Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2466 (4.1.1926)
- Date
- 1926-01-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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, % ~t-*<fc ^-'- '*• -w>t‘« m^"»s«y- E»^O -vM'E x&mum-M v*“m. '•W* ' SWÖlWII^ lii mW* Sugend und drr Sieten HaiessoV. UAbsgreWch und betrübend fft die Tatsache, baß bi« MMck jugendliche Generation in diesem Augenblick außer- Wb der Arbeit für den Keren Hajesiod steht^ und sich nicht gn den Bemühungen beteiligt, die Eingänge des Steten .hajesiod zu stärken, noch an der Erziehung des Volkes mit- HM, um ein« ständige Steuer zu sichern, die in stetem Wachst de« Austau Palästinas sördert. Die Ursachen sind verschied« Einevseit» wurde vielleicht sehr wenig seitens derj«M«,'dt< an der Spitze des Keren Hajesiod stehen, unternommen, um di« Äugend zu dieser Arbeit heranzuziehen. Sämtliche Bemühungen wurden vielmehr auf die momentanen Bedürfnisse konzentriert in dem Bewußtsein, die Deckung de» PalLstinoibudgetS sichern zu müsien. Andererseits überwogen innerhalb der Jugend die quasi „ästhetischen" Neigungen und der Gedanke, daß es nicht di« Ausgabe der Jugend sei, sich um Geldausbringung zu kümmern, sondern daß eS genüge, wenn die Jugend sich auf dem Altar der Chaluziuth opfere. Niemand kann wohl die erhabene Rolle der Chaluziuthbewegung verneinen und den Wert des SichselbstaufopfernS geringschätzen; aber die Jugend genügt damit keineswegs ihrer Gesamtausgabe. Die ganze Arbeit der Lhaluzim und das Gelingen derselben hängt ausschließlich von dem systematischen Aufbringen der nötigen Mittel ob. „ t Die jüdische Jugend muß sofort und unverzüglich einen aktiven Anteil an der Arbeit für den Keren Hajesiod nehmen. Drei Aufgaben hat die Jugend hinsichtlich des Keren Hajesiod zu erfüllen: a) Durch ein unaufhörliches Interesse und eine beständige Hingabe könnte die Jugend die Tiefe der Keren-Hejessvd- Jdeologie begreifen, was ei» unentbehrlicher Faktor für die Erziehung der weiteren Volksschichten ist. Die Jugend könnte r» die weiteren Schichten des Volkes hineindringen und dadurch den demokratischen Geist der Keren-Hajcssod-Bewegung erweitern. Die Hohe deS Minimalbetrages für den Keren HajeffÄ» kann es nicht verhiiwern, daß dieser Fonds ein demokratischer Fonds wird, nachdem ja das Minimum wirklich sehr gering rst. Die Jugerü wird kraft ihres natürlichen Radikalismus trotz aller Schwierigkeiten, aus die sie in der Wirklichkeit stößt, dem Maasierprinzip treu bleiben. Die Jugend wird also als treibender, befruchtender und belebender Faktor dienen, der auch für die Zukunft sorgt, während doch di«, di« für den Keren Hajesiod arbeiten, gezwungen sind, hcmptsächlich sich mn die Bedürfnisse des Augenblicks zu kümmern. h) Die Arbeit des Keren Hajesiod scheitert in verschiedenen Ländern an dem Mangsl an organisierten jugendlichen Kräften, di«, treu und ergeben, bereit wären, die schwierigen technischen und verantwortungsvollen Arbeiten des Keren Hajesiod zu leisten. Grr wichtiger Teil der Arbeit für den Keren Hajesiod gcht dadurch verloren, daß unS Menschen fehlen, die nach einer gvoßzÄigen Propagandatätigkeit der prominenten Redner in der Lage wären, einen persönlichen Kontakt mit den Leuten herzustellen und di« durch di« Propaganda geschaffene Stimmung auszunützen. Die Jugend wird durch die Erfüllung dieser Ausgabe nicht nur zur Stärkung des Keren Hajesiod beitwgen, sondern auch eine toste Brücke zu den verschiedenen Volksschichten schlagen. e) Das Gefühl, daß sich hinter ihnen eine mächtige Armee jugendlicher Kräfte sammelt, wird den Führern des Keren Hajesiod die Sicherheit geben, die zur Intensivierung ihrer Arbeit nötig fft. Eine kleine Zahl von Menschen wandert seit fünf Jahren von Land zu Land und appelliert an das Volk, intern sie es an seine Pflichten gegenüber Erez Israel erinnert. Es ist eine ermüdende Sisyphusarbeit, und die Stunde fft da, wo neue Arbeiter, jugendliche Kräfte, Zuströmen müsien, die die Müden ermutige« und «eue Energien für die Keren-Hajesiod-Bewegung schaffen. Sämtliche Bereinigungen, Gruppen und Jugendorganisationen, überall «nb unabhängig von ihrer Art, gHchweige denn diejenige Jugend in den verschiedenen Ländern, die ihre Zeit dem öffentliche« Leben und der Jugendbewegung widmet, müssen bergten, wie man die jüdische Jugendbewegung in aktiverem Maße 'an der Keren-Hajesiod-Avbeit beteiligen könnte. Mer dieser Gedawke muß sich sofort in die Tat uinsetze«, «icht nur dem Keren Hajesiod allein zuliebe, sondern auch «m des Fortschrittes willen unh der Entwicklung der jüdffcite« Jugendbewegung selbst. Für die Wischen Arbeiter in PalMna. Dollar der amerikanische« jüdischen Gewerkschaften. Die amerikanischen United Hebrew Trades mit Max P i n ß an der Spitze, haben beschlossen, ihre Kampagne für die organisierten jüdischen Arbeiter in Palästina wieder aufzunehmen, und zwar mit dem Ziel, diesmal 256.000 Dollar aufzubringen. Im vorigen Jahr hatten pe eine 150.000 Dollar-Kampagne mit Erfolg durchgeftihrt. Man erwartet, daß die diesjährige Kampagne rn Anbetracht des Interesses für Palästina, das durch den Besuch Ab-Cahans in Palästina rege geworden «st, rchne viel Mühe Ihr Ziel erreichen wird. Mt AeschWffe du 14. AloMenkongreffrr. Das Zentralbureau der Zionistischen Organisation in London gibt soeben unter dem Titel „Der 14. Zio- »istenkgngreß" einen kurzen Bericht über diesen heraus. Di« außerordentlich instruktive kleine Schrift enthält neben ei»«r Darstellung der zahlenmäßigen Zusammensetzung de's Kongresses und ejnem kurzgefatzterr Bericht über dtzn Kongreßverlaus vor allem in systematischer An- _**nr**tr* ordttung d i e Ge samt beit der auf dem Kongreß angenommenen Beschlüsse und Resolutionen. Dieser letzte Teil der Broschüre hat gegenüber ahnlichen Berichten über frühere Kongresie dadurch erheblich an Wert gewonnen, daß in einer jedem Kapitelder Kongreßbeschlüsse vorvuSgkschickte« Vorbemerkung das Zustandekommen der Beschlüffe erläutert und auf ihre Bedeutung innerhalb der zionistischen Entwicklung hingewiesen wird. Wir möchten di« Lektüre der neue» Schrift jetemt an der zionistischen Arbeit aktiv beteiligten Zionisten eindringliche empfehlen. Gin Palästimrjnhrbuch. Unter dem Titel „Palestine Annual" ersch'en soeben :m Verlag von A. Reid & Son, Cairo und Jerusalem, :n englischer Sprache ein reich illustriertes Jahrbuch über Palästina. DoS Buch enthält eine Fülle von Artikeln Über alle dre gegenwärtigen Verhältnisse und dr« Entwicklung Palästinas betreffenden Fragen. Ei» besondere- Kapitel ist unter dem Titel ,^JewH Life and Work in Palsstiue" dem neu n jüo.schcn Palästina gewidmet. vir Politik Stalin» tat Mtteimm. London, 4. Jänner. Die „Westminster Gazette" beleuchtet in einem Leitartikel die italienische Politik i m n a h e n O st e n, die sich den Ausbau von Rho. d'os als Stützpunkt ihrer Expension zum Ziele gesetzt habe. Nach der Ansicht des Blattes haben die Veröffent. lichungen in der italienischen Presse trotz aller halbamt. lichen Ableugnungen eine Bestätigung erfahren. Daß Italien wünsche auf dem Balkan di« Rolle des früheren Oesterreich-Ungarn zu spielen, sei nunmehr kein Geheimnis und eS werde intercsiant sein, ob und wie Mussolini unter den Augen Europas die Politik der Expeusion weiter verfolgen werte. Königinmutter Margherita im Sterben. Rom, 4. Jänner. Die.Königinmutter Margherita liegt in Bordighera im Sterben. Wahreiw der Rekonvaleszenz von einer Lungenentzündung ist sie plötzlich von einer Gehirnlähmimg befallen Worten. Sie bat bereits das Bewußtsein verloren. Die königliche Familie ist in Bordighera eingetroffen. Leopold Ratzirr gestorben. Gestern nachmittags ist im Krankenhaus der Stadt Wien der beliebte Schauspieler Leopold Natzler nach langem, schwerem Leiten verschieden. Leopold Natzler, ein Bruder des vor einigen Jahren verstorbenen. Siegmund Natzler, hat ein Alter von 66 Jahren erreicht. Er war ein trefflicher Gesangskvmiker, der seit 1888 in Wien wirkte, insbesondere am Theater an der Wien und am Raimudn-Theater. Sein ureigenstes Gebiet war die Gesangsposie, doch hat Natzler auch in Charakterrollen seine glänzende CharoktertsicrungSgabe gezeigt. Er hat auch eine Anzahl von Couplets verfaßt, die seinerzeit sehr populär waren. Vor zirka 20 Jahren gründete er mit seinem Bruder daS Kabarett „Die Hölle", von desien Leitung sie sich jedoch später zurückzogen. In erster Ehe war Natzler mit der Koloratursängerin Toni Rudolf vermählt. Auch seine Schwester, Regine Natzler, hat der Bühne angehört. In zweiter Ehe war Natzler mit der Schauspielerin Lilli Meißner verheiratet. An seiner Bahre trauern außer der Witwe drei unversorgte Kinder. K. H. Wolf — Berslchernngaagent. Wie der „Morgen" mitteilt, ist der ehemalige deutschradikale Führer, der Pogromantisemit K. H. W o l f, wegen seiner Mittellosigkeit dazu gezwungen, sich als Versicherungsagent sein Brot zu verdienen. Wolf ist über 60 Jahre alt und taub. Perez Wierniir sechzigster Geburtstag. Vor kurzem feierte der .Hauptmi-tarbeiter des N«w Aorker „J-w'ffh Morning Journal" Perez Wiernik seinen 60. Geburtstag und war aus diesem Anlgß Gegenstand verdienter Ehrungen. Wiernik ist einer der gewiegtesten, vielseitigsten und kenntnisreichsten jüdische« Journalisten. Besonderes Ansehen genießt Wier « i k. der über tiefes historisches Wissen verfügt, als ,Hxiefkaste«MNn" feines Blattes. Seme ,-Antworten" sind ein« Fundgrube geschichtlichen,, literarhistorischen und fprachwissenschasklichen Materials. Im Jahre 1012 erschien von Wiernik die „Geschichte der Juden in Amerika" in englischer Sprach^ die er später erweitert und perbessert selbst ins Jüdische übersetzte. Ae eirkirische Beleuchtung Haitar. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Am 10. Dezember v. I. erstrahlte» zum ersten Male die Straßen Haifas in elektrischem Lichte, unter der Bevölkerung herrscht große Freude, ganz besonders unter den Juden, nachdem der Kampf um di« Stadtbeleuchtung so lauge gedauert hat und erst jetzt der Widerstand der Araber hat überwunden werden können. Die Beleuchtung ist vorläufig noch etwas dürftig, da die Stadtverwaltung vorläufig nur 150 Lampen bewilligt hat. Die Siedlung Ha dar Hakarmel hat auf ihre eigene Rechnung 50 elektrische Straßenlampen eingeführt. Der Waad von Talpioth hat mit der Firma S a l z m a n n in Jerusalem einen Vertrag geschlossen aus Einführung von elektrischer Beleuchtung in oen Straßen und Häusern der Siedlung. Mit den nötigen Arbeiten soll demnächst begonnen werden. i. Mm,«? vm 1h. MB ©cdeimiflt willst««« SRitglieD SnotimUtanoriitns . . *• p*""“- (3- T. a.) Wi« sch«, atitgtttHt $ot!uä Jtnp.tel bti ««hrisch-n ÜRajirnUidn. »r>«n» pit Wssmschis, und Kunst — einer Eeilensiücke« zur Friedensklaff« depreußischen Pour le merite unter einer Reihe von Gelehrten und Künstlern auch Prof. Max L r«b« rma n « zum Mitglied gewählt. Wie jetzt weiter mitgeteilt wird, wurden in der Abteilung für Wiffenschaft auch ter ordentliche Professor der Chemie an der Universität MünffiUIftatter, ter wegen ter anti* Mischen Stimmung im Kollegium vor einiger Zeit seinen Rücktritt vom Lehramt erflärt hat, zum Mitglied des Ordens gewählt. Lir tofftanflen der AettangsgefcOfdjaft im Satte 1925. 22JS12 Fälle. Tie Wiener Freiwillig, Rettungsgesellschaft hat im rchre 1925 in nicht weniger als 22.612 Fällen erste i lfe gelefftet. Davon waren 7234 plötzliche Crkmnkungm und 18.688 Verletzungen. Unter den Verletzungen waren 1279 Knochenbrüche. AnSfahrten mußten im Jahre 1925 insgesamt 14.128 unternommen wevden. Die Anzahl ter Selbstmorde und Selbstmordversuche bei denen die Rettungsgesellschaft Hilfe leistete, betrug 17 91, davon waren 641 mit Giften, 467 durch Einatmen von Leuchtgas und anderen giftigen Gasen unternommene und 143 durch Schußwaffen ausgeführte. Bon Fuhrwerken wurden im Vorjahre 1556 Personen überfahren, und zwar 782 von Automobilen, 549 von der Straßenbahn und 225 von anderen Fuhrwerken. Die DurchschnittstageSlefftung der Wiener Freiwilligen RettungSgeselffchaft betrug 62 Fälle mit 40 AuSfahrten. Es bedeutet dies eine 17prozentige Steigening gegenüber dem Ja>hre 1924. (Ha neues Scharlachfernm. Amerikanischen Forschern ist eS gelungen, den bisher vev geblich gesuchten Scharlacherreger zu entdecken. Der Berliner Professor Dr. Ulrich Frtedemann macht darüber, tok uns aus Berlin gemeldet wird, in ter „Boss. Ztg." folgende Mitteilungen: Der Chikagoer Arzt Dr. George Dick und sein« Gattiy haben den Scharlacherreger in den Streptokokken gefunden, die sich bei Scharlachkranken aus den Mandeln ansetzen und die brandigeMandelentzündung hervormfen. Von dieser Feststellung ausgehend, hat ter amerikanische Arzt Dr. Docheh einScharlachserum. hergestellt, daß Professor Friedemann in Berlin ter Scharlachkranken zur Anwendung gebracht hat. Er berichtet darüber: ,^Jch habe bisher 25 schwerste Scharlachfälle mit dem Scharlachserum behandelt. Bei rechtzeitiger Einspritzung gelang eS stets, in etwa zeh u St unden das Fieber und den Ausschlag zum Verschwinden zu bringen. Auf Grund dieser Erfahrungen stehe ich nicht an, zu behaupten, daß den amerikanischen Forschern «in« der sieg reichst e n E n 1 d e ck u n g e n, die wir der Bakteriologie verdanken, gelungen ist." Prof. Friedemann bejaht auch die Frage, ob das amerikanische Scharlachfernm tem Scharlach Vorbeugen könne. „Das Serum", schreibt er, „heilt nicht nur die Krankheit, sondern schützt auch empfängliche Personen gegen Ansteckung. Der Schutz, den das Scharlachserum verleiht, ist aber nach etwa drei Wochen bereits abgelqufen. Durch wiederholte Einspritzung des Scharsichsernms soll eS jedoch, nach dem Bericht drr amerikanischen Autoren, gelingen, Kinder auf Jahre hinaus gegen Scharlach immun zu machen. Nach diesem Verfahren sind bereits in Amerika und anderen Ländern Taufende von Kindern immunisiert worden. Bestätigen sich diese Resultate, so ist die Hoffnung berechtigt, den Scharlach nicht nur zu heilen, sondern v o l l st ä n d 4 g auszurotten." Wien, 4. Immer. * (gilt Unfall bei d«« „Autorennen in der Luft" nn Zirkus Hagenbeck. Bei ter gestrigen Vorführung des „Autorennen in der Luft" würde her zweite von ter schiefen Bahn aürollende Wagen aus der Bahn herausgedrückt, wodurch ter erste Wagen, der mit dem zweiten in Verbindung steht, ebenfalls aus seiner Bahn geschleudert wurde. Die Heiden Wagen fielen inf.'lgedessen von ter schiefen Bahn herunter, Überschlägen sich in der Manege, ohne daß die im Wagen sitzenden Fahrer auch nur im gevinBe« verletzt wurden. Im Publikmu entstand wohl im ersten Moment eine gewisse Erregung. Ms es sich aber Lberrrugt hatte, daß von den Fahrern nieinanh verletzt wurde, überschüttete eS die Artisten mit einem tosenden Beifall. Es wurden noch an demselben Abend alle Vorkehrungen getrosfen, um die Sicherheit des PMkuniS und Artisten noch in erhöhterem Matze ,u gewährleisten. DK VorführuMN d,s Autorennens erleiten keine Unterbrechung. Der Hausarzt. Redigiert von Dr. Tan«! Beer. Me nervösen Krankheiten. Es gibt Amw «in MLnkheitsblld, das der Laie, an sich selbst und seiner Umgebung so oft findet und konstatiert haben will, M das der Nervosität. Go manchem Menschen wird nachgesagt, daß er schon das ganze Loben lang nervös gewesen sei, und so dürfte auch die jetzige vorliegende Krankheit nur Nervosität sein. Als gleichbedouteside AuBrücks werter Hysterie Md Veyrasthenie. angewendet.