Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2466 (4.1.1926)
- Date
- 1926-01-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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j Polen i 2S aroigyl Wien ^umAbholen ln6er Kxpeditlon, II., Taboistr. 1-3, oder in einet Verschleisstelle Trafik) mdnatl. b Schilling Strassenverkaui in Wien durch die Kolporteure der I■ irma Ool dschmied, I., VVollzcHe 11 Mit Fos<versand fflr Wien und ve. '.er eich monatlich 5 Schilling i schecho-Slowakel: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen:Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 »«ehMftlaage» M frei»* erhob an een Vorbehalten «r. 2466 Wiener orgmxettim Ljnonjn England: Mott 4 Schilling, Italien: Monatl. 18 Lire: Runänlen: Mon. 170 Lei. Bulgarien rMon.IOOLewe» Schweiz and das übrige Ausland monatlich Free, ä Redaktion, Administration Wien, II. Taboriir. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitatsstrasse 8-8 (Diuckerel!g. Steinmann) Wien. Montag. 4.3itnncr 1926 Oesterreichlsches Poetsparka >scn - Konto Nr. 150.693 8. ünftrgang Jas polnische AuslSnoergefetz angenommen. tzinschriintunk der Siechte der »ichtvolnischen StaatranseHSrkgen. Warschau, 4. Jänner. (I. T. A.) Der Sejm nahm das ^osetz betreffend die Einschränkung derRechiedernichtpolnischen Staatsangehörigen an. Durch das Gesetz werden die Juden, denen der Nachweis der Staatszugehörigkeit zu Polen schwer ist, betroffen. Die Vertreter der nationalen Minderheiten, insbesondere die jüdischen Parlamentarier, wandten sich mit aller Schärfe gegen die Annahme dieses Gesetzes. Ter jüdische Deputierte Hartglas führte in einer großangelegten Rede aus: Der junge polnische Staat darf sich übergroßer Strenge gegen „Fremde" nicht schuldig inachen, darf seinen eigenen Kampf um Freiheit nicht vergessen. Das Gesetz fordert, daß jeder über 16 Jahre alte Ausländer im Besitze eines Passes und eines ausländischen Visums sein müsse. Leider haben durch eine falsche Interpretation des Begriffes ,/Staatsbürger" zahlreiche Personen das p o l n i s ch e B iirge r re cht, ans das sie Anspruch haben, nicht erhalten. Sie sind aber auch nicht in der Lage, sich Paß und Visum eines ausländischen Staates zu beschaffen. Es gibt viele Unglückliche, die man aus Polen nach Rußland, dann wieder aus Rußland nach P o l e n ausweist, da Leines der beiden Länder ihre Staatszugchörigkeit anerkennen will. Ost werden solche Personen nur deshalb zur GreM abgeischoben. weil man ihr e Wohnungen für polnische Beamten requiriert hat. Abg. Prilutzky führte aus, in Westeuropa und in Deutschland sei man daran, den Paß- und Visumzivang abzuschaffen, in Polen aber konnte das Jahr 1925 nicht zu Ende, gehen, ohne daß eine neue gesetzliche Mensch e nplage geboren wurde. Das Gesetz, welches bestimmt, daß die Ausweisung von Fremden d e m f r e i e n V e r fü g e n der Administration anheimgestellt ist, macht der amtlichen Willkür Dür und Tor auf. Oft kommt es vor, daß staatenlose Bürger zwischen Rußland und Polen hin- und hergeschoben werden, bis sie Raubmördern zum Opfer fallen. Der Antrag der Wischen Deputierten, das Gesetz von der Tagesordnung abzusetzen, wurde abgelehnt, das Gesetz angenommen. Lakomrli geht. Warschau, 3. Jänner. (I. T. A.) Aus zuverlässiger Quelle verlautet, die Regierung habe beschlossen, dem von den nationaldemokratischen Kreisen Lembergs ausgehenden Druck nicht nac^ugehen und den Chef der Lemberger Kriminalpolizei Lukomski, der im Prozeß Steiger eine so traurige Rolle gespielt hat, endgültig zu verabschiede n. Lukomski wird noch int Verluaf dieser Woche seinen Posten verlassen. Ausgeschlossen ist auch nicht, daß Lukomski vor Gericht ge st eilt werden wird. Zusammenschluß der Mschra Gemeiuücr «Mens. Lemberg, 1. Jänner. (I. T. A.) Die R epr äs e nia nie nversammlung der jüdischen Gemeinde Lembergs beschloß die Einberufung einer Konferenz aller jüdischen Gemeinden Galiziens mit dem Doppelziel, eine! e i n h e i t l i ch e Wahlordnung für alle Gemeinden auszuarbeiten und einen Zusammenschluß der galizischen jüdischen Gemeinden hevbciznsühren. Ser große FarMearat. Rom, 4. Jänner. Die erste diesjährige Sitzung deS -roßen Fasziftemates wurde gestern im Palazzo Chigi mit einer Rede Mussolinrs eröffnet. Die Rede war ein Rückblick auf die Entwicklung des FaSziSmus tun letzten Jahr und eine Besprechung der künftigen Richtlinien für Regierung und Parlament. An der Sitzung nahmen die einflußreichsten Führer u nd alle M i nist e r teil. Die kommenden Sitzungen wurden nachts abgchalten-, damit Störungen der lcinstnden Geschäfte vermieden werden. Ser Sturm gegen Etevhen Me. Mn Appell Louis Lipskys. New-Aork, 2. Jänner. (I. T. A.) Ter Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas und Mitglied der Zionistischen Weltexekutive, Lous Lipsky veröffentlicht in dem offiziellen Zionistrnorgan „The New-Palestine" einen Appell an die Mitglieder des Nationalkomitees für den Palästina-Drive,- das Rücktrittsgesuch ihres Präsidenten Dr. Stephen S. W i s e nicht anzunehmen und die Stellungnahme des Rabbinerverbandes gegen Wise als grausam und ungerechtfertigt zu erklären, da Dr. W ise nicht gehört worden war, bevor ein Urteil über ihn gesprochen wurde. Ein Rücktritt Wises, so schließt der Appell, wird dem Zionismus in Amerika sehr schaden. Eine Erklärung Wises. New-Iork, 2. Dezember. (I. T. A.) Int Gebäude des jüdischen theologischen Seminars „Schechter" fand eine Rabbi n e r v e r s a m m l n n g statt, der mehr als 200 Rabbiner aus New-Iork und anderen Städten Amerikas beiwohnten. Die Versammlung beschloß, an Rabbi Dr. Stephen S. Wise einen Appell zu richten, er möge öffentlich erkören, daß der Inhalt seiner Predigt von der Presse falsch wiedergegeben worden war und daß er die Artssprüche, die ihm zur Last gelegt werden, nicht ..getan.. HÄ,,,Horch eine solche^Erklärung werde hie Angelegenheit zufriedenstellend' e r I.e big t sein. Dr. Stephen S. W i s e hat einen Tag vorher eine Mit-, teilung veröffentlicht in welcher er erklärt, keineswegs habe er in seiner Predigt gesagt, die Juden sollten die Lehre Jesu studieren, da diese Lehre ein unvergleichlichr ethischer Kodex wäre. Die Zeitungen, die über seine Predigt berichteten, hatten seine Worte entstellt, k e i n e w a r i m B e s i tz des geschriebenen Textes seiner Predigt, und so konnte auch keine Zeitung einen authentischen Text bringen. „Ich als j ü d i s ch e r R a b b i n e r und Lehrer sowie als Zionist," schloß Dr. Wise, „kann solche Ansichten, wie sie mir in den Mund gelegt wurden, unmöglich geäußert haben." Es bleibt abzulvarten, ob diese Erklärung auch von der Union orthodoxer Rabbiner als genügettd erachtet werden wird, um den Zwischenfall als betgelegt zu betrachtet!. Bewegte Konferenzen. New-Iork, 1. Jänner. (I. T. A.) Während eines zu Ehren des hier weilenden Präsidmten der Palästinazentrale der Agudas Jisrocl, Dr. S. E h r m a n n (Frankfurt a. M.) gegebenen Empfangs kam es zu einem Zusammenftoß zwischen Agudisten und Misrachisten bei der Erörterung der Angelegenheit Wise. Die anwesenden Zionisten fordern, daß über diese Angelegenheit an diesein Abend nichtgesprochen werde, während einige Agudisten die Frage erörtern wollten. Es kam zu sehr t u r b u l e n te n Szenen, so daß Polizei herbeigcrttfcn werden mußte, um die Ordtlttng aufrechtzuerhalten. Die zwischen der Union orthodoxer Rabbiner und den Misrachi-Führern nbgohaltene Versammlung nahm einen sehr bewegten Verlauf. Mr. Josef Barondeß, der Vizepräsident des amerikanisch-jüdischen Kongreffcs und der Initiator der Versöhnungsaktton, hielt eine begeisterte Ansprache zugunsten einer friedlichen Verständigung. Der Herausgeber des Jüdischen Tageblatts", Gedaliah Bub lick, erklärte, Dr. Wise müsst zurücktreten, es gäbe in dieser Frage keine Kompromisse. Eine Anzahl Rabbiner sprach in dem gleichen Sinne. Der gleichen Ansicht waren auch der Präsident der Misrachi-Organisation Amerikas, Rabbi Meyer Berlin, der Präsident der Union orthodoxer Rabbiner, Rabbi L e v i n t h a l, sowie Rabbi Bloch. Ter Herausgeber des „Jewish Morning Journal", der bekannte Zionist Jacob Fi sh man, ftllste die Versammlung an, einen Bruch zu vermeiden. Als er sah, daß er sich nicht durchsetzen konnte, brach er in Tranen aus. Die Konserettz nahm einen Beschluß cm, sich an der vereinigten Palästinaktmpagne so lange nicht zn beteiligen, als Dr. Wise