnischor Untertan bleibt, erhält, nach seinem Gute Monastirea, den Namen,M o n a st i r e a n u". 3. Ein drittes Gesetz regelt die Frage der Regentschaft. Zn Regenten werden der Patriarch, Prinz Mola, der Mgere Bruder des Exkwnprinzen, sowie der Präsident des KaffationsgerichtShofe's ernannt. Die vom Kronrat gefaßten Beschlüsse wurden heut« dem rumänischen Parlament vorgelegt. Die Opposition hatte sich bereit erMrt, für die beiden ersten iGesetzesvorlagen zu sttmmen>, lehnte jedoch die dritte Vorlage über die Regentschaft entschieden ab. Nach stürmischer Debatte nahm die Kammer säMtliKe drei Gesetzesvor- 'lagen an., Kairo, 4. iJanner. (Reuter.) Der Sarkophag Tutankhamens ist Samstag im hiesigen Museum eingetrofsrn. Der Materialwert des Sarkophags wird auf 40.000 Pfund Sterling geschätzt.

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