der Führer ist, dagegen separate Drives zugunsten des Keren Hajessod und des Keren .Ka» jemeth zu organisieren. Rabbi Gabriel Sew Margolis, Rabbiner der Addas Jisrocl und Präsident der Knesseth Harabbonim, teilte der Sie Budavester ParmmaMre. Budapest, 4. Jänner. Der MmislLrrat hat sich gestern unter dem Zwang Fralttrcichs mit der Fälscherafsäre beschäftigen müssen. Es wurden Beschlüsse gefotzt, aus denen man auf die tatsächlichen Vorgänge Schlüffe ziehen kann. Landespolizei hauptmann Nadossy, der Freund Horthys, wurde beurlaubt und ist bereits nach Italien abgereist. Prinz Ludwig Windischgratz ist in seinem Palais unter Bewachung gestellt. Auch der Hon-, vedminffter Graf C s a k y ist nach Italien abgereist. Die französischen Behörden fordern die Berhrstung des gegewesenen Ministerpräsidenten Grafen Teleki,'des Mitgliedes der Mossulkommission des Völkerbundes. Gewisse Spuren führen auch nach Berlin. I. T/A. mit, daß er der Versammlung, die den Beschluß gegen Dr. Wise annahm, nicht beige wo h n t hat und daß er die Aktion der Union orthodoxer Rabbiner /nicht unterstützen wolle. ' In mehreren amerikanischen Städten wurden Protest- Versammlungen orthodoxer Juden gegen Dr. Wise abgchalten. . Mn Versöhrrungskomrtee. New-Iork, 1. Jänner. (I. T. A.) Unter Dilnahute des Vizepräsidenten des amerikanisch-jüdischen Kongresses, Mr. Josef Barondeß, sowie der Herren Rabbi Dr. de Sola Pool, Professor Richard Gottheil und Rabbi Maslianski fand in New-Aork eine Zusammmkunft prominenter amerikanischer Juden statt, in d:r Maßnahmen zur Herbeifühung eine Annäherung zwischen Dr. Wist und seinen Gegnern erwogen wurden. Rabbi Ebin machst den Vorschlag, eine gemeinsame Zusammenkunft Misch?» .her Exekutive der Zionistischen OrganisationAmerikas und den Führern der Union orthodoxer Rabbiner zu arrangieren und die Angelegenheit Wise einer für beide Seiten annehmbaren Lösung zuzuführen. Es sprachen noch Rabbi Levinthal, -Prä-. sid-nt der Union orthodoxer Rabbiner, Rabbi Maslianski, Mr. Josef Barondeß, Philipp Wartenberg, Abraham Goldberg, Dr. Margolis, Dr. Rongh und S. Dingol, Herausgeber des „Sog". Es wurde eine entsprechende Resolution angenommen und ein Komitee eingesetzt, das die Versöhnung herbeiführen solle. Dem Komitee gehören an: Rabbi Levinthal, Profeffor Margolis. Josef Barondeß, Vernarb Kemel und Dingol. Der Thronverzicht de« Krouvrinzen Karol. Bukarest, 3. Jänner. (Orient-Radio.) Die Blätter stellen fest, daß der Kronprinz nun schon zum drittenmal in diesem Jahre den Entschluß geäußert habe, auf den Thron und seine Rechte zu verzichten. Nach Informationen, die der Agentur Orient-Radio zugekommen silÄ, ist der diesmalige Entschluß des Prinzen auf r e i n p r i v a t e, keineswegs politische Gründe zurückzusühren. Morgen treten Kammer und Senat zur Nationalversammlung zusammen, um von dem Verzicht deS Prinzen Karol und der verfassungsmäßigen Uebertragung der Thronrechte auf seinen Sohn, den Prinzen Michael, Kenntnis zu nehmen. Ferner werden die beiden Kammern einzeln ansgefordert werden, die nach der neuen Sachlage notwendigen Bestimmungen in das Statut der königlichen Familie einzufügen. Der Ministerpräsident und der Justizminister sind heute nach S i n a i a abgereist, um diese Bestimmungen dem König zur Genehmigung vorzulegen. Die Fiuanzkonsereuzen in Washington. Washington, 4. Jänner. Die Besprechungen zwischen dem Schatzsekretär Mellon, dem Gouverneur der Bank von England Norm an, dem Generalzahlungsagenten Parker Gilbert, den leitenden Persönlichkeiten des Federal Reserve Board sowie den Sachverständigen des Schatzamtes, sind gestern fortgesetzt worden. An maßgebender Stelle verlautet, daß der Vorschlag ans,Begebung deutscher Eisenbahnobligationen auf Widerstand gestoßen sei. Auch die Entscheidung über die französische Anleihe bleibe in Schwebe, bis bekannt sei, welche Schritte die französische Regierung zur Sanierung ihrer Finanzen unternehmen werde. Man wolle abwarlen, welche Vorschläge Bereu» g e r für die Regelung der amerikanischen Schulden mit» bringe. Der italienische Konsul lu Haifa. Jerusalem, 2. Jänner. DK italienische Regti», ruug hat Hern Jardini zum ikaliemschou Konsul in Haifa ernannt